27. Februar 2009

Und wieder Aufruhr im Vaterland

"Es hat diesen Holocaust sicher in diesem Umfang mit sechs Millionen Getöteten gegeben. Wir haben diese Zahl durch Abtreibungen aber bereits überschritten."

Angesichts dieses neuen Gipfels an unüberbietbarer "Perfidie", wie der - selbst unter friendly fire geratene - Herr Kramer meint, habe ich doch ein paar Fragen:

Ist das Schlimme an Bischof Mixas die Verharmlosung des Holocaust? Oder die Dramatisierung der gefälligst zu beschweigenden Abtreibungen in der BRDeutschland?

Liegt der eigentliche Verstoß, das, was diese Vehemenz der Reaktionen erklärt,im verharmlosenden Vergleich des Unvergleichbaren, oder nicht mindestens genauso darin, dieses unappetitliche, in den Wandschrank gepackte Thema klar und eindeutig anzusprechen? Das Tabu zu problematisieren? Die Ruhe zu stören, mit der die Nation Unrecht geschehen lässt?

Dürfte der Bischof dem Scipionischen Sprachgebrauch folgen und stattdessen von Killing Fields sprechen? Oder beleidigt er da auch jemanden?

Innerkirchlich sind klare Worte gefordert übers Wochenende, bischöfliche Solidarität als Ausdruck der Einheit des Kollegiums. Der Episkopat ans Mikrophon! Der Mainzer Kardinal kann vielleicht schon einmal den Satz mit neuem Objekt üben:

"Ich muss sagen, es tut mir für Bischof Mixa leid, der ja die lautersten Absichten hatte."

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

So langsam wird mir wirklich übel. Ich weiß schon nicht mehr, welches Presseorgan ich noch lesen kann, ohne meine körperliche Unversehrtheit zu gefährden...

Und, jetzt wirklich ganz unpolemisch gefragt und ganz naiv: WAS ist so unvergleichlich am fürchterlichen Holocaust? Ist das Leid der umgebrachten Juden so viel anders, als dasjenige der mit ihnen in den Lagern gestorbenen Sinti und Roma? Was ist mit den Millionen Abgeschlachteter in Rwanda, Kambodia, China, UdSSR und, und, und... ich frage, ohne auch nur im Geringsten das Leiden der Juden im Nazireich herabmindern oder geringschätzen zu wollen... was mich stört ist der Reflex, der einsetzt, sobald irgendwo, irgendwie Bezüge hergestellt werden - DAS Tabu schlechthin.
Im übrigen - inwiefern hat Mixa denn NICHT recht? Er sagt halt etwas, was unsere gewissensbetäubten Politiker und Journaille nicht hören will - dass Abtreibung Mord ist. Und ja - Abtreibungsärzte SIND Mörder, ob ihr´s hören wollt, oder nicht, Frau Schwarzer.
Diese Gedankenkontrolle erinnert mich doch stark an die schlimmsten Auswüchse der Inquisition... so, wie sie in deren "Schwarzen Mythos" übertrieben werden, nicht, wie sie wirklich waren.

Stanislaus hat gesagt…

Mh, die Inquisition an sich selbst war eigentlich anders intendiert, nämlich als Prototyp des modernen Gerichtswesens (von lat. quaerere).

Aber Du hast schon Recht, Anonym, die gegenwärtige Diktatur der Political correctness, die Vergleichen mit Gleichsetzen verwechselt, ist bisweilen ganz schön anstrengend.

Anonym hat gesagt…

Ich weiß, dass die Inquisition damals in vieler Hinsicht fortschrittlichen Prinzipien folgte und Grundlage unseres heutigen Strafprozeßrechts entwickelte (nicht zuletzt daran erkennbar, dass unser Prozeßsystem als "inquisitorisch" bezeichnet wird)- gerade auf die Verzerrung, die das in dem schwarzen Mythos "Inquisition" erfährt habe ich ja angespielt.