Charlie Musselwhite, der große weiße Blues Harmonica-Spieler, freut sich, daß die Kirche um ist:
"Now it ain't no harm if I feel like singin' the blues.
I done said my prayers and I'm done payin' my dues.
Live, let live, is my advice.
If you've got questions ask me nice.
Jump and shout, 'cause Church Is Out.
Women in the country hollerin', 'Whoa, Hah, Gee'.
Women in town hollerin' who'll take me.
Gotta gal waitin' with dreamy eyes.
Feels like lightnin' when she smiles.
Jump and shout, 'cause Church Is Out."
11. Juli 2009
Sonntagsnachmittagsblues
Welche Autorität?
Bascha Mika über ihre ehemaligen Redaktionskollegen von der taz:
"Es gibt diese seltsame Sehnsucht nach jemand, der führt - aber keine unangenehmen Entscheidungen treffen soll. Das blitzt immer mal wieder auf. Es gibt ein frei flottierendes Bedürfnis in der Redaktion nach autoritären, aber unverbindlichen Gesten. Ich finde das merkwürdig gerade bei Leuten, die von sich behaupten, nicht autoritär strukturiert zu sein." (Quelle: die taz selbst via peregrinatio)
Als ob es sich um die taz-Variante dessen handeln würde, was sich viele Katholiken von ihrem Papst oder Bischof wünschen.
Blogozesen-Update
Ich habe schon länger keine Neuzuzüge in die Blogozese begrüßt - dafür waren andere aufmerksam und haben ihr "Willkommen" schon entgegengebloggt.
Eine ganze Reihe neuer Blogs findet sich ab sofort bei den "Banknachbarn" rechts.
Ein namentlicher und besonders herzlicher Gruß geht an Maria Magdalena, die bloggt nämlich aus meiner unterfränkischen Nachbarschaft.
Ein allerfrömmstes Willkommen an alle!
(Parallel habe ich einige tote Links und tote Blogs aus der Liste gekickt. Such is life.)
Schäferinnen von der Stange
Yours Truly brauchte eine neue Hose und ging deshalb mit Gattin einkaufen. Die Hose war schnell passend gefunden; es schloß sich der obligatorische Gang durch die Damenabteilung an.
Mein Blick schweifte etwas ortlos über die Ständer und blieb an einem dieser kleinen Pappschilder hängen, die an dünnen Schnürchen von den Kleidungsstücken hängen.
"Feminine Pastorin in normaler Leibeshöhe" stand da geschrieben.
Der zweite Blick belehrte mich eines Normaleren: Es ging nicht um fromme Schäferinnen, sondern um "Feminine Passform".
9. Juli 2009
Restauration und die alltägliche Form der Liebe
Quasi als Nachschlag für die interessierten Leser, die sich durch das letzte lange Posting gekämpft haben, zwei passende Abschnitte aus dem Ratzinger-Report, auf deutsch 1986 im Verlag Neue Stadt als "Zur Lage des Glaubens" erschienen und immer noch erhältlich.
Im zweiten Kapitel des Buches, "Das Konzil neu entdecken", antwortet Kardinal Ratzinger auf die Frage Messoris, ob die Hierarchie beabsichtige, "die erste Phase der Nachkonzilszeit zu beenden" und "eine Art 'Restauration' in Gang zu setzen":
"Wenn mit 'Restauration' ein Zurückgehen gemeint ist, dann ist keinerlei Restauration möglich. Die Kirche schreitet vorwärts auf die Vollendung der Geschichte zu, sie blickt voraus auf den Herrn, der kommt. Nein: Man geht nicht zurück, noch kann man es. In diesem Sinn gibt es also keinerlei 'Restauration'. Aber wenn wir unter 'Restauration' die Suche nach einem neuen Gleichgewicht verstehen, nach all den Übertriebenheiten einer wahllosen Öffnung zur Welt, nach den zu positiven Interpretationen einer agnostischen und atheistischen Welt; nun gut, dann wäre eine 'Restauration', die in diesem Sinn verstanden wird (also ein neugefundenes Gleichgewicht der Orientierungen und der Werte innerhalb des katholischen Ganzen), durchaus wünschenswert, im übrigen ist sie in der Kirche bereits im Gange. In diesem Sinn kann man sagen, daß die erste Phase nach dem II. Vatikanum zu Ende ist." (S. 36f.) [Hervorhebung im Original]
Das zweite Zitat ist eines von denen, für die ich den Papst so liebe. Aber lest selbst:
"Mehr als je zuvor hat uns heute der Herr bewußt gemacht, daß nur Er Seine Kirche retten kann. Sie gehört Christus, an ihm liegt es, für sie zu sorgen. Von uns ist gefordert, mit allen Kräften zu arbeiten, ohne Angst und mit der Gelassenheit dessen, der weiß, daß er unnützer Knecht ist, auch wenn er seine ganze Pflicht getan hat. Auch in diesem Verwiesensein auf unsere Kleinheit sehe ich eine der Gnaden dieser schwierigen Zeit. Eine Zeit, in der die Geduld, jene alltägliche Form der Liebe, gefordert ist. Eine Liebe, in der gleichzeitig der Glaube und die Hoffnung gegenwärtig sind." (S. 13)
8. Juli 2009
Zwei Journalisten bei der Drecksarbeit und ein versöhnlicher Abschluß
Joachim Opahle, katholischer Rundfunkbeauftragter im Erzbistum Berlin und Vize-Präsident der europäischen Sektion des katholischen Mediendachverbandes "Signis" äußerte sich noch, ohne Roß und Reiter zu nennen: Skeptisch sehe Signis "die wachsende Zahl privater 'katholischer' Internet-Auftritte", von denen viele vorgäben, im Namen der Kirche zu sprechen und dazu "restaurative Ansichten" und "hoch ideologische [gemeint sind: hochideologische] Inhalte" verbreiteten. Unausgesprochen in Richtung von k___z.net zielte der Satz: "Besonders verwerflich seien Webseiten, die mit anonymen Beschimpfungen und Gerüchten denunzierten und Unfrieden stifteten", während zu guter Letzt in der von verschiedenen katholischen Presseagenturen in Deutschland, Österreich und der Schweiz verbreiteten Meldung (hier zitiert nach der Website des Bistums Linz/OÖ) die Bischöfe in die Pflicht genommen werden: "Er empfahl den nationalen Bischofskonferenzen den Aufbau von online-Plattformen, die attraktiv und professionell über die Kirche und den katholischen Glauben informierten." Und klar: Zensur oder Bevormundung wolle man keine. Nein.
Schon hierzu wäre viel zu bemerken gewesen: Was genau ist "restaurativ"? Befinden sich nicht manche dieser "restaurativen" Kräfte in der guten Gesellschaft von Joseph Ratzinger und Henri de Lubac? (Die Älteren unter uns erinnern sich an den Ratzinger-Report von 1985 und den damaligen Streit um das Restaurative...) Was genau ist so bedenklich an den privaten Internetauftritten von Katholiken, die nicht vorgeben, im Namen der Kirche zu sprechen? Wer soll mit welchem Geld die attraktiven und professionellen online-Plattformen aufbauen dürfen, die Herr Opahle und die Seinen ersehnen?
Ein paar Tage später legte Joachim Heinz, KNA-Redakteur für Inland, Kultur und Medien, per KNA nach, und zeigte - Vorsicht, Satire -, wie attraktiver und professioneller katholischer Journalismus aussieht. Nachlesen kann man das bei katholisch.de, einer dieser "attraktiven" und "professionellen online-Plattformen" der deutschen Kirche. Nicht daß Herr Heinz "Unfrieden stiften" (J. Opahle / Signis) will. Jeder hat mal seinen schlechten Tag. Auch hauptamtliche Journalisten.
Das sieht dann so aus, wie wir es von Spiegel, Bild und Konsortialorganen kennen: Erst einmal berechtigte Verdammungen ausstoßen, die Piusbrüder ins Spiel bringen, von Hardlinern raunen und von einer Szene, die sich immer weiter ausbreitet. Dann mit den "anonymen Beschimpfungen" und der von Opahle benannten Anmaßung, im Namen der Kirche zu sprechen, weitermachen und mit k___z.net abschließen. Damit ist der Kübel gefüllt, den man dann, wie die säkularen Kollegen in Hamburg, über andere Verdächtige mitausschütten kann. Daß die von Herrn Heinz in der Folge an den KNA-Pranger gestellten Sites "Portal zur katholischen Geisteswelt" und "Summorum Pontificum" weder vorgeben, im Namen der Kirche zu sprechen noch anonym schreiben, sondern mit vollem Impressum, tut nichts zur Sache. Gar nichts. Herr Heinz hat seinen schlechten Tag. Punkt. Selber schuld, wenn's den andern weh tut.
Was nun lassen sich die Kollegen Hardliner zu Schulden kommen?
P. Recktenwald, "Mitglied der vom Vatikan anerkannten Priesterbruderschaft Sankt Petrus, die sich 1988 von der Piusbruderschaft abgespalten hat" (Merkst Du den schwefligen Geruch, lieber Leser, der Dir in die Nase zieht?), veröffentlicht doch tatsächlich "Texte, in denen Homosexualität als heilbar dargestellt wird, oder Tipps zum sogenannten Homeschooling, also dem Heimunterricht von Kindern unter Umgehung der allgemeinen Schulpflicht". Inwieweit diese inkriminierten Texte unkatholisch sind, verschweigt uns der Herr Heinz - vermutlich weil er kalkuliert, daß es ungeschriebene Dogmen gibt, an denen keiner ohne Schaden für sein Renommee und seinen Ruf kratzt. Die beiden H-Themen sind solche Dogmen - und die erregen die Wohlmeinenden unter den Lesern von Herrn Heinz fast so wie das iota die Nizänischen Väter.
P. Recktenwald stellt sogar Texte zum Thema Medienpolitik online, die dem Herrn Heinz wahrscheinlich gar nicht gefallen. Von dem vielen anderen Material zur katholischen Geisteswelt - magere 98 % von det Janze - ganz zu schweigen, das Herr Heinz - schwuppdiwupp-hast-du-nicht-gesehen - stillschweigend ignoriert.
Daß jeder nur das sieht, was er sehen will, wussten wir schon lange. Daß manche per KNA als volle Wahrheit multimedial verbreiten dürfen, was sie mit engem Blick und noch engerer Stirn sehen wollen, sehen wir bei Herrn Heinz.
Und "Summorum Pontificum"? Der Macher dieser Seite hat aber doch bestimmt etwas verbrochen, oder? Die dünne Rechtfertigung, der Herr Heinz für seinen Mistkübelguß findet, hört sich so an:
"Nach dem Erlass von Papst Benedikt XVI. zur Wiederzulassung des tridentinischen Ritus benannt ist die Homepage von Summorum Pontificum. Unverholen [sic!] freuen sich deren Macher darüber, dass die Vertreter der Amtskirche «die Deutungshoheit im Cyberspace längst verloren haben». Unter der Rubrik «katholische Öffentlichkeit» verweisen sie nur auf Seiten, «die nicht am Tropf der Kirchensteuer hängen»."
Defätismus der eigenen Kirche gegenüber, der zum Ausschluß aus der Gemeinschaft der aufrechten Katholiken Deutschlands berechtigt. Dabei hatte Summorum Pontificum nur die Auslassungen von Herrn Opahle (s.o.) zum Anlaß genommen, um ein paar Binsenwahrheiten auszusprechen. Der O-Ton im Zusammenhang:
"Da müssen wir dem unbekannten Fachmann [gemeint ist Joachim Opahle] recht geben: Attraktiv und professionell ist es nicht, was die Bistümer da mit Millionenaufwand ins Netz stellen. Aber was die Ordinariokraten wirklich stört ist wohl, daß sie die Deutungshoheit im Cyberspace längst verloren haben. Kirchliche Dokumente, die früher selbst für Spezialisten kaum greifbar waren, laden ihre Schäflein heute brav als PDF von vatikan.va. Und wer zu Fronleichnam mit einem Fladenbrot am Spieß um die Gemeinde zieht, hat unversehens Zuschauer (und Zeugen) in der ganzen Welt. Da ist es schon ärgerlich, daß Laien ihre Stimmen nicht nur als Lektoren im Schutzraum der Kirche erheben, sondern ihr Katholischsein einfach so in die Welt rufen."
Deutliche Wort, aber keine von den Sünden aus der Opahle-Liste, die da z.B. heißen: Anmaßung, im Namen der Kirche zu sprechen, oder anonyme Beschimpfungen. Von links - aber wo liegt es? - würde man so etwas einen mündigen Laien nennen, einen Erwachsen-Glaubenden, einen, der sich wegen des Apparats in seiner Kirche nicht mehr zuhause fühlt, einen glaubwürdigen und authentischen Zeugen, der mit dem Mut des Außenseiters einen scheinbar verlorenen Kampf ficht. Von rechts - aber wo liegt es? - ist das restaurativ, reaktionär, hochideologisch, "Unkultur", gerne auch vorkonziliar, prämodern, bestenfalls - an den guten Tagen des Herrn Heinz wohl - "streng konservativ".
Ich mache den beiden Herrn Joachim Opahle und Joachim Heinz einen einfachen Vorschlag:
Sie beide sind Fachleute, Profis. Sie verstehen zu schreiben und zu recherchieren. Sie sind medienaffin. Warten Sie nicht auf die Bischofskonferenz. Fangen Sie doch einfach an und legen einen privaten katholischen Internet-Auftritt hin, der sich gewaschen hat. Reden Sie sich nicht auf die wenige Freizeit hinaus, die Ihnen vergönnt ist. Mehr Zeit haben P. Recktenwald, Herr Charlier oder ich auch nicht. Teilen Sie Ihre Einsichten mit uns, geben Sie uns Hintergrundinfos, überzeugen Sie uns mit lebendigem, authentischem Katholisch-sein im Cyberspace. Erzählen Sie von sich, von den kleinen Dingen des Alltags und den großen Trends. Bloggen Sie. Es kostet Sie keinen Pfennig. Es bringt Ihnen neue Freunde und der Kirche weitere vernehmbare Stimmen im Cyberspace. Gewinnen Sie eine Leserschaft, die dankbar ist, die mitdenkt, die mitstreitet. Seien Sie präsent. Mittendrin statt außen vor. Das geht ganz einfach.
Und sollten Sie doch eine Einführung ins Bloggen brauchen, was ich nicht glaube: Ich stehe gerne und (fast) jederzeit zur Verfügung.
No Depression und One Voice
No Depression - so hieß das Zentralorgan der Alt.Country/Americana/Roots Music-Bewegung von 1995 bis 2008. Nach 75 Ausgaben war aus finanziellen Gründen Schluß.
Nun hat No Depression den Inhalt aller Ausgaben frei zugänglich ins Netz gestellt - ein wahre Fundgrube und Grund zur Dankbarkeit für alle Fans. (via Twang Nation)
Unser Dankeschön besteht in einer - sehr melodischen - Kostprobe dieser Art von Musik: Die Wailin' Jennys singen mit einer Stimme ihr "One Voice".
7. Juli 2009
"Das ist Gott-weiß-wer."
Wer war und ist eigentlich dieser Michael Jackson, der da gerade beerdigt wird? Jemand wichtiges? Muß man den kennen? Gab es da nicht mal einen, der unter Pädophilieverdacht stand - hab' das damals nicht weiterverfolgt. So'nen Sänger mit schmaler Nase?
Egal: Der GUte GOtt sei seiner und unserer Seele gnädig.
Erster Eindruck - nicht mehr
Die Enzyklika Nr. 3 des Papstes habe ich mir heute ausgedruckt und schnell mal im Daumenkino überflogen. Mein erster Eindruck war: Diesmal haben wir vergleichsweise wenig von der ipsissima vox Papae, von der unverwechselbaren Diktion Joseph Ratzingers. Das nimmt nichts von der Verbindlichkeit, ist keine Kritik oder kein Kratzen an der Autorenschaft - lediglich eine Hypothese, die sich bei der Lektüre bestätigen wird - oder auch nicht.
Das gemeinsame Steak aller Gläubigen
Vom Pfarrfest einer mir bekannten Pfarrgemeinde wird mir folgende Begebenheit berichtet:
"Ein schönes Steak für den Herrn Pfarrer!" ruft es von der Essenstheke nach hinten zum Grillmeister. Der legt das schönste und größte Steak auf den Teller, dekoriert einen ordentlichen Löffel gebratener Zwiebeln darüber und will es nach vorne reichen. Dann stutzt er:
"Aber ich sehe unseren Pfarrer doch gar nicht. Wo ist er denn?" - "Ja, das ist doch für den evangelischen Pfarrer!"
Prompt wandert das Idealsteak wieder auf den Grill, und der evangelische Pfarrer bekommt ein Stück Fleisch gleicher Größe und Güte wie jeder andere normale Festbesucher.
Ich bin mir nicht sicher, wie ich diese Anekdote einordnen soll: Ist sie ein Beispiel katholischer anti-ökumenischer Gesinnung, die schon längst überwunden sein sollte? Zeigt sie symbolhaft die Differenz in der Ämtertheologie beider Konfessionen? Oder nur die Wahrnehmung dieser Differenz durch das mündige katholische Kirchenvolk?
6. Juli 2009
Wir Freunde der Indianer
Da staunt der Ami: "Warum verbringen 40.000 Deutsche ihr Wochenende als Indianer verkleidet?"
Echte Indianer freuen sich ganz und gar nicht, wenn wohlmeinende Deutsche Todsünden begehen:
"Some Natives do take issue. When he first traveled to Germany, David Redbird Baker, an Ojibwe, thought adults playing cowboys and Indians were cute. But when the hobbyists began staging sacred ceremonies like ghost and sun dances and sweat lodges, Baker was offended.
'They take the social and religious ceremonies and change them beyond recognition,' says Baker, who believes that hobbyists, in claiming the right to improvise on the most sacred rituals, have begun to develop a sense of ownership over Native culture. They’ve held dances where anyone in modern dress is barred from attending—even visiting Natives. They buy sacred items like eagle feathers and add them to their regalia. They’ve even allowed women to dance during their 'moon time,' which is, according to Baker, the equivalent of a cardinal sin."
Der Cree-Indianer und Filmemacher John Blackbird lernte deutsche Gründlichkeit kennen und unsere Bereitschaft, andere über ihr wahres Wesen aufzuklären:
"Once, as part of his promotion efforts, he described his documentary in an e-mail to a hobbyist organization as being about 'Indian life.' He received a quick response informing him that the proper term was 'First Nations,' that he would do well not to use racist terminology.
'I am an Indian!' Blackbird shot back. 'My friends are Indians, my family are Indians. We have always called ourselves Indians. I have a status card from the Canadian government that tells me I am an Indian. You have no right to tell me what I am.'"
4. Juli 2009
Entlastendes zur Westernmese
Kaum war das letzte Posting ins Web gestellt, fiel mir noch ein Sachverhalt ein, der den Herrn Dompfarrer von Wien bei seiner Westernmesse entlasten könnte:
Mit "O Happy Day" wurde tatsächlich ein Spiritual gewählt, das ohne falsche Scheu vor zeitgenössischen Ohren auf der sündenvergebenden Macht des Kreuzestodes Jesu Christi und der Taufe auf Seinen Namen, auf Seinen Tod und Seine Auferstehung besteht.
Das hört man ja sonst eher selten aus klerikalem Mund heutzutage, mindestens so unverpackt und unverblümt - und noch in seiner existentiellen Bedeutsamkeit als letzthinniger (das Theologendeutsch fließt mir ganz schön in die Tastatur heute, nicht wahr?) Grund unserer Freude. Und ganz ohne vorsichtige Einschränkung, daß man diese alten Worte heutzutage ja eigentlich nicht mehr so recht singen, sagen oder glauben könne.
Ein Schelm sei, wer da denkt, es habe vielleicht ein Priester oder sonstiger hauptamtlicher Christ einen Moment geschlafen und altkirchliche Orthodoxie durchgewunken.
Empörtes zur Westernmesse
Die "Messe", die der Wiener Dompfarrer am letzten Sonntag auf einem "Westernfestival" gefeiert hat, verdient heftige Kritik - auch und gerade auf diesem Blog, der sich ja zu einigen der berüchtigten Verletzungen der liturgischen Ordnung der Una Catholica et Sancta - wie der berüchtigten Fladenbrot-Prozession von Linz - nicht geäußert hat.
Was wir bei gloria.tv sehen, ist ein Priester und eine "Gemeinde", die von Liturgie wenig bis nichts versteht. Johann Baptist Metz definiert Liturgie einmal als Unterbrechung. In Wien wurde nichts, aber auch gar nichts unterbrochen: Die Würstchen brutzelten weiter, Bier wurde gezapft, Geld wurde kassiert. Liturgie, die sich nahtlos einpasst in den bürgerlichen All- und Sonntag, wird Konsumreligion, wird harmlos, wird gezähmt, verliert außer dem rebellischen auch ihr tröstendes Potential. Mag die rebel flag noch farbig da stehen: Religion wird hier nahtlos eingepasst (eingespaßt) in den Let's-have-some-fun-Sonntag der Großstadtbewohner.
Unter den Mitfeiernden, wie es scheint, befanden sich nur Weiße und keine Afrikaner oder African Americans. Zum Glück. Denn die hinterm Altar aufgestellte Kriegsfahne der Konföderierten ist nun einmal nicht nur die Flagge großer Generäle und staubgrauer Hillbillies in ihrem Kampf gegen Yankeeherrschaft, auch nicht nur das Banner, unter dem Lynyrd Skynyrd oder Hank Williams Jr. auftreten. Sie ist - und sei es auch erst seit den Bürgerrechtskämpfen in den 50ern und 60ern - Symbol für Rassismus und Unterdrückung. OK, OK, muß ein Dompfarrer nicht wissen, und immerhin gab es zur Rassenversöhnung ja auch Gospelmusik. Wer "Oh happy day" singt, kann kein schlechter Mensch, schon gar nicht Rassist sein.
Und ein drittes: Mich wundert es wirklich nicht, daß Country & Western hierzulande einen so schlechten Ruf hat. Wir haben Tom Astor, Truckstop - und bieder-anbiedernde Westernmessen auf der "Countryinsel". Echt ist da nichts, die Gefühle genauso verkehrt wie die Uniformen des Old Mississippi Country Club Austria. Da ist mir die Kombi aus richtig gefeiertem römischen Ordo - aut novus aut vetus - und richtiger Americana-Musik lieber. Allemal.
Zum Trost Dr. Ralph Stanley mit Bruder und der englischen Version eines bayerischen Volksliedes:
Kurze Momente irdischen Glücks

Amseljunge im anthrazitenen Anzug rücklings im Nest, strecken der Sonne den Hals entgegen. Die Augen geschlossen, die Schnäbel leicht, wie zum Atmen gesperrt. Frieden auf 5 quadrat pi, während rings die Kettensägen klagen und Motoren vor der Steigung jaulen. Noch fünf Tage zum ersten Sprung auf den nächsten Ast, flatternd hinaus in die Welt.
3. Juli 2009
Die Franzosen mal wieder
Genau so, wie uns Jürg Altwegg das schildert, stellen wir uns das vor: Als kleines Mittel, Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu bewältigen, senkt Frankreich den Mehrwertsteuersatz für Restaurants und Bistros.
Wir hier diesseits des Rheins würden uns gewiß (fast) alle mehr freuen, wenn uns die Mwst auf alle Aldi-, Lidl-, Penny- und sonstige Discounterartikel gesenkt würde. Und auf Hiltis.
2. Juli 2009
Der Pater familias als Vollblut
Wenn ein "Vollblutfunktionär" so eine Seite zum Geburtstag gestaltet bekommt, dann muß er mehr Vollblut als Funktionär sein.
Das ist er auch. Und zwar nicht erst seit heute, sondern schon seit ich ihn kenne. Und einer, der den Namen des HErrn fürchtet, ist er ohnehin - was aber wiederum den Turnverein nicht interessieren muß.
Ein Lied wächst in Brooklyn
Christianity Today wartet mit einer schönen Reportage aus Brooklyn auf: Alissa Wilkinson traf sich dort mit Welcome Wagon alias Vito und Monique Aiuto. Christliche Popmusik aus dem presbyterianischen Pfarrhaus.
Musikproben gibt es auf der Welcome Wagon-Seite in MySpace und natürlich bei youtube:
Das Paulusgrab
Wie sicher muß man sein, um das Paulusgrab für das Grab des Apostels Paulus a.k.a. Saulus aus Tarsus zu halten?
Ich meine: Wer glaubt, daß der kürzlich verschiedene "Michael Jackson" identisch sei mit dem 8. Kind des Ehepaars Joseph und Katherine Jackson aus Gary, Indiana, sollte damit keine Probleme haben. Mehr Glauben fordern auch die Reliquien in St. Paul vor den Mauern nicht.
Klaus Berger findet für die "Welt" und "kath.net" schöne Worte über die Grabbeigaben und über die allgemeine Skepsis - so als sei B16 ein Naivling, wenn er sich über dieses Geschenk an die Kirche und alle Christen freut.
"Große Widerstände kommen natürlich daher, dass man inzwischen weder die altkirchliche Liturgie kennt noch die altkirchliche Archäologie, und dass der Sinn für die leibliche Gegenwart der Heiligen in der katholischen Kirche verloren gegangen ist – also für jenes Element, das jedem Altar jeder katholischen Kirche noch eingemauert wurde. In jedem Altar liegen noch Knochen von Heiligen im so genannten 'Sepulchrum'. Jeder Altar ist also auch ein kleines Heiligengrab. Sonst darf er gar nicht geweiht werden. Das wissen inzwischen aber selbst viele katholische Priester nicht mehr. Trotzdem gibt es immer noch Reliquien in jedem Altar. Die völlige Vergeistigung des Christentums ist aber ein typische Merkmal des 19. Jahrhunderts. Mit den materiellen leibhaften Ursprüngen hat das nichts mehr zu tun. Erst im 19. Jahrhundert hat man sich intensiv von der Leiblichkeit abgewendet. Doch nun zeigen diese Funde – sowohl des Petrusgrabes wie die des Paulusgrabes – eben wieder genau dies: Rom wurde bedeutend, weil es die Gräber der beiden Apostel hatte, egal, was Petrus und Paulus hier noch im Einzelnen gewirkt haben. Entscheidend für die alte Kirche war die Existenz dieser Gräber. Damit waren ihre Ursprünge leibhaftig zu fassen."
30. Juni 2009
Bärlauch und Gras
Für Cicero berichtet Alexander Kissler von der Priesterweihe, die die Priesterbruderschaft St. Pius X. am letzten Wochenende in Zaitzkofen vornehmen ließ.
Was auch immer noch dazu zu sagen wäre - die folgenden Passagen ließen mich denn doch nachdenklich werden:
"Stärker noch als nach Weihrauch riecht es nach Bärlauch und Gras. Der gesamte Schlosspark ist ein Paradies für Bärlauchfreunde...
Draußen nähert sich das Thermometer den dreißig Grad. Eine Blaskapelle spielt, es riecht nach Bratwürsten und immer noch nach Bärlauch. Der Weihrauch aber hat sich verzogen."
Und was ist mit dem Geruch nach Gras bzw. "Gras"?
29. Juni 2009
Musik zum späten Abend
Seasick Steve tritt hier vor einer Herde DSDS-geschädigter Teenies auf, die den Krach, den der Gute in der direkten Nachfolge diverser Bluesgötter hier aufführt, gar nicht zu würdigen wissen.
28. Juni 2009
Richtiges Bier
Noch ein Video - diesmal im weitesten Sinn passend zum heutigen Pfarrfesttag: ein Werbevideo der amerikanischen "craft brewers":
Natürlich gibt es bei uns Bier aus einer Familienbrauerei mit bischöflichem Patronat:
Deutsch als Fremdsprache
Und wo wir es in den letzten Tagen vom Deutschen hatten: "Sprecken Sie Doitsh?"
Augustinus zum Pfarrfest
Ein Pfarrfest, wie ich vor einigen Jahren einmal hier bemerkt habe, feiert nicht nur christliche Gemeinschaft und Bruderliebe, sondern ist häufig auch ihr Ernstfall - ein paar hundert Christen in einem großen Zelt produzieren in der Regel einiges an übler Nachrede und gegenseitigem Geben und Nehmen von Ärgernis.
So nehme ich das Augustinuszitat bei Daily Eudemon als persönlich gemeinte Ermahnung, bevor ich um 10.30 Uhr meinen "Dienst" antrete:
"Strebt danach, jene Tugenden zu erwerben, von denen ihr denkt, daß sie euren Brüdern fehlen. Dann werdet ihr ihre Fehler nicht mehr länger sehen, weil ihr selber sie nicht habt.
Strive to acquire the virtues you think your brothers lack, and then you will no longer see their defects, because you yourselves will not have them.”
27. Juni 2009
Die Finanzkrise visualisiert
The Crisis of Credit Visualized from Jonathan Jarvis on Vimeo.
(via peregrinatio)
Dich aber, o süße Sprache Deutschlands...
Al Idioma Aleman
Mi destino es la lengua castellana,
El bronce de Francisco de Quevedo,
Pero en la lenta noche caminada,
Me exaltan otras músicas más íntimas.
Alguna me fue dada por la sangre-
Oh voz de Shakespeare y de la Escritura-,
Otras por el azar, que es dadivoso,
Pero a ti, dulce lengua de Alemania,
Te he elegido y buscado, solitario.
A través de vigilias y gramáticas,
De la jungla de las declinaciones,
Del diccionario, que no acierta nunca
Con el matiz preciso, fui acercándome.
Mis noches están llenas de Virgilio,
Dije una vez; también pude haber dicho
de Hölderlin y de Angelus Silesius.
Heine me dio sus altos ruiseñores;
Goethe, la suerte de un amor tardío,
A la vez indulgente y mercenario;
Keller, la rosa que una mano deja
En la mano de un muerto que la amaba
Y que nunca sabrá si es blanca o roja.
Tú, lengua de Alemania, eres tu obra
Capital: el amor entrelazado
de las voces compuestas, las vocales
Abiertas, los sonidos que permiten
El estudioso hexámetro del griego
Y tu rumor de selvas y de noches.
Te tuve alguna vez. Hoy, en la linde
De los años cansados, te diviso
Lejana como el álgebra y la luna.
Zur Übersetzung der Ode von Jorge Luis Borges an die deutsche Sprache hierher.
26. Juni 2009
Wessen Sprache?
"Deutsch ist eine der tiefsten, ausdrucksstärksten Sprachen auf Erden." So wird hier Wolf Schneider, einer unserer bekannten Sprachlehrer zitiert. Ich kenne zu wenige andere, um zuzustimmen oder abzulehnen. Aber wenn er dann fortfährt: "Deutsch ist die Sprache des Protestantismus, des Marxismus und der Psychoanalyse", überlegt man als deutscher Katholik schon, ob er die Reihe nicht zu früh abgebrochen hat (bevor er noch "Nationalsozialismus" sagen konnte) und ob man nicht doch in eines der romanischen Idiome hinüberwechseln sollte, in die Sprache Thomas', Dantes oder Cervantes' zum Beispiel.
Just joking.
25. Juni 2009
Spaß-Christentum
Vor einigen Jahren wurde manchen katholischen Bloggern vorgehalten, sie blödelten zu sehr und zu oft, und das Schlagwort "Blödelzese" machte die Runde. Das ist inzwischen alles verjährt und vergessen. Ich rief damals St. Gilbertus de Chenesituno als Zeugen in meiner Sache auf.
Vorhin las ich in einem Artikel, der sich mit seiner ganz speziellen persönlichen Heiligkeit befasst, ein paar Sätze von ihm, die auch damals gepasst hätten:
"I have begun to realise that there are a good many people to whom my way of speaking about these things appears like an indication that I am flippant or imperfectly sincere... I think I see the naturalness of the mistake, and how it arose in people so far removed from the Christian atmosphere. Christianity is itself so jolly a thing that it fills the possessor of it with a certain silly exuberance."
("Ich habe begonnen zu verstehen, daß es recht viele Leute gibt, denen meine Art, über diese Dinge zu sprechen, wie ein Hinweis erscheint, daß ich frivol oder nicht vollständig aufrichtig sei .. Ich sehe, glaube ich, wie natürlich dieser Fehler ist und wie er bei Leuten auftrat, die jeder christlichen Atmosphäre so fern stehen. Das Christentum selbst ist eine so fröhliche Angelegenheit, daß es den, der es besitzt, mit einer gewissen albernen Ausgelassenheit erfüllt.")
"From Houston, Texas: The Bluesman Lightnin' Hopkins!"
Sam Lightnin' Hopkins lässt es perlen und schwingen:
Genau dafür wurde YouTube erfunden.
24. Juni 2009
Was Dan Brown nicht einmal zu ahnen begann
Für alle Liebhaber von Verschwörungstheorien lüftet Matthew von The Shrine of the Holy Whapping ein paar Geheimnisse. Oder wusstet ihr, daß die Franziskusstatuen vor den Kapuzinerkirchen und in den Klostergärten alle mit einer Mini-Kamera versehen sind und alle Aufnahmen in eine Gruft unter der Basilika in Assisi übertragen werden?
Daß die Jesuiten entstanden, um aller Welt die große katholische Verschwörung vorzuspielen und anderen Initiativen Deckung zu geben. Eine Aufgabe, die heutzutage das Opus Dei übernommen hat, erfolgreich. Die wahre Gefahr geht übrigens von jenen harmlos scheinenden rosa gewandeten Nonnen in einem Bunker im ländlichen Iowa aus, die demnächst die Weltregierung übernehmen.
Dann natürlich die Kartäuser: Ist aus deren Klöstern je einer zurückgekommen? (Außer Philipp Gröning - und der war gehirngewaschen.) Oder der Karmel mit Eliah und fliegenden Feuerwagen, Ufos und allem - Aufschlagstelle fremder Intelligenzen. Was sonst?
Vorsicht also vor all den harmlos scheinenden, freundlich lächelnden gottgeweihten Personen: Sie durchschauen dich, instrumentalisieren dich für ihre Zwecke und schwupp, bist du nützlicher Idiot.
Die Orden sterben aus? - Daß ich nicht lache, sagt der Verschwörungstheoretiker. Die werden nur unsichtbar, gleichen sich äußerlich der Welt an, um in all den neuen geistlichen Gemeinschaften dieselben alten Ziele zu verfolgen wie schon seit 2000 Jahren.
Vor Ort bei den Extremisten
Til Huber berichtet in der FAZ aus Zaitzkofen, wo die Piusbrüder wohnen und demnächst wieder Priester weihen wollen. Ein Bericht jenseits der üblichen Schwarz-Weiß-Malerei und daher lesenswert.
Unerkannt eingeschlichen hat sich übrigens Fritz Wallner, der als ehemaliger PGR-Vorsitzender von Schierling Zeugnis gegen die Pius-Brüder ablegt. Bekannter war Wallner bisher als Gegner des Regensburger Bischofs und als Aktivist der "Kirchenvolksbewegung", die bekanntermaßen lieber den vermeintlichen "Geist des Konzils" beansprucht anstatt dem Buchstaben folgt.
Kirchenvolkes Stimme sieht das recht klar:
"Im Gasthaus Prückl schmunzeln die Männer am Tisch, trinken ihr Bier. Der Wallner, sagen sie, sei halt schon immer gegen die Pius-Brüder gewesen. Aber der sei ja auch ganz schön extrem - auf seine Art."
22. Juni 2009
Dylan propheta, magister, philosophus
Propheta
Daß der amerikanische Präsident bei Gelegenheit zum aggressiven Fliegenfänger mutiert, hat sich herumgesprochen.
Weniger bekannt ist, daß Bob Dylan genau das in seinem Tombstone Blues 1965 schon prophezeit hat. Dort heißt es nämlich:
"Well, John the Baptist after torturing a thief
Looks up at his hero the Commander-in-Chief
Saying, “Tell me great hero, but please make it brief
Is there a hole for me to get sick in?”
The Commander-in-Chief answers him while chasing a fly
Saying, “Death to all those who would whimper and cry”
And dropping a bar bell he points to the sky
Saving, “The sun’s not yellow it’s chicken”.
RightWingBob hat das mit Leserhilfe jetzt publik gemacht.
Magister:
Im Rolling Stone vom Juni 2009 findet sich die Übersetzung eines neuen Interviews von Douglas Brinkley mit dem Barden. Sie enthält unter anderem diese denkwürdige Passage:
"Als ich ihn auf seine Begabung anspreche, sich vom hektischen Treiben der Welt abzukoppeln, zitiert er Scipio: 'Scipio, der große Bezwinger Hannibals, sagt: 'Ich bin nie in besserer Gesellschaft, als wenn ich allein bin.' Für Dylan ist das eine Volksweisheit, nach der man leben kann. Eine Weisheit, die auch Hank Williams verstand. 'Einsamkeit ist wichtig für einen Menschen', sagt er zu mir, ganz der Lehrer. 'Man muss etwas über sich lernen und Dinge herausfinden, und das geht gut so. Zu viel davon ist natürlich nicht gut. Man kann alles missbrauchen.'"
Philosophus
Ein Stück weiter im Artikel schreibt Brinkley:
"Weil Ostern ist, will ich ihn nach der Bedeutung der Bibel für sein Leben fragen. 'Klar', sagt er, 'auch die anderen ersten Bücher, die ich las, waren biblische Sachen. 'Onkel Toms Hütte' und 'Ben Hur'. Das waren die Bücher, in denen ich die Religion fand. Später las ich immer wieder Plutarch. Und Cicero, Tacitus und Marcus Aurelius... Ich habe es mit der Moral. Es wird ja viel darüber geredet. Manche sagen, man kann Moral nicht per Gesetz verordnen. Vielleicht nicht. Aber Moral hat inzwischen einen schlechten Ruf. Bei den Römern setzte sie sich aus vier Dingen zusammen: Weisheit, Gerechtigkeit, Mäßigung und Mut. Das sind die Elemente, die die Tiefe der Moral eines Menschen bestimmen. Und daraus ergeben sich die Verhaltensmuster, nach denen man in allen Situationen reagiert. Ich betrachte Moral nicht als etwas Religiöses.'"
Ein bißchen ins Unreine, wo Weisheit nicht das selbe meint wie Klugheit, und Tapferkeit etwas anderes als Mut, aber wir sehen: Bob Dylan ist ein Tugendethiker in irgendwie aristotelischer Tradition: Es ist der tugendhafte Mensch, der gut handelt. Und das steht allen offen, dafür muß man kein Katholik sein, nicht einmal Christ.
Aufgabenliste für das Priesterjahr
Elsalaska war nicht nur auf Heiligentour zum hl. Joseph von Copertino, sondern verlinkt auch auf die "8 Dinge, die wir für unsere Priester tun können". Alles Dinge, die ihnen helfen, Priester zu sein, nicht mehr, nicht weniger.
Die extravaganten Höhenflüge dürfen sie gerne den speziellen Berufungen überlassen, dem hl. Joseph von Copertino zum Beispiel.
Anglikanisches Freibier
Ein Freund - selber einmal episkopalischer Pastor - schickte mir einen Hinweis auf einen Artikel des Telegraph: Church blesses fathers with beer. (Ich lese momentan Benedikts Mittwochskatechesen und in meinem Kopf formte sich der Titel erst einmal um um zu "Church fathers bless beer.")
Chesterton fände den Ansatz der beteiligten Kleriker sicher gottgemäßer als jeden Versuch, zu Abstinenz aufzurufen. Ein bißchen humorvoller und paradoxer hätte er es allerdings schon formuliert statt so:
"'Posies of flowers are given to mums on Mothering Sunday and we wanted to give a laddish, blokeish gift to the men. A bottle of beer hits the mark. The whole of life is to be celebrated in church.'
However, Don Shenker, chief executive of Alcohol Concern, criticised the Church, claiming that it was acting irresponsibly.
'Bearing in mind the country is facing rising health harms from its high level of alcohol consumption, anyone in a position of authority or respect should perhaps think twice about promoting alcohol to the public,' he said.
Bishop Inge said that it was wrong to claim that the move would encourage alcholism, and encouraged churches to use it as a way to reach out to men.
'Jesus created a lot more wine at a point in the party when some thought that there had already been enough drinking. He was all in favour of partying,' the bishop said.
'We give wine away every Sunday, so giving away beer could be said to going downmarket a bit, but it's an attempt to speak of God's generosity.'"
Und Freibier allein macht es auch nicht. Gebt den Männern was zu tun. Und lasst die Frauen für diesmal draußen. Und führt feste Regeln ein ("Stop being creative. Don't invite them to be creative."). Und haltet euch dran. (Mein Freund kommentierte übrigens: "Would free sex work better?")
21. Juni 2009
Kirchlicher Idealzustand
Aus dem Brief des hl. Ignatius von Antiochien an die Epheser (in der Übersetzung von Berger/Nord):
"Daher müßt ihr euch auch einlassen auf den Willen des Bischofs, wie ihr es ja bereits tut. Denn euer Ältestenrat, der seinem Namen Ehre macht und der Gemeinschaft mit Gott würdig ist, und der Bischof sind so harmonisch aufeinander abgestimmt wie die Saiten einer Zither. Wenn ihr auch so aufeinander abgestimmt seid, erklingt daher Jesus Christus selbst als Lied in eurer Liebe.
Aber auch jeder einzelne soll im Einklang mit den anderen stehen. Nehmt den Ton, den Gott anstimmt, einhellig auf. Singt mit einer Stimme dem Vater, mit Jesus als Chormeister, damit Gott euch hört und an eurem gelungenen Werk erkennt, daß ihr Glieder am Leib seines Sohnes seid. So ist es das Schönste, wenn ihr vollkommen miteinander eins seid. So habt ihr Anteil an Gott."
17. Juni 2009
K wie koscher
Bevor es morgen in der Zeitung steht, gibt es hier schon den Hinweis: Koogle ist eine "koschere" Suchmaschine, die anstößige Inhalte wegfiltert und am Sabbat abgeschaltet bleibt. Heißt es.
(via Fimocolous)
Ubiquisten und das Reich der Liebe
Kurz vermerken wollte ich, daß mit der "Oekonomische[n] Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft in alphabetischer Ordnung", begründet von Johann Georg Krünitz und zwischen 1777 und 1858 erschienen, ein sehr kurzweiliges Nachschlagewerk im Web verfügbar ist, das uns beim Stöbern vielerlei Interessantes lehrt.
Zum Beispiel zählten die Lutheraner früher zu den Ubiquisten. Heutzutage denkt unsereiner da eher an den Kleinen Kohlweißling - wenn überhaupt.
Oder nehmen wir die Breitkopfsche "Beschreibung des Reichs der Liebe mit beygefügter Landcharte" von 1777" - enthalten im langen Artikel "Land-Karte" und beginnend mit dem Absatz:
"Das Reich der Liebe ist ohne Zweifel das ausgebreiteste und bewohnteste Land unter dem Monde. Gleichwohl hat unter den vielen Reisenden, die es durchwandert haben, wovon sich wohl keine edle Seele ausschließen wird, keiner nur zuverläßige Nachrichten, viel weniger eine ganze Charte davon geliefert, es sey nun, daß nur wenige alle Gebiete desselben übersehen haben, oder, daß sie nicht gutes Herz genug hatten, andre Reisende für der Scylle und Charybdis zu warnen, denen sie oft zum Raube geworden waren. Wir hoffen den Weltbürgern, die doch einmahl in diesem Lande kreuzen müssen, einen nicht geringen Dienst zu erweisen, wenn wir theils von unsern eignen Reisen, theils aus den Berichten derer Banks und Cooks, welche aus den unbekannten Ländern dieses Reichs nicht ohne Gefahr zurückkamen, theils aus Beyspielen vieler Unglücklichen, die wir selbst von ferne an Klippen scheitern oder in Pfuhlen versinken sahen, eine richtige Charte und deutliche Beschreibung liefern, zur Warnung für die, welche erst ausreisen, und zur angenehmen Erinnerung für die, welche von der Reise ausruhen."
16. Juni 2009
Have you ever seen Dallas?
Jimmie Dale Gilmore mit "Dallas" - ohne Hintersinn, bloß weil Jimmie so wunderschön näselt und schmalzt und das Lied ein echter Ohrwurm ist. (Naja, eigentlich wollte ich auch etwas für den interreligiösen Dialog tun: Die Legende hält Jimmie Dale Gilmore für einen Buddhisten, aber nun lese ich, daß das "slightly inaccurate" ist. Dann also ein andermal.)
Sternstunden der Menschheit
Herr Quenzel bloggte in seinem Ulmer Tagebuch:
"Eine ungeheure Sternstunde der Menschheit war es, als Joseph Brodsky der Dichter vor einem sowjetischen Gericht stand 1964 und die grausame Richterin ihn dreist fragte, was ihn dazu veranlasse, Verse zu schreiben, die das Sowjetregime weder brauche noch wünsche, wer ihm denn den Auftrag zu diesen Dingen gegeben habe und Brodsky antwortete:
'ich nehme an- Gott'."
Als ich das las, fiel mir jene andere Sternstunde ein, als 1942 im KZ Dachau P. Joseph Kentenich dem SS-Scharführer, der ihn aufforderte, ihm sein Fahrrad zu putzen, entgegnete:
"Ja, das kann ich tun, aber nicht, weil ich muß, sondern um ihnen als freier Mann einen Dienst zu erweisen."
Praktische Hilfe im Geschlechterkampf
Heute mit einer Analyse der ewigen Streitfrage nach dem korrekten Umgang mit dem Toilettensitz ("toilet seat etiquette") aus der Sicht des Ökonomen.
Jay Pil Choi von der Michigan State University (Lansing, MI) weist in einer Arbeit von 2002 nach, daß die egoistische bzw. status quo-Regel in den meisten Fällen die vorteilhafteste ist: Jeder lässt den Sitz so, wie er oder sie ihn gerade brauchte oder eben nicht brauchte.
Jetzt mußt Du, lieber Leser, das nur noch Deiner Frau erklären.
Zum Original der Arbeit im pdf-Format hier.
15. Juni 2009
Von den Vorteilen eines Bausparvertrages für Choralliebhaber
Arnold Stadler erzählt in seinem Roman "Komm, gehen wir" von Fräulein Wild, einem taubenäugigen Fräulein mit weißen Haaren und einer - trotz ihres Alters - klaren Stimme:
"Zu Hause, wenn Gäste kamen, trug sie mittlerweile unaufgefordert eine Ballade von Bürger vor, bis zur letzten Strophe, um zu zeigen, dass sie noch ganz da war, so wie Kinder zu zählen und zu malen anfangen, wenn Besuch kommt, um vorzumachen, was sie schon alles können. Manchmal sang sie lateinisch das Vaterunser im Tonus Gregorianus IV. aus Angst, sie könnte ins Heim kommen. Aber gerade dies veranlasste Neffen und Nichten, darüber nachzudenken, ob dieses Singen aus heiterem Himmel nicht ein Zeichen sei, so langsam sich mit dem Gedanken anzufreunden, für Fräulein Wild einen Heimplatz zu finden. Aber da Fräulein Wild eine Rente bekam, von welcher außerdem noch ein Bausparvertrag finanziert werden konnte, ließ man sie dann zu Hause sterben und sorgte auch dafür, dass dies nicht allzu früh geschah." (S. 284)
Abiturielles
In Bayern wurden heute die Noten für die einzelnen Abiturprüfungen und damit auch die Gesamtabiturnote mitgeteilt. Im Hause Scipio ist man mit dem Ergebnis sehr zufrieden - ich hoffe, das gleiche gilt auch in München.
Passend dazu ein Satz aus einem dieser nervigen Mails, die ich regelmäßig von "Oliver Thiel, StayFriends" bekomme:
"Die meisten Mitschüler mit Ihrem Geburtsjahr waren in einem anderen Abschlussjahrgang. Bitte bedenken Sie: Auch wenn Sie die Klasse vorzeitig verlassen haben, tragen Sie sich bitte für das reguläre Abschlussjahr ein...
Bisheriger Abschlussjahrgang: 1979. Vermuteter Abschlussjahrgang: 1981"
Nein, "Oliver Thiel": Ich habe noch keinen Morbus Alzheimer, auch nicht im Frühstadium.
13. Juni 2009
Lebenzeichen
Ich freue mich natürlich, wenn das Auditorium (Legitorium?) pünktlich nach 14 Tagen ein Lebenszeichen verlangt.
Hier ist es.
Nach 14 Tagen Sommerurlaub in Westjütland mit viel Wind, wenig Sonne, einigen guten Büchern und ausreichend dänischem Käse sind wir heute gut zurückgekommen. Nach ein bißchen Eingewöhnungszeit werde ich wohl wieder in die normale Blogroutine finden.






