16. März 2007

Deutschland, Deine Dogmatiker

Klar, man kann nicht erwarten, daß ein Dogmatikprofessor morgens um neun im Deutschlandradio eine vollständige, ausgewogene und lehramtlich kompatible ekklesiologische Kurzformel abliefert, oder daß er in zwei Sätzen das Verhältnis von Universal- und Ortskirche korrekt darstellt. Aber selbst für Tübinger Verhältnisse scheint mir das Statement des Prof. Bernd Jochen Hilberath ziemlich dünnflüssig:
Grote(DLF): Der "Südkurier" aus Konstanz, der schreibt heute, es war legitim, solche Abweichler zu kritisieren, und die Art und Weise ist auch in Ordnung, denn das ist auch Aufgabe der katholischen Kirche. Ist das heute wirklich noch die Aufgabe der katholischen Kirche?

Hilberath: Die katholische Kirche als ein Netzwerk von Ortskirchen, das leider im Moment eine stark zentralistische Führung noch hat, die diesem Netzwerk nicht ganz gerecht wird, braucht natürlich gewisse Kommunikationsregeln, um die Identität dieser Großgruppe zu sichern. Das Problem ist also nicht dies. Das Problem ist eher, wie, nach welchen Regeln und Verfahrensweisen vergewissert sich diese Großgruppe ihrer Identität, und das ist bei uns immer noch zu sehr zentralistisch geregelt."
Aber ich bin ja bloß ein Laie, für den deutsche Theologieprofessoren bestimmt eine ganze Reihe mitleidiger Adjektive finden, und verstehe nicht richtig, was der Herr Professor da meint mit seinen Netzwerken und der Identitätsvergewisserung einer Großgruppe und so.

Kommentare:

str hat gesagt…

Ich hab das heute früh auch gehört und mich gefragt, was das sollte. Nicht nur das "Netzwerkzitat" sondern das ganze Interview.

Hat er schon mal gehört, daß die Kirche der Leib Christi ist?

Zu Beginn hatte er ja schon nichts besseres zu tun, als die ganze Angelegenheit abstrakt in Macht- und Entscheidungsfragen zu denken. Das dann fürs inhaltliche kaum Zeit bleibt ist klar. Daß er dann aber auch dazu kaum etwas sagen kann (inkompetent oder nur schlecht vorbereitet?) ... ist das seine Schuld oder die des Deutschlandradios, weil sie keinen besseren "Experten" bestellt hatten?

Es überrascht im übrigen auch nicht, wo unser "Experte" hier verortet ist:
http://www.uni-tuebingen.de/uni/uoi/Institut/Personen/index.html

Anonym hat gesagt…

die dogmatische selbstsicherheit, die in blogistan herrscht, ist immer wieder verwunderlich...
man kann sich bspw. die diskussion zwischen ratzinger und kapser in dieser sache ansehen, auf die hier wohl angespielt wird - so rucki-zucki kann man hilberath nicht zum trottel stempeln.

str hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
Scipio hat gesagt…

@ anonym: Ich weiß nicht, wie "dogmatisch selbstsicher" ich bin, aber hoffe doch, daß ich nicht "dogmatisch selbstsicherer" bin als die Kirche, zu der ich und Prof. Hilberath gehören.

Ich bin auch ganz sicher, daß Prof. Hilberath mehr über die Ratzinger-Kasper-Kontroverse sagen kann als ich. Mein Problem war gestern schlicht und einfach, daß Prof. Hilberath sich nur auf eine soziologische oder systemtheoretische Betrachtung der Kirche beschränkt hat. Auch in zwei Sätzen könnte ein katholischer Theologe andeuten, daß er nicht nur Religionssoziologe ist.

Vielleicht ist ihm mangels Unkenntnis von Sobrinos Christologie (wofür er erst einmal nichts kann) nichts anderes übrig geblieben als auf die übliche (darf man doch sagen?) machtpolitische Schiene auszuweichen und "schon" einmal los zu "vermuten"...

Ähnlich dünn scheint mir auch des Professors Statement "Ihre Grundsatzfrage wird von mir her so beantwortet: Es geht ja vom Evangelium her, von Jesus Christus her, auf den wir uns berufen, nicht um die Kirche, sondern es geht um das Reich Gottes. Und Reich Gottes heißt, dass Menschen so miteinander leben, wie das von Gott her gewollt ist, in Friede, Eintracht und so weiter. Alles andere, was wir reflektieren und tun in diesem Sinne, ist im Sinne des Evangeliums." Das mag jetzt zwar "auch eine weiter verbreitete Art und Weise, wie heute in der Theologie über Jesus Christus nachgedacht wird", sein, interessiert mich als Gläubigen herzlich wenig. Ich habe - ohne mir jetzt darauf was einzubilden - den Fortgang der theologischen Diskussion in den letzten 30 Jahren ein bißchen mitverfolgt und bin es mehr und mehr leid, immer gerade auf theologische Moden und Neuansätze zu hören, geschweige denn daran zu glauben. Aber das ist wieder ein anderes Kapitel...

charlotte hat gesagt…

Ohne Frage, war er schlecht vorbereitet. Das sagt noch nichts über seine Kompetenz, aber viel über die Methode, auch des Deutschlandfunks, aus. Ich frage mich, was so ein Interview soll. Ich bin so altmodisch und erwarte von einem deutschen Professor, daß er, wenn er ein Interview zu dieser Notifikation gibt, auch den Text kennt und nicht sagen muß "Da müsste man jetzt den Text im Einzelnen haben".
Aber es muß eben alles möglichst aktuell sein, weil sich angeblich nach zwei Tagen keiner mehr dafür interessiert.
Im übrigen kann man bei Whispers in the Loggia einen Kommentar zu Sobrino aus "The tablet" nachlesen, der in diesem Fall sogar eine Tendenz zur Dezentralisierung entdeckt! (Bin leider zu blöd zum Verlinken)

Scipio hat gesagt…

Dann schiebe ich den Link mal selber nach. (Ist doch kein Problem, Charlotte.)

http://whispersintheloggia.blogspot.com/2007/03/niente-penalt-rise-of-kinder-gentler.html

a. hat gesagt…

Fakt ist aber auch, daß Hilberath seine Theologie deutlich gemacht hat. Daß diese nicht mit der vat. Lehrmeinung konform geht, ist eigentlich bekannt.