2. Dezember 2009

Prioritäten eines konservativen Neu-Frankfurters

Der neue Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz im FAZ-Interview:

"Sie gelten gemeinhin als „konservativ“. Was verbinden Sie denn mit diesem Begriff?

Ich habe schon lange aufgehört, mir über Fremdzuschreibungen Gedanken zu machen oder sie zu interpretieren. Ich selbst verstehe mich insofern als konservativ, als dass ich die orthodoxe Lehre der Kirche interessant finde und ihr anhänge. Allein mit ihr können wir auch missionarisch tätig sein. Aber ich bin alles andere als strukturkonservativ. Oder, um ein anderes Wortpaar zu nehmen: Ich bin altkonservativ, nicht neokonservativ. Veränderungen in großen Organisationen lassen sich übrigens am besten vornehmen, wenn Konservative an deren Spitze stehen.

(...)

Wenn Sie dann in Frankfurt sind – wem möchten Sie Ihren ersten Antrittsbesuch abstatten?

Zuerst werde ich vom Dompfarrhaus zur Muttergottes in die Leonhardskirche gehen, bevor sie geschlossen wird. Von Maria erbitte ich Schutz und Hilfe für die neue Aufgabe. Welchen Amtsträgern in Kirche und Politik ich dann noch Antrittsbesuche machen werde, wird sich zeigen."

Kommentare:

ergebung hat gesagt…

Vielleicht sind Politik und Theologie von einander ganz anders. Man kann wohl theologisch konservativ, d.h. traditionelle sein, und doch deshalb vollig nicht konservativ politisch sein. Ich glaube, die Römer sehr selten einen Mensch darum gekreuzigt haben: daß er zu konservativ war.

Scipio hat gesagt…

Ich denke, es geht dem Dekan darum, daß er in einem theologischen bzw. dogmatischen orthodox bzw. konservativ ist und ihn das sogar in einem besonderen Maß fähig macht, die Organisation bzw. sekundäre Kirchenstrukturen zu ändern.

Ich lese gerade ein Buch über Georges Bernanos, der genau das gleiche Kunststück fertig brachte: orthodox (wenn man so will: dogmatisch konservativ) zu sein und gleichzeitig bzw. deswegen unabhängig und frei von verkehrten Loyalitäten.