14. Dezember 2009

Aus dem Skizzenbuch des Anthroposkeptikers

Die Fähigkeit des Menschen zum Bösen wird nur noch übertroffen von seiner Fähigkeit, sich darüber etwas vorzumachen.

Wer von Ihnen, liebe Leser, hat beim Lesen dieses Satzes zuerst an sich gedacht? Und nicht an den pingeligen Nachbarn, den unausstehlichen Chef oder an seinen Lieblingsdikator aus dem 20. Jahrhundert?

Kommentare:

Alipius hat gesagt…

Ganz ehrlich? Ich! ** sich vorm Spiegel wind und den Lorbeerkranz betracht **

Aber das liegt sicherlich daran, daß ich morgen zur Beichte gehe und vor wenigen Minuten erst den Katalog durchgegangen bin...

Außerdem ist die Frage irgendwie fies: Leute, die weniger exhibitionistisch und prahlerisch sind als ich, aber trotzdem (bzw. in diesem Fall natürlich: grade deswegen) zuerst an sich denken, besitzen wahrscheinlich auch diese gewissen Scham, die sie vorm Antworten bewahrt. Und diejenigen, die zuerst an Nachbar, Chef oder Diktator denken, sind möglicherweise der Meinung, daß das nicht unbedingt jedermann wissen muß.

Will sagen: Trotz der direkten Frage bleibt die Combox möglicherweise ziemlich leer...

Andererseits war der erhoffte Effekt des Zitates und der Frage ja sicherlich auch nicht eine platzende Combox, sondern ehrlich grübelnde Leser ;-D

Scipio hat gesagt…

Öffentliche Beichten sind nicht mein Ding, besonders nicht die anderer. Von daher habe ich _ganz bestimmt_ auf keinen Kommentar gewartet.

Und wer bin ich, daß ich meinen Lesern eine Predigt halte und zur metanoia auffordere? (Oder tue ich das doch und bin gerade betriebsblind?) Ich halte es lieber mit der Walker-Percy'schen Aneignung des Kierkegaard-Aufsatzes zum Unterschied zwischen Genie und Apostel (Locate that, if you can!)
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Auf gut Deutsch: Höchstens Stoff zum Nachdenken für die, die wollen, vor allem aber für mich.