2. August 2007

Schön! Leicht! Gut?

Die Todesanzeige erwähnte keine Details, doch die Dorffama wusste, daß Herr X an seinem geliebten dänischen Nordseestrand überraschend einen Herzinfarkt erlitten hatte und auf der Stelle tot war.

"Ein schöner Tod", "So möchte ich auch sterben", "Schmerzlos und schnell, ja, das wär's" - so die Meinungen ringsum am Tisch. Meinerseits blieb ich still, denn wer will schon einen langen, langsamen, schmerzensreichen, häßlichen Tod? Und allein daß ich beim Zahnarzt ziemlich lange ohne Spritze auskomme, qualifiziert mich nicht für heldenhaftes Herumgetöne über meine letzten Stunden. Wer weiß, wer weiß, vielleicht sitzt er ja schon da und wartet, der Krebs, der Hirnschlag, der Keim...

Vielleicht sehnen sich nicht alle, die öffentlich den Tod in Light-Version bevorzugen, auch allen Ernstes danach, im idealen Sterbealter abends beschwerdefrei einzuschlafen und morgens einfach nicht mehr - oder vielmehr: woanders - aufzuwachen. So gut stehen die Chancen einfach nicht, daß die Hoffnung realistisch wäre - und im Herzinnersten sind wir alle Realisten.

Wenn in der Kirche jedenfalls um einen guten Tod gebetet wird, meint es nicht den schnellen oder leichten, sondern den, der es uns erlaubt, mit uns, mit den Menschen um uns, mit unserer Vergangenheit und mit unserem Schöpfer und Erlöser ins Reine zu kommen.

Ein schönes Beispiel, wie Todesvorbereitung traditionell katholisch aussehen kann, findet sich auf "Helmuts Web-Seite", die die Neustettener "Bruderschaft vom guten Tode" vorstellt. Das Bruderschaftsgebet - an jedem Freitag zu beten - lautet:
Herr Jesus, du wahrer Gott und wahrer Mensch.
An dich glaube ich, auf dich hoffe ich und dich liebe ich. Du hast um uns zu erlösen und selig zu machen, so viel Schmach und Unbilden, so viel Schmerz und Pein auf dich genommen und den bitteren Tod am Kreuz erlitten. Aus Liebe zu dir bereue ich alle meine Sünden. Durch deine Hl. Wunden, dein kostbares Blut, dein geöffnetes Herz und durch die Fürbitte deiner jungfräulichen Mutter Maria bitte ich dich: Verzeihe mir und allen Mitgliedern unserer Bruderschaft die Sünden und verleihe uns die Gnade eines guten Todes, damit wir einst im Himmel deine unendliche Barmherzigkeit ewig loben und preisen dürfen. Amen

Vater unser ...
Gegrüßest seist du, Maria ...
Ich glaube an Gott ...
Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen. Herr, lass sie ruhen in Frieden. Amen

1. August 2007

Aggiornamento auf amerikanisch

Eine interessante Studie der Barna Group zum Zustand der amerikanischen Kirche fasst die Christian Post zusammen. Ein Kompliment ist es nicht gerade, wenn es heißt:
...the Catholic Church was found to be as mainstream as any people group in the nation, but much less committed to practicing their faith." [Es wurde herausgefunden, daß die Katholische Kirche genauso sehr zum 'Mainstream' gehört wie jede andere Gruppe in der Nation, aber viel weniger engagiert, ihren Glauben zu praktizieren.]
Und weiter:
"Der Preis für ihren Kampf, Akzeptanz und Legitimität zu erreichen, ist, daß Katholiken weitgehend die Verbindung zu einem großen Teil ihres wesentlichen geistlichen Erbes verloren haben", stellte Barna fest. "Sie behalten die Wertschätzung für Tradition und Beständigkeit, aber viel weniger die Verpflichtung, die Gebote Christi zu kennen und zu befolgen. Die Daten zeigen, daß einige ihrer lange festgehaltenen Unterscheidungsmerkmale wie das, Verfechter sozialer Gerechtigkeit zu sein, nicht mehr zu den definierenden Aspekten ihrer Gemeinschaft gehören.

Die Spur des Katholizismus in Amerika ist ein klares Beispiel dafür, wie die Kultur den Glauben beeinflußt und weniger der Glaube die Kultur."
Wie sieht es bei uns aus? Nicht viel anders, würde ich sagen. In den katholischen Knochen sitzt auch hierzulande die Furcht, nicht zu den gesellschafts- und staatstragenden Kräften zu gehören und ins katholische Ghetto zurückzukehren. Nicht die Differenz macht uns stolz, sondern die Anpassung. Mittendrin statt außen vor. Solange die Gesellschaft von den gleichen Ressourcen lebt wie wir, ist das nicht weiter tragisch. Aber nun driften Kirche und Gesellschaft auseinander - und die Momente der Entscheidung häufen sich: "Which side are you on?" Wo stehst du?

Am liebsten auf beiden Seiten, sagt der deutsche Katholik, ein Bein in Rom und das andere in Berlin oder Bonn. Aber es droht immer öfter der Spagat, und der tut im Schritt verdammt weh.

31. Juli 2007

Schon am Ziel

Und noch ein Paradox, diesmal sinngemäß aus Catherine Pickstocks "After Writing":

Unsere Reise zu GOtt beginnt erst, wenn sie bereits an ihr Ende gekommen ist: Dann nämlich, wenn GOtt auf seiner Reise schon bei uns angekommen ist.

Einzahl - Mehrzahl

"Wer glaubt, sagt in gleicher Intensität »Ich« und »Wir«."
(Thomas Söding: Freundschaft mit Jesus.- Int Kath Zeitschr Communio 2007; 36 (3): 207)

Der Blogger bei der Hausarbeit

29. Juli 2007

Ein Lied für die Himmelstreppe

Meine Urlaubslektüre ist dieses Jahr das wunderbare, erstaunliche, faszinierende Gedichtepos "Fredy Neptune" von Les Murray. Er führt seinen Helden, einen Ende des 19. Jahrhunderts geborenen Deutschaustralier, durch eine wahnwitzige Odyssee und über alle Kriegs- und Friedensschauplätze des 20. Jahrhunderts. Nach 14 Versen ist Fredy schon von Dungog über New York, Messina auf einem deutschen Schlachtschiff per Konstantinopel ins Schwarze Meer unterwegs und erlebt in Trabzon die Verbrennung armenischer Frauen auf offener Straße. Danach ist er nie mehr der alte, bekommt Lepra und durchlebt den Rest seiner rasanten Fahrt, ohne körperlichen Schmerz oder überhaupt etwas spüren zu können, begegnet in Hollywood Marlene Dietrich und in Berlin Adolf H., ist überall der Fremde und kehrt am Ende doch wieder heim...

Für uns Liebhaber der neuen und alten römischen Liturgie sind seine gelegentlichen Begegnungen mit eben derselben interessant: In einer davon schleppt Fredy einen verwundeten Kameraden durch den Dschungel einer indonesischen Insel, schließt sich einem Trupp Marines an und trifft auf ein Bergdorf voll Eingeborener.
"Zwei junge Kerle boten Ern zu tragen an, daß ich verschnaufen konnte,
weil ich bloß noch so taumelte. Sie packten ihn in eine Hängematte
unter einem Bambusstab, Rohrreifen ringsum, die ihn stützten,
und weiter ging es, meilentief hinab in eine Schlucht
und über eine Flut auf kippeligen Felsenbrocken und geraden Weges wieder
hoch in den Himmel und die Träger sangen Pange lingua gloriosi
in perfektem Takt, Corporis mysterium, das 'ne gewundene Melodie hat,
die grade richtig ist, wenn man zum Himmel aufsteigt..."
Wo es nichts zu preisen gibt, wo ein verwundeter Leib rauf und runter, durch Schluchten und MG-Geknatter, durch den "Teepott eines irren Riesen" (L. Murray) geschleppt wird - da singen Pidginsprecher einen lateinischen Hymnus, da offeriert Thomas von Aquin ein Lied für die Stairways to heaven.

Ite, missa est.

Volksfrömmigkeit

"Nein, dann spielen wir nicht. Unsere Lieder passen nicht in die Kirche", soll die örtliche Blaskapelle gesagt haben, als überlegt wurde, die für heute abend geplante "Sommerserenade" der verschiedenen Gesang- und Musikvereine wegen des schlechten Wetters in die Kirche zu verlegen.

Ja, das gibt es noch: Taktgefühl, das schlichte Wissen, was sich gehört - und was nicht.

26. Juli 2007

Still, so still

Vor lauter Hausarbeiten (schließlich habe ich Urlaub, das Schlafzimmer war raumausstattungsmäßig schon lange überfällig, und wer konnte wissen, daß unter der Holzdecke ein Kabelwirrwarr herrschte, das sich nur durch eine Gipskartonschicht vernünftig verdecken ließ?) und einer plötzlichen Fahrt "auf Minga" blieb und bleibt es noch bis mindestens Samstag ruhiger als gewöhnlich hier.

24. Juli 2007

Mauriac über die Gnade

Le Blog de Phil beschenkt uns mit einer mp3-Datei und 8 min Originalton von François Mauriac, einem der großen Vertreter des "renouveau catholique".

Nicht erschrecken: Seit einer Kehlkopfoperation hatte Mauriac eine heisere Stimme.

21. Juli 2007

Elsaß

Ein paar ausgewählte Eindrücke von drei Tagen Elsaß mit der Allerliebsten:

Völlig hingerissen von der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Obernai: ein großer, neugotischer Bau, in Halbdunkel getaucht - und überall Menschen, oder vielmehr: Bilder und Statuen von Menschen, Erinnerungen und Vergegenwärtigungen von Menschen. Am Hochaltar, in den Kirchenfenstern, den Säulen. In allen Größen und Farben. Über hundert dürften es wohl alles in allem sein. Unmöglich, sich in dieser Kirche allein zu fühlen. Nein, man fühlt sich nicht beobachtet, nein, sondern gehört einfach dazu zu dieser schweigenden Menge, die in ihren Gesten, in ihren Farben, in den Symbolen und Szenen eine Geschichte, eine Erfahrung bekennt. Der schweifende Blick bleibt an Händen hängen, an Gesichtern, wandert weiter, findet etwas zum Festhalten, nimmt einen Schlüssel auf zur Deutung eigener Rätsel, eine Stimmung springt über und bleibt als Samen in einem Herzwinkel, wo sie einmal aufgehen wird. Vorne, ganz vorne der Hochaltar, mit dem golden glimmenden Tabernakel in der Mitte, darüber spitze Türmchen, den beiden Kirchtürmen nachgebildet, die den Blick nach oben leiten, über die Freskenreihe hinaus zum Bild Mariens, und auch da mag man nicht halt machen, sondern wendet den Blick noch höher, ins Gewölbe hinauf.

Hervorragend sortiert die Librarie Kléber in Straßburg, doch ich hatte meinen Glückgriff gleich in den ersten zehn Sekunden getan, in der Ramschkiste vor der Tür: Eine noch unaufgeschnittene Gallimard-Ausgabe von Charles Péguys "Un nouveau théologien", vor sechzig Jahren gedruckt, leicht gebräunt, für 3 Euro 90.

In Colmar führte uns der erste Gang ins Museum Unterlinden, zum Isenheimer Altar. In aller Stille konnten wir uns den Tafeln aussetzen, denn noch waren kaum Besucher da. Die göttliche Pädagogik konnte in Ruhe wirken, wie sie wohl damals auch den Antoniusfeuer-Patienten zugedacht war, die man nach der Aufnahme ins Hospiz erst einmal vor dem Altar ihre Leiden meditieren ließ, vor den Bildern der Menschwerdung, des Todes und der Auferstehung des HErrn.

18. Juli 2007

Traditionalist

Ich habe nichts, was ich nicht empfangen hätte, was mir nicht anvertraut und übergeben worden wäre. Nicht vergraben darf ich's oder für mich bewahren, sondern soll es mir erschließen, es lieb gewinnen in Dankbarkeit und mich in seinen Dienst stellen.

17. Juli 2007

Kurze Pause

Drei Tage Elsaß - am Samstag geht es weiter.

Informationsquellen für Katholiken

Die meisten Katholiken in Deutschland beziehen ihr Wissen über das laufende Kirchengeschehen nicht aus der Diözesanpresse, noch weniger von kath.net oder von zenit.org, sondern aus dem Fernsehen und der Tageszeitung. In meinem Fall ist es das Main-Echo, eine noch nie als klerikal verschrieene Zeitung, die einen Großteil des Rasters liefert, um das sich Gerüchte, Befürchtungen, eigene Erfahrungen, auch hin und da Fakten anlagern. "Aber in der Zeitung steht doch...", so sprechen die real existierenden Fundamentalisten in der katholischen Kirche. Die anderen, echten Fundies sind rar, die gewöhnlichen, mit "moderne Katholiken" etikettierten, laufen einem andauernd über den Weg.

Wenn nun diese Sorte schriftgläubiger Katholiken in ihrem Zentralorgan Sätze liest wie sie Journalist Klaus Erich am letzten Samstag schrieb:
"Es wird immer deutlicher: Der Papst zimmert sich eine Kirche nach seinen Vorstellungen. Und diese sind rückwärts gewandt. 'Was früher heilig war, kann heute nicht schädlich sein', begründet er die Wiedereinführung der lateinischen Messe und begibt sich damit auf äußerst sumpfiges Terrain. Denn als heilig wurde in der Kirche schon so manches bezeichnet - nicht zuletzt die Inquisition, eines der dunkelsten Kapitel der Kirchengeschichte."
dann lässt sich mit hoher Sicherheit sagen (und im Gespräch belegen), welche Assoziationen in den katholisch getauften (und praktizierenden) Hirnen ablaufen, und welche nicht.

Die Kirche als Bastelstube zum Beispiel, wie sie die etwas Engagierteren aus der Pfarrpraxis kennen: Mach Dir Dein Jesus- und Dein Gottesbild! Kombinier Dir Deine Moral! Wähle Dir Dein Tagesgebet! -- Macht es der Papst nicht genau so? Der soll sich mal nicht so haben und uns Vorschriften machen, wer die "Kommion" verteilt oder welche Lesung wir bei Familiengottesdienst lesen!

Oder daß das Alte höchstens altehrwürdig ist, aber um aller Gottesvorstellungen willen nicht gegenwartsrelevant! Tradition ja, aber nur, wenn wir sie nicht fortsetzen müssen. Früher war früher, und was uns heilig ist, bestimmen wir, oder weniger aggressiv: das ist unsere Sache.

Und natürlich steht alles Alte erst einmal unter Generalverdacht und muß seine Unschädlichkeit erst einmal beweisen - vor dem Gericht des deutschen Katholizismus, jenem blühenden Garten der nachkonziliaren Kirche voller Laienmitbeteiligung und Mündigkeit.

Und was ruft in unserem deutschkatholischen Fundi die Parallelsetzung von "heiliger" Messe und "heiliger" Inquisition wach? Nicht an das Schuldbekenntnis von JPII wird er denken, nicht an die Unterschiede von römischer, spanischer, deutscher und sonstiger Inquisitionen, auch nicht an die Journalisten unseligen Angedenkens, die Vorläufer des Herrn Erich sozusagen, die sich bereitwilligst in den Dienst des nazistischen Kirchenkampfs stellten - um das mittelalterliche, finstere, längst überlebte Rom durch eine Religion für den modernen Menschen, den Zeitgenossen zu ersetzen, sondern er schämt sich wieder einmal für diese altmodische Kirche, in die er hineingeraten ist und aus der er nicht mehr herauskann, und wieder einmal gehört er nicht gerne dazu. Sie ist ihm eine Last, diese Kirche, und nun macht ein deutscher Papst alles noch schlimmer. "Bist nicht auch du einer von den Jüngern dieses Menschen?" - diese Frage trifft ihn genauso wie damals den Simon am Feuer im Hof des Hohenpriesters.

Fünf Regeln für den rechten Umgang mit dem Motu Proprio "Summorum Pontificum"

In Anlehnung an die und in Abwandlung der fünf Regeln von Father Z. (englisches Original; deutsche Übersetzung), die sich an Anhänger und Freunde der außerordentlichen Form der römischen Liturgie (aka. "alte" oder "lateinische" oder "tridentinische" oder "vorkonziliare" Liturgie oder "Liturgie Pius' V." oder "Liturgie Johannes ' XXIII.") wendeten, hätte es auch fünf Regeln für solche gebraucht, die sich nun beleidigt und mißachtet fühlen. Nun, vielleicht ist es nicht zu spät dafür:

Regel 1: Freuen Sie sich, weil unser liturgisches Leben bereichert worden ist, nicht weil "wir gewinnen". Jeder gewinnt, wenn das Leben der Kirche bereichert wird. Es ist kein Nullsummenspiel.

Regel 2: Seien Sie nicht beleidigt, wenn sich jetzt diejenigen freuen, die es nun vielleicht etwas leichter haben, die ihnen liebgewordene Form der Liturgie zu feiern.

Regel 3: Zeigen Sie Ihre Freude. Damit zeigen Sie, daß Ihnen die Einheit der Kirche wichtig ist - und daß diese Einheit für Sie nicht in der Einheitlichkeit des liturgischen Ritus besteht, sondern im geteilten Glauben, in den Sakramenten der Kirche, und im gemeinsamen Leben als Glieder des einen Leibes Christi.

Regel 4: Überlegen Sie, wie Sie Anhänger der "außerordentlichen Form" der Liturgie in ihren Pfarrgemeinden willkommen heißen können. Laden Sie sie ein, sich mit ihnen in den verschiedenen Aufgaben und Diensten ihrer "Kirche vor Ort" zu engagieren und hören Sie den Erfahrungen dieser Gläubigen zu.

Regel 5: Halten Sie sich an die im Motu Proprio des Papstes aufgestellten Regeln und legen Sie diese im Geist Christi lieber weitherzig als engherzig aus. Sie wissen ja: "Das Maß, mit dem ihr messt, wird auch euch zugemessen werden..." Vielleicht hilft Ihnen die Beschäftigung mit dieser Liturgieform auch, die normale Form der römischen Liturgie vertiefter und noch mehr der Intention des Konzils gemäß zu feiern, wie sie sich in der Liturgiekonstitution findet und in den Schreiben von Papst Johannes Paul II. und Benedikt XVI. noch einmal konkretisiert hat.

16. Juli 2007

Der Dentist als Handwerker

Drei Wochen Urlaub, und den ersten Tag fürs Unangenehme reserviert: Zahnarzt.

Tröstlich, dann die Sicherheit und handwerkliche Geschicktheit wahrzunehmen, mit der das Zweierteam des Dr. med. dent. und seiner Assistentin in 4.5 und 4.6 herumoperiert.

15. Juli 2007

Mein Freund John Lee



Ich glaube, ich habe die Platte damals gekauft, als R. V. in unsere Clique kam und außer seiner Gitarre noch den Blues und amerikanischen Folk mitbrachte. Die Namen auf der Rückseite sagten mir nichts: John Lee Hooker, Eddie Kirkland, Sylvester Cotton - Blues ist doch Blues, oder nicht?

Zuhause auf Vaters Mono-Plattenspieler stellte sich heraus, daß es zwar Blues war, aber ein völlig anderer. R. spielte Folkblues im Stil von Lightnin' Hopkins oder Big Bill Broonzy, aber aus dem Lautsprecher kam ein schneller, mit dem Fuß gestampfter Rhythmus, eine elektrisch verstärkte, leicht scheppernde Gitarre, die das ewig gleiche Riff wiederholte, mit einem gelegentlichen Solostückchen, eine ungeheuer intensive Stimme, die einen nur stückweise verständlichen Text sang und die ich nie mehr vergaß.

"Four Women in my Life", die erste Aufnahme der Platte wurde für mich zu einer Erleuchtung und John Lee Hooker zum Gefährten durch alle nachpubertären Nöte - einer noch dazu, den ich mit niemandem teilen musste, der allein mir gehörte, der zuverlässig die gleichen Stimmungen von Trost und Trotz, von Liebesleid und -freude besang und weckte.

Mit der Zeit legte ich mir noch mehr von JLH zu: alte und neue Aufnahmen, das berühmte Album mit den Canned Head und der 11:30 min-Version von Boogie Chillen zum Beispiel. Aber gegen "Four Women in My Life", dieses für Hooker letztlich untypische Duo mit Eddie Kirkland, kam kein anderer seiner Songs an.

13. Juli 2007

Weitherzigkeit

"Die Anhänger der tridentinischen Messe sollen damit die Möglichkeit erhalten, ihrer Neigung in der katholischen Kirche nachzugehen – selbst dann, wenn sie zahlenmäßig eine absolute Randgruppe sind." (Matthias Gierth im Rheinischen Merkur)

"Das war und bleibt das entscheidende Defizit der tridentinischen Liturgie: daß sie dem weiterentwickelten Zeit- und Glaubensbewußtsein diametral zuwiderläuft, sich ihm verweigert." (Johannes Röser im Christ in der Gegenwart)

"Wenn wir 'alte' Liturgien haben, brauchen wie um so mehr 'neue'." (Derselbe, ebendort)

"Die sich abzeichende allgemeine Liberalisierung im Umgang mit der tridentinischen Messe ist überflüssig, weil sie letztlich nur kleine Gruppen betrifft. Sie ist obendrein schädlich, weil sie mancherorten zu Verunsicherungen führen wird, die man sich sparen könnte.
Die Liberalisierung ist außerdem ungeeignet, weil sie nicht das Ziel erreichen wird, das man damit offenbar verbindet." (Klaus Nientiedt im Konradsblatt)

"Mir kommt da ein Wort aus dem zweiten Korintherbrief in den Sinn, wo Paulus den Korinthern sagt: 'Unser Mund hat sich für euch aufgetan, Korinther, unser Herz ist weit geworden. In uns ist es nicht zu eng für euch; eng ist es in eurem Herzen. Lasst doch als Antwort darauf… auch euer Herz weit aufgehen!' (2 Kor 6,11-13)." (Benedikt XVI. im Begleitbrief zu Summorum Pontificum)

In St. Blog's Parish aufgelesen

Johnny Cash - mit katholischen Ohren gehört: Ein Text von John McCullen. Sprache: Englisch. (via Anchoress)

Ein hyperoptimiertes Bierglass aus dem Hause Samuel Adams stellt der Daily Eudemon vor:


Mehr hier.

Parkplatzprobleme?

So was vor dem Küchenfenster, und wir hätten nicht dauernd das Auto der bösen Nachbarin vor der Nase? (Q: Irgendein St. Blog's Parish Blog)

Offene Kirchen

Fr. Jay nennt uns einen guten Grund, warum ein Pfarrer seine Kirche nicht zuschließen sollte: Man weiß nie, wer zum Beten kommt.

Dort z.B.

Glück - aber wo ist es?

"Where is the source of your happiness? Look within yourself." (Die "Do something"-Aufforderung der Erie-Benediktinerinnen.)

"Und wenn du mich fragst: 'Soll ich jenen dort aufwecken oder ihn schlafen lassen, damit er glücklich sei', so würde ich dir antworten, daß ich nichts über das Glück weiß. Aber würdest du deinen Freund schlafen lassen, wenn ein Nordlicht am Himmel stünde? Keiner darf schlafen, wenn er es kennenlernen kann. Und gewiß liebt jeder seinen Schlaf und wälzt sich wohlich darin; du aber entreiße ihn seinem Glück und wirf ihn hinaus, damit er werde." (Antoine de Saint-Exupéry: Die Stadt in der Wüste, Abschnitt 49)

"Nicht ganz und gar erfunden"

"Aufregend und überraschend" sei es, sagt Michael Jursa von der Universität Wien, zu sehen, daß eine in der Bibel erwähnte Figur eine ganz normale Goldspende an den Tempel von Babylon macht, an einem genau bestimmten Tag. Jursa identifizierte den auf einer (Ton?)Tafel im British Museum erwähnten Einzahler.

Es handelt sich um Nebu-Sarsekim, einen der in Jeremia 39 erwähnten Hauptleute von Nebukadnezar, des Königs von Babel, der im neunten Tag des vierten Monats des elften Jahrs der Herrschaft von Zedekia, des Königs von Juda, Jerusalem eroberte.

Mehr hier. Mit herzlichem Dank und Gruß an Blogleser R.M.

11. Juli 2007

Lesen!

Ganz normal und unmodern katholisch, bitte.

Dieses Posting von elein hat mich gefreut und berührt - weil es mir seit einigen Jahren und immer stärker genau so geht: Obwohl ich wohl eher zu der Generation ihrer Eltern gehöre, zu den Leuten, die vor 15, 20 Jahren gutmeinend und gutwillig auch mehr Abwechslung ins religiöse Leben ihrer Kinder bringen wollten. Weil mir damals nicht klar war, was ich jetzt sehe.

Hatte ich den Text [pdf]von Esther Maria Stallmann schon erwähnt? Passt auch dazu.

10. Juli 2007

Harte Zeiten für Hinführer

Nicht daß das oder das irgendwie ernsthaft überraschen würde, noch weniger das, was demnächst hier zu lesen sein wird. Aber bei diesem Satz bin ich dann schon hängen geblieben:
"Die erneute katholische Stellungnahme der Glaubenskongregation mag besonders in ihrer Knappheit und Dichte hart erscheinen, aber sie lässt grundlegend Raum, die anderen Kirchen nicht nur moralisch, sondern theologisch als Kirchen zu achten." (Q)
In einem strohtrockenen, fast nur referierenden "Statement", das sich jeder Wertung - positiv wie negativ - enthält, fällt er umso mehr auf - gerade weil er die von Rom getrennten christlichen Gemeinschaften einfachhin, im landläufigen Sinne, unterschiedslos als "Kirchen" zusammenfasst. Denn nicht um die moralische oder theologische Achtung geht es der Glaubenskongregation, sondern um die Frage, ob man sie im Sinne des katholischen Glaubens (und wohl auch der dazu gehörigen Theologie) als "Kirchen" verstehen kann.

Ist es nicht gerade dieses undifferenzierte Reden von Kirchen, Bischöf/inn/en, Ämtern etc., das in den Köpfen der Normalgläubigen jene ökumenische Wurstigkeit schafft, die dann auch nicht mehr hinhören will und kann, wenn einmal genau hingeschaut und unterschieden wird - und die dann als vox populi die quasi-vox-et-voluntas Dei oecumenica sein darf?

(Aber vielleicht sollten wir ehrlich dankbar sein, daß kardinaler Dissens hier nicht öffentlich gemacht wird? Ja, vielleicht.)
Raus-, hin- und reingezogen

Aus gegebenem Anlaß ein Zitat - die 18. Fußnote des "Kommentars" zu den heutigen "Antworten auf Fragen":
"Die Vereinigung mit Christus ist zugleich eine Vereinigung mit allen anderen, denen er sich schenkt. Ich kann Christus nicht allein für mich haben, ich kann ihm zugehören nur in der Gemeinschaft mit allen, die die Seinigen geworden sind oder werden sollen. Die Kommunion zieht mich aus mir heraus zu ihm hin und damit zugleich in die Einheit mit allen Christen."
Wobei das - ich weiß sehr wohl! - nicht nur ein ekklesiologische Aussage ist, sondern eine, die den Kern unseres, meines Christseins betrifft.

Autor: der übliche Verdächtige - der HErr segne ihn.
Die alleinsubsistierende Kirche

Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bzgl. der Lehre über die Kirche gibt die Glaubenskongregation mit Billigung des Heiligen Vaters.

9. Juli 2007

Gedanken zu "Summorum Pontificum"

Über "Summorum Pontificum" wird momentan viel Schlaues geschrieben, dazu von viel berufeneren Leuten als mir. Aber ein paar Anmerkungen gestatte ich mir doch:
  • Mit den ersten beiden Worten schon stellt der Papst die Kontinuität her, bindet sein Schreiben zur Gebrauch des Missale von 1962 ein in die päpstliche "Sorge" um den würdigen Kult - "Hermeneutik der Kontinuität" statt einer des "Bruches", des Abbruches, des Abreißens der Tradition.
  • Tradition geht nicht nur rückwärts, in die Vergangenheit, zum Ursprung, sondern auch in die Zukunft, nach vorne. Für mich klingt dieses Motiv mit an, seit ich den ersten Absatz las. Wie wird es weitergehen? Nicht kurzfristig im Sinne einer "Reform der Reform" des Usus Pauli VI. zum Beispiel, sondern langfristig? Liturgie leistet nicht nur die Rückbindung an die Kirchengeschichte und die Geschichte ihres Ursprungs im Mysterium Paschale, den Drei Tagen von Jesu Leiden und Auferstehen, sondern auch ihre Kontinuität, ihr Ausstrecken nach vorne, hin zum HErrn, der kommen wird, den wir in jeder Heiligen Messe als Kommenden feiern. Warum nicht annehmen, daß der Papst sein Schreiben, guter Theologe, der er ist, in diesem Horizont weiß - nicht beschreibend, sondern handelnd, Weichen stellend. Die "Kirche Christi" soll "der Göttlichen Majestät" den "würdigen Kult" nicht nur heute, morgen, übermorgen darbringen, sondern auch noch in 200 oder 2000 Jahren.
  • Liturgie als Kultur prägende Kraft - daß der Papst ein Thema kurz antippt, das Verfechter der "alten Messe" immer wieder für ihre Sache ins Feld geführt haben, zeigt, daß für ihn Liturgie durchaus eine gesellschaftliche Dimension hat - nicht im Sinn einer politischen Aktivierung und sozialreformerischen Mobilisierung, sondern über die Stärkung des geistlichen Lebens, das Hervorbringen von Heiligen, die Gestaltung der Gottesbeziehung "so viele(r) Völker".
  • Die Anpassung des Gottesdienstes an die "Erfordernisse der Zeit" - was vielen unserer liturgischen Kreativlinge als Begründung für alles Mögliche diente und dient, wird vom Papst hier ohne Problem als Hauptanliegen des 2. Vatikanischen Konzils aufgegriffen und mit dem Begriffspaar "gebotene Achtsamkeit und Ehrfurcht" spezifiziert. Er resümiert die positive und bereitwillige Rezeption der "neuen Messe", ohne ihre Mängel zu erwähnen, der er an anderer Stelle durchaus klar benannt hat: Offensichtlich geht es ihm darum, diesen gewöhnlichen, normalen "Usus" der katholischen Messe in seiner grundsätzlichen "Würde und Harmonie" wahrzunehmen und vorzustellen. Die "Reform der Reform" kann warten - und kommt von allein, wenn "sich beide Formen des Usus des Ritus Romanus gegenseitig befruchten".
  • Im Motu Proprio erwähnt der Papst vor allem jene Gläubigen, die von der "alten Messe" in ihre(r) Kultur und ihre(m) Geist" geprägt wurden. Man könnte bei oberflächlicher Sicht meinen, es handele sich dabei um eine aussterbende Rasse und um eine Frage der Zeit, bis sich der alte "Usus" von alleine erledigt hat. In seinem Begleitbrief erwähnt der Papst explizit "die jungen Menschen", die "diese liturgische Form entdecken, sich von ihr angezogen fühlen und hier eine ihnen besonders gemäße Form der Begegnung mit dem Mysterium der heiligen Eucharistie finden".
  • Die Einheit des römischen Ritus in seinen zwei Anwendungsformen, in seinen zweierlei Arten des "Usus" - der Papst betont diese Einheit immer wieder, nicht umsonst: Denn ansonsten wäre der neue "Usus" ohne Wurzeln, ein neu geschaffener Ritus - und die Schismatiker hätten recht. Nur wer den alten und den neuen Usus gleichermaßen anerkennt, ist katholisch. Das verlangt einiges von beiden Seiten, von denen, die den alten "Usus" lieben wie von denen, die den neuen "Usus" als das Gelbe des liturgischen Eis sehen. Da wird Gebet nötig sein, denke ich...
  • Die 12 Artikel geben den liturgischen Kasuisten einiges zum Kauen - auch hier müssen wir hoffen und selber alles tun, daß in ihrer Anwendung der Geist von "Summorum Pontificum" (wie ihn das Begleitschreiben explizit macht) nicht verfälscht wird, von den einen wie den andern. Man kann die falschen Zwischentöne schon hören, von den einen wie den andern, den geweihten wie den ungeweihten. Reibungslos wird wohl nicht viel gehen - und doch geht es um "innere Versöhnung in der Kirche", um die "volle communio", der alle und vor allem die Bischöfe als die lokalen Garanten der liturgischen Ordnung mit "Liebe und pastorale(r) Klugheit" zu dienen habben.
So viel einmal für jetzt.

Wieder einmal sollte die ganze Kirche dem HErrn für diesen Papst danken, für seine Festigkeit, seine "pastorale Klugheit", seine Fähigkeit, Brücken zu bauen, seine klare Sicht der Lage und seinen Mut, auch unerwartete und riskante Schritte zu gehen - im Vertrauen auf den verheißenen Advokat, den Beistand, den GEist. Und vor allem sollten wir ihn in diesem Einsatz nicht allein lassen.
Ferien und sonstige Geschenke

"Die Ferienzeit ist ein Geschenk Gottes", so unser Summus Pontifex, diesmal ganz irdisch, und vergaß auch die anderen nicht, die "durchmachen" müssen:
"Denen, die die Arbeit nicht unterbrechen können – ich denke vor allem an die mit der Ernte beschäftigten Landwirte –, wünsche ich, dass sie in den Genuss der Früchte ihrer Mühen kommen können. Auch sie mögen bei dieser Arbeit einige Zeit des Ausruhens und der Freude haben."
(Unsere Familienlegende, der in diesem Fall zu trauen ist, erzählt, daß meine Großmutter morgens heiratete und mittags mit ihrer Familie wieder aufs Feld zur Ernte zog. Was der Großvater in dieser Zeit machte, ist nicht bekannt. Aber ich hoffe doch, daß er sich über das "Geschenk Gottes" freute, das die Tochter des Bürgermeisters von H. für ihn war, und daß beide jetzt die "Früchte ihrer Mühen" ernten können, zusammen mit denjenigen ihrer Kinder, die der HErr auch schon in die himmlische Großfamilie geholt hat, wie wir hoffen.)
Überläufer

Am 7. Juli verbrachte ich den Tag eifrig Kisten und Möbel schleppend in München und meine Gedanken waren bei allem anderen eher als bei "Summorum Pontificum", was ich grundsätzlich für ein Zeichen seelischer Gesundheit halte.

Erst abends, nach getanem Umzug konnte ich einen schnellen Blick in die Süddeutsche Zeitung zu werfen, wo unser Papst mit seinem Begleitbrief schon abgedruckt stand und wo Alexander Kissler die "Post aus Rom" auf ihrem geschichtlichen Hintergrund begrüßte. Am meisten prägte sich aber der letzte Satz der Antwort ein, die Wilfried Stroh, seiner Konfession nach Protestant und Autor des Buches "Latein ist tot, es lebe Latein", auf die Frage gab: "Warum ist Latein so wichtig für die Kirche?" ein:
"... meque promitto etam saepius quam antea catholicas missas aditurum esse - sive ut speculatorem sive ut transfugam -
... verspreche, dass ich selber noch öfter als früher die katholische Messe besuchen werde - als Spion oder als Überläufer."

6. Juli 2007

Berichterstattung

Daniel Deckers zweimal in der FAZ anläßlich des MP777:

Heiliges Spiel
Brückenbauer Benedikt

Im Windschatten

Nach dem 7. Juli kommt der 10. Juli, und damit das Schreiben "Ecclesia subsistens":

Zenit: "Am Dienstag der nächsten Woche wird die Kongregation für die Glaubenslehre ein wichtiges Dokument über das Wesen der Kirche veröffentlichen. Mit diesem Schreiben wird die Einzigartigkeit der katholischen Kirche bestimmt und in ihrem Sinn und Inhalt ausgeführt. Gleichzeitig kommt es zu einer Erklärung des Verhältnisses der katholischen Kirche zu den orthodoxen Ostkirchen und den protestantischen kirchlichen Gemeinschaften. Die Gemeinschaft der katholischen Kirche mit der orthodoxen Kirche sei durch die ununterbrochene apostolische Sukzession gewährleistet; gleichzeitig aber fehlt zur vollen Einheit der Bezug der Ostkirchen zum Nachfolger Petri. Die protestantischen Gemeinschaften hingegen könnten nicht als Kirchen im eigentlichen Sinn bezeichnet werden.

Ausgangspunkt der Arbeit der Glaubenskongregation waren die über viele Jahre hinweg eingegangenen Nachfragen zu einem Kernpunkt der dogmatischen Konstitution Lumen Gentium. In der Nummer 8 der Konstitution über die Kirche ist in der deutschen Fassung zu lesen: 'Dies ist die einzige Kirche Christi, die wir im Glaubensbekenntnis als die eine, heilige, katholische und apostolische bekennen (12). Sie zu weiden, hat unser Erlöser nach seiner Auferstehung dem Petrus übertragen (Joh 21,17), ihm und den übrigen Aposteln hat er ihre Ausbreitung und Leitung anvertraut (vgl. Mt 28,18 ff), für immer hat er sie als ‚Säule und Feste der Wahrheit‘ errichtet (1 Tim 3,15). Diese Kirche, in dieser Welt als Gesellschaft verfasst und geordnet, ist verwirklicht in der katholischen Kirche, die vom Nachfolger Petri und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird (13). Das schließt nicht aus, dass außerhalb ihres Gefüges vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit zu finden sind, die als der Kirche Christi eigene Gaben auf die katholische Einheit hindrängen.'

Die Frage, die Theologen seit 40 Jahren beschäftigt und von deren Beantwortung die Methode der Ökumene abhängt, ist, was es bedeutet, dass diese Kirche 'verwirklicht ist in der katholischen Kirche'. Der lateinische Urtext lautet: 'Haec Ecclesia … subsistit in Ecclesia catholica' – die Kirche 'subsistiert' in der katholischen Kirche."

Motu-Hype

Und zum Summorum Pontificum-Blog war es auch nur eine Frage der Zeit: http://www.summorumpontificum.net/.

Stell Dir vor, es heißt doch noch anders...

Aus unserer Reihe Positivissima

Neben Buddy Miller (s.u.) eine weitere Empfehlung: Robert Spaemanns neues Buch "Das unsterbliche Gerücht" versammelt eine Reihe kürzerer Beiträge zur Lage, Funktion und Begründung von Religion, speziell der christlich-katholischen, und zu theologischen Themen (Erbsünde, Sinn des Leidens). Im ersten, eher fachphilosophischen Teil, brauchte es Konzentration und Anstrengung, während es dem Ende zu etwas leichter und durchaus - im positiven Sinn - erbaulich wird. Ein Interview mit David Seeber von der Herder-Korrespondenz bildet so etwas wie einen leicht humoristischen Abschluß, wenn sich Spaemann gegen den Vorwurf von Pessimismus und Dualismus (hie schlechte Welt, dort gute Christen) verteidigt und genüßlich (stelle ich mir vor) Johannes, Paulus und Jesus zitiert: "Nennen Sie es ruhig Dualismus, Pessimismus, wie Sie wollen - aber dann müssen Sie sehen, was sie mit Jesus, Johannes, Paulus ... machen."

Link: Im Klett-Cotta-Blog drei MP3-Dateien aus einem Gespräch von Michael Klett mit Robert Spaemann im Stuttgarter Literaturhaus von Anfang Mai.

Ihr wisst nicht den Tag...

"Some say the world will end in fire,
some say: in ice" (Robert Frost)

An einem Morgen wie diesem gibt es noch die dritte Fraktion, für die die Welt in Unmengen von Wasser ertrinken wird. Auf der A3 unterwegs, mit 30 Meter Sicht nach vorne, stellte ich mir vor, wie hinter mir die Wasser steigen und jenes untrügliche Zeichen der baldigen Apokalypse, die B__D-Zeitung auf der Bäckertheke, erfassen und mit einem leichten Schwappen davontragen.

Passenderweise hatte ich gerade Buddy Millers sensationelles Album "Universal United House of Prayer" im Player und war bei "Shelter Me" angekommen. Da ging es mir schon viel besser - denn einen Vorgeschmack der Apokalpyse allein im Auto zu erleben, ist ziemlich übel, geschweige denn "the real thing", wenn es zu meinen Lebzeiten einmal so weit wäre.

Tagestipp also für alle Leser: Eine passende CD im Auto haben, z.B. eben Buddy Buddys "House of Prayer". Und die restliche Vorbereitung auf den Jüngsten Tag (Keep your soul trimmed and burning...) nicht vernächlassigen. Klar.
the earth can shake the sky come down
the mountains all fall to the ground
but i will fear none of these things
shelter me lord underneath your wings

dark waters rise and thunders pound
the wheels of war are going round
and all the walls are crumbling
shelter me lord underneath your wings

(shelter me lord)
hide me underneath you wings
hide me deep inside your heart
in your refuge - cover me
the world can shake
but lord i'm making you my hiding place

the wind can blow the rain can pour
the deluge breaks the tempest roars
but in the storm my spirit sings
(when you) shelter me lord underneath your wings

(shelter me lord)
hide me underneath you wings
hide me deep inside your heart
in your refuge - cover me
the world can shake
but lord i'm making you my hiding place

now on the day you call for me
someday when time - no more shall be
i'll say oh death where is your sting
you shelter me lord underneath your wings

4. Juli 2007

Summorum Pontificum

Motu proprio-mäßig war ich in den letzten Tagen ein wenig stiller als in der Zeit vorher, denn 1. hatte es der Rest der Welt incl. großen Medien und der breiten kirchlichen Öffentlichkeit auch gemerkt, daß sich da was vorbereitet, 2. macht das Bloggen über ein Thema nicht mehr so viel Spaß, wenn jeder drüber schreibt und 3. hatte ich genug zu tun - zu viel, um die verschiedenen Gerüchte, Nachrichten, Berichte mitzuverfolgen.

Aber heute verlinke ich doch mal auf Rorate Caeli, wo unter Berufung auf eine italienische Agentur der vermutete MP-Titel genannt wird: Summorum Pontificum.

Wäre ein durchaus Ratzingerscher Titel: Kontinuität statt Diskontinuität.

Wir werden sehen.

Gut gegeben

"Schon Talleyrand mußte sich Überlegungen eines Zeitgenossen anhören, der über die Gründung einer zeitgemäßen, den Bedürfnissen der Gesellschaft angepaßten Religion des höchsten Wesens räsonierte. Talleyrand antwortete: 'Es gab einen bekannten Religionsstifter. Er predigte wenige Jahre, ließ sich kreuzigen und stand am dritten Tage wieder auf. Sie sollten etwas dieser Art zu tun versuchen.'" (Robert Spaemann: Das unsterbliche Gerücht.- Stuttgart: Klett-Cotta, 2007, S. 120)

3. Juli 2007

Fremd in der Heimat

"In der Kirche ist keiner ein Fremder." So BXVI in seinem Brief an die Katholiken an China (Nr. 5).

Ja, eigentlich und wirklich schon. Aber nicht immer fühlt man das auch. Denn genauso gibt es die Entfremdung von einer konkreten Gemeinde, in der sich die Kirche verwirklicht. - Dann ist in ihr für mich, für uns alle immer noch alles und mehr als alles da, als wir ersehnen und brauchen. Aber es gelingt einem nicht, mit den anderen "ein Herz und eine Seele" zu sein.

Man gehört dazu, vielleicht schon lange. Aber die Sprache, die gesprochen wird, die Träume, die geträumt , die Ziele, die verfolgt werden, sind nicht die meinen. Man versteht alles, man hat sich ja an die Sprache gewöhnt - aber es ist nicht mehr die eigene.

Man könnte nicht sagen, woran es liegt. Keine Erinnerung an die Weggabelung, wo der eigene Pfad abgezweigt ist - aber plötzlich findet man sich abseits. Der große Tross marschiert ein Stück weiter drüben. Die Stimmen hört man, sie sind vertraut, gehören zu Gesichtern, zu Lebensgeschichten, zur eigenen Lebensgeschichte sogar - aber es ist, als ob sie eine fremde Sprache sprächen.

Fremd in der eigenen Kirche - im Wissen, nicht stehen bleiben zu können, nicht hinter die eigenen Erkenntnisse, Erfahrungen zurück zu können. Erkenntnisse, die immer mehr in die Mitte des Glaubens, ins Herz der Kirche zu führen scheinen. An jenen Ort, wo sich alles entscheidet: jenen Ort, an dem Nazareth, Betlehem, Gethsemani, Golgota, Emmaus zusammenfallen.

1. Juli 2007

Feedback

"You're holding our group together".

A "katholischer Blogger" does want more, but not necessarily while blogging. There's life outside the blogocesis.

Schwellenpastoral

Ein Ökumenischer Wortgottesdienst vor der Zeugnisüberreichung an Abiturientinnen und dem anschließenden Abi-Ball soll natürlich nicht nur nostalgisch auf die letzten 9 Jahre Gymnasium zurückblicken, sondern wird fast unvermeidlich Mut machen wollen auf die neue Lebensphase der jungen Frauen.

Und doch.

Allzu gerne hätte ich gewusst, ob sich bei der zweiten Strophe von "Herr, Deine Liebe"
Wir wollen Freiheit, um uns selbst zu finden,
Freiheit, aus der man etwas machen kann.
Freiheit, die auch noch offen ist für Träume,
wo Baum und Blume Wurzel schlagen kann.
noch jemand im Kirchenraum von St. Peter und Paul umsah und dabei über die Freiheit einiger dort abgebildeter Personen meditierte, z.B. über den hl. Bruder Konrad, den Pförtnerbruder von Altötting (41 Jahre an der Pforte!), über den hl. Sebastian an seiner Säule (die Pfeile konnte ich aus der Ferne nicht zählen), dann natürlich über den hl. Petrus kopfunter am Kreuz, geführt, wohin er nicht wollte - und die allerheiligste Jungfrau mit dem toten Sohn im Schoß.

"Ich hab mich gebunden in Freiheit an dich - dies ist ein Bündnis, nicht nur für mich." (Wilhelm Willms) Und manchmal nimmt ER's ernst, dieses Bündnis. Und wer es nicht eingeht, ist auch nicht vor ernstgenommener Freiheit sicher. Das wissen auch 19jährige Mädchen, mit ihrem Drang zu heftigen Emotionen, Magersucht, vielleicht in kaputten oder zerteilten Familien lebend, mit Zukunftsängsten und Liebeskummer. Und das vergessen sie auch nicht in den 60 rosaroten Minuten eines Wortgottesdienstes, wenn sie und wir alle von Selbstverwirklichung träumen dürfen.

What goes up, must come down. Heute morgen wird die Halle aufgeräumt.

30. Juni 2007

Ausbau von Errungenschaften

Aus Cormac McCarthys Roman "No Country for Old Men", in eigener Übersetzung:
"Vor nem Jahr oder zwei warn ich und Loretta auf ner Konferenz in Corpus Christi und ich saß da neben ner Frau, die war die Frau von einem da. Und die sagte dauernd die Rechten das und die Rechten jenes. Bin nicht mal sicher, was sie damit meinte. Die Leute, die ich kenn, sind meistens ganz gewöhnliche Leute. Gewöhnlich wie Straßenstaub, oder wies heißt. Das hab ich ihr gesagt und sie guckte mich seltsam an. Sie dachte, ich würde was Schlechtes über sie sagen, aber natürlich ist dasn großes Kompliment da, wo ich herkomm. Und sie machte weiter, immer weiter. Und sagt am Schluß, sagt sie: Mir sagt die Richtung nicht zu, in die sich dieses Land bewegt. Ich möchte, daß meine Enkelin eine Abtreibung haben kann. Und ich sag: Mam, na, ich glaub, da müssen Sie sich keine Sorgen machen über die Richtung, wo das Land unterwegs ist. So, wie ichs seh, hab ich überhaupt keinen Zweifel dran, daß sie ne Abtreibung haben kann. Ich sag Ihnen, die kann nicht nur ne Abtreibung haben. Die kann Sie dann sogar einschläfern lassen. Und das hat dann die Unterhaltung ziemlich gründlich beendet."
Wir werden sehen, ob es diese Passage so oder anders in den Coen-Brothers-Film geschafft hat...

27. Juni 2007

Ein katholischer Blogger will eigentlich mehr, aber ...

Unerwartet schustern mir meine Kolleginnen, die allesamt im Pariser Sommerschlußverkauf untergetaucht sind, einen freien Abend zu. Ich hätte ihn ja gerne mit einer Abendmesse begonnen, aber wie es scheint, beginnen die letzten Gottesdienste hier gegen 18h30 oder 18h45. Zu früh für mich. Unschaffbar.

So werde ich mich ersatzweise im Supermarkt um die Ecke - so der noch offen hat - mit Essen und Trinken eindecken - oder vielleicht doch in eine der vielen normannischen Creperien einkehren, die zwschen der rue Edgar Quinet und dem Place du 18 Juin 1940 liegen. Danach bin ich vielleicht wieder fähig, ein paar meiner liegengebliebenen e-Mails zu beantworten und noch ein paar andere nützliche oder segensreiche Dinge zu vollbringen.

À plus tard !

25. Juni 2007

Positivissima

Den Tag mit vielen lieben Kollegen verbracht. Der Tip der Erie-Benediktinerinnen, herzverwandelnde Taten für jede Stunde des Tages zu planen (!) ("Plan a heart-changing act for each hour this day: an extra smile or kind word, for example."), ist in unserer Runde völlig überflüssig.

Die franko-italienischen Kellner von "La Mamma" im 6.Arondissement hätten uns nie im Leben abgenommen, daß wir als Bibliothekar/inn/en und sonstige Informationsjongleure unser Geld verdienen.

Ansonsten habe ich festgestellt, daß sich das Kronenbourg seit unserer ersten Begegnung im Sommer 1977 nicht wesentlich weiterentwickelt hat. (Ich hoffe, daß andere, die damals beim Sommereinsatz in St. Hubert, nahe der Todesstelle des Dieners Gottes Josef Engling, dabei waren, über mich nicht dasselbe sagen würden, wenn wir uns begegneten.)

Dieser Blog ist jugendfrei

Online Dating


(via Korrektiv)

Noch'n Kommentar

Wenn ich nicht voll daneben liege: Monsieur l'Aumonier s'immisce (wie man hierzulande sagt) und lässt dem Karl seine Brüder gegen "berechnende Fröhlichkeit und aufgesetzte Entspanntheit" ansingen.

23. Juni 2007

Aussichten

"Expectation Management": Morgen Pfarrfest und abends bis Freitag nach Paris zum Baguetteverdienen.

Es könnte hier ruhig werden.

Fundstückchen

Da ist einmal eine Zeile von E. E. Cummings, die Dylan gestern für uns ausgrub:

(existing's tricky:but to live's a gift)

(existieren ist knifflig:aber leben ein geschenk)
Wie wahr!

Und dann in unserer Reihe "Pietas Americana" ein Kinderschlafanzug im Geist des hl. Apostels Paulus (Eph 6, 10 - 18):



Kommt komplett mit einem Helm des Heils und einem papiernen Schwert des Geistes. Von Armor of God. (via Signs and Blunders)

Antwort eines fröhlichen Bloggers

Ich vermute mal, daß mich Bernd in seinem Posting über "fröhliche Blogs" mitgemeint hat, und weil er in viel Polemik verpackt eine ernsthafte Anfrage stellt, will ich auch antworten. Das ist nicht leicht, denn die Fallen sind schon ringsum aufgestellt: Schon wer reagiert, bellt vielleicht wie der getroffene Hund, und wer schweigt, muß sich doch ertappt sehen, oder? Eine zu heftige Erwiderung wäre "reflexartig" und "hyperempfindlich", aber wer vergangene Episoden aus der Blogozesengeschichte erwähnt, trägt nach oder nähme Bernd in "Sippenhaft". Und sowieso könnte ich - bewußt oder unbewußt - eine "Meinungsführerschaft verteidigen" wollen.

Wie schrieb Erich Kästner in einem Gedicht, das nach Abmahnungen fast völlig aus dem Netz verschwunden ist:

"Und immer wieder schickt ihr mir Briefe,
in denen ihr, dick unterstrichen, schreibt:
»Herr Kästner, wo bleibt das Positive?«
Ja, weiß der Teufel, wo das bleibt."

Wie die Leser bei Kästner, sieht auch Bernd in den – „auch katholischen“- Blogs „zu 80 %“ schnöde Kritik, Verbitterung, Verzweiflung, Sucht nach Originalität, wirres Zeug. Durchgezählt hat er wohl nicht, aber das muß auch nicht, wer provozieren will.

Doch wo Gefahr ist, wächst etc. etc.: Schreibt „endlich mal“ über „das Schöne Eures alltäglichen Lebens“! Bei allem Respekt und aller Freude über die, die genau das erfolgreich und gelungen tun: In meinem Blog z.B. spielt das „alltäglichliche Leben“ nur ausschnittweise eine Rolle. Das ist Absicht: Mir ist für richtig Persönliches das Web zu öffentlich, und daher gibt es verstreut Schnipsel, aus denen sich eine Biographie oder die „Geschichte einer Seele“ zusammensetzen kann, wer mag. Dabei weiß ich genau, dass ich auch mit distanzierten, ironischen, spöttischen Postings einen Blick in mein Inneres eröffne und genug Material für ein Psychogramm liefere– aber das braucht dann schon genauere Leser, denen ich das auch gönne.

Wo bleibt das Positive? Mir ist, als sei das auch schon einigen unserer großen katholischen Schriftstellern gesagt worden. Bloy, Bernanos, Percy – sie alle schreiben auf den ersten Augenschein keine gelbweiße, einladend-frohe Propaganda Fidei, strahlen in ihren Romanen nicht erlöst, bevorzugen die indirekte Methode. Wenn katholische Blogger wenig, zu wenig direkt und bekenntnishaft über die Gnade und Wohltaten ihres Gottes reden, steckt dahinter wohl meistens keine bewusste Wahl – aber vielleicht doch die Erfahrung, dass eine unbefangene Gottesrede nicht unbedingt einfach ist, auch nicht jedem liegt. Und dass diese Rede sehr schnell und unter der Hand unauthentisch werden kann. Mir jedenfalls geht das so. Ironie schafft da eine gewisse Distanz zur eigenen Person, eine Leichtigkeit, die der graziösen Gnade durchaus angemessen ist.

Ach, gar viele Gründe kann es geben, nicht „über das Schöne des alltäglichen Lebens“ zu schreiben, und gar viele Wege, um seine Dankbarkeit für all das Schöne dem Urheber alles Guten direkt zu bezeigen. Blogeinträge sind nur einer davon.

Bernd sagt uns auch, was er sich von den Blogs erhofft, die er liest: „vertraulichere, freundschaftlichere Einblicke“. Ich bin mir gar nicht sicher, wieviele derer, die Blogs lesen oder verfolgen, das auch so prominent erhoffen. Wenn mir selbst eine Stimme lieb geworden ist in den letzten Jahren – und da gibt es einige! – dann nicht unbedingt weil er oder sie viel von sich offenbart hätte. Es war der Tonfall, die Perspektive, überraschende Einsichten, Klugheit, prägnante Beobachtungen, ein weiter Horizont oder die Ausdauer, ein Thema nachzuverfolgen. Jeder Blog ist anders, und keiner ist allein für mich geschrieben.

An dieser Stelle offenbare ich mich nun als teilbekloppt: Lieber Bernd, meinen Blog schreib’ ich nicht für mich, da stimme ich Dir zu. Denn keiner schreibt für sich allein, jeder hat einen imaginierten, zukünftigen, realen Leser, der ihm über die Schulter, auf den Bildschirm schaut. Aber Deinen Halbsatz „Wer’s nicht mag, muss es ja nicht lesen”, den habe ich auch schon gesagt. Lesen, kurz ärgern oder mit den Schultern zucken, ein Stoßgebet über die Lippen bringen – und weiterklicken. Das darf man im Web und keiner kann’s einem verbieten. Natürlich darf man auch schimpfen und im eigenen Blog böse kommentieren. So what?

Weil es schon spät ist und der Tag morgen früh beginnt, nur noch eines: „Das Blog eines katholischen Christen muss mehr wollen. Es will Interesse wecken, will einladen, sucht nach neuen Freunden auf den gemeinsamen Weg. (…) Ein katholisches Blog will mehr!“ – Als Anfrage an mich werde ich diese Sätze mitnehmen und sehen, was ich draus mache. Aber definieren sie wirklich was ein katholischer Christ wollen muß, wenn er bloggt? Ein bisschen Freiheit nimmt sich auch der konservative katholische Laie, wenn er in seiner Freizeit bloggt: freie Themenwahl, freie Wahl des Stils, freie Wahl der Bloghäufigkeit und des Spaß-, Ironie-, Klage- und Freudenspiegels, Freiheit beim Themenwechsel, beim Anfangen und Aufhören.

Klar, es geht nicht alles. Es gibt zweifellos Grenzen für das, was beim Bloggen erlaubt ist; und wenn wir uns fragen, was uns auf unserem Weg zu IHM vorwärts bringt, dann sollten wir manches bleiben lassen. Aber nicht jeder, der vorbeischaut, hat die gleichen Interessen, manche wollen eine andere Einladung und nicht jeder, der nach Freunden sucht, findet auch welche. Manchmal zahlt sich Absichtslosigkeit mehr aus.

So viel für jetzt.

PS: Ein herzliches Dankeschön allen Lesern – und allen Freundinnen und Freunden, die mir seit 2002 hier begegnet sind!

20. Juni 2007

Das Leiden der Christen im Irak

Durch die Ermording des Priesters Ragheed Ganni und dreier Subdiakone und die - inzwischen glücklich beendete - Entführung von Vater Hanni Abdel Ahad und fünf christlichen Jugendlichen ist die bedrängte Lage der Christen im Irak für uns sichtbar geworden.

Die Homepage der Chaldäischen Kirche bringt die Nachricht, daß heute wieder eine Gruppe von acht Christen - Lehrer und Studenten - entführt wurde. "Die Polizei schaute der Entführung zu, ohne einzuschreiten".

"Hermeneutic of Continuity" verlinkt zu einer Petition der "International Campaign to Support the Christians of Iraq". Bitte mitmachen und unterschreiben.

Pflaster für christliche Knie

Wie Signs and Blunders frei nach Deuterojesaja so schön titelt: "Durch sein Heftpflaster sind wir geheilt":



Im Online-Shop von Archie McPhee gibt es noch mehr von ähnlichem Kaliber; manches ist uns auf unseren Expeditionen in den Dschungel ameikanischer Volksreligion schon begegnet. St. Homobonus kannte ich allerdings noch nicht, weder den echten noch den nachgemachten.

C&W für Einsteiger und Fortgeschrittene

Eine "Genreübersicht" nennt die Zeit die Einführung in die Country-Musik, von der Volksmusik der Hinterwäldler bis zu Alt.Country. Mit Hörbeispielen, kurz und kompakt.

Für Aficionados Links zu drei Americana / Country Music-Blogs:

19. Juni 2007

Straßenverkehrstorah

Am ausführlichsten scheint es die Info bei Reuters zu geben (Einglish only): Die 10 Gebote für gottgefälliges Autofahren, heute vom Vatikan veröffentlicht, passenderweise vom Päpstlichen Rat der Seelsorge für die Migranten und die Menschen unterwegs. (via Shrine of the Holy Whapping et aliis)

Nur so ...

... für den Fall, daß einer fragt: Meine Übersetzung der Empfehlungen von Fr. Z. ist ohne mein Wissen und meine Zustimmung auf die Seiten jener "Nachrichtenagentur" gelangt, die keine ist, schon gar keine "katholische", sondern ganz im Anonymen schürt und zündelt und stänkert.

Da einerseits die Empfehlungen den Geist eines "sentire cum ecclesia" atmen, der jenen Schreibern oft genug abgeht, andererseits m. W. und nach den Erfahrungen anderer Blogger bei den Jungs dort eh Hopfen und Malz verloren ist, sage ich erstmal sonst nichts weiter dazu, sondern behalte mir weitere Schritte vor. Und hoffe, daß auch k***z.net-Leser davon profitieren.

André Glucksmann

Hannes Stein gratuliert dem Jubilar in der Welt zum 70. Geburtstag.

Jürg Altwegg tut das gleiche in der FAZ.

18. Juni 2007

To whom it may concern: Vorbereitung aufs päpstliche Dokument

Father Z. postet fünf Regeln für den richtigen Umgang mit dem erwarteten Motu Proprio, die ich für uns alle hier übersetze:
1. Freuen Sie sich, weil unser liturgisches Leben bereichert worden ist, nicht weil "wir gewinnen". Jeder gewinnt, wenn das Leben der Kirche bereichert wird. Es ist kein Nullsummenspiel.

2. Blasen Sie sich nicht auf. Lassen Sie uns denen freundlich begegnen, die in der Vergangenheit unseren "legitimen Bestrebungen" nicht freundlich begegnet sind.

3. Zeigen Sie aufrichtige christliche Freude. Wenn Sie möchten, daß Menschen von dem fasziniert werden, was so viel Trost und Glück schenkt, seien Sie einladend und voll Freude. Vermeiden Sie jene Säuerlichkeit, die so manche aus der eher traditionalistischen Ecke leider so lange vor sich hergetragen haben.

4. Lassen Sie sich in das ganze Leben Ihrer Pfarrei einbeziehen, besonders in die Werke der Nächstenliebe, die sie organisiert. Wenn Sie wollen, daß die ganze Kirche von der Feier der alten Liturgie profitiert, dann sollten Sie, die durch diese ältere Form der Messe geformt sind, der ganzen Kirche von Nutzen sein, und zwar ganz konkret.

5. Falls das Motu Proprio nicht alles enthält, was wir erhoffen, jammern und quengeln Sie nicht herum. Sprechen Sie weniger von unseren Rechten und von dem, was uns zusteht oder von dem, was hätte sein können, so als ob jeder ein kleiner Papst wäre, und sprechen Sie mehr über unsere Dankbarkeit, die tiefe Dankbarkeit für das, was Gott uns schenkt.

Reissack

Mein Bruder in Christo Phil hat ein sehr schönes postkonfessionelles Posting vorgelegt, das ich noch einmal in Ruhe lesen werde. Einstweilen erfülle ich ihm seinen Wunsch, mal im Internet zu sehen, wie in China ein Sack Reis umfällt.

Hier tut es einer.

17. Juni 2007

Die nicht gemeinte Kluft

Wenn Guido Horst und - wie er vermutet -, die Gemeinschaft der deutschen Bischöfe von einer "Spaltung zwischen Alt- und Neu-Liturgikern" sprechen, meinen sie nicht die, die sich in dieser Gottesdienstankündigung ausgedrückt findet und die ein bißchen tiefer gehen dürfte als die andere, wegen des Motu Proprio befürchtete:
"Heute geht es weiter: Gemeinsam mit den Schaustellern und der evangelischen Dreieinigkeitsgemeinde feiern wir um 10.30 Uhr in der Almhütte Gottesdienst mit Funtasy. Der Volksfestgottesdienst steht unter dem Thema „Das Leben – ein Karussell“. Am Nachmittag, ab 14 Uhr, startet der Festbetrieb mit Kaffee und Kuchen." (bei Gemeinde St. Michael, Schweinfurt)

Beobachtungen beim Auftauen

Nach dem Schockfrosten wird der alte Ritus der lateinischen Messe wieder aufgetaut - warum das nicht so schnell geht, beschreibt Guido Horst in der Tagespost.

Man kann das ganze auch als laufenden Kommentar zur Tatsache sehen, daß der Papst zwar unfehlbar, aber nicht allmächtig ist: Wenn bischöfliche Kollegialität Lobbyarbeit betreibt, kommen auch Herzensanliegen zum Stillstand.

Aus dem Munde der Kinder



Was die Mocedades können, kann er mit seinen 3 1/2 Jahren schon lange.

Kardinal Arinze und Papst Benedikt wird's freuen.

Ultramontanes Gerüchlein


Wer duften will wie weiland Pius IX., kann die Flasche für US$ 31.00 bei Excelsis Fine Fragrances in San Rafael, CA bestellen.

Es müsste ideal sein für die Vorlesung "Kirchengeschichte der Neuzeit: 19. - 20. Jahrhundert". (via Ironic Catholic)

16. Juni 2007

Ein bißchen iubilatio



Klingt nach den frühen Gen Rosso, ist aber Mocedades, eine baskische Gruppe, die nicht nur "Eres tu" bekannt machte, sondern bei Gelegenheit, wie wir hier sehen, das "Pange lingua" des Aquinaten interpretierte.

15. Juni 2007

Die Schönheit der Weltkirche am Kiosk

Eine gute Nachricht: Das VATICAN-magazin soll es ab sofort auch an den deutschen, österreichischen, schweizerischen Kiosken geben!

Aus dem Editorial [pdf] von Guido Horst:
"In dieser Zeit des ungläubigen Interesses oder der interessierten Ungläubigkeit taucht nun das VATICAN-magazin an deutschsprachigen Kiosken auf. Unseres Erachtens ein notwendiger Schritt. Man muss vom Leben der Kirche, von ihren Anfeindungen und ihrem inneren Ringen erzählen, aber auch die Schönheit des Glaubens in Wort und Bild sichtbar machen, um wieder Verständnis dafür zu wecken, dass seit zweitausend Jahren auch durchaus intelligente, gebildete und ganz und gar nicht weltfremde Männer und Frauen alles stehen und liegen lassen, um Jesus Christus zu folgen. Wenn es gelingt, das Faszinierende des Christentums wieder ein wenig aufscheinen zu lassen, ist unser Gang an die Kioske jede Mühe wert."

Liebe

"Der Mensch lebt von der Wahrheit und vom Geliebtsein, vom Geliebtsein durch die Wahrheit. Er braucht Gott, den Gott, der ihm nahe wird und der ihm den Sinn des Lebens deutet und so den Weg des Lebens weist. Gewiss: Der Mensch braucht Brot, braucht die Nahrung des Leibes, aber er braucht im Tiefsten vor allem das Wort, die Liebe, Gott selber. Wer ihm das gibt, der gibt ihm 'Leben in Fülle'." (JR/BXVI: Jesus von Nazareth, S. 324)

"Jesus wandelt den äußeren Gewaltakt der Kreuzigung um in einen Akt der freiwilligen Hingabe seiner selbst für die anderen. Jesus gibt nicht etwas, sondern sich selbst. So gibt er Leben." (ebd., S. 325)
Heute feiern wir das Herz-Jesu-Fest.

14. Juni 2007

Philo-philosophisches

Lupambulus berolinensis hat sie über einen Link in einem Vortrag von Erzbischof Chaput (Denver, CO) entdeckt, die Gilde der arbeitslosen Philosophen, die keine McPhilosophen werden wollten, sondern sich gut amerikanisch im freien Unternehmertum versuchen und dabei zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen:
"We make people laugh and earn enough money to read Spinoza and raise some families."
Im Angebot des Online-Shop sind neben dem nach dem Hl. Sebastian geformten Nadelkissen und dem Kierkegaard für den Zeigefinger etliche andere Philosophen in verschiedenen Größen und für verschiedene Zwecke, aber auch praktische Dinge wie der Nietzscheanische Will-to-Power-Riegel, Atone Mints, Enlighten Mints, "Thou Shalt Not"-Post-Its und dergleichen mehr.

Sogar Ernesto Cardenal konnte es nicht lassen, hat sich als Leonardo Boff reingeschmuggelt und wird als Claude Monet verkauft.

13. Juni 2007

Post-House'sche Glaubwürdigkeitskrise

Man sollte abends nicht Dr. House sehen, wenn man am nächsten Morgen einen Arzttermin hat.

Denn irgendwie klang der junge und gut qualifizierte Arzt bei der Sonographie nicht so glaubwürdig wie beim letzten Mal, als er laut räsonnierte: "Das und das hat nichts zu bedeuten, jedenfalls üblicherweise nicht. Man denkt natürlich immer auch an X, aber dann sähe es anders aus. Warten wir mal auf die Y-Werte, dann kriegen wir ein besseres Bild. Wenn sie in Ordnung sind, beweist das zwar nichts, und schließt auch nichts aus. Ich gebe Ihnen auf jeden Fall mal die Bilder für den Hausarzt mit."

Aber immerhin habe ich gestern abend zu meiner Freude festgestellt, daß Hugh Laurie (alias Gregory House, M.D.) in einem früheren Leben schon mehrfach Bertie Wooster spielte...

Die Gärten der Geselligkeit

Im Netz konnte ich zwar den von der FAZ zitierten Satz aus der Bayerischen Biergartenverordnung (§1, Zusatz 2.1) nicht belegen, aber meistens stimmt es wohl schon:
"Die Geselligkeit und das Zusammensein im Freien wirken Vereinsamungserscheinungen im Alltag entgegen."
Die FAZ hat sich jedenfalls die Mühe gemacht, uns mit Biergarten-Site-Links zu versorgen, auf daß der Sommer gesellig werde.

Ich hoffe jedenfalls, mein Bruderherz hält uns im Hirschgarten schon mal eine Bank frei.

12. Juni 2007

Gute-Laune-Protestantismus als Auftragsarbeit

Der Kirchentagssong der Wise Guys - kirchentagsabstinent, wie ich letzte Woche war, habe ich ihn eben erst gehört.

Musik ist an sich ein gutes Hausmittel gegen Lethargie, aber Zeilen wie "So gut gelaunt und engaschiert wie nie" oder "und zeigen, daß wir so lebendig sind wie nie" klingen schon stark nach dem fröhlichen Pfeifen im dunklen Wald. Und eine gewisse Ähnlichkeit mit der EU-Verfassung in puncto Gottesbezug lässt sich auch nicht ganz leugnen. (Ja, ich weiß schon, implizit ist ER bzw. ErSie ja präsent, von wegen nicht allein sein und sich aufs Wichtige besinnen...)

11. Juni 2007

Fit for the Battle of Jericho, Jericho, Jericho

Das hatten wir früher öfters, doch dank Signs and Blunders kommt wieder einmal schön buntes Bibelspielzeug in den Blog:



Dieser hier abgebildete Herr ist Moses; von seinen Freunden David, Samson und Noah unterscheidet er sich im wesentlichen durch den beigelegten Comic - hoffentlich jedenfalls. Genauso hoffentlich ist das "Almighty Heroes" des Gattungsnamens dieser Spielzeugfamilie mit "Helden des Allmächtigen" zu übersetzen statt mit dem gotteslästerlichen "Allmächtige Helden".

Der religionspädagogische Wert besteht ggfs. in der Verstärkung einer vorhandenen Grundimmunität gegen die "Bibel in gerechter Sprache" - falls die Bibelcomics nicht auch von Philistern und Philisterinnen oder von der/dem ErSie sprechen wie eben diese zeitgenössische Ausgabe.

Nationalcharakteristisches

Joachim Fest in seinem Italienische-Reise-Buch "Im Gegenlicht":
"Zum Essen nach Marino. Auch T. sprach von den Aufgeregtheiten der Deutschen. Zu den 'certitudes allemandes' gehöre die Faszination durch Katastrophen. Spätestens seit Wagner. Mit den bekannten Nachfahren und den weniger bekannten von heute, die aber auch zu jener Nachkommenschaft rechneten, selbst wenn sie es nicht wahrhaben wollten. Alle paar Monate werde in Deutschland ein neues Weltuntergangsspiel aufgeführt." (Taschenbuch-Ausgabe bei rororo, S. 292)
Nicht dass wir denken und vermuten, es komme zur Katastrophe, unterscheidet uns von andern, sondern daß wir fasziniert sind vom Gedanken daran, daß wir ohne sie nicht leben können und wohl auch gerne kleine zu richtigen Katastrophen groß ziehen.

10. Juni 2007

The Wørd

The Wørd: A Colbert Blog for Catholic It-Getters: Der Blog über den Mann, der in den USofA "größer ist als manche der kleineren Heiligen" (oder größer mindestens als St. Hubert von Lüttich, der nach der Erfindung der Antibiotika mit seinen Hundebissen eher weniger Arbeit hat) und der den Hybridmotor des Papamobils so charakterisiert:
“The little wheel turns by faith and the big wheel turns by the grace of God.”
(via Ironic Catholic)

"I found myself a Catholic and a writer"

Walker Percy, einer meiner Lieblingsschriftsteller, bei YouToube: Ein schönes, fast 10 min dauerndes Video von der Verleihung der Laetare-Medaille der Notre Dame-University im Jahr des Herrn 1989 (via Godsbody):

"The motto of the Laetare medal is, I understand: 'Magna est veritas et praevalebit - Truth is mighty and shall prevail.' I think it applies even to the humble vocation of a novelist.

In my last novel 'The Thanatos Syndrome' I tried how, while truth should prevail, it is a disaster when only one kind of truth prevails at the expense of another. If only one kind of truth prevails, the abstract and technical truth of science, then nothing stands in the way of demeaning of and destruction of human life for what appear to be reasonable short-term goals.

It's no accident, I think, that German science, great as it was, ended in the destruction of the Holocaust. The novelist likes to irritate people by pointing this out. It is his pleasure and vocation to reveal in his own elusive and indirect way man's need of, and openings to other than scientific propositions."

["Das Motto der Laetare-Medaille ist, wenn ich es richtig verstehe: ''Magna est veritas et praevalebit - Die Wahrheit ist groß und wird siegen." Ich denke, das lässt sich auch auf die demütige Berufung eines Schriftstellers anwenden.

In meinem letzten Roman 'Das Thanatos-Syndrom" habe ich versucht zu zeigen, wie, auch wenn die Wahrheit siegt, es doch ein Unglück ist, wenn nur eine Art von Wahrheit siegt auf Kosten einer anderen. Wenn nur eine Art der Wahrheit siegt, nämlich die abstrakte und technische Wahrheit der Wissenschaft, dann steht der Erniedrigung und der Zerstörung menschlichen Lebens zugunsten scheinbar vernünftiger, kurzfristiger Ziele nichts mehr im Weg.

Es ist kein Zufall, denke ich, daß die deutsche Wissenschaft, so groß sie auch war, in der Zerstörung des Holocaust endete. Der Schriftsteller mag es, das aufzuzeigen und damit Leute zu irritieren. Es ist sein Vergnügen und seine Berufung, in seiner eigenen, schwer fassbaren und indireken Art das Bedürfnis und die Offenheit des Menschen für andere als wissenschaftliche Behauptungen zu enthüllen."]

9. Juni 2007

Liturgisches Latein

Ein Vortrag von Francis Kardinal Arinze vom November 2006 zum "Latein in Liturgie" ist seit einigen Tagen auf vatican.va nachzulesen. Leider nur auf Englisch.

Railroading



Railroad Earth ist eine amerikanische Band um den Gitarristen und Sänger Todd Sheaffer, die einen akustischen Rootsrock mit vielen Bluegrass-, Jazz- und Celtic-Einflüssen spielt. Ihren Ruf in den Staaten verdanken sie vor allem ihren Live-Auftritten (in deren Genuß wir Europäer mindestens 2007 nicht kommen werden.

Im vergangenen Jahr haben sie mit "Elko" eine Doppel-CD mit Livemitschnitten veröffentlicht, die ich in den letzten Wochen nicht mehr aus dem Spieler bekomme.

Wer schon völlig digital Musik hört, kann sich hier mit legalen Konzertmitschnitten bedienen.

Er ist einer von uns

Daß mit Martin Mosebach ein bekennender Katholik den Georg-Büchner-Preis bekommt, sollte für das "katholische Deutschland" (wie man vor einigen Jahrzehnten zu sagen pflegte) zunächst einmal eine Freude sein. Nun ist Mosebach allerdings bei den "modernen Zeitgenossen", den "Menschen von heute" vermutlich beliebter und berühmter als bei seinen Glaubensgenossen, die seine "Häresie der Formlosigkeit" verärgert als Kampfansage auffassen. Es ist gerade die von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung gerühmte "unbestechliche Selbständigkeit", die Mosebach für die deutschen Katholiken und ihre Bischöfe so unangenehm und unberechenbar macht: Stellt er sich nicht fast süchtig außerhalb der Gemeinschaft der Recht- und Gutgläubigen? Will er überhaupt dazu gehören? Wird er uns nicht morgen schon wieder beißen, nachdem wir ihn an unsern Tisch geholt haben? Und wenn wir ihn zu den Runden Tischen und Podiumsdiskussionen, in die Akademien und Katholikentage holen: Zähmt oder neutralisiert ihn das? Oder schafft es uns nicht mehr Ärger als nötig: Die einen finden ihn toll, die anderen beschweren sich, wie man so einen nur einladen konnte? Wäre er nicht besser ein Kandidat für den Vorhof der Heiden, statt direkt am Allerheiligsten über schlecht reformierte und schlecht gefeierte Riten zu lästern?

Ulrich Greiner in der ZEIT:
"Dafür lag Mosebachs formaler und inhaltlicher Konservatismus einfach zu sehr am Rande dessen, was der Geist der Zeit erforderte. Dieser nun hat sich gedreht, und sichtbarster Ausdruck dafür war die Tatsache, dass Mosebachs Büchlein Die Häresie der Formlosigkeit zu einem wider alles Erwarten erstaunlichen Erfolg wurde. Die 2002 in einem kleinen Wiener Verlag erschienene Streitschrift für eine Wiederherstellung der traditionellen katholischen Liturgie hatte weitreichende Folgen; sie unter anderem war die Ursache für den Begriff des Feuilleton-Katholizismus, mit dem sich seither Kirchenleute gegen eine bloß historisch-ästhetische Debatte wehren.

Aber gerade dieses historisch-ästhetische Moment ist zentral für Martin Mosebach. Dass etwas hässlich sei, ist für ihn keine Geschmackssache, sondern ein Argument von Rang. Die historisch-ästhetische Wahrnehmung der Welt hat deswegen überhaupt nichts Antiquarisches, sondern sie erlaubt Mosebach einen durchdringenden Blick auf die Entstellungen und Verbiegungen, die eine entfesselte Moderne dem Menschen abverlangt. Er begegnet dieser Moderne mit der Haltung, mit dem Selbstbewusstsein des gebildeten Bürgers, der, wenn alle Stricke reißen, weiß, wo er herkommt und wo seine geistige Heimat ist."

Implizit = unhörbar

Auf besonderen Wunsch die Worte des Bischofs von Vannes in deutscher Übersetzung:
"In der heutigen Welt wäre ein Zeugnis für den Glauben, das implizit bliebe, unhörbar. Der Glaube muß explizit verkündigt und offen dargelegt werden. Man darf keine Angst haben, sich den Fragen unserer Zeitgenossen zu stellen. Aber dafür muß man ein verschämtes Christentum, ein bußfertiges Christentum verlassen. Unter dem Vorzeichen von Gewissensfreiheit und Laizität hat man manchmal den Eindruck, daß das Christentum eine beschämende Krankheit sei. Diese Perspektive lähmt unseren Willen zur Verkündigung. Wir müssen nicht nur dafür nicht nur die gleiche Freiheit auf Meinungsäußerung beanspruchen, die gleiche Redezeit und den gleichen Respekt wie andere Denkströmungen, sondern müssen es im Licht des Glaubens auch als die Wahrheit betrachten."

8. Juni 2007

Franco-Catholique

Ich bin aus beruflichen Gründen fleißig am Französischlernen, und der Übung halber habe ich mir auf Bloglines und in der Blogroll unter "Les Blogeurs de la Fille Aînée" (Die Blogger der ältesten Tochter) ein paar Blogger aus der Paroisse St. Blogis zusammengesucht. Ich denke, da kommen mit der Zeit noch einige dazu...

Für heute ein paar Zeilen von Bischof Raymond Centène (Vannes):
«Dans le monde actuel, un témoignage de foi qui resterait implicite serait inaudible. La foi doit être annoncée explicitement et exposée ouvertement… Il ne faut pas avoir peur d'affronter les questions de nos contemporains. Il faut se former au débat. Mais pour cela, il faut sortir d'un Christianisme honteux, d'un Christianisme repentant. Sous prétexte de liberté de conscience, de laïcité, on a parfois l'impression que le Christianisme est une maladie honteuse. Cette perspective paralyse notre volonté de l'annoncer. Non seulement il faut revendiquer pour lui la même liberté d'expression, le même temps de parole et le même respect que pour les autres courants de pensée, mais à la lumière de la foi nous devons aussi le considérer comme la Vérité.» (via Chrétiens dans la Cité)

G8liches

G8 in Heiligendamm ist 2007 das, was die Weltmeisterschaft 2006 war: ein massenmediales, auf- und erregendes, glücklich machendes Sommermärchen. Der Gipfel der Herzen.

Ich stelle mir vor, wie gestern abend Vladimir, George, Angela, Nicolas und die anderen alle nach getaner Arbeit - "Nu lasst uns mal Schluß machen!" - gemeinsam mit einer Tüte Chips und mit je einer Flasche Stralsunder nebeneinander einträchtig auf der Couch sitzen und in der Tagesschau sehen, wie sich Herbert G. aus Bochum von Rostock nach Köln zuschalten lässt.

Schreibt eigentlich schon jemand an der Pressemeldung, daß das G8-Treffen viel zu viel gekostet habe? Leute, berichtet beim nächsten Mal einfach nicht drüber, fahrt nicht hin, tut in der Zeit Gutes, was richtig Gutes (etwas, von dem Eure Rechte nicht mal Eure Linke was wissen lässt) und Ihr werdet sehen: So einen billigen G8-Gipfel hat es dannn nie zuvor gegeben.

Wie die Linken (und wir) anti-israelisch wurden

Martin Kloke im Merkur über das, was nach den Siebentagen in deutschen Köpfen passierte, bis vierzig Jahre später 77 % einer von der BBC befragten Deutschen Israel als "negativ" wahrnehmen.

7. Juni 2007

Fahnenfarbiges

Die deutsche Kirche betont ja immer wieder gerne, daß in den dunklen Zeiten der Nazi-Tyrannei die Fronleichnamsprozessionen vergleichsweise machtvolle Demonstrationen einer nicht vollständig durchpolitisierten und gleichgeschalteten Gesellschaft und eines Glaubens waren, der standhält und die Kraft zum Standhalten gibt.

Umso erstaunter war ich heute, als ich in der Prozessionsordnung unserer Gemeinde las, daß direkt hinter dem Allerheiligsten "zwei braune Fahnenträger" folgen. Da erinnerte mich die Messnerin, daß es in unserer Pfarrei tatsächlich zwei Fahnen in einem mittelbraunen Farbton gibt. Naja, frühe Nachkonzilszeit halt, da nahm man es nicht mehr so genau.

Die Nazis gehen immer noch nicht mit.

6. Juni 2007

Fronleichnam

Wie hart es ist, eine abgebrochene Tradition wieder aufzunehmen, lässt uns Thomas in seinem Abendland ahnen. Aber das wird schon klappen, daß der HErr wieder durch die Straßen von Dinslaken zieht...

Andere haben es hier besser: In der Nachbarstadt feiert man morgen zum 700. Mal Fronleichnam: Für 1307 ist zum ersten Mal eine Fronleichnamsprozession in Aschaffenburg erwähnt - damit dürfte sie eine der ältesten sein, die sich in Deutschland nachweisen lassen. (Vgl. KathPedia)

In meinem Heimatort gibt es zwei katholische Pfarrgemeinden, die sich mit der Ausrichtung der Prozession abwechseln. So trete ich nur ein übers andere Jahr in Aktion - meine Aufgabe ist es morgen wieder, rechtzeitig vor dem Allerheiligsten zum je nächsten Altar zu eilen, dort die Kerzen zu entzünden, abschließend nach dem Rechten zu sehen und dann bei der Statio dem Priester das Velum abzunehmen und das Evangelienbuch zu reichen.

Ich freue mich schon auf dieses immer gleiche und jedes Mal neue Ereignis, in dem wir sichtbar und feierlich tun, was auch sonst unsere Aufgabe ist: Jesus in die Welt zu tragen und möglichst sichtbar werden zu lassen.

Reprogrammiert

Und auch das ist einen Hinweis wert: Eine Forschergruppe um Rudolf Jaenisch hat es geschafft, reife Körperzellen von Mäusen in embryonale Stammzellen zurückzuverwandeln und damit einer Gewebeersatztherapie ohne Embryonenvernichtung ein Stück näher zu kommen.(Artikel von Christian Schwägerl in der FAZ, ebendort ein Interview mit Jaenisch)

Talking about their generation

Nicht gefragt

"Spreche ich mit dem Vater oder dem Sohn?", gab die nette Frauenstimme zur Antwort, als ich mich mit "Scipio, Grüß Gott!" am Telefon meldete.

Wer so fragt, will den Sohn sprechen und nicht den Vater.

"Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen", oder wie hieß das noch?

Kardinaler Takt

So was bringt ja auch nur einer wie Kardinal Meißner fertig, in seinem Grußwort zum Evangelischen Kirchentag nicht lange um den heißen Brei zu schleichen, sondern griffig und bündig auf den Punkt zu kommen.

Dazu passt, daß er mit Léon Bloy nicht irgendeinen "französischen Literaten" zitiert, sondern einen der radikalsten Kritiker eines "modernen Christentums". Der vom Kardinal zitierte Satz
"Um nicht in den Verdacht des Fanatismus zu geraten, haben sich die modernen Prediger etwas ausgedacht, was sie mit Bescheidenheit das Wort Gottes nennen. Es besteht darin, stundenlang zu salbadern und sich mit vollendeter Geschicklichkeit um das Ja und Nein herumzudrücken."
gehört noch zur harmloseren Sorte...

(Über Luther hat Bloy bestimmt auch einiges Unbequeme gesagt, wenn ich nicht ganz verkehrt liege...)

5. Juni 2007

Lebensweiser

Was für ein respektvolles, ehrfürchtiges Portrait von Walter Kempowski durch Edo Reents. Da hat sich der "Meister"(Reents über Kempowski) sicher gefreut. Geschieht ihm recht.

Und für uns ist auch was dabei:
"Eines steht jedenfalls fest: In unseren mal abstoßend rührseligen, mal panisch verbissenen Zeiten haben wir ihn bitter nötig - als lebenden Vorwurf gewissermaßen, der uns unablässig sagt, dass wir uns doch einfach zusammenreißen und unsere Arbeit tun sollen, wie sein Vater ihm in seinen Romanen manchmal erscheint: mit Monokel und skeptischem, aber irgendwie auch gütigem Ausdruck. Was wir brauchen, ist eine Entideologisierung, eine Entpathetisierung unseres Denkens, Redens und Schreibens, und zwar in jeder Hinsicht."
Oder hier O-Ton des Portraitierten:
"Es ist jetzt schon so weit, dass sie einem am Donnerstag ein angenehmes Wochenende wünschen. Ab Freitagmittag sind alle Behörden dicht. Wenn sie das ganze Wochenende Bücher lesen würden, wäre es mir recht. Was machen sie bloß mit ihrer Freizeit?"

Babbelfish

Iwwersedser.de

Do ut des im Kindergottesdienst

"Eeii, Aldä, wennde ned gleisch was in mei Kollegde-Ruggsäggsche duhst, lehr isch endweddä moin Dobbel-Ouschbitzä iwwer disch oddä isch schmeiss dä e paa von denne Runne Werfel anne Kobb.

Wennde awwä brav bissd, krieschsde endweddä e Brommobennelsche - des gidds ab fuffzisch Zend -, e Tädduh uffdi Stern fä en Euro oddä - wannde rischdisch viel rausriggsd - e Ouschdeggnehdelsche.

Awwä ni dass de määnst, fä en blaue Lappe ziehd de Parre denn Schal aus - deä blabbd drou, bis di Käsch aus ess."

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Und nebenbei sind wir mal wieder ganz froh, daß sich das Hessische und ähnliche Dialekte nicht als deutsche Schriftsprache durchgesetzt haben.

4. Juni 2007

Immer wieder sonntags

Götz Kubitschek in der Sezession Nr. 18 über die Sonntage in Sachsen-Anhalt, über Kindheitserinnerungen und über die Richtung des nationalen Fortschritts.
Die Kinder können das Gewicht dieses Moments, der da festgehalten ist, noch nicht begreifen. Sie sehen die Glocke und den Blutreiter und die Standarten und das scheuende Pferd. Der Riß, der Einbruch der provozierenden Gottlosigkeit interessiert sie nicht, und sie wissen auch nicht, daß mit dem Wegfall der Demut vor Gott aus einem Volk eine Masse wird, aus einem Sonntag ein Samstag, aus einem gegliederten Leben ein Brei. Auch kennen sie den großen Verlust nicht, den man verspürt, wenn man im Kloster zu Weingarten ministrierte und nun zu Himmelfahrt den Betrunkenen aus dem Wege geht.

LitTube und die Doppel-X-Kniebeuge

Wo sich die alten italienischen Monsignori so nachhaltig und negativ an die vielen Kreuzzeichen und "wiederholten Kniebeugen" des alten römischen Ritus erinnern, kommt mir eine Idee:

Könnte man nicht YouTube für die "liturgische Bildung" einsetzen und zeigen, wie real existierende Ehrfurcht in unseren Kirchen aussieht - und wie sie richtig aussehen könnte? Jeder Sonntagsgottesdienst bietet mannigfaches Anschauungsmaterial, das nur per Handy mitgefilmt werden müsste...

Und noch eine Frage: Ist die Unfähigkeit des weiblichen Geschlechts, Kniebeugen richtig zu machen und nicht nur anzudeuten, eigentlich Folge einer anatomischen Besonderheit, Überbleibsel aus einer Zeit, in der die Röcke eng waren, oder gar eine Folge der Liturgiereform?

3. Juni 2007

Wiederholte Kniebeugen und erzbischöfliche Mentalitäten

Der Rheinische Merkur macht einen Grund für antitridentinische Ressentiments namhaft:
"Ältere Monsignori erinnern sich ungern an den überladenen Ritus von früher und die Randbemerkungen im alten Messbuch dazu, die dem Zelebranten eine Menge Kreuzzeichen mehr und wiederholte Kniebeugen auferlegen."
Und würdigt nebenbei das Wirken eines bekannten Liturgiegestalters:
"Erzbischof Piero Marini, der päpstliche Zeremonienmeister, bekennt offen: 'Das liegt außerhalb meiner Ausbildung und meiner Mentalität.' Seit Jahrzehnten setzt der Norditaliener an der Seite des Papstes Gottesdienste nach den Vorgaben der nachkonziliaren Liturgiereform in Szene."
Den gesamten Artikel von Christa Langen-Peduto hier.

Wohl dem, der zu ihm sich flüchtet

Bei 7 von 12 Bildern/-chen dieses Quiz' richtig erkannt, ob sie richtige oder nachgemachte Kunst sind. Einigermaßen o.k. (via more last than star)

Dafür aber eine 100%ige Erfolgsrate bei diesem hier: Ich konnte jedesmal richtig zuordnen, welches Bild von Jackson Pollock oder von ungenannt gebliebenen Vögeln stammt.

Ansonsten meine Zuflucht bei HErrn genommen - ebenfalls einigermaßen erfolgreich - und dabei ein paar Leute mitgenommen, für die ich gebetsmäßig verantwortlich bin, viele offene Fragen und schwer lösbare Probleme in SEine Hand gelegt. Und gesättigt und gestärkt von dannen gezogen, in die nächsten, wieder bis zum Rand vollen Tage.

2. Juni 2007

Zufällige Lesefrucht 2

"Die ganze Geschichte der Menschheit durchzieht ein harter Kampf gegen die Mächte der Finsternis, ein Kampf, der schon am Anfang der Welt begann und nach dem Wort des Herrn bis zum letzten Tag andauern wird. Der einzelne Mensch muß, in diesen Streit hineingezogen, beständig kämpfen um seine Entscheidung für das Gute, und nur mit großer Anstrengung kann er in sich mit Gottes Gnadenhilfe seine eigene innere Einheit erreichen.

Deshalb kann die Kirche Christi, obwohl sie im Vertrauen auf den Plan des Schöpfers anerkennt, daß der menschliche Fortschritt zum wahren Glück der Menschen zu dienen vermag, nicht davon absehen, das Wort des Apostels einzuschärfen: "Macht euch nicht dieser Welt gleichförmig" (Röm 12,2), das heißt, dem Geist des leeren Stolzes und der Bosheit, der das auf den Dienst Gottes und des Menschen hingeordnete menschliche Schaffen in ein Werkzeug der Sünde verkehrt.

Vor der Frage, wie dieses Elend überwunden werden kann, bekennen die Christen, daß alles Tun des Menschen, das durch Stolz und ungeordnete Selbstliebe täglich gefährdet ist, durch Christi Kreuz und Auferstehung gereinigt und zur Vollendung gebracht werden muß. Als von Christus erlöst und im Heiligen Geist zu einem neuen Geschöpf gemacht, kann und muß der Mensch die von Gott geschaffenen Dinge lieben. Von Gott empfängt er sie, er betrachtet und schätzt sie als Gaben aus Gottes Hand. Er dankt seinem Wohltäter für die Gaben; in Armut und Freiheit des Geistes gebraucht und genießt er das Geschaffene; so kommt er in den wahren Besitz der Welt als einer, der nichts hat und doch alles besitzt. 'Alles gehört euch, ihr aber gehört Christus und Christus Gott' (1 Kor 3,22-23)." (II. Vatikanisches Konzil, Gaudium et Spes, Nr. 37)

Zufällige Lesefrucht 1

Aus meinem 1961er Schott und seiner Hinführung für die "Zeit nach Pfingsten":

"Damit ist die Seelenhaltung für diese Zeit bestimmt:

sie ist freudiger, jubelnder Dank für das unverdiente Geschenk der Gnade der Erlösung, die uns in ihren ersten beglückenden Anfängen durch die hl. Taufe zuteil wurde;

sie ist unverdrossener Kampfeswille gegen Sünde, Satan, Fleisch und Welt, Eifer für ein Leben aus und nach der hl. Taufe, Firmung und Eucharistie;

sie ist endlich eine tatenfrohe Sehnsucht nach der Vollendung der Erlösung, nach dem Himmel, nach dem Angesichte des Herrn."