"Die Ausübung seiner Regierung wird pastoral nur fruchtbar, wenn sie durch eine hohe moralische Glaubwürdigkeit gestützt wird, die sich aus der Heiligkeit seines Lebens herleitet. Diese Glaubwürdigkeit bereitet die Seelen, das Evangelium willkommen zu heißen, das er in der Kirche verkündet, ja sogar die Normen, die er zum Wohl des Volkes Gottes erlässt.'
Möge daher ein jeder von Euch, innerlich vom Heiligen Geist geformt, 'allen alles' sein, indem er die Wahrheit des Glaubens vorstellt, die Sakramente unserer Heiligung feiert und die Liebe des Herrn bezeugt. Heißt mit einem offenen Herzen die vielen willkommen, die an Eurer Tür anklopfen: Führt sie, ermutigt sie auf dem Pfad Gottes, sucht einen jeden hinzuführen zu jener Einheit im Glauben und in der Liebe, deren Eckstein und sichtbares Fundament Ihr selbst in Eurem Bistum sein müsst.]
[The governance of the bishop will be pastorally fruitful only if 'it is sustained by a good moral credibility, one which derives from the sanctity of his life. This credibility predisposes minds to welcome the Gospel he announces in the church and even the norms he establishes for the good of the people of God.'
Therefore, formed internally by the Holy Spirit, may each one of you be 'all things to all,' proposing the truth of the faith, celebrating the sacraments of our sanctification, and witnessing to the Lord's love. Welcome with an open heart the many who knock at your door: guide them, comfort them along God's path, seek to lead everyone toward that unity in faith and love of which, through the will of God, you must be the cornerstone and visible foundation in your dioceses.]
So Papst Benedikt an eine Gruppe brasilianischer Bischöfe bei ihrem Ad limina-Besuch am 19. Juni 2010. (Englischer Text bei Whispers in the Loggia)
24. Juni 2010
Bischöfe, wie wir sie erbitten und erhoffen
iNer für alle
Ein iPad zum Üben, zum Angeben, für Surfverweigerer, für Wanne, Pool und Dusche, zum Draufsetzen und Drunterstellen, zum erschwinglichen Preis. Für US$ 49: der iPadDummy.
Sind wir nicht alle ein bißchen geistlich?
Neuer Anlauf bei Tante Zeit: Nachdem ich nicht nur hier, sondern auch auf der Seite des fraglichen Artikels angemerkt hatte, daß allerhöchstwahrscheinlich keiner der abgebildeten Herren ein Priester sei, hat man bei der Zeit nachgebessert.
Allerdings eher so wie die Ghanesen/Ghanaenser/Ghaneen/Ghanaer gestern: mit einer gewissen Abschlußschwäche. Jetzt sehen wir nicht mehr "katholische Priester", sondern "katholische Geistliche". Umgangssprachlich macht das keinen Unterschied. Aber wenn es die Diakone freut und die Ministranten nicht mehr mitgemeint sein wollen, soll's mir recht sein. Irgendwie sind wir ja alle "πνευματικοὶ", "Geistliche" (Gal 6, 1).
23. Juni 2010
Wo man singt, lass dich ruhig nieder: Atheisten haben keine Lieder
Was Steve Martin mit den Steep Canyon Rangers da singt, ist nicht so ganz klar zu verstehen, aber eindeutig "plain fun". (Via Happy Catholic)
Hier hat mal jemand den Text versucht herauszuhören:
Christians have their hymns and pages
Hava nagila for the jews
Baptists have the rock of ages
Atheists just sing the blues
Romantics play Claire de Lune
Born again sing: He is risen
But no one ever wrote a tune
For Godless existentialism
For Atheists
there's no good news
they'll never sing
a song of faith
In their songs
they have a rule
The He is always lower case
The He is always lower case
Some folks sing a Bach Cantata
Lutherans get Christmas trees
Atheists songs add up to Nada
But they do have Sundays free
The gospels sing they sing to heaven
Coptics have the puka scrolls
Numerologists count, count to seven
Atheists have Rock and Roll
For Atheists
There's no good news
They'll never sing
A song of faith
In their songs
They have a rule
The He is always lower case
The He is always lower case
Atheists, Atheists, Atheists
Don't have no SONGS!
Christians have their hymns and pages
Hava nagilaa for the jews
Baptists have the rock of ages
Atheists just sing the blues
Catholics
dress up for mass
and listen to
Gregorian chants
Atheists
just take a pass
Watch football in
their underpants
Watch football in their underpants!
Floyds Schnäuzer
Die Radioreporterin sagte: "Floyd ist einer der Menschen, bei denen mir ein Schnäuzer nichts ausmacht, weil er selber so sympathisch ist."
Holla, dachte ich mir: Diesen Satz mitsamt der impliziten Abwertung einer Gruppe von Bartträgern kann sie nur über einen BP-geschädigten Fischer aus Grand Isle, Lousiana sagen. Und nicht über, sagen wir, Yüksel Ö., den Dönerbudenbesitzer in Bockenheim mit anatolischem Migrationshintergrund.
Manche Schnäuzer sind eben gleicher als andere. Und manche Oberlippen mehr tabu als andere.
Abschied- und Willkommensgruß
Alipius macht (erst einmal) Schluß mit dem Bloggen. Ich werde ihn vermissen, auch wenn die große Lücke, die er hinterlässt, nicht lange leerbleiben wird.
Die nächste Generation rückt nach, jetzt zum Beispiel Thysus mit "Zwischen den Stühlen", aber auch andere, die ich immer gerade dann entdecke, wenn ich gerade nicht selber bloggen kann und die ich hiermit summarisch begrüße.
21. Juni 2010
Schöne neue Welt mit schönen neuen Menschen
Von alleine geht die Evolution des Menschen nicht weiter. Da müssen die homines sapientes schon mithelfen.
Zum Beispiel indem gut eugenisch und gleichzeitig gut demokratisch schöne Menschen gemeinsam und nach allen Regeln der Reproduktionsmedizin für die Fortdauer ihrer idealen Nasen, schlanken Fesseln, straffen Ohrläppchen und silberblickenden blauen Augen sorgen.
BeautifulPeople.com macht es möglich.
Mehr bei Mashable.com.
-- Für die Kirche ist das ja eher ein Fall von "We done told you so. - Wir haben's euch doch gleich gesagt", den sie genüßlich ausschlachten könnte - falls Schadenfreude eine christliche Tugend wäre und sie nicht solche Sorgen hätte wie jetzt gerade.
20. Juni 2010
Priester und Burnout
(Nach längerer Zeit wieder einmal eine kleine Übung im Stil von Walker Percy und seinem Buch "Loch im Kosmos" -"Lost in the Cosmos")
Stellen Sie sich vor, Sie surfen im Frühsommer 2010 im Web und stoßen auf den folgenden Bericht:
"Priester sind immer größeren Belastungen ausgesetzt und drohen deshalb innerlich auszubrennen. Darauf hat der Theologe N. N. (Bamberg) auf der Jahrestagung des Priestervereins der Diözese Rottenburg-Stuttgart aufmerksam gemacht.
Insbesondere zusätzliche Dienste wie Religions- und Firmunterricht sowie Organisationsaufgaben in der Gemeinde empfänden viele Seelsorger als belastend. Sie hätten häufig nicht einmal mehr Zeit und innere Ruhe, ihre eigene Frömmigkeit zu pflegen. Hinzu kämen Anfechtungen von außen und die Enttäuschung darüber, dass sich immer mehr Menschen von der Kirche abwenden. N. N. hatte vor zehn Jahren für eine Studie etwa ein Zehntel der katholischen Pfarrer befragt. Davon sei rund die Hälfte von dem sogenannten Burnout-Syndrom bedroht gewesen. Eine jüngere Erhebung aus Baden-Württemberg zeige, dass mehr als zwei Drittel (69 Prozent) der Befragten die Arbeitsanforderungen als belastend für ihr Privatleben empfinden. 66 Prozent erklärten, dass der berufliche Stress die Wahrnehmung privater Verpflichtungen beeinträchtige."
Was denken Sie?
(a) Hört denn das nie auf? Muß denn alles dramatisiert werden? Gerade jetzt? Klar, Priestersein ist nicht einfach, heute nicht, und früher genauso wenig. Aber sind wir nicht alle vom Burnout bedroht?
(b) Genauso erlebe ich es auch. Unser Pfarrer hat mir letzthin von diesem Vortrag erzählt und daß es ihm genau so ginge. Er hetzt in unserer Pfarreiengemeinschaft von Termin zu Termin. Zum Verschnaufen kommt er gar nicht, und die Sonntagspredigt bereitet er nach Mitternacht vor. Sagt er.
(c) Hätten die Priester alle eine Partnerin oder einen Partner, und eine Familie, die sie auffängt, dann gäbe es das nicht. Bei den Evangelischen ist das anders. Schau Dir deren Pfarrer an: immer adrett, entspannt, nie nervös und depressiv. Da merkt man gleich, was das Zölibat mit einem Menschen anstellt. Dazu noch die hohen Erwartungen, die permanente Überforderung, von außen und durch die eigenen Ansprüche.
(d) Am Ursprung steht nicht-ausgelebte, nicht-angenommene, unterdrückte, unreife Sexualität, oft genug in Verbindung mit einer krankhaften Mutterbindung: Der eigenen Mutter und später dann der Mutter Kirche will man alles recht machen. Nur nicht als Versager da stehen! Hier gehört professionelle Hilfe her, durch ausgebildete Analytiker und Therapeuten. Und zwar um der Priester willen.
Wählen Sie!
Nach getroffener Wahl erfahren Sie auf der Website, daß sich diese Aussagen gar nicht auf katholische Priester beziehen, sondern auf evangelische Pfarrer. Sie lesen sie hier nach.
Was denken Sie nun über Ihre zwischen den Optionen (a), (b), (c) und (d) getroffene Wahl? Begründen Sie!
Beten Sie anschließend ein Vaterunser für die katholischen Priester, die Sie kennen, und zwei Ave Maria für die evangelischen Pfarrer, die Sie kennen.
Priester gesucht

Wäre zufällig einer der Kirchenexperten der ZEIT so nett und würde mir auf diesem Bild die "katholischen Priester" zeigen? Oder wenigstens einen? Bitte!
(Und das an einem Tag, wo ich auf mindestens zwei Websites gelesen habe, wie wichtig doch Qualitätsjournalismus sei! - Das ist er auch, doch - o weh! - warum ist er dann so selten zu finden?)
19. Juni 2010
John Zmirak und die Todsünden
John Zmirak wird seine "Bad Catholic's Guide"-Reihe fortsetzen. In den üblichen Läden ist "The Bad Catholic's Guide to the Seven Deadly Sins: A Vital Look at Virtue and Vice, with Quizzes and Activities for Saintly Self-Improvement" bereits angekündigt. Nach "Good Living" und "Wine, Whiskey and Song" nun also Tugend und Laster. Wer Zmiraks ausgelassenen, fast anarchischen katholischen Humor (mit einer gewissen konservativ-traditionsliebenden Schlagseite) mag, der wird wohl auch hier wieder seinen Spaß haben. Und fürs Leben lernen.
Rosenkranz und Jesusgebet
Aus den USA, der "Nation mit der Seele einer Kirche" (GKC), hören wir, daß an einigen Schulen Rosenkränze (oder wenigstens das offene Tragen derselben) verboten sind: Weil sie statt zum Beten dazu dienten, Gangmitgliedschaft zu signalisieren.
"Gangsters not only wear certain colors -- reds for Bloods, blues for Crips, for example -- they also arrange the beads to signal their rank in the gang, and teach young members to plead religious freedom if they're hauled into the principal's office, said Jared Lewis, a former police officer in California who worked in public schools.
"You are often dealing with gang members who have no inkling or cares about the religious significance of the rosary beads," said Lewis, who now runs Know Gangs, a training group for law enforcement officials. "They are just trying to skirt around school rules under the guise of a religious symbol."
No one is sure which gang started the trend of wearing rosaries, said Robert Walker, a former head of the gang identification unit for the South Carolina Department of Corrections. Like a lot of gang fads, he said, it likely started in California and migrated east." (The Town Talk via Thunderstruck)
Ebenfalls aus den USA und ebenfalls über Thunderstruck kommt die Information über einen neuen Dokumentarfilm: Mysteries of the Jesus Prayer. Natürlich muß keiner bis Ostern 2011 warten, um die Geheimnisse des Jesus-Gebetes zu entdecken. Jeder kann jederzeit damit beginnen, jetzt schon. (Vgl. zum Beispiel zeitzubeten, eine Site unseres Mitbloggers Stefan Ehrhardt.)
Eine Runde Mitleid für Margot
Weil sie es öffentlich macht, bedenken wir Margot Käßmann mit einer Runde Mitleid:
"Einen neuen Job hat Käßmann, die am 24. Februar von ihren Ämtern als EKD-Ratsvorsitzende und Landesbischöfin zurückgetreten war, noch nicht gefunden: 'Ich habe keinen Arbeitsplatz, ich habe keine Wohnung, jetzt ist auch meine jüngste Tochter ausgezogen', sagte sie, 'ich werde ohne Familie irgendwo neu anfangen.'" (SPIEGEL)
Als Taxifahrerin in Hannover hätte sie bestimmt immer das Auto voll, und der Gasprom-Alt-Bundeskanzler würde gewiß gerne mal als Beifahrer mitfahren. Das geht aber aktuell nicht, weil Frau Käßmann ihren Führerschein erst zu Weihnachten wieder zurück bekommt. Schon übel.
Vielleicht kann sie sich mit Bob, Mick und anderen trösten, die auch schon wie Kiesel am Bachgrund trieben, ohne Richtung und ohne Daheim.
Bittlinger korrigiert das Darmstädter Echo (Chronistenpflicht)
Clemens Bittlinger distanziert sich von einem Artikel des Darmstädter Echo, der ihm Sätze in den Mund gelegt habe, die er so nicht gesagt habe. Anderes wiederum habe er nicht so gemeint, wie es dargestellt worden sei.
Ich hatte diesen Artikel hier im Blog mit einigen Anmerkungen versehen. Das Posting wird so stehen bleiben, jedoch mit Verweis auf den korrigierenden Text.
17. Juni 2010
Variation über Röm 3, 10
When a man he serves the Lord, it makes his life worthwhile.
It don't matter 'bout his position, it don't matter 'bout his lifestyle.
Talk about perfection, I ain't never seen none
And there ain't no man righteous, no not one.
Sometimes the devil likes to drive you from the neighborhood.
He'll even work his ways through those whose intentions are good.
Some like to worship on the moon, others are worshipping the sun
And there ain't no man righteous, no not one.
Look around, ya see so many social hypocrites
Like to make rules for others while they do just the opposite.
You can't get to glory by the raising and the lowering of no flag.
Put your goodness next to God's and it comes out like a filthy rag.
In a city of darkness there's no need of the sun
And there ain't no man righteous, no not one.
.
Done so many evil things in the name of love, it's a crying shame
I never did see no fire that could put out a flame.
Pull your hat down, baby, pull the wool down over your eyes,
Keep a-talking, baby, 'til you run right out of alibis.
Someday you'll account for all the deeds that you done.
Well, there ain't no man righteous, no not one.
God got the power, man has got his vanity,
Man gotta choose before God can set him free.
Don't you know there's nothing new that's under the sun?
Well, there ain't no man righteous, no not one.
When I'm gone don't wonder where I be.
Just say that I trusted in God and that Christ was in me.
Say He defeated the devil, He was God's chosen Son
And that there ain't no man righteous, no not one.
(Robert Zimmerman)
Wo kämen wir hin, wenn wir nicht gingen - Ein Experiment
Im Auto bin ich in das B2-Tagesgespräch geraten, mit Pfr. Hans Fischer aus Diedorf im Studio und vielen enttäuschten und empörten Anrufern in der "Leitung". "Erneuerung der Kirche" war die Tageslosung, wahrscheinlich sogar Jahreslosung.
Ich bin ja auch 100 pro dafür; ich vermute freilich, dass ich etwas anderes darunter verstehe als die Lufthoheiten. Aber egal... Auf jeden Fall dachte ich nach einer Weile: Warum wagt es die "deutsche Kirche" nicht mal für zwei Generationen ohne Rom und den Ballast aus gut 1.900 missglückten Jahren und erneuert sich so, wie sie will. In sechzig Jahren oder meinetwegen auch fünfzig schauen wir dann alle, wo wir stehen.
Dann gäbe es keinen Sündenbock jenseits der Alpen, keine Hierarchie, keine Mixas, die wie Adam und Eva selig am Ursprung der Misere stehen. Dann wäre Rechnung und Abrechnung ganz simpel und schnell aufgemacht: Euer Experiment ist geglückt oder gescheitert.
Natürlich sollten wir uns auf ein paar Kriterien des Erfolgs vorab einigen, was nicht ganz einfach wird. Ich schlage zum Diskussionseinstieg vor: 1000facher Wiedereintritt, intensives Glaubensleben in den Gemeinden, Nr. 1 in Sachen spontaner und organisierter Nächstenliebe (a. k. a. caritas), ausgeglichene Alterspyramide auf allen Ebenen und nach wie vor bestehende Kircheneinheit ebendieser dt.-kath. Kirche.
(Wer nicht dabei sein will, darf bei der RKK bleiben und ihrem kleinen, vermutlich vernachlässigenswerten deutschen Ableger, ihren verbleibenden Bischöfen und ihren männlichen zölibataren Priestern.)
- Auch jetzt, nachdem ich das aufgeschrieben habe, hat das Experiment nichts von seinem Charme verloren. Da die Umsetzung sicher nicht einfach wird, könnte es stattdessen einer der mutmaßlichen Profiteure in Form eines Zukunfsromans oder als Delphi-Studie detaillierter ausführen.
Könnte uns allen nur nützen...
16. Juni 2010
Kein Kommentar zu Südbayern -
- bloß tiefes Erstaunen und stetes inneres Kopfschütteln über dieses Festival der Peinlichkeiten. Gefundenes Fressen für die Geier. Und Skandal für viele, ach! so viele drinnen und draußen.
Und der Herr der Kirche, der Vergessene, Schweigende, Diener aller, unschuldig Verfolgte und Gemarterte, der von einem Apostel Verratene? - Frei nach Zenetti: "So hängt er still am Kreuz aus Oberammergau."
Drei Wochen Knast
Magic Sam, ein etwas obskurer Chicago Bluesman, bringt 21 Tage in 1:59 min unter. Und zwar exzellent.
15. Juni 2010
Agere sequitur credere (Das Tun folgt dem Glauben)
"If they knew what it was, they'd know where to put it.
Wenn sie wüssten, was er ist, wüssten sie auch, wo er hingehört."
Damit zitiert TS auf Video Meliora, Proboque... seinen Pfarrer, der so die auch hierzulande bekannte Ratlosigkeit kommentierte, wo denn der Tabernakel in der Kirche nun hingehöre.
Neuer Blog in der Zese
Das Blogozesenupdate diese Woche schon Dienstags. Doch so einen schönen lateinischen Blognamen darf man nicht länger warten lassen:
Non draco sit mihi dux
Wünschen wir Dorothea, daß in der Tat kein Drache sie in die Irre führe und daß sie die Blogozese lange bereichere!
14. Juni 2010
Post von Hassana
Nach all den geschwätzigen Geschichten von verstorbenen Onkels in Liechtenstein, kambodschanischen Rohdiamanten oder ugandischen Startups tut es gut, wenn ab und an eine Spamschreiberin umstandslos zur Sache kommt:
"Hello
My name is Hassana,after reading your profile,i will like to have a relationship with you, can you write me at(hassana0X2@gmx.com)"
Ich »bin« nicht Christ
Romano Guardini im "Herrn" (Freiburg: Herder, 1980, S. 350f):
"Und noch wollen wir uns im Bewußtsein halten, daß auch unser Christsein selbst immerfort werden muß. Denn jenes Neue, das Glauben, liegt nicht wie ein Klötzchen Wirklichkeit in uns, fertig vom Himmel heruntergefallen, sondern wer da glaubt, bin doch ich. Das Glauben ist aus meinen lebendigen Kräften gemacht; meines Herzens, meines Geistes.
Mitsamt allem, was ich bin, stehe ich in meinem Glauben; daß heißt aber, daß in diesem Glauben wiederum jene Welt mit inne ist, die von Gott wegwill. Es ist nicht so, daß auf der einen Seite ich, der Glaubende, stünde, auf der anderen die verfallene Welt, sondern der Glaube muß in der Weltwirklichkeit, in meinem lebendigen Sein verwirklicht werden. Das ist aber beständig an der Arbeit, den Glauben selbst herumzuwerfen, von Gott weg, und aus ihm eine Sicherung meines sich selbst behauptenden Weltdaseins zu machen.
Wehe mir, wenn ich sage: »Ich glaube« und mich in diesem Glauben sicher fühle. Dann bin ich in Gefahr, herauszufallen (l Kor 10,12). Wehe mir, wenn ich sage: »Ich bin ein Christ«; womöglich mit einem Seitenblick auf andere, die es meiner Meinung nach nicht sind; oder auf eine Zeit, die es nicht ist; oder auf eine kulturelle Strömung, die dagegensteht. Dann droht mein Christsein nichts anderes zu sein, als die religiöse Form meiner persönlichen Selbstbehauptung.
Ich »bin« nicht Christ, sondern, wenn Gott es schenkt, auf dem Wege, es zu werden. Nicht in der Form eines Habens, oder gar eines Standortes für die Beurteilung der Anderen, sondern in einer Bewegung. Christ kann ich nur sein, wenn ich mir der Gefahr bewußt bleibe, abzufallen.
Nicht das ist die tiefste Gefahr, daß mein Wille vor einer Aufgabe versage; das kann er mit Gottes Hilfe einsehen und sich neu zusammennehmen - sondern daß er in sich selbst unchristlich werde. Diese Gefahr wird aber am größten, wenn der Wille seiner selbst sicher zu sein glaubt. Nichts ist mir in der Weise der Sicherheit gegeben; alles nur in der Weise des Anfangens, des Unterwegsseins, des Werdens, des Vertrauens, der Hoffnung und der Bitte."
Ach ja, die arme Wahrheit
Der eine will sie wissen und bekommt dafür eine gerüchtbasierte "Verdachtsnotiz":
"Dem Kirchenoberhaupt wurde die ominöse, auf einem bloßen Gerücht basierende Verdachtsnotiz vorgelegt. Benedikt hatte sie, wie WELT-ONLINE-Recherchen ergaben, angefordert. 'Der Papst wollte die Wahrheit pur wissen', sagte Losinger." (Welt)
Andere wiederum wollen sie lieber nicht wissen und schon mal gar nicht wissen lassen:
"Nachdem sie zunächst nur einen Ausschnitt der von ihr gemachten Aufzeichnungen auf ihrer Internetseite veröffentlicht hatte, hat die amerikanische Organisation 'Cultures of Resistance' nun einen einstündigen Film ins Netz gestellt. Mit den Aufnahmen will die Organisation, deren Vertreter einschließlich der Mitbegründerin Iara Lee auf dem Schiff waren, Beweise für das angeblich besonders rücksichtslose Vorgehen der israelischen Soldaten liefern.
Doch spricht das Video, das nicht auf dem Oberdeck, wo das blutige Geschehen stattfand, sondern auf dem darunter liegenden Deck sowie im Schiffsinneren gedreht wurde, vielmehr für das Gegenteil. Es bestätigt das Bild, das sich aus einem neuen Bericht der israelischen Militäraufklärung von den blutigen Ereignissen auf See ergibt. Damit erhärtet sich der Verdacht, dass sich ein harter Kern türkischer IHH-Aktivisten auf die Enterung des Schiffs durch die Israelis vorbereitet und einen gewalttätigen Angriff auf die Soldaten geplant hatte." (FAZ)
Und dann gibt es noch die Haßprediger, die sagen, was sie denken, nein, besser: was ihr Haß sie auskotzen lässt. Da wissen wir wenigstens, woran wir sind - vorausgesetzt wir stellen uns dieser bitteren Wahrheit statt uns taub zu stellen:
"Der iranische Revolutionsführer Khamenei bezeichnete Israel als „eine künstliche geographische Einheit“ und erneut als ein 'Krebsgeschwür'. Er äußerte seine antiisraelische Vernichtungsideologie, als er sich auf Ayatollah Khomeini beziehend, sagte: 'Imam [Khomeini] sagte direkt, dass Israel ein Krebsgeschwür ist. So, was macht man denn mit einem Krebsgeschwür? Außer das Herausschneiden des Geschwürs, gibt es denn dafür sonst ein Heilmittel?' Eindeutiger kann die antisemitische und antiisraelische Vernichtungsideologie der iranischen Staatsdoktrin nicht zum Ausdruck gebracht wird [sic]." (Welt)
Apps of the Apostles ...
... nennt das "Ship of Fools" seine Zusammenstellung der besten, irgendwie religiösen Apps für iGeräte.
Persönlich gefällt mir der Bibelwecker am besten - mit Sprichwörter 6, 9 geweckt zu werden, hat schon was. Auch für die Kirchenmusiker ist gesorgt.
(via Ironic Catholic)
13. Juni 2010
Was Ihr in der Bistumspresse niemals findet*
Ein Must-Read zur aktuellen Lage, sofern demnächst nicht noch mehr Rosse mit Reitern genannt werden:
Walter Mixa, das Opfer einer Kirchenintrige? (Welt am Sonntag)
* Oder doch? - Wir heißen uns hoffen!
Dutchgrass am Sonntag
Aus einer Bibliothek in Nimwegen, mit Kindergeräuschen untermalt: das Gelderländer Trio Dolly, I beg your pardon mit der Gillian Welch-Komposition "Tear My Stillhouse Down" - keine schlechte Interpretation dieses Songs übrigens:
"Maßvolles Fluchen auf die Dunkelheit"
Zu Ralfs Kommentar fiel mir wieder einmal Father Neuhaus ein:
"'It’s better to light a candle than to curse the darkness.' No doubt. But as long–term readers of this space know, I think a measured cursing of the darkness is also in order. For one thing, when candles are in short supply, it prevents us from feeling at home in the darkness."
12. Juni 2010
Diese Woche neu in der Blogozese -
- oder wenigstens hier bei mir:
- Lora Veit mit Lux Veritas mit guten Nachrichten aus dem katholischen Eichsfeld
- Blueberry mit Jesus als Sozius auf dem gleichnamigen Blog.
Herzlich Willkommen, viel Freude beim Bloggen und ein paar Skrupel zur rechten Zeit!
Lob der Langsamkeit und der Skrupel vor klaren Worten
Man muß nicht zu allem eine Meinung haben. Vor allem nicht sofort. Manchmal sollte man auch keine haben. Vor allem wenn man noch nicht genug weiß dafür. Und zuallererst wenn man dann auch noch in den Schreibstuben, an den Mikros und vor den Kameras der Republik sitzt und die Verführung zur Meinungsmache ach! so groß ist und ach! so verführerisch lockt.
Das sehen wir momentan an den Stories um Bischof Mixa (Was war denn nun wirklich?), um die Ermordung von Bischof Padovese - und vor allem um die Erstürmung des Schiffes, das mit Terrorsympathisanten und einigen aufrichtigen, aber dennoch nützlichen Idioten Richtung Gazablockade unterwegs war.
Unweigerlich verfällt man wie Clemens Wergin in seinem lesenswerten Gaza-Kommentar in den Konjunktiv und träumt von einer idealen Welt, in der es fair zugehen würde. Tut es aber nicht.
Ich kenne Elsas Skrupel schon auch. Wir sollen und dürfen nicht permanent schimpfend oder beleidigend durchs Leben und durchs Web bummeln. "Be kind for everyone you meet is fighting a great battle." (Philo von Alexandrien - oder auch nicht) Sogar unsere Brüder und Schwestern aus den Medien. Sogar deutsche Moraltheologen und Dekane in rentnerbeigen Strickwesten. Sogar wenn sie sich verhalten wie A_________r und Idioten.
Wir sollten solches Verhalten klar benennen - als das, was es ist (oder mindestens wofür wir es nach ruhigem Hinschauen erkennen). Wir dürfen, meine ich jedenfalls, in besonders üblen Fällen auch zu aufrüttelnden und harschen Beinamen greifen - solange wir nicht so tun, als wäre X oder Y nur ein, sagen wir, Idiot. Solange wir auch sagen oder spüren lassen, daß er oder sie mehr ist. Und daß er oder sie - wie wir selber übrigens - nicht hoffnungslos verloren ist...
Flannery O'Connor sagte einmal über die Lautstärke des christlichen Schriftstellers angesicht einer ignoranten oder feindlichen Welt:
"To the hard of hearing you shout, and for the almost blind you draw large and startling figures.
Die Schwerhörigen schreien wir an, und für die fast Blinden zeichnen wir große, überraschende Figuren."
Mutatis mutandis lässt sich das auch für uns Blogger (o.k.: für manche jedenfalls) nicht vermeiden, denke ich. Aber wir sollten uns immer wieder an das Risiko erinnern, das wir damit eingehen.
Bingley über Bälle und anderes
Jane Austen läßt in "Pride and Prejudice" Charles Bingley eine sehr treffende Bemerkung machen, als seine Schwester vorschlägt, Bälle doch, bitteschön!, um einiges vernünftiger und zeitgemäßer zu gestalten. Bei der Lektüre des Altbundeskanzlers (siehe voriges Posting) fiel sie mir ein. Sie passt auch bei anderen kirchenpolitischen Gelegenheiten:
"I should like balls infinitely better," she replied, "if they were carried on in a different manner; but there is something insufferably tedious in the usual process of such a meeting. It would surely be much more rational if conversation instead of dancing were made the order of the day."
"Much more rational, my dear Caroline, I dare say, but it would not be near so much like a ball."
Respektvoller Liebhaber des Kitts
"ZEIT: Aber wenn Sie so wenig glauben, warum sind Sie dann noch in der Kirche?
Schmidt: Weil Traditionen nützlich sind. Die Kirchen gehören zum Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält."
Ohne dem Altbundeskanzler zu nahe treten zu wollen: Beim Lesen seines Interviews in der ZEIT bekommt man schon den Eindruck, daß auch religiös Unmusikalische, sofern sie nur irgendwie christlich groß wurden, gute Christen im Sinne des Grundgesetzes oder der säkularen Gesellschaft sein können. Ob das noch so richtig viel mit Christsein im üblichen Sinn zu tun hat? (Und mit Elsas Sehnsucht und mit den Gesprächen am Jakobsbrunnen noch weniger...)
9. Juni 2010
Kitsch- und Kuscheltheologie
"Wir leben in einer Kitsch-Epoche", sagt Michael Krüger, "Verleger der alten Schule", in der "Zeit".
Alan Posener verwendet das K-Wort in seinem neuesten Streifzug durch populärbenediktinische Gefilde zwar nicht, aber wenn einer wie er "beinahe Sehnsucht nach einem beinharten Theologen wie Joseph Ratzinger" empfindet, dann muß die Lage schon seeeehr verzweifelt sein, nicht wahr?
Hier in Paris, wo ich momentan stecke, komme ich zwar in keine christliche oder katholische Buchhandlung, aber bei Gibert Jeune am Place Saint-Michel jedenfalls ist Pater Anselm ausgiebig in französischen Übersetzungen vertreten. Das kann man jetzt als beruhigend auffassen - wenigstens kein deutscher Sonderweg bei mundgerechter Spiritualität! - oder als bedrohlich: Nicht einmal der römischen Kirche älteste Tochter, Mutter aufklärerischer clarté (Klarheit), ist immun gegen die Kuschler und ihren Kitsch...
Gedicht für die Lebensmitte
My fiftieth year had come and gone,
I sat, a solitary man,
In a crowded London shop,
An open book and empty cup
On the marble table top.
While on the shop and street I gazed
My body of a sudden blazed;
And twenty minutes more or less
It seemed, so great my happiness,
That I was blessèd and could bless.
Was genau es war, was William Butler Yeats da erlebt hat, wollen wir bei diesem eher unkonventionellen Esoteriker vielleicht nicht so genau wissen. Aber: Auch und gerade Fünfzig- und Einundfünfzigjährigen ist zu wünschen, daß sie in einem allzu wohlbekannten Alltag - unter dem Alias "Tretmühle" bekannt - ab und an die Erkenntnis durchblitzt, körperlich durchblitzt! daß alles Geschenk ist und wir selber Geschenk sein dürfen/können/sollen.
8. Juni 2010
Pessimismus? - Ja, aber...
Ohne exakte Quellenangabe vor ein paar Tagen gelesen:
"We can be allowed only that degree of pessimism that is permitted in the presence of belief in divine Providence.
Uns kann nur so viel Pessimismus erlaubt sein, wie der Glauben an die göttliche Vorsehung zulässt." (Alasdair MacIntyre)
Selbstsorge fürs Gottesvolk
Auf dem Fahrrad kurvte der junge Priester unter den Blicken der Wasserspeier von Saint-Séverin um die Ecke. Wie sich's gehört: mit Priesterkragen, einem Lächeln auf den Lippen und mit Fahrradhelm.
"Monsieur l'abbé, Sie haben recht, wenn Sie gut auf sich aufpassen - Sie werden gebraucht!" dachte ich spontan. (Und außerdem hatte ich ja auch gerade meine junge Freundin aus Lisieux um entsprechende Mithilfe gebeten.)
6. Juni 2010
Les Murray - Sinn der Existenz
The Meaning of Existence
Everything except language
knows the meaning of existence.
Trees, planets, rivers, time
know nothing else. They express it
moment by moment as the universe.
Even this fool of a body
lives it in part, and would
have full dignity within it
but for the ignorant freedom
of my talking mind.
Der Sinn der Existenz (Übs. via Edition Rugerup)
Alles außer der Sprache
kennt den Sinn der Existenz.
Planeten, Bäume, Flüsse, Zeit
kennen weiter nichts. Sie offenbaren ihn
in jedem Augenblick als das Universum.
Selbst dieser närrische Körper
lebt ihn zum Teil, und hätte
in ihm seine volle Würde,
wäre da nicht die unwissende Freiheit
meines sprechenden Geistes.
5. Juni 2010
Alles dürfen. Und die Wahrheit sein. Herrlich!!
Satire darf alles, wissen wir seit Tucholsky. Seit 1919 unendlich oft wiederholt, ist der Satz trotz aller Anfechtung inzwischen, wie soll man sagen? wahrer Archetyp, gesellschaftliches Axiom, archimedischer Punkt.
Jetzt lese ich heute morgen beim Frühstück: "Satire ist Wahrheit." Gesagt habe das, so die Lokalzeitung, Thomas Gsella, Satiriker und ehemaliger Titanic-Chefredakteur. Der muß es wissen, dachte ich mir.
Aber, so dachte es weiter in mir: Wie verhalten sich die Sätze zueinander? Stehen die einfach so im Raum? Unverbunden? Unzusammenhängend? Isoliert? Das kann nicht sein!
Ein Zeichnung half weiter:
Da fehlt noch was, stellte ich fest: sozusagen das Quartum Relationis. Gibt es nicht etwas, gibt es nicht jemanden, der das gleiche Verhältnis - eines der Identität nämlich - zur Wahrheit hat wie die Satire und der Satiriker und die gleiche Lizenz, die gleiche moralisch-ethische Souveränität gegenüber dem rest of the world?
Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Es ist der Fundamentalist mit seinem Fundamentalismus! Er hat die Wahrheit zu eigen. Und deshalb darf er alles - oder denkt es zumindest! Satiriker und Fundamentalist - Zwillinge aus dem gleichen Ei. Ungleiche Brüder mit gleichem Anspruch und gleicher Reichweite. Eins mit der Wahrheit und keinem untertan.
So verlange ich - als vom S_____L höchstpersönlich so identifiziertes, wenn auch nicht namentlich so benanntes - Mitglied eines "Kommandos katholischer Glaubensfundamentalisten", daß man mir die gleichen Rechte zugestehe, die gleiche Ehrfurcht entgegenbringe wie Gsella und den Titanicern.
Ansonsten schreibe ich nur noch Satiren, schlechte, gute, miß- und geglückte - was schert's mich? Träger doppelter Wahrheit bin ich dann, darf alles und zwar sogar zweimal. Und wer meckert, kommt aufs Titelblatt und soll sehen, wie weit er kommt mit einer Klage.
Ich habe nämlich recht. Und ich darf alles.
Blogozesenzugänge der Woche
Da ist zum einen der "Weihrauchschnüffler" mit seinem Motto "Weil Katholizismus einfach besser riecht", zum anderen des "Morgenländers Notizbuch", der uns mit einer guten Mischung aus Literatur, Philosophie, Krimis, Gedichten und Spiritualität erfreut.
Auf viele Postings und lange Jahre! Gottes Segen!
Schweizer Wahnsinn und eine wiederholte Verspätung
Wenn schon Wahnsinn, wollen wir seine fette Beute auch bis zum bittern Ende sein - so denken sich anscheinend die Schweizer Legislativen und Exekutoren. Weg mit der Mutter und dem Vater, her mit dem Elter! (via Literatur und Leben und Medrum)
Und die Kirchen, die sind natürlich wieder einmal hintendran! Wäre es nicht ihre Aufgabe, wäre es nicht geradezu der gott/göttin-gewollte Auftrag auch der Schweizerischen Reformkatholik/inn/en, da Vorreiter/innen zu sein? Hätte man/frau nicht schon lange ein "Elter unser" beten können, um auch und gerade den etwas seltener auftretenden sexuellen Identitäten die Identifikation mit dem Christentum zu erleichtern?
Wieder eine Chance vertan...
4. Juni 2010
Verwunderte Klage der Guten
"Christus wird nie sichtbar auf Erden herrschen, sondern zu jeder Zeit werden wir von Verwirrung und Irrglauben lesen. Immer werden wir die Klage der Guten hören, die sich über das wundern, was sie für die besondere Bosheit gerade ihrer Tage halten." (John Henry Newman, in der erwähnten Auswahl, S. 152)
Mit John Henry Newman beten
Auch wenn in der Vorbereitung des Papstbesuches in England im September laut Damian Thompson einiges sehr schief zu laufen scheint: John Henry Newman wird selig gesprochen werden, sei es auf dem Flughafen von Coventry, sei es im St. Mary's College, Oscott.
Zur Vorbereitung unsererseits empfiehlt sich die Beschäftigung mit Person und Werk dieses modernen Kirchenvaters, zum Beispiel mit Hilfe der Auswahl "Gott - das Licht des Lebens : Gebete und Betrachtungen", die - 1987 bei Grünewald erschienen - mittlerweile im pdf-Format auf dem Dokumentenserver der Universität Freiburg auf Leser wartet.
Lied zur Freitagnacht
"all which isn't singing is mere talking"
dichtete E.E. Cummings. Nun denn, lassen wir die Dixie Bee Liners ihr Lied über die Musik aus den Bergen Virginias singen:
"A fiddle and a bow and an old banjo, what we call mountain soul:
Come and be a part of it down on The Crooked Road"
3. Juni 2010
"Darumb bin ich kainem Fest nye feinder gewest..."
Am Abend des Fronleichnamsfestes noch ein Hinweis auf eine recht instruktive Übersicht über "Fronleichnamsfest und Eucharistieverehrung in Äußerungen ausgewählter reformatorischer Stimmen"(pdf) aus der Feder von Werner Müller-Geib.
Konservative

(via Comically Vintage)
"He's a conservative by temperament, one of the people who would have complained on the second day of Creation. - Er ist ein Konservativer vom Temperament her, einer von den Leuten, die sich schon am zweiten Schöpfungstag beschwert hätten."
So beschrieb Father Richard John Neuhaus, selbst ja auch durchaus konservativ, einmal einen Freund.
R.i.P.
Meine Gebete für Luigi Padovese, den Vorsitzenden der türkischen Bischofskonferenz, der heute in Iskenderun ermordet wurde.
Süße Katholiken
"Omne delectamentum in se habentem" haben wir heute wieder mehrfach auf das "Panem de caelo praestitisti eis" geantwortet.
Ein bißchen von dieser Süßigkeit ist an den Katholiken selber gemäß dem urkatholischen Analogieprinzig ("Ähnlichkeit bei je größerer Unähnlichkeit") auch hängen geblieben und bei so einer Fronleichnamsprozession blitzt es durch, in kleinen Momenten der Unbedachtheit - oder war es jeweils Absicht? Aber dann: wessen?
Da passt die Vorbeterin, ehemals Sekretärin der gemeindlichen Grundschule, 1a zum Lied, das sie ansagen darf: "Wir singen jetzt 'Deinem Heiland, Deinem Lehrer'".
Da werden, weil der Wind das weiße Leinendeckchen vom kleinen Tischaltärchen vorm Haus heben will, kurzerhand die nazarenische Muttergottesstatue und die Statue des HErrn mit dem brennenden Herzen auf die zum Glück bis zum Boden reichenden Ecken der Decke gestellt. Das Podest auf dem Tisch bleibt derweilen leer.
Da stört es nicht, wenn die rote Stickerei auf einem anderen gestärkten Deckchen weder der alten noch der neuen Rechtschreibung entspricht ("O Herr, ich bin nicht würdig, das du eingehst...").
Da findet die Statio mit dem Thema "Siehe, ich mache alles neu!" logischerweise vor dem Schaufenster einer Änderungsschneiderei statt.
Und schließlich werden, kaum ist das "Großer Gott, wir loben dich" auf dem Kirchenvorplatz verklungen, die ersten Deals angebahnt: "Sind sie die Mutter von dem Kommunionkind da? Verkaufen Sie den Kommunionanzug, oder haben Sie schon jemand, der ihn will?"
So lieben wir unser Kirchenvolk und sind froh dazuzugehören!
1. Juni 2010
Theologen als Clerihew - noch einmal
Kim Fabricius and Ben Myers legen eine zweite Folge Theologen-Clerihews nach, u.a. ihre Version zu HUvB:
Hans Urs von Balthasar
Really raised the bar,
From descensus, to drama, to logic – higher and higher –
With a leg-up from Adrienne von Speyr.
Mein Post zu ihrer Folge 1.
iPraise
Und noch einmal Musik, diesmal zur Ehre des HErrn und mindestens fürs Video in einer modernen Variante von Psalm 150, 4:
"Lobet den Herrn mit Apps und Tapps, lobt ihn mit Pods und Pads."
Britgrass
Hatten wir Mumford and Sons hier schon? - Selbst wenn, würde eine Wiederholung nicht schaden:
Josephinisten unter uns
Mit Elsa ein herzliches Willkommen an Annuntiator und sein Blog. Ad multos etc. etc.
Der geneigte Leser wird alldaselbst auf die Kgl.-Bayerische-Josefspartei weiterverlinkt. Endlich eine Partei mit einem klaren und klar katholischen Programm! Merkelländlersches Herz, was willst du mehr?
Kirche im Ausverkauf
Alexander Kissler über ein weiteres Examplar der Spezies, die ich einmal in einem Anfall von Verbitterung "geweihte Idioten" nannte.
Im "European" unter dem Titel "Ökumene für Dummies".
Ich trink' meinen Venti aus und geh' beten. Κυριε ελεησον.
30. Mai 2010
Ähnlichkeiten
Mutatis mutandis könnte DIE WELT das Folgende ja nicht nur über die deutsche Sozialdemokratie schreiben:
"Überalterung der Mitglieder, wenige Treffen, kaum Veranstaltungen – eine interne Studie der SPD über ihre Ortsvereine lässt die Basis der Partei schlecht dastehen. Gleichzeitig sind die Mitglieder unzufrieden. Sie fordern künftig mehr Mitsprache über den Kurs der Partei ein und rechnen mit ihrer Führung ab."
Beinahe zum Weinen
"... somebody said they saw me, swinging the world by the tail
bouncing over a white cloud, killing the blues..."
(Allerdings ist es nicht Buddy Miller, sondern T-Bone Burnett, der mitspielt beim Kampf gegen die Traurigkeit Korrektur! Buddy Miller spielt die Pedal Steel-Guitar ...)
Theologie in der Tageszeitung - Na, geht doch!
Wie das so üblich ist, wenn Kirche im öffentlichen Raum unverdient präsent werden darf, rechtfertigen die Schreiber der allsamstäglichen Rubrik "Kreuzwort" in der Lokalzeitung, zumeist Seelsorger und andere hauptamtliche Verkündiger der hiesigen Konfessionen, ihre Präsenz durch vermeintliche Lesernähe: Lange Hinführungen zum jeweiligen Kirchenfest oder Sonntagsevangelium, Auswalzen alltäglicher Geschichtchen, deren Moral schon beim ersten Satz zu ahnen war, Aufgreifen politisch korrekten Empörungspotentials zur Anbahnung politisch korrekter Entscheidungen ("Gerade wegen des Mißbrauchs, gerade weil nicht alles bleiben darf in der Kirche, wie es ist, fahre ich nach München auf den Kirchentag!"). Wir kennen das.
Umso erstaunlicher und überraschender, wenn es auch anders geht: Der evangelisch-lutherische Dekan geht zum "Dreieinigkeitsfest" in die Vollen und gelangt direkt - schwuppdiwupp!- mitten hinein in seine Liturgie, ins christliche Glaubensbekenntnis, zu dessen "Grundaussagen" die "Lehre von der Trinität" gehöre, und von dort in einen Versuch, theologisch, in christlicher Sprache verständlich zu machen, wie es zugehe, daß G0tt einer und drei sein kann. Alles auf engstem Raum, mit biblischen Referenzen, ohne Fachsprache, aber auch ohne Platitüden, und in der Zuversicht, daß der wohlmeinende Leser verstehen kann.
Angesichts dessen ist es schon fast wieder korinthenkackerisch festzustellen, daß er zu kurz springt und in sabellianisch-modalistischem Gelände aufkommt, wenn er sagt:
"Die Lehre von der Dreieinigkeit ... beschreibt die drei Ebenen, auf denen Gott mit uns Menschen handelt. (...) In diesen drei Bereichen [als 'Vater', als 'Sohn' und als 'Geist'] begegnet Gott uns jeweils in besonderer Gestalt und hört doch nicht auf, ganz er selbst zu sein."
29. Mai 2010
Theologische Clerihews - ein Geschenk an GKC
Auch etwas Chestertonianisches: Clerihews, ein personenbezogener Vierzeiler mit zwei Reimpaaren variabler Länge und freiem Rhythmus.
Bei Faith and Theology gibt es - ohne Bezugnahme auf GKC - einen Poetic Guide to Modern Theology.
Kostproben? - Hier, ganz ökumenisch, ein Großteil der deutschsprachigen Mischpoke:
Karl Barth
Had to hire a cart
Having no other tactics
To transport his dogmatics.
Eberhard Jüngel
Is king of the jungle
On the being and becoming of God –
Und sein Tod.
Hans Küng,
When he was young,
Rose to the top. Almost.
Now he is toast.
“Jürgen Moltmann,
Can
The world,” we ask, “live without hope?”
“Nope.”
Karl Rahner,
The top banana,
Wrote hundreds of essays with never a failure:
Cocktails of theologoumena and transcendentalia.
Joseph Ratzinger,
Roman inquisitor,
Cries, with the church in a mess,
“Deus caritas est!”
Dazu noch zwei eigene für zwei, die in der Reihe fehlen:
Hans Urs von Balthasar
der Größten einer war,
schrieb wie besoffen
übers Hölle-leer-hoffen.
Henri de Lubac,
patristisch voll auf Zack,
drang vor bis zur Quelle
der theologie nouvelle.
Wirksame Poesie
JFKs Geburtstag ist heute und Garrison Keillor zitiert ihn deshalb mit:
"When power leads man toward arrogance, poetry reminds him of his limitations."
Dazu ein Amen.
28. Mai 2010
5000 Biker können nicht irren
"The Mogo celebrate" - so hatte die englische Version der Pfarrei-Site eingeladen -hier auf dem Blog konnte man es vorab lesen.
Ich schätze mal, daß sich trotzdem kaum einer der geneigten Leser neugierig auf den Weg nach Schweinfurt machte, um zu erleben, was bei Roland und seinen Bikern so abgeht. Aber dafür gibt es ja das "Geschenk Gottes" (M. Käßmann) YouTube.
Seht selbst!
Bibel mobil
Die iPhone-, iPod- und iPad-Besitzer unter den Lesern darf ich auf die App der Blue Letter Bible hinweisen, die außer zusätzlich zu GOttes Wort so ziemlich alles hat, was man sich von einer kostenlosen App erwarten darf: Diverseste Bibelübersetzungen ins Englische und jede Menge anderer Sprachen, eine Luther-Übersetzung, die Vulgata, die LXX, dazu Zugriff auf Wörterbücher, Kommentare, Übersetzungshilfen, die Möglichkeit einer Konkordanz- und Interlineardarstellung und und und...
Dagegen ist die Herder-Bibel, die es für 9,99 € zu kaufen gibt, armselig.
Chesterton feiern
Der große GKC wird morgen 136.
Die Liga Bärtiger Katholiken legt ihren Lesern (und Mitgliedern) dringend ans Herz, diesen Tag zünftig und passend zu begehen. Elf Vorschläge gibt es bereits:
1) Declare your house and surrounding property a sovereign nation. Work on a suitable name and make a flag. Muster an army. Get the kids involved.
2) Carve yourself a walking stick. Take it for a walk.
3) Have a picnic supper on the roof. Some wine, cheese and good bread, at least. Rum and a wheel of cheese would be a great idea, if you have the taste for it.
4) Procure a sword-cane. Slash the air with it. [Unless you are in Germany where it is legally forbidden as I just learned; scipio ;-)]
5) Write someone a letter by hand, on actual paper. Mail it.
6) Write an article about sports, and another about religion. Send the sports article to a religious magazine. Send the religion article to a sports magazine.
7) Sleep late and read one of Chesterton's essays before getting out of bed.
8) Buy or borrow a book by one of the Four Patrons of The League. Start reading it. Extra points for reading in a bus or train station.
9) Visit a farmer's market, a used bookstore, or otherwise give some local business your patronage.
10) Arrange to meet your wife in a pub, and then pretend you are strangers just bumping into one another for the first time. Make a passionate scene. Cause a scandal.
11) Go to Adoration. Ask GKC to pray for your intentions. Pray for the cause of his beatification.
Da sollte für jeden etwas dabei sein...
Neuzugänge
Willkommen in der Blogozese:
"Maiglöckchen - Katholisch gebloggt..."
"Der andere Franz"
Beiden, so verschieden sie auch sind, gesegnetes und langes Bloggen!
Nachtrag: Und die RadioHorebFreunde nehme ich auch noch mit dazu und wünsche das Gleiche!
Was blind but now I see
"I was in the audience and I remember how moved I was by that moment when a blind man was leading us on those verses: ‘…was blind, but now I see." (John Cohen)
Doc Watson - Das Buch
(Wieder zurück nach zwei Tagen im Bett.)
Für die Liebhaber ein Hinweis auf die frisch erschienene, erste autorisierte Biographie von Doc Watson: "Blind But Now I See" (zu einem sehr vernünftigen Preis übrigens auch bei amazon.de).
Das Probekapitel zeigt uns schon viele schöne Illustrationen und lässt uns ahnen, woher Doc Watson seine Inspiration nahm.
Schön auch dieses Zeugnis von Ricky Skaggs:
"We’ve had some good conversations about faith... That’s one of the things that I love about Doc. It doesn’t have to be music that we talk about when we’re together. We talk about the love that we have for God, and how blessed we are, and how it would be impossible to do what we do without the blessing of God, and how blessed we are to be able to play music, and the gift that He’s given us in that. And that’s just one of the things that Doc and I share that is really, really deep and thick. And it’s bountiful.
There’s always sweet honeycomb that we share when we talk. Even if it’s five minutes, or if it’s an hour, we’re just eating honey. We’re feasting on the Lord and His love for us."
25. Mai 2010
Trost der Anthropomorphie
Tröstlich, daß in einer Zeit, in der man uns Menschen das Selbstbewußtsein, die Innerlichkeit, das Ich, den freien, guten oder bösen Willen neurobiologisch aberkennt, daß in dieser Zeit also wenigstens Mycobacterium tuberculosis einiges an menschlichen Regungen zeigt - wie wir im Spiegel lesen können:
Charmanter Rottweiler
"Gottes Rottweiler" wurde Joseph Ratzinger einst genannt, und ich dachte immer: Das ist bestimmt nicht freundlich gemeint.
Pustekuchen! Denn nun höre lese ich zufällig aus unverdächtigstem Mund, aus dem von Richard Dawkins nämlich:
"Rottweiler sind sehr charmante, süße Hunde."
Kirchliche Normalität
Sicher, der Fünfzigste Tag war ein besonderer. Aber, denke ich mir, gerade so, wie jeder Anfang etwas Eigenes hat. Wohl auch weil der Anfang ein überschäumender war. Für die Kirche war er dennoch, wie es so schön heißt, "the first day of the rest of Her life", einer wie die vielen anderen, die seither folgen.
Sie ist seither mit dem "Beistand" unterwegs, hat ihre Heimat bei ihrem Bräutigam im Himmel, weil sie IHn im Herzen trägt. SEine Gegenwart ist es, die uns in ihr stammeln und lallen lässt vor Staunen und Überwältigung. Die uns treibt, aus den versperrten Türen auf den Marktplatz zu treten und zu erzählen, was da brennt und glüht, was uns davon trägt, was uns treu sein lässt unserer Erwählung.
GOtt ist kein Sparbrötchen - ER spart nicht mit Wüsten und Trockenheit, auch nicht mit Ödnis und steilem Aufstieg. Noch weniger freilich mit SEinem Feuer, SEiner Kraft, SEiner δυναμις, der Göttlichen Dynamik.
Jeder Tag ist seitdem einer wie der Fünfzigste. Pfingsten ist unser Alltag.
23. Mai 2010
Brutto, Baby
In goldenen Märchen aufzuwachen
ist uns nicht gegeben.
Wir wohnen im Brot
um Lieder aus dem Traum zu machen.
Hiersein tut not.
Was soll das Gerede von Hunger und Gruft,
was die Frage, wie wir leben.
Ich kann es nicht sagen.
Werfen wir uns in die Luft.
Sie wird uns tragen.
(Ralf Rothmann, in seinem 2000er Gedichtband "Gebet in Ruinen")
Selbstbesinnliches zur Blogozese
Mit Elsa kommt eine Insiderin in Sachen des katholischen Blogwesens deutscher Zunge mit treffenden Worten zu Wort, und zwar in der Tagespost (Artikel noch nicht online) und etwas kürzer auf Sende-Zeit, dem Blog der Medienpastoral der Erzdiözese Freiburg:
Von halblebigen Freibeutern zu hart arbeitenden Fischern.
Waren wir je halblebig (ein Ausdruck, den ich bis eben nicht kannte)? Arbeiten wir nun hart? – Für mich ist es gerade das Reizvolle des Bloggens, von Anfang an: Wer mag, darf halblebig schreiben. Wer will, gibt Vollgas oder liefert Qualität ab. Wem's gefällt, der wechselt von dem einen ins andere. Die Szene war schon immer bunt - freilich, und Elsa stellt es wieder einmal fest, mit klarer Bevorzugung der Farben Gelb und Weiß. Die Szene war schon immer schriller? lautstarker? penetranter? streitlustiger? verteidigungsbereiter? als der Rest des deutschen Katholizismus - was nicht verwundert: Es nehmen nur die die Mühe des Schreibens auf sich und investieren ihre Zeit, die etwas zu sagen haben oder es wenigstens denken (yours truly inclusive).
Aber es haben auch nie die nachdenklichen, stillen, spirituellen Stimmen gefehlt - jene, die selten erwähnt werden und die zu diesem Minikosmos "Blogozese" dazugehören wie alle anderen. Daß außer den mündigen Laien auch mündige Geistliche und Amtliche bloggen, macht die Vielfalt komplett.
Wenn sich nun auch der offizielle und etablierte Kirchenjournalismus für die Blogozesen-Blogger zu öffnen scheint und unsere Stimmen vernehmlicher werden, dann wünsche ich mir, daß uns der GEist unsere Authentizität erhalten möge. Unser Einstehen für das, was wir schreiben. Unsere Bereitschaft, uns nicht anzupassen und keinem nach dem Mund zu schreiben. Unsere Liebe zur Kirche und ihrem HErrn, dessen Liebe zu SEiner Braut größer ist als seine Trauer über kirchliches Versagen. Unsere Bitte und unseren Eifer, für IHn verwendbar zu bleiben. Wie es Gerard Manley Hopkins einst schrieb zu seinem viel Gelungeneren:
"Ich bat unseren Herrn aufrichtig darum, über mein Geschriebenes zu wachen, nicht daß er's vor dem Verlorengehen bewahren solle oder vor dem, daß es zu nichts führt, denn dazu gebe ich gerne mein Ja, aber daß es mir nicht schade durch Feindseligkeit oder Torheit von jemandem oder mir selbst. Daß er's sich zu eigen mache und er es einsetze oder nicht einsetze wie es ihm gefällt. Und ich glaube, das wird erhört."
22. Mai 2010
Pfingsttanz
Und in ökumenischer Gesinnung sollen hier und jetzt, am Vorabend des Fünfzigsten Tages, einmal die Stiefgeschwister des ökumenischen Diskurses, die Pfingstler, lostanzen:
Pfingstgebet
Heiliger Geist, Du bist die Seele meiner Seele.
Ich bete Dich demütig an.
Erleuchte Du mich, stärke Du mich, führe Du mich, tröste Du mich.
Entschleiere mir, soweit es dem Plane des ewigen Vatergottes entspricht, entschleiere mir Deine Wünsche.
Lass mich erkennen, was die ewige Liebe von mir wünscht.
Lass mich erkennen, was ich tun soll.
Lass mich erkennen, was ich leiden soll.
Lass mich erkennen, was ich still bescheiden, besinnlich aufnehmen, tragen und ertragen soll.
Ja, Heiliger Geist, lass mich Deinen Willen und den Willen des Vaters erkennen.
Denn mein ganzes Leben will weiter nichts sein als ein dauerndes, ein immerwährendes JA zu den Wünschen, zum Wollen des ewigen Vatergottes. Amen.
(P. Kentenich / Kardinal Mercier)
Identifikation und Kritik
"Kein Christ kann der Sohnesliebe zur mütterlichen Kirche entwachsen.
Er kann sich in seiner christlichen Liebe höchstens entwickeln, indem er den anfänglichen Anschein eines Gegenüber von Christ und Kirche, einer Gegen-ständlichkeit immer mehr überwindet, um sich mit der Gesinnung der Kirche in ihrem Kern zu identifizieren. Dies würde gerade nicht heißen, daß er der Kirche als einer fälschlich objektivierten Größe entwächst in eine rein personale Beziehung der Liebe zu Christus und zu den Brüdern hinein, sondern daß er in die Kirche so hineinwächst, daß er als Kirche, in ihrem Geist und in ihrer Gestalt, die Akte kirchlicher Liebe zu Christus und zu den Brüdern mitvollzieht - nicht privat, sondern in der Circumincession mit allen 'animae ecclesiasticae'.
An den Heiligen kann jeder erkennen, daß dies möglich ist, wie das zugeht, und wie wenig es die besondere Persönlichkeit eines Einzelnen nivelliert. Den Heiligen ist es eigen, kirchliches Pneuma und kirchliche Institution in keinen Gegensatz zu stellen, sondern die Einheit beider als Folge derMenschwerdung Gottes zu erkennen. Auch dort, wo sie Institutionelles zu kritisieren haben, weil die Erbsündeneigung des Menschen und seine Trägheit es immer wieder mißbraucht, tun sie es aus der wahren Einheit von Pneuma und Institution heraus. Für die Welt der Sakramente aus der Ehrfurcht vor deren Heiligkeit heraus, für die Sphäre des Amtes aus einer grundsätzlichen Gehorsamsbereitschaft heraus, die an bestimmten Stellen widersprechen, ja kontestieren kann, um das reine Gehorsamsverhältnis wiederherzustellen.
Denn die Heiligen lieben in der ungetrennten kirchlichen Einheit von Pneuma und Institution den Geist Jesu Christi, der Knechtsgestalt annahm, sich selbst erniedrigte und gehorsam wurde bis zum Tod, sogar bis zum Tod am Kreuz."
(Hans Urs von Balthasar: Pneuma und Institution, zit. nach: In der Fülle des Glaubens: Hans Urs von Balthasar-Lesebuch.- Freiburg: Herder, 1980, S. 306)
Anmerkungen zu einem mutigen Streiter
Nehmen wir den mutigen und streitbaren Dialog mit einem evangelischen Christen doch einfach mal auf, so wie er ihn offiziell gerne hätte, sich ihn aber bestimmt nicht wünscht. Denn eigentlich hat Clemens Bittlinger doch lieber die populistische Oberhand über eine applaudierende Zuhörerschaft, die er mit sanften Worten einlullt. Ganz Jesus-unlike.
In schwarz der Text eines Artikels im Darmstädter Echo, in rot meine Anmerkungen.
Ziel ist, mutiger zu streiten
Kirche: Ernüchterung nach Ökumenischem Kirchentag - Clemens Bittlinger: ,,Es sind keine neuen Impulse ausgegangen" - Dekanat Darmstadt-Land will Miteinander der Konfessionen voranbringen
Clemens Bittlinger sieht es nüchtern: "Es sind keine neuen Impulse von München ausgegangen." [Wie denn auch? Waren es nicht von allen Seiten die selben alten Wortführer(innen)? Mit der selben alten Botschaft, zäh wie ein am Morgen gebackenes französisches Weißbrot an einem Novemberabend im Pas-de-Calais?] Bei seinen Konzerten beim zweiten Ökumenischen Kirchentag vor einer Woche nahm der Liedermacher und Referent für Mission und Ökumene im Evangelischen Dekanat Darmstadt-Land [wahrscheinlich denkt das Darmstädter Echo, der Doppelstatus Bittlingers als Liedermacher und offizieller Referent qualifiziere ihn doppelt. Ich würde sagen: Die beiden Teile disqualifizieren sich gegenseitig. Die schärfsten Kritiker der Elche sind inzwischen selber welche...] kein Blatt vor den Mund und fragte vor knapp 5000 Zuschauern: "Was muss noch passieren, damit die katholische Kirche aus ihrer Schockstarre erwacht?" [Das, Bittlinger, wollen Sie lieber nicht wissen! Stellen Sie sich vor: 25 Millionen deutsche Katholiken wachen auf, beschließen dem Ruf Christi in die radikale Nachfolge von jetzt auf nachher zu gehorchen, machen die Lehre der Katholischen Kirche zur eigenen und zur Herzenssache! Da können Sie, Bittlinger, die Gitarre einpacken und stattdessen den Mund still aufsperren vor Staunen. - OK: just joking.]
Bittlinger, der sich mit seinem papstkritischen Lied "Mensch Benedikt" nicht nur Freunde gemacht hat [Wollte er nun provozieren oder nicht? Wer nur Zustimmung erntet: Hat der mutig "seine Wahrheit" gesagt? - Na also], hat sich in Sachen "religiöser Ungehorsam" vom Kirchentag in München mehr erhofft, sagte er in einem ECHO-Gespräch. Auch wenn der Pfarrer bewusst vor großem Publikum Streitpunkte wie den Zölibat anprangert [Streitpunkte anprangern? Schuldige prangert man, auch gerne einmal Vorverurteilte. Streitpunkte fordern einen Streit, eine Debatte, eine offene durchaus, mit einem "non possumus" und einem "Ich stehe hier und kann nicht anders" als zu respektierendem Ergebnis.] sucht er doch vor allem den Konsens [Lese: Ihr stimmt mir zu. Sonst prangert's was.] : "Wenn wir Jesus nachfolgen, finden wir von allein zusammen." [Dazu, lieber Bittlinger, schauen Sie einfach mal in die Christentumsgeschichte, gerne auch in die der reformatorischen Gemeinschaften mit all den vielen, die durch die Jahrhunderte "Jesus nachfolg[t]en". Wie die "von allein zusammen" gefunden haben. Und dann melden Sie sich noch mal mit was qualifizierterem, einem Kirchenbeamten und studierten Theologen angemessenem.]
Mit dem neu besetzten Ökumeneausschuss will der Referent eine "neue ökumenische Vision für das Dekanat" suchen. [Da schwindelt wer. Ich habe den Eindruck, daß Bittlinger schon sehr genau weiß, wo er hinwill. Basisökumene, Ungehorsam, von unten aufbrechen, einfach loslegen und tun. Die Stichworte sind alle da. Keine Debatte mehr nötig.] Der Ausschuss setzt sich zusammen aus evangelischen und katholischen Haupt- und Ehrenamtlichen aus dem Dekanat. Auch die evangelisch-freikirchliche Gemeinde Ober-Ramstadt ist vertreten. Man will vor allem "Basisökumene" betreiben, so Christoph Rinneberg, der mit seiner katholischen Frau Margret dem neuen Ausschuss angehört.
Der Protestant Rinneberg, der in Wembach lebt, ist im "Ökumenischen Netz in Deutschland" aktiv. Seine Einschätzung nach dem Kirchentag: "Von oben ist nichts zu erwarten, es muss von unten aufbrechen." Rinneberg hat persönlich schmerzlich erfahren, dass er nicht gemeinsam mit seiner Frau an der Eucharistie teilnehmen kann. [Ich möchte meinen Kopf verwetten, daß der Basis-Ökumeniker das mindestens schon einmal getan hat, und warte auf den Beweis des Gegenteils. ;-) ]
"In dieser Frage sind Teile unseres Dekanates rückschrittig" [Welches Dekanat? Das evangelische Dekanat Darmstadt-Land? Kann ich mir nicht vorstellen.], sagt Bittlinger. Gerade in diesem Punkt hat jedoch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, in München ein Hoffnungszeichen gesetzt: Er wolle "weiter bohren" und dazu beitragen, dass konfessionsverschiedene Ehepaare gemeinsam an der Eucharistie teilnehmen dürfen. [So, daß es nichts kostet, am besten.]
Eine starke Verantwortung in der "Ökumene der Zukunft" liegt laut Bittlinger darin, wie "die Evangelischen die Katholischen an die Hand nehmen". [So viel zur "gleichen Augenhöhe", die später noch kommt. Unmündige Kinder, die Katholiken, die nicht wissen, was sie tun, weil sie nicht tun, was wir wollen.] "Wir müssen mehr miteinander wagen", nur aus dem gelebten Glauben heraus könne Ermutigung erfahren werden. [Hierher ist die katholische Anfrage an die Glaubensstärke der evangelischen Kirche in Deutschland und ihre Treue zum gemeinsamen Glaubensbekenntnis wohl obligatorisch: Das Nizäno-Konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis würde ich schon gerne mal mit Bittlinger zusammen beten. Und das meine ich gar nicht zynisch, satirisch, ironisch oder schadenfroh.] Man dürfe nicht zu schnell kuschen vor römisch-katholischen Strukturen, um nur niemanden zu verletzen, so Bittlinger. [Was natürlich gar nicht geht, ist: Wenn die Strukturen zurückschlagen. Wehren dürfen die sich nämlich nicht. - Abgesehen davon: Bittlinger kann sich gar nicht vorstellen, daß es Katholiken gibt, die froh und dankbar sind für die Strukturen.] "Wir müssen lernen, mutiger zu streiten und uns auf Augenhöhe begegnen." [So mutig, wie er damals auf den Katechismusbrief reagiert hat: Alle Kritiker in einen Topf werfen?]
(...)
Ein Fernziel könnte der Aufbau einer Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Region sein, schlägt Bittlinger vor. Zuerst einmal wolle man sich aber "viel Zeit nehmen, um zu sehen, wie der andere tickt". [Viel Zeit, mehr als Sie, der Ökumene-Referent, sich bisher genommen haben? So lange im Geschäft und weiß immer noch nicht, wie Katholiken ticken? Erst die provokanten Lieder dichten, gelle, und dann zuhören? - Sorry, Bittlinger. Bisher erlebe ich Sie in ihrem geschriebenen und gesungenen Wort als einen, der verdammt gerne redet und sich gerne einmal im eigenen Reden und Singen bespiegelt. Einen, der softig daher kommt und im rechten Moment gerne rhetorisch zuschlägt, ganz und gar nicht mehr softig. Einen, der auf Gegenwehr unwirsch reagiert. Als einen, bei dem ich nicht unbedingt mehr wissen möchte, wie er tickt. Tut mir leid, ich hätte es gerne anders. Ist aber so.]
-----------------------------------------------------------
"Vielleicht den Rücken stärken" statt "die katholischen Geschwister an die Hand nehmen"
Stellungnahme von Clemens Bittlinger im Darmstädter Echo am 19. Juni 2010
Die Chronistenpflicht gebietet den Vermerk einer "Stellungnahme zum ECHO-Artikel" von Seiten Clemens Bittlingers. Wiederum nur in Auszügen referiert sie das Darmstädter Echo hier.
Im obigen Zusammenhang sind vor allem die folgenden Absätze relevant:
Der Pfarrer distanziert sich ausdrücklich vom Zitat, "wir Protestanten müssten die katholischen Geschwister an die Hand nehmen". Tatsächlich habe er gesagt, dass "wir den katholischen Geschwistern vielleicht hier und da den Rücken stärken sollten" - und das sei weniger auf die Ökumene bezogen gewesen, als viel mehr auf die augenblickliche Krise der katholischen Kirche.
(...)
Auch die Aussage, man dürfe "nicht so schnell vor den römisch-katholischen Strukturen kuschen" habe er so nicht gesagt, korrigiert Bittlinger seine Aussage. Der Vorwurf, ihm fehle Respekt vor der Glaubenspraxis der katholischen Geschwister, entbehre jeglicher Grundlage. Er habe vielmehr "tiefen Respekt vor jedem, der seinen Glauben lebt und praktiziert".
Das Darmstädter Echo verzichtet darauf, diese Behauptungen zu kommentieren, entschuldigt sich freilich auch nicht bei Bittlinger dafür, ihn mißverständlich zitiert und nie gemachte Sätze untergeschoben zu haben. Als "Gegendarstellung" wird Bittlingers Stellungnahme nicht deklariert.
Vielleicht geht man nicht ganz falsch in der Annahme, daß sich Presse und Pfarrer gentleman- (oder krähen-? like darauf geeinigt haben, dem Pfarrer einen (Teil-)Rückzug zu ermöglichen.
Hatten wir es in dieser Woche nicht schon einmal mit einem anderen "Hintergrundgespräch" zu tun zwischen dem Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz und Presseleuten, auf dem vielerlei Gesagtes das Ohr der geneigten Öffentlichkeit nie erreichen wird, wie wir vermuten dürfen, und das dennoch seine Wirkung tat...
Vielleicht gab es auch hier zwei Teile: den einen, der nicht für unsere Ohren bestimmt war und den das ECHO unachtsam zitierte - und den anderen mit der gezähmten Botschaft?
21. Mai 2010
Wessen Spuren im Sand?
Da ich gerade mobil blogge, kann ich die Bilddatei leider nicht hochladen, sondern muss stattdessen Jetzt kann ich, statt auf the Crescat verlinken, doch die Bilddatei hochladen, die die Geschichte von den Fußspuren im Sand viel zeitgeistiger erzählt als üblicherweise. 
Boogie from 1 to 10
Die Gruppe heißt Go Fish und das Lied, das sie singen, ist der "10 Commandment Boogie".
Enjoy!
(via Crazy Christian Clips)
Pflichterfüllung
Lafontainesche Sekundärtugend, im Girls Group-Format und aufs musikalisch Wesentliche reduziert:
20. Mai 2010
Überraschung im Salle de réunion


Wer sich das Bild an der Wand dieses Besprechungsraums, in dem ich heute einige Zeit verbrachte, anschaut, dem wird schnell klar, warum sich dort gut arbeiten lässt: Der Sündenbock hängt höchstpersönlich an der Wand und muss nicht erst umständlich identifiziert werden. Das spart Zeit und bringt Projekte vorwärts.
(Und der Girard-Leser freut sich über diesen Bouc émissaire noch mehr, weil nur knappe 300 Meter davon entfernt Girard einst seine Vorlesungen über das Opfer hielt. Und fragt sich, ob das Bild vielleicht nicht zur Deko, sondern zur Erinnerung an den Anderen, nein: den Einzigen Sündenbock aufgehängt wurde. Und sei es auch nur von einer anima naturaliter Christiana.)
PS: Dieses Posting dient nur dazu, meinem Epitheton "Das oft nur Eingeweihten verständliche Journal" gerecht zu werden...
18. Mai 2010
Wie wahr!
Einer der vielen guten "Orthographs" - auf deutsch wohl am besten: "Orthogramme" - des schönen orthodoxen Blogs "Pithless Thoughts":
Schuhgröße Gottes
Früher, in den guten alten Zeiten, flatterten der Altöttinger Liebfrauenbote oder das St. Antoniusglöcklein in den katholischen Haushalt, heute sind es bunte Kataloge katholischer Verlage mit allerlei Verschenkbarem ganz unterschiedlicher Qualität.
Heute z.B. das Geschenkemagazin "Vivat!" des Leipziger St. Benno-Verlags, auf dessen Rückseite wir dieses interessante Kinderkreuz - so nennt man es wohl richtig - finden:
Man sieht: Kaum ist der alte Mann mit dem langen Bart durch den koordinierten Generalangriff von Reli-Lehrern, Gemeindereferentinnen, Priestern, Kirchenpresse, BdkJ-Funktionären, Kindergärtnerinnen etc aus den Köpfen verschwunden, kehrt er wieder: Diesmal in blühenden Landschaften und mit eindeutig definierter Schuhgöße. Ob irisch oder nicht: Ein neues Idol, an dessen Austreibung sich die nächste Katechetengeneration versuchen darf.
Viel Spaß.









