20. Mai 2008

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Wenn die katholische Kirche rassistisch wird, dann nicht weil sie - wie der Rest der Welt - Menschen nach ihrer biologisch-ethnisch-anthropologischen Herkunft unterscheidet, sondern weil sie sich offensichtlich gerade nicht darum kümmert. Das entnehmen wir jedenfalls einem Interview (Quelle), das Herr Hans Wührer den Oberösterreichischen Nachrichten gab. (Herr Wührer ist nebenbei ein katholischer Priester, aber wir wollen ja nicht rassistisch sein, geben ihm keinen Klerikerbonus und ordnen ihn deshalb nicht wie andere ähnliche Charaktere in die zugegebenermaßen unscharfe Schublade "Geweihte Idioten" ein, sondern lassen ihn undefiniert...)

Den Kontext der Wührerschen Rassismuskeule bildet die Entscheidung des Linzer Bischofs, die bisher auch Laientheologen zugestandene Tauferlaubnis zurückzunehmen. Herrn Wührer wird es da ganz schlecht:

OÖN: Nach dem Predigen hat Bischof Ludwig Schwarz mit Berufung auf Rom nun den kirchlichen Laientheologen auch das Taufen im Ausnahmefall untersagt. Wie kommen solche Einschränkungen der Nicht-Priester bei Ihnen als Pfarrer an?

Wührer: Entsetzlich. Zum einen tut die Kirche so, als gäbe es den Personalmangel, der überall zu sehen ist, nicht. Und dann ist das ein Rückfall in Urzeiten. Es gab doch das Zweite Vatikanische Konzil, bei dem vom Priestertum aller Gläubigen die Rede war. Der Klerikalismus kommt offenbar wieder total zurück, und das nicht erst seit gestern. Mir fällt in dem Zusammenhang nur der Begriff Rassismus ein: so, als ob es zweierlei Menschen gäbe, werden die Geweihten für mehr wert gehalten als die Nicht-Geweihten. Deshalb dürfen Nicht-Priester nicht mehr taufen und sollen keine Gemeinden mehr leiten dürfen.

OÖN: Gibt es für das Letztere schon Pläne?

Wührer: Es soll schon beschlossene Sache sein, dass die bewährte Einrichtung der Pfarrassistenten auslaufen muss. Diese Tätigkeiten sollen Priester aus Polen oder Nigeria machen, nicht mehr die eigenen Leute.

Die Gemütszustände des Herrn Wührer müssen uns nicht weiter kümmern - jedem wird es im Lauf des Tages angesichts des allgemeinen Weltzustands mal schlecht. Beunruhigender finde ich den Verlust jedes klaren Denkens bei einem erst 65jährigen: Wieso soll zum Beispiel ein Priester aus Polen oder Nigeria gegenüber einem Österreicher - sei er geweiht oder ungeweiht - benachteiligt werden? Was hat ein Linzer Theologe in puncto Taufkompetenz, was ein Linzer, Melker, Kremser, Wiener Nicht-Theologe nicht hat? Hat Jesus jemals irgendwo gesagt, daß man fürs Taufen das Diplom oder einen Magisterabschluß benötigt? Sollten nicht auch Ungetaufte taufen dürfen - oder wollen wir, Herr Wührer und ich, durch die Hintertür eine neue Sorte Rassismus einführen? Ja ist denn ein Getaufter "mehr wert" als ein Nicht-Getaufter? Wäre das nicht ein "Rückfall in Urzeiten"? Warum nicht jetzt schon verwirklichen - und zwar im Namen jener unfehlbaren Logik des Herrn Wührer -, was das IV. Vatikanum einführen wird: Taufe für jeden durch jeden - im Namen Jesu?

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Nur ganz kurz:

Der Begriff "Rassismus" wird mittlerweile völlig inflationär verwendet. Linke Theoretike versuchen, seine Verwendung für so gut wie jede Form von "Diskriminierung" oder "Ausgrenzung" zu rechtfertigen. Man spricht dann z.B. von "sozialen Rassismus" o.ä.

Vgl. z.B. hier. Oder den Wikipipi-Artikel "Rassismus".

Horrido!

Scipio hat gesagt…

Was zum Glück meine Argumentation nicht beschädigt.

Horrido.

Tiberius hat gesagt…

Salvete!

"...geben ihm keinen Klerikerbonus und ordnen ihn deshalb nicht wie andere ähnliche Charaktere in die zugegebenermaßen unscharfe Schublade "Geweihte Idioten" ein ..."

Köstlich! Hat der Mann den keinen Katechismus zur Hand - oder liegt in Linz nur ein sehr weit gefaßter Begriff des Notfalls vor?

Erstaunlich oft ist ein Blick in den Katechismus sehr erhellend. Dort heißt es zur Spendung der Taufe:
"Ordentliche Spender der Taufe sind der Bischof und der Priester und, in der lateinischen Kirche, auch der Diakon. Im Notfall kann jeder Mensch, sogar ein ungetaufter, unter Anwendung der trinitarischen Taufformel die Taufe spenden, falls er die notwendige Absicht hat: Er muß das tun wollen, was die Kirche bei der Taufe tut. Die Kirche sieht den Grund für diese Möglichkeit im allumfassenden Heilswillen Gottes und in der Heilsnotwendigkeit der Taufe."

Valete!
Tiberius

Tiberius hat gesagt…

Nachtrag:

Habe mir eben noch mal den Artikel im Original angeschaut und bin dabei auf das Bild eines Oberstudienrates gestoßen, welches die Person des befragten Geistlichen hoffentlich nur illustrieren soll.

Wenn man die Kommentare im Forum liest, muß man sich schon wundern, wie dort nicht wissen mit nicht denken sich paart. Man gewinnt zudem den Eindruck, das es Leute gibt, die gezwungen werden, in der Kirche zu bleiben.

Tiberius hat gesagt…

Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll, angesichts dieser Darbietung: Studentenprotest in Linz

Wohlgemerkt soll es sich um Theologiestudenten handeln, die hier Fürbitten und Gebet vor Gott Vater und Mutter (sic!) tragen.

Ein guter Grund, die Praxis der Fürbitten und der selbstverfaßten Gebete etwas strenger ins Auge zu fassen.

Der Herr Alipius hat gesagt…

In einer Gemeinde in den USA wurden "spontane" und "selbst verfaßte" Fürbitten ganz schnell wieder abgeschafft, nachdem ein altes Mütterchen aufgestanden war und Gott dafür gedankt hat, daß er durch AIDS die Zahl der "filthy homosexuals" schmälert, die alle nur "our boys" veführen wollen.