Nach der Pause kommt heute ein längeres Stück von Père de Lubacs Betrachtung über den homo ecclesiasticus, den kirchlichen Menschen. Man könnte meinen, es sei für jetzt und hier geschrieben. Lest selbst:
"Er ist kein Extremist und mißtraut den Übertreibungen; aber weil ihm die Sakramente der Kirche nicht den Geist der Zaghaftigkeit, sondern der Kraft gegeben haben, zögert er nicht, sich für die Verteidigung oder die Ehre seines Glaubens einzusetzen. Da er weiß, wieviel man durch Unterlassung sündigen kann, redet und handelt er dann mit Freimut, 'gelegen oder ungelegen', auch auf die Gefahr hin, vielen zu mißfallen, ja von denen mißverstanden zu werden, an deren Zustimmung ihm am meisten läge. Er vermeidet sorgfältig die Sackgassen, vor denen die Autorität ihn warnt, denkt eher an die positiven Aufgaben, an die sie ihn mahnt, deren Dringlichkeit er erblickt und vor denen menschliche Klugheit sich doch am liebsten drücken würde. Gern stünde er immer bereit, wie es ja Petrus schon fordert, vor allen Menschen Rechenschaft abzulegen über die ihn erfüllende Hoffnung, befürchtet höchstens, durch Gewöhnung an seinen engen Horizont und seine Bequemlichkeit dazu unfähig zu werden. Er möchte stets nicht bloß 'mit der Kirche' denken, sondern - wie der Verfasser der 'Geistlichen Übungen' sagte - 'in der Kirche', was jedoch eine tiefere Treue voraussetzt, eine intimere Teilnahme und auch eine freiere Haltung: die des echten Sohnes, der zum Hause gehört. Er läßt immer neu sich belehren, lenken, modeln, nicht durch Gewohnheiten und Schicklichkeiten, sondern durch die dogmatische Wahrheit. Wie Newman es war, kann auch er feinfühlig sein (oft mehr als andere) für die 'Schwierigkeiten der Religion'; aber wie dieser große Mann sieht er 'zwischen der Tatsache, daß man Schwierigkeiten wahrnimmt, auch wenn sie akut oder ausgedehnt sind, und dem Zweifel am Geheimnis, aus dem sie entspringen', keinen echten Zusammenhang. Auch er fühlt sich nicht versucht, das geistige Erbe in Stücke zu schlagen, das uns für die Gegenwart anvertraut worden ist' durch Männer vom Format eines Irenäus, Athanasius, Augustin oder Thomas. Er strengt sich im Gegenteil an, es zu wahren und zur Geltung zu bringen. Und er möchte solchen, die sich eifernd, aber oftmals kleinmütig daran klammern, den Beweis erbringen, daß dieses Erbe noch reicher und von größerem Nährgehalt ist, als sie meinen; daß mehr fruchtbbarer Saft darin kreist, der abermals neue Früchte verheißt. Er verschmäht jede moderne Selbstgerechtigkeit und jede Form von theologischem LIberalismus." (Die Kirche.- Einsiedeln: Johannes, 1968, S. 223- 225)
Père de Lubac zitiert reichlich in seinen Büchern, auch dieser Meditation über die Kirche. Ich spare mir das für jetzt.
Zum vorigen Abschnitt hier.
26. Februar 2011
In der Kirche leben (6)
25. Februar 2011
Die Zu-Guttenberg-App
Rettung naht, für manche rechtzeitig, für manche - leidergottes! - zu spät:
Zitieren leicht gemacht, quasi, und wenn die Preise die App-Store üblichen sein werden, dann können auch junge Familienmütter und -väter sie sich leisten. Dann hat keine Ausrede mehr, wer nicht promoviert. Und kein Promovenden-Baby liegt mehr lange feucht oder ungestillt...
(Mit Gruß an die Kollegen von netbib)
23. Februar 2011
In der Kirche leben (5)
Die Gemeinschaft der Heiligen - nie war sie sowertvoll wie heute. Heute, wo wir nicht mehr im christlichen Abendland leben, ja: es uns nicht einmal mehr vormachen können, daß wir dort lebten. Heute, wo wir unsere Entscheidung für Christus permanent erneuern müssen, wo das "Ein-für-allemal" der Taufe zum täglichen "Ich widersage" und zum "Ich glaube" auffordert. "Wer glaubt, ist nie allein." Nicht der Papst in Rom, nicht der chinesische Bruder in seinem Gefängnis, der Seminarist vor der großen Berufungsfrage und - DEo gratias - schon mal sowieso nicht der Blogger nächtlich vorm Bildschirm. Der hat nämlich heute gehört, daß sein Geschreibsel nicht ins Leere läuft, sondern offensichtlich im Dienst der Freude und der Hoffnung steht.
"Als Mensch der Kirche erwirbt er sich diese Bildung nicht aus Neugier, um sie zu genießen, 'wie einer, der die Hauptgebäude einer Großstadt besucht'. Er steht ja ganz im Dienst der großen Gemeinschaft. Er teilt ihre Freuden und Prüfungen. Er kämpft ihre Schlachten mit. Aus allen Kräften ist er bemüht, in sich und soweit es geht in seiner Umgebung ein wacheres Gespür für die Interessen Christi zu erhalten als für die Interessen der Welt. Den Sinn für katholische Solidarität pflegt er in sich und versucht ihn bei seinen Brüdern, fernen wie nahen, zu fördern. Alles was nach Esoterismus riecht, ist ihm sonderlich verhaßt. Er widersetzt sich dem Trend der Modernität, ein sicherer Instinkt läßt ihn die geistlichen Gefahren beizeiten wahrnehmen." (Henri de Lubac: Die Kirche.- Einsiedeln: Johannes, 1968, S. 223)
Zum vorigen Abschnitt hier.
An die Ofenbank
Sancta Christina verspricht Erstaunliches. Ich bin gespannt und entbiete die üblichen allerfrömmsten Willkommensgrüße.
Auf langes, einfallsreiches und frohes Bloggen! Wir brauchen jede Stimme (besonders jede originelle).
22. Februar 2011
Leben
Das sieht alles nach sehr einseitiger Kost aus, die ich momentan hier präsentiere. Es ergibt sich einfach so.
Da stößt man auf einen Blog, bei dem einen schon der Untertitel fasziniert: "Musings on Los Angeles, Divine Intoxication, The Writing Life & The Thin Line Between Passion & Pathology", blättert, stöbert, schlendert weiter und gelangt schließlich zu diesem YouTube-Video:
Und ist anschließend so dankbar wie Heather King, um deren Blog es hier geht, für dieses ganze große Geschenk des Lebens. (Und kann das nicht nur innerlich-spirituell sehen, sondern gleichzeitig politisch, als den glühenden Kern jeden Protests gegen einen Gaddafi und seinesgleichen.)
In der Kirche leben (4)
Was Henri de Lubac in diesem ganzen Kapitel seines Buches als Agenda vorstellt, ist letztlich ein kleines Kunststück: Alle Einseitigkeiten gilt es zu vermeiden, oder besser solche, die unorganisch werden, die die Balance stören, die verhärten und verengen, die den Blick auf die ganze Wirklichkeit der Kirche und ihres Glaubens verstellen. Verlieben darf man sich freilich, das soll man sogar. Darf sich über Freunde Gottes freuen, die einem besonders nahe stehen und nahe gehen. Und darf sich von ihnen in die Mitte, in das "innerste Geheimnis" führen lassen. Von wo aus dann die große Überlieferung und Geschichte und - so darf man wohl sagen - auch die große und lebendig-bunte Gegenwart der Kirche in aller Vielfalt, in aller gnadengeschenkten Farbigkeit sichtbar wird. Das gilt es zu tun, oder nach GOttes Willen zu erleiden. Schreiben davon, bloggen zumal, wird nicht genügen.
"Ohne sich blindzustellen für die evidenten geschichtlichen Unterschiede - denn ob man es eingesteht oder nicht: vieles von dem, was den bleibenden Kern umlagert, wechselt nach Zeiten und Orten - ist es sein tieferes Anliegen, die Kontinuität herauszustellen, denn diese erscheint ihm realer. Ohne aus seinem Gesichtskreis etwas zu verbannen, was die Kirche billigt, wird er seine persönlichen Vorlieben haben, Wahlverwandtschaften fühlen und hegen, die Gott gewiß nicht umsonst gewollt hat; trotzdem wird er gewissen Hauptzeiten und exemplarischen Ereignissen vermehrte Aufmerksamkeit schenken: der Ära der ersten Blutzeugen, dem Aufbruch des mönchischen Lebens, den wichtigen Stufen in der Ausformung des Dogmas, dem Wirken der großen Heiligen und Kirchenlehrer, den Blüten geistlicher Erneuerung..., er wird auch gerne, wenigstens in den Hauptzügen, die Geschichte der Missionen sich vergegenwärtigen. Die alten Traditionen des christlichen Ostens wird er nicht vernachlässigen, als die 'erste Schicht', den ehrwürdigen Stamm, der uns alle trägt. Und wenn er selber Gelehrter ist, wird er die Methoden seines Faches - mit mehr oder weniger Glück - anwenden, und dabei nicht vergessen, daß die katholische Überlieferung sich in ihrem innersten Geheimnis auch einer erschöpfenden 'Bestandesaufnahme' nicht preisgibt; wird sie doch nur dem ganz verständlich, der sich in ihrer eigenen Achse hält und, weil er aus dem Glauben der Kirche liebt, von innen her betrachten kann." (Die Kirche.- Einsiedeln: Johannes, 1968, S. 222-223)
Zum vorigen Abschnitt hier.
Glauben und das Absurde sehen
Constantin Magnis hat für den "Cicero" den britischen Comedian und Musikvideo-Regisseur Richard Ayoade interviewt und bemerkenswerte Antworten eingesammelt:
"Der Katholizismus, sagten Sie kürzlich einmal, fasziniere sie als Künstler. Warum?
Ich bin selbst kein Katholik, aber je älter ich werde, desto weniger interessiert mich die Arbeit von Menschen, die sich von keiner inneren Struktur leiten lassen. Und ich bin an den Punkt gekommen, mich zu fragen, was für einen Sinn es überhaupt noch macht, einen weiteren Film zu drehen. Ich kenne viele, extrem begabte junge Filmemacher, die es trotzdem nicht hinbekommen, bis ins Fleisch, die Eingeweide einer Geschichte vorzudringen. Und ich glaube, für diese Fähigkeit braucht es ein Gefühl dafür, worin diese Eingeweide überhaupt bestehen, was wirklich wichtig ist, und was nicht. Ich habe angefangen, katholische Schriftsteller zu lesen, wie Flannery O’Connor oder Graham Greene. Und ich glaube, dass die meisten Leute, die durch diese Denkschule gegangen sind, beides haben: Einen Sinn für das absurde, weil es ja im Katholischen diesen zeremoniellen, hochinteressanten aber zugleich auch absurden Aspekt gibt, und zugleich einen tiefen Sinn für den Ernst des Lebens. Für Dinge, die weder egal, noch relativ sind. Bestes Beispiel dafür ist der Vergleich zwischen einem Gangsterfilm von Martin Scorsese, und einem von Guy Ritchie. Man sieht den Filmen des Katholiken Scorsese an, dass seine Charaktere an etwas profundem teilnehmen, dass sich an ihnen etwas existentielles, relevantes vollzieht. Bei Guy Ritchie ist alles was geschieht primär ein großer Spaß. Aber das macht es eben auch beliebig, und weniger interessant.
Ist das denn für Sie ein Widerspruch, der Ernst und die Komik?
Gar nicht. Die meisten interessanten Dinge spielen sich ja dazuwischen ab, nehmen sie die alten Buster Keaton Filme, die immer beides sind: Tiefmelancholisch und sehr, sehr komisch. Nein, für mich ist die Frage nicht: Sind Dinge lustig oder sind sie ernst? Die Frage ist: Sind sie wahr, oder sind sie nicht wahr."
Gut beobachtet, Richard, kann man da nur sagen. Aber wer Flannery O'Connor liest, entkommt dieser Vereinigung von Absurdem und Ernstem, von Groteskem und Lebensentscheidendem, von Heiterem und Melancholischem nun einmal nicht. An Graham Greene hätte ich nicht so schnell gedacht. Mir fallen da am ehesten Andreas Maier oder Sibylle Lewitscharoff ein, die das momentan praktizieren - ohne daß ich die beiden sofort zu "katholischen Schriftstellern" erklären will.
Richard Ayoade drücken wir die katholischen Daumen, auf dass er mit seinen 34 Jahren genug Sinnvolles zu tun findet - und dem Geheimnis hinter der katholischen Synthese auf die Spur kommt.
Zwangsheirat für Priester soll freiwillig bleiben
"Ich bin für einen Dialog", sagt Endingens Pfarrer Martin Baumgartner, "wir sollten kein Thema tabuisieren." Für die totale Abschaffung des Zölibates ist er nicht. "Der Zölibat ist eine sinnvolle Lebensform, den gibt es in jeder Weltreligion", sagt er. Er würde sich eine "Ergänzung" wünschen, ein Nebeneinander von verheirateten und zölibatär lebenden Priestern. (...) Wie sein Kollege Frank Martin in Kenzingen. "Es ist gut, dass Dinge zur Sprache kommen, die bisher vernachlässigt wurden", sagt er. Auch er würde den Zölibat nicht abschaffen. Jedenfalls nicht komplett. "Das sollte jedem selbst überlassen werden", meint er. (Badische Zeitung)
Beruhigend, daß der Zölibat nicht ganz abgeschafft werden soll. Ansonsten hätten wir Zwangsehen, Zwangslebensabschnittsgefährtenschaften oder andere Zwangspartnerschaften, richtig?
21. Februar 2011
Zur guten Nacht
Zu Guttenberg fällt mir aktuell nichts mehr ein. Auch wenn ihn eine Direktwahl zum Verteidigungsminister wohl im Amt bestätigen würde: Ich fände eine Zeit des "Bußschweigens" angebracht. Wenn die kritischen Augen des Internetschwarms recht sehen und tatsächlich gute 20 % der Dissertation plagiiert sind, dann ist das nicht mit irgendwelchen familiären Ausnahmesituationen oder unabsichtlichem Quellenkuddelmuddel zu entschuldigen. Sorry.
Trösten wir uns mit zwei kleinen guten Nachrichten: Von Alison Krauss und Union Station wird es vor Ostern noch ein neues Album geben und die Blind Boys of Alabama kommen mit Willie Nelson, Vince Gill und anderen Country-Stars raus.
Bevor wir schlafen gehen und uns noch einmal mitsamt aller Malaise dem HErrn der Geschichte und unseres Lebens anvertrauen, soll uns noch ein indianischer Blues trösten. Es singt und spielt Pura Fé:
In der Kirche leben (3)
Im nächsten Abschnitt hören wir deutlich den "Patristiker" de Lubac sprechen, der einer der großen Wiederentdecker der Kirchenväter und ihrer Theologie war. Aber er spricht eben doch nicht nur als Theologe zu Theologen, sondern formuliert allgemein- und damit auch für uns gültig. Bei den Klassikern in die Schule gehen - nicht (nur) um das Wissen zu mehren, sondern zuerst um von ihnen als "geistlichen" zu lernen. Geistlich leben zu lernen.
"Wenn er seine geistige Nahrung aus der Schrift zieht, hält er sich deshalb nicht für dispensiert, treu auf das Lehramt zu hören, und durch diese Gefügigkeit nicht der Pflicht enthoben, tieferen Kontakt mit der kirchlichen Überlieferung zu pflegen. Das Lehramt ermutigt ihn ja selbst immer wieder dazu. Und bei solcher Kontaktnahme sucht er etwas anderes und Größeres als die Frucht wissenschaftlicher Arbeit. Er weiß: nie würde er sich eine echte kirchliche Kultur verschaffen können ohne liebevollen und selbstlosen Umgang mit denen, die er mit Recht als Klassiker seines Glaubens bezeichnet. Er sucht bei ihnen weniger den Umgang mit 'großen Geistern', als den mit wahrhaft 'geistlichen Menschen'. Er trachtet deshalb soweit als möglich in die Intimität derer einzudringen, die vor ihm in der Kirche zu Christus gebetet haben, die für Christus gelebt, gearbeitet, gedacht, gelitten haben. Sie sind die Väter seiner Seele. Durch häufigen Umgang mit ihnen erwirbt er sich wenigstens etwas von dem katholischen Ethos, das weder durch Wissenschaftlichkeit noch selbst durch Orthodoxie zu ersetzen ist. Wie gut versteht er dann zum Beispiel die Begeisterung des damals noch anglikanischen Newman, da er die 'Kirche der Väter' entdeckte und in ihr durch eine Art platonische Anamnese, oder besser: durch eine Erleuchtung des Geistes seine wahre Mutter erkannte."(Die Kirche.- Einsiedeln: Johannes, 1968, S. 221-222)
(Zum vorigen Abschnitt hier)
20. Februar 2011
In der Kirche leben (2)
Das Positive entgegenhalten, nicht nur gegen das Negative angehen. Im Herzen der Kirche leben, ein Mensch der Kirche werden, mehr und mehr. Ein Stück ihrer Lebendigkeit sein. Den ganzen Glauben an den Immer-größeren-GOtt und SEin Tun in ihr und von ihr entgegennehmen, als einer der Millionen und Milliarden seit jenem Tag im Pfingstsaal. Nicht erstarren, sondern in der Liebe und der Dankbarkeit leben. Demütig und tastend vorangehen mit ihr zusammen.
In diesem Sinn ein weiterer Abschnitt aus Henri de Lubacs Meditation über die Kirche, genauer aus dem Abschnitt über den "Mensch der Kirche":
"Als Mensch der Kirche liebt er auch ihre Vergangenheit. Er meditiert über ihre Geschichte. Er verehrt und erforscht darin die Tradition. Nicht um sie wehmütig zu kultivieren oder sich in ein Altertum zu flüchten, das er sich beliebig zurechtdenken könnte, noch weniger um die Kirche von heute zu verurteilen, als wäre sie seither vergreist oder von ihrem Bräutigam verstoßen worden. Eine solche Haltung ist ihm instinktiv zuwider. Wenn er sich in Gedanken gern bei der Urkirche aufhält, bei den Zeiten, da, wie Irenäus sagt, 'die Verkündigung der Apostel noch nachklang', 'das Blut Christi noch ganz warm war und der Glaube ganz glühend in den Herzen der Gläubigen brannte', so mißtraut er doch den Mythen vom Goldenen Zeitalter, die dem natürlichen Hang des Menschen zur Übertreibung, Empörung, leichtfertigen Verurteilung so sehr entgegenkommen. Im übrigen weiß er, daß Christus immer gegenwärtig ist, heute wie gestern und bis zur Vollendung der Weltzeit, 'um sein Leben auf Erden fortzusetzen, nicht um es neu anzufangen'. Deshalb wiederholt er nicht in einem fort: Ab initio non fuit sic [Übs: Am Anfang war es nicht so; scipio].
Er befragt auch nicht 'eine stumme Kirche und tote Lehrer'. Er 'versteinert' die Tradition nicht. Sie ist für ihn keine Sache, die 'mehr der Vergangenheit angehört als der Gegenwart; sie ist eine große 'Kraft', lebensvoll und dauerhaft, die man nicht zerstückeln kann. Es fiele ihm niemals ein, von der heutigen lehramtlichen Verkündigung an irgendein früheres Stadium des Dogmas oder der kirchlichen Sitten zu appellieren, oder diese anzurufen, um jene zu interpretieren, das heißt sie zu neutralisieren. Er nimmt sie vielmehr immer als absolute Norm in Empfang. Denn er glaubt gleichzeitig, daß Gott uns alles geoffenbart hat, endgültig in seinem Sohn, und daß trotzdem die Vorsehung Gottes 'jeder Epoche in der Kirche und durch die Kirche das Verständnis für das Christusmysterium neu anpaßt'. Er weiß also sehr wohl, daß die Kirche in Ausübung ihres Lehramtes weder neue Erfindungen darbietet noch überhaupt aus sich selbst redet; sie gibt nicht vor, selber 'die wahre Quelle der Offenbarung' zu sein, wie ihr manche Tadler fälschlich vorwerfen; sie denkt nur der göttlichen Offenbarung entlang und erklärt diese 'unter der innern Lenkung des Heiligen Geistes, der ihr zum Kirchenlehrer gegeben ist'. 'Wer aber meint, sie mißbrauche ihre Vollmacht, um Lügen zu verbreiten, hat den Glauben an Den nicht, durch den sie regiert wird' Schrift, Tradition, Lehramt: diese drei betrachtet er als einen dreifachen und einzigen Kanal, durch den Gottes Wort ihm zufließt. Er sieht auch, wie die drei einander nicht schaden oder gegenseitig begrenzen, sich vielmehr unterstützen, ineinander verfügen, bestärken, erhellen, fördern. Er begreift, daß sie miteinander stehen und fallen. Er erkennt in ihnen den funiculus triplex, das dreifach gedrehte Seil, das unzerreißbar ist." (Die Kirche.- Einsiedeln: Johannes, 1968, S. 218-221)
Zum vorigen Abschnitt hier.
18. Februar 2011
"Cairo is a mean old town"
Zum Wochenend-Einklang noch ein bißchen Stubenmusik mit Dave Rawlings und Gillian Welch mit "Sweet Tooth":
Der Text zum Mitsingen.
Daheim in der Mitte statt nur dagegen
Zu den Grundsätzen meines privaten Katechismus gehört die Aufforderung, daß man seinen Katechismus bitte nicht gegen jemanden lernen möge. Henri de Lubac sagte mir das einmal in einem seiner Bücher. Nicht daß ich mich immer daran halte, aber vergessen habe ich es nie können.
Jetzt ist wieder einmal so eine Zeit, wo es leicht, ach so leicht wäre, in und aus einem "Gegen" zu leben. Et ne nos inducas in tentationem.
So habe ich heute wieder einmal ein anderes Buch von Henri de Lubac aufgeschlagen, und weiß wieder, wo ich - bei allem Spott, bei allem Anflug von Verzweiflung und Entmutigung, mit meiner Freude und mit meiner Hoffnung - daheim bin.
"'Was mich betrifft', verkündet Origenes, 'so geht mein Wunsch dahin, wahrhaft ein Mensch der Kirche zu sein.' Er dachte richtig: es gibt kein anderes Mittel, ein voller Christ zu sein. Wer einen solchen Wunsch hegt, begnügt sich nicht damit, pünktlich den Pflichten nachzukommen, die seine katholische Konfession ihm auferlegt. Sondern er liebt das schöne Haus Gottes. Die Kirche hat sein Herz von sich weg entrückt. Sie ist seine geistige Heimat. Sie ist 'seine Mutter und seine Brüder'. Nichts, was sie angeht, läßt ihn gleichgültig und überlegen. In ihren Grund schlägt er seine Wurzeln, nach ihrem Bild formt er sich, in ihre Erfahrung schmiegt er sich ein. Mit ihren Reichtümern fühlt er sich reich. Er hat das Bewußtsein, durch sie, ja durch sie allein an der Unveränderlichkeit Gottes Anteil zu gewinnen. Von ihr lernt er zu leben und zu sterben. Er richtet sie nicht, läßt sich aber von ihr richten. Freudig ist er zu allen Opfern für ihre Einheit bereit."(Die Kirche.- Einsiedeln: Johannes, 1968, S. 218)
Post aus Berlin
Der zweite Mann im Staate hat mich nun auch mit einer e-Mail beehrt. Danke, Herr Lammert!
Ich bin nur ein wenig geknickt, daß sie erst so spät kommt. Andere haben ja schon vor ein paar Tagen berichtet, was auch bei mir drinnen steht. Das lässt sich bestimmt noch optimieren beim nächsten Mal, das Herr Lammert ja quasi ankündigt ("... werde ich mich selbstverständlich auch weiterhin an einem öffentlichen Dialog beteiligen").
Schummelzeit
"Theolügen" wollen wir mal nicht gleich sagen, aber "Theoschummler" schon.
Alexander Kissler hat sich an die Arbeit gemacht, ausgewertet, nachgezählt, klassifiziert, und siehe da: So viele sind sie gar nicht, die Memorandum "Kirche 2011"-Unterzeichner. Und allesamt Professor(inn)en für katholische Theologie an Universitäten im deutschsprachigen Raum schon mal gar nicht. Mindestens "Etikettenschwindel" und ein neuer Fall der "Magie der großen Zahl".
Gut, daß die Medien mit einem anderen Schummelfall beschäftigt sind, da müssen sich die "Theoschummler" schon nicht verteidigen. (Dabei wäre das doch so einfach. Wir hören schon raunen: Erbsenzähler! Korinthenkacker!)
Zum Selberlesen geht es hier zur Tagespost.
17. Februar 2011
Auch der beste Gaul stolpert mal
Also, ich bin ja der Meinung, daß Margot Käßmann den Preis der "Europäischen Kulturstiftung Pro Europa" ruhig hätte annehmen sollen.
Die Annahme selbst wäre nämlich der finale Akt ihrer Zivilcourage gewesen und damit in sich selbst hoch performativ.
Man lese sich nur einmal auf der Homepage der Stiftung den wunderbaren Text durch, mit dem die "Aussetzung" [sic!] der Preisverleihung erklärt wird. Es wimmelt da nur so von herrlichen Blüten voller Stammtischlyrik, die in eine modische Kurzhaarfrisur sich stecken zu lassen tatsächlich ein ganz exzeptionelles Maß an Zivilcourage erfordert:
"Für ihr Lebenswerk war sie schon lange als künftige Preisträgerin vorgesehen. Als die Alkohol-Fahrt der Landes-Bischöfin bekannt wurde stellte sich für uns die Frage, ob ihr Fehler ihr Lebenswerk entwürdigt und die Seelsorgerin unwürdig für eine Preisverleihung macht. Dabei war zu bedenken, dass es keinem Menschen dieser Welt möglich ist, absolut rein und ohne jeden Fehler durchs Leben zu gehen. Auch der beste Gaul stolpert bekanntlich einmal."
"Mit ihrem sofortigen Rücktritt zeigte sie Reue und verdient Vergebung. Die Stiftung war der Meinung, dass Gnade nicht nur göttlich ist: Sie ist auch eine Stütze der Gerechtigkeit."
"Viele von uns waren bereits einmal an einer Veranstaltung und sind mit etwas zuviel Alkohol nach Hause gefahren, ohne erwischt zu werden. Deswegen sollten wir nicht selbstgerecht sein und mit dem Finger auf den Balken im Auge der Anderen zeigen."
"Die Altbischöfin hat uns nach Protesten nun gebeten, von einer Preisverleihung abzusehen; die Stiftung hat daraufhin beschlossen, die Preisverleihung auszusetzen und nach einer anderen Gelegenheit zur Würdigung des Lebenswerkes von Frau Dr. Käßmann zu suchen. Wir hoffen, die blinden Kritiker, die nur auf den Fehler starren und dabei das Gute nicht mehr sehen, mögen noch erkennen, dass vergeben göttlich ist. Besonders bei Betrachtung des persönlichen Schicksals der Altbischöfin."
Das alles, vom stolpernden Gaul über die sehr spezielle Gnadentheologie und den eigenen Blutalkohol bis zu den "blinden" Kritikern, die starren und doch nicht sehen, ist so geradeheraus, so unbekümmert dahingesagt, so ganz ohne Stolpern - das ist entweder blutige Satire oder schlichter Ernst. So oder so aber wäre die Annahme eines Preises ein Hoheslied auf die Zivilcourage gewesen. Das zu hören entgeht uns für jetzt. Aber ausgesetzt ist ja zum Glück nicht abgesetzt. Und der beste Gaul bekommt auch mal wieder Futter.
(Mit Dank an Harki)
Die anderen, Christus und ich
"Wie nur Christus so zu mir sprechen konnte, daß mir geholfen war, so kann auch dem Andern nur von Christus selbst geholfen werden. Das bedeutet aber, daß ich den Andern freigeben muß von allen Versuchen, ihn mit meiner Liebe zu bestimmen, zu zwingen, zu beherrschen. In seiner Freiheit von mir will der Andere geliebt sein als der, der er ist, nämlich als der, für den Christus Mensch wurde, starb und auferstand, für den Christus die Vergebung der Sünde erwarb und ein ewiges Leben bereitet hat. Weil Christus an meinem Bruder schon längst entscheidend gehandelt hat, bevor ich anfangen konnte zu handeln, darum soll ich den Bruder freigeben für Christus, er soll mir nur noch als der begegnen, der er für Christus schon ist."
(Dietrich Bonhoeffer: Gemeinsames Leben.- Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, 2006, S. 31)
16. Februar 2011
ER lässt sich finden
Mehr als ein Gospelsong mit den Gibson Brothers ist heute nicht drin.
(via Ted Lehmanns Blog)
15. Februar 2011
Der Magie der großen Zahlen verfallen
... scheint Publik-Forum. Alles andere als eine Volkskirche ist des Teufels, liest man den Artikel von Hartmut Meesmann über die "letzte Chance", die der katholischen Kirche in unseren Breiten seiner Meinung nach bleibt. Ein unheiliger Rest von weniger als, sagen wir 5 Millionen Katholiken im Land macht die Catholica zur Sekte. Und da hört aller ökumenischer Takt auf, der ja üblicherweise jedes ex-protestantische Konventikel als Kirche im eigentlichen Sinn zu sehen bereit ist. Aber die Catholica - die degradiert dann von der Kirche zur Sekte. Regression zum Anfang sozusagen, zu ihrem Ursprung als jüdische Sekte.
Allerdings - und das lässt uns wieder hoffen - ist das alles nur solange kritisch, bis ein Nachfolger gefunden wird:
"»Ja, es gibt Katholiken und eine Reihe von Bischöfen, die den Weg zur kleinen Herde nicht weiter schlimm finden«, sagt der in Dortmund lehrende Pastoraltheologe Norbert Mette. »Doch eine solche Entwicklung wäre fatal.« Immer noch stünden die Großkirchen – trotz des Missbrauchsskandals – auch für Werte wie Solidarität, gegenseitige Unterstützung und soziale Sensibilität. Wenn die katholische Kirche einfach wegbreche, weil ihr die Mitglieder davonlaufen, hätte dies aus der Sicht des Theologen Konsequenzen, über die sich die Gesellschaft nicht unbedingt freuen sollte. »Es wäre ein Verlust, wenn die katholische Kirche die Caritas einschränken, Kindergärten aufgeben und Schulen schließen müsste. Denn dort geht es immer auch um Nächstenliebe und das Mitleiden mit den Notleidenden.«"
Gesetzt den Fall, daß wir demnächst einen "compassionate islamism" oder sonst eine weitverbreitete Fundierung für die gerechtere und solidarische Gesellschaft haben, für das Publik-Forumsche Reich Gottes, auf das sich alle Hoffnung und alle Gebete richten: Da bräuchten sich Mette und Meesmann nicht mehr mit den verkrusteten Strukturen Altroms herumzuquälen. Ersatz, effektiver Ersatz wäre da. Mehr braucht es nicht.
Oder gibt es da doch noch einen kleinen Mehrwert im Christentum, einen Alleinvertretungsanspruch, ein Alleinstellungsmerkmal? Einen wahren Kern, ein Dogma, das nicht mal die Herren vom P-F fallen lassen würden, wenn sie es auch sonst noch so eifrig als möglich beschweigen? - Ach, schöner Traum. So weit wird es nicht kommen, trotz der 15,000 gesammelten Unterschrift unter die Publik-Forum-Variante von "Kirche 2011".
Die Catholica wird nämlich ihren Marsch oder besser: ihre Pilgerfahrt fortsetzen, manchmal steif und hinkend, manchmal torkelnd und wie im Rausch, dann wieder konzentriert und demütig. Nie aber, nie allein.
Spam-Update - Heute: Ex-Potentaten
70 Milliarden Dollar soll Hosni Mubaraks Vermögen betragen. Da ist es wohl nur ein Tropfen vom großen Dollarmeer, den ich demnächst sichern könnte - mindestens wenn es nach Mister Omar Sam geht, der mir heute morgen ein Mail schickte:
Keine Ahnung, warum der Kollege, den ich in dieser Sache um Rat - "Soll ich oder lieber nicht?" - fragte, mit den Beatles antwortete: "Let it be."
13. Februar 2011
Sonntagsmusik
Für Puristen ist das natürlich nichts, aber für solche wie mich mit amerikanisiertem Musikgeschmack reicht ein "Pie Iesu", gesungen von den Burns Sisters, allemal.
12. Februar 2011
Verheißungen
"Wenn man sagt, die Kirche habe ewige Verheißungen erhalten, die sich alle zusammenfassen in eine einzige Ewigkeitsverheißung, so ist darunter eigentlich die Verheißung zu verstehen, daß sie ihrem eigenen Veraltern, ihrem Verhärten, ihrem Verstarren, ihrer Gewöhnung und ihrem Gedächtnis niemals erliegen wird.
Daß sie niemals zum totem Holz, zur toten Seele wird, niemals bis ans Ende eines Absterbevorganges geht, der mit dem Tod endet.
Daß sie niemals unter ihren Aktenstößen und ihrer Geschichte erstickt.
Daß ihre 'Erinnerungen' sie nie vollständig erdrücken.
Daß sie nie den aufgestapelten Paperassen, der Starre ihrer Bürokratie erliegt.
Und daß die Heiligen immer wieder hervorquellen."
(Charles Pėguy: Wir stehen alle an der Front.- 2. Aufl.- Einsiedeln: Johannes, 1952, S. 56-57)
10. Februar 2011
Neuer Blog in der Zese
Jetzt ist die Blogozese endgültig geadelt: Jetzt, da auch die Pfarrhaushälterinnen bloggen: "Was gibt's denn heute?"
1:0 für die Petition
Legen wir an die momentan zirkulierenden Bekenntnistexte deutscher Katholiken am besten die gleichen, objektiven Maßstäbe der Beurteilung an. Nutzen wir - warum nicht? - das Blablameter, einen Bullshitdetektor für deutsche Texte.
Ergebnis:
Memorandum Freiheit:
Petition pro ecclesia:
Knapp, aber klar.
Staugedanken zum Memorandum
Staus haben ihren Sinn. Zum Beispiel dienen sie zur Entlastung und zu innerseelischen Ver- und Bearbeitungen in schweren Zeiten, wie die folgenden, im Stau vor Frankfurt entstandenen Zeilen zeigen. Der Dichter möchte unbekannt bleiben; nennen wir ihn daher einfach und wie gewünscht A-66 und danken ihm für Gruß und Reime.
Ein Laie, der dem Zeitgeist wehrt,
Der täglich Richtung Frankfurt fährt,
Versucht auf Lammert und Konsorten,
Auf Journalisten in Kohorten,
Auf „Mut“ in Theologenkreisen,
Den der sie füttert frech zu beißen,
Die „Weg-von-Rom!“ ganz neu entfachen –
Sich irgendwie ’nen Reim zu machen:
Die „Deutsche Kirche“ singt – mal wieder –
Die alten „Wir-sind-Kirche"-Lieder.
Jedes Mal die gleiche Chose:
Gequirlte Kritikaster-Soße.
’Gen Rom’ gibt’s sattsam wohlbekannte
„Gravamina der Teutschen Lande“.
Denn sie ist billig, sie ist schick:
Die Romkritik.
Die Kritiker, schaut man nur näher:
Pharisäer.
Eingerostet, wohl bestallt –
Doch ganz schön alt!
Sie begehren auf in Listen:
Als „Deutsche Christen“.
Ihr „Memorandum“ klingt so schal –
Und national.
Die „Deutsche Kirche“ als Modell:
Wie provinziell!
Man mag’s, statt weltweit, allgemein:
Schön kuschlig klein.
Statt Glauben, Beten wird zur Norm:
„Strukturreform“.
„Strukturen der Beteiligung“ –
Nix Heiligung.
„Gemeinde“-Phrasen – schlicht banal:
Doch „synodal!“
Was längst passé und abgemeiert
Jetzt Urständ feiert.
Man holt – mal wieder – aus dem Orkus:
Den „vir(us) probatus“.
Denn voll im Zeitgeist und “modern” –
So hätt’ man’s gern.
Nach Protestanten Art wie toll,
Denn deren Kirchen sind sooo voll!!!
Und so sind all die kruden Thesen
Schon dagewesen.
Und mittendrin im Bla Bla Bla:
Das ZDK.
Die Deutsche Bischofskonferenz
Übt Abstinenz.
Die Bischöfe – statt Mut zu zeigen:
Beredtes Schweigen,
Dass Friede mit den Wölfen werde –
Bei solchen Hirten – arme Herde!
(Doch gilt es auch in diesem Falle:
So sind nicht alle.)
Sed quod dicit noster Deus:
„Nichts Neus!“
Et cogitat subridens:
„Ich kenn’s!“
Dann wendet er sich voller Ruh
Seiner „unae sanctae“ zu.
Spiel mir das Lied von Gott
Blogs sind das ideale Werkzeug, um seine Steckenpferde vor aller Augen zu hegen und zu pflegen.
Zur persönlichen Befriedigung und zur allgemeinen Ablenkung ein Hinweis auf einen Artikel von Joe Carter bei First Things:
"Finding God in the Gaps of Country Music" fragt nach, was diese und andere amerikanische Musikrichtungen zum Thema machen.
Von Gott, Familie, Mutter, Kindern, Vater, Ehe zu singen, ist immer noch das Alleinstellungsmerkmal von C&W.
7. Februar 2011
Screwtape kommentiert ...
(Der C. S. Lewis heisst diesmal Helmut Müller.)
6. Februar 2011
Scipio 2011: mein notwendiger Aufbruch
"Zentraler Gedanke von „Kirche 2011: ein notwendiger Aufbruch“ ist Partizipation: Impulse kirchlicher Erneuerung sollen stärker aus der Gesellschaft kommen, zum Beispiel von Laien und Wissenschaftlern." - so zu finden bei Radio Vatican.
"Wissenschaftlern" - da haben sich die Theologen wohl allererst selbst mitgemeint. "Klassenkampf und Priesterherrschaft der Intellektuellen" hieß das vor ein paar Jahrzehnten bei Helmut Schelsky im Untertitel seines Buchs "Die Arbeit tun die anderen".
"Laien" - da könnte ich mich gemeint fühlen. Bloß: Sorry, ohne mich. Ich habe genug zu schaffen, mein Leben am Laufen zu halten, für Frau und Kinder zu sorgen, meinen Mitarbeitern ein guter Chef zu sein, auf einigen anderen Hochzeiten zu tanzen und das ganze im Sinne des guten Kampfes, des fortwährenden Pilgerns, des frohen, hingebungsvollen, die Gebote aus Liebe zum HErrn übererfüllenden Christenlebens, des sich stets neu aufrappelnden Sünders, der der Vorgabe, des Unterpfands der ihm geschenkten Gnade irgendwie wenigstens "a weng" gerecht werden möchte.
Ich habe also anderes zu tun, an meinem Platz, inmitten der Welt selber. Oder vielleicht besser anders: Wenn ich irgendwie "Impulse kirchlicher Erneuerung" geben sollte, dann durch das, was ich als Christ bin und tue. Hier ist mein Rhodos, mein Rom, mein Bethlehem, Nazareth, Jerusalem.
Dr. Ralph Stanley singt zum Sonntag
Damit es nicht irgendwann heißt: "Ich kannte ihn bisher nicht, aber holy smokes, was für ein toller Song!" und dann ist es zu spät, kommt hier und heute und als Ersatz für das Sonntagslied ein erneuter Hinweis auf Dr. Ralph Stanley.
Im gleichen Jahr 1927 geboren wie der jüngst verstorbene Charlie Louvin, wie Charlie die überlebende Hälfte eines berühmten Brother-Duos, sind sie von verschiedenem musikalischem Temperament: Gerade im Kontrast zu dem entspannten Charlie Louvin wirkt Ralph Stanley immer intensiv, oft schwermütig, zunehmend auch verinnerlicht. Kein Wunder, daß er seine Musik "Mountain Soul" nennt...
Hier nun das Promotion-Video seines neuesten Gospel-Albums mit Interviewstücken, Testimonials und Proben seines Könnens durch die Jahrzehnte.
5. Februar 2011
Dreifacher Nachschlag aufs Memorandum zum notwendigen Aufbruch
Kann sich überhaupt jemand vorstellen, wie sich die inzwischen 167 Theologieprofessor/inn/en gefühlt haben müssen, als der Papst "Anglicanorum Coetibus" veröffentlichte? Noch mehr von den Falschen am eigenen, katholischen Tisch, nicht wahr?
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Die Meldung, auf die wir vergebens warten werden*:
ZOLLITSCH FORDERT KLARES BEKENNTNIS
Theologen müssen Zweites Vatikanisches Konzil anerkennen
Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hat von den Theologieprofessoren, die das Memorandum zur Abschaffung des Zölibats unterschrieben haben, ein klares Bekenntnis zum Zweiten Vatikanischen Konzil und zur Autorität des Papstes gefordert. (...)
Mit Blick auf die protestierenden Theologen forderte die katholische Laienbewegung "Wir sind Kirche" die Bischofskonferenz zu einem klaren Kurs auf. Er erwarte, dass die Bischöfe Klartext redeten, sagte der Sprecher der Bewegung, Christian Weisner, im Deutschlandradio Kultur. Es sei für die Menschen in der Kirche und für andere nicht verständlich, wie eine so kleine Splittergruppe die große katholische Kirche unter Druck setze. Die Bewegung will am Dienstag eine Petition "für die volle Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils" an die Bischofskonferenz überreichen."
Dabei sollte die vollständige Anerkennung des Konzils doch für die Damen und Herren ein Leichtes sein, wo sie mit Hünermann, Schmiedl und vermutlich noch ein paar anderen ausgewiesene Konzilskenner an Bord haben...
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"Dialog ohne Tabus" - Echt! Soll, darf, muß dann wirklich alles, ALLES! auf den Tisch? Nicht nur die paar moraltheologischen, ekklesiologischen oder kirchenrechtlichen Streitpunkte? Oder gerne auch mehr, je nach persönlichem Gusto? So wie es Euer Mitunterzeichner Magnus Striet jüngst gefordert hat:
"Das, was wir heute glauben können, was wir redlich nachvollziehen können, ist nicht mehr der Glaube, den Menschen vergangener Generationen gehabt haben. Es ist auch nicht der Glaube, den Jesus selbst gehabt hat, denn auch Jesus hat im Weltbild seiner Zeit existiert. Das heißt, wir brauchen einen viel dynamischeren Begriff von Offenbarung. Das muss immer wieder neu gedacht und kompatibel gemacht werden mit dem Wissen der Welt. Es muss relativiert und historisiert werden und es muss neu darüber nachgedacht werden, was heutzutage noch zu glauben ist."
Wenn Ihr das wirklich so meint, liebe Schwestern und Brüder, dann ist der eschatologische Grundton der Erklärung wirklich berechtigt. Dann haben wir in Deutschland (oder wenigstens an den katholischen Fakultäten des Landes) Matthäi am letzten.
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* Um Mißverständnissen vorzubeugen: Der Text des nachfolgenden Zeitungsartikels stammt aus der Presseberichterstattung über die Piusbruderschaft; er wurde von mir nur an den entsprechenden Stellen umformuliert.
4. Februar 2011
Lokalkirche im präschismatischen Zustand
Nun, nach Lammert und Kollegen und dem Mainzer Kardinal die nächste Eskalationsstufe des "Dialogs":
Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch"
Danach kommt eine entsprechende Initiative des Diözesan- und Ordensklerus und eine offizielles und gemensames Statement von ZdK und allen Diözesanräten.
Anschließend wird ein Bischof, der nichts mehr zu verlieren hat, unter dem Beifall der katholischen und anderen Massen einen ersten "mutigen" Schritt gehen und hoppla: Wir sind im Schisma angekommen!
Oremus.
3. Februar 2011
2. Februar 2011
Pause! Ab auf die Insel!
Bei so viel katholischem Hin- und Hergehacke (zu dem ich meinen Senf gestern nacht auch dazugeben musste) braucht es Momente des blitzschnellen Exodus, des vertikalen Herausgebeamtwerdens aus der dichten, dräuenden Malaise.
Versuchen wir das jetzt einmal mit einem wirklich lehrreichen Video über England, Großbritannien, das Vereinigte Königreich und einiges andere mehr. Wenn das nicht entspannt, dann weiß ich auch nicht. (Ach ja: Englischkenntnisse wären empfehlenswert.)
(via Grey's Blog)
1. Februar 2011
Kardinalsstück
Neudeutsch nennt man das wohl eine One-Page-Summary, die Kardinal Lehmann anläßlich der momentan Zölibatsdiskussion verfasste. Denn Neues sagt er nicht, stattdessen liefert er ein komprimiertes Meisterstück Lehmannschen Denkens und Wirkens ab - auf nur einer Seite.
Da gibt es Biographisches ("Initiativen" von 1970, die Synode, der "Bischof, der lange in Deutschland wirkt") und gar manches Ich-Statement; da gibt es väterlich-brüderlichen Tadel nach allen Seiten, speziell aber für den Historiker, der kürzlich als Kardinal "eingesetzt" wurde - ohne pastorale Erfahrung, wie der Kardinal anklingen lässt - und der deshalb, so darf man schließen, besser den Mund halten sollte; da gibt es Weihrauch für die verdienten Politiker, die sich zwar als Privatpersonen zum Zölibat äußerten, nun aber wegen ihrer Ämter und Verdienste keinesfalls "beschimpft" werden dürfen; da gibt es eine solche Entschiedenheit, daß man sich fast verzweifelt fragt, wozu bloß sie sich entschieden hat.
Da steht nach allen wohlgesetzten Worten am Ende jener Zauberort der "neuen Mitte" im "Dialogprozess", wo sich die coincidentia oppositorum ereignen soll, wo aus dem Zusammenprall der Materie der Tradition und des kirchlichen Bekenntnisses mit der Antimaterie der Zeitgemäßheit das Neue, vielleicht gar ein "novus ordo seclorum" entsteht, die neue Synthese von civitas Dei und civitas mundi, fortwährend gespeist vom ewig raunenden, fest entschlossenen Dialog.
Der glückliche Sisyphus
"Antwort auf die Frage nach meinen zehn bevorzugten Lieblingswörtern: Die Welt, der Schmerz, die Erde, die Mutter, die Menschen, die Wüste, die Ehre, der Sommer, das Meer." (Albert Camus)
Die dazugehörigen Fotos des Dichters bei der Zeit.
30. Januar 2011
Sonntagslied
Sozusagen eine 21st-Century-Folk-Version des ignatianischen Lebensmottos "Omnia ad maiorem DEI gloriam" präsentieren hier "Ivan and Alyosha", eine Zwei-Mann-Gruppe aus Seattle. Tongue in cheek zwar, aber dennoch very enjoyable.
"We enjoy having a drink, making love with our wives and singing hymns (not necessarily in that order), so we put it all together in one song. In the wrong context or in excess the things we're singing about can be destructive, but if done right can be very enjoyable. We strive to do (or not do) these things in a way that glorifies the Lord of above." (Quelle)
Unam Sanctam Catholicam et Despicatam* Ecclesiam
Merke: Die einzige Kirche, über die sich Katholiken und Christen anderer Konfessionen ohne Sanktionen beim Tischgespräch abfällig und, wenn es sein muß, auch leicht angeekelt äußern dürfen, ist die römisch-katholische. Gerne auch während die "Gebetswoche für die Einheit der Christen" läuft.
Nicht daß das etwas Neues wäre, natürlich.
Ich bin inzwischen geneigt, das sogar als paradoxes Zeichen ihrer göttlichen Sendung zu betrachten.
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* despicatus, -a, um (lat.) - verachtet
29. Januar 2011
Blogozesenperle
Nehmt es mir nicht übel: Wir hatten schon viele neue Blogs zu begrüßen, jedes Mal mit großer Freude. Aber selten haben mich die ersten Posts so berührt wie die von Magdalena auf ihrem jungen Blog "Von Rosen und Perlen".
Rosen und Perlen - ja, wirklich. Und wer sich unters Patronat einer jungen, lockigen, energischen Nordfranzösin stellt, hat bei mir eh einen Stein im Brett.
(Und außerdem gebe ich ihr recht, wenn sie nach mehr "katholischen Alltagsbloggern" fragt - auch wenn das, aus verschiedenen Gründen, nicht mein Weg war und ist.)
26. Januar 2011
Das kleine Buch vom richtigen Urinal
Die etwas andere Einführung ins geistliche Leben, eigens für Männer:
"Choosing the Right Urinal: A Man's Guide to Life".
Nicht ganz stubenrein, aber in ernsthafter Absicht. Kostenlos als PDF beim Autor Kyle Heimann zum Herunterladen. Nicht jedermanns Sache, aber so gehaltvoll wie manch ein "Anselm Grün" allemal.
(via Curt Jester)
Wo's wirklich brennt!
Oder: Die Amis merken mal wieder nichts.
Ich weiß ja auch nicht, wie die Amerikaner darauf kommen, Jahr für Jahr in Washington ihren "Marsch für das Leben" abzuhalten. Immer das gleiche Thema. Man kann's auch übertreiben mit dem Schutz ungeborenen Lebens, oder? Da holst Du gerade im Winter keinen Hund hinterm Ofen vor.
Warum wenden die sich nicht auch mal anderen brennenden Themen zu, solchen, wo sich wirklich alle Menschen guten Willens zusammenfinden können? Keine Gräben aufreißen, Brücken bauen - das ist angesagt. Das fördert auch die Ökumene: Gerade wo die Kirchen sich so schwer tun, gemeinsam Stellung zu beziehen zu Stammzellen und PID, von der leidigen Frage der Schwangerschaftsunterbrechung mal ganz abgesehen.
Themen gibt es genug, die allen auf den Nägeln brennen, ob katholisch oder evangelisch, ob für oder gegen Abtreibung, ob ledig oder irgendwie verpartnert, ob jung oder alt: Das Ehrenamt zum Beispiel und seine Bedeutung für die Gesellschaft. Oder die Solidarität der Generationen in Zeiten demographischen Wandels. Oder die Institutionen, die den Zusammenhalt zwischen den Menschen fördern: Kommunen, Vereine, Verbände, Kirchengemeinden?
Warum also, liebe Amis, macht Ihr es - kurz gesagt - nicht den deutschen Kirchen nach, die den Dreijahreszyklus ihrer "Woche für das Leben" tatsächlich unter diesen dreifachen Schwerpunkt gestellt haben? Warum künstlich ein Thema am Kochen halten, das doch keinen mehr aufregt? Warum Spaltung und Zwietracht säen, warum am Ende auch noch den amerikanischen Präsidenten Obama ankratzen? - Die Welt hat andere Sorgen. Aber echt.
Wir dagegen, unsere Kirchen, machen's anders: Evangeliumsgemäß kann man sogar sagen. Sie sind "Salz der Erde": es löst sich auf, wird unsichtbar, verdünnt, ist bescheiden sozusagen, drängt sich niemandem auf. Volkskirche im besten Sinne des Wortes: Wo Volk oder Gesellschaft draufsteht, kann eben auch ein bißchen Kirche drin sein. Klar, nicht zu viel, von wegen säkular und multikulti, von wegen in der Moderne und Postmoderne angekommen.
25. Januar 2011
Subversiv, riskant, letztes Wagnis
"Wir sehen uns mit einer Wirklichkeit konfrontiert, in der das hingebungsvolle und für manche sogar als konservativ verschriene Konzept der monogamen Liebe paradoxerweise zur letzten Option subversiven Handelns aufsteigt. Treue als der neue Nervenkitzel also. Und wer wirklich Mumm hat, der wählt den Weg des allergrößten Risikos: die Ehe.
Das ist pures Adrenalin, mehr Abenteuer, als es jede Affäre sein kann, wie der (geschiedene) Kulturphilosoph Slavoj Zizek mit einem Beispiel bestätigt: 'Eine Frau führt ein zufriedenes, ruhiges Leben mit zwei Männern. Dann lässt sie sich auf ein riskantes Experiment ein und heiratet, doch dieser Versuch scheitert kläglich, und sie kehrt zur gewohnten Sicherheit des Lebens mit zwei Männern zurück.' In unserer postmodernen Welt des Exzesses sind die Verheirateten die eigentlich subversiven Menschen. Das hätten stramme Kommunarden noch vor Jahren für unmöglich gehalten: Wir sind in einer Zeit angekommen, in der die Ehe die gewagteste aller Überschreitungen ist."
Klingt fast wie Chesterton oder Péguy, ist aber von Tomasz Kurianowicz und aus der FAZ.
Und da fordern die Vorzeigekatholiken der CDU, die Priester heiraten zu lassen. Wissen sie, was sie da tun? - Man hofft, sie wissen's (außer vielleicht der ledigen Frau Schavan und dem ledigen Herrn Vogel).
23. Januar 2011
Alltägliches Deutsch
Bei Lila habe ich - aus den Kommentaren? - den Link mitgenommen:
Die achte Umfrage zum regionalen Alltagsdeutsch läuft und die Augsburger Germanisten freuen sich bestimmt über viele, die antworten.
... just like they say nothing good ever lasts
Einen Blick zurück in Wehmut wirft im Sontagslied Iris DeMent, zusammen mit Emmylou Harris als zweiter Stimme, Jerry Douglas an der Dobro und einem unbekannten Fiedler (Aly Bain?): "Our Town". Etwas älter die Aufnahme, aber der Inhalt? So alt wie jedes Heimweh, jede Saudade, jeder Blues.
Liturgische Anmerkungen mit Handke als Auslöser
Im Heft der "Communio" vom November/Dezember 2010 bin ich auf ein Zitat Peter Handkes gestoßen; es stammt aus einem aktuellen Interview, das Ulrich Greiner von der "ZEIT" im November mit ihm führte.
Die Passage in ihrem Kontext lautet:
"ZEIT: Sind Sie ein religiöser Autor?
Handke: Die Frage beantworte ich nicht.
ZEIT: Das Religiöse taucht bei Ihnen immer wieder auf, wenn auch nicht direkt.
Handke: Man kann es nur streifen. Wenn jemand nur sagt, er sei religiös, geht mir das auf die Nerven. Wenn er nicht erzählt, was das ist. Das Erzählen ist das Entscheidende. Wenn ich an der heiligen Messe teilnehme, ist das für mich ein Reinigungsmoment sondergleichen. Wenn ich die Worte der Heiligen Schrift höre, die Lesung, die Apostelbriefe, die Evangelien, die Wandlung miterlebe, die Kommunion und den Segen am Schluss »Gehet hin in Frieden!«, dann denke ich, dass ich an den Gottesdienst glaube. Ich weiß nicht, ob ich an Gott glaube, aber an den Gottesdienst glaube ich. Die Eucharistie ist für mich spannender, die Tränen, die Freude, die man dabei empfindet, sind wahrhaftiger als die offizielle Religion. Ich weiß, ich habe, wenn ich das sage, eine Schattenlinie übersprungen, aber dazu stehe ich.
ZEIT: Bevorzugen Sie die alte oder die neue Liturgie?
Handke: Ich habe da keine Ideologie. Das Geheimnis des Glaubens, wie es nach der Wandlung heißt, kann man auch erleben, wenn der Priester einem zugewendet ist. Ich kann schon verstehen, wenn es einigen leidtut, dass die Unnahbarkeit des Vermittlers verschwunden ist. Das ist ein Paradox: der unnahbare Vermittler. Aber er bleibt ja auch unnahbar, wenn er sich der Gemeinde zuwendet.
ZEIT: Solange man spürt, dass er in diesem Augenblick eine andere Person ist.
Handke: Das ist wichtig. Wenn er anfängt, familiär zu werden, verlässt mich die Offenbarung. Der heilige Augenblick verschwindet. Martin Mosebach hat einen schönen Aufsatz über die Ikonen geschrieben, wo er zeigt, wie es den Malermönchen darauf ankam, das Heilige zu bewahren, die Reinheit des Gesichts. Ein Gesicht zu erleben kann für mich die Rettung sein, daraufhin schreibe ich. Das ist auch eine Offenbarung. Das Entscheidende ist für mich das Gesicht des anderen."
Nein, es geht mir hier nicht um die Frage der Zelebrationsrichtung, nicht um alt gegen neu, auch nicht um die Person Handkes, seinen Glauben oder seine politischen Positionen.
Ich weiß nicht, ob ich Handke verstehe, wenn er sagt, das "Erzählen" sei das "Entscheidende". Aber das eine verstehe ich, und ich denke, ich verstehe es mit ihm: Daß Liturgie, daß Gottesdienst etwas ist, das nicht je jetzt produziert wird, das als vorgegeben existiert, als Geschehen, in dem sich ein anderes, gleichzeitig historisch und anderzeitlich Geschehen(d)es ereignet - und daß das eigentlich schon reicht. Mehr als reicht. Daß die Tränen und die Freude, das Sehen und Gesehensein direkt in die Wirklichkeit des HErrn hineinführen.
Daß dieses Geschehen unerschöpflich ist: Weil es eben die Taten des HErrn erzählt, vergegenwärtigt, ihnen als Bild und als Mittel dient.
Und was mich genau deswegen schmerzt, mehr schmerzt als ärgert, auch wenn der Ärger mindestens im Blog sichtbarer ist: Daß das anscheinend so wenig verstanden und "praktiziert" wird. Wenn ich mir das Menschengemachte in unseren Gottesdiensten so anschaue: die "Einleitung", die Predigt, die Fürbitten, irgendwelche Überleitungen und meditative Gedanken nach der Kommunion - sie alle werden meistens so vorgetragen, als ob sie etwas hinzufügten und mit einem Mehrwert ankämen. Aber einmal springen sie schon einmal sprachlich, ästhetisch viel zu kurz, so daß es oft einfach beschämend ist. (Und nein, meistens sind es eben auch nicht solche, die spontan aus dem Inneren kommen, sodaß man ihnen eine gewisse Unfertigkeit zugute halten könnte.)
Und "inhaltlich"? In vielen Fällen sind es Allgemeinplätze, gutmeinende Moralitäten, ausgewalzte Bilder, die dem Ungeheuren, Überraschenden, Spannenden, dem Schlichten, dem WORT und seinem Paschamysterium (und der Tiefe unseres eigenen Erlebens und unserer eigenen Geschichte) nicht einmal nahe kommen. Geschweige denn etwas aus der Fülle des Geschehens zum Leuchten brächten.
Man könnte fast sagen: Das alles sind die Lettner und Ikonostasen der postkonziliaren Zeit, die den Blick verstellen. So weit her ist es mit dem versum Populo nicht. Wir sehen und hören jetzt alles. Nichts ist mehr im Geflüster und im Halbdunkel verblieben, nichts vor unseren Blicken geschützt. Und doch baut sich die Soundbarriere auf, und dazu manchmal eine des Gehampels oder eines des "Jeder darf mal ran, ob groß, ob klein". Wir sehen und hören, aber wir schauen und vernehmen nicht.
Wenn Denis die Fürbitten lesen darf...
Im liturgischen Jahr sind wir bei den Sonntagen angekommen, an denen sich die "Kommionkinder" und "Firmlinge" in speziell gestalteten Eucharistiefeiern ihren Gemeinden "vorstellen": mit ihrem schnell ins Mikro gerufenen oder gehauchten Namem, mit einem Foto auf einer bunten Pinnwand, mit Gehusche im Altarraum und dem Vortragen von Fürbitten und Gaben.
Bei den Fürbitten weiß man an solchen Gelegenheiten ja nie, was kommt. Aber als ich dann gestern abend hörte: "Wir wollen einen trinken für den Frieden", wusste ich, daß da was nicht stimmt, und weil es um mich herum nicht zuckte, war ich wohl wieder einmal der einzige, der sich kreativ verhört hatte.
19. Januar 2011
"Fließendes Deutsch" (Aus der Reihe "Spamtrends")
Nach den spammenden Akademikerinnen und ihren männlichen Pendants überschwemmen mich aktuell nicht-akademische Frauen mit schönen, traditionellen, quasi volksdeutschen Namen wie Lieselotte Schroeder, Helga Pohl, Mareike Boehm und Beate Weber mit Angeboten, wie sie mit irgendwas Blauem mein "S-exle-ben aufpeppeln" möchten.
Da fällt dann wiederum ein Stellenangebot von "Chris Collinson, HR Department, Jasckson Logistic" positiv auf. Ich bin wirklich am Überlegen...
Sehr geehrte
Ich heibe Chris Collinson und ich habe ein Angebot fur Sie!
Unser Unternehmen Jasckson Logistic sucht im Moment neue Arbeitskrafte! Wir haben Ihre Bewerbungsunterlagen bei uns vor einige Zeit
liegen gefunden und jetzt mochten wir Ihnen eine Stelle von unseren AuBendienstvertreter anbieten.
Was spricht dafur? Keine vorherige Erfahrung notig! wir machen gratis ein Training fur Sie, falls Sie mit uns kooperieren.
Schauen Sie, was wir Ihnen anbieten:
Stelle: AuBendienstvertreter
Bedingungen:
Deutsche Staatsangehorigkeit,
FlieBendes Deutsch,
Grundkenntnisse von Microsoft Word und Microsoft Excel,
Grundkenntnisse von Konsumelektronik
PC mit Email- und Moglichkeit die Emails min. 2mal taglich zu prufen
Drucker, Scanner
Volljahrigkeit
Beschreibung:
- Briefe vom unseren Mitarbeiter regelmaBig empfangen,
- Einen Bericht ausfertigen und ihn an den Obermanager verschicken (Der Arbeitnehmer ist einem Obermanager unterordnet),
- die angekommene Postsendungen, gemaB unserer Vorschriften, weiterzuleiten,
- die Unterlagen, mit Angabe aller Details der Artikel, auszufullen (Der Arbeitnehmer bekommt alle ausfuhrlichen Dokumente fur jede Verpackung per Email),
- die Ware versenden.
Personliche Eigenschaften:
Ehrlichkeit
Geselligkeit
Teamfahigkeit
Hoflichkeit
Die Vergutung:
20. pro jede erfolgreich versendete Postsendung (ca.3000 . monatlich) mit Check oder per Uberweisung einmal pro Monat.
Klar, man ist halt immer noch einem Obermanager untergeordnet. Aber 150 Postsendungen erfolgreich verschicken, das sollte zu machen sein. Ich sehe echt nicht, wo da der Haken sein sollte.
Katholische Schriftsteller, nicht bei der Arbeit - Folge 6

Was genau Les Murray im Glas erhebt, ist fraglich. Theoretisch könnte es auch Wasser sein.
Guter Katholik, der er ist, sieht Murray GOtt in und hinter allem Geschaffenen. Oder vielleicht besser: Er hört ihn heraus.
Seine Gedichtbände tragen allesamt die Widmung "To the glory of God". Auch wenn (gerade weil?) sie keine ausgesprochen religiöse Gedichte enthalten, schon gar keine erbaulichen.
Schwere schöne Kost
"Dieser Band [die 1961 erschienene Gesamtausgabe der Gedichte] ist bis zu dem hier vorliegenden über 44 Jahre lang das letzte Buch mit Gedichten von Konrad Weiß geblieben." - So schreibt es Norbert Hummelt in seinem Nachwort zu "Eines Morgens Schnee".
Falls es bis zur nächsten Weißausgabe wieder solange dauert, sorgen innovative Technologien wenigstens dafür, daß "Eines Morgens Schnee" nicht vergriffen ist:
Spaß beiseite. Konrad Weiß ist schwere Kost. Zwischen kurzem Blitzen und Aufblitzen dunkle Zeilen und Strophen. Halbsätze, federleicht, Bilder, die sich ins Herz legen. Nicht zu gebrauchen im Streit oder fürs schnelle Zitat. Stattdessen Fenster in die Mitte der Welt.
::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::
Durch ein offenes Fenster
Wenn die Vögel im Regen zwitschern
oder flöten und aufhören,
hören
und sind wieder im Zwitschern,
ist das immer,
als ob man trinke
oder den Wein in der Kehle spüre,
und gekehrt zum Tage
ist man nicht mehr entzweit,
sondern hat nur
das eigene Herz in der trinkenden Kehle.
17. Januar 2011
Nachtmusik mit KORT
Hach, was war'n das noch Zeiten, als wir zusammen Beeren pflücken gingen und uns rundum amüsierten. Jetzt, Jahrzehnte später, sitzen wir vorm Bildschirm und bloggen drüber. Und hören Kurt Wagner und Cortney Tidwell Lieder davon singen.
Digitalisierte Aszese und Mystik
Vermeldet werden muß unbedingt, daß seit ein paar Tagen alle Jahrgänge der 1926 gegründeten "Zeitschrift für Aszese und Mystik", seit 1947 besser bekannt unter dem Titel "Geist und Leben", bis herauf ins Jahr 2006 digital und "OCRed" dem interessierten Leser kostenfrei zur Verfügung stehen.
Hier geht es zum Archiv mit über 4.500 Artikeln.
Ein großes Kompliment dem Verlag und der Redaktion mit dem Chefredakteur P. Andreas Schönfeldt sj, diese über 80 Jahre deutscher Frömmigkeitsgeschichte und spiritueller Theologie zugänglich gemacht zu haben!
(via Radio Vatican)
Pop im Visier

Und jetzt geht's in Pakistan auch noch gegen Popmusik. Was kommt als nächstes? Deutsche Schlager? Böhmische Blasmusik?
(Bild via Rorate Caeli)
16. Januar 2011
Konrad Weiß: Die eine Rose
Während wir uns schlugen auf den Wegen,
Wort um Worte rührten, was die Worte wollten, tiefer spürten,
während wir dem Sinn entgegen
uns durch wache Wildnis trugen,
um ein schlafend Bild umsonst doch Worte
wacher schickend nur sein Schlafen schürten,
und von Ort zu Orte
horchten und die Zungen in uns schlugen,
fiel auf eine Rose vieler Regen.
"Sinnbild der Geschichte" - so schrieb Konrad Weiß handschriftlich über dieses Gedicht.
Von Lorenz Wachinger das Manuskript eines Radiobeitrags über den fast vergessenen katholischen Dichter, von Michael Braun die kurze Besprechung einer neuen Auswahl aus Weiß' Gedichten, von der nicht nur ich bis dato nichts gehört hatte.
Kirchenstars mit Stripes
Zu den innerkirchlichen Schlagzeilen der Woche gehört neben der angekündigten Seligsprechung von Papst Johannes Paul Il. und der Weihe dreier ehemals anglikanischer Bischöfe zu katholischen Priestern zum Dienst im Personalordinariat Unserer Lieben Frau von Walsingham die Begegnung der Gründer des "Neokatechumenalen Wegs" mit Papst Benedikt XVI. Nun stehen die Neokatechumenen wie viele andere Geistliche Erneuerungsbewegungen nicht nur in der Diskussion, sondern mancherorts im Kreuzfeuer. Der Verbannung aus Japan sind sie wohl gerade noch knapp entronnen.
Sei dem, wie es sei: Mangels Wissen und eigener Erfahrung halte ich dazu meinen Mund, nicht allerdings ohne noch zuvor zu bemerken, daß das Sweatshirt von Carmen Hernandez wohl hoffentlich gelebter Armut zuzurechnen ist - und nicht einem Sponsoring-Vertrag mit dem Herzogenauracher Sportartikelhersteller mit den drei Streifen.
15. Januar 2011
Licht
Leser U. hat mich darauf hingewiesen - und freilich: diesen Hinweis gebe ich gern weiter: Deus Lux est heißt der neue Blog von Iris.
Auf ein frohes, ausdauerndes und gesegnetes Bloggen - auf daß es die Blogozese und ihre Leserschaft bereichere!
Prophetisches aus dem Mai 2005
"Ich hingegen versuche mich nun als Prophet: es wird, wenn Gott will, dieser Papst sein, dieses Pontifikat, das die Seligsprechung Johannes Paul II sehen wird. Und noch eine zweite Prophezeiung knüpfe ich an: es wird, wenn Gott es so will, dieser Papst sein, Benedict XVI, der seinen Freund und Vorgänger Johannes Paul II, den Menschen Karol Woytila, heilig spricht. Ich biete darob eine Wette an. Wer hält dagegen?"
Für den ersten Teil seines vor fünfeinhalb Jahren getanen Prophetenspruchs hat Erich schon einmal recht behalten - sofern nichts mehr dazwischen kommt. Am zweiten Teil arbeitet die göttliche Vorsehung noch.
13. Januar 2011
Fröhlich-trotzig-lüstige Zuversicht
"Glaube ist eine verwegene Zuversicht auf Gottes Gnade. Solche Zuversicht macht fröhlich, trotzig und lüstig gegen Gott und alle Creaturn."
Wahrscheinlich von Luther , steht aber in Lewitscharoffs "consummatus" auf Seite 232.
12. Januar 2011
Der erste denkende Mensch in der Kirche
Der neue Geistliche Rektor des "ZDK" in einem Interview mit der Heimatzeitung auf die Frage nach seinem "schönsten Moment als Dekan":
"Als Rektor, Seelsorger und Dekan habe ich den schönsten Moment bei einem Kirchenaustrittsgespräch erlebt. Eine Person sagte: »Ich habe etwas erfahren, was ich seit Jahren nicht geglaubt habe: dass es in dieser Kirche denkende Menschen gibt.« Da war ich hin und weg über die Rückmeldung. Soweit ich weiß, ist derjenige nicht ausgetreten."
Aus dem Mund eines Bloggers, der ab und an ähnlich empfindet, klänge sowas arrogant. Naja: quod licet Iovi, non licet bovi.
11. Januar 2011
Du sollst keinen "Dicken Pitter" neben mir haben
Die Wahrheit über die verstummte Glocke des Kölner Doms, aufgedeckt und wohlwollenden Betrachtern präsentiert von EchoRomeo.
...kill him on the road to glory
Wo wir's gerade vom zu tötenden Buddha hatten und von der Suche nach der Verbindung des Lebens mit dem "tiefen Geheimnis": hier der Song dazu und hier der Text zum Song zum Mitsingen.
Enjoy.
Die Gesundheitschecker
Wer sich in die politisch korrekten Sprechfiguren des neuen Jahres schon einmal einhören und -lesen mag, dem sei der Bericht über die Neujahrsbegegnung zwischen dem Freiburger Erzbischof und der dortigen Theologischen Fakultät ans Herz gelegt.
Bei der Lektüre kann man sich schon mal an das Wort des Jahres gewöhnen. "Di-a-log-i-ni-ti-a-ti-ve" heißt es und Eckhard Henscheid beißt sich bestimmt in den Hintern, daß er es nicht in sein "Dummdeutsch" mitaufgenommen hat. Es eignet sich ideal als Mantra, da bei aller Aufladung mit Sinn und Bedeutung - "Gesundheitscheck", "Teil der Therapie" etc etc - ein heiliger Rest von Sinnlosigkeit bleibt. Dialoginitiative - das killt noch jeden Buddha. Dialoginitiative - das klingt mundgerecht gerade auch für solche moderne Menschen, die auf der Suche sind nach der "Verbindung ihres Lebens mit dem tiefen Geheimnis, das wir Gott nennen".
Aber Schluß mit den ironischen Auslassungen. Scipio, freu Dich lieber mit den in Freiburg Versammelten auf den Papstbesuch. Denn da kommt einer, der ganz gewisslich seine eigene "Dialoginitiative" weiterverfolgt: die der Einladung zum Dialog mit IHM und nicht nur zum ewig-plätschernden Dialog, sondern auch zur Lebensentscheidung und Lebenshingabe an den, der sich für uns hingegeben hat.
Volltreffer
Du öffnest das Neue Testament - und der Blick fällt unvermeidlich auf das treffende Wort. Heute, für mich:
"Ihr aber, Brüder, werdet nicht müde, Gutes zu tun." (2 Thess 3, 13)
9. Januar 2011
Lesen 2011
Auch wenn ich inzwischen ausgiebig mobil surfe, maile, Musik höre und hin und wieder auch blogge: Meine Bücher lese ich nach wie vor in gedruckter Form und sehe auch noch nicht, daß sich das demnächst ändert.
Aber daß das Universale Netz einiges an Butter bei die Fische gibt, ist klar, und mit mobilem Gerät geht natürlich einiges mehr als ohne. Schließlich sitzt man ja beim Lesen meistens nicht vorm PC und eine Liste von Dingen, die man im Netz nachschauen will - so organisiert bin ich nicht.
Ich las letzthin das Buch über die "spirituelle Reise" von Flannery O'Connor, in dem Lorraine V. Murray aus den Erzählungen, Romanen und vor allem den Briefen der zurückgezogen lebenden und von Persönlichem eher schweigenden Schriftstellerin ihr geistliches Universum nachzeichnet. Man muß dafür nicht unbedingt wissen, wie es in Milledgeville, Georgia aussieht und zugeht, aber mit Hilfe von Google Streetview die East Hancock Street zur ihrer Pfarrkirche unterwegs sein zu können, ist schon ein schönes Add-on, das verstehen hilft.
Und wenn Sibylle Lewitscharoff in meiner derzeitigen Lektüre, dem Roman "Consummatus", ihren Orpheus feststellen lässt:
"Als Sprecher bricht [Richard Burton] alle Rekorde. Wenn er zum Beispiel die Gedichte von Dylan Thomas vorträgt, mit seinem unnachähmlichen walisischen R",
dann lässt sich das mit YouTube nachprüfen und nachkosten.
8. Januar 2011
Kreativität im Christenleben
"The creative action of the Christian's life is to prepare his death in Christ. It is a continuous action in which this world's goods are utilized to the fullest, both positive gifts and what Père Teilhard de Chardin calls 'passive diminishments'." (Mystery and Manners.- New York: Noonday, 1995, S. 223)
So leichthin und trocken schreiben darf das, wer schon 10 Jahre an einer tödlich verlaufenden Krankheit leidet und dann mit 39 Jahren stirbt. Flannery O'Connor z.B.
6. Januar 2011
Blindgänger der Woche
"Sicher ist die Lage für christliche Minderheiten in Ländern wie Ägypten schwierig, im Irak sogar dramatisch. Das Wort von der Christenverfolgung setzt ihr Schicksal aber mit dem der frühen Christen gleich, die im Römischen Reich einst verfolgt, gekreuzigt oder den Löwen zum Fraß vorgeworfen wurden. Diese Gleichsetzung ist zumindest fragwürdig. Heute bilden Christen schließlich keine kleine Sekte mehr, die um ihr Überleben ringen muss, sondern die größte Religionsgemeinschaft der Welt." (Daniel Bax in der taz)
Bax, sagen Sie das doch einfach mal den Christen, die in "China, Nordkorea, Pakistan oder Ägypten" drangsaliert werden, die einsitzen und gefoltert werden, und zwar wegen ihres Glaubens und wegen nichts anderem - sagen Sie denen das doch einfach mal ins Gesicht. Seit Kaiser Konstantin hat es nach dieser Logik keine "Christenverfolgung" mehr gegeben. Schön wär's.
Conditio humana

Nach Abschaffung der Erbsünde kommt die Psychologie ans Ende ihrer Weisheit.
(Cartoon via Savage Chickens)
Wertungsfreier Kirchenjournalismus

Dietmar Heeg, Priester des Bistums Mainz, ist Beauftagter der DBK für verschiedene private TV-Sender und produziert bei kirche.tv kleine Spots.
Nun sind 1:50 min nicht viel Zeit, um richtig in Tiefe und Detail zu gehen. Wenn es allerdings in einer Reihe zu den Kirchenredakteuren großer deutscher Zeitungen über die Herren Deckers (FAZ) und Drobinski (SZ) heißt, sie seien studierte Theologen, sie wüssten, wovon sie schrieben, ist das ein bißchen dünn.
Auch der Metzger, der ein Schwein in einen anderen Aggregatzustand überführen will, hat seine Lehre erfolgreich absolviert, vielleicht gar als Jahrgangsbester. Er weiß, was er tut. Er hat bloß, wie man neudeutsch sagt, eine andere Agenda als das Schwein.
5. Januar 2011
Verwandtschaften
Die Attraktivität des Dalai Lama ist kein neues Phänomen, wie folgendes Zitat zeigt:
"In another letter ... [Flannery O'Connor] mentioned that Mauriac had written about sitting next to Cardinal Spellman at some function and later said that he would have felt 'more spiritual kinship' with the Dalai Lama." (L.V. Murray: The Abbess of Andalusia.- Charlotte: Saint Benedict Press, 2009, S. 121)
4. Januar 2011
An mich zur Erinnerung
P. Alfred Delp sj: „Brot ist wichtig, die Freiheit ist wichtiger, am wichtigsten aber die ungebrochene Treue und die unverratene Anbetung."
Radical Chic goes pedophiliac
Tja, draußen explodieren die Autobomben und drinnen treibt der Beelzebub sein Unwesen weiter.
Auf Her.meneutics ein interessantes und wichtiges Posting über die französische "Vogue" und wie man kleine Mädchen als salonfähige Sexobjekte präsentiert.
3. Januar 2011
Islamo- und Christophobie
Oliver M. Piecha und Thomas von der Osten-Sacken in einem Aufsatz über "Islamophobie" beim Perlentaucher:
"Was es allerdings gibt, das ist ein Kulturkampf, den keineswegs Samuel Huntington erfunden hat, sondern der vom Islamismus den offenen Gesellschaften des Westens wie den freiheitlichen Regungen im islamisch geprägten Teil der Welt erklärt worden ist. Als Ausgangsdatum mag man das Jahr 1979 nehmen, mit der Revolution im Iran und dem, was aus ihr geworden ist. Und in diesem Kampf geht es um ganz konkrete Dinge, wie die schleichende Etablierung von Geschlechterapartheid in westlichen Gesellschaften und die Erringung einer Art Sonderstellung für "den Islam", kurz die Etablierung der Scharia als Alternative zu weltlichen Gesetzen. Und bisher war das einigermaßen erfolgreich für den Islamismus. Der Angriff auf die Meinungsfreiheit hat längst zu einer Selbstzensur im Westen geführt - und der Begriff der "Islamophobie" soll sie weiter zementieren. Islamkritik, wie auch immer sie sich äußert, kann heute auch in Europa tödliche Folgen haben. Das Schicksal von Theo van Gogh vor Augen, überlegt man sich dieser Tage lieber zweimal, wie heftig man den Islam und seinen Propheten denn kritisieren mag.
Nehmen wir einen weiteren seltsamen Umstand hinzu: Der potenziell beleidigte Muslim schafft politischen Mehrwert. Der real verfolgte Christ nicht. Interessanterweise spricht niemand - und schon gar nicht die Entdecker der "Islamophobie" - von, sagen wir, Christophobie. Immerhin sind Christen weltweit die am meisten bedrängte religiöse Gruppe (mit Ausnahme der Bahais im Iran). Verfolgt und diskriminiert vor allem, aber nicht nur, in sehr vielen muslimischen Ländern. Ein Zufall?"
1. Januar 2011
Nicht alleine unterwegs
Zu Beginn des "bürgerlichen" Jahres lässt uns die Kirche auf Maria schauen.
Schauen heißt katholischerweise mehr als hinsehen oder sich zurückerinnern. Es heißt auch und vor allem: sich ihr anvertrauen, in ein Verhältnis der Liebe eintreten, in einen Bund, in eine Gemeinschaft. Es heißt dann auch Tag für Tag mit ihr gemeinsam unterwegs zu sein, in ihrer Bereitschaft, alles von GOtt zu erwarten und alles einzusetzen, damit sich SEin Heilsplan, SEine Initiative jetzt und hier verwirklichen kann. Es heißt, mit ihr unterm Kreuz zu stehen, mit ihr am Ostermorgen die Auferstehung zu erleben und mit ihr die Gegenwart des GEistes zu erbitten.
Ben Harper und die Blind Boys of Alabama singen gemeinsam ihr Marienlied "I Shall Not Walk Alone":





