14. Mai 2010

Dominus Iesus hatte doch recht

Die SZ lässt zum Ökumenischen Kirchentag ihr Magazin unter dem Thema "Hoffnung" erscheinen. Außen steht "Skandale, Missbrauch, Führungsschwäche: Die Kirche erlebt ihre größte Krise. Ein Heft über Christentum im 21. Jahrhundert"

Drinnen geht es um einen katholischen Diakon, um die Beichte, den Papst, es gibt ein Interview mit Martin Mosebach und eine Dolce & Gabbana-Modenschau in der Pfarrkirche von Oberammergau, dazu interessante Fakten über den Vatikan. Jenseits des Katholischen darf nur Christian Nürnberger seine Botschaft überkonfessionell an die deutschen Christen richten.

Wir lernen: Dominus Iesus hatte doch recht. Mindestens für die Süddeutsche scheint es tatsachlich nur eine einzige Kirche zu geben. Der protestantische Rest wird höchstens der Höflichkeit halber als Kirche bezeichnet, aber keinesfalls als gleichberechtigtes Objekt journalistischer Neugierde behandelt.

Kommentare:

Ulrich hat gesagt…

was denn für fakten über den vatikan?
anzahl der waffenfabriken oder die lage des computers, in dem die namen aller protestanten der welt für die nächste inquisition gesammelt werden?
(siehe J.T. Chick)

Johannes hat gesagt…

Kaum zu glauben aber wahr.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Jetzt hackt doch nicht gleich wieder auf die beknackte SZ ein ... wenn die Quantitätspostille mal ein Stück katholisches Selbstverständnis verinnertlicht hat.

Scipio hat gesagt…

@Ulrich: Fakten wie: Jedder neue Papst erhält zum Amtsantritt eine Kiste Châteauneuf-du-Pape, nirgends wird mehr Wein konsumiert als im Vatikan und "Graceland" von Paul Simon wird vom Osservatore zu den besten Alben aller Zeiten gezählt.

Und was ich vergaß aufzuzählen: Beim "Gemischten Doppel" stehen dem Bild fürs "Beste Feten" das Bild eines Kardinals und eines Bischofs beim Einzug / Auszug einer Messfeier gegenüber: "Feste Beten".

Resident hat gesagt…

Wieso "katholisches Selbstverständnis" - die katholische Kirche weiß und wußte von Beginn an, daß sie nicht eins ist mit der Welt oder dem Staat, auch nicht dem verchristlichten. Darin unterscheidet sie sich von der östlichen-orthodoxen Kirchen (Stichwort: Caesaropapismus), den altorientalischen Kirchen (Stichwort: Nationalkirchen) und insbesondere den protestantischen Landeskirchen (Stichwort: Staats- bzw. Volkskirche).

Die SZ betreibt hier protestantisches Selbstverständnis, weil ja der Störenfried Kirche auf die weltlich-bürgerliche Linie festgezurrt werden soll.

Dazu gehört auch, daß man sich Kirche als Institution denkt, von der es an jedem Ort eine etablierte gibt (und so auch gegenüber anderen Religionen) und dann heißt es Bayern wäre halt katholisch (selten so gelacht!). Dsa ist der Augsburger Religionsschandfrieden in grün.

Wolfram hat gesagt…

Der Mensch sieht, was vor Augen ist... und da hat die römische Institution weitaus mehr zu bieten als presbyterial-synodale Gebilde. Und doch: man verwechsle nicht die Institution, die Menschenwerk ist und bleibt, und die geistliche Kirche, die sich inner- und außerhalb dieses Menschenwerks manifestiert, wo immer zwei oder drei in Seinem Namen beisammen sind.

Konzil oder nicht, Bruder Scipio - aber wieviel liegt wirklich zwischen dir und Marcel Lefebvre, wenn es um die Ecclesiologie geht?

Dem Kommentator Resident empfehle ich dringend einen Aufholkurs in mittelalterlicher Kirchengeschichte. Seine Ausführungen über die nichtkatholischen Kirchen fallen samt und sonders auf die römisch-katholische zurück - von den Nationalkirchen vor- wie nachkarolingischer Zeit über den Caesaropapismus (wie war das mit den Fürstbischöfen und Fürstäbten, und mit dem Anspruch des Papstes, höchste weltliche Instanz über dem Kaiser zu sein?) bis hin zum Volks- bzw. Staatskirchenanspruch, der gerade doch der römischen Kirche nicht fremd ist: Italien, Frankreich, Belgien, Spanien, Portugal, Polen... bis ins 20. Jahrhundert hinein. Die römische Kirche in Frankreich (Roms erste Tochter) war deutlich sowas wie eine Staatskirche. Und bis heute verweigert sie sich der Umsetzung des Gesetzes über die Trennung von Kirche und Staat, das immerhin vom Dezember 1905 datiert...
Also Vorsicht, Herr Resident: mit welcherlei Maß ihr meßt, damit werdet auch ihr gemessen werden, und man wird euch immer noch eins draufsetzen, bis wirklich nicht mehr geht...

Scipio hat gesagt…

@Wolfram: Was die SZ angeht, hast Du sicher recht. Eine Kirche mit vielen sichtbaren Elementen ist für Journalisten so viel attraktiver. Für die Frage nach der "wahren Kirche" hat es keine Beweiskraft.

Für die Frage nach dem Unterschied zwischen EB Lefebvre und mir würde ich sagen: 1. ist er mir herzlich egal, weil der EB keinen Bezugspunkt für mich darstellt und 2. versuche ich hier wie auch sonst das Gleiche zu glauben wie die Römisch-Katholische Kirche. Ich hoffe also, dass in puncto Kirche der Unterschied zu EB Lefebvre so groß ist wie der zwischen, sagen wir: dem Papst und ihm.

Allerdings - und hier freue ich über Deine Geduld und Deine geschwisterliche Ermahnung - betreibe ich hier ja keine Ekklesiologie, sondern schreibe meist "Ephemeres" mit nicht immer ökumenischem Zungenschlag.

Resident hat gesagt…

Wolfram,

mit Deiner Unterscheidung hast Du gut eben protestantische Ekklesiologie zusammengefaßt - konkrete Kirche(n) sind Menschenwerk, die geistliche Kirche ist etwas anderes. Klar ist die Kirche zwar auch Menschenwerk, aber warum solte man von Gott ständig eine neue Creatio ex nihilo erwarten. Du wirst mir hoffentlich verzeihen, wenn ich da nicht mitgehen kann.

Was meinen Kommentare angeht: mittelalterliche (und auch frühneuzeitliche) Kirchengeschichte kenn ich sehr gut, auf jeden Fall besser als Du denkst. IMHO bestätigt sie meine Aussagen. Natürlich gab es in der Frühezeit soetwas wie Nationalkirchen, nur haben diese niemals völlig die Gmeinschaft miteinander abreißen lassen und schließlich wurden alle nationalkirchlichen Bestrebungen immer überwunden. Es war ein Papst (Gelasius), der die Kirche als eigenständige Kraft gegenüber dem östlichen Imperium herausgestellt hat, wieder andere Päpste, die sich gegenüber westlichen Herrschern zu behaupten wußten. Ich habe den (zugebenermaßen veralteten Ausdruck "Caesaropapismus" verwendet - bitte erstmal informieren was der heißt!) Fürstbischöfe und -äbte waren nie oberste Instanz sondern haben nur im Auftrag des Königs Verwaltungsfunktionen übernommen - die Problematik dessen wurde auch immer gesehen. Es ist übrigens ein rein deutsches Phänomen (mal wieder so ein Fall der Nabelschau) und hat mit der "römischen Institution" herzlich wenig zu tun. Daß der Papst selbst "höchste weltliche Instanz" sein wollte, trifft so nur für eine sehr kurze Zeit zu (höchstens 100 Jahre) und geschah in der Absicht, die Unabhängigkeit der Kirche zu sichern.

Der Katholizismus war später immer mal wieder Staatsreligion und manche frühmoderne Fürsten betrieben (nach der Reformation!) auch ein Staatskirchentum, was aber dem Selbstverständnis der Kirche immer zuwiderlief. Volkskirche dagegen ist einzig und allein ein protestantisches Ding.

Warum sollte die franzöische Kirche die Umsetzung eines Gesetzes verweigern - sie kann gegen die Gewalt eines tyrannischen, grenztotalitären Staates ohnehin nichts tun. Daß das damalige "Gesetz" allerdings pure Gewalt und mit Recht nichts zu tun hat ist Fakt. Mit Trennung von Kirche und Staat auch nicht, denn dort wurde (mal wieder) Kirchenbesitz räuberisch beschlagnahmt und versucht, der Kirche eine glaubenswidrige innere Verfassung vorzuschreiben. Wo war das "Trennung"? Aber dennoch ist die Frage: was tut denn die Kirche Böses, um die Umsetzung zu verweigern? Dezember 1905 beeindruckt mich nicht gar nicht - meinst Du etwa das wäre alt?

Ich kann mit Zuversicht sagen, daß ich wie auch alle anderen mit dem Maß Christi gemessen werde, nicht mit dem von sich aufspielenden Tyrannen.

Resident hat gesagt…

Was die Ekklesiologie des Ebf. Lefebrve und seiner Gruppe angeht - vielleicht kannst Du uns da aufklären. Auch ich kenne sie zu wenig, weil ich drei Handvoll von Schismatikern nicht wirklich für interessant halte.

Allerdings betreibt die SSPX eine nur theoretische, virtuelle Treue zum Heiligen Stuhl, hängt noch gallikanischen Ideen nach. Ob sie die auf dem Vaticanum II neu bekräftigte Eigentständigkeit der Bischöfe ablehnt oder nur das entsprechende Dokument weiß ich nicht.

Auch nicht wie sie zu den Häresien eines Fr. Feeney steht - diese Frage allein paßt zum Eingangsposting - ist mir nicht bekannt.

Vielleicht weißt Du da mehr, Wolfram.