10. August 2008

Sprache und Schweigen

"Sprache wird hier nicht bloß verstanden als reine Grammatik und Syntax, als Vokabular, sondern als die ganze Art und Weise des Sprechens, der Charakter dessen, wie gesagt wird, was gesagt wird. Gestik, Ausdruck, Zitierung, Wiederholung - auch das sind Teile von Sprache. Nicht der geringste von ihnen ist das Schweigen: was nicht gesagt wird in dem, was gesagt wird; was zu sagen bleibt; was noch gesagt werden muß; was nicht gesagt werden kann; was in seinem Gesagt-werden als verhüllt gesagt wird. Wenn unter Schweigen in der Kirche der Meßkanon (oder das Wandlungsgebet) vom Priester in bloßem Flüsterton gesprochen wird - wer weiß dann noch nicht und versteht instinktiv, was gesagt wird? Ich höre diese Worte kaum je laut, und doch kenn ich ein jedes ganz genau, und es spricht zu mir ein jedes Mal, wo es gebetet wird. Es muß nicht laut gesagt werden, um verstanden zu werden." (Laurence Paul Hemming: Worship as a Revelation.- London: Burns & Oates, 2008, 141 f., eigene Übersetzung)