8. Februar 2010

Ehrenwerte Rolle rückwärts

Halten wir - mit Stanislaus - öffentlich fest, daß die Patres Gemmingen und Mennekes ihre Äußerungen aus den letzten Tagen zurückgenommen haben.

Das ist ehrenwert und verdient, beim Wort genommen zu werden.

Beten wir trotzdem weiter für die Societas Jesu, für die Katholische Kirche in Deutschland - und mit möglichst viel Demut auch für uns selbst.

Ein Vorschlag sowie Skepsis nach Innenschau

"Hingucken oder wegducken?" fragt der anonyme Blogger von medmongrel und bittet die katholischen Blogger um Vorschläge, "wie sie sich einen angemessenen Umgang der Öffentlichkeit mit den Missbrauchsfällen vorstellen".

Mein - zugegeben unrealistischer - Vorschlag wäre, sich einfach jeder Hysterie zu enthalten und auf Verallgemeinerungen zu verzichten ("die Kirche", "die Priester", "die Jesuiten"...). Sich selber wieder und wieder zu fragen, ob man de facto im Interesse der Opfer handelt - oder diese in ihrem Schmerz und ihren Wunden für eigene Interessen an Quote, Auflage, Meinungsführerschaft, Aktualität instrumentalisiert. So zu schreiben, als sei das eigene Kind das Opfer und gleichzeitig der eigene Bruder der Täter.

Ein kleiner Hinweis noch an medmongrel: "Dass sich der Jesuitenorden, ausgerechnet durch seinen “Reformeifer” und seinen “Hang zur Selbstsäkularisation”, eine besondere Disposition zu sexuellem Missbrauch eingehandelt hat, ist eine Mutmaßung, die in ihrer Abwegigkeit kaum zu übertreffen ist." - Ich weiß nicht und ich glaube nicht, daß die Jesuiten eine solche "besondere Disposition" hätten. (Hat das jemand behauptet?) Ich bin aber ganz und gar nicht überzeugt, daß "Reformeifer" und "Hang zur Selbstsäkularisation" Einzelne oder Gruppen davor schützen, sich in punkto Mißbrauch etwas über sich selbst vorzumachen.

Vielleicht denke ich da zu sehr von mir her. Denn in mich schauend, merke ich, daß ich am liebsten jene Gebote und Regeln reformiere und aus dem Bereich göttlichen Interesses "heraussäkularisiere", die mich stören und pieksen.

Von daher kann ich mir grundsätzlich schon vorstellen, daß nicht nur Idealisten die gefühlt schwere Last erleichtern und durch zeitgemäßeres Christianity Lite ersetzen möchten, sondern auch solche wie ich, die gerne einen "free ride" mitnehmen. Warum, wenn ich Pater X oder Pater Y wäre, nicht von der Relativierung homosexueller Akte profitieren oder körperliche Zurückhaltung ablegen - wenn es doch dem Anderen, dem anvertrauten Jugendlichen nützt, ihm hilft? Und irgendeine Theorie dazu wird sich schon finden, oder?

Ich habe es hier schön öfter gesagt: Die menschliche Veranlagung, sich über sich selbst etwas vorzumachen, ist immens.

7. Februar 2010

Frei , entspannt, wertschätzend

"Und letztlich kommt es ... unfreiwillig zu einer unglaublichen Sexualisierung des Alltags, die einem freien, entspannten und wertschätzenden Umgang mit der Sexualität zuwiderläuft", sagt P. Mennekes.

Die passende Illustration aus dem RSS-Feed der Sonntags-Frankfurter:

Ignoranz, dein Name ist Wensierski

Wie der Bruder-Blog "Catholicism Wow" berichtet, darf unser aller Freund, der deutschlandweit bekannte Qualitätsjournalist Peter Wensierski wieder einmal* mit Ignoranz glänzen.

Wieso überrascht uns das nicht?
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* Ein früheres Beispiel Wensierskischer Ignoranz findet sich ebenfalls bei "Catholicism Wow" dokumentiert.

Asche und Feuer

Dafür, daß Jim & Jesse von einer Liebe singen, deren Feuer zu kalter Asche herabgebrannt ist, sehen sie ziemlich zufrieden aus, fast so als seien sie am Ziel ihrer Wünsche angekommen.



Übrigens: Vom 7. - 14. Februar zum zweiten Mal in Deutschland: "Marriage Week - Die Woche der Ehepaare".

Monotheismus-Debatte - Bitte um Aufklärung über den übernächsten Schritt

Wolfgang Günter Lerch referiert in der FAZ - ohne große Einwände seinerseits - verschiedene Aufrufe an die "abrahamitischen" Religionen, eine "Aufklärung zu dritt" über ihre offensichtlich zu relativierende Historizität und das "Fragwürdige an althergebrachten Überzeugungen und Dogmen", und parallel dazu eine irgendwie gemeinsame Rückgewinnung ihres "gemeinsamen Ursprung[s] und Grundgedanken[s], eine[s] klaren, allumfassenden Monotheismus" zu betreiben.

Sozusagen frei nach Paulus: Ein Gott, ein Monotheismus, ein Grundgedanke aller, der nicht mehr Jude noch Christ noch Muslim kennt, sondern noch nur Ein-Gott-Gläubige, Urenkel des Echnaton, der die Scheidewand niederreißt zwischen drinnen und draußen, Orient und Okzident, Morgenland und Abendland.

Freuen würde ich mich freilich, wenn Sie, Herr Lerch, mitsamt den akademischen Vordenkern noch weiter vorausdenken könnten als Sie es eh schon tun. Denn wenn Sie dabei sind, Utopien zu skizzieren, die diese Welt ein für allemal von Religionskriegen zwischen Monotheisten befreien würden, dann gehen Sie doch einfach noch den nächsten Schritt.

Wer sagt denn, daß die Vereinigte Umma der Ein-Gott-Gläubigen, wenn sie ihre internen Alleinvertretungsansprüche abgelegt haben wird und - ach, wie schön wär's! - sich nicht mehr um die Wahrheit kloppt, sondern sie ohne falsche Aromastoffe aus jedem ihrer momentanen Traditionsstränge herausdestilliert haben wird, daß also diese Hypergroße Koalition des Stammes Echnaton nicht immer noch sich überlegen dünkt - all jenen nämlich, die den Einen Großen Gott nicht anerkennen und nicht an ihn glauben? Sehen sie dann nicht immer noch Atheisten, Agnostiker und gerne auch Hindus und Buddhisten unvermeidlich als Träger von Weltanschauungen "minderen Werts"?

Deshalb bitte ich Sie, Herr Lerch, mit ihren Vordenkern den wichtigsten, ja entscheidenden Schritt weiterzugehen. Arbeiten Sie doch daraufhin, daß die Monotheisten die Historizität, die geschichtliche Bedingtheit ihres Ein-Gott-Glaubens auch noch durchschauen, daß sie - vielleicht gemeinsam mit dem Herrn Assmann - hinter den "berühmten Pharao Echnaton" zurückgehen, nicht zu einer Vielgötterwelt, sondern zur einzigen Welt, in der Atheisten und ehemalige Monotheisten ohne gegenseite Abwertung und ohne falsche Wahrheitsansprüche miteinander leben können. Lassen Sie uns Monotheisten vielleicht noch von einer "Ein-Gott-Hypothese" sprechen, solange wir sie nötig haben. Solange wir noch nicht ganz zuhause sind in der weltlichen Welt, auf dem Planeten ohne Gott, in der endgültigen Einsicht in neuronale Mechanismen, die Echnaton, Abraham, Moses, Jesus, Mohammed in ihren Ein-Gott-Glauben zwangen und darin einschlossen.

Wir sind nüchtern genug und mittlerweile friedlich, mindestens die römischen Katholiken. Schenken Sie uns ruhig die ganze Wahrheit auf ein Mal in den Bembel. Wir vertragen das.

Wir haben schon ganz andere Schierlingsbecher geleert. Ohne Erfolg übrigens. Aber - wir heißen Sie hoffen - vielleicht haben Sie ja diesmal Glück.

6. Februar 2010

Eintracht

Sagt nicht schon die Bibel, daß es herrlich sei, wenn Brüder einträchtig unter einem Dache wohnen? Von gemeinsamem Singen ist, wenn ich mich richtig erinnere, in diesem Zusammenhang nicht ausdrücklich die Rede, aber das gehört sicher auch dazu.

Diese Eintracht sieht im Idealfall wohl aus wie hier bei den Louvin Brothers Charles und Ira - ich habe noch selten jemanden so froh und aus ganzem Herzen in Harmonie singen sehen wie diese beiden hier ihr Lied "I don't believe you've met my baby".



(Für B. in herzlicher Freundschaft - ;-) )

Jesuitenpatres

Ach ja, die Jesuiten. Mescalero-Gefühle sind völlig unangebracht, aber kaum zu vermeiden, wenn man den Herrn Jesuitenpatres Mennekes und Gemmingen zuhört. Treue Söhne der Kirche - ja, klar, aber nur unter Vorbehalt und mit gewissen Bedingungen. Zuerst und vor allem aber: Korpsgeist. Nur nichts auf den eigenen Laden kommen lassen - der ja auch vor 20, 30 Jahren schon durchmodernisiert war. (Schon damals war in der Societas kaum noch einer "vorkonziliar", von Gestalten wie Adolf Rodewyk mal abgesehen.) Da hetzt man lieber gegen den Papst und fühlt sich als verfolgte Unschuld. Blind und taub, aber leider nicht: stumm.

Ach ja, die Medien, die professionellen und die von Massenintelligenz getragenen: Die einen denken, daß der Plural von "Jesuitenpater" "Jesuitenpatern" heißt - so die Spiegel-Schreiber, die andern hüten sich gleich gar vor dem Substantiv und sprechen lieber von "ein jesuitischer deutscher Pater", wenn sie einen aus der deutschen SJ meinen - gell, Wikipedianer?

Das Heil als Freude

Vater Alexander Schmemann am 3. Dezember 1976 in seinen "Aufzeichnungen" (Freiburg: Johannes, 2002, S. 204-5):

"Ich glaube, Gott vergibt alles eher als Freudlosigkeit: wenn wir vergessen, dass Gott die Welt erschaffen und sie gerettet hat. Die Freude gehört nicht nur zu den 'Komponenten' des Christentums, sie ist seine alles durchdringende Grundstimmung - Glaube und Schau. Wo keine Freude ist, da wird das Christentum zur Angst und somit zur Qual. Wir wissen von der Gefallenheit der Welt nur, weil wir auch im ihre herrliche Erschaffung und ihre Errettung durch Christus wissen. Das Wissen um die gefallene Welt tötet die Freude nicht, die in der Form einer hellen Trauer unablässig in diese Welt ausstrahlt.

Diese Welt hat ihren Spaß; dieser aber ist freudlos, denn Freude (etwas anderes, als was man 'Spaß' nennt) kann nur von Gott kommen, nur von oben - nicht nur Freude über das Heil, sondern das Heil als Freude. Man bedenke - jeden Sonntag halten wir mit Christus ein Festmahl, an Seinem Tisch, in Seinem Reich; dann versinken wir wieder in unseren Problemen, in Angst und Leid. Gott hat diese Welt durch Freude gerettet: '... Ihr werdet traurig sein, doch eure Trauer soll in Freude verwandelt werden...' (Joh 16, 21: 'Eine Frau, wenn sie gebiert, hat Schmerzen, denn ihre Stunde ist gekommen. Wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist')."


"Gott hat diese Welt durch Freude gerettet" - ist das nicht zugleich schön und wahr? Durch eine Freude, die, wenn sie uns trifft, nicht als wertvolles Stück in den Schrank geräumt und nur bei besonderen Anlässen getragen wird. Durch eine Freude, die zur Schau und zum Glauben wird, die uns die Wirklichkeit zeigt, in ihrer Helle. In ihrer Gefallenheit, die auf die volle Enthüllung der Kinder Gottes wartet, um in die neue Schöpfung GOttes einzugehen. Nicht im Feuer vernichtet, sondern im Licht ganz in der ursprünglichen Schönheit aufstrahlend.

"Eine helle Trauer" - nicht die Trauer ist uns verboten, sondern die Hoffnungslosigkeit, das Schwarzmalen, das die Überraschung ausschließt, die wir mit jeder Faser unseres Herzens erwarten. Verloren ist verloren, kein Zweifel. Aber verloren an IHn.

5. Februar 2010

Mögliches Fazit eines modernen Christenlebens, aus atheistischem Mund

Stell Dir vor, Du bist ein Christ, der sich sein Leben lang ernsthaft gemüht hat, dialogfähig zu bleiben, der gespürt hat: "Mensch, das und jenes kann man heutzutage einfach nicht mehr glauben!" und der das Veraltete, Mythische dann auch schweren Herzens über Bord geworfen hat, der eine neue Sprache gesucht hat und damit lieber für Zeitgenossen akzeptabel als irgendwelchen Dogmen - den Sprachregelungen und Denkknebeln vergangener Zeiten also - treu und gehorsam sein wollte.

Du bist alt geworden in diesem Vorhaben, hast es vielleicht sogar lange und lange ausgehalten im Kirchendienst, bald wirst Du pensioniert - es wird ja auch Zeit, denn es wird ungemütlich um Dich. Die Jungen bewundern Dich nicht mehr für Deinen Mut und Deine Kaltschnäuzigkeit, die Obrigkeit hat gewechselt, und es pfeift ein kalter Wind aus der Bischofsstadt.

Doch zum Glück weißt Du: Da gibt es ja noch die da draußen, vor den Kirchentüren, die Kaum- und Nichtgläubigen, denen Du immer ein bereitwilliger Gesprächspartner warst. Du warst ihnen näher als Deinen Banknachbarn oder den Mitbrüdern auf dem "Dies", bei den Dekanatsrunden.

Und dann liest Du eines Tages einen Satz von einem, der ernst macht mit der Demaskierung vatikanischer Heuchelei, mit der Enthüllung von Ideologie und Scheinheiligkeit. Dieser moderne Atheist, Kämpfer für eine menschliche Welt, sagt da im Radio:

"Ich würde sagen, wenn Du nicht glaubst, daß Jesus von Nazareth der Christus und Messias war und daß er von den Toten wiederauferstand und daß durch sein Opfer unsere Sünden vergeben sind, dann bist Du eigentlich kein Christ, nicht in einem Sinn, der was bedeutet."*

Dann, würde ich sagen, fühlst Du Dich doch echt sch... Und weißt, daß alles umsonst war mit Deiner Artistik, Deiner Entmythologisierung und Verheutigung. Umsonst war's. Sinnlos. Ein Langweiler bist Du. Ein Versager.

Schade. Aber nicht zu spät. Bei GOtt ist es nie zu spät. Noch hast Du Zeit, aus Deinem Leben was zu machen.

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* "I would say that if you don’t believe that Jesus of Nazareth was the Christ and Messiah, and that he rose again from the dead and by his sacrifice our sins are forgiven, you’re really not in any meaningful sense a Christian." (Christopher Hitchens)

3. Februar 2010

Für die Höhenflieger

"Laßt es uns immer wieder sagen, daß Heiligkeit mit ganz normalen Dingen zu tun hat: Wahrhaftigkeit, Liebenswürdigkeit, Herzensgüte, Sanftmüt, Rücksichtnahme gegenüber anderen, Zufriedenheit mit unserem Los, Aufrichtigkeit und Zuversicht im Angesicht des Lebens, Zuverlässigkeit und Gehorsam. Darauf aus, die höheren Reichweiten der Spiritualität zu erlangen, laufen wir indes Gefahr, das Wesentliche am Heiligsein zu übersehen." (Ruth Burrows, zit. nach: Jonathan Robinson: Ich will dich an mich ziehen.- Köln: Adamas, 2003, S. 135)

Bayern Zwei

Nicht anders als lieben kann ich einen Radiosender, dessen Morgenmoderator um dreiviertel sieben in der Früh' nebenhin und unkommentiert, wenn auch nicht unvermittelt*, den Satz fallen lässt:

"Helmut Kohl war kein Perikles, und Theo Waigel war kein Phidias."

Der musikalische Rahmen - heute u.a. mit Curtis Stigers und Son Volt - war da nur noch das fast gewohnte "Tupferl" auf dem i.

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* Es ging um die Finanzlage des griechischen Staates und ihre Auswirkungen auf die Euro-Zone.

1. Februar 2010

Botschaften

Nun haben auch die deutschen Jesuiten ihren Mißbrauchsskandal, und ich befürchte, wir haben erst den schrecklichen Anfang gehört. Daß P. Klaus Mertes als Schulleiter des Canisius-Kollegs aktive Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit betreibt, hat ihm schon ein dickes Lob von Karl Jüsten eingebracht, dem Leiter des Katholischen Büros in Berlin.

P. Mertes' Sätze:

"Die Kirche leidet an Homophobie. Homosexualität wird verschwiegen. Kleriker mit dieser Neigung sind unsicher, ob sie bei einem ehrlichen Umgang mit ihrer Sexualität noch akzeptiert werden."

machen aktuell die Runde und geben - gewollt oder ungewollt - die Richtung an, wenn jenseits der schuldigen Ex-Jesuiten nach Schuld gesucht wird. Was genau P. Mertes sagen will, weiß ich nicht, vermute aber, so etwas wie: Weil die Kirche bei ihren Priestern homosexuelle Veranlagung nicht akzeptiert, haben diese keine Möglichkeit, darüber zu sprechen, sich bei Freunden, Beichtvätern, Vorgesetzten Rat und Hilfe zu holen und sich von ihnen durch Versuchungen hindurch geleiten und leiten zu lassen.

Die Öffentlichkeit wird daraus eine andere Botschaft stricken, keine Angst. Denn - um für einen Absatz in deren Slang überzuwechseln - ist das wirklich einem Menschen zuzumuten, seine Sexualität nicht auch auszuleben? Ist es nicht der Gipfel der Inhumanität, einem Priester die Ausübung seiner Sexualität, sei sie homo oder hetero gepolt, verbieten? Und ihm bei Zuwiderhandeln mit Konsequenzen zu drohen? Seine Existenz zu vernichten und ihn gar auf die Straße zu setzen? Ehrlicher Umgang mit Sexualität, das heißt doch zuerst: sie nicht sublimieren, sondern sie entfalten - und wie ginge das besser als mit, naja, mit Sex halt.

Ob wir in diesen Tagen auch einmal jene Botschaft hören, die Richard John Neuhaus zugeschrieben wird:

"During the Long Lent, which he named so well, he served the Church profoundly by, in his unique way, distilling the issue beautifully. He growled in that warm fire of a voice, 'Fidelity, fidelity, fidelity' and let everyone know that the homosexual abuse problem sprang from the culture of disobedience that had grown up in recent decades and there was only one way out of it, which was faithfulness to the teachings of the Church." (Quelle)

Vielleicht haben ja P. Mertes, Prälat Jüsten, der Jesuiten-Provinzial oder ein Bischof schon darauf hingewiesen - und die Medien haben es nur verschwiegen. Ausschließen mag ich es - in dubio pro reo - nicht. Oder wenn die drei Worte noch nicht gesagt wurden: Vielleicht sagt sie ja noch jemand, wiederholt sie gar.

Auch uns Laien würden sie gut tun. Denn auch bei uns - und da spreche ich als verheirateter, männlicher Laie - läuft es gelegentlich darauf hinaus: In der Kirche gibt es ja keine Heterophobie. Heterosexualität wird auch nicht verschwiegen. Ein ehrlicher Umgang mit unserer Sexualität ist uns also gestattet. Doch all das bewahrt uns nicht vor Situationen, in denen dreierlei gefordert ist: Treue, Treue - und Treue.

31. Januar 2010

Angesichts der Wetterlage

Klagen wir nicht über Schnee, Eis und Kälte. Klagen wir auch nicht darüber, daß andere darüber klagen.

Freuen wir uns, daß es offensichtlich immer noch Winter wie früher und Schnee wie in den Kindertagen gibt. Daß es auch im Jahreskreis weihnachtlich zugeht. Daß uns vereinzelte Wintersonnenstrahlen strahlend-weiß blenden.

30. Januar 2010

Zentren des Universums

Bei Crescat findet sich der kurze Eintrag:

"funny thing about kids

... you may never realize just how self serving your life really is until you have them.

Faith is like that too. They both force you to acknowledge you are not the center of your own universe.

Das Lustige an Kindern:

... man kapiert nie, wie selbstbezogen das eigene Leben wirklich ist, bis man sie hat.

Mit dem Glauben ist es auch so. Beide zwingen einen anzuerkennen, daß man nicht das Zentrum des eigenen Universums ist."

Wie wahr. Da draußen ist eine Realität, die anerkannt werden will. Die ihr Recht geltend macht. Kinder schreien, haben Hunger, wollen gewickelt werden, wollen dafür aber nicht schlafen, wenn sie sollen. Sie lächeln uns an, nehmen einen Finger in den Hand, wackeln die ersten Schritte auf uns zu. Forderungen. Geschenke. Und wir stehen in der Pflicht und Verantwortung. Empfangen unverdient und beglückt.

Wir sind nicht alles. Wir sind nicht im Zentrum. Wir können vielleicht erst einmal nicht anders als bei uns zu beginnen. Aber dann merken wir: Die andere Perspektive fordert ihr Recht, verlangt, daß wir sie respektieren und mehr noch: übernehmen, einüben, so daß sie unseren Blick erweitert, verändert. Sie drängt sich vielleicht nicht so sehr in unsere Welt als daß sie einfach da ist.

Tagsüber bewege ich mich nicht in Kreisen, wo Kinder oder Gott eine explizite Rolle spielen. Beides wird üblicherweise suspendiert, beurlaubt, fordert - je nachdem - erst am Abend wieder sein Recht. Aber die Frage, wie sehr jemand in der Lage ist, jemand anderen, etwas anderes als sich selbst im Zentrum seines Universums zu sehen, die spielt auch da eine Rolle. Es gibt manche, die alles auf sich beziehen: Sie sind selbstbeziehend, alle Wirklichkeit auf sie bezogen. Andere tun sich leicht, von sich abzusehen und dafür zu gut kopernikanisch zu bemerken, daß es außer dem eigenen Planeten noch andere Zentren um Universum gibt. Mit der Kinderzahl oder dem Gottesglauben muß das imho nicht unbedingt zusammenhängen, jedenfalls nicht nach meiner Beobachtung. Aber meine Stichprobe ist vielleicht zu klein und nicht repräsentativ.

29. Januar 2010

Richtungsanzeige am Wochenende

Weil die Woche lang und anstrengend war und meine sieben Gedanken noch nicht alle heimgekehrt sind zu mir und diesem Blog, lasse ich wieder einmal eine dieser obskuren Musikgruppen singen, für die ich anscheinend berüchtigt bin.

Selber schuld, sage ich, wenn Ihr Euch die Wailin Jennys und ihr "Glory Bound" entgehen lasst.



Es darf auch mitgesungen werden:

"When I hear that trumpet sound
I will lay my burdens down
I will lay them deep into the ground
Then I'll know that I am glory bound

I'll be travelin' far from home
But I won't be looking for to roam
I'll be crossing o'er the great divide
In a better home soon I will reside

Hallelujah

When I'm in my resting place
I'll look on my mother's face
Never more will I have to know
All the loneliness that plagues me so

So I'm waiting for that train to come
And I know where she's coming from
Listen can you hear her on the track
When I board I won't be looking back

Hallelujah"

Blogozesanes

"da aber der heilige vater heute die priester aufgefordert hat, sich im internet zu betaetigen, wird dieser blog einmal die woche weitergefuehrt - als 'tagebuch eines landpfarrers II'" - das nehme ich nicht als Drohung, sondern als Versprechen und freue mich, Pfarrer Jolie als weiteres geweihtes Mitglied der deutschsprachigen Blogozese begrüßen zu dürfen:

tagebuch des indien-pilgers.

Bei der Gelegenheit fällt mir auf, daß unsere österreichischen und schweizerischen Mitblogger irgendwie verschwunden sind: Gibt es sie nicht mehr oder sind sie durch die wachsende Zahl der Blogs nur von meinem Radarschirm verschwunden?

28. Januar 2010

Fortgesetzt dokumentierte Marotte

Frau Elsa konstatiert, daß ich einen Aspekt katholischer Blogkunst "vorbildlich" praktiziere, nämlich die "Dokumentation persönlicher Marotten". Ob das "vorbildlich" ist, weiß ich nicht genau, aber wer bin ich, daß ich das mit den "persönlichen Marotten" irgendwie anfechten könnte?

Als kleines "Amen" lasse ich auf jeden Fall die Sesame-Streeters eine Kostprobe der Musik aus den Sümpfen von Louisiana abliefern:

Was dem Dialog nutzt. Und was nicht.

"In den kommenden Jahren müssen dringend die Regeln für ein Miteinander der Weltreligionen gefunden werden. Demgegenüber erweisen sich die Auseinandersetzungen der Kirchen in der Abendmahlsfrage als Peanuts. Viele Christen, so beschreibt es der Münchener Soziologe Armin Nassehi, nehmen 'den Dalai Lama, Papst Benedikt und Bischof Huber gleichberechtigt abends mit ins Bett.'"

Endlich kann ich meinem Schweinfurter Lieblingsarianer Roland Breitenbach einmal drei Sätze lang vorbehaltlos zustimmen. Wenigstens kurz, bis die Fragen kommen.

Der Satz über die vielen Christen lehrt uns zum Beispiel was genau? Daß "alles funzt" (anything goes)? Daß sich die Leute einen Dreck scheren, was der Lama, der Papst und der Bischof eigentlich selber sagen und glauben - Hauptsache, das Bett ist warm?

Den zweiten Satz wiederum kann man einfach umdrehen: Wenn schon in der Abendmahlsfrage kein Konsens möglich ist - außer man heißt Breitenbach und tut und glaubt eh, was man will und dem ungöttlichen Herrn in den Mund schiebt -, wie soll der erst bei den Weltreligionen beikommen? Und bloß weil ein Problem größer ist als das andere, muß das kleinere nicht eingebildet und auch nicht leichthin oder brachial lösbar sein.

Tja, und zu Breitenbachs Satz Nr. 1 lassen wir einen indischen Jesuiten zu Wort kommen, von dem wir annehmen dürfen, daß er weiß, wovon er redet:

"Dialog heißt ja, anderen mit Offenheit zuzuhören, aber nicht die Grundelemente des eigenen Glaubens auszuklammern. Wenn wir Christen die göttliche Natur Jesu Christi verleugnen oder die Muslime den Offenbarungscharakter des Korans nicht anerkennen, geschieht kein echter und fruchtbarer Dialog der Religionen." (Sebastian Painadath sj im Publik-Forum-Blog)

27. Januar 2010

Vivat, crescat, floreat!

In der Mittagspause gehe ich in die nahegelegene, nicht allzu große Buchhandlung, um zu sehen, was es Neues gibt. An den Taschenbüchern vorbei zur Lyrik, den Sachbüchern, dann zum leeren Regal, wo es einmal englische Romane gab, und langsam zurück zur Tür. Da fallen meine Augen tatsächlich auf die Neuausgabe von der deutschen Übersetzung von Gerard Manley Hopkins' Journalen. Was für eine Überraschung! Lange genug vergriffen, steht sie jetzt da und hat auf mich gewartet, so scheint es.

Bei amazon ist mir so etwas noch nie passiert. Es lebe die papierne Buchhandlung an der Ecke.

26. Januar 2010

R-Cath-Apps

Bei den Canterbury Tales finden sich die Top 10 der (US-amerikanischen bzw. englischsprachigen) Apps für katholische iPhones, u.a. mit dem Churchfinder incl. der Zeiten für Beichte und Eucharistie, dem iBreviary und Recordatio (alle päpstlichen Enzykliken der letzten 50 Jahre - which might come in handy...)

25. Januar 2010

Mir ist gerade nach Nostalgie

"You never can tell" war vor vielen Jahren das allererste Lied, das ich von Emmylou Harris hörte; das muß noch ein paar wenige Jahre vor dieser auf 1978 datierten Aufnahme gewesen sein.

Here we go again, together with Ms. Harris:

24. Januar 2010

Neuzugänge in der Blogozese

Zum ersten schließe ich mich den Grüßen der Bloggerkollegen an, die sie Bischof Clemens Pickel aus Saratow in Rußland schon vor einer ganzen Weile zukommen ließen. Bischof Clemens bloggt auf Deutsch und lässt uns am Leben seiner Kirche teilhaben: Katholisch in Südrußland.

Und zum zweiten ist da noch pagenotfound, den es seit ein paar Wochen gibt und der - so mein Eindruck - seine Stimme und seine Themen noch sucht. Nur zu!

Ich freue mich über die Blogvermehrung und wünsche gutes Posten und GOttes Segen!

Konf.: Kfl.; Kinder: -

Den Glauben verliert man nicht folgenlos: "Am wenigsten Kinder bekommen Konfessionslose."

Schade eigentlich. Denn vielleicht ist es ein bißchen Selbstschutz: Wer seinen Unglauben nicht verlieren möchte, der hüte sich vor fundamentalen, weltstürzenden Erlebnissen wie dem ersten Schrei, dem ersten Lächeln, dem ersten Wort und dem ersten Beinbruch.

Wenn ich nicht schon Christ gewesen wäre beim ersten Kind: Ich hätte mich nicht wehren können gegen das Übermaß an charis.

Bauarbeiter des HErrn

Nach ein wenig Vorgeplänkel gehen Mr. Bill Monroe und die Blue Grass Boys zur Sache.



Für die Interessierten: Was die Sechs hier spielen, ist derselbe Klassiker "Working on a Building", den die Cowboy Junkies Jahre später in ihrer "Trinity Session" extrem verlangsamt zu Gehör brachten.

In Verteidigung Pius' XII.

Für die meisten Leser des Blogs bedeutet es nur eine Eule mehr in Athen, aber vielleicht verirrt sich ja doch der eine oder andere hierher, der sich sagt: Ja, wenn Haaretz, jene liberale Zeitung aus Israel, die es doch weiß Gott von Berufs wegen nicht müsste, dem Diener Gottes Pius XII. medial zu Hilfe kommt - dann ist die vorurteilsgeladene Ignoranz und Ablehnung, mit der ich mit vielen anderem diesem Papst üblicherweise begegne, vielleicht doch und ganz und gar nicht der Weisheit letzter Schluß. Eher im Gegenteil.

Much-maligned Pontiff:

"The campaign against Pope Pius XII is doomed to failure because his detractors cannot sustain their main charges against him - that he was silent, pro-Nazi, and did little or nothing to help the Jews - with evidence. Perhaps only in a backward world such as ours would the one man who did more than any other wartime leader to help Jews and other Nazi victims, receive the greatest condemnation. "

Hätschelkinder des Sozialtotalstaats

Rainer Hank und Georg Meck schlachten in der FAZ sozusagen "Die Hätschelkinder der Nation" und schließen ihren Artikel mit diesen Sätzen:

"„Der Sozialstaat gleicht immer mehr einem totalitären Regime, das die Familien zerschlägt“, sagt der Kieler Sozialphilosoph Wolfgang Kersting. Kersting ist kein Konservativer von gestern, der bestreitet, dass der soziale Wandel die Familienwelt individualisiert hat. „Aber warum muss der Staat dies auch noch mit finanziellen Anreizen unterstützen?“, fragt er: „Damit beschleunigt der Wohlfahrtsstaat die Zerstörung der Familien.“ Und lässt sich das auch noch von den Steuerzahlern teuer bezahlen.

Eines ist für den Philosophen klar. Der Staat macht das nicht aus moralischen Motiven der Gerechtigkeit, sondern aus eiskaltem politischen Kalkül. Er macht sich seine Bürger zu abhängigen Untertanen und erwartet dafür Dankbarkeit in Form von Wählerstimmen."

Worte an die Kirche im Web von heute

So häufig tauchte das Wort "Blog" sicher noch nicht in einer päpstlichen Verlautbarung auf und vielleicht ist die mit heutigem Datum veröffentlichte Botschaft des Heiligen Vaters zum 44. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel überhaupt die erste Fundstelle.

Ich habe den Text eben schnell durchgelesen und muß sagen: Ganz schön anspruchsvoll ist er, der Papst, wenn er sich hier an seine Priester wendet. Aber die wollten ja wohl auch keine Schnarchstelle, damals in ihren jungen Jahren, als sie sich in die besondere Nachfolge Jesu als des Hirten weihen ließen.

Die reine Medienkompetenz scheint mir da noch das Harmloseste zu sein, schon weil es für die Technik ja Laien gibt und eine Reihe supersimpler Werkzeuge zur Verfügung stehen. Freilich, einfach an die Pfarrsekretärin delegieren geht hier nicht, denn letztlich geht es hier um Seelsorge und nicht um Information oder Verwaltung.

Um reine "Präsenz" geht es dem Papst nicht, und schon gar nicht um ein Einpflanzen der Vatikanfahne in die terra incognita des Internet und einen davon abgeleiteten Claim auf Schonung, auf Wahrgenommenwerden, auf die Webwährung "Aufmerksamkeit", auf Gehorsam.

Die entscheidenden Passagen (die ich mutatis mutandis auch auf mich als ungeweihten Christen "in der Welt von heute" beziehe) sind imho:

"Durch die modernen Kommunikationsmittel kann der Priester das Leben der Kirche bekannt machen und den Menschen von heute helfen, das Gesicht Christi zu entdecken.

Mehr als die Hand des Medientechnikers muß der Priester bei dem Kontakt mit der digitalen Welt sein Herz als Mann Gottes durchscheinen lassen, um nicht nur dem eigenen seelsorgerischen Einsatz, sondern auch dem ununterbrochenen Kommunikationsstrom des Internet eine Seele zu geben.

Auch in der digitalen Welt soll bekannt werden, daß die Zuwendung Gottes zu uns in Christus nicht eine Sache der Vergangenheit ist und auch keine gelehrte Theorie, sondern eine ganz und gar konkrete und aktuelle Wirklichkeit. Die Seelsorge in der digitalen Welt muß in der Tat den Menschen unserer Zeit und der verirrten Menschheit von heute zeigen können, „daß Gott nahe ist; daß wir in Christus alle einander zugehören“ (Benedikt XVI.)

Mit dem Evangelium in den Händen und im Herzen ist darauf zu pochen, daß es an der Zeit ist, auch weiterhin Wege zu bereiten, die zum Wort Gottes hinführen, ohne es zu verabsäumen, besondere Aufmerksamkeit dem zu widmen, der auf der Suche ist – mehr noch, dafür Sorge zu tragen, diese Suche als einen ersten Schritt zur Evangelisierung wach zu halten. Eine Seelsorge in der digitalen Welt ist in der Tat aufgerufen, auch an diejenigen zu denken, die nicht glauben, die entmutigt sind und doch im Herzen Sehnsucht nach dem Absoluten haben und nach unvergänglichen Wahrheiten; denn die neuen Kommunikationsmittel machen es möglich, mit Gläubigen jeder Religion, mit Nicht-Gläubigen und Menschen jeder Kultur in Kontakt zu treten. Wie dem Propheten Jesaja sogar ein Haus des Gebetes für alle Völker vorschwebte (vgl. Jes 56,7), könnte man sich so vielleicht vorstellen, daß das Web – wie der 'Vorhof der Heiden' im Jerusalemer Tempel – auch für diejenigen Raum schaffen kann, für die Gott noch ein Unbekannter ist?"

Wenn es um eine Präsenz geht, dann also doch um eine des HErrn selber, und zwar als diejenigen eines Lebendigen und Gegenwärtigen. Eine Präsenz, die so sehr eine des Inhalts (als "Objekt") wie eine der Form (als Art und Weise, als modus loquendi et scribendi, als modus bloggendi et publicandi) ist. Frei nach Paulus(2 Kor 4,5): "Nicht uns selber verkünden wir, nicht unsere Vorlieben, Marotten, privaten Bekenntnisse, Macken, sondern Christus als den HErrn. Uns selbst höchstens solche, die IHm alles verdanken, die in ihrer Menschlich-Allzu-Menschlichkeit doch erwählt wurden, IHM nachzufolgen und IHn zu vertreten, zu re-präsent-ieren in seiner Kirche und auch sonst."

Gestern abend in der Messe...

Frau Scipio neben mir schaute mich irritiert an, als ich bei der zweiten Strophe des Schlußlieds im gestrigen "Erstkommunionkindervorstellungsgottesdienst" - ja, den gibt es wirklich! - mit dem Singen aufhörte und stattdessen still vor mich hinlachte.

Nur ein Komma leicht verschoben und schon wurde das Lied subversiv und keinesfalls singbar für Drittklässler/innen:

"Gott dein guter Segen ist wie ein Helles, Licht
leuchtet weit, alle Zeit in der Finsternis.

Guter Gott, ich bitte dich:
Leuchte und erhelle mich etc."

--- Daheim gab es zum Abendessen ein Augustiner. Ein Helles.

23. Januar 2010

"Bin in der Fremde
die ist behütet von der 8
dem heiligen Schleifenengel
Der ist immer unterwegs
durch unser Fleisch
Unruhe stiftend
und den Staub flugreif machend -"
(Nelly Sachs)

22. Januar 2010

Die vier Wasser Edens

Noch ist keine Fastenzeit, diese, wie es so schön heißt: "protologische" Spekulation von Gilbert Keith Chesterton ist also durchaus zeitgemäß:

"You know, I hope (though I myself have only just thought of it), that the four rivers of Eden were milk, water, wine, and ale. Aerated waters only appeared after the Fall."

"Wissen Sie, ich hoffe (obwohl es eben gerade erst einfiel), daß die vier Flüsse in Eden aus Milch, Wasser, Wein und Bier bestanden. Selters kam erst nach dem Sündenfall auf."

21. Januar 2010

Menschliche Größe, menschliches Glück

Matthias Claudius in seinem "Passe-Tems zwischen mir und meinem Vetter in der Schneiderstube" (Der Wandsbecker Bote.- Frankfurt: Insel, 1975, S. 342):

"O Vetter, wenn dir ein Mensch vorkömmt der sich so viel dünkt und so groß und breit da steht; wende dich um und habe Mitleiden mit ihm. Wir sind nicht groß, und unser Glück ist, daß wir an etwas Größers und Bessers glauben können."

Unser alltäglicher Heroismus

"She could never be a saint, but she thought she could be a martyr if they killed her quick.

Eine Heilige könnte sie nie sein, aber, dachte sie, ein Martyrer schon, wenn man sie schnell genug umbrachte."


Stammt von Flannery O'Connor, die den Satz einem Schulmädchen in den Mund legt.

Kumpel statt Gott


(via Crescat)

Kein Gott mehr, sondern endlich Kumpel.

Falsch! - Noch nie Gott, sondern immer schon Kumpel. Für den, der will. Der ihn riechen kann. Andere Kumpel tun's freilich auch. Warum denn nicht? Wenn's dir dabei gut geht, wenn du denkst, daß du dein "wahres Selbst" dabei entdeckst - klar doch. Allemal. "Wahres Selbst", fragst du? Ich kenne es nicht, und wenn, würde ich's dir nicht sagen können, das wäre autoritär und daher vom - nicht-existierenden - Bösen. Du urteilst über dich. Nobody else. Schon gar kein guter Kumpel.

Im Großen desgleichen: "Die Zukunft wird multireligiös sein." Nicht nur als triviales Fakt. Sondern als regula propagandae fidei, als bestimmende Regel jeder Glaubenspropagierung. Steht's uns Jesuanern nach unserer 2000jährigen Verbrechensgeschichte doch sowieso nicht zu, irgendeinem Muslim, Konfuzianer oder Aquarianer zu sagen: "Hey, mein Kumpel ist besser als deiner."

Wenn wir den Kumpel auf dem Bild oben nun noch dazu bekommen, Kreuz und Inschrift aus dem Tattoo entfernen zu lassen, wäre alles geritzt. Das stört, das Kantholz und der patriarchalische Titel. "You" müsste stehen im roten Herz. Oder "Me" oder am besten "Ourselves".

Wir wollen ja einen Kumpel nicht dauernd bereden. Nein. Keinesfalls. Einklang der Herzen, jawohl. Meins hat den Rhythmus, wo der Kumpel mitmuß. Da ist auf die Dauer schon Bibellesen ganz schön anstrengend, wenn man bei allem, was man moderner Mensch nicht versteht oder akzeptiert, immer wieder sich und dem Kumpel sagen muß: "Nein, das und jenes ist nicht deine ipsissima vox. Die würde ich erkennen. So wahr wie mein wahres Selbst. Das hat dir, Alter, einer auf die Zunge gelegt. Oder vielleicht doch nicht: Dann war es Bilderrede, schlichte und einfache Anpassung an die Hörer. Die es nur so kapierten."

Zum Glück für den Kumpel sind wir schlauer. Wir durchschauen ihn. Ganz transparent ist er. Verschwindest fast wie ein Dunstschleier, so wenig ipsissima bleibt übrig. Und dahinter, durch das Flimmern hindurch, ist nicht viel zu sehen, kaum zu ahnen. Ab und zu, denkt man, da schwebe das Tetragramm. Deutlicher noch das Abba, aber auch das verschwimmt: Konturen ohne Füllung. Schwammig, falscher Trost. Wie ein schlaffer Händedruck, knochenerweicht. "Sag mal: Wie hättest du plötzlich, genau da, Wahrheit verkünden sollen? Hier, und sonst nie? Am Ende, Freund, bist du doch ganz schon autoritär. Und politisch inkorrekt. Definitiv frühes, ganz frühes vorletztes Jahrtausend. Gut, würde ich sagen, gut, daß du uns hast. Wir kennen dich besser als du dich selber. Was fürn Glück."

19. Januar 2010

Mein Lieblingsarianer

In den Leserbriefen der Lokalzeitung tobt ein erbitterter Krieg um unseren Lieblingsarianer, den Nicht-Zölibatsversprecher aus Schweinfurt und Kirchenvolksbegehrenerstunterzeichner Roland Breitenbach, eine Auseinandersetzung, die sich an einem Bericht entzündete, den man auf diesem "Atheist Media Blog" nachlesen kann.

Breitenbachs peer group und der höhere Klerus hält sich bedeckt, bis auf eine Ausnahme: einen pensionierten geistlichen Herrn, der sich über den Mut Breitenbachs freute, endlich aufzuräumen und Zöpfe abzuschneiden. Solche wie ihn bräuchten wir. Sanctus Simplicissimus.

Die Laienschar spekuliert derweilen, ob Jesus nicht sowieso ein Analphabet gewesen sei. Vielleicht, dachte ich beim Lesen des Briefes, konnte er nicht einmal reden? Es hätte IHn ja eh keiner verstanden. Oder nur so, wie er jeweils ins zeitgeistige Kleinhirn passte?

Was Breitenbach für die Ökumene bedeutet, hat bisher keiner ausgesprochen. Ein Totaldesaster nämlich: Schließlich stehen ja nicht nur die Katholiken, sondern auch die Orthodoxen und die Protestanten auf dem Boden des Nizäno-Konstantinopolitanum. Jetzt haben wir schon so wenige Gemeinsamkeiten und sollen nun auch noch den GOttesSohn und damit ja wohl auch den Drei-Einen verabschieden?

Zielerreichung

"Erfolg ist keiner der Namen Gottes." (Buber, wenn ich mich nicht irre.)

"Nicht einmal in der Kirche." (Scipio)

"Mit einer Ausnahme." (Scipio, noch einmal.)

17. Januar 2010

Auch ein Buch zum Priesterjahr

Ich war in der letzten Woche auf Reisen und unterbrach daher meine Lektüre des "Geistlichen Wunderhorn" mit einem der Priesterromane von J. F. Powers, genauer mit "Morte d'Urban": Ein weltgewandter und weltzugewandter Priester, Mitglied eines obskuren Ordens voll schrulliger Mitbrüder, erlebt in den frühen 60ern harte Zeiten im Hinterland von Minnesota, wo er auf Katholiken und andere Menschen trifft, die - im Vorgriff auf das Konzil bzw. auf manche seiner späteren Interpreten - richtig schön "mitten in der Welt" leben, ja diese Welt recht eigentlich darstellen. Sie tun es nicht so, daß Father Urban sie in den Salons und Clubs von Chicago vorzeigen könnte, sondern auf ihre ländlich-hinterwäldlerische Art, die weniger mit GOtt und um GOtt ringt als IHn korrigiert.



Powers ist kein Bernanos, da ist nichts schwermütig, gewichtig oder offensichtlich bedeutungsvoll. Er schreibt dafür mit einem präzisen Blick für die alltägliche kirchliche Komik und führt seinen Helden mitsamt Mitmenschen permanent und leichtfüßig durch eine lange Kette von Absurditäten. Ein Tanz auf dünnem Eis, wo Bernanos', Greenes oder Percys Priester mit den ihnen Anvertrauten ins tiefe Wasser der Gnade springen...

Eine typische Szene und zugleich einer der Höhepunkte des Romans: Father Urban spielt mit dem lokalen Bischof und dessen jungem Hoffnungsträger um die Zukunft des Exerzitienhauses und des zugehörigen Golfplatzes - beides eignet sich ideal für das diözesane Priesterseminar. Vor allem letzterer. Der Kampf wird, wie es sich gehört, auf dem Golfplatz ausgetragen und gibt Powers Gelegenheit zu schönen Parallelen:

"The Bishop's drive had gone up like a balloon and had come down not more than a hundred and thirty yards out, but it had gone right down the middle - practically an episcopal announcement.

[Der Schlag des Bischofs stieg nach oben wie ein Ballon und schlug gerade einmal 120 Meter weiter auf, aber genau in der Mitte war er wie ein Stein heruntergerfallen - praktisch eine bischöfliche Verlautbarung.]" (S. 242)

Der Protagonist siegt, indem er durch einen Querschläger des Bischofs niedergestreckt wird - nun ist es natürlich unmöglich, Father Urbans Gemeinschaft zugunsten des golfspielenden Diözesanklerus zu enteignen.

Leichte Lektüre also und mithin ideal für Reisen oder den Urlaub. Zugleich eine Zeitreise ins Goldene Zeitalter der Katholischen Kirche im Übergang von Pius zu Johannes, als die katholische Welt (in den USofA und anderswo) noch in Ordnung und die Zukunft strahlend schien.

Die Einführung von Elizabeth Hardwick zur New York Review Books-Ausgabe hier als pdf.

Ein freier Mann

"The free man owns himself. He can damage himself with either eating or drinking; he can ruin himself with gambling. If he does he is certainly a damn fool, and he might possibly be a damned soul; but if he may not, he is not a free man any more than a dog.

Ein freier Mann gehört sich selbst. Er kann sich selbst schaden mit Essen und Trinken; er kann sich mit Glücksspielen ruinieren. Wenn er das tut, ist auf jeden Fall ein verdammter Narr, und vielleicht auch eine verdammte Seele. Aber wenn er es nicht darf, dann ist er nicht freier als ein Hund."

(G.K. Chesterton im Radio am 11. Juni 1935)

Feststellung zwischendurch

"unbeingdead isn't beingalive - Nicht-tot-sein ist nicht: lebendig-sein." (E.E. Cummings)

14. Januar 2010

Januarabend in Paris

In warmen Mänteln ziehen Studenten heimwärts,
Lachen prallt an die Mauern, springt über den Boulevard.
Die Fremdenführerin wünscht den Ihren ein "Sleep well",
während mir der Kassierer das Restgeld auf die Hand legt.

Sein Gesicht, die weißen Augen, ich kenne sie, doch woher?
Sah ihn schon am Morgen, da trug er ein verflecktes
Hemd und führte seine Frau, mit erschreckten Augen und
nur noch weg von den Ruinen, in denen kein Kind mehr schläft.

Bruder, behalte die Centimes, ich brauche sie nicht,
habe ja ein Dach überm Kopf, aus Wolle den Schal um den Hals,
eine warme Stimme im Ohr. Kein Himmel stürzt ein,
doch dein Blick macht mich schwanken bei jedem Schritt.

American, die Sechste: "Ain't no grave"

78 Jahre wird er demnächst alt und bringt noch einmal ein Album auf den Markt, wie Twang Nation berichtet: Johnny Cash. Der Albumtitel zitiert passenderweise das traditionelle Gospelstück: "Ain't no grave can hold my body down".

Ob das Album was taugt, wissen wir nicht. Den Gospel singen freilich gerne mit ihm und hoffen wie er auf das Ganz Große Wunder.

10. Januar 2010

Anthropologische Raritäten

"Einen vollkommen harmonischen Menschen gibt es fast überhaupt nicht; unter Zehntausenden, vielleicht aber auch unter vielen Hunderttausenden findet man je einen, und selbst die noch in ziemlich schwachen Exemplaren." (Fjodor M. Dostojewski in "Schuld und Sühne", aus der Zeit stammend, wo Christen noch keine Lieder fürs Wohlbefinden erdichteten und für € 13,99 unters Volk brachten.)

Silberling des Wellness-Christentums

Aus den Zeiten des "Katechismus für Bittlinger" läuft immer noch ein Google-Alert in meine Mailbox. Aus den dort aufgelisteten und allermeist irrelevanten Webseiten fällt mir immer wieder jener glorreiche CD-Titel aufs Gemüt, den ich - bei allem Verständnis für die pastoral-seelsorgliche Absicht - für eines der sprechendsten Symbole christlicher Kapitulation vor der Wohlfühlgesellschaft mitsamt passender Mentalität halte:

Gott tut gut: Lieder fürs Wohlbefinden.

Einem Johann Baptist Metz, einem Karl Rahner - um von anderen großen Theologen der jüngeren und älteren Vergangenheit, von Heiligen oder von Aposteln und Propheten ganz zu schweigen - ihnen schwölle der Scheitel und stiege die Galle angesichts so viel Einschleimerei beim Zeitgeist. (Und dabei kann es völlig dahin gestellt bleiben, auf welchem Mist dieser Mist gewachsen ist, ob auf dem des Odenwälder Autors und Sängers oder auf dem des Kösel-Verlages, der ja seit seinen großen Zeiten auch einen weiten Weg zurückgelegt hat, um sich schlußendlich der Frau Zeitgeist an die vertrocknete Brust zu werfen.)

9. Januar 2010

Die Zeiten ändern sich -

- und wir uns mit ihnen. Das gilt auch, gerade und vor allem: liturgisch.

Mit den auf Liturgical Correctness geprüften Damen-Sneakern ist die Kirchgängerin von Welt immer auf der Höhe der Zeit. Grün ist ab sofort die Farbe der Saison.

Versorgen kann mich sich hier, das Design stammt von Ironic Catholic.

8. Januar 2010

"Swing low chariot, come down easy"

Der Freund und Kollege von St. Leibowitz erinnert mich daran, daß Elvis heute seinen 75. Geburtstags feierte. Entsprechend schicken wir den "King" mit einem Lied von Chuck Berry auf eine Reise von Norfolk, VA nach Kalifornien und machen alle 80er-Synth-Pop-Duos für zwei Minuten vierundfünfzig überflüssig:


Bloggerexegese im Domradio

Wenn ein bloggender Dilettant im Kirchenradio das Tagesevangelium kommentieren und auslegen darf, dann ist das mehr als ein Reinhören wert:

Thomas Baumann alias dilettantus in interrete alias Thomas vom Abendland auf oder im oder beim Domradio.

7. Januar 2010

Beten als Moderner Mensch im Kämmerlein

Zu spät entdeckt, aber vielleicht hat ja schon jemand Freunde mit dieser Wii-Variante beglückt? Sonntag-morgen-Langschläfer etwa oder auch gehetzte Freizeitsportler, die es beim besten Willen nicht mehr in die Kirche schaffen?


Gebetseinladung II

Wer für Schillebeeckx und Daly betet, der betet natürlich auch für jene koptischen Christen, die in Nag Hammadi (Ägypten) nach der Weihnachtsmesse erschossen wurden. Was auch immer genau dahinter stecken mag.(Mehr bei Radio Vatican und der taz.)

Hier steht vor deinem Angesichte... Oder auch nicht.

Immer noch am Nachdenken bin ich, woran es lag, daß ich in der an sich normalen und vergleichsweise würdigen und feierlichen Abendmesse am Sonntag erst zum Tagesgebet mit den Gedanken und der Aufmerksamkeit bei IHm und vor IHm und IHm gegenüber landete. Ein Eröffnungslied - "Tochter Sion"? -, eine Einführung, die sich an uns Messteilnehmer richtete, ein pädagogisch getextetes Kyrie, in dem das dreimalige gesprochene Eleison reichte, um uns von den läßlichen Sünden zu befreien, wie der abschließende Satz mit anderen Worten feststellte, zwei Strophen von "Herbei, o ihr Christen" (oder wie das Adeste fideles auf deutsch beginnt) als Gloria - und dann endlich durften wir zum ersten Mal beten.

Irgendwas stimmt da nicht. Und ich glaube, es hängt auch mit dem Novus Ordo zusammen. Nicht nur mit Schlamperei oder Nachlässigkeit oder dem allzu-menschlichen-und-katholischem Laissez-faire. Sondern auch mit dem, was da erlaubt möglich ist und sich infolgedessen de facto eingenistet hat - an zu vielen Orten, bei zu vielen Gelegenheiten. So sehr, daß ich mich inzwischen auch mit Romano Guardini frage, ob der "moderne Mensch" (lies: moderne Katholik) noch liturgiefähig sei.

Nichts Neues? - Nun gut. An manchen Tagen fällt es einem leider mehr auf als an anderen.

Walker Percy für Kinogeher

Aus den USA erfahren wir via The Anchoress, daß dort ein "documentary" über Walker Percy im Entstehen ist bzw. demnächst in die Spartensender und Filmfestivals gelangt.

Vielleicht wird der Film auch für uns überseeische Walker Percy-Fans greifbar... Bis dahin erfreuen wir uns an diesem Trailer, in dem neben dem Schriftsteller Richard Ford auch Jay Tolson, Autor der ersten und besten Percy-Biographie, und Robert Coles, Psychiater und ein Freund Percys, zu Wort kommen, und in dem wir neben dem Arbeitsort Percys - er schrieb in den letzten Jahren seines Leben im Bett sitzend - den katholischen Schriftsteller wieder einmal nicht bei der Arbeit sehen, sondern mit seinen Töchtern am Strand.


"Mami, ich weiß nicht, was ich machen soll?"

Langeweile, Jungs?

Bei "The Art of Manliness" gibt es eine schöne Liste von Hobbies für Männer. Wer bloggt, praktiziert schon eines der 45 aufgelisteten.

Gebetseinladung

Nachdem der Große Gleichmacher am Tag vor Heiligabend bei Edward Schillebeeckx OP anklopfte, um ihn vor seinen und unseren Richter zu führen, hatte er am vergangenen Sonntag ein Stelldichein mit Mary Daly, einer der - "großen" mag ich nicht sagen, also: führenden ex-katholischen und ex-christlichen Radikalfeministinnen, die alles verabscheute, was etwas Männliches an sich hatte. GOtt also inclusive. Sie ist vermutlich in den paar Tagen seither schlauer geworden als in all ihren 81 Jahren zuvor und würde sich jetzt über ein paar Gebete sicherlich freuen.

Wenn es geht, auch den belgischen Dominikaner nicht vergessen.

Denkt dran: Auch wir werden einst abgeholt und hoffen dann auf das gleiche Erbarmen wie Bruder Edward und Schwester Mary, das wir jetzt für diese beiden erbitten.

Zur Lage der deutschen Metzgerwurst - eine Bestandsaufnahme

Wie schlimm muß es eigentlich um unsere deutsche Wurst- und Metzgereikultur stehen, wenn sogar das Smithsonian auf seinen Seiten einen ausführlichen Artikel zum Thema hat:

For German Butchers, a Wurst-Case Scenario?

Zusätzlich gewährt uns der Artikel eine interessante interkulturelle Erfahrung: Wir sehen uns selbst mit den Augen eines anderen, der uns für seine Landsleute - hier: primarily Americans - beschreibt.

(Hat tip to a good old friend in Toms River, NJ.)

6. Januar 2010

Hinschauen, wenn Er aufscheint

Wer als Bayer im befreundeten Ausland seine Brötchen verdient, soll sich nicht beklagen, wenn er das auch an Hochfesten zu tun hat. Und sei es auch das Patronats-Herrenfest des eigenen Blogs.

Trotzdem kann man sich ja von 1 Joh 1, 1-2 begleiten lassen:

"Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir: das Wort des Lebens. Denn das Leben wurde offenbart; wir haben gesehen und bezeugen und verkünden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns offenbart wurde."

Oder von Paul Claudel (Chant de l'Épiphanie):

"Il n'y a plus qu'à ouvrir les yeux et à regarder - Es bleibt nur, die Augen zu öffnen und hinzuschauen."

5. Januar 2010

2 Sorten Musik

Townes van Zandt:

"There are two kinds of music: the blues and zippity doo dah..."

Und die der Engel natürlich noch. Drei also.

3. Januar 2010

Elegische Gedanken beim Prospektblättern



O, aber die Sehnsucht nach der katholischen Hausfrau!
Scheuermilch und Staubsauger, Schrubber und Stoßgebet.
Wie sie einst scheuchte Mann und Kind von Zimmer zu Zimmer,
auf daß sie ungestört wirke,
das Heim richte für den kommenden Frühling.
Nichts, was man mit Gottvertrauen,
offenen Fenstern und common sense
nicht vertreiben könnte aus den dunkeln Winkeln!

Stattdessen nun Räucherkegel und Zimbel,
Steinsalz und Pinselquast, Tools für das
Auramanagement
, Drei-neunzig der Pack.

Die Oma dreht sich im Grab und freut sich,
daß sie nicht sehen muß die überschlaue
emanzipierte Enkelin in der Schlange
bei Thalia.

Und durch offene Fenster
zieht ein siebenfaches Ungemach,
der Baal mit seinen Buhlen.

Die Herrin des mündigen Kirchenvolkes

Ach, unser aller EKD-Ratsvorsitzende. Kaum im Amt und schon Hans-, Verzeihung: Hanna-Dampf in allen Gassen, Kanälen und Medien. Da kann man einfach nicht immer auf verräterische Kleinigkeiten achten. Da spricht frau halt auch mal eine Grammatik, die so transparent ist, daß Unerwünschtes vorscheint.

Frau Bischöfin freut sich in einem epd-Gespräch auf München 2010, genauer auf den 2. Ökumenischen Kirchentag, und weiß auch genau, was sie will:

"Das Kirchenvolk soll mündig gemacht werden."

Meine Grammatikkenntnisse sagen mir: Das ist ein lupenreiner Passiv.

Hier spricht eine, die ganz genau weiß, was andere sollen. Die weiß: Sie sind noch nicht so, wie ich will, daß sie seien. Eine auch, die machen wird, ob diese anderen wollen oder nicht. Eine Aktive, die den Passiv beherrscht. Den Behördenpassiv, der fordert und den Fordernden im Dunkeln lässt. Vielleicht sogar, denke ich mir, den Demagogenpassiv, der für das demos, das Volk spricht und der weiß, bestimmt und festlegt, was das Volk zu sein, zu fühlen, zu tun, zu denken hat.

2. Januar 2010

Schönheit und ihr Erschaffer

Es scheint, als habe Ludwig Fels, laut Wikipedia "Arbeiterschriftsteller" und Meister einer "aggressiven und sprachgewaltigen Prosa und Lyrik" eine Buch der Gottesbeweise geschrieben:

"Ihr perfekt proportionierter Kopf mit dem geringelten Haaransatz an den Schläfen ist von einer Ästhetik, die mich glauben lässt, dass ein paar Menschen direkt von Gott erschaffen sind. Der Rest sind Auftragsarbeiten, die an irgendwelche müden Engel oder gelangweilte Teufel vergeben wurden."

Die interessante Rezension von "Die Parks von Palilula" bei der FAZ.

Gemischtes Publikum

Variation eines gut 2.000 Jahre alten Themas, diesmal von Rumer Godden aus ihrem Roman "In this House of Brede":

"One of the good things about a Catholic church is that it isn’t respectable; you can find anyone in it, from duchesses to whores, from tramps to kings."

[Eines der guten Dinge bei einer katholischen Kirche ist: Sie ist nicht respektabel. Man kann jeden darin finden, von Herzoginnen zu Huren, von Pennern zu Königen.


Stimmt natürlich nicht immer. Der Blick in unsere Kirchen mit der Milieutheorie-Brille zeigt uns ein eher homogenes Publikum, das sich ganz und gar nicht immer freut, wenn plötzlich gesellschaftliche Extrempersonen auftauchen.

(Zitat via The Anchoress)

Schwestern im Schnee

Quasi als Fortsetzung des "Solche wie wir"-Posts ein Video aus dem Garten der Dominikanerinnen von Summit, NJ, verbunden mit einem Hinweis auf das Blog dieser offensichtlich quicklebendigen Gemeinschaft: Moniales OP. (via The Anchoress)



Girard im Gespräch

Einen Hinweis wert ist auf jeden Fall das fünfteilige Interview mit René Girard, das Peter Robinson für National Review Online führte. Gewisse Vorkenntnisse des Englischen ;-) und des Girardschen Denkens sind von Vorteil... (via Gil Bailies Blog)

Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5

1. Januar 2010

Jimmie Lauderdale

Hurrah, ich gehöre zu "ein paar Eingeweihten" - zu denen nämlich, die Jimmie Lauderdale kennen.

Dem Rest der Welt empfiehlt Jonathan Fischer im faz.net die Musik des "Predigersohns", Country-Sängers, Liederschreibers, Musikers aus North Carolina.

"Allzu sonnig-jovial mag es der Zweiundfünfzigjährige nicht: Deswegen ist er für den „Rolling Stone“ ein 'Nick Cave, begleitet von Bill Monroes Bluegrass Boys'. Aber liegt diese Nähe zu Tod, Krankheit und Außenseitertum nicht aller wahren Volksmusik zu Grunde? Lauderdales Verdienst ist es, die Countrymusik wieder zu sich selbst zu bringen und Nashville zu zeigen, wie zeitgemäß die raue Tradition der Appalachen klingen kann – wenn man sich nur traut."

Gelegentlich scherzen aber auch Appalachensöhne, zum Beispiel in diesem Video, in dem sich Jimmie Lauderdale, Ralph Stanley und die Clinch Mountain Boys unter dem Blick von Alison Moorer aalen möchten:

Und eines für die melancholischen Stunden am Jahresanfang:




Ola Belle Reed hält inne und schaut um sich:

High on the mountain, wind blowing free
wondering about the days that used to be.
High on the mountain, standing all alone,
wondering where the years of my life had gone.

As I looked at the valleys down below
they were green just as far as I could see.
As my memory turned: Oh, how my heart did yearn
for you and the days that used to be.

Oh, I wonder if you ever think of me,
or has time spotted out your memories?
As I listen to that breeze
whisper gently through the trees
I'll always cherish what you meant to me.

High on the mountain a wind blowing free
thinking about the days that used to be.
High on the mountain, standing all alone,
wondering where the years of my life had gone

Das Video zum Oktavtag

31. Dezember 2009

MMX

GOttes Segen, Freude, Glück und daß wir "von Zeit zu Zeit zum Geschenk einer Schulter" (John Berryman) werden dürfen - das alles wünsche ich für Zwanzig-Zehn allen Freunden, Feinden, Lesern und Besuchern!

Voll unapologetisch

"Ich habe mich nicht für diesen Glauben entschieden, um mich im gleichen Atemzug dafür zu entschuldigen."

Völlig unsensibel nimmt Elsa wieder einmal keine Rücksicht auf die selbstquälerischen Seelen von uns Wiegenkatholiken.

Und hat recht. Wo kämen wir hin, wenn jetzt auch die Konvertiten öffentlich zu überlegen begännen, warum sie "noch" katholisch sind!

Lyrik-Mem (Ergänzung)


(Wie immer, von Doug Savages Savage Chickens)

Solche wie wir

Ich bin ja diese ganze Rhetorik leid, in der "X auch (nur) ein Mensch wie wir" ist, wobei X für jeden beliebigen Heiligen, Bischof, Priester, jeder Ordensperson und gerne auch mal für den HErrn selber stehen darf.

Ei klar, was denn sonst! Aber wenn X wirklich nur wäre wie Sie, Du und ich, dann könnte er mir gerade egal sein. Der sündige Priester ist langweilig, die bockige Nonne uninteressant und der grau-in-graue Bischof keines bösen Gedankens wert. Aber der eifrige und fromme Priester, die fröhliche und demütige Ordensfrau, der mutige und Christus-ergriffene Bischof - sie sind es, die wir bewundern, weil sie eben nicht so sind wie - nun, von Ihnen und von Dir weiß ich zu wenig. Aber sie sind auf jeden Fall anders, weil besser als ich. Besser, so wie in: gelungener, heiliger, göttlicher.

Nach dieser langen Vorrede nun aber zum eigentlichen Anlaß dieses Postings. Er zeigt zwei Schwestern, die "so sind wie wir". "Nuns just want to have fun", titelt "Signs and Blunders" (where my deepest and heartfeltest thanks go for the great picture!).


Person des Jahres 2009

Zum Film: Hier.

Lyrik-Mem

Bei Dylan (more last than star) habe ich mir ein Lyrik-Mem geschnappt, als kleine Übung in Selbstvergewisserung bzw. -verungewisserung...

1. Das erste Gedicht, an das ich mich erinnere:
Warum nicht am Anfang anfangen, und sei er noch so klein? Kinderreime, vor allem die hiesigen, mundartlichen, die gereimten Tisch- und Abendgebete, bald die Kirchenlieder. Das mag alles keine große Lyrik gewesen sein, aber Gereimtes und Gedichtetes war damit Teil des Kinderalltags.

Das erste "richtige" Gedicht, das mich später wirklich und wahrhaftig getroffen hat - sozusagen das Erweckungserlebnis - war Stefan Georges "aus purpurgluten sprach des himmels zorn". Die Schlußzeile mit ihrem "und aller rest ist nacht und nichts" hat schon was mit ihrem apodiktisch-apokalyptischen Duktus. Doch lang ist's her...

2. Auswendig gelernte Gedichte:
Auch in Bayern gab es eine Zeit, in der Schüler vergleichsweise wenige Gedichte auswendig lernen mussten, und ich befürchte, das war die Zeit, in der ich groß wurde. Meine Erinnerung beschänkt sich auf den "Zauberlehrling", "Belsazar" und die "Bürgschaft".

3. Ich lese (keine) Gedichte, weil...
Doch, ich lese Gedichte, weil in einem guten Gedicht Form/Stil und Inhalt, Überraschung und verstehende Einsicht, Theorie und Bild, in einem Moment, auf kleinstem Raum zusammen gehen, eins sind, aufblitzen. Weil der Autor - auch der versteckteste, ironischste, scherzendste - spricht, sieht, singt.

4. Ein Gedicht, das mir einfällt, wenn man mich nach meinem Lieblingsgedicht fragt:
Joseph Brodskys "24. Mai 1980" oder E.E.Cummings' "i thank you God for most this amazing day". Und bei den Langgedichten: "Fredy Neptune" von Les Murray und David Jones' "Anathemata".

5. Ich schreibe (keine) Gedichte, aber ...
Außer ein paar üblichen Reimereien zu Familienfeiern habe ich mich eher selten an eigenen Gedichten versucht. Mir fehlt die Geduld, die Ausdauer, die Bereitschaft, immer und immer wieder heranzugehen, zu feilen, zu warten, bis sich das richtige Wort oder die rechte Sicht auftut.

6. Meine Erfahrung, wenn ich Lyrik lese, unterscheidet sich von der beim Lesen anderer Arten von Literatur?
Das kommt auf die andere Literatur an. Es gibt Prosa, die liest sich wie ein Gedicht. Zum Beispiel Moby Dick, die Pickwick Papers oder auch Handkes Versuche. Von Balthasars "Herz der Welt" sowieso.

7. Ich finde, Dichtung ist ...
... wie essen, schlafen und beten: lebensnotwendig. Und immer ein Geschenk.

8. Das letzte Mal, als ich Lyrik gehört habe, war ...
... wahrscheinlich bei einem der Appetitanreger des Lyrikstimmen-Projekts. Nelly Sachs?

9. Dichtung ist wie ...
... wiedergefundene Muttersprache.

30. Dezember 2009

Jahreshighlights

8. Folge - 2009: Bücher und Musik

Bücher:

1. Wassili Grossman: Leben und Schicksal - Ein Großroman über Stalingrad und damit über alles: über den Menschen in seinem Elend, seiner Größe und seiner Mittelmäßigkeit, über Opfer und Täter, Helden und Versager und die vielen, die beides sind.

2. Robert Barron: The Priority of Christ: Towards a Postliberal Catholicism - Zeigen, wie alles zusammenhängt im Christentum, denkerisch auf der Höhe der Zeit sein, dabei den Boden des kirchlichen Glaubens keine Sekunde verlassen: Father Barron gelingt das in seinem Buch.

3. Sebastien Lapaque: Bernanos encore une fois - Ich hatte Bernanos bisher immer durch die Balthasar-Brille gelesen, die keine schlechte ist, beileibe nicht. Und vielleicht sieht man als katholischer Deutscher Georges Bernanos nie leibhaftig in seinem Umfeld: dem Frankreich und dem französischen Katholizismus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, mit seinen Sackgassen und internen Zusammenstößen, seiner Schande und seiner Größe. Lapaque hat mir wenigstens einen Geschmack davon vermittelt und mir den Menschen Bernanos nahe gebracht.

Musik:

Da fällt mir die Auswahl schwer: Es gab einfach zu viel gutes Neues, neu wenigstens für mich. Neben den Auftaktalben der Girl Groups wie Baskery und Those Darlins z.B. Anständiges von den alten Meistern wie Bob Dylan und den Flatlanders. Nun denn, die Favoriten sind:

1. Alela Diane: To Be Still - Anrührende Folkmusik, ziieemlich perfekt.

2. The Gibson Brothers: Iron & Diamond - Für mich das wärmste, harmonischste der Bluegrass-Brother-Duette.

3. Reverend Peyton's Big Damn Band: The Whole Fam Damnily - Blues, urwüchsig und kraftvoll.

29. Dezember 2009

Neuzugang

Nicht nur, daß es der Blogozesen-Blog mit dem längsten Titel ist, wie Elsa aufmerksam bemerkt hat: Die Zahl der angekündigten Blogsprachen - 3 - verleiht "Deus, tu conversus vivificabis nos" ein weiteres Alleinstellungsmerkmal in der deutschsprachigen katholischen Blogosphäre.

Herzlich willkommen - ad multos postingos (oder wie auch immer das im Lateinischen sich nennt)!

Rahner-Marginalie

Immer diese kleinen Gleichzeitigkeiten...

Da las ich bei Stefan Hartmann gerade noch den Satz:

"Wichtiger aber als breite Ausführungen waren [Karl Rahner] „Kurzformeln des Glaubens“ – ein wortreicher Weltkatechismus (ohne theologisches Problembewusstsein) wäre ihm gegen den Strich gewesen, mit dem knappen "Kompendium" desselben (2005) hätte er sich wohl eher anfreunden können."

und stoße zwei Minuten später bei Ben Myers' Faith and Theology auf das einigermaßen ironische Faktum, daß es zu dem überaus wortreichen Opus Rahners zwei von Daniel T. Pekarske erstellte Bände mit Kurzzusammenfassungen ("Abstracts") gibt: Abstracts of Karl Rahner's Theological Investigations I-23 und Abstracts of Karl Rahner's Unserialized Essays, mit zusammengenommen immer noch mehr als 1.200 Seiten...

Ob sich der Meistertheologe wohl damit hätte anfreunden können?

28. Dezember 2009

Der Mikrokalender fürs neue Jahr

Die erste der Aktivitäten für die Zeit zwischen den Jahren:

Bei Googledocs kann, wer mag, sich ab sofort den Daumenkalender für das Jahr 2010 abrufen.

Er spart Platz, hält den Kopf beweglich ("Wenn der 1. Sonntag des Monats auf den 3. Januar fällt, dann ist der 19. Januar ein ...") und funktioniert, auch wenn der Akku leer ist oder das W-LAN nicht funzt.

27. Dezember 2009

Stephanus und die Gleichzeitigkeit der Christusbilder

Stanislaus äußert sich zum "Kreuz mit dem '2. Weihnachtstag'", den es liturgisch eigentlich gar nicht gibt.

Daß die Kirchen am Tag des hl. Stephanus so(vergleichsweise) voll sind, liegt eben nicht an der außerordentlichen Beliebtheit des Heiligen, sondern an der Ausweitung des Weihnachtstages (bzw. dem verbleibenden Rest der ehedem Zwölf Tage von Weihnachten), der die Heiligengedächtnisse dieser Tage entsprechend aufwertet und einfärbt. Daß umgekehrt die Feststimmung quasi routinemäßig gestört wird durch das Gedenken an den gesteinigen Märtyrer-Diakon, darauf sind die Zelebranten und das mitfeiernde Volk allermeistens eingestellt.



Selber fand ich es gestern wieder erhellend, als in der Aschaffenburger Sandkirche das Jesuskind in der Krippe, das Kruzifix auf dem Altar, das Gnadenbild der trauernden Mutter mit dem toten Sohn im Schoß und das Lamm GOttes auf einer Achse, der zentralen Blickachse lagen. Das ist auch ohne Stephanus und ohne ausdrückliche Erwähnung der kenotischen Dimension der Christgeburt eine deutliche Lektion. Und wer weiß: Vielleicht ist sie auf Dauer genauso wirkungsvoll wie jede dieser Predigten, die bequem-christliche Erwartungen ausdrücklich korrigieren wollen.

26. Dezember 2009

Weihnachtliche Zoologie

Kürzlich schaffte es das Münsteraner Institut für Theologische Zoologie in die kirchlichen und weltlichen Medien - rechtzeitig zu Weihnachten: Nicht nur uns sozialen, sprechenden, symbolbrauchenden, betenden Tieren ging der Stern auf, sondern den anderen in den Sieben-Tagen geschaffenen und durch die Flut geretteten Lebewesen genau so.

Wir müssen freilich nicht nach Münster schauen, um das zu erkennen - Nashville tut es auch. RightWingBob verlinkt zu einem Lied der beiden Louvin-Brüder, das sich die weihnachtliche Zoologie vornimmt:



"Jesus, our brother, kind and good,
Was humbly born in a stable rude;
And the friendly beasts around Him stood.
Jesus, our brother, kind and good.

Thus said the Donkey, shaggy and brown,
'I carried His mother up hill and down;
I carried His mother to Bethlehem town:'
Thus said the Donkey, shaggy and brown.

Thus said the Cow, all white and red,
'I gave Him my manger for His bed;
I gave Him my hay to pillow His head.'
Thus said the Cow, all white and red.

Thus said the Sheep, with the curly horn,
'I gave Him my wool for His blanket warm;
He wore my coat on Christmas day.'
Thus said the Sheep, with the curly horn.

Thus every beast by some glad spell,
In the stable dark was glad to tell
Of the gift he gave Emmanuel,
The gift he gave Emmanuel."

24. Dezember 2009

What GOD for us has done - Was GOTT für uns getan



Yo-Yo Ma und Alison Krauss mit dem "Wexford Carol".

Und das Wort ist ...


R. S. Thomas: Blind Noel

Christmas; the themes are exhausted.
Yet there is always room
on the heart for another
snowflake to reveal a pattern.

Love knocks with such frosted fingers.
I look out. In the shadow
of so vast a God I shiver, unable
to detect the child for the whiteness.(1)

R. S. Thomas: Blinde Weihnacht

Weihnacht; die Themen sind aufgebraucht.
Doch da ist immer Platz
auf dem Herzen für eine weitere
Schneeflocke, die ein Muster enthüllt.

Liebe klopft an mit Fingern voll Reif.
Ich schau hinaus. Im Schatten
eines so riesigen Gottes zittere ich, kann
das Kind nicht entdecken in all der Weiße.

Die Weihnachtsroutine kennen wir alle, x Lieder in der ersten und vielleicht auch den weiteren Strophen. Jeder Stern sitzt am Baum und die Wünsche fließen wie Honig: "Frohe Weihnachten!", "Friede uns allen!" und überhaupt "Schönes Fest!"

Sogar die Routine-Durchbrecher sind geübt: "Mach's wie Gott - werde Mensch" und "Weihnacht in Haiti ist anders, ist schlimmer als hier. Keine Geschenke, kein Baum, und wenn, wäre er Brennholz in kalten Nächten."

Weihnachtsworte, im Zehnerpack, bunt sortiert, für jede Gelegenheit, jedes Ohr, jede Stimmung. So billig wie nie. Und nächstes Jahr fallen die Preise erneut, kein Zweifel.

Im Anfang war das Wort und das Wort ruft in der Krippe, schreit seinen ersten Verzweiflungsschrei ins Dunkel, bevor die Mutterbrust den kleinen Mund findet und stillt. Das Wort schreit wieder in der Nacht, die kommt mitten am Tag, als ob ein Vorhang zerrisse, so schreit es. Und am Ende: wieder das Wort. Noch einmal schreiend? Oder rufend? Oder ganz still, in Schweigen kehrt es zurück?

"Reden wir, denn wer redet, ist nicht tot." Mag sein. Und wer plappert? Lebt der noch? Wenn vor dem Wort unsere Wörter nicht passen, die Grammatik zerspringt: dann schweigen wir besser, verhalten uns still, bewegen uns kaum zwischen dem stummen Ochsen und dem Ja-Sager daneben. Und schauen einstweilen.

Glauben, das sehen lässt, und Sehen, das den Glauben nährt - das wünsche ich all den Lesern und Besuchern dieses Blogs. Den regelmäßigen und denen, die Bruder Zufall hier vorbeiführt. Den Gläubigen und den Ungläubigen. Den Zweiflern sowieso. Denen, deren Glaube und Gebet mich trägt. Den vielen Freundinnen und Freunden, und denen, die ich nicht kenne. Round the globe: von Goldbach/Ufr. bis zu den Gegenfüßlern im Pazifik.

Frohe Weihnachten Euch allen!

Scipio

(1) R. S. Thomas: Collected Later Poems: 1988 - 2000.- Tarset: Bloodaxe, 2004, S. 288

23. Dezember 2009

Kleine Aufgabenliste für den Tag davor



(Mit Dankeschön an Andreas, der mich an Sufjan Stevens erinnerte)

O komm, o komm, Immanuel!


22. Dezember 2009

Randbemerkung zu einer Überschrift



Sorry, Radio Vatican: Für und bei Pius XII. hat sich nichts getan, keinen Schritt näher ist er irgendeinem Ziel gekommen.

Allerhöchstens für uns und für die Kirche hat sich etwas geändert, nämlich die Erkenntnis dessen, was er - aus Gnade allein - für uns sein darf.