6. Februar 2010

Das Heil als Freude

Vater Alexander Schmemann am 3. Dezember 1976 in seinen "Aufzeichnungen" (Freiburg: Johannes, 2002, S. 204-5):

"Ich glaube, Gott vergibt alles eher als Freudlosigkeit: wenn wir vergessen, dass Gott die Welt erschaffen und sie gerettet hat. Die Freude gehört nicht nur zu den 'Komponenten' des Christentums, sie ist seine alles durchdringende Grundstimmung - Glaube und Schau. Wo keine Freude ist, da wird das Christentum zur Angst und somit zur Qual. Wir wissen von der Gefallenheit der Welt nur, weil wir auch im ihre herrliche Erschaffung und ihre Errettung durch Christus wissen. Das Wissen um die gefallene Welt tötet die Freude nicht, die in der Form einer hellen Trauer unablässig in diese Welt ausstrahlt.

Diese Welt hat ihren Spaß; dieser aber ist freudlos, denn Freude (etwas anderes, als was man 'Spaß' nennt) kann nur von Gott kommen, nur von oben - nicht nur Freude über das Heil, sondern das Heil als Freude. Man bedenke - jeden Sonntag halten wir mit Christus ein Festmahl, an Seinem Tisch, in Seinem Reich; dann versinken wir wieder in unseren Problemen, in Angst und Leid. Gott hat diese Welt durch Freude gerettet: '... Ihr werdet traurig sein, doch eure Trauer soll in Freude verwandelt werden...' (Joh 16, 21: 'Eine Frau, wenn sie gebiert, hat Schmerzen, denn ihre Stunde ist gekommen. Wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist')."


"Gott hat diese Welt durch Freude gerettet" - ist das nicht zugleich schön und wahr? Durch eine Freude, die, wenn sie uns trifft, nicht als wertvolles Stück in den Schrank geräumt und nur bei besonderen Anlässen getragen wird. Durch eine Freude, die zur Schau und zum Glauben wird, die uns die Wirklichkeit zeigt, in ihrer Helle. In ihrer Gefallenheit, die auf die volle Enthüllung der Kinder Gottes wartet, um in die neue Schöpfung GOttes einzugehen. Nicht im Feuer vernichtet, sondern im Licht ganz in der ursprünglichen Schönheit aufstrahlend.

"Eine helle Trauer" - nicht die Trauer ist uns verboten, sondern die Hoffnungslosigkeit, das Schwarzmalen, das die Überraschung ausschließt, die wir mit jeder Faser unseres Herzens erwarten. Verloren ist verloren, kein Zweifel. Aber verloren an IHn.

Keine Kommentare: