27. Februar 2009

Und wieder einer, der das Konzil anerkennt

Wenn Zenit Hans Küng so zusammenfasst:

In diesem Zusammenhang sprach sich Küng für ein 'III. Vatikanisches Konzil' aus. So könnten jene Fragen angegangen werden, auf die das Zweite Vatikanum keine Antwort gegeben hätte. Zu diesen Fragen gehören nach Küng der Zölibat und die Geburtenkontrolle. Ein neues Konzil sollte sich nach Ansicht des Schweizer Theologen außerdem zur Methode der Bischofswahlen äußern.

bedeutet das, daß der Professor alle Antworten akzeptiert und voll bejaht, wo das Zweite Vatikanum sie gab?

Wow! Klasse! Kompliment nach Tübingen!

Und wieder Aufruhr im Vaterland

"Es hat diesen Holocaust sicher in diesem Umfang mit sechs Millionen Getöteten gegeben. Wir haben diese Zahl durch Abtreibungen aber bereits überschritten."

Angesichts dieses neuen Gipfels an unüberbietbarer "Perfidie", wie der - selbst unter friendly fire geratene - Herr Kramer meint, habe ich doch ein paar Fragen:

Ist das Schlimme an Bischof Mixas die Verharmlosung des Holocaust? Oder die Dramatisierung der gefälligst zu beschweigenden Abtreibungen in der BRDeutschland?

Liegt der eigentliche Verstoß, das, was diese Vehemenz der Reaktionen erklärt,im verharmlosenden Vergleich des Unvergleichbaren, oder nicht mindestens genauso darin, dieses unappetitliche, in den Wandschrank gepackte Thema klar und eindeutig anzusprechen? Das Tabu zu problematisieren? Die Ruhe zu stören, mit der die Nation Unrecht geschehen lässt?

Dürfte der Bischof dem Scipionischen Sprachgebrauch folgen und stattdessen von Killing Fields sprechen? Oder beleidigt er da auch jemanden?

Innerkirchlich sind klare Worte gefordert übers Wochenende, bischöfliche Solidarität als Ausdruck der Einheit des Kollegiums. Der Episkopat ans Mikrophon! Der Mainzer Kardinal kann vielleicht schon einmal den Satz mit neuem Objekt üben:

"Ich muss sagen, es tut mir für Bischof Mixa leid, der ja die lautersten Absichten hatte."

Für die katholischen Zwitscherer

Eine Liste von "Cool Catholics on Twitter" bei Father Roderick.com via AmPap.

Mr. Cashs Geburtstag

Den liturgischen Kalender habe ich zwar dank Peter in meinem MS Outlook, aber die Geburtstage der literarischen und musikalischen Hausheiligen fehlen noch.

Bereits gestern hätte Johnny Cash seinen 76. Geburtstag feiern können. Er fehlt uns, aber immerhin haben wir von ihm jede Menge Musik, youtube-Videos und Sätze wie diesen:

I love songs about horses, railroads, land, Judgment Day, family, hard times, whiskey, courtship, marriage, adultery, separation, murder, war, prison, rambling, damnation, home, salvation, death, pride, humor, piety, rebellion, patriotism, larceny, determination, tragedy, rowdiness, heartbreak and love. And Mother. And God.

Ich liebe Lieder über Pferde, Eisenbahn, dasLand, das Jüngste Gericht, die Familie, schwere Zeiten, Whiskey, Brautwerben, Heiraten, Ehebruch, Trennung, Mord, Krieg, das Gefängnis, das Herumziehen, Verdammung, das Daheim, Erlösung, Tod, Stolz, Humor, Frömmigkeit, Rebellion, Patriotismus, Diebstahl, Schicksal, Trägodie, Raufereien, Herzschmerz und Liebe. Und über Mütter. Und Gott.

26. Februar 2009

Wofür ich die Kirche liebe

Eines meiner Fastenvorhaben ist es, hier im Blog eine neue Serie zu starten: "Wofür ich die Kirche liebe", als mein Dank für knapp 5 Jahrzehnte kontinuierlichen Beschenktwerdens.

Ich denke, es wird die hier übliche Melange aus Persönlichem und Irgendwie-vielleicht-Allgemeinem-mindestens-aber-Interessantem in die Tastatur fließen, das Beschaulich-Fromme wird mit einer Kruste Amüsemang und Leichthinnigkeit daherkommen, und natürlich werde ich nicht sagen: "Das alles gibt es nur in der Una Sancta Romano-Catholica" - das nur um ewaigen Einwänden vorzubeugen, manches sei doch gar nicht typisch oder ausschließlich katholisch.

Eine kleine Liste habe ich mir angelegt - jetzt brauche ich nur noch die rechte Lust und Einhauchung, um damit anzufangen.

Die nächste Country Girls Group

Musikabstinenz gehört nicht zu meinen Fastenvorsätzen, was sich gut trifft:

Hier kommen Those Darlins aus Murfreesboro, TN mit "Wild One" und erfrischend-leichtem Country. Charlie Louvin durfte auch schnell mal ins Bild - fürs Singen und Spielen wurde er dann doch nicht gebraucht.

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25. Februar 2009

Allein mit wilden Tieren

Versuchungen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.

Früher waren das einmal solche zur Sünde, vorzugsweise gegen das sechste Gebot, aber gerne auch gegen die anderen neun.

Heute sind das andere, solche, "die tiefer gehen, die den Menschen wesentlicher betreffen, die ans Eingemachte gehen": "Versuchung zur Untreue gegen mich selbst, zum Beispiel. Die Resignation: 'Aus mir wird ja doch nichts. Das werd’ ich nie lernen.' Die Angst vor den Konsequenzen: 'Wenn ich ehrlich bin, würde ich ja lieber ... Aber wer weiß schon, wie das alles endet.' Die Flucht vor der Verantwortung: 'Was kann ich als Einzelner schon tun?' Die Versuchung, es allen recht zu machen und dabei das eigene Profil zu verlieren."

Gut, daß es Jesus gab: Hat er doch 40 Tage Aug in Auge mit solchen Ungeheuern wie Angst, Resignation, Sachzwängen zugebracht.

"Darin kann er für uns ein Vorbild sein. Wir können es uns leicht machen und allem aus dem Weg gehen. Die Verantwortung für unsere Welt, für unsere Mitmenschen, für uns selbst von uns weisen, obwohl wir sie spüren. Den quälenden Fragen nicht nachgehen und lieber den bequemen Weg suchen. Aber dann kann es sein, dass wir uns selbst untreu werden, dass wir unsere eigenen Wünsche, unsere eigenen Ziele und Hoffnungen verraten. Dann werden wir vielleicht einiges in unserer Welt erreichen, aber nicht das, was wir selbst im Innersten suchen, wozu Gott uns berufen hat.

(...) Vielleicht gelingt es auch uns in diesen vierzig Tagen der Fastenzeit, einige unserer wilden Versuchungen zuzulassen, sie zu zähmen und uns mit ihnen zu versöhnen."


Doch was machen die armen Schweine wie ich, die immer noch von der alten Sorte Versuchungen gequält werden? Die nichts von diesem neumodischen Versuchungszeug spüren, dafür aber gerne einmal Steuern hinterziehen, kleine Lügen in die Welt setzen, die Frau oder das Eigentum des Nächsten begehren? Sollen wir auch "zulassen" (wann, wie oft?), "zähmen" (aber wie?), "uns versöhnen" (mag das der große Gesetzgeber?)? Darf ich sagen: "Wenn ich ehrlich bin, würde ich ja lieber..." und dann ohne Angst vor den Konsequenzen auch tun?

Ratschläge erbeten an: scipio.

(Zitate alle von Dr. S. Silber: Eine Nacht mit wilden Tieren)

24. Februar 2009

Alles Gute, Herr GKK

Mit ein bißchen Verspätung schließe ich mich den vielfachen Glück- und Segenswünschen (hier Pfr. Oblinger in der jf, dort Götz Kubitschek in der sezession) an Gerd-Klaus Kaltenbrunner an, der gestern 70 Jahre alt geworden ist.

Einigermaßen überrascht habe ich festgestellt, daß nicht ich irgendwann in den 80ern GKK aus den Augen verloren habe, durch veränderte Interessen und Neigungen, sondern daß er sich generell aus der Öffentlichkeit in den Schwarzwald zurückgezogen hat. Und, wie man hört, dabei auch zum Sedisvakantisten wurde (vgl. Kommentar Nr. 2). Die Wünsche des katholischen Bloggers (und jugendlichen INITIATIVE-Lesers, wie ich 30 Jahre später stolz bekenne) soll das nicht mindern sollen ihn, wenn schon nicht dort am Bildschirm, so doch in der communio sanctorum erreichen.

Wo die bösen Brüder nisten

Und noch einmal die "Zeit" mit einer scharfsinnigen Beobachtung:

"Die Gegenden, in denen der deutsche Papst aufwuchs und lehrte, sind anfällig für eine erzkonservative Variante des Katholizismus: Marktl am Inn, Hufschlag, Tübingen, Regensburg."
Of all places: Tübingen.

Wer den Piusbrüdern entgehen will, findet dort auch eine sehr sinnige Deutschlandkarte zum Umfahren der Erzkonservativen. Oder hält sich grundsätzlich nur im piusbrüderfreien Norden und Osten der Republik auf:

"Im Norden und Osten, wo Deutschland überwiegend protestantisch ist, sind die Brüder so gut wie gar nicht vertreten. Oft haben sie sich, etwa im Süden, in kleinen Orten eingenistet, wo sie ihren Glauben weitab vom verhassten Zeitgeist praktizieren.

Und sie hätten es vermutlich noch eine ganze Weile unbemerkt getan, hätte der Papst nicht den Blick auf sie gelenkt."


Deo gratias!, wie man vorkonziliar sagte.

Christenliebe

Wolfgang Schmidbauer, Paarberater der "Zeit" gewährt uns eine kurze Innenansicht zweier Fundamentalismen:

"Die Liebe und die Religion sind ähnlich in ihren Ansprüchen. Sie fordern völlige Hingabe und wachen eifersüchtig über ihren Einfluss auf die Gläubigen."

Wer sich den Fall von Jan (leger-katholisch) und Jule (ev.-freikirchlich) genauer durchliest, fragt sich natürlich, ob überhaupt eine Frau mit einem Mann glücklich würde, dem "die katholische Kirche mit ihrem verknöcherten Gottesdienst ... auf einmal viel näher ist" als ein "Jubelgottesdienst".

"Showstopper" um 12 Uhr nachts

Für die heutige Fasenacht bin ich auf eine schöne Empfehung von Maria Augusta Trapp gestoßen - dieses Jahr werden wir das nicht mehr alles so hinbekommen wie sie es in ihrem Buch "Around the Year With the Trapp Family" ("Feste feiern mit der Trapp-Familie") empfiehlt. Nächstes Jahr aber ganz bestimmt:

"The last three days before Ash Wednesday everywhere, not only in Austria, but also in other countries, pancakes ('Palatschinken' in Austria) were eaten, obviously merely because eggs and butter and milk had to be finished off before the fasting began, and pancakes took care of a great many eggs and much milk and butter! These last days before Ash Wednesday are the climax of Carnival. In the Catholic countries. where Lent afterwards would be taken seriously, work was stopped. People made merry practically day and night. In South America it still seems to be this way, according to stories we have heard in Rio! The last day of Carnival is 'Mardi Gras' or 'Faschingsdienstag' or 'Fat Tuesday.' This should be a big celebration, if possible of the whole parish together, or a circle of friends, and everything which one did during the previous weeks should be done just once more. 'Once more this dance!' 'Once more this song!' 'Once more this game!' -- until twelve o'clock sharp. When the clock strikes twelve, in the middle of the dance, according to the good old tradition, one should stop and the whole group should kneel down and say one 'Our Father' together and then, rising up, say, 'I wish you a blessed season of Lent' and go home."

"Wütender Williamson auf dem Weg nach London"

Da wissen sich die SpOn-Journalisten nur noch mit einem Stabreim zu helfen, wenn einem ihrer Berufskollegen doch tatsächlich bei der Ausübung seines Berufes "mit der Faust" gedroht wird.

Als ob von einem Holocaustleugner nicht sowieso das Schlimmste zu erwarten sei.

Zwei von uns

Benedikt XVI. am 18. Oktober 2006:

"In der Reihe der zwölf von Jesus berufenen Apostel richten wir heute unser Augenmerk auf Judas Iskariot, der seinen Meister verraten hat. Ebenso wenden wir uns kurz dem Matthias zu, der dann den Platz des Judas im Apostelkreis eingenommen hat. Viele meinen, an der Seite des Gottessohns könne man nichts anderes als gut werden. Und doch wurde Judas zum Verräter (vgl. Lk 6, 16). Jesus achtet die innere Freiheit des Jüngers, selbst wenn dieser sich schließlich in seinen Vorurteilen und im Eigenwillen verstrickt. Auch für jeden von uns besteht die Gefahr eines verstockten Herzens. Wir können dem vorbeugen, indem wir stets die innere Gemeinschaft mit dem Herrn suchen und in unserem Denken und Handeln an ihm Maß nehmen. Zudem haben wir die Gewißheit: Gott bezieht auch Menschen wie Judas in sein Heilswerk ein. Der Verräter liefert Jesus aus, und dieser gibt sich am Kreuz aus Liebe zu den Menschen hin. Und Matthias, auch er ein Zeuge des Wirkens Jesu, trägt diese frohe Botschaft der göttlichen Liebe hinaus in die Welt."

23. Februar 2009

Abschluß und Überleitung in den morgigen Tag

Rhymin' Paul Simon: Take Me To The Mardi Gras:

Die 2. Runde R&B aus New Orleans

Huey Piano Smith geht es trotz "Rockin' Pneumonia and The Boogie Woogie Flu" hörbar gut:

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Kurz, rund und die Sehnsucht meines Herzens

Zu Ernsthaftem bin ich heute nicht groß aufgelegt, so soll youtube wieder einmal aushelfen: Mit dem Alt-Rock-n-Roller Larry Williams (1935-1980) und seiner "Short Fat Fannie".

22. Februar 2009

Kissler über einen sanftmütigen Sturkopf

Schon vor einigen Tagen hat Alexander Kissler in der Süddeutschen die Biographie Erzbischof Marcel Lefebvres aus der Feder des von ihm geweihten Bischofs Bernard Tissier de Mallerais rezensiert.

So fängt er an:

Aus einer solchen Figur hätten Flaubert, Balzac, Bloy mehr als nur einen Roman geschaffen.

und so schließt er:

Es stimmt noch immer, was der spätere Mainzer Erzbischof Karl Lehmann schon 1976 formulierte. Lefebvres "Wirken und sein Echo" haben eine "nicht zu leugnende Krise in der gesamten nachkonziliaren Situation bewusster gemacht und ernster erscheinen lassen." Eine Kirche, die den Eindruck vermittelt, sie sei recht eigentlich auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil gegründet worden, darf sich nicht wundern, wenn aus ihren Reihen eine derart schrille Opposition im Namen vorkonziliarer Traditionen aufersteht. Zweitausend Jahre sind kein Tag.

Der Rest ist ebenfalls lesenswert und informativ.

"Nicht meine Messe"

Father Tim Finigan (Our Lady of the Rosary, Blackfen) a.k.a. His Continuous Hermeneuticalness geriet kürzlich ins Visier des englischen "Tablet", der es gar nicht gut fand, daß Father eine seiner vier Sonntagsmessen in der außerordentlichen Form des Römischen Ritus feiert (vgl. auch hier).

"That was not my Mass", so wird eines seiner Pfarrkinder zitiert, und während Father Tim das für den speziellen Fall - eine Seelenamt - auch gerne zugibt, wehrt er sich gegen den Grundtenor des gesamten Artikels, nicht nur in Worten, sondern auch mit dem durchaus sehenswerten Bild eines Pontifikalgottesdienstes.

Die Stimme des Lehramtes

So klang sie 1903 in Rom, als Leo XIII. auf der kathedra Petri saß:



(via New Liturgical Movement)

Bei der Fülle anfangen

Hans Urs von Balthasar in seinem Aufsatz "Merkmale des Christlichen" (in: Verbum Caro.- 3. Aufl.- Freiburg: Johannes, 1990, S. 179f.):

"Christliches Leben kann, im Sinn der Gnade, des Glaubens und der Liebe, nur ein Leben aus der Fülle und darum ein Leben der Dankbarkeit sein: eucharistia. Über alles Bedürfnis und alle Hoffnung hinaus aus dem Füllhorn des ewigen Lebens überschüttet, kann es nur noch die ständige Bezeugung dieses Gnadengeschenkes sein.

So lebt der Psalmist im ununterbrochenen Lobpreis der Erbarmungen Gottes. So lebt Maria im Magnificat. So braucht der Christ sich nur von der Tatsache, daß das ewige Leben in Glaube und Liebe ihm geschenkt ist, von der Strömung dieses Lebens leiten zu lassen, um sich ganz zu einem Ausdruck dieses Lebens zu machen.

Es gibt daher auch keine 'Entwicklungsstufen' des christlichen Lebens im Sinne der aszetisch-mystischen Aufstiegsschemata der übrigen Religionen, sondern eigentlich nur Entfaltungsstufen des Gnadenlebens in uns, die immer totalere Wegräumung alles dessen, was der Gnade noch Raum versperrt.

Der Christ darf und soll immer bei der schon gegebenen, schon vorausgesetzten Fülle einsetzen. Und je mehr und je konsequenter er es tut, um so besser wird er Christ sein. (...)

Im Christlichen dagegen ist jede Weigerung, von der Fülle auszugehen, eine Form des Unglaubens. Die Apostel sind ständig bemüht, den durchschnittlichen Christen diesen Unglauben auszutreiben, ihnen den Glaubensmut zur Umkehrung der Perspektive zu geben, sie von dorther wandeln zu lassen, worauzu sie erst zu wandeln meinten."