28. Oktober 2007

Die höchste Form der Bedürftigkeit

Aus den Betrachtungen Adrienne von Speyrs über die Geheime Offenbarung, hier zu Vers 2, 17 ("Wer überwindet, dem will ich von dem verborgenen Manna geben, und ich will ihm einen weißen Stein geben..."):

"Während das alte Manna eine Stillung vieler kleiner irdischer Bedürfnisse war, horizontal, ist der Sohn zuerst die große, vertikale Sichtbarmachung des Vaters. Und erst im Dienste dieser Offenbarung des geistigen Gottes und unserer Hinführung zu ihm, verströmt er sich horizontal auf Erden. Nicht irgendeine Speise wird jetzt verteilt, sondern das Wort Gottes selbst, das immer Zeugnis des Vaters ist und Gespräch mit ihm. Und seine Sinnlichwerdung ist Ausdruck des Übersinnlichen und Ermöglichung, daß wir mit unseren Sinnen bis hin zu Gott reichen. Durch ihn und in ihm wird Gott für uns sinnlich und werden unsere Sinne fähig, Gott zu berühren. Und das alles wird endgültig im Geheimnis der Eucharistie. (...)

Christsein heißt nicht bedürfnislos sein, sondern im Gegenteil, alle Bedürfnisse haben, die der Vater in den Menschen hineingelegt hat, also auch den Hunger nach Speise. Wer reiner Geist sein wollte, der würde sowohl die Schöpfung wie die Eucharistie verachten, sich schämen, den Mund aufzutun, um das Brot und die Hostie zu empfangen. Und beide gehören zusammen wie Verheißung und Erfüllung.

Gott will nicht, daß die Kommunion
ein reines Symbol sei. Die Kommunion ist die höchste übernatürliche Form der menschlichen Bedürftigkeit, in welcher alle natürlichen Formen nicht geleugnet, aber erhoben, überhöht und der Speisung durch Gott gänzlich untergeordnet sind." (Apokalypse.- Wien: Herold, 1950, S. 156f.)

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