13. Februar 2008

Pfarrbücherei und Gesellschaft

Wo wir es vor ein paar Tagen vom Borromäusverein und vom katholischen Büchereiwesen hatten: Das folgende Zeitungszitat stammt aus einem Bericht zum 50-jährigen Bestehen einer katholischen Bücherei in meiner Nähe:

"Die katholische Bücherei ist übrigens für jeden zugänglich: Auch Leser aus den Nachbargemeinden und Anhänger anderer Glaubensrichtungen sind herzlich willkommen und werden nicht schief angeschaut, wenn sie sich 'Sakrileg' oder 'Die Hexe von Portobello' ausleihen wollen."

"In a nutshell", in wenigen Worten finden wir hier, nein: nicht Mission und Vision katholischer Büchereien Deutschland ausgedrückt, aber doch wieder einmal das auf den Punkt gebracht, was die deutsche Öffentlichkeit von "uns" erwartet: Die Ununterscheidbarkeit vom Rest. Die Profillosigkeit. Die Integration in den deutschen Mainstream. Eine gute Prise Masochismus obendrein: Die nette evangelische Grundschullehrerin kann sich mit Dan Brown ihre Vorurteile über die katholische Kirche bestätigen und nebenhin in den Unterricht einfließen lassen. Und Muslime merken, wie wenig ernst die Katholiken das nehmen, was sie glauben.

(Nein, ich bin nicht für eine Bücherverbrennung oder Säuberungsaktionen in Pfarrbüchereien, sondern nur für ein wenig Nachdenken, was da angeschafft, empfohlen und verliehen wird...)

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Da könnte genausogut stehen:
Auch Leser aus der Nachbargemeinde und anderer Glaubensrichtungen sind herzlich willkommen. Sicher haben sie auch Verständnis dafür, wenn sie Werke wie Sakrileg oder die Hexen von Portobello in unserem Bücherbestand jedoch vergeblich suchen.

Wieso steht das nicht da?
PS: Ich hab gebetet wie eine Verrückte! Schön, dass du mit guten Nachrichten heimgekehrt bist. (Und damit meine ich nicht den Eintrag über sogenannte katholische Büchereien) :)

Achti hat gesagt…

Ich teile den Ärger über die Profillosigkeit.
Dennoch sind dies ja auch Bücher, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen. Solche Bücher im Sortiment zeugen doch auch davon, dass wir die wahre Welt mit wachen Augen wahrnehmen und eben keinen Index führen, mit verbotenen Büchern. Das haben wir doch zum Glück hinter uns.

Klar gibt es da auch Grenzen.. Ein Kamasutra müsste eine Gemeinde z.B. nicht unbedingt führen. ;-)

Andersrum kann man Profil auch positiv zeigen durch Bücher, die sehr wohl da sind, z.B. glaubensfördernde Werke oder kritische Stellungnahmen zu aktuellen Ketzerwerken.

Gegen Dummheit ist leider kein Kraut gewachsen. Wer seine Bildung aus Dan Browns Romanen bezieht, dem ist wahrlich nicht zu helfen.

FingO hat gesagt…

Dabei könnte man, selbst wenn man die Bücher verkauft, ein Zeichen setzen: Dawkins bspw einfach mal zur Belletristik stellen oder Dan Brown zu Humor... oder einfach beides zu Esoterik.

Wenigstens könnte man in christlichen Buchhandlungen neben die jeweiligen Bücher die Antworten aus christlicher Sicht daneben stellen (also Atheismuswahn neben Gotteswahn stellen bspw).

Anonym hat gesagt…

>>Ein Kamasutra müsste eine Gemeinde z.B. nicht unbedingt führen. ;-)>>
Warum nicht? Es handelt sich um einen spirituellen Weg, immerhin.
Und enthält keine antikatholische Propaganda. (!)
Übrigens habe ich rein gar nix gegen Dan Brown, aber das starke Gefühl, dass die katholische Kirche sich vielleicht mal wieder mehr darüber definieren sollte, was sie NICHT ist und NICHT will, anstatt es immer nur jedem Recht machen zu wollen. Dan Brown ist kein RARES Exotenbuch. Ich kriege es an jeder Tankstelle. D.h., ich MUSS es wirklich nicht in der kath. Bücherei führen. Wozu auch?
Es kommt ja auch niemand auf die Idee, Schweinefleischdöner anzubieten.
(Okay, der war schief, der Vergleich, aber ich assoziiere immer gerne frei und spontan).
:-/

Anonym hat gesagt…

Ich muss ich korrigieren, Tantra ist der spirituelle Weg :-), nicht Kamasutra.
Tschuldigung.

dilettantus in interrete hat gesagt…

Naja!
Innerhalb einer christlichen Ehe scheint mir das Kamasutra sinnvoller zu sein, als Dan Brown in einer christlichen Bibliothek; obwohl FingOs Vorschlag natürlich was hat.

Achti hat gesagt…

Tantra ist natürlich im christlichen Kontext auch umstritten, ob man das inner Pfarrbücherei braucht.
Nicht alles Spirituelle ist auch christlich bzw. gut.
So etwas würde ich eher rausnhemen (weil es einen anderen, synkretistischen Weg ) zeigt. Da müssen wir unser eigenes Material pfeilbeiten.
Aber die kritischen Anfragen dürfen sein und brauchen Raum. Und auch da können wir uns gut daneben positionieren, z.B. neben "Gotteswahn" die Gegenschrift "Atheismus-Wahn."