17. Februar 2008

Bemerkungen zum Spiegel-Interview

Nachdem sich inzwischen Martin gemeldet hat, Doxadei und der Orden des Hl. Leibowitz wertvolle Zitate beigesteuert haben und mir das vollständige Interview des Freiburger Erzbischofs und Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz zugänglich ist, nun, da relativiert sich doch so manches.

Z. B. lautet die Passage über das Kirchesein der evangelischen Kirche(n) vollständig so:

Spiegel: Ist die evangelische Kirche nun aus Ihrer Sicht Kirche?

Zollitsch: Ja, sie ist eine Kirche, aber eine andere. Nach katholischem Verständnis ist sie nicht im vollumfassenden Sinne Kirche. Sie ist Kirche. Ich kann ihr das nicht absprechen.

Nun verhält sich mit der Kirche nicht so wie mit Autos: VW, Mercedes, Citroen - Autos sind sie alle, und welches man fährt, hängt von den eigenen Vorlieben, Ansprüchen und Mitteln ab. Autos gibt es in der Mehrzahl, bei der Kirche bin ich mir nicht so sicher, bei den kirchlichen Gemeinschaften und den "Kirchen" dagegen schon eher. Nun ist ein Interview mit dem Spiegel nicht der Ort für Differenzierungen und selber schuld, wer sie dort sucht. Aber das Adjektiv "vollumfassend" läst die Frage hochsteigen: "Müssens denn 100 % oder gar 120 % Kirche sein? Reichen 80, 90 % nicht auch?" Und die andere Frage: "Was fehlt denn zur 100 %-Kirche? Wie wesentlich ist das?"

Das Anliegen des Erzbischofs, in dem getrennten Andern nicht einen Feind, sondern den "Glaubensbruder in Jesus Christus" zu sehen, kann man nur teilen. Aber verletzt eine "Ökumene der Profile" dieses Anliegen? So sehr , daß gar eine "Rückkehr zu einer christlichen Grundhaltung im Umgang miteinander" nötig ist?

Nun wird der Spiegel sicher noch öfter mit Erzbischof Zollitsch sprechen wollen - und da läßt sich ja mal ausprobieren, ob aus "klarere(n) Aussagen" durch Verkürzung und voraussehbare Journalistenchuzpe genauso schnell Falschheiten werden wie diesmal.

Kommentare:

Achti hat gesagt…

Das Wort "Kirche" ist mehrdeutig: Gebäude, Gottesdienst, Institution etc..
Ich denke auch, dass es nur eine Kirche gibt, nämlich die nicht eingrenzbare Kirche Jesu Christi, deren Mitglieder nicht über Konfessionszugehörigkeit o.#. ermittelbar sind.
Die römisch-katholischen, eine ev.-luth. oder irgendeine Freikirche können demnach nie 100% Kirche sein (wenn man schon mit Mengenlehre rechnet), sondern immer nur Teile davon. Genauer gesagt, können nur Teile davon (einzelne Menschen) Mitglied der Kirche Jesu, als dem Leib Christi sein.
Ich glaube, unser Herr macht sich nicht so viel aus unseren engen Grenzen, ganz gleich ob sie irgendein Bischof oder Hein Blöd zieht.
Sie selbst als die Kirche zu bezeichnen ist dann schon reichlich vermessen.

Petra hat gesagt…

Es lohnt sich übrigens auch, das BamS-Interview mit ihm zu lesen:
http://www.bild.de/BILD/news/vermischtes/2008/02/17/zollitsch/interview-teil1,geo=3786226.html

Dort zeigt er sich offenbar nicht erfreut über die Berichterstattung des "Spiegel".

Resident hat gesagt…

Und wo kann man dieses Interview im Wortlaut nachlesen. Ich finde immer nur Berichte darüber, nicht aber das Interview selbst.

Scipio hat gesagt…

Lieber Str,

schicke mir bitte eine Mail an meine Adresse (vgl. Impressum).

FingO hat gesagt…

Was mich wirklich ärgert, ist, wie gewisse papsttreue Personen das ganze hochkochen und letztlich gegen ihn Mobil machen (ZpV und Kuby sind mir da heute aufgefallen).

Scipio hat gesagt…

ZpV? Bin heute schwer vom Begriff.

FingO hat gesagt…

Zentralrat Papsttreuer Vereinigungen oder so. Hab auch heute zum ersten mal davon auf kath.net gelesen.

Anonym hat gesagt…

Hochgekocht ist das richtige Wort, allerdings nicht nur von den Romtreuen, sondern eben auch von den - wie nennt man die jetzt? Modernisten? Annäherungsfrenetikern? Ökumenefetischisten? *gg*
Also von beiden Seiten halt.
Dass das Zölibat nicht theologisch notwendig ist, ist wohl nichts wirklich neues, das hat Joseph Kardinal Ratzinger seinerzeits schon gesagt. Es wäre aber trotzdem schön, wenn Zollitsch die Leute, die es /ihn (Zölibat) leben, vielleicht doch etwas mehr Ermutigung geben würde.

FingO hat gesagt…

Ein paar Sätze aus einem Interview herausgerissen, Leute! Hätten sich die romtreuen Medien beim Satz des Papstes bzgl. Kondomen, daß man nicht einseitig gegen AIDS kämpfen kann, verhalten, hätte Kuby einen Brief an den Hl. Vater geschrieben um ihm als Expertin des katholischen sein Amt zu erklären, während das ZdK den Papst der Kondome erlaubt gefeiert hätte.

Resident hat gesagt…

Der Vorwurf des "aus dem Zusammenhangreißens" ist ja wohl nicht ganz ernst zu nehmen.

Sicher das ist geschehen ... aber durch den Spiegel und seine Vorabmeldungen.

FingO hat gesagt…

Oh. Und wegen Vorabmeldung darf man sich öffentlich beschweren. Gut. Werd ich auch in Zukunft machen.

FingO hat gesagt…

Streichen wir oberen Beitrag und formulieren ihn etwas weniger polemisch (sry.):

Do not judge a book by its cover sagt der Volksmund. Letztlich kann man das darauf übertragen. Einige Leute, wie bspw. scipio, haben zurecht gesagt, daß man auf das gesamte Interview warten sollte, bevor man ein Urteil abgibt. Deshalb fand ich es wirklich schlecht von Frau Kuby einerseits und dem ZdK andererseits, mit dem Urteil nicht warten zu können.

Resident hat gesagt…

Phil, damit kann ich leben.

Frau Kuby ist halt genau auf die Masche hereingefallen, wie es der Spiegel beabsichtigt hat.

Dennoch erachte ich den Spiegel als Hauptschuldigen. Man darf sich ja nicht einbilden, er wäre hier nur neutraler Berichterstatter.