4. Juli 2009

Empörtes zur Westernmesse

Die "Messe", die der Wiener Dompfarrer am letzten Sonntag auf einem "Westernfestival" gefeiert hat, verdient heftige Kritik - auch und gerade auf diesem Blog, der sich ja zu einigen der berüchtigten Verletzungen der liturgischen Ordnung der Una Catholica et Sancta - wie der berüchtigten Fladenbrot-Prozession von Linz - nicht geäußert hat.

Was wir bei gloria.tv sehen, ist ein Priester und eine "Gemeinde", die von Liturgie wenig bis nichts versteht. Johann Baptist Metz definiert Liturgie einmal als Unterbrechung. In Wien wurde nichts, aber auch gar nichts unterbrochen: Die Würstchen brutzelten weiter, Bier wurde gezapft, Geld wurde kassiert. Liturgie, die sich nahtlos einpasst in den bürgerlichen All- und Sonntag, wird Konsumreligion, wird harmlos, wird gezähmt, verliert außer dem rebellischen auch ihr tröstendes Potential. Mag die rebel flag noch farbig da stehen: Religion wird hier nahtlos eingepasst (eingespaßt) in den Let's-have-some-fun-Sonntag der Großstadtbewohner.

Unter den Mitfeiernden, wie es scheint, befanden sich nur Weiße und keine Afrikaner oder African Americans. Zum Glück. Denn die hinterm Altar aufgestellte Kriegsfahne der Konföderierten ist nun einmal nicht nur die Flagge großer Generäle und staubgrauer Hillbillies in ihrem Kampf gegen Yankeeherrschaft, auch nicht nur das Banner, unter dem Lynyrd Skynyrd oder Hank Williams Jr. auftreten. Sie ist - und sei es auch erst seit den Bürgerrechtskämpfen in den 50ern und 60ern - Symbol für Rassismus und Unterdrückung. OK, OK, muß ein Dompfarrer nicht wissen, und immerhin gab es zur Rassenversöhnung ja auch Gospelmusik. Wer "Oh happy day" singt, kann kein schlechter Mensch, schon gar nicht Rassist sein.

Und ein drittes: Mich wundert es wirklich nicht, daß Country & Western hierzulande einen so schlechten Ruf hat. Wir haben Tom Astor, Truckstop - und bieder-anbiedernde Westernmessen auf der "Countryinsel". Echt ist da nichts, die Gefühle genauso verkehrt wie die Uniformen des Old Mississippi Country Club Austria. Da ist mir die Kombi aus richtig gefeiertem römischen Ordo - aut novus aut vetus - und richtiger Americana-Musik lieber. Allemal.

Zum Trost Dr. Ralph Stanley mit Bruder und der englischen Version eines bayerischen Volksliedes:



1 Kommentar:

bee hat gesagt…

Wo sind eigentlich die evagelikalen Prediger, wenn man sie braucht?