14. März 2009

Wirklich "Na und?"?

AnguloJuan hat zu meinem Post "Gelebte Konzilsanerkennung" zwei Kommentare geschrieben, die genauso von vielen anderen stammen könnten: Was ist so schlimm daran, wenn "hier und da eine Sache anders ist" in der Messe? Macht die Wörtlichkeit die Wertigkeit aus? Wir passen an - so what?

Nun, zuallererst, bezogen auf das Feld der aktuellen Debatte, sollte man ganz klar wissen, daß man damit nicht konzilskonform handelt, in den Worten dieser Tage: das Konzil in Punkten nicht anerkennt, die ihm - dem Wortlaut nach - wichtig waren und die auch das nachkonziliare Lehramt bestätigt hat. Außer natürlich man versteht das Konzil besser als es sich selber verstand:

Nr. 22 § 3 ("Deshalb darf durchaus niemand sonst, auch wenn er Priester wäre, nach eigenem Gutdünken in der Liturgie etwas hinzufügen, wegnehmen oder ändern.") war nicht wörtlich gemeint oder bloß eine Empfehlung.

Nr. 28 ("Bei den liturgischen Feiern soll jeder, sei er Liturge oder Gläubiger, in der Ausübung seiner Aufgabe nur das und all das tun, was ihm aus der Natur der Sache und gemäß den liturgischen Regeln zukommt.") gilt nur noch, wenn ich, Du, wir wollen. Wenn ich, Du, wir meinen, daß es auf die von mir, Dir, uns definierten Bedürfnisse und Wünsche der Gemeinde passt.

Aber dahinter scheint mir ein unterschiedliches Verständnis der Liturgie zu stehen, auch wenn das vielleicht nicht reflektiert ist:

Die Kirche sagt kurz und knapp im Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche:

233. Wer handelt in der Liturgie?

In der Liturgie handelt der „ganze Christus“ („Christus totus“), das Haupt und der Leib. Als Hoherpriester feiert Christus die Liturgie zusammen mit seinem Leib, der himmlischen und der irdischen Kirche.

234. Von wem wird die himmlische Liturgie gefeiert?

Die himmlische Liturgie wird von den Engeln und den Heiligen des Alten und des Neuen Bundes gefeiert, besonders von der Gottesmutter, von den Aposteln, von den Märtyrern und von einer großen Schar „aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen, die niemand zählen kann“ (Offb 7, 9). Wenn wir in den Sakramenten das Heilsmysterium feiern, nehmen wir an dieser ewigen Liturgie teil.

235. In welcher Weise feiert die Kirche auf Erden die Liturgie?

Die Kirche auf Erden feiert die Liturgie als ein priesterliches Volk, in dem jeder seiner Aufgabe entsprechend in der Einheit des Heiligen Geistes handelt: Die Getauften bringen sich selbst als geistiges Opfer dar; die geweihten Amtsträger feiern gemäß der Weihe, die sie für den Dienst an allen Gliedern der Kirche empfangen haben; die Bischöfe und die Priester handeln in der Person Christi, des Hauptes.


Man muß das nicht glauben. Nur sollte man sich und anderen dann auch nicht einreden wollen, man sei mit der Kirche auf einer Linie. (Ich bitte das zu unterschieden von einem Hineinwachsen und Sich-hineinleben in dieses "Geheimnis", das wir diesseits nie völlig verstehen und liebend erkennen und vollziehen werden können.)

Wenn wir darüber übereinstimmen, dann können wir weiterreden über den Sinn und Unsinn von Spontaneität und Folgsamkeit, von "Freiraum" und "Spielwiese", von Vorschriften und ihrer Befolgung. Ansonsten wird es schwierig mit der Verständigung.

Kommentare:

AnguloJuan hat gesagt…

Ich stimme Dir schon zu, dass man nicht einfach nach Gutdünken irgendwas in der Messe ändern etc. sollte. Das ist ja schließlich nicht willkürlich alles so. Ich störe mich vielmehr an dem Aufheben, was Sie und der andere Blogger, auf den ich mich bezog, davon machen. Denn vor allem bei ihm hörte sich der Post ähnlich dramatisch an, wie man berichten würde, dass die ganze Messe dadurch ungültig wird.
Das "So what" könnte man auch erweitern indem man die Frage stellt: "Geht da jetzt die Welt von unter?". Ich erlaube mir die Antwort zu geben: "Nein".

Einen schönen 3. Fastensonntag,

AnguloJuan

Scipio hat gesagt…

Was denkst Du, was ich alles tun kann, ohne daß die Welt untergeht...

Aber Du hattest es nicht wörtlich gemeint, ich weiß. Die Frage ist - mit den Worten der Messe: Was ist in Wahrheit geziemend und recht, würdig und heilsam?

Elsa hat gesagt…

Mit der Achtsamkeit ist es halt wieder so eine Sache ...
Während esoterisch-spirituelle Kurse überbelegt sind zum Thema "Achtsames Gehen", "Achtsames Atmen", "Achtsames in Sich Hineinhören", "Achtsames Meditieren" oder Stressbewältigung durch achtsames Entspannen" etc ...
habe ich noch selten gehört, dass Achtsamkeit gegenüber der eigenen liturgischen Tradition irgendeine breitere Form von Zuspruch gefunden hätte.
Vielleicht sollten wir ein Seminar zum Thema anbieten, um das liturgische Gespür achtsam zu entwickeln (mit makrobiotischer Vollverpflegung, Thermariumbesuch und Klangschalenmassage).
(passenderweise heißt jetzt die wortbestätigung auch noch "updhorma", das klingt schon sehr nach Sanskrit) ...

ludolph hat gesagt…

Damit ich mich in einem solchen Seminar wohlfühlen würde, fände ich 5 Kilo Weihrauch auf den Qudratmeter aber viel besser als die olle Massage. Und es darf auch gerne ordentlich Weihwasser versprengt werden.