8. März 2009

Gelebte Konzilsanerkennung

Das Konzil sagt in seiner Liturgiekonstitution (Nr. 22 §3):

"Deshalb darf durchaus niemand sonst, auch wenn er Priester wäre, nach eigenem Gutdünken in der Liturgie etwas hinzufügen, wegnehmen oder ändern."

In Pfarrei X wird in einem Gemeindegottesdienst, der von den Erstkommunionkindern "mitgestaltet" wird, statt der beiden Lesungen eine selbstverfasste Zusammenfassung der Jüngerberufung in Jo 1 vorgetragen und mit der Akklamation "Wort des lebendigen Gottes - Dank sei Gott" abgeschlossen. Darauf folgt ein Lied und das Tagesevangelium.

Ich nahm das als Erlaubnis, mich kurzfristig von der "tätigen Teilnahme" zu absolvieren.

Kommentare:

dilettantus in interrete hat gesagt…

recte fecisti

Stanislaus hat gesagt…

Mh, ich hatte mal in meiner Studienzeit eine Diskussion mit einem Kommilitonen, ein sog. "Konzilsbeschwörer". Es ging um das II. Hochgebet und die Anweisungen Hippolyths, die Worte so zu sprechen, "wie sie der Geist eingibt."

Daraufhin zizierte ich besagte Passage aus SC. "Ja, das war ganz anders gemeint! Es geht da mehr um die Behutsamkeit der bevorstehenden Veränderungen."

Manche scheinen sich alles so zurechtbiegen zu wollen, wie es gerade paßt.

AnguloJuan hat gesagt…

Sehe ich anders. Ich glaube, dass der zusammengefasste, vermutlich "kindgerechtere" Text die Kommunionkinder mehr angesprochen hat. Die Sprache der heiligen Schrift ist nun mal ein paar Jahre alt. Und was ist wohl wichtiger? Mit der übermittelten Botschaft was anfangen zu können und mit ganzem Herzen dabeizusein oder den Gottesdienst streng nach Vorgabe durchzuziehen. Es geht doch darum, den Herrn von ganzem Herzen zu preisen und seine Worte v e r s t ä n d l i c h zu verkünden und ans Volk zu bringen und nicht einen möglichst kleinlich nach den Vorgaben gehaltenen Gottesdienst zu halten.

Scipio hat gesagt…

@angulojuan: Wenn man jetzt mal bedenkt, daß 90% dieser Kinder weder bisher noch nach der Kommunion eine nennenswerte religiöse Erziehung bekamen und dann plötzlich in einen normalen Gemeindegottesdienst geschickt werden, und das einzige, was da angepasst ist, diese Evangelienzusammenfassung und ein "Kinderhochgebet" ist, dann frage ich mich, ob dieser Gottesdienst für diese Gruppe überhaupt sinnvoll war.

Ganz so einfach ist es auch nicht mit der Verständlichkeit. Ich glaube zum Beispiel, daß ein gewisses Maß an Fremdheit und Unverständlichkeit a) das größere Geheimnis Gottes angemessener darstellen als flache, eingeebnete Formulierungen und b) auf Dauer eher faszinieren, hängen bleiben, irgendwann zum Nachfragen veranlassen. c) gibt es eine flache Sprache, in der sich Transzendentes, sinnlich nicht Erfahrbares nur schwer ausdrücken lässt. Eine unpoetische, triviale Sprache. Zur Abwechslung ganz nett, aber auf Dauer: wie altes Weißbrot. So viel mal auf die Schnelle.

Und außerdem: Liturgie ist eine Schule, keine Bestätigung dessen, was wir sowieso schon wissen. Eine Schule, die auf Dauer verändert, in die angemessene Haltung vor GOtt einübt.

Es gibt ja auch sonst genug Übungsorte für spontanes, oder?

Nix für ungut...

AnguloJuan hat gesagt…

Nein. Da gebe ich Dir Recht. Nur eine umformulierte Lesung und das Kinderhochgebet (was an einigen Stellen sicherlich verbesserungswürdig wäre) reicht nicht. Aber es ist immerhin ein Anfang.
Aber darum geht es mir jetzt gar nicht so stark. Aber glaubst Du, dass eine Messe, die 100% nach Vorschrift gefeiert ist beim Herrn mehr zählt als eine Messe, wo hier und da eine Sache etwas anders ist? Wobei das Beispiel "Lesungen" noch etwas verständlich ist.
In einem anderen Blog habe ich vor einiger Zeit gelesen, dass sich jemand darüber beklagte, dass die Schlussdoxologie von der ganzen Gemeinde gesprochen wurde. "So what?" kann ich da nur drauf antworten.
Wir sind doch schließlich alle keine Maschinen!

Herzliche Grüße

AnguloJuan