15. März 2009

Metzger und Menschen, die auf DU sind

Die Dame vom Deutschlandfunk findet gar nicht gut, was Arnold Stadler seinen Ich-Erzähler über "die historisch-kritische Bibelauslegung im Allgemeinen und Uta Ranke-Heinemann im Besonderen" loslassen lässt:

"Unter einer solchen theologischen Metzgerschaft einen Gläubigen auszumachen, dürfte wahrscheinlich fast so schwer sein wie es für Luther war, in Rom einen Beichtvater zu finden, (Das war ja, so heißt es, der eigentliche Ausgang von Luthers sogenannter Reformation). Als könnten wir einfachen Menschen nicht lesen, als bedürften wir der Erklärungen dieser Wildsau-Theologie!"

Zufrieden scheint sie mit uns dagegen über Passagen wie diese:

"Salvatore hatte Erbarmen mit ihnen, nun meist mit dem Schwanz nach unten, zu nichts anderem mehr gut, als das Bier wieder los zu werden. Die Bedienung brachte 'ein erstes Bier'. Da war es ihm eingefallen: Vatertag! Doch kein Spaß der Welt konnte seine Sehnsucht ersetzen, das Verlangen, ein anderer zu sein, an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit. Und dann gab es noch das Verlangen nach dem ganz Anderen, als wäre dies der neue Name für Gott.

Salvatore war Gott bisher nicht begegnet und konnte nicht 'Du' sagen zu jemandem, den er überhaupt nicht kannte, wenn er sich auch nach ihm sehnte wie nach niemandem sonst. Wie er sich wenigstens nach einem Menschen sehnte, der mit Gott per Du war!"


Die deutsche Kritik scheint vor Stadlers "Salvatore" insgesamt gespaltener Meinung - vgl. den Perlentaucher.

Kommentare:

Martin hat gesagt…

Das hat mir gerade noch gefehlt! Noch ein Buch, das ist ich unbedingt auf meine sowieso schon viel zu lange Leseliste setzen muss.

Wenn die Religionsredaktion des Deutschlandfunks dieses Buch kritisiert, dann kann es nur gut sein.

Scipio hat gesagt…

Ja, so ist das mit den Büchern.

Wir können natürlich auch versuchen, bis Herbst 2010 zu warten - dann könnte es eine Taschenbuchausgabe geben. Vielleicht.