8. Januar 2007

Voll ins Gesicht

"Ratlos" "fragt" Eduard Nagel, Chefredakteur von 'Gottesdienst', der Zeitschrift des Deutschen Liturgischen Instituts, warum der Altar zur Ablage von diversen Gottesdienstmaterialien mutiert und warum es "die wenigsten Zelebranten, die hinter dem Altar stehen, nicht spätestens zur Schlussformel [schaffen, das Tagesgebet] den Leuten ins Gesicht zu beten". (Quelle)

Tja. Da ist einiges im Argen, und immerhin hat man das auch in Trier gemerkt. Wobei man auch vom Ambo aus den Gläubigen alles ins Gesicht beten kann...

Kommentare:

dilettantus in interrete hat gesagt…

Also ganz ehrlich: Das was Nagel und Du meinen, wird aus dem, was im Post steht, wirklich nicht deutlich.

Gruß

Th.

Scipio hat gesagt…

Richtig.

Nagel geht es in seinen "Zwei Minuten" um den richtigen "Umgang" mit dem (Volks-)Altar und dann (aber imho nur implizit) um die Gebetsrichtung: Wohin blickt der Zelebrant beim Tagesgebet, beim Hochgebet - und natürlich auch sonst?

Eigentlich wäre das genug Stoff für mehr als "Zwei Minuten" - und vor allem auch für ein klares Statement, daß "versus populum" eben nur für ein paar der liturgischen Situationen wirklich passend ist. Sich fürs Tagesgebet vom Altar weg- und zum Ambo hinzubewegen und dort aber auch wieder dem Volk ins Auge blickend das Gebet vor GOtt zu tragen, löst das Problem überhaupt nicht.

Kann man sich vorstellen, daß in der Bibel jemand zum HErrn Jesus spricht und dabei fest und dauernd die Jünger oder die Volksscharen im Auge behält?

Ein anderer Punkt - und das ist jetzt auch meiner - ist die Frage, wieso bei all dieser liturgischen Bildung, die doch nachkonziliar unter die Leute gebracht wurde, dieses "mehr und mehr", dieses "immer häufiger" überhaupt geschehen kann. Ein Teil der Antwort liegt für mich in der Abwertung der Rubriken in der Liturgie und auch darin, daß die Wahlmöglichkeiten des "novus ordo" - drei Bußakte, drei Hochgebete - und unklaren Rubriken überhaupt im Großen und Kleinen zum Experimentieren angeregt haben und vieles letztlich optional haben erscheinen lassen. Matter of factly. Und klar, das war nicht die Absicht des Konzils, und auch nicht seine unvermeidbare Folge. Aber das ist es, wo wir stehen.

dilettantus in interrete hat gesagt…

"Beim Tagesgebet, so ist zu beobachten, schaffen es die wenigsten Zelebranten, die hinter dem Altar stehen, nicht spätestens zur Schlussformel den Leuten ins Gesicht zu beten."
d.h. doch erstmal, daß auch Nagel gegen das Angucken der Leute ist (Deine Verneinungsetzung klingt, als wäre er dafür). Ob das Ambo eine Lösung bietet, wage ich allerdings - mit Dir - zu bestreiten.
Bei Uns ist es so, daß der Priester dem Wortgottesdienst vom Priestersitz aus vorsteht/-sitzt/-hockt, zum Tagesgebet aber gerade zum Altar geht - und auch versus popolum den Altar und nicht das Volk anguckt!