13. Januar 2007

Relikte und das, was zählt

Schön, daß Burkhard Jürgens von der/für die KNA so einladend von der "wohl spektakulärste Neugründung einer klösterlichen Gemeinschaft in Italien" berichtet. Schön auch, daß Vize-Prior Guido den Lesern des Würzburger Katholischen Sonntagsblattes berichten kann, was heute zählt:
"Dogmen sind für ihn ein Relikt aus der Zeit, als es noch feste Gewissheiten gab; was heute zähle, sei der Kern der christlichen Botschaft, sei die Rückkehr zu den Wurzeln der ungeteilten Kirche."
Ich könnte mir gut vorstellen, daß der Herr Papst, der offensichtlich gaaaaanz weit weg von Bose wohnt und thront, darauf entgegnen würde, daß es den Kern und die Wurzeln "heute" nur noch gibt, weil im Laufe der Kirchengeschichte sich die Dogmen wie eine schützende Hülle darum gelegt haben.

Ich glaube, es wird einmal wieder Zeit, Chestertons Vision der Dogmengeschichte zu bloggen.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

no, Bose ist vielleicht nicht gerade die Außenstelle der Glaubenskongregation, das ist schon wahr,
aber immerhin war der Gründer und Prior Enzo Bianchi einer der Ersten unter den Gründern der "neuen Gemeinschaften", die von Papst Benedikt XVI in Privataudiernz empfangen worden sind und zugleich ist die Gemeinschaft in enger Zusammenarbeit mit versch. Dikasterien des Hl. Stuhles, besonders wenn es um ökumen. Veranstalungen geht und es spielt im Hintergrund eine wesentl. Rolle in der Beschleunigung der Annäherung zwischen Katholischer und Orthodoxer Kirche....

Anonym hat gesagt…

Och jetzt sei halt nicht so streng.
Bei Georg (Pax Vobis) hab ich einen wunderschönen Text von Enzo Bianchi gefunden: Rede, Herr, dein Diener hört.
Leider kann ich bei Georg nicht kommentieren, schönes Blog Georg, ich lese immer gerne bei dir mit! (Falls du das hier siehst)

Anonym hat gesagt…

Es ist immer auch die Frage, was der kirchliche Berichterstatter aus den Aussagen eines einzelnen macht. Da können manchmal schon eigentümliche Dinge passieren....

Scipio hat gesagt…

Zugegeben, daß man diese indirekte Rede nicht VP Guido anlasten kann (kein Kontext, etc.) und daß sie keine Rückschlüsse auf Bose oder Enzo Bianchi erlaubt. (Und das nächste Mal mache ich diese Einschränkungen alle wieder vorab, auch wenn Ihr dann das Posting nicht mehr lest, weil es zu lang und umständlich ist ;-) )

Aber das ist die Botschaft (oder ein Teil davon), die die KNA daraus macht und das Würzburger Katholische Sonntagsblatt seinen normal-katholischen Lesern anbietet, und die finde ich: daneben. Ganz deutlich. Das deutsche Christentum leidet eher unter zuwenig als unter zuviel Dogmatismus. An der Basis goes anything. Jedenfalls in ganz vielen Fällen.

Ich werde nie jenen altgewordenen Synodalen der Würzburger Synode vergessen, der einen kleinen Kreis von staunend-bewundernden Leuten erzählte, daß er auf seinem Glaubensweg so weit gekommen sei, daß er das Credo der Messe nicht mehr mitbete und mitbeten könne, da es für ihn leere Worte ohne Bedeutung für sein Leben seien. Oder in den Worten von Guido/Jürgens/KNA/WKS: "Relikte aus der Zeit, als es noch feste Gewissheiten gab". Das sind die alten Helden, und sie haben Nachfolger gefunden, die allesamt gerne Dogmen und Glaubensätze opfern für den Kern der christl. Botschaft oder das, was sie oder ihr Lieblingstheologie dafür halten...

Ansonsten gilt wohl für Bose wie für anderes neue das Kriterium der Streuobstwiese: "An ihren Früchten..."

Anonym hat gesagt…

Also, ich als Atheistin, die sich seit Jahrzehnten kaum mehr mit religiösen Dingen beschäftigt hat, frage mich nun schon eine ganze Weile, wie das eigentlich zu verstehen ist: "... als es noch feste Gewissheiten gab". Gibt es die denn nicht mehr in der Kirche? Ich dachte, das macht sie gerade aus? Zumindest von einem Ordensmitglied würde ich erwarten, daß ihn eine solche Gewissheit trägt. Auch wenn niemand vor Zweifel und Anfechtung gefeit ist? Bin ich naiv?

Scipio hat gesagt…

Wie schon gesagt: Zu Bose kann ich nichts sagen.

Es gibt diese Wahrheiten noch in der Kirche - zu denen auch die Wahrheit gehört, daß sich eine religiöse Wirklichkeit in menschlicher Sprache, in Sätzen einigermaßen adäquat ausdrücken lässt und daß diese Sätze über die Zeiten verstehbar und gültig sind - als Beschreibung des "Kerns der christlichen Botschaft" übrigens.

Aber ganz offensichtlich gibt es Leute, die _das_ anscheinend nicht glauben und die die Zeit zwischen den "Wurzeln" der "ungeteilten Kirche" - Guido/Jürgens/KNA sagen uns leider nicht, welche der vielen Teilungen sie meinen - und dem Jetzt als Zeit sehen, in denen Relikte oder höchstens Reliquien produziert wurden. Und es gibt diese Leute auch in der katholischen Kirche. Vielleicht sind gerade Theologen, Reformatoren, Gründerpersönlichkeiten besonders anfällig - denn für sie muß es ja schon langweilig und kreativitätshemmend sein, immer wieder auf Tradition, auf Wurzeln "rekurrieren" zu müssen...

Aber vielleicht sind es einfach nur andere Gewissheiten als die alten - aber dann sollte man das auch offen sagen. Und - warum auch nicht? - eine eigene Kirche gründen, z.B. die Kirche des Endlich Richtig Verstandenen Jesus von Nazareth.

Ich glaube übrigens auch, daß solche Halbsätze wie der von mir angeprangerte viel dazu tun, diese Denke in katholischen Basisköpfen zu verankern - mehr als jedes von der Glaubenskongregation je zensierte Buch.