19. März 2006

Liturgische Nachgedanken zu einem "Kommunionkinder-Vorstellungsgottesdienst"

  • In der ersten Anrufung des Kyrie bat die Gemeinde durch den Mund des vorbetenden Kindes: "Herr, immer wieder stellen wir uns und unsere Bedürfnisse in den Vordergrund. Hilf uns, daß wir Dich in die Mitte unseres Lebens stellen! - Herr, erbarme Dich." --- Immer gut, wenn der HErr nicht so schnell hilft... Denn so konnte es den Rest des Gottesdienstes vor allem um: uns gehen.
  • Nach über 20 Jahren gebe ich das Rätseln nun auf und ordne die Zeile "Herr, Deine Liebe ist wie Gras und Ufer" endgültig unter die Rubrik "Christliches Koan" ein.
  • Eine bemerkenswerte Interpretation von Mt 22, 38 in der Predigt: "Kaum einer der damaligen Zuhörer wird Jesu Ironie verstanden haben, als er auf die Frage nach dem wichtigsten Gebot sagte: 'Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben. Du sollst den Nächsten lieben. Du sollst dich lieben.' Denn Liebe lässt sich nicht verordnen. So sind damit alle Gebote aufgehoben." - In anderen Worte: Damit wird sogar die liberale Interpretation von Augustinus' "Liebe - und tue, was du willst!" noch links überholt. "Es wäre schön, wenn du lieben (können) würdest. Tue aber auf jeden Fall, was du willst."

Kommentare:

dilettantus in interrete hat gesagt…

@
"....Hilf uns, daß wir Dich in die Mitte unseres Lebens stellen! - Herr, erbarme Dich." --- Immer gut, wenn der HErr nicht so schnell hilft... Denn so konnte es den Rest des Gottesdienstes vor allem um: uns gehen.

Köstlich!!!!!!!!!!!!
(und ich lobe ungern)

@ ko-an
Schon vor 25 Jahren sangen wir in der Jugendgruppe den schönen Text: "....deine Kühe grasen an dem Ufer"

Anonym hat gesagt…

Der Anhang zum Gotteslob der Erzdiözese Freiburg bietet für das Lied eine verbesserte Übersetzung (Nr. 025):

1. Wie sichres Ufer ist die Liebe Gottes, wie Wind und Weite, ewiges Daheim. Freiheit bekamen wir, uns zu bewegen und zu Gott Ja zu sagen oder Nein. Denn Gottes Liebe ist wie sichres Ufer, wie Wind und Weite, ewiges Daheim.

2. Doch wir wolln auch die Freiheit für uns selber, Freiheit, die Leben zu gestalten weiß. Nicht leeren Raum, doch Raum für unsre Träume, Erde, wo Baum und Blume Wurzel schlägt. Denn...

3. Und doch sind Mauern zwischen uns und andern, wir sehn einander nur durch Gitter an. Unser Gefängnis ist das eigne Wesen, und seine Mauern nichts als unsre Angst. Doch...

4. Sprich du uns frei, o Herr, in deinem Richten. Erst wenn du uns vergibst, dann sind wir frei. Deine Vergebung geht wie deine Liebe über die Menschen, Völker, Rassen hin. Denn...

Text: Markus Jenny 1980 nach dem schwedischen Original von 1968.

(Leider "verbessert" dieser Anhang auch Klassiker wie "Fest soll mein Taufbund", aber das ist ein anderes Thema...)