18. Juli 2010

Zehnfachsegnung

Aus der Reihe "Leute, mit denen wir Ökumene machen sollen" stellen wir heute vor: Johannes Oeters, 38 Jahre alt, evangelischer Pfarrer und verheiratet mit einer salvadorianischen Rechtsanwältin, die er während einer Dienstzeit dort kennen und lieben lernte.

"2008 traute sie der Bischof in El Salvador. 'Es war wie im Film', so Oeters. Nach Deutschland kehrte er alleine zurück. Tania und ihr Sohn, der heute elf Jahre alte Mario, kamen nach. In der Christuskirche heiratete das Paar erneut, damit die Gemeinde teilhaben konnte. 'In der evangelischen Kirche ist die Ehe kein Sakrament, sondern eine Segnung. Segnen lassen kann man sich auch zehn Mal.'" (Main-Echo, 17./18. Juli 2010)

Diese Art von Ehetheologie eröffnet ungeahnte Möglichkeiten und ist fähig, jede Menge praktischer und theologischer Dilemmata auf einen Schlag zu lösen, nicht wahr?

Kommentare:

Wolfram hat gesagt…

Wie meinen?

Es ist eigentlich ganz einfach: "die Ehe ist ein weltlich Ding" und wird dementsprechend VOR der Kirche geschlossen. Der Geistliche kann nur segnen, was schon besteht.

Deshalb ist es auch Unfug, wenn Bräute heutzutage meinen, sie müßten wie in Amerika dem Bräutigam an der Hand ihres Papas zugeführt werden. (Um so mehr, als qua lege die Ehe vor dem Standesbeamten geschlossen sein muß, bevor der Geistliche gleich welcher Konfession in Aktion treten darf. Anders als die deutschen Kollegen riskiere ich für eine Übertretung dieses Gesetzes übrigens Gefängnis...)

Ob man daraus folgend die Segnungen multiplizieren muß, sollte, kann, sei dahingestellt. Aber da wir doch eigentlich jeden Morgen unserem Schöpfer für unsere Ehefrauen danken sollten - warum nicht auch mal im Rahmen eines öffentlichen Gottesdienstes? Das muß ja nicht auf Silber-, Gold- und Diamanthochzeit beschränkt werden, oder?

Elsa hat gesagt…

Es hat mir immer völlig eingeleuchtet, dass die Ehe ein Sakrament sein muss. Dazu reicht ein Blick ins Evangelium.

Scipio hat gesagt…

Aber ist nicht die Einsegnung (oder wie das heißt üblicherweise) ein spezieller Ritus, anders als eine sagen wir: zwei-Wochen-Segnung oder die Segnung zum 1. oder 25. Jahrtag des "weltlichen Dinges". Ich verstehe ja das Bedürfnis, auch noch mit der hiesigen Gemeinde feiern zu wollen, aber das ist dann eben doch eine Zweitfeier. (Eine Zweitheirat doch wohl nicht - von daher liegt die Zeitung doch wohl verkehrt, wenn sie "... heiratete das Paar erneut" schreibt, weil es ja eigentlich nie in der Kirche geheiratet hat. Sondern immer sonstwo.

Wolfram hat gesagt…

@Scipio: Richtig, da hat die Zeitung Unfug geschrieben, vielleicht auch der Kollege Unfug geredet (er ist ja nicht unfehlbar. ;))
Liturgisch backt leider so ziemlich jede Landeskirche (und mittlerweile oft auch jede Gemeinde) ihr eigenes Brot; ich gehöre nun seit einiger Zeit gar nicht mehr dazu und habe in meinem Schrank nur ältere Agendarien stehen, vorzugsweise Agende I (Gottesdienst an Sonn- und Feiertagen). Die Agende II der EKU aus den Siebzigern gibt für die "Jubeltrauung" nur eine sehr kurze Liturgie vor, quasi Dankpsalm, Danklied, Schriftlesung, Ansprache, Segen und Sendung. Die Trauungsliturgie dagegen sieht vor, die Einsetzungstexte zu lesen, Gen.1 und das entsprechende Zitat Jesu, eventuell auch noch einen Abschnitt aus Eph. oder Kol. zum Thema, dann Trauversprechen (damals noch Traufragen; die kommen leider mehr und mehr in Vergessenheit - aber dazu schreib ich lieber mal einen Eintrag.), Segen, Dankgebet. Und Lieder. In der reformierten Tradition steht der Segen vor dem Versprechen; ich weiß nicht, inwieweit da Barth mit seinem "Evangelium vor dem Gesetz" beeinflußt hat.

In meiner Kirche gibt es keine Vorlage für Jubeltrauungen. Ich würde dem Dank für die gemeinsamen Jahre, in guten und schlechten Zeiten, durchaus noch eine Erneuerung des Trauversprechens beifügen: "ich will auch weiterhin...".

@Elsa: Der Doktor Luther hat nicht nur einen kurzen Blick ins Evangelium geworfen, er hat es intensiv gelesen und sogar aus dem Griechischen übersetzt. Damit hat er vermutlich uns allen einiges voraus. Trotzdem war er anderer Ansicht als du.
Und einer meiner Lehrer meinte zu Recht, Aussagen im Stil der deinen würden immer nur zeigen, wo einer keine Argumente hätte: "wie jedermann sieht", "wie man unmöglich leugnen kann", "ein kurzer BLick zeigt"...
Deshalb bitte ich doch höflichst um ein paar Hinweise. Beispielsweise, WO ich ins Evangelium schauen sollte (und in welches der vier).
Aber vielleicht auch, was ein Sakrament definiert, das ist nämlich kein biblischer Begriff.
Heilsnotwendig sollte der Ehestand jedenfalls nicht sein, sonst hätte der klerikale Stand, aber auch jeder sonst zölibatär lebende Mensch ein Problem. Im Gegenteil könnte man die Aussage Jesu, manche seien um des Evangeliums willen eheunfähig, sogar gegen den Sakramentscharakter der Ehe anführen. Aber ich möchte dir keinesfalls vorgreifen... sondern bin gespannt auf deine Ausführungen. Wenn Scipio gestattet.

Elsa hat gesagt…

@Wolfram: Scipio gestattet es vermutlich wohl, alleine - ich habe keine große Lust dazu und Besseres zu tun. Dass noch niemals jemand in den 1500 Jahren vor Luther das Evangelium richtig gelesen und auch richtig verstanden hat, denke ich nämlich eher nicht. Wenn die Ehe lediglich "ein weltlich Ding" wäre laut Luthers Gnaden, dann steckte nicht die Bibel allüberall voll mit Brautmetaphorik im Zusammenhang mit der Beziehung zwischen Gott und dem Gottesvolk, zwischen Messias und Israel.
Eine Diskussion macht aber wenig Sinn, weil du bereit bist, Luthers Aussage dazu als absolut zu setzen. Und ich eben nicht. Die Gründe dazu stehen weiter oben.
Beste Grüße
Elsa

Wolfram hat gesagt…

Ich setze keinesfalls Luther absolut und lasse mich gern mit der Heiligen Schrift und den Mitteln der Vernunft überzeugen.
Nur: Brautmystik im EVANGELIUM? Wohl eher nicht. In den alttestamentlichen Prophetien, im Epheserbrief - um nur Beispiele zu nennen - ja, aber nicht im Evangelium.
Und die Frage bleibt: was ist eigentlich ein Sakrament? Wenn alles, was in der Bibel irgendwie auf das Verhältnis zwischen dem Herrn und seinem Volk hinweist, Sakrament ist, dannn ist die Königsweihe ein Sakrament, dann ist die Vaterschaft ein Sakrament, dann ist der Hirtenberuf ein Sakrament, und vielleicht auch, wenn einer wie Jeremia ein Jahr lang dieselbe Hose trägt - also: was ist ein Sakrament?

Oder war der Einwurf so lauwarme Luft, wie ich es nicht vermuten wollte?