25. September 2006

Wieder mal Blogpause bis mindestens Freitag. Enjoy yourselves.

Sondern erlöse uns ...

"Smugness is the Great Catholic Sin - Selbstgefälligkeit ist die Große Katholische Sünde." (Flannery O'Connor, irgendwo in ihren Briefen)

Evangelikale und der jüdisch-christliche Rest

"Während Katholiken, weiße Protestanten und Juden Gott eher als überirdische Macht betrachten, die sich nicht in Angelegenheiten der Menschen einmischt, ist das Gottesbild der Evangelikalen geprägt von der Überzeugung, daß der Allmächtige neben ihrem persönlichen Leben auch internationale Angelegenheiten entscheidend beeinflußt."(FAZ.NET)

Ich glaube, dann bin ich auch evangelikal...

Copy & Preach

Florian Rötzer bei Heise über die Plagiatskultur von Pastoren und Pfarrern:

"'Die Menschen müssen', so van Neste, 'ihren eigenen Pastor hören, der sie kennt und liebt, und den Überfluss seines Herzens hören, der aus seinem eigenen Ringen um den Text diese Woche kommt.' (...) Tatsächlich, wo es nicht nur um Wahrheit, sondern auch um Wahrhaftigkeit, um die persönliche Botschaft geht, irritiert es wohl erheblich, wenn der Geistliche mit fremden Zungen spricht."
In Fortsetzung eines Postings von weiter unten: Bei uns sind die Predigten m.W. redlich erworben; schließlich gibt es ja käufliche Predigtvorlagen für alle Sonntage, Feste und Anlässe. Zusätzlich sind Predigten unabhängig von ihrer Qualität und ohne großen Aufwand - lediglich eine gute Ablage ist nötig - recyclingfähig...

24. September 2006

"Wer will es hören?"

Das fragte Egon Flaig am 16. September in der FAZ. Wegen "Beleidigung des Islam" wurde diese Ausgabe der FAZ nun in Ägypten verboten.

Generation Benedikt

Die Website steht, das Buch gibt es demnächst.

Vivat, crescat, floreat.

Totschweigen

Sean "Blogging Cardinal" O'Malley im Bericht über seine Romfahrt:

"While exiting the flight from Boston in Frankfurt the head flight attendant shook my hand and said to me, 'Please give our very best to our German Pope.' She smiled and reminded once again how proud the Germans are of their native Son, Pope Benedict XVI."
The Germans - die Deutschen. Nicht: alle Deutschen. Nicht einmal: alle katholischen Deutschen.

Da, wo ich herkomme, herrscht über den Papst - über den jetzigen wie über den vorigen - Schweigen. Totschweigen. Nicht etwa weil progressive Kräfte wühlen und wüten, sondern weil sich seit mehr als dreißig Jahren vom Pfarrhaus her eine Totenstille, eine Friedhofsruhe über die Pfarrei gebreitet hat, die die Freude am uralt-ewig-jungen Glauben genau so erstickt wie die Solidarität mit denen in Not und Bedrängnis. Die Laien dürfen machen, was sie wollen - aber gleichsam im luftleeren Raum. "Ich will damit nichts zu tun haben" - das könnte der Primizspruch gewesen sein, und tatsächlich hat sich der Priester daran gehalten.

Das Talent vergraben wie der dritte Knecht bei Matthäus (25, 18), nichts verkehrt gemacht, nie in die Schußlinie geraten, bei allen beliebt, scheu und zurückhaltend. Kein Risiko eingegangen. Die Regeln befolgt. Geschwiegen zu allem. Bei starkem Wind schüchtern das Fähnchen hochgezogen und mitgeflattert.

Jetzt kommt da ein Papst - kaum akzeptiert von den Lautstärkeren unter den lokalen Laien - und weckt alte Sehnsüchte. Nicht die ultramontanen, sondern die mystischen, die nach dem Leib Christi und der Teilnahme an Seinem Leben. Alles, was auf Sparflamme gefahren wurde: die gläubige Vernunft, das heiße Gebet, die würdige Liturgie, die Freundschaft mit IHm, die Anbetung, das Ergriffensein - das soll jetzt wieder praktiziert, gelebt werden?

Gott bewahre.

Zum Glück nur noch drei Jahre. Höchstens.

Ahnungslos

Wolfgang Büscher: Berlin - Moskau (S. 38):

"Wer sucht, macht sich immer lächerlich vor der Welt. Das etwas zu laute Lachen des Bürgers über den Mystiker ist wie das Kichern kleiner Kinder, wenn die Großen von Sex reden. Aufgeregt, ahnungslos."

22. September 2006

Hammer-Karl

Nachdem ich heute schon im Geist des Dialogs verzichtet habe, zu einem T-Shirt zu verlinken, auf dem gefragt, wann der nächste Kreuzzug stattfinde, fällt es mir schwer, nicht auf die Gedenkanzeige für Karl Martell in der FAZ vom 18.9. zu verlinken. Also tu ich's.

Requiescant in pace

Fabianus Tibo
Dominggus da Silva
Marinus Riwu

Wünschen und beten wir, daß sie zum "Mahl des Lammes geladen sind" - wenn es ihnen schon in ihren letzten Stunden vorenthalten wurde.

Wo die Freiheit endet...

"Ihre These, für die sie ihr Leben riskiert, ist sehr einfach. Sie lautet, kurz zusammengefaßt: Wie soll man über den Islam sprechen dürfen? Antwort: Frei."

"Fast könnte man auf den Gedanken kommen: Es fordert ziemlich viel Sinn und Verstand, ein religiöser Mensch zu sein, ohne Schaden an seiner Seele zu nehmen."
Noch mehr davon in Christian Geyers Besprechung des Buchs von Ayaan Hirsi Ali, die die offene Gesellschaft beim Wort nimmt und die sich wehrt, die Gewaltfrage an den Islam wegen ihrer Brisanz nicht auch direkt, nackt, elementar zu stellen:
"Brisant? In einem Land, in dem die Prostitution und weiche Drogen legal sind, in dem Sterbehilfe und Abtreibung praktiziert werden, in dem junge Männer im Fernsehen weinen, am Strand nackte Leute herumlaufen und im Fernsehen Witze über den Papst gerissen werden? In dem der beliebteste Schriftsteller, Gerard Reve, einmal fantasierte, mit Gott in Gestalt eines Esels Sex zu machen - eines Tiers, das ihm als Metapher für Gott diente? Warum sollten meine Aussagen in einem solchen Kontext auch nur ansatzweise ,brisant' sein?"

Außer 1.000 individuellen Muslimen noch die Schlaumeier von der UN...

... in totaler politischer Korrektheit:

"Die umstrittene Regensburger Rede von Papst Benedikt XVI. beschäftigt nun auch den Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen. Der UN-Beauftragte für den Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, Doudou Diene, bezeichnete die Äußerungen des Papstes über den Islam als "zutiefst beunruhigend". In einem Bericht an den Menschenrechtsrat schrieb Diene, die Rede von Benedikt rechtfertige zwar keine generelle Islamfeindlichkeit. Sie fördere aber Strömungen, die Islam und Terrorismus in eins setzen wollten.

Benedikt hätte in der von ihm angeführten Debatte aus dem 14. Jahrhundert beide Seiten darstellen sollen, erklärte der senegalesische UN-Experte. Eine ausgewogene Herangehensweise hätte deutlich gemacht, dass 'die Debatte über Gewalt und Religion eine lange kontroverse Geschichte' habe. Der Menschenrechtsrat, der noch bis zum 6. Oktober in Genf tagt, beschäftigte sich auf Antrag von Delegationen islamischer Länder mit den Äußerungen des Papstes. Den Bericht an das Gremium verfassten Diene und der Sonderberichterstatter zur Religionsfreiheit, Asma Jahangir."
1.000 individuelle muslimische "Geistliche und Religionsgelehrte" trafen sich auch ganz zufällig und stellen nebenbei fest, daß sie wiederum ganz zufällig das Gleiche über die Rede des Bischofs von Rom in der berühmten Stadt Regensburg denken, daß er nämlich "Feindschaft zwischen den Religionen gesät und beleidigende Bemerkungen gemacht" habe. Was bleibt ihnen da anders übrig als beleidigt zu sein und in einer Erklärung zu verlautbaren: "Wenn der Westen nicht seine Haltung gegenüber dem Islam ändert, wird er ernste Konsequenzen zu tragen haben." (Welt)

Bostons Kardinal bloggt

“I want to share with you, Catholics of Boston, my experiences as I return to Rome as a Cardinal and more importantly, I want to share with you a sense of what it is that Boston’s Archbishop does on business in Rome representing the people of the Archdiocese.”
Hier ist es, wo Seán Kardinal O'Malley bloggt.

Das reale Leben

Treffen sich zwei Christen.

Sagt der eine: "Na, wie geht's?"

"Ich bete mich so durch."

21. September 2006

Gebetserhörung auf göttlich

Lewis Carroll: "I have had prayers answered - most strangely so sometimes - but I think our heavenly Father's loving-kindness has been even more evident in what He has refused me."

(Quotation of the Day bei The Free Dictionary)

20. September 2006

Sagrada Familia

Ein paar verkleinerte Handyfotos von meinem Besuch in Sagrada Familia, die sich nicht groß von dem unterscheiden, was man sonst davon im Web zu sehen bekommt. Daher vor allem für mich zur Erinnerung:










Manuel II. Palaiologos auf der Generalaudienz

Für die Schwerhörigen auf Italienisch und Deutsch:

"Un'esperienza particolarmente bella è stata per me in quel giorno tenere una prolusione davanti a un grande uditorio di professori e di studenti nell'Università di Regensburg, dove per molti anni ho insegnato come professore. Con gioia ho potuto incontrare ancora una volta il mondo universitario che, durante un lungo periodo della mia vita, è stato la mia patria spirituale. Come tema avevo scelto la questione del rapporto tra fede e ragione. Per introdurre l'uditorio nella drammaticità e nell'attualità dell'argomento, ho citato alcune parole di un dialogo cristiano-islamico del XIV secolo, con le quali l'interlocutore cristiano - l'imperatore bizantino Manuele II Paleologo - in modo per noi incomprensibilmente brusco - presentò all’interlocutore islamico il problema del rapporto tra religione e violenza. Questa citazione, purtroppo, ha potuto prestarsi ad essere fraintesa. Per il lettore attento del mio testo, però, risulta chiaro che non volevo in nessun modo far mie le parole negative pronunciate dall'imperatore medievale in questo dialogo e che il loro contenuto polemico non esprime la mia convinzione personale. La mia intenzione era ben diversa: partendo da ciò che Manuele II successivamente dice in modo positivo, con una parola molto bella, circa la ragionevolezza che deve guidare nella trasmissione della fede, volevo spiegare che non religione e violenza, ma religione e ragione vanno insieme. Il tema della mia conferenza – rispondendo alla missione dell’Università – fu quindi la relazione tra fede e ragione: volevo invitare al dialogo della fede cristiana col mondo moderno ed al dialogo di tutte le culture e religioni. Spero che in diverse occasioni della mia visita - per esempio, quando a Monaco ho sottolineato quanto sia importante rispettare ciò che per gli altri è sacro - sia apparso con chiarezza il mio rispetto profondo per le grandi religioni e, in particolare, per i musulmani, che 'adorano l’unico Dio' e con i quali siamo impegnati a 'difendere e promuovere insieme, per tutti gli uomini, la giustizia sociale, i valori morali, la pace e la libertà' (Nostra Aetate, 3). Confido quindi che, dopo le reazioni del primo momento, le mie parole nell'Università di Regensburg possano costituire una spinta e un incoraggiamento a un dialogo positivo, anche autocritico, sia tra le religioni come tra la ragione moderna e la fede dei cristiani." (Q)

"Ein besonderes Anliegen war es mir, das Verhältnis von Glaube und Vernunft und die Notwendigkeit des interreligiösen Dialogs sowie des Dialogs zwischen Wissenschaft und Religion aufzuzeigen. Hier bedarf es der Selbstkritik und, wie ich in München hervorgehoben habe, der Toleranz, die „die Ehrfurcht vor dem, was dem anderen heilig ist“, einschließt. Mit diesen Worten möchte ich nochmals klar meinen tiefen Respekt vor den Weltreligionen und vor den Muslimen bekunden, mit denen wir gemeinsam eintreten 'für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen' (Nostra Ætate, 3)." (Q)

Und dann war da noch...

... ein Denzinger-Moment in Regensburg. Sagt Rorate Coeli und schlägt die folgende Passage für das berühmte Handbuch der kirchlichen Glaubensbekenntnisse und Lehrentscheidungen vor:

"Gewiß gibt es Schichten im Werdeprozeß der alten Kirche, die nicht in alle Kulturen eingehen müssen. Aber die Grundentscheidungen, die eben den Zusammenhang des Glaubens mit dem Suchen der menschlichen Vernunft betreffen, die gehören zu diesem Glauben selbst und sind seine ihm gemäße Entfaltung."

Legendenbildung

Insight Scoop versucht der Legende vom Dolchstoß vorzubeugen, den Benedikt XVI. der Islampolitik seines Vorgängers JPII verpasst haben soll, u.a. mit einem Zitat aus JPIIs "Die Schwelle der Hoffnung überschreiten" und aus einer Kölner Ansprache von BXVI.

Alas, it might be too late.

Aufforderung aus dem Dar al-Küng

Die Basler Zeitung verpasst ihrem Artikel mit

"Küng fordert vom Papst Bekenntnis zu Islam"
zwar einen genialen Titel, der den Hl. Hans in die Nähe des Ghaddafi-Sohnes rückt, aber dabei will Küng bloß zeigen, daß er nicht nur Ratzinger-Versteher ("Küng zeigte sich überzeugt, dass der Papst das Zitat absichtsvoll gebraucht habe. Es sei ganz klar, dass sich der Papst das bestens überlegt habe. Von Unbedachtheit könne da keine Rede sein.") und Islam-Kenner ist, sondern auch noch Experte in Political Correctness.

Zum Projekt Weltethos gehört eben immer auch "'ein gewisses Verständnis' für die islamischen Reaktionen"(Q).

Rückblende

"Nun wende ich mich an Sie, verehrte Freunde aus verschiedenen religiösen Traditionen, und ich danke Ihnen aufrichtig für Ihre Gegenwart bei der feierlichen Eröffnung meines Pontifikats. Ihnen und allen, die den von Ihnen vertretenen Religionen angehören, gilt mein herzlicher, freundschaftlicher Gruß. Besonders dankbar bin ich, daß Mitglieder der muslimischen Gemeinschaft unter Ihnen anwesend sind, und ich bekunde meine Anerkennung für die Entfaltung des Dialogs zwischen Moslems und Christen, sowohl auf lokaler als auch auf internationaler Ebene. Ich sichere Ihnen zu, daß die Kirche auch weiterhin Brücken der Freundschaft mit den Anhängern aller Religionen bauen will, um das wahre Wohl jedes Menschen und der ganzen Gesellschaft zu suchen.

Die Welt, in der wir leben, ist oft von Konflikten, Gewalt und Krieg geprägt, aber sie sehnt sich ernsthaft nach Frieden, einem Frieden, der vor allem ein Geschenk Gottes ist, einem Frieden, für den wir unablässig beten müssen. Der Friede ist jedoch auch eine Aufgabe, zu der sich alle Völker verpflichten müssen, vor allem diejenigen, die ihre Zugehörigkeit zu religiösen Traditionen bekennen. Unsere Bemühungen, zueinander zu finden und den Dialog zu fördern, stellen einen wertvollen Beitrag zum Aufbau des Friedens auf einer soliden Grundlage dar. Papst Johannes Paul II., mein verehrter Vorgänger, schrieb zu Beginn des neuen Jahrtausends: »Der Name des einzigen Gottes muß immer mehr zu dem werden, was er ist, ein Name des Friedens und ein Gebot des Friedens« (Novo Millenio Ineunte, 55). Es ist daher geboten, daß wir in einen authentischen und ehrlichen Dialog miteinander treten, gegründet auf den Respekt der Würde jedes Menschen, der, wie wir Christen fest glauben, nach dem Abbild und Gleichnis Gottes geschaffen wurde (vgl. Gen 1,26–27)." (Audienz für eine Delegation von Vertretern verschiedener Kirchen und kirchlicher Gemeinschaften sowie anderer religiöser Traditionen am 25. April 2005)

Aufforderung aus dem Dar al-Ghaddafi

"Ich rufe ihn nicht auf, sich zu entschuldigen, aber ich rufe ihn auf, die Wahrheit zu erkennen und dann Muslim zu werden." (Spiegel Online)

Wenn es nicht so ernst wäre, könnte man nur noch drüber lachen.

19. September 2006

GKC, what did you expect?

"These are the days when the Christian is expected to praise every creed except his own." (Illustrated London News, August 11, 1928 via Insight Scoop )

Teaching the Stones to Talk

Ich stehe noch ganz unter dem Eindruck meines Besuchs im "Temple Expiatori de la Sagrada Familia". Eine Baustelle, die schon jetzt Ort für Gottesbegegnung ist...

Pardon wird nicht gegeben

"Wer dem Schlagwort vom Kampf der Kulturen etwas Aussagekräftiges entgegensetzen will, wer den Islam von seinen Verformungen unterscheiden will, der muß dem Islamismus seine Masken herunterreißen, muß sich mit all seinen Formen öffentlich auseinandersetzen dürfen. Das wird freilich so lange nicht gelingen, wie Islamisten die Spielregeln festlegen, nach denen über den Islam gesprochen werden darf. Und frech den Kampf der Kulturen ausrufen, sobald sich einer mit einem falschen Wort nicht an diese Spielregeln hält. Für ein falsches Wort hat es gestern ein Pardon gegeben. Kein Pardon gibt es für jenen erpresserischen Diskurs, bei dem über jedem falschen Wort eine Bombe hängt." (FAZ)
Wehe, wehe, Christian Geyer, der du den Kaiser Wilhelm zitierst! Da wissen die Islamisten und gewaltbereiten Muslime doch gar nicht mehr, ob sie den Deutschen Hitler gut finden oder doch lieber das deutsche Volk wegen seiner Gewaltverbrechen anklagen sollen!

16. September 2006

Blogfreies Wochenende

Da es heute eine Hochzeit zu feiern und morgen früh für zwei Tage in die Gaudi-Stadt aufzubrechen gilt, ist hier einfach mal: Ruhe.

Einen schönen, ruhigen und trotz allem frohen Sonntag ringsum.

Päpstliches

Es wird viel Schlaues und Gutes gesagt zur päpstlichen Vorlesung in Regensburg. (Ich werde mir nachher das Interview mit Otto Kallscheuer im Spiegel und den Artikel von Christian Geyer in der FAZ zu Gemüte führen - beide sagen gewöhnlich Fundiertes.)

Daher nur eine Randbemerkung: Immerhin kommen jetzt auch die Leser meiner geliebten Regionalzeitung in den erstmaligen Genuß, mehr als einen Satz Benedikts XVI. aus seinen bayerischen Ansprachen und Predigten an einem Stück zu lesen... Der muslimische Protest macht's möglich. Erst jetzt ist nicht nur der große und ganze Eindruck interessant, sondern der Wortlaut. Ein Fortschritt!

Und noch etwas: Herzliche Einladung zum Gebet für BXVI. sowie urbi et orbi!

Meet me anywhere



(Vom Churches Advertising Network via Curt Jester)

14. September 2006

Deutsche Grüße zum Abschied

Was der Papst alles versäumt hat, sagt uns und ihm ein Herr Michael Schrom im "Christ in der Gegenwart":

"Es gab zum Beispiel kein Treffen mit der deutschen Bischofskonferenz oder mit deren Vorsitzendem, Kardinal Karl Lehmann, obwohl dies angesichts der großen Herausforderungen hierzulande durchaus angebracht gewesen wäre." (Wenn man Kardinal Lehmann allerdings so hört, sind 1. die Herausforderungen nicht so groß, 2. kennen die Bischöfe sie schon lange und 3. arbeiten sie schon dran.)

Dann gab es weiter "keinen Empfang für die Vertreter des Laien-Katholizismus", "kein Treffen mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland oder mit Vertretern des Islam", keine Begegnung mit "jene(n) Intellektuellen ..., die hierzulande in Zeitungen, Akademien, Laboratorien und in Talkshows die Meinungsführerschaft in den philosophischen und religionspluralistischen Debatten haben".

Und weiter geht's: Was war mit "islamische(n) Geistlichen", was mit den Forschern in Garching, den "zeitgenössischen Künstlern", was mit Wolfgang Huber? (Und wieso war der Papst überhaupt in Altötting und nicht in Wittenberg beim hl. Martin?) Wo war mit der Jugend? - Tja, so geht's: Allen recht getan, ist eine Kunst, die nicht mal der Papst kann.

Und nebenbei bekommen die afrikanischen Bischöfe ihr Fett weg, hinter denen sich der Papst "diplomatisch geschickt ... versteckte":

Zwar rühme die ganze Welt die Großherzigkeit der deutschen Katholiken, aber "dann und wann sagt ein afrikanischer Bischof zu mir: ,Wenn ich in Deutschland soziale Projekte vorlege, finde ich sofort offene Türen. Aber wenn ich mit einem Evangelisierungsprojekt komme, stoße ich eher auf Zurückhaltung'". Dagegen kann man freilich auch fragen, warum die afrikanischen Bischöfe, deren Meinung sich der Papst zu eigen machte, es trotz Evangelisierungskampagnen nicht geschafft haben, das Christentum zu einem Motor der Entwicklung des Erdteils zu machen, oder warum zum Beispiel im katholischen Ruanda katholische Hutus und katholische Tutsis sich gegenseitig unglaublich brutal massakrierten.
Klein reden ist also angesagt, das Anmahnen von Reformvorschlägen das Gebot der Stunde.

Unterwegs in die Heimat

Jan Ross in der ZEIT über den Besuch des Papstes in seiner Heimat:

"Die Volksfrömmigkeit von Altötting und das Christentum als Logos-Religion der wahren Vernunft, der Pilgerpapst und der Papstprofessor – das ist die Spannweite der Bayernreise Benedikts XVI. Im Grunde ist das seine eigene Geschichte: Als Kind einfacher Leute mit klarem, starkem Glauben aufgewachsen, dann zu einem subtilen Intellektuellen seiner Zeit geworden, hat er eigentlich immer die Anfänge retten, bewahren, verteidigen wollen. Den »Glauben der Kleinen« vor dem wegwerfenden Hochmut der Modernisierer zu schützen, hat er als Kardinal und Dogmenhüter zum Kern seiner Aufgabe erklärt. Dass beides zusammengehen kann, ein schlichtes Herz und ein komplizierter Kopf, das ist das Ratzingersche Lebens- und Kirchenprojekt. (...)

Vielleicht liegt hier auch, neben den Großproblemen von Säkularisierung und Kirchenkrise, ein kleiner Schlüssel zum etwas fremden Verhältnis zwischen Ratzinger und Deutschland. Wojty?a war Kirchenmann und Patriot, womöglich umso mehr, weil sein persönliches Zuhause durch Verlust und Gewalt zerbrochen war und Polen als christliche Idee eine letzte Identitätsbastion war. Ratzinger dagegen ist kein Mensch der Nation, sondern der Heimat."
Der bayerischen Heimat. Der ewigen Heimat. Der ersten als Vorgeschmack der zweiten, endgültigen, unverlierbaren.

Viel Spaß!

"Man bringe mir ein BABA Bier" - so der Slogan des Bieres, das bei uns ab und an auf den Tisch kam. Damals vor 40 Jahren. Die Brauerei gibt es nicht mehr, und wir schauen jetzt YouTube für eine aktuelle und preisgekrönte belgische Version davon:



(via Shrine of the Holy Whapping)

13. September 2006

Reinhard Kleist paints Johnny Cash

I hung my head im SPOn.

Head's amoi döm Ringsgwandl zua:

Das Einzige, was mich zurzeit noch daran hindert, wieder in die katholische Kirche einzutreten, sind die eingedeutschten Messen und das renovierte Vaterunser. Der Text, den ich noch gelernt hatte, war in einer unantastbaren Sprache abgefasst, auf einer literarischen Höhe, die jedem sofort vermittelte, hier radebrecht kein reformfreudiger Studienrat, hier spricht Gott. Kann sich jemand vorstellen, dass Gott in der Nähe ist, wenn, wie kürzlich bei einer Kindstaufe, eine Pfarrerin in Kurzhaarfrisur Lieder der Rolf-Zuckowski-Machart zur verstimmten Wandergitarre singt?

Ich möchte zu meiner Beerdigung ein Hochamt mit Scharen von Ministranten, die, ohne ein Wort zu verstehen, ellenlange Gebete auf Lateinisch herunterrasseln, das Licht muss durch hohe bunte Fenster kommen und auf Schwaden von Weihrauch strahlen, von der Orgel soll erhabene Musik von Bach erklingen (ein Protestant, macht aber nix), dazu Chorgesang mit der Inbrunst von achtzig enttäuschten Hausfrauen, die Priester in so reich verzierten Gewändern, dass ihre sündhafte Person dahinter verschwindet, und wenn die Liturgie in Latein und Griechisch gelesen wird, weiß ich, dass es etwas gibt jenseits von Rentenanspruch und bewusster Ernährung, etwas, das schon vor den Assyrern existierte und noch sein wird, wenn Josef Ackermann längst vergessen ist. Erst dann ist meine Seele beruhigt, und dann mag mein Sarg getrost ins Feuer fahren."
Aba das'd's net moand, des woa ois. Do gibbd's no mea, inklussif ebbas fias Stammbuach.

I moag ean.

Erlaubter Nationalstolz

"Ballack zeigt Lampard, wie man es macht. Er hat bewiesen, dass die Deutschen immer ihre Elfmeter verwandeln."

"Wenn es um Elfmeter geht, kann man sich auf einen Deutschen immer verlassen."

"Bei Chelsea weiß man jetzt, wie man die englische Elfmeter-Krankheit heilen kann. Ballack hat Lampard gezeigt, wie man diesen Job erledigt."

"Ballack hat den Elfmeter in einer Art und Weise verwandelt, wie man es von einem Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft erwarten kann."

(CL-Pressestimmen im SPOn)

Schönheit rettet die Welt

Alexander Kissler heute mal nicht in der SZ, sondern der Tagespost über Erlösendes und Einzig-Adaequates:

"Für Benedikt XVI. ist Schönheit eine moralische Größe, sie ist das Siegel der Wahrheit, die Krone der Liebe. Und sie kann der Königsweg zu einem gottgefälligen Leben sein. Der Glaube nimmt seine Kraft aus der Liturgie als dem Ursprung aller Schönheit, die demjenigen Trost spendet, der in ihr Auge blickt."
Auch hier: Unbedingt lesen!!!!!

Wortfeld "Meckern"

Stephan Baier unterzieht sich einer Wortfeldübung zum Thema "Was tun Ratzinger-/BXVI-Kritiker?": Sie raunzen, nörgeln, richten, sich ungern freuen, witzeln, lästern, vom Leder ziehen, sich gegenseitig interviewen. Und neuerdings: sich hinten anstellen....

Am besten die Glosse Sinnliches und Unsinniges auf der Website der Tagespost selber lesen.

Metanoia-Kandidaten, Teil 2

(Fortsetzung von weiter unten)

4. Günter Grass: Im Sommer 2007 Privataudienz bei Papst Benedikt XVI. in Castelgandolfo, danach regelmäßige Besuche bei den Franziskaner-Minoriten in Danzig, Veröffentlichung einer Biographie von P. Maximilian Kolbe, später Mitglied des Katholischen Männervereins Tuntenhausen, unter dem Pseudonym Pius Günter Veröffentlichung von kurzen Erzählungen im Altöttinger Liebfrauenboten.

5. Claudia Roth: Keine Ahnung, wo sie abgeblieben ist. Lebt sie am Chiemsee und ist gemeinsam mit Gabriele Kuby Oblatin des Benediktinerinnenabtei St. Gertrud in Tettenweis? Hat sie sich dem Anbetungszweig der Schönstätter Marienschwestern angeschlossen? Oder arbeitet sie als Beschäftigungstherapeutin in einem Altersheim in ihrem ehemaligen Wahlkreis Augsburg?

Deutsche Plapper Agentur

Wieder mal die dpa, im Gießener Anzeiger und anderswo:

"Auch wenn die Viertelmillion Pilger 'ihren' Papst in Regensburg wie schon zuvor in München und Altötting begeistert feiern, die Predigt, die er ihnen serviert, dürfte dem letzten klar machen, dass der frühere Theologieprofessor für Dogmatik und spätere Glaubenshüter im Vatikan auch als Papst unbeirrt an seinen Grundüberzeugungen festhält. Er erklärt in einer gehobenen Katechese dem Kirchenvolk das Apostolische Glaubensbekenntnis und prangert den modernen Atheismus an. Für den Menschen ist Gott existenziell, lautet sein Credo. Mit ihrem Glauben seien die Katholiken keineswegs auf dem Holzweg."
Ein Wunder, ein Wunder!

Hey, what did you expect? Das Oberhaupt der Katholiken hält "unbeirrt" daran fest, daß der Glaube seiner Kirche, dem er zu dienen versprochen und gelobt hat, wahr, richtig, lebensnotwendig ist. Daß die Katholiken damit nicht "auf dem Holzweg" sind. Dazu muß ein Papst weder Dogmatikprofessor noch oberster "Glaubenshüter" gewesen sein...

"In der Abenddämmerung schließlich geht es um die schmerzlich vermisste Einheit der Christen. Zum Auftakt des Papst-Besuchs hatte Bundespräsident Horst Köhler eindringlich als evangelischer Christ Fortschritte in der Ökumene angemahnt - und Benedikt mit seiner spontanen Replik, dies sei ihm eine Herzensangelegenheit, Hoffnungen genährt. Doch an diesem Abend bleibt es im gotischen Dom zu Regensburg wieder nur bei äußeren Zeichen der Verbundenheit. (...)

In seiner Vesper-Ansprache betont der Papst das gemeinsame Gottesbild aller Konfessionen und die Verpflichtung, Zeugnis abzulegen. Kein Wort verliert das katholische Kirchenoberhaupt zum Abendmahl, kein Wort zu den theologischen Knackpunkten wie das Ämterver-ständnis und die Rolle des Papstamtes."
Horst, Dein Wunsch ist mir Befehl! C'mon - gimme a break.

"Uns verbindet doch so viel mehr als uns trennt." Aber wehe, man tut das gemeinsam, was uns verbindet, z.B. gemeinsam beten, singen, loben, bitten (und nein, das sind keine beliebigen Frömmigkeitsübungen, das ist Lebensvollzug der Kirche, da atmet sie Gnade ein!). Wehe, man betont "das gemeinsame Gottesbild aller Konfessionen". Dann schweigt man zum Trennenden, dann betont man die Unterschiede, indem man sie verschweigt?

Prophezeiung eines katholischen Cree-Indianers: Erst wenn das letzte Dogma gefallen, das letzte Gebot gestrichen und der letzte Anstoß beseitigt ist, wird die dpa merken, daß es gar kein Christentum mehr ist, was sie beschreibt, sondern: öde, fade Beliebigkeit, die keinen nährt.

(Aber es geht auch anders, vgl. Hans-Christoph Buch - via lux aeternitatis)

12. September 2006

"Wie viele MdBs hat der Papst?"

Nicht nur für Martin wird es eng. Wohl dem, der wie ich einen überzeugten und ganz und gar nicht duckmäuserischen Abgeordneten in Berlin sitzen hat.

Ein ausführliches Credo hat Norbert Geis jetzt auf seiner Homepage veröffentlicht. Wegducken gilt für ihn nicht.

Was Rom kann, kann Canterbury schon lange...



"Portraits of the Pope have long been popular as an aid to devotions in Catholic homes. But now Anglicans can catch up with the inspirational and cuddly Rowan Bear, modelled on His Hairiness the Archbishop of Canterbury." (Ship of Fools)

Meine Metanoia-Kandidaten

Von Petra angeregt, von FingO aufgegriffen und hier fortgesetzt:

1. Phillip Pullman: Merkte 2006, daß er fast 2.000 Jahre zu spät dran war, als er in "His Dark Materials" GOtt töten wollte. Lebt immer noch als freier Schriftsteller in Südengland, schreibt Fantasy und promoviert bei Catherine Pickstock am Emmanuel College, Oxford mit einer Arbeit über die Karsamstagstheologie Adriennes von Speyr.

2. Burkhard Driest: Wurde von seinen Kindern während eines Riviera-Urlaubs sonntags morgens in Kirche Sancta Maria in Albis in Breil sur Roya geschleppt. Unwillig wohnte er der Messe bei, ohne ein Wort zu verstehen. An diesem Sonntag hatte er das Gefühl, daß da "plötzlich jemand war, der mich nach der Kirche begleitete". Das Erlebnis dieser Gegenwart sollte ihn nicht mehr verlassen. Er verließ Ibiza, zog mit seinen Kindern in eine nette Wohnung im Wedding, schrieb weiterhin durchschnittliche Kriminalromane und tauchte kürzlich wieder in Günter Jauchs Sonntagabend-Talkshow auf. Jedes Jahr am 29. Mai lässt er für Rosemarie Magdalena Albach Retty eine Messe lesen.

3. Jürgen Habermas: Rief an einem sonnigen Septemberabend seinen alten Kontrahenten Robert Spaemann an und verabredete sich mit ihm für den Mittwoch, 4. Oktober 2006, 18.30 zu einem Besuch der Hl. Messe im pianisch-johanneischen Ritus in St. Leonhard, Frankfurt und anschließender Einkehr im "Gemalten Haus". Mit Spaemann gründete er die Stiftung "Nova et Vetera", die religionsphilosophische Forschungsprojekte fördert und die deutsche Ausgabe der gleichnamigen Zeitschrift herausgibt.

(So viel für jetzt.)

PS am 13.9.06: Noch zwei Kandidaten hier.

Hindupriester

So kann's gehen:

Hinduism no barrier to job as priest in Church of England (Times)

Da zählen Authentizität, der persönliche Glaubensweg, Versöhnung der Religionen und was dergleichen wertvolle Dinge sind, ganz schnell und ganz einfach mehr als die Treue zum Evangelium und zu Jesus Christus - oder gar als Gehorsam gegenüber der Kirche.

Nicht in diesen Fragen

Aus der Würdigung des gestern verstorbenen Joachim Fest durch Matthias Matussek im Spiegel Online:

Eines Abends belauschten die Kinder einen Streit mit der Mutter. Diese bestürmt ihren Mann, endlich in die Partei einzutreten, da er dann endlich wieder Arbeit hätte. Die Lüge sei doch schließlich das einzige Mittel der kleinen Leute im Kampf gegen die Mächtigen. Da antwortete Vater Fest mit dem großartigen, dem stolzen Satz: "Wir sind keine kleinen Leute, nicht in diesen Fragen."
Joachim Fest - R.i.p.

ohne sorge sei ohne sorge - Fortsetzung

"Dass wir im Sozialen relativ stark sind, aber etwas schwerhörig in Bereichen des Glaubens, das wissen wir selber natürlich auch schon lange." (Mittelbayerische Zeitung)

Natürlich.

(Teil 1 gab's hier.)

11. September 2006

Papstworte in Altötting

"Wir antworten auf die Lesung, indem wir mit Maria den großen Lobgesang singen, den sie angestimmt hat, als Elisabeth sie ihres Glaubens wegen seliggepriesen hatte. Dies ist ein Gebet des Dankes, der Freude an Gott, der Lobpreisung für seine großen Taten. Der Grundton dieses Hymnus ist gleich im ersten Wort angegeben: Meine Seele macht Gott groß. Gott groß machen, das heißt ihm Raum geben in der Welt, im eigenen Leben, ihn einlassen in unsere Zeit und unser Tun – das ist das tiefste Wesen rechten Betens. Wo Gott groß wird, da wird der Mensch nicht klein: Da wird auch der Mensch groß, und da wird die Welt hell." (Q)

"Später habe ich oft nachgedacht über diese merkwürdige Fügung, daß die Kirche im Jahrhundert des Fortschritts und der Wissenschaftsgläubigkeit sich selbst am meisten dargestellt fand in ganz einfachen Menschen, die von den Strömungen der Zeit kaum berührt schienen."(Q)

Kardinals-Tee



Sanctae Romanae Ecclesiae Cardinalis Avery Dulles S.J. (via First Things)

Nine Eleven

Peggy Noonan im WSJ zum Tag.

Requiescant in pace.

Mit Herz und nüchternem Verstand

"Uns verbindet doch so viel mehr als uns trennt", sagt der evangelische Präsident.

In der ZEIT kühlt Robert Leicht die ökumenischen Erwartungen auf realistische Temperaturen herunter:

Für jemanden, der in diesen weithin fruchtlosen Dialogen zuhause ist, konnte die Antwort (trotz des Appells an die heißen Herzen) nur kühl aufschiebend klingen – und etwas anderes war ja auch kaum zu erwarten. (...)

Nur eine kleine Bitte um jenes Quentchen nüchterner Vernunft, das zugleich den wieder folgenden, auch den kirchlichen Alltag in den Blick nimmt, ein wenig Distanz auch zum Massenerlebnis. Ich für mein Teil denke dann auch ein wenig zurück an Martin Luthers Schrift an den christlichen Adel deutscher Nation, nämlich an den folgenden Satz: „Denn was aus der Taufe gekrochen ist, das kann sich rühmen, dass es schon zum Priester, Bischof und Papst geweiht sei…“

Immerhin fügt der Reformator an: „obgleich es nicht einem jedem ziemt, solch Amt auszuüben.“

O-Ton

Was hat er denn eigentlich gesagt? Weil es immer noch Medien wie meine Lokalzeitung gibt, die lieber eine viertel Seite den zwei Farbbeuteln in Marktl widmen statt auch nur zwei ganze Sätze im Original zu zitieren, ist der Hinweis auf die offiziöse Dokumentation "vere dignus et iustus".

Anstelle gutmenschlicher Langeweile

Juliette Guttmann von der "ZEIT" wäre mal besser nach München zum "apokalyptischen Optimisten" Benedikt XVI. gefahren statt in Berlin zu bleiben und zuzuhören, wie "112 Wissenschaftler, Unternehmer, Philosophen, Schriftsteller, Künstler und Aktivisten in neun Stunden 100 drängende Fragen unserer Zeit" beantworten.

Hoffen wir, daß ihre Kaffee-Autoinfusion geholfen hat...