13. September 2006

Deutsche Plapper Agentur

Wieder mal die dpa, im Gießener Anzeiger und anderswo:
"Auch wenn die Viertelmillion Pilger 'ihren' Papst in Regensburg wie schon zuvor in München und Altötting begeistert feiern, die Predigt, die er ihnen serviert, dürfte dem letzten klar machen, dass der frühere Theologieprofessor für Dogmatik und spätere Glaubenshüter im Vatikan auch als Papst unbeirrt an seinen Grundüberzeugungen festhält. Er erklärt in einer gehobenen Katechese dem Kirchenvolk das Apostolische Glaubensbekenntnis und prangert den modernen Atheismus an. Für den Menschen ist Gott existenziell, lautet sein Credo. Mit ihrem Glauben seien die Katholiken keineswegs auf dem Holzweg."
Ein Wunder, ein Wunder!

Hey, what did you expect? Das Oberhaupt der Katholiken hält "unbeirrt" daran fest, daß der Glaube seiner Kirche, dem er zu dienen versprochen und gelobt hat, wahr, richtig, lebensnotwendig ist. Daß die Katholiken damit nicht "auf dem Holzweg" sind. Dazu muß ein Papst weder Dogmatikprofessor noch oberster "Glaubenshüter" gewesen sein...

"In der Abenddämmerung schließlich geht es um die schmerzlich vermisste Einheit der Christen. Zum Auftakt des Papst-Besuchs hatte Bundespräsident Horst Köhler eindringlich als evangelischer Christ Fortschritte in der Ökumene angemahnt - und Benedikt mit seiner spontanen Replik, dies sei ihm eine Herzensangelegenheit, Hoffnungen genährt. Doch an diesem Abend bleibt es im gotischen Dom zu Regensburg wieder nur bei äußeren Zeichen der Verbundenheit. (...)

In seiner Vesper-Ansprache betont der Papst das gemeinsame Gottesbild aller Konfessionen und die Verpflichtung, Zeugnis abzulegen. Kein Wort verliert das katholische Kirchenoberhaupt zum Abendmahl, kein Wort zu den theologischen Knackpunkten wie das Ämterver-ständnis und die Rolle des Papstamtes."
Horst, Dein Wunsch ist mir Befehl! C'mon - gimme a break.

"Uns verbindet doch so viel mehr als uns trennt." Aber wehe, man tut das gemeinsam, was uns verbindet, z.B. gemeinsam beten, singen, loben, bitten (und nein, das sind keine beliebigen Frömmigkeitsübungen, das ist Lebensvollzug der Kirche, da atmet sie Gnade ein!). Wehe, man betont "das gemeinsame Gottesbild aller Konfessionen". Dann schweigt man zum Trennenden, dann betont man die Unterschiede, indem man sie verschweigt?

Prophezeiung eines katholischen Cree-Indianers: Erst wenn das letzte Dogma gefallen, das letzte Gebot gestrichen und der letzte Anstoß beseitigt ist, wird die dpa merken, daß es gar kein Christentum mehr ist, was sie beschreibt, sondern: öde, fade Beliebigkeit, die keinen nährt.

(Aber es geht auch anders, vgl. Hans-Christoph Buch - via lux aeternitatis)

Kommentare:

str hat gesagt…

Vielleicht sollte mal ein katholischer Politiker von protestantischen Kirchenoberenen Fortschritte in der Ökumene anmahnen.

Und ein katholischer Bischof sekundiert, in dem er Protestanten belehrt, was den innerhalb protestantischer Vorstellung denn möglich wäre.

Aber er würde dann wahrscheinlich als "Haßprediger", "impertinent", die "Trennung von Kirche und Staat mißachtend", "missionarisch", "fundamentalistisch" oder einfach "intolerant" gebrandmarkt.

Yon hat gesagt…

Das ist aber auch wirklich dreist vom Papst, schreitet da doch schon der Bundespräsident selber ein... Was denkt der Benedikt denn, wer er ist??

Norbert hat gesagt…

Leider geht so vieles unter an Wichtigem, was Benedikt gesagt hat. Hier ein Auszug aus dem heutigen Tagesspiegel von Claudia Keller:
Um zu zeigen, wie unterschiedlich das Christentum und der Islam mit Glaube und Vernunft umgehen, griff der Papst auf einen überlieferten Dialog zurück, der sich der Belagerung Konstantinopels durch die Muslime Ende des 14. Jahrhunderts zugetragen hat. Der christliche, byzantinische Kaiser Manuel II. spricht mit einem persischen Gelehrten über die Bibel und den Koran. Der Kaiser sei dabei auch auf das Thema Dschihad eingegangen, referiert Benedikt, und habe seinem Gesprächspartner vorgehalten: „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwer zu verbreiten“. Der Papst lässt mit den Worten des historischen Kaisers entgegnen: „Gott hat kein Gefallen am Blut, und nicht vernunftmäßig zu handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider.“ So sehe es der christliche Kaiser, und so sieht es Benedikt XVI. Nicht aber die Muslime, folgt man der Argumentation des Papstes.

Petra hat gesagt…

@Alfred:
Gerade diese Aussagen haben ja die türkischen Medien in helle Aufregung versetzt... Wohl ein Omen für den brisanten [Byzanz]Türkei-Besuch im Herbst.