Weil sie es öffentlich macht, bedenken wir Margot Käßmann mit einer Runde Mitleid:
"Einen neuen Job hat Käßmann, die am 24. Februar von ihren Ämtern als EKD-Ratsvorsitzende und Landesbischöfin zurückgetreten war, noch nicht gefunden: 'Ich habe keinen Arbeitsplatz, ich habe keine Wohnung, jetzt ist auch meine jüngste Tochter ausgezogen', sagte sie, 'ich werde ohne Familie irgendwo neu anfangen.'" (SPIEGEL)
Als Taxifahrerin in Hannover hätte sie bestimmt immer das Auto voll, und der Gasprom-Alt-Bundeskanzler würde gewiß gerne mal als Beifahrer mitfahren. Das geht aber aktuell nicht, weil Frau Käßmann ihren Führerschein erst zu Weihnachten wieder zurück bekommt. Schon übel.
Vielleicht kann sie sich mit Bob, Mick und anderen trösten, die auch schon wie Kiesel am Bachgrund trieben, ohne Richtung und ohne Daheim.
19. Juni 2010
Eine Runde Mitleid für Margot
17. Februar 2011
Auch der beste Gaul stolpert mal
Also, ich bin ja der Meinung, daß Margot Käßmann den Preis der "Europäischen Kulturstiftung Pro Europa" ruhig hätte annehmen sollen.
Die Annahme selbst wäre nämlich der finale Akt ihrer Zivilcourage gewesen und damit in sich selbst hoch performativ.
Man lese sich nur einmal auf der Homepage der Stiftung den wunderbaren Text durch, mit dem die "Aussetzung" [sic!] der Preisverleihung erklärt wird. Es wimmelt da nur so von herrlichen Blüten voller Stammtischlyrik, die in eine modische Kurzhaarfrisur sich stecken zu lassen tatsächlich ein ganz exzeptionelles Maß an Zivilcourage erfordert:
"Für ihr Lebenswerk war sie schon lange als künftige Preisträgerin vorgesehen. Als die Alkohol-Fahrt der Landes-Bischöfin bekannt wurde stellte sich für uns die Frage, ob ihr Fehler ihr Lebenswerk entwürdigt und die Seelsorgerin unwürdig für eine Preisverleihung macht. Dabei war zu bedenken, dass es keinem Menschen dieser Welt möglich ist, absolut rein und ohne jeden Fehler durchs Leben zu gehen. Auch der beste Gaul stolpert bekanntlich einmal."
"Mit ihrem sofortigen Rücktritt zeigte sie Reue und verdient Vergebung. Die Stiftung war der Meinung, dass Gnade nicht nur göttlich ist: Sie ist auch eine Stütze der Gerechtigkeit."
"Viele von uns waren bereits einmal an einer Veranstaltung und sind mit etwas zuviel Alkohol nach Hause gefahren, ohne erwischt zu werden. Deswegen sollten wir nicht selbstgerecht sein und mit dem Finger auf den Balken im Auge der Anderen zeigen."
"Die Altbischöfin hat uns nach Protesten nun gebeten, von einer Preisverleihung abzusehen; die Stiftung hat daraufhin beschlossen, die Preisverleihung auszusetzen und nach einer anderen Gelegenheit zur Würdigung des Lebenswerkes von Frau Dr. Käßmann zu suchen. Wir hoffen, die blinden Kritiker, die nur auf den Fehler starren und dabei das Gute nicht mehr sehen, mögen noch erkennen, dass vergeben göttlich ist. Besonders bei Betrachtung des persönlichen Schicksals der Altbischöfin."
Das alles, vom stolpernden Gaul über die sehr spezielle Gnadentheologie und den eigenen Blutalkohol bis zu den "blinden" Kritikern, die starren und doch nicht sehen, ist so geradeheraus, so unbekümmert dahingesagt, so ganz ohne Stolpern - das ist entweder blutige Satire oder schlichter Ernst. So oder so aber wäre die Annahme eines Preises ein Hoheslied auf die Zivilcourage gewesen. Das zu hören entgeht uns für jetzt. Aber ausgesetzt ist ja zum Glück nicht abgesetzt. Und der beste Gaul bekommt auch mal wieder Futter.
(Mit Dank an Harki)
26. Oktober 2005
Offenbart sich in Christoph Quarch, Theologe, promovierter Philosoph, Journalist bei den "Evangelischen Kommentaren", Willigis Jäger-Kumpel (sach-ich-ma-so) und derzeitiger Studienleiter beim Deutschen Evangelischen Kirchentag, ein neuer Kandidat für einen 4K (Kompendium Katechismus der Katholischen Kirche)?
In einem Interview mit Publik-Forum unter dem Titel "War Jesus ein Protestant?" erklärt er kurz und bündig:
"Zur Zeit der Reformation war es der Protest gegen eine sich fast selbst vergottende Kirche. Sie hatte ihre Stellvertretungsfunktion völlig überstrapaziert, zum Beispiel mit dem Ablasswesen, das Erlösung gegen Bargeld versprach. Damit maßte sich die Kirche an, selbst über Heil und Unheil der Menschen verbindlich urteilen zu können."Lieber Herr Quarch, fragen Sie Frau Landesbischöfin Käßmann. Sie kennt sich "in ökumenischen Fragen" gut aus, so sehr, daß sie "an dieser Stelle" keiner Nachhilfe bedarf. (Zitate aus dem Schreiben von Ute Neveling-Wienkamp, 7.9.05)
Fragen Sie also, und Frau Bischöfin Käßmann wird Ihnen dann sagen, daß der Ablaß in der Geschichte der katholischen Kirche zwar einen Bedeutungswandel durchgemacht hat - von einer realen Ermäßigung der persönlich auferlegten Buße hin zum Nachlaß der vor Gott abzubüßenden zeitlichen Strafe. Sie wird sicher auch zugeben, daß einzelne Prediger "Erlösung gegen Bargeld" versprochen haben. Aber sie wird Ihnen entgegenhalten, daß "die Kirche" unter Ablaß eben keine Tauschmethode von Geld gegen Erlösung verstand.
Nein, man muß den Ablaß nicht gut finden, weder D. Martinus damals noch seine Nachkommen heute. Aber sowohl der Wahrheit wie der Ökumene wäre gedient, wenn einflußreiche protestantische Intellektuelle ihren Protestantismus nicht auf eine "leyenda negra", einer schwarzen Legende des ach so bösen frühneuzeitlichen Katholizismus bauen würden.
(Für heute dahingestellt bleiben soll die Bemerkung über eine "sich fast selbst vergottende Kirche" - wie katholisches Leben an der Schwelle zur Reformation tatsächlich aussah und wie lebendig der katholische Glaube als Hingabe an GOtt an der "Basis" gelebt wurde, belegt jedenfalls für England sehr schön und überaus ausführlich Eamon Duffy in seiner Studie "The Stripping of the Altars".)
6. September 2005
"Und dann gibt es Menschen, die längst nicht mehr wissen, was Glaubensgrundlagen sind. Ja, sogar elementares Katechismuswissen fehlt. Nicht da draußen, irgendwo an den Rändern, nein, mitten im Zentrum."Auch wenn sie natürlich das evangelische Katechismuswissen meint, ist es doch erfreulich, daß Frau Bischöfin Käßmann einem Katechismus an sich eine gewisse, wenn wohl auch konfessionsinterne Bedeutung beimisst. (Quelle) So besteht also eine gewisse Wahrscheinlichkeit, daß sie die Aktion "Katechismus für Käßmann" entweder versteht oder humorvoll nimmt, mindestens aber entspannter als einige unserer eigenen Glaubensbrüder.
Konfessionstypisch ist freilich der Satz, der dem oben zitierten vorangeht:
"Ein Beispiel: Mir begegnet immer wieder ein völliges Unverständnis mit Blick auf die historisch-kritische Methode. Ist das denn möglich? Dass fast 25 Jahre nach dem Tode Rudolf Bultmanns noch immer Unkenntnis in den Gemeinden darüber herrscht?"Bultmann und den Katechismus in einem Atemzug nennen - das gäbe es bei einem katholischen Bischof nie.
29. August 2005
Und Landesbischöfinnen erst recht. Deshalb bin ich dabei, wenn es um einen "Katechismus für Käßmann" geht.
28. Mai 2010
5000 Biker können nicht irren
"The Mogo celebrate" - so hatte die englische Version der Pfarrei-Site eingeladen -hier auf dem Blog konnte man es vorab lesen.
Ich schätze mal, daß sich trotzdem kaum einer der geneigten Leser neugierig auf den Weg nach Schweinfurt machte, um zu erleben, was bei Roland und seinen Bikern so abgeht. Aber dafür gibt es ja das "Geschenk Gottes" (M. Käßmann) YouTube.
Seht selbst!
28. Oktober 2009
Regenprophet

Statue von Sören Kierkegaard an der "Marmorkirche" in Kopenhagen

Kierkegaards Grab auf dem Assistens Friedhof
"Es gibt einen Vogel, der Regenprophet heißt, und so bin ich; wenn in der Generation ein Ungewitter sich zusammenzuziehen beginnt, zeigen sich solche Individualitäten, wie ich bin." (Aus dem Tagebuch)
Passenderweise hat es bei meinem heutigen Besuch in Kopenhagen-Nørrebro geregnet. Kierkegaard im strahlenden Sonnenschein - das wäre wie Bischöfin Käßmann beim Zelebrieren der Messe in der außerordentlichen Form...
22. Dezember 2009
Unterschiede im Amtsverständnis
Man kann über unsere Bischöfe sagen, was man will, aber den Halbsatz "Mein Weg führt mich..." aus einem Zeitungsfragebogen würden sie nie ergänzen mit
"... langsam auf die Pensionsgrenze zu." (faz.net)
Durchaus instruktiv auch die Darstellung der Käßmannschen Ochsentour hinauf zum höchsten Amt einer synodal verfassten Kirche:
"Doch mit dem Amt reifen auch die Beziehungen heran – friedensbewegte Kirchentagsfunktionäre sind behilflich. (...) Nun ist es ihr Ehemann, der zurücksteckt, er bleibt bei den Kindern, während seine Frau an ihrem wichtigsten Karrieresprung arbeitet. Sie scheint zu wissen: Wer in jungen Jahren Einfluss in der Kirche gewinnen will, muss über die Funktionsstellen abseits der Gemeinden gehen. Die Ochsentour, vom Landpfarramt ins Stadtpfarramt, von der Superintendantur zur Landessuperintendantur, dauert Jahrzehnte. 1995, mit Mitte dreißig hat es Käßmann ins Schaufenster für das Bischofsamt geschafft: Sie wird Generalsekretärin des Kirchentags und kann sich so bei zahlreichen Gelegenheiten präsentieren.
Die erste Voraussetzung, um Bischöfin zu werden, ist damit erfüllt: Das Funktionärsmilieu, das maßgeblichen Einfluss auf die Ausarbeitung der Wahlvorschläge in den Landeskirchen ausübt, kennt ihr Gesicht. Und sie beherrscht – Voraussetzung Nummer zwei – virtuos den Umgang mit solchen Beziehungen, die Amerikaner als 'weak ties' bezeichnen: Sie kann Kontakte im Vorübergehen pflegen und dem Beruflichen den Mantel des Privaten umlegen. Sie tritt freundlich, aber nicht unbestimmt auf und nimmt Menschen rasch für sich ein – was von entscheidender Bedeutung ist, wenn die Mehrheit in einem Kirchenparlament erreicht werden soll, dessen Mitglieder man kaum kennt." (faz.net)
23. August 2010
Gesucht: Käßmann redivivus
"Freude an der Selbstinszenierung, Lust am Spiel mit dem Publikum, Mut zur intellektuellen Überraschung und unverwechselbaren Emotionalität" und irgendwie damit/dazu/dazwischen auch Gehorsam gegenüber dem "unaufgebbaren Imperativ der Demut".
So fasst die "Welt" das neue Stellenprofil eines post-Käßmannschen evangelischen Bischofs zusammen und liegt damit wohl nicht weit weg von den erwarteten Kernkompetenzen.
Kein Wunder, daß keiner den Hannoverschen Job will. Außer Margot K. hätte höchstens noch Martin L. diese Stelle ausfüllen können.
27. Februar 2010
Fundi-Musik
Fundi-Katholiken ärgern Merkel, bringen nicht einmal Lippenbekenntnisse für Käßmann auf, bilden den Nährboden für Kindesmißbrauch, sind uneinsichtig, psychisch mißgebildet und überhaupt überflüssig. Stimmt zwar nicht, ist aber so für viele Landsleute.
Aber, Ihr Lieben da draußen, wir bloggen die bessere Musik.
Heute und hier zum Beispiel den Delta-Blues-Musikanten Tommy McClennan mit dem "Whiskey Headed Man Blues". Lautsprecher aufdrehen und anklicken.
13. April 2007
Gut gegeben
* ca. 1,5Millionen Katholiken
** ca. 3,16 Millionen Evangelische
18. Juli 2010
Weibliche Führungskultur post Jepsen
"Stünden wir als katholische Kirche heute vielleicht nicht anders da, hätten auch die Frauen in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten an verantwortlicher Stelle mitentscheiden können, wie im Falle sexuellen Missbrauchs vorzugehen ist?" fragte Wunibald Müller jüngst in München. Nach dem Rücktritt von Maria Jepsen hat er sich diesbezüglich noch nicht wieder gemeldet, aber gut Ding darf gern Weile haben.
Eine mögliche Rückzugslinie für Müller testete gestern Martin Flenner, mein Leib- und Magenkolumnist aus dem Hause Main-Echo:
"Vielleicht gibt es ja doch so etwas wie eine weibliche Führungskultur, die die Abgabe von Macht weniger fürchtet als den Verlust an öffentlicher Glaubwürdigkeit. Das Beispiel der beiden Bischöfinnen [gemeint sind natürlich Jepsen und Käßmann; scipio] legt den Schluß jedenfalls nahe."
Was wiederum den Mißbrauchsopfern hier wie dort nicht entscheidend helfen würde. Und die Medien hätten auch weniger Spaß, sondern müssten sich schon eine Woche nach Skandalende Frauen wie Katharina B. zuwenden.
Fehlpaß, Flenner! würde ich sagen. Müller muß noch ein bißchen weiterreflektieren in Münsterschwarzach. Macht nichts, wie gesagt: Der Sommer ist noch lang und leer.
15. August 2010
Wenn der Ex nicht mit der Ex
"So ist es für sich genommen nicht ansehensmindernd, neben der damaligen Bischöfin Käßmann im Auto gesessen zu haben." - Dieser Satz (Quelle) "made my day", schon weil er so schön sagt, was der Ex der Ex irgendwie ja auch unterstellt.
Unehrenhaft wäre auf jeden Fall, neben ihr im Auto gesessen zu haben - und es abzustreiten, eine entsprechende eidesstattliche Erklärung abzugeben und vor Gericht zu ziehen. Würde ich meinen. Hat der Ex aber nicht gemacht.
28. Oktober 2009
Die Frischgewählte
Der neuen Ratsvorsitzenden der EKD wünschen wir an dieser Stelle und von ganzem ehrlichen Herzen GOttes Segen - bei aller Skepsis, die wir Margot Käßmann gegenüber immer an den Tag gelegt haben.
Unvermeidlich fühlen wir uns in beidem - dem Segenswunsch und der Skepsis - durch das "Medienecho" bestätigt, das durch den Zeitungswald hallt. Zum Beispiel durch die FAZ, wo der F.W. Graf-Schüler Reinhard Bingener Formulierungen einsetzt, die in evangeliumsgeschulten Ohren eher die Alarmglöckchen klingeln lassen:
"... die 51 Jahre alte Bischöfin ist mehr eine öffentlich Fromme, eine exemplarisch Religiöse ... Ihr Aufstieg in der kirchlichen Hierarchie ist das Ergebnis von Ehrgeiz, Machtinstinkt und großem Fleiß."
Wer mag, kann in der Bibel auf die Suche nach den entsprechenden Kontraststellen gehen.
Beruhigend für uns Katholiken ist, daß sich der HErr auch in der Evangelischen Kirche Deutschlands sehr menschlicher Werkzeuge bedient. Wäre ja auch zu ärgerlich, wenn es dort zuhauf telegene Heilige gäbe und GOtt dort auf geraden Zeilen gerade schriebe...
29. Mai 2008
Tageslese
+ + + + +
Ist das nicht nett?
"Goethe saß schon am gedeckten Tisch, als ich hereintrat; er empfing mich sehr heiter. 'Ich habe einen Brief erhalten', sagte er, 'woher? - Von Rom! - Aber von wem? - Vom König von Bayern.'
Ich teile ihre Freude, sagte ich. Aber ist es nicht eigen, ich habe mich seit einer Stunde auf einem Spaziergange sehr lebhaft mit dem Könige von Bayern in Gedanken beschäftig, und nun erfahre ich diese angenehme Nachricht. 'Es kündigt sich oft etwas in unserm Innern an', sagte Goethe. 'Dort liegt der Brief, nehmen Sie, setzen Sie sich zu mir her und lesen Sie." (Eckermann am 8. April 1829)
+ + + + +
Auch kritische Katholiken müssen nicht alles am Katholikentag ablehnen. Im Presse-Bereich der Website gibt es durchaus interessante Manuskripte, so z.B. eine Kurzvorstellung (pdf) von Edith Stein durch P. Ulrich Dobhan OCD, der "ihr letztes Zeugnis aus dem Sammellager Westerbork vom 6. August 1942" zitiert: "Konnte bisher herrlich beten." - Was verbirgt sich alles in diesem Satz!
+ + + + +
Von Annette Schleinzer stammt das Portrait (pdf) der Französin Madeleine Delbrêl - wer sie noch nicht kennt, sollte es lesen.
+ + + + +
Natürlich gibt es auch Erwartetes (Käßmann: Wir sind Klima! (pdf) ) und Befürchtetes ( Die Kirchenvolksbewegung betet (pdf)). Muß man ja nicht lesen.
+ + + + +
Und dann war da noch der erste Band der Young Chesterton Chronicles mit einem 16jährigen Gilbert als Helden und ohne Rücksicht auf Historie, eine Vorstellung des echten "géant" im Figaro (Chesterton, la pesanteur et la grâce) und ein Artikel (pdf) über die Theologie in Evelyn Waughs Brideshead Revisited aus der amerikanischen Communio von 1983.
13. Mai 2010
Die Ökumene, die sie meint...
... ist keine des "win-win", sondern eine der (wohl kalkulierten) Unverschämtheit. Eine, die sich alles rausnehmen darf, weil sie den Applaus der Kirchentagsgutchristen genau so einplant wie das Sperrfeuer der Medien, unter dem sie sich ach! so todesmutig auf die Kanzel einer katholischen Bischofskirche wirft.
Predigt bei Kirchentag: Käßmann wirbt in katholischem Dom für Geburtenkontrolle
25. Februar 2010
Meine 5 min Fröhlichkeit inmitten harter Tage
Als Käßmann-Kritiker der letzten Jahre habe ich mir standhaft jeden Kommentar versagt und tue es auch jetzt noch, auch wenn ich unheimlich gerne die Chance genutzt hätte, zum Thema das eine oder andere Youtube-Video eines alten weisen Mannes zu bloggen.
Dafür nehme ich mir die ökumenische Freiheit, einen Ausschnitt aus einem Brief wiederzugeben, der mich heute mittag in einem dieser neumodischen Kaffees mit grünem Logo und kostenlosem WLan so sehr zum Lachen brachte, daß es den Umsitzenden beinahe auffiel. Aber die Zeiten sind hart und anstrengend, da freut man sich über jeden Moment unbeschwerten Glücks...
Der Brief ist über 60 Jahre alt und stammt von Helene Hanff. Sie, die damals junge amerikanischen Drehbuchautorin schrieb ihn 1949 an den Angestellten eines Londoner Antiquariates, der ihr eine lateinische Bibelausgabe beschafft hatte. Ich fand ihn, wie gesagt, köstlich:
"WAS UM ALLES IN DER WELT FÜR EINE SCHLECHTE PROTESTANTISCHE BIBEL IST DENN DAS?!
Wären Sie so freundlich und würden den Verantwortlichen der anglikanischen Kirche Englands mitteilen, dass sie, wer immer ihnen den Auftrag gab, an der Vulgata herumzupfuschen, die schönste Prosa, die je geschrieben wurde, versaut haben? Sie werden dafür in der Hölle braten, das können sie sich merken! Mir macht das, da ich selber Jüdin bin, nichts aus. Aber ich habe eine katholische Schwägerin, eine methodistische Schwägerin, einen ganzen Tross von presbyterianischen Neffen (über meinen Großonkel Abraham, der konvertierte) und eine Tante, die Gesundbeterin bei der Christian Science ist, und ich bin mir sicher, dass keiner, wirklich keiner von ihnen diese anglikanische Latein-Bibel akzeptieren würde, falls sie wüssten, dass es sie gäbe. (Und ehrlich gesagt, wissen sie nicht einmal, dass es Latein gibt.)
Gut, zur Hölle damit, ich habe die Vulgata meines Lateinlehrers benutzt, und ich habe nicht vor, sie zurückzugeben, bis Sie eine eigene für mich gefunden haben."
13. April 2010
Den Richtigen ausgesucht
Eines muß man den Herren Hitchens, Dawkins und Robertson lassen: Sie haben den richtigen Riecher.
Nicht Rowan Williams wollen sie vor den Kadi zerren oder George Carey, seinen Vorgänger auf dem Stuhl des hl. Augustinus in Canterbury. Nicht Margot Käßmann haben sie im Visier, schon gar nicht Nikolaus Schneider. Auch nicht Olav Fykse Tveit vom Ökumenischen Rat der Kirchen, oder einen Southern Baptist oder Pfingstler.
Der aktuelle servus servorum Christi muß als Objekt "moralischer Aggression" (Bahners) herhalten. Nur er scheint den atheistischen Rittern von der traurigen Gestalt wichtig und ärgerlich genug. Nur er wirkt als Stachel im Fleisch. An ihm und der Katholischen Kirche macht sich der Haß aufs Christentum fest, nicht an den harmlosen Leitfiguren harmloser Mainstream-Denominationen, die ihren Frieden mit der Zeit gemacht haben - und auch nicht an Kirchenführern, die es wie die Una Sancta nicht tun.
Wenn ich gerade dabei wäre, mich aus der Katholischen Kirche davon zu machen, und sei es mit guten Gründen: Ich würde es mir jetzt dreimal überlegen.
8. September 2007
Rote Schuhe für Käßmann
Mein Lebensgefühl ist heute das eines der "exules filii Hevae"; wie denn auch anders angesichts des Spiegel-Interviews der hannoverschen Landesbischöfin?:
- "Wenn sich eine Kirche als einzige Weltkirche versteht, ist es sehr schwierig, in einen Dialog einzutreten." - Weltkirche, wenn auch so wie hier - das muß, ja darf man der größten Landeskirche Deutschlands gegenüber nicht raushängen lassen!
- "Der Protestantismus zeichnet sich durch etwas ganz anderes aus: Bei uns herrscht inhaltliche Vielfalt. Wir sagen: Um die Wahrheit, um den richtigen Weg muss immer wieder gerungen werden. Das ist natürlich anstrengend und nicht so populär. Dennoch ist das für eine Kirche der richtige Weg, denke ich." - Inhaltliche Vielfalt, Ringen um Wahrheit. (Wie sie wissen will, daß das "der richtige Weg" ist, überlassen wir ihr. Vermutlich ist das der Punkt, wo die "inhaltliche Vielfalt" aufhört. Andere können das für eine Art "Diktatur des Relativismus" halten.)
- "Ich wünsche mir, dass auch die römisch-katholische Kirche Verhütung und Familienplanung positiv sieht. Die Kombination aus Religion und Angst halte ich für den falschen Weg." - Nun, wer selten in eine katholische Kirche geht und nicht zum Beichten oder in Ehevorbereitungsseminare, kann ja nicht wissen, daß katholische Zeitgenossen nie, nie, nie eine Predigt zum Thema Familienplanung hören, daß im Beichstuhl kein Priester je nach Verhütung fragt und daß die Bildungshäuser vor solchen Themen zurückschrecken - mindestens wenn sie sie der Kirchenlehre konform behandeln müssten. Dafür gibt es viel "Ich-bin-OK-du-bist-OK" in allerlei Verpackung.(Ich nehme mal meine persönlichen Erfahrungen, allesamt aus der post-Humanae Vitae-Zeit pro toto ...)
- "Denn eines Tages muss sich jeder fragen, woher er kommt, und wohin er geht. (...) Ich sage nicht, dass die Kirche dies exklusiv kann. Für mich allerdings hat die Kirche diese Antwort." - Bloß keinen Absolutheitsanspruch. "Ich bin ein Weg, eine Wahrheit, und Leben auch. Alle kommen zum Vater, nicht nur durch mich. Sage ich mal so, aber ihr dürft natürlich auch weghören."
- "Neidisch bin ich nur darauf, dass er rote Schuhe tragen darf..." - Nein, nicht neidisch sein. Hier sind sie doch:







