12. Juni 2011

Pfingstgedanken zur deutschen Kirchenspaltung

Ist er jetzt rechtzeitig zum Pfingstfest sichtbar geworden, der Elefant im Coenaculum? Gibt es eine Verschwörung, ein Bündel abgesprochener Aktivitäten, um eine Neue Deutsche Reformation zu lancieren? - Weder zum Cusanuswerk, zum Kreis der Generalvikare oder zu den Memorandisti gehörig noch mit speziellen Verbindungen zu kurialen oder sonstwie exklusiven Informationsquellen warte ich geduldig ab, was die nächsten Tage und Wochen an Dementis und Spekulationen bringen werden.

Selber hatte ich hier im Blog ja auch schon von einer unterirdischen Spaltung in der hiesigen Kirche gesprochen, einem tiefen Riß, der schon die Essentials betrifft: nicht mehr nur unterschiedliche pastorale Optionen oder Ansätze für den Dialog mit der modernen Welt (whatever this may mean), nicht nur Erleichterungen für den Eucharistiegang konfessionsverschiedener Ehen oder wiederverheirateter Geschiedener, sondern das Credo selbst. Und oft genug dachte oder schrieb ich: Na, wenn Ihr schon denkt, fühlt und agiert wie liberale Protestanten, dann geht doch! Wenn Ihr Euch weiter katholisch nennen wollt, aber ohne Papst und Weihrauch, dann werdet alt-katholisch (alt, so wie in neo :-)).

Je länger ich allerdings darüber nachdenke, desto weniger bin ich überzeugt, daß diese Reaktion die richtige ist. Ein paar Gründe will ich hier aufschreiben, ganz im Geist des heutigen Hochfestes:

Die Einheit der Kirche, die Jesus im Hohepriesterlichen Gebet von SEinem VAter erbittet, ist nicht die des jeweiligen Restes, der nach der je letzten Abspaltung zurückgeblieben ist. Es ist die aller, für die ER sein Leben hingab, aller, die an IHn glauben. Jede Spaltung verletzt den Leib CHristi, den HErrn selber. Und wie könnte ich das ersehnen.

Jede Abspaltung, jede Abwanderung macht den Rest nicht heiliger. Keinen Deut. Eher im Gegenteil: Die Versuchung des Pharisäismus, der erzkatholischen Überheblichkeit ("Smugness is the Great Catholic Sin." - Flannery O'Connor)wird nur noch stärker und wer weiß, wie viele von "uns" ihr zum Opfer fallen.

Jeder, der die Kirche verlässt, nimmt etwas Unersetzliches mit. Als Einzelner das Geschenk, das SEine Liebe für die Kirche gewesen wäre. Als Gruppe ein bestimmtes Charisma, eine bestimmte Perspektive, die die Catholica nur nach schwerem Ringen wieder sich aneignen kann. (Oder wie sieht es denn aus mit der "Freiheit des Christenmenschen"? Ist sie wieder ganz - auch -die unsere geworden?)

Jede neue, große Kirchenspaltung in Deutschland wird unermessliches Leid bringen. Der HErr mag gekommen sein, Feuer zu werfen und Spaltung zu bringen um SEinetwillen: zwischen Mann und Frau, zwischen Eltern und Kindern, zwischen Herren und Knechten. Daß wir uns entscheiden für IHN und SEinen Willen: Keine Frage. Aber machen wir uns doch nichts vor: Wir selber sind nicht die Sündenlosen, die SEin Feuer, SEine Spaltung bringen an den Tisch anderer. Da ist immer viel von unserer eigenen Menschlich-Allzu-Menschlichkeit drinnen. Jedes Nein zum Lehramt ist immer auch ein Nein zur Person eines konkreten Papstes. Und ich würde denken, daß Benedikt der Demütige nur allzu gut darum weiß.

Wer kann vernünftigerweise wollen, daß wir Katholiken Deutschlands, die linken wie die rechten, die orthodoxen wie die orthopraktischen, die progressiven wie die konservativen, in den nächsten 10, 20, 30 Jahren nichts anderes tun als die Prioritäten zu ignorieren: "Das wichtigste ist: Höre Israel, der Herr unser Gott ist der einzige Gott. Liebe GOtt den Herrn aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, mit all deinem Verstand und mit all deiner Kraft. Das zweitwichtigste ist: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Kein Gebot ist wichtiger als diese beiden." (Mk 12, 30f)?

Mit Furcht und Zittern sollten wir sehen, wie sich die Dinge ereignen werden, die wir - ich, Sie, Du - nicht beeinflussen können. Und mit Furcht und Zittern und einem Flehen, so laut wie das unseres HErrn selber, sollten wir vor IHN treten. Beten sollten wir für die Protagonisten dieses Kampfes, der vielleicht (hoffentlich um der Liebe Christi selber willen nicht) unvermeidlich ist - und für alle, die ihm zum Opfer fallen. Zu martialisch? - Mag sein. Aber wenn ich sehe, wie viele schon im aktuellen Umbruch - von der Volkskirche zur Minderheitenkirche - innerlich scheitern, fallen, sündigen, die Orientierung verlieren, dann wird mir jetzt schon schlecht, wenn ich an die casualties eines innerkatholischen Kirchenkampfes denke.

Wer von uns in dieser Lage nicht alles tut, um zu retten, was zu retten, wer nicht erträgt, was irgendwie gerade noch zu ertragen ist - ich glaube, der hat das Gleichnis vom Weizen und dem Unkraut nicht verstanden. Der vergisst, daß auch er zum Unkraut gehören könnte. Das heißt nicht, daß wir jetzt still sitzen und schweigen, daß wir nicht treu zum Papst und zu den Bischöfen stehen. Sehr wohl aber sollte alles, was wir denken, tun, sagen, um seine menschlichen Unvollkommenheiten wissen. Und das Gericht sollten wir dem überlassen, der uns alle im Lichte SEiner Gerechtigkeit, die mit SEiner Barmherzigkeit in eins fällt, beurteilen wird. Einstmals. Bald.

Schöne und gesegnete Pfingsten ringsum!

Kommentare:

Zagorka hat gesagt…

Ja. Danke.

B. hat gesagt…

Sicher hast Du recht, trotzdem finde ich, dass man ruhig mal über die Möglichkeit einer Spaltung reden sollte. Vielleicht hilft es, wenn man mal in aller Öffentlichkeit feststellt, dass niemand gezwungen wird römisch-katholisch zu sein und dass der Zwang, die Unterdrückung und die daraus entstehende Wut auf die Kirche mit der, der ein oder andere herumläuft, eigentlich nur eine Folge seiner eigenen Inkonsequenz ist.

Wolfram hat gesagt…

Wenn ich dem Vorredner oder der Vorrednerin mal das Wort reden darf...

die Erkenntnis (und sie tut in jeder Ecclesiola not, ob sie nun den Stempel römisch-katholisch trägt oder evangelisch-freikirchlich oder evangelisch-reformiert oder auch, horribile mihi est dictu, evangelisch-lutherisch, denn überall gibt es die Leute, die meinen, sie allein wären die wahren Christen und alle anderen hätten höchstens einen Abglanz von Christi Herrlichkeit und einen F... äh, Abwind aus dem Wehen des Heiligen Geistes bekommen) ist wichtig, daß keine kirchliche Gemeinschaft auf dieser Welt für sich in Anspruch nehmen kann, die eine wahre Kirche zu sein. Daß es ebensowenig an den 15 Körnchen Weihrauch hängt wie an der liturgischen Stola oder dem Kruzifix, das da ist oder eben nicht, daß Kum ba yah my Lord ebenso herzensheißes Gebet sein kann wie veni creator spiritus und ebenso seelenlos dahergejaulte Gefühlsduselei.
Am Ende bleibt doch, wie nicht nur Paulus, sondern auch Jesus selbst in Joh.16 ausgeführt hat, nur eine Frage übrig: Glaubst du an den Herrn Jesus Christus? Alles andere ist zweitrangig. Nicht unwichtig, aber zweitrangig. Und vor allem nicht entscheidend für die Zugehörigkeit zum Leib Christi.
Gesegnete Nach-Pfingstzeit!

Scipio hat gesagt…

Naja, als Katholik sehe ich das freilich anders, da gehören sichtbarer und unsichtbarer Leib Christi, Pneuma und Institution ein bißchen anders zusammen.

Aber als Mahnung, nicht Menschliches oder Zweitrangiges zum Vorwand eines Rauswurfs oder eines Exodus zu nehmen, ist Deine Kommentar, Wolfram, wichtig. - Danke