21. Mai 2009

Fragen eines Verdächtigten

Weil Martin Mosebach verdächtigt wurde, den Mainzer Kardinal in eine böse Zwickmühle getrieben zu haben - entweder Kulturpreis in Bischofsgewand mit Kermani und nachfolgender Verhöhnung oder Bitte an die Jury um "'Lösung' des Dilemmas" ohne billige oder faule Kompromisse (O-Ton Lehmann) und ohne Verhöhnung, dafür aber mit dem aktuellen Schlamassel -, anbei zwei seiner "10 Fragen, die ich Benedikt XVI. immer schon einmal stellen wollte" (aus der gleichnamigen Reihe des Vatican Magazin, Heft 4/2008):

"6 - Müßte man das vorchristliche Heidentum nicht ganz ausdrücklich als ein zweites Altes Testament begreifen?

7 - Kann es das Ziel eines Dialogs mit den anderen Religionen sein, die Botschaft vom Kreuz den Juden etwas weniger 'ärgerlich' und den Heiden etwas weniger 'töricht' erscheinen zu lassen - oder müßte nicht die 'Torheit' und das 'Ärgernis' des Kreuzes durch diesen Dialog noch deutlicher sichtbar werden?"


Mosebach ist sicher keiner, der dem Kardinal vorhalten würde, durch eine gleichzeitige Preisentgegennahme mit einem muslimischen Literaten von deutlicher Artikulation (mit dem er selber mindestens bekannt, evtl. auch befreundet ist), das Zeugnis vom Kreuz zu verunklären - dafür hat er selber zu wenig Berührungsängste vor fremden Kulturen und anderen Religionen. Vgl. seine Romane.

Kommentare:

Elsa hat gesagt…

Da Mosebach ja nun exkommuniziert ist - oder mindestens Protestant - ich finde es auch ungeheuer unlogisch, versuchen zu wollen, ausgerechnet denen, die an Kermanis-Text die (positiv) ärgerniserregende Botschaft des Kreuzes wahrnehmen können, zu unterstellen, dies hurtig angesichts der Entgegennahme des Preise durch den Kardinal umzudeuten und so zu tun, als sei der Text entgegen ihrer eigenen Ansicht und Überzegung - und Jehova Jehova schreien.
Langsam wirds schizophren.

Anonym hat gesagt…

sicher gibt es eine gewisse praeparatio evangelii von heidnischer Seite. Aber so ganz einfach ist es dennoch nicht, denn es gibt eben auch in direkter Linie (!) die praeparatio evangelii innerhalb der Geschichte des Bundes mit dem Gottesvolk Israel. Das Heidentum ist der Wurzelgeschichte gegenüber immer das Aufgepropfte.

Scipio hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Scipio hat gesagt…

@Anonym: Mir ging es bei dem Zitat von Frage 6 nicht darum, Mosebach recht zu geben, sondern anzudeuten, daß er bereit ist, auch außerhalb praeparatio evangelii anzuerkennen und nicht vor Nicht-Christen oder Nicht-Juden zurückschreckt wie der Piusbruder vor Erzbischof Zollitsch. Oder umgekehrt.
;-)