25. Februar 2006

Keine Messe, bitte!

Priester, die täglich die heilige Messe feiern wollen, aber nicht dürfen? - Mitten in Deutschland. Und weil es nicht die "verheirateten Priester" mit ihren Frauen sind, sondern ganz normale Priester, gibt es darum auch kein großes Aufhebens.

Eduard Nagel in seiner "zwei Minuten"-Glosse:

"Ein pensionierter Pfarrer erzählt von seinem Kummer. Wo er jetzt im Ruhestand wohnt, würde er gerne in einer nahe gelegenen Kirche öfters die Eucharistie feiern. Er bräuchte dafür weder Mesner noch Ministranten, sondern würde alles selbst herrichten und wieder verräumen. Es sollte keine offizielle 'Gemeindemesse' sein mit allen damit verbundenen Umständen und Verpflichtungen. Man könnte es so organisieren, dass Gläubige, die mit ihm feiern wollen, dazu Gelegenheit haben, also z. B. an bestimmten Tagen zu festen Zeiten oder bekannt gemacht durch Mundpropaganda. Er spricht auch davon, wie wichtig es in seinen Augen ist, dass Menschen Gelegenheit haben, einen Priester persönlich anzusprechen. Er klagt nicht und beschwert sich nicht, aber es ist nicht zu überhören: Er fühlt sich abgeschoben.
(...)

Da sind Priester, die in ganz bescheidener Form Eucharistie feiern möchten, da sind Gläubige, die daran gerne teilnehmen würden, wenn sie die Gelegenheit hätten; da stehen Kirchen die Woche über geistlich kalt und ungenutzt; da gibt es Menschen, die gern einmal in einem Anliegen einen Priester ansprächen; ... Priester-Pensionäre haben ihren Ruhestand verdient und man soll sie nicht ausnützen und überfordern. Aber die Gelegenheit zur Eucharistiefeier und zum Gebet mit anderen Gläubigen ohne großen Aufwand gebührt ihnen. Und der Dienst, den sie damit 'leisten' können, ist keineswegs das Geringste von dem, was Kirche in der Welt von heute zu tun hat, meint
Ihr Eduard Nagel"
Aus einer anderen Perspektive geht das Phänomen eine kirchenrechtliche Dissertation von Peter Fabritz an, die die Tagespost bespricht. Daraus die Situationsanalyse:

"Dass der Priester täglich die heilige Messe feiert, 'zelebriert', ist heute kein fraglos anerkannter Grundsatz. Wer als Priester auf Reisen ist, hat oft nicht unbeträchtliche Schwierigkeiten, in einer Kirche unterwegs eine Zelebrationsmöglichkeit zu bekommen, Kapläne klagten - vor einigen Jahren zumindest noch - über Probleme, wenn sie den Wunsch nach einer täglichen Messfeier einem 'progressiv' eingestellten Pfarrer gegenüber äußerten. Diese jungen Priester stießen geradezu auf Unverständnis, und mancher Prinzipal warf ihnen dann wohl eine 'privatistische' Frömmigkeit vor. Ähnlichen Nöten sind, wenn die Berichte stimmen, pensionierte Priester ausgesetzt. Auch wenn sich glücklicherweise Bischöfe wie der Kölner Kardinal Meisner fast leidenschaftlich dafür einsetzen, ihren Priestern die tägliche Messfeier zu ermöglichen, so bleibt doch erschreckend, dass die Überzeugung vom Wert des täglichen heiligen Messopfers eines Priesters - nicht nur für diesen, sondern für die ganze Kirche! - in weiten Kreisen nicht mehr vorhanden ist. Als der tapfere vietnamesische Kardinal Tuan vor Jahren davon Zeugnis gab, dass ihm in der Gefangenschaft die in biblischer Einfachheit privat gefeierte heilige Messe die größte Hilfe war, wurde er in einem Leserbrief an eine deutsche Kirchenzeitung dahingehend gerügt, dass doch wohl die Eucharistie ohne Gemeinde ein schlimmer Missbrauch sei!"

7 Kommentare:

Ralf hat gesagt…

Das darf echt alles nicht wahr sein. Ich werde immer froher, daß die Volkskirche ausstirbt, wirklich.

Cicero hat gesagt…

Doch, es ist leider wahr.
Ein befreundeter Priester hat mir erzählt, daß der Bischof die Priester aufgefordert habe, die Pensionäre bitte zelebrieren zu lassen. Auf seine verständnislose Nachfrage hat der Bischof über Beschwerden von pensionierten Priestern berichtet, die kaum noch Gelegenheit zur Zelebration hätten.

Petra hat gesagt…

Da sieht man endlich, dass das ganze Gejammer um den Priestermangel nur ein Vorwand ist, damit sich die katholischen Berufslaien in die Liturgie drängen können.

Was ich allerdings nicht verstehe: das Problem scheint ja hier eine Zelebrationsmöglichkeit in einer Kirche zu sein. Aber wozu braucht ein Priester für eine Hl. Messe eigentlich eine Kirche? Der Priester, der mich getauft hat, erzählte mir, dass er auf Reisen öfters auch im Hotelzimmer allein die Eucharistie zelebriert. Das Problem ist also offenbar nicht die Messzelebration selbst, sondern die öffentliche Messzelebration.

diotima64 hat gesagt…

Ah, was würde Don Camillo dazu sagen... lieber Gott, bitte mach, dass der Unsinn des Vatikanum 2, von dessen Un-geist zu schweigen, bald ganz ein Ende habe...

born bin bøsn hat gesagt…

das ist wirklich unglaublich; wahrscheinlich hätten die Wochentags-Messen in unserer Gemeinde nicht vor die Hunde gehen müssen, wenn man nur einem der Pensionäre erlaubt hätte, bei uns zu zelebrieren. 2 Jahre lang hatten wir maximal 1 Heilige Messe in der Woche. Es könnte doch alles so einfach sein.

Dr. Matthias O. Will hat gesagt…
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Anonym hat gesagt…

Jesus hat eine eidesstaatliche Versicherung unterzeichnet. Katholische Priester können das aber , um eine Vaterschaft abzulehnen. Das ist ein Skandal.

www.chartaland.de