Faith and Theology weiß es.
Und wenn's nicht stimmt, ist es gut erfunden.
24. Oktober 2010
Intra Ecclesiam: quid?
Zum Weltmissionssonntag predigte der Priester mit Hilfe von Zitaten aus Nostra Aetate und aus Hans Küngs "Weltethos". "Extra ecclesiam nulla salus", "außerhalb der Kirche kein Heil", diese Devise sei seit dem Konzil überholt und endgültig zu Grabe getragen.
Ob das so stimmt oder nicht, ist hier gar nicht mein Punkt. Ich möchte nur endlich einmal genauso klar und ausführlich gesagt bekommen, warum ich in der Kirche bleiben oder warum jemand anders eintreten soll.
Und zwar ohne Bezug auf gefühlte Epiphanien oder erlebte Gemeinde oder nette Heilige: Die gibt es auch woanders. Und daß meine Eltern mich im zarten Alter von 13 Tagen taufen ließen, ist ja wohl kein Grund zu bleiben.
Was ist das Alleinstellungsmerkmal? Was ist das für alle und jeden Relevante und Lebensentscheidende?
Noch so eine Alterseinsicht -
- diesmal auf Englisch:
"If it wasn't for God, Church wouldn't be the place-to-be."
Forever Young
Kirche: Jetzt gehöre ich schon mehr als fünfzig Jahre dazu und schaffe es irgendwie immer noch regelmäßig, zu den jüngsten Zehn-Prozent der jeweils Anwesenden zu gehören.
23. Oktober 2010
Küng am Tiefpunkt
Unser Lieblingsschweizer hofft. Nicht auf den Papst, natürlich nicht. Auf den nicht mehr, seit nach dem Konzil nichts besser, aber alles schlechter wurde. Höchstens auf eine Handvoll Bischöfe, die sich zusammentun und "Laientheologen zum Priester weihen".
Sorry: Aber, großer Meister, wen weihen sie denn momentan? Ich dachte, das sind alles Laien und Theologen, die da geweiht werden? Oder weihen sie Priester zum Priester?
Kalauer beiseite: Schon das Weltschmerzpathos und die zerfurchte Stirn zeigen uns, daß hier einer steht und spricht, der nicht anders kann. Der über den Dingen thront als Richter und Richtschnur zugleich. Der nicht nur in Sachen "Glaube und Sitten" Unfehlbares hervorquellen lässt, sondern darüber hinaus, ja vor allem in Sachen Kirchenpolitik.
Ein Ratschlag von mir: "Weniger blöken wäre schon gut." (Hans Küng)
Just for Fun ...
... am sonnigen, klaren, kalten Samstagmorgen: Emmylou Harris mit den Nash Ramblers, irgendwann Mitte der Neunziger, auf der Bühne des Ryman-Auditorium in - wo sonst? - "Guitar Town" Nashville, Tennessee.
Moralbegründung für vulgär-postdarwinistische Zeiten
"Der Mensch stammt vom Affen ab, also müssen wir einander lieben." (Wladimir Solowjow, nach Charles Taylor: Ein säkulares Zeitalter, S. 993)
Lektion
Nachdem sich die ältere Dame hinter mir in der Bäckerschlange als Schlangenspringerin betätigt hatte, war ich gerade eifrig bemüht, meinen Ärger zu unterdrücken (ohne gleichzeitig abwertende Entschuldigungen wie "Rentnerin", "Alzheimer", "Einzelkind" hochkommen zu lassen). Da fragt mich die nette Bäckereifachverkäuferin doch tatsächlich, ob ich ein Brötchen mehr wolle - die seien heute nämlich so klein geraten.
Moral: Ab und zu belohnt der LIebe GOtt auch kleine Schritte zur Werktagsheiligkeit sofort.
Immer noch: Wählen gehen!
Alipius erinnert die Noch-nicht-Wähler ans Wählen und die Blogger ans Erinnern.
Hier geht es zur Wahl der Robusta bzw. eigentlich mehrerer Robustae 2010, dem ersten katholischen Blogger-Preis der deutschsprachigen Hemisphäre (oder so).
21. Oktober 2010
Himmel (definiert vom Dichter)
“only a short walk together / to that still, small place where memory is healed.” (Daniel Tobin)
20. Oktober 2010
19. Oktober 2010
Dreierlei Links
Während das hier vor allem die Hauptstädter freuen wird - doch sind wir nicht alle ein bißchen Berliner? - und das da die katholischen Serienfans - Jethro Gibbs als frommer, leider mehrfach geschiedener Katholik - ja, logisch! -, bejubelt Gilbert Keith Chesterton den eigentlichen Grund unserer Freude: Gloria in Profundis.
17. Oktober 2010
Die Madeleines duften sehen
Marcel Prousts "Suche nach der verlorenen Zeit" als Bande Dessinée, von spiegel.de heute besprochen - das klingt nach einer echten Alternative zur zeitraubenden Lektüre des x-tausendseitigen Originals.
Also vormerken und Stéphane Heuets Adaptation auf die Wunschliste setzen.
Ostern
Sicher, "manchmal feiern wir mitten am Tag ein Fest der Auferstehung". Doch ich bin mir nicht sicher, ob unsere halbblinden Augen erkennten, was wir da feiern, wenn es nicht die Große Feier gäbe, die Einzige, Jährlich und Sonntäglich Wiederholte. Das Ostern, das wir nicht nur erinnern, so wie einen Geburtstag, sondern in dessen Wirklichkeit wir eintreten. Das Ostern des Auferweckten und Lebenden HErrn, Sein Präsens.
"...auf dem Christen liegen ganz gewiß die Notwendigkeit und auch Pflicht, gegen das Böse durch viele Anfechtungen hindurch anzukämpfen und auch den Tod zu ertragen; aber dem österlichen Geheimnis verbunden und dem Tod Christi gleichgestaltet, geht er, durch Hoffnung gestärkt, der Auferstehung entgegen.
Das gilt nicht nur für die Christgläubigen, sondern für alle Menschen guten Willens, in deren Herzen die Gnade unsichtbar wirkt. Da nämlich Christus für alle gestorben ist und da es in Wahrheit nur eine letzte Berufung des Menschen gibt, die göttliche, müssen wir festhalten, daß der Heilige Geist allen die Möglichkeit anbietet, diesem österlichen Geheimnis in einer Gott bekannten Weise verbunden zu sein.
Solcher Art und so groß ist das Geheimnis des Menschen, das durch die christliche Offenbarung den Glaubenden aufleuchtet. Durch Christus und in Christus also wird das Rätsel von Schmerz und Tod hell, das außerhalb seines Evangeliums uns überwältigt. Christus ist auferstanden, hat durch seinen Tod den Tod vernichtet und uns das Leben geschenkt, auf daß wir, Söhne im Sohn, im Geist rufen: Abba, Vater!" (Gaudium et Spes, Nr. 22)
Hier besingen die Gordons den Moment, wo einem der Apostel die Augen aufgingen und ihm nichts übrig blieb als das Glaubensbekenntnis: "Mein Herr und mein Gott".
16. Oktober 2010
MMs Wochenrückblick
Matthias Matussek erzählt von seiner Woche zwischen Frankfurt/Main und Rom, zwischen der nackten Lilith und einem Frontman, der beim Repertoire blieb und daher verdiente Achtung fand - im Gegensatz zu Präsidenten, die es allen recht machen möchten...
Here you go.
15. Oktober 2010
Das Credo nachdenklicher Geister
O aber (um es wieder mal mit Rilke anzufangen), O aber also diese Koinzidenzen!
Auf Percy-L wird momentan über Walker Percys "Kinogeher" diskutiert und deshalb nahm ich gestern das Bibliothek Suhrkamp-Bändchen wieder in die Hand und blätterte die besten Stellen an. Und heute schon flattert mir von Amazon ein Mail in die Box, das mir - da ich "Bücher von Hans Küng gekauft oder bewertet haben" soll, woran ich mich allerdings nicht mehr erinnere - versichert, es freue mich "sicher, dass 'Was ich glaube' jetzt erhältlich ist".
Klar freut es mich. Ich freue mich über jeden Theologen, der auch im hohen Alter seine sechs oder sieben Sinne noch beisammen hat und erfolgreiche Bücher schreibt. Der Hoffnungen nicht enttäuscht und Erwartungen erfüllt. Mir freilich dürfte Küngs Buch - und dafür reichen mir die vier Zeilen der Kurzbeschreibung auf amazon.de - etwas zu zeitgeistschnittig sein, etwas zu nahe an dem, was ich am Tag zuvor - O Koinzidenz, Tochter von Kairos und Zufall! - bei Walker Percy persifliert fand:
"Umfächelt und umhegt vom Sturm gehe ich zu Bett, geborgen wie eine Larve im Kokon, warm eingehüllt in christliche Freundlichkeit. Vom Sessel zum Bett und vom TV zum Radio, für ein kleines Schlummerprogramm. Ich folge dem Ritual der Gewohnheit wie ein Mönch, vergnüge mich an den alltäglichsten Wiederholungen und höre jede Nacht um zehn 'Woran ich glaube'. In dieser Sendung geben Hunderte der besten Geister dieses Landes, nachdenkliche und intelligente Leute, ihr Credo bekannt. Die zwei-, dreihundert, die ich bis jetzt gehört habe, waren ausnahmslos bewundernswert. Ich bezweifle, ob irgendein andres Land oder eine andre Zeit je so nachdenkliche und hochgeistige Menschen hervorgebracht hat (...)
Müßte ich all diese Leute mit einem gemeinsamen Merkmal kennzeichnen, so wäre das ihre Nettigkeit. Ihr Leben ist ein Triumph der Nettigkeit. Sie haben die wärmsten, großzügigsten Empfindungen und mögen jedermann. Und was sie selber angeht: auch der ärgste Griesgram muß sie mögen.
Die Hauptperson des heutigen Abends ist ein Dramatiker, der diese besondere Qualität auch in seine Stücke einbringt. Er fängt an:
'Ich glaube an die Menschen. Ich glaube an die Toleranz und an die Verständigung. Ich glaube an die Einzigartigkeit und an die Würde des Individuums -'
Jeder bei 'Woran ich glaube' glaubt an die Einzigartigkeit und Würde des Individuums. Aber es fällt auf, daß die Bekenner selber weit entfernt von Einzigartigkeit sind; daß sie in Wahrheit einander gleichen wie Erbsen in der Schote.
'Ich glaube an die Musik. Ich glaube an ein Kinderlächeln. Ich glaube an die Liebe. Ich glaube auch an den Haß.'
Wahr: ich bin einigen dieser Gläubigen im Haus meiner Tante begegnet, Humanisten und Psychologinnen. In 'Woran ich glaube' mögen sie jeden. Aber wenn es um diesen oder jenen geht, dann hassen sie ihn gewöhnlich auf den Tod.
'Woran ich glaube' hat mir nicht immer gefallen. Während ich bei meiner Tante wohnte, wurde ich davon in diabolische Zustände versetzt. Aber statt wie sonst einen Brief an eine Zeitung zu schreiben, besprach ich ein Band und ließ es Mr. Edward R. Murrow zukommen. 'Folgend die Glaubenswahrheiten von John Bickerson Bolling, Moviegoer, wohnhaft in New Orleans': so fing es an. Und so hörte es auf: 'Ich glaube an einen guten Tritt in den Hintern. Das ist es, woran ich glaube.' Ich habe diese Überreaktion freilich bald bedauert und war erleichtert, als das Band zurückgeschickt wurde. Seitdem bin ich ein treuer Hörer von 'Woran ich glaube'.
'Ich glaube an die Freiheit, an die Heiligkeit des Individuums, an die menschliche Brüderlichkeit -' (so schließt der Dramatiker).
'Ich glaube ans Glauben. Das ist es woran ich glaube.'
All die Zittrigkeit beim Gedanken an Sharon ist weg. Ich schalte das Radio aus und liege da, mit einem süßen Klingeln im Leib, einem Klingeln für Sharon und alle Mit-Menschen." (Walker Percy: Der Kinogeher. Frankfurt: Suhrkamp, 1986, S. 108 ff.)
14. Oktober 2010
seid vor den herzlosen auf der hut
Gedichte gab es in der letzten Zeit recht selten. Wenigstens zum 116. Geburtstag von Edward Estlin (E. E.) Cummings ist eines fällig.
one's not half two.___ It's two are halves of one:
which halves reintegrating,shall occur
no death and any quantity;but than
all numerable mosts the actual more
minds ignorant of stern miraculous
this every truth-beware of heartless them
(given the scalpel,they dissect a kiss;
or,sold the reason,they undream a dream)
one is the song which fiends and angels sing:
all murdering lies by mortals told make two.
Let liars wilt,repaying life they're loaned;
we(by a gift called dying born)must grow
deep in dark least ourselves remembering
love only rides his year.
____________All lose,whole find
Und in der deutschen Übersetzung von Lars Vollert:
eins ist nicht zwei halbiert.___Zwei sind zwei halbe eins:
den hälften soll beim neuen binden sein
kein tod und gar kein maß;stattdessen als
die abzählbaren meisten nun das wahre mehr
ihr geister in unkenntnis strenger wundersamer
allwahrheit - seid vor den herzlosen auf der hut
(denn gibt man ihnen ein skalpell,sezieren sie den kuss,
verkauft man ihnen die vernunft,entträumen sie den traum)
eins ist das lied das engel und dämonen singen:
all die mord-lügen sterblicher ergeben zwei.
Lasst lügner welken beim bezahlen für geliehenes leben;
wir(aus der gabe namens tod geboren)müssen hegen
in tiefem dunkel uns geringste und bedenken
die liebe reitet nur ihr jahr.
_________Alles verliert, ganz findet.
(Aus: i. six nonlectures / ich. sechs nichtvorträge.- Ebenhausen: Langewiesche-Brandt, 2005, S. 114/115)
So hört sich Zufriedenheit an
Nach allem, was man hört, scheint Mississippi John Hurt ein freundlicher, glücklicher und zufriedener Mensch gewesen zu sein. Gerade so klingt seine Musik.
11. Oktober 2010
Virtuell dem Tod entgegen
Noch haben wir Zeit, uns um unsere zukünftigen digitalen Hinterlassenschaften zu kümmern.
Mashable stellt ein paar Tools vor, die in puncto Postmortalitas weiterhelfen sollen.
9. Oktober 2010
Stallgeruch loswerden ...
... Duftmarken setzen, zeigen, woher der Wind weht - gar nicht eilig genug konnte es damit Pastoralreferent Walther Peeters haben, der, kaum als Pastoralreferent in eine neue Gemeinde eingeführt, einen "Leserkreis Publik-Forum" koordiniert.
Hat aber auch wieder was für sich, wenn die Wölfe nicht erst lange einen Schafspelz anprobieren. Es erleichtert die Einordnung ins katholische Bestiarium ungemein. Eines Anderen, Besseren belehren lassen wir uns freilich stets und gerne. Sogar aus Maria Geburt, Aschaffenburg-Schweinheim.







