17. Mai 2011

Schleifung der Bastionen


"Schleifung der Bastionen" ist einer jener Slogans, die gerne zur Hand gehen, wenn es heißt Ordnung zu schaffen im Gewirre des innerkirchlichen Meinungsstreits. Zuletzt zum Beispiel der Frau Professorin Johanna Rahner in ihrem Beitrag über das "entscheidend Katholische" in den "Salzkörnern" des "Zentralkomitees der deutschen Katholiken".

"Schleifung der Bastionen" ist eine Schwester des "Geistes des Konzils", obwohl sie denselben Vater hat wie der "Antirömische Affekt", nämlich Hans Urs von Balthasar.

"Schleifung der Bastionen" ist eine kleine Schrift von 82 Seiten, die zuerst 1952 erschien, also 10 Jahre vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil. In einer Blütezeit der Katholischen Kirche, wie es manchen Nachgeborenen gelegentlich scheint.

"Schleifung der Bastionen" - Hans Urs von Balthasar wollte nicht die Kirche der Welt angleichen. Es ging ihm darum, daß die Kirche erkennt: Sie ist längst schon vor und in der Welt "exponiert", ihr ausgeliefert (wie ihr Herr übrigens). Sie ist zur Welt gesandt, um Zeugnis zu geben von der Liebe ihres HErrn. Selbstgenügsamkeit und Selbstbeweihräucherung sind Versuchungen und keine Spitzenleistungen des Christen. Wer an den GOtt glaubt, der das Heil aller will und dessen SOhn für das Heil aller am Kreuz starb, der kann "nur mit allen Brüdern und Geschöpfen zusammen vor den einen Gott, Vater, Sohn und Geist treten" wollen.

Das sind die Bastionen, die es zu schleifen gilt: Nicht die der größeren Liebe, nicht die des Unverstandenseins, nicht die des Gehorsams vor dem Wort GOttes. Sondern die, die uns genügsam werden lassen und selbstzufrieden, die uns in eine "splendid isolation" führen. Und sei es auch eine "splendid isolation" der vermeintlichen Offenheit und Liberalität, die im liberalen Innenraum bleibt, statt mit Sack und Pack unter die Heiden zu gehen. An der kath.-theologischen Fakultät und im Kirchendienst ist gut liberal sein, immer noch lebt und atmet man unter seinesgleichen, und ein paar Mal im Jahr geht es zum ZdK und ein paar Tagen der Selbstvergewisserung. Wer zusammen klagt (und sei es über den Papst), der ist immer noch innerhalb der Bastion.

Mich Petitionschristen freuen solche Nischen zwar, aber sie sind mir fremd: Ich lebe und arbeite 24/7 außerhalb der Bastionen und bin froh, ab und an ein paar Atemzüge gnaden- und weihrauchvoller Luft zu nehmen. Wo ich bin, stelle ich Kirche dar für viele um mich: als Underperformer oft genug, wenig glaubhaft. Aber es wollen ja auch nur wenige wissen, woraus ich lebe und Kraft und Freude schöpfe. Mein Gebet für sie mag genügen und ersetzen, was an meinem offenen Zeugnis mangelt.

Meine Exposition zur Welt: Ich bin froh um das Stück Brot, randvoll mit dem präsenten Jesus Christus, das ich am Sonntag empfangen darf. Ich bin froh um die Perlen des Rosenkranzes, die mir die Bitten um vermehrten Glauben, stärkere Hoffnung, glühende Liebe auf die Lippen treiben. Ich bin froh um das Glaubensbekenntnis, die Bibel, die Worte des Papstes - um all das, was mich kräftigt und hält. Ich habe keine Lust, mich permanent zu befragen, ob mir denn "die" Theologie noch zu glauben erlaubt, was ich im Elternhaus, in Kindergarten, im Kommunionunterricht oder in der Schönstattgruppe gelernt habe, gelernt mit Kopf und Herz. Vor allem nicht, wenn ich erlebe und erfahre: All das erlaubt mir den Blick auf den Glutkern, eröffnet mir den kurzen, direkten Weg ins Zentrum: dorthin, wo das durchbohrte Herz der Welt schlägt.

Wir stehen nicht nackt und als die "Loser" des 20. Jahrhunderts zwischen eingerissenen Mauern und geschleiften Befestigungen, sondern stehen Haut an Haut, Herzschlag an Herzschlag inmitten unserer Schwestern und Brüder, die nie glauben konnten, die ihren Kinderglauben ablegten wie ein klein gewordenes Kleidungsstück, die mit Sehnsucht Orientierung suchen, den Orient, den "Wahren Morgenstern".

Ein Traum geht in Erfüllung: Wir wachen auf und das geträumte Abenteuer ist wahr. Es findet statt. Hier und jetzt. Und wir sind nicht allein, sondern bestehen es, erleben es mit den großen Abenteurern der Kirchengeschichte (von denen es einige gab, auch unter denen, die scheinbar "hinter den Bastionen" in Sicherheit schienen. Siehe Therese von Lisieux!). Erleben es in Gemeinschaft mit dem SOhn GOttes, der in uns, SEiner Kirche, durch die Zeit geht, allen nahe, die ihn suchen, vor allem aber denen, die nach IHm rufen, und denen, die arm sind. Die nichts mehr erwarten und die alles erwarten: von IHm.

Kommentare:

Zagorka hat gesagt…

WOW.
Das werde ich abspeichern. Danke.

thysus hat gesagt…

Danke für die Klärung um H.U.v.B.! Und für das schöne Bekenntnis!

Alipius hat gesagt…

Saugut! Wird sofort verlinkt!

Braut des Lammes hat gesagt…

Das ist ein Beitrag, boah!

Giovanni hat gesagt…

ja wirklich: das sitzt..................bumm!

Johannes hat gesagt…

Toll!

ultramontanus hat gesagt…

Ich verstehe kaum ein Wort (ebensowenig wie in dem verlinkten Streusalzartikel). Worum geht es?

Scipio hat gesagt…

Danke!

Andreas hat gesagt…

Halleluja!

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Hatte jetzt erst Zeit, den Artikel zu lesen. Ganz herzlichen Dank!