26. Februar 2011

Gegenwind

Einigen der Unterzeichner des Theologenmemorandums müsste es allmählich unbehaglich werden. Denn unterzeichnet ist schnell, dann kommen die Bedenken, die Zweifel am vorformulierten Text, der dahinter liegenden Sicht der Dinge. Und man, frau kann nicht mehr zurück. Da steht der eigenen Name.

Und dann kommen die Gegenstimmen. Die paar tausend Unterzeichner von "pro Ecclesia" lassen sich noch als Konservative, rechte Fundis, ultramontane Extremisten abtun. Brandmüller ist Historiker, Kasper vatikanverdorben, Seewald ein BXVI-Intimus.

Aber der Gegenwind, das würde man natürlich nicht öffentlich zugeben, hält an. Jetzt legen "Studierende und AbsolventInnen der katholischen Theologie" mit einem eigenen Memorandum nach - anscheinend fähig zu kritischem Denken und gewillt, den Muff unter den Theologen-Talaren zu lüften. Hier ist der ruhige, klare, kritische Text: "Memorandum 'plus' Freiheit"

Mögen die "Kirche 2011er" recht unruhig schlafen heute nacht. Es wäre ein gutes Zeichen.

Kommentare:

Pascalsneffe hat gesagt…

Es ist doch eher ein gutes Zeichen, wenn Gegenwind kommt, wenn man 'mal unruhig schläft. Das deutet darauf hin, dass man Wichtiges meint. Nur Banales erregt keinen Widerspruch. Wer sollte das besser wissen als wir Christen?
Gleichzeitig: Die Personen, die unterschrieben haben und die ich "kenne", haben das mit Sicherheit nicht "schnell, schnell" getan. Schnell, schnell zieht man sich eher in die katholische Kuschelecke zurück, so z.B. mit dem "Weltkirche geht vor!" - Argument, das so fundamental wie unwirklich ist. Christlich gelebt wird hier und jetzt, nicht à la "Weltbürger."
Pascalsneffe

Scipio hat gesagt…

Freilich gibt es ganz verschiedene Gründe für Gegenwind und unruhigen Schlaf. Auch Widerspruch kann verschiedene Gründe haben: Z.B. wenn Banales wiederholt wird von Leuten, die es eigentlich besser wissen müssten und auf ihr "Reflexionsniveau" ansonsten recht stolz sind.

Ich halte es für eine sehr deutsch-katholische Kuschelecke zu sagen: Verheiratete Priester, Frauen als Diakoninnen (oder Priesterinnen - hier ist das Memorandum zwar unklar; niemand hat jedoch dieser Deutung widersprochen), synodale Elemente oder Laien wählen ihre Priester und Bischöfe, ad libitum-gestaltete Liturgien und schwache Moral - und dann ist wieder alles in der Kirche. Die Leute kommen zurück, wir haben genügend Priester, alles wird gut. Und solange das nicht geschieht, solange bleiben wir in unserer Kuschelkirche und bestärken uns alle gegenseitig.

Christlich gelebt wird hier und jetzt. D'accord. Bei den Profs ist mindestens im Memorandum wenig davon zu spüren. Das klingt mir mehr nach Parallelwelt, die weiß, was draußen zu geschehen hat. (Aber man kann ja nicht immer alles sagen, ich weiß. Doch andeuten hätte man's schon können. Nicht bloß knapp und vieldeutig von "biblischer Freiheitsbotschaft" reden, die dann aber zu sehr eindeutigen Aktionen führen soll.)