14. April 2008

Erlebte Ökumene

Wenn in einem bekanntermaßen zu 50 % mit römischen Katholiken besetzten Gottesdienst einer anderen, hier ungenannt bleiben sollenden christlichen Konfession der Gottesdienstleiter so zu Kommunion/Abendmahl einlädt:

"Jesus läßt sich nicht einkerkern durch die Regeln einer kirchlichen Institution. Die X-Kirche lädt Sie daher alle ein, die Kommunion/das Abendmahl zu empfangen."

dann finde ich das eine ziemliche Sauerei. Einmal wegen der unverhüllten Aufforderung an die Mitglieder einer anderen Kirche, die Regeln dieser Kirche zu brechen (die ja auch nicht gerade aus Spaß sich, ihren Gläubigen und anderen Konfessionen das Leben schwer macht, sondern wegen eines ernsthaften "Non possumus"), zum anderen wegen der Unhöflichkeit, mit der hier eine Kirche (und alle, die dazu gehören) mitten in einer liturgischen Feier abgewatscht wird.

Zu denken und zu beten, daß "sie nicht wissen, was sie tun", fällt mir nicht ganz leicht. Dauert noch ein bißchen.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Es sollte dir aber leicht fallen.
Weil es für mich glasklar auf der Hand liegt, dass sie nicht den blassen Schimmer davon haben, was sie da eigentlich tun.
*tröstlicher Tonfall*

Anonym hat gesagt…

Zu beten braucht nicht schwer zu fallen. Es ist aber völlig unnötig, dabei zu denken, dass "sie nicht wissen, was sie tun". Sie wissen es nämlich ganz genau - und das ist ja das eigentlich Schlimme daran.

Anonym hat gesagt…

Würde ich annehmen, obiges trug sich in einer evangelischen Kirche zu, dann ist das aber lehrmäßig für diese kein Problem, vielmehr doch eigentlich sogar geboten. Die Evangelen können eben auch mit Katholiken die Sakramente recht verwalten. Wobei der erste Teil des Satzes platt ist - wahrscheinlich hat er/sie noch nie die dicken Ordner zum evangelischen Kirchenrecht gesehen.
Inhaltlich finde ich die Vorwürfe, die ihm/ihr gemacht werden, dagegen etwas überzogen: Es ist nun mal evangelische Ansicht, daß Katholiken vollwertige Christen sind, auch wenn sie in manchen Punkten andere Ansichten haben. Ein Grund, sie von dem sichtbaren Zeichen der Gemeinschaft der Heiligen auszugrenzen, besteht nicht. Warum soll man mit dieser Meinung hinter dem Berg halten bzw. die Teilnehmer ausschließen, die mit dem gemeinsamen Mahl kein Problem haben? Ökumene besteht eben nicht darin die eigene Identität zugunsten der anderen zu verleugnen. Verbesserungsbedürftig ist, das sei nochmals betont, freilich der Ausdruck...

Mein kürzliches Erlebnis mit Ökumene war da etwas lustiger: Letzte Woche war Kirchenfest aus Anlaß des 70. Jahrestages der Einweihung einer Kirche. U. a. war auch der Priester einer anderen Konfession anwesend und überbrachte eine Kerze mit der Aufschrift "Ein Herr, eine Taufe, eine Kirche". Ich weiß nicht, ob diese Aktion mit weiter oben in der Jurisdiktionshierarchie abgesprochen war und möchte mich in aller Form gegen diese Vereinnahmung wehren! ;-) Alle anderen im Gottesdienst haben leider geklatscht. ;-(

Eine Frage aber stellt sich mir noch: Ist es katholischerseits eigentlich ein Problem an einem protestantischen Abendmahl teilzunehmen bzw. wie ist das Verhältnis zum protestantischen Abendmahl? Ich stehe gerade nicht so im cic, aber kann kirchenrechtlich ein Quasi-Laie mit falschem Abendmahlsverständnis ein wirksames Abendmahl im katholischen Sinne austeilen? Es wäre sicherlich rechtswidrig, d.h. er darf es nicht, aber ist das Abendmahl von ihm nicht vielleicht auch unwirksam, d.h. es ist gar keins?
Das „falsche“ Abendmahlsverständnis kann wohl noch als irrelevant angesehen werden, weil auch ein nichtglaubender Priester wirksame Sakramente verteilen kann. Aber der evangelische Pfarrer erfüllt nicht die formellen Voraussetzungen für eine Spendung des Abendmahls.
Spannend bzw. für den Priester ernst wird es doch immer erst, wenn ein römisch-katholisches Abendmahl von den verschiedenen Konfessionen gemeinsam verteilt wird.

Scipio hat gesagt…

Ich habe auch gar nichts darüber gesagt, ob diese andere Konfession Katholiken zum Abendmahl zulassen soll.

Ich finde es aber wie gesagt, nicht nur "im Ausdruck bedürftig", sondern schlicht und einfach unhöflich und gegen jeden ökumenischen Anstand, das in dieser Form zu tun. (Wer öfters bei mir liest, weiß, daß ich selten Kraftausdrücke verwende, aber das Wort "Sauerei" wiederhole ich gerne noch mal.)

Einen Herr, eine Taufe - nun, das haben wir ja zum Glück noch gemeinsam, mindestens unter in Deutschland üblichen Konfessionen - obwohl ich mir beim "Herrn" inzwischen auch nicht mehr so sicher bin... "Eine Kirche" - nehmen wir das doch als Wunsch, dann darf es auch auf einer Kerze stehen. Und geschenkt nimmt auch ein Katholik so eine Kerze gern.

Dein letzter Absatz ist ein bißchen verwirrend. Meinst Du: als Katholik kann man sich das evangelische Stück Brot abholen, das ja nicht Leib und Blut Christi ist (weil entscheidende Voraussetzungen dafür fehlen), aber umgekehrt sei es kritisch, wenn Evangelische die katholische Kommunion empfangen?

Condottiere hat gesagt…

Die biblische Grundlage ist da ganz klar:

1Kor 11,27: "Welcher nun unwürdig von diesem Brot isset oder von dem Kelch des Herrn trinket, der ist schuldig an dem Leib und Blut des Herrn."

Leider scheinen die konfessionellen "Basics" bei den Leuten zu fehlen. Als ich noch evangelisch-reformiert war (wo an die Realpräsenz ja garnicht geglaubt wird), war das im Endeffekt nie ein Thema; es wurde auch gar nicht vermittelt.

In der Presse und in der öffentlichen Meinung (meist wissen es die Leute nicht, manchmal ist es wohl aber auch politisierend) wird nun oft behauptet, das die RKK die Evangelischen aus lauter Unmenschlichkeit nicht zum Abendmahl zulässt. "Seht, WIR machen da keinen Unterschied, aber ihr ...".

Was theologisch dahintersteckt ist zweitrangig, aber ein Hasenhüttel ist plötzlich ein Märtyrer der Gutmenschlichkeit ;)

Anonym hat gesagt…

Danke condottiere!
Du schreibst:
>>In der Presse und in der öffentlichen Meinung (meist wissen es die Leute nicht, manchmal ist es wohl aber auch politisierend) wird nun oft behauptet, das die RKK die Evangelischen aus lauter Unmenschlichkeit nicht zum Abendmahl zulässt. "Seht, WIR machen da keinen Unterschied, aber ihr ...".>>
Das ist absolut richtig und ich gehöre zu denen, die das damals nicht wirklich verstanden haben.
Nach der Wahl von Benedikt war die erste Enttäuschung die, dass er wieder auf der Kommunion rumritt.
Das ist für alle, die außerhalb der rk Kirche stehen auch gar nicht nachvollziehbar. Weil man die Eucharistie und was sie wirklich bedeutet - oder sagen wir, bedeuten kann - ausschöpfen kann man das sicher nicht in einem einzigen Lebe - wirklich erst erfahren muss. Ich hab den Schritt dann gewagt, und zwar zunächst in einer etwa credo quia et absurdum - Haltung, das gebe ich zu. Als Ex- Evangelische hat man hier sicher die größte Hürde zu nehmen. Am Ende war es aber das Schlüssigste, Einleuchtendste und Schönste und Wahrste, was ich erfahren durfte und ich verstehe mittlerweile, warum dieses Geheimnis gehütet wird wie ein Augapfel. Warum die rk-Kirche darauf ACHT haben muss.
Und warum die anderen natürlich ein Ärgernis daran haben und widersprechen müssen.
Aus dieser Sicherheit, in der sich Scipio zehnmal mehr befindet als ich, sollte er sagen können: Jo, dann macht halt mal, aber ohne mich.
Aber natürlich hat er recht.
Es ist unhöflich.
Ich wäre aufgestanden und gegangen.

Resident hat gesagt…

Thomas,

mag ja sein, daß das von der Warte protestantischen Glaubens und protestantischer Theologie okay ist.

Das ist aber auch nicht der Vorwurf.

Wenn Protestanten Mission unter Katholiken betreiben wollen - bitte schön, sollen sie doch.

Nur sollen sie dann ehrlich sein und nicht von Geschwisterlichkeit oder Ökumene faseln oder beim nächsten Papier a la Dominus Iesus rumjammern. Protestantischerseits wird gerne viel Respekt verlangt, aber selten auch nur ein Mindestmaß gewährt. (Ausnahmen gibt es natürlich - die sind dadurch besonders lobenswert.)

Eine Haltung, die mich übrigens an die Luthersche Toleranz anno 1530 - fordern aber nicht gewähren.

Resident hat gesagt…

Thomas,

"Eine Frage aber stellt sich mir noch: Ist es katholischerseits eigentlich ein Problem an einem protestantischen Abendmahl teilzunehmen bzw. wie ist das Verhältnis zum protestantischen Abendmahl? ..."

Ja, auch Katholiken dürfen katholischerseits nicht an einem solchen Abendmahl teilnehmen, wenn auch die Gründe anders gelagert sind als beim umgekehrten Fall. Nehmen Katholiken daran teil suggeriert das, es handle sich bei Messopfer und Abendmahl letztlich um das gleiche. Und das soll vermieden werden. Aber ins sakrilegische geht es nicht.

Ein Sonderfall mögen allerdings das lutherische Abendmahl sein, da dieses ja - aus katholischer Sicht falscherweise - behauptet, hier seien Leib und Blut Christi gegenwärtig. (Ob Pastor oder Laie hier vorsteht ist übrigens egal - beide sind keine geweihten Priester.) Aber da weiß ich auch nicht bescheid - es gilt auf jeden Fall die Begründung von oben.

Scipio hat gesagt…

Tut mir leid, Leute, daß ich die letzten drei Kommentare erst jetzt (21.53 Uhr) freischalten konnte - hatte den ganzen Nachmittag keinen Netzzugang.

Anonym hat gesagt…

Mit der Bibelstelle ist natürlich nur gesagt, das kein Unwürdiger das Abendmahl empfangen darf. Der Kreis der Unwürdigen ist damit jedoch noch nicht beschrieben und überhaupt: Auch in der rkK wird doch nicht konkret geschaut, ob der jeweilige Empfänger nun innerlich würdig ist. Es findet eine abstrakt-generelle Beschreibung im CIC statt. Die Beurteilung der Würdigkeit liegt in der Verantwortung des Einzelnen.
Den Zusammenhang mit dem ökumenischen Abendmahl und Hasenhüttel kann ich so noch nicht erkennen.

Mich bewegte gestern der Grund für die Bezeichnung als „Sauerei“. Ich habe kein Problem damit, die im ersten Teil der Einladung zum Ausdruck gekommene Abneigung vor verbindlichen Regeln als bestenfalls unreflektiertes Plappern abzutun oder meinetwegen auch als „Sauerei“ zu qualifizieren. Allerdings finde ich inhaltlich die Einladung aufgrund der dahinter stehenden theologischen Entscheidung in Ordnung. Die hierzu verbindlichen kirchlichen Lebensordnungen (Regelungen, die vielleicht dem/der Zitierten auch zuwider sind) betonen die im Abendmahl zum Ausdruck kommende Gemeinschaft der Heiligen und es ist kein Grund ersichtlich wahrhaft Glaubende vom Mahl auszuschließen. Soll lieber gesagt werden: „Wir meinen zwar, dass Sie, liebe Katholiken, auch zum Abendmahl bei uns kommen dürfen, aus Rücksicht auf die Lehrmeinung Ihrer Kirche, schließen wir Sie jedoch vom sichtbaren Zeichen der Gemeinschaft aus. Den Ausschluss halten wir übrigens für falsch, jedoch wird durch diese Trennung die ökumenische Gemeinschaft vertieft.“ Da würde ich dann als Protestant heftig mit dem Kopf schütteln… Ökumenische Rücksichtnahme kann, ich habe es glaube ich schon geschrieben, nicht bedeuten, dass sich die eine Seite verleugnet.

Zur Frage konkret: Welches Problem hat die rkK, wenn sich ein Katholik in einer evangelischen Kirche Brot und Wein holt? Eine Eucharistiefeier ist es ja wohl nicht wegen des aus r-k Sicht unwirksamen Zelebranten.
Eine Verfehlung wäre es somit nur, wenn der Katholik auch innerlich das katholische Abendmahlsverständnis ablehnt. Wenn sich der katholische Teilnehmer dagegen innerlich mit dem katholischen Abendmahlsverständnis verbunden fühlt, und sich eben völlig „säkular“ einen ungesäuerten Keks und Wein abholt, hat doch die katholische Kirche kein Problem, sondern höchstens die evangelische angesichts eines Teilnehmers, der so gar nicht ihr Abendmahlsverständnis teilt.
Also: Was geschieht dem Katholiken, wenn er voller Überzeugung an einer evangelischen Abendmahlsfeier teilnimmt? Mir ist in Ansätzen erinnerlich, dass der Bischof die Jurisdiktionsgewalt hat. Aber geht diese auch soweit, bei einem hartnäckig verfehlten Abendmahlsverständnis Strafen zu verhängen? Solcherlei erscheint mir dann doch etwas archaisch…

Als Protestant wäre es nicht kritisch zur katholischen Eucharistiefeier zu gehen. Dort passiert nichts unchristliches (wobei ich hier meine praktische Unwissenheit preisgeben muss: Bekommt man mittlerweile eigentlich auch bei Katholiken den Wein?). Nach katholischer Ansicht ist der Protestant jedoch nicht zugelassen (außer in Lebensgefahr), da er nicht Glied der sichtbaren Kirche ist. Der Priester müsste also vom Kirchenrecht her Brot und Kelch verweigern.

Anonym hat gesagt…

@str1977...

Der Hinweis auf das "sakrilegische" hat mich an die Dreiteilung des fehlgeleiteten Glaubens in der rkK erinnert, was insoweit für mein Verständnis dann doch wieder ganz hilfreich ist.
Häresie, Schisma und Apostasie stehen zur Auswahl, wobei letztere nicht wirklich in Betracht kommen. Bleibt also die beharrliche Leugnung einer zu glaubenden Wahrheit. Wird durch die äußerliche Teilnahme an einem evangelischen Abendmahl die (von Katholiken) zu glaubende Wahrheit der Eucharistiefeier geleugnet? Es bestünde wohl kein Problem damit, einem Priester ebensolches im Falle einer zelebrierenden Teilnahme an einem ökumenischen Abendmahl vorzuwerfen. Der hat zu wissen, was er da treibt und an ihn richten sich auch die Vorschriften des CIC zur Eucharistie. Aber im Falle einer bloß äußerlichen Teilhabe am Geschehen fällt mir dieser Schluss und diese Verurteilung bei einem Laien schon schwerer...

Das mit der Mission ist natürlich so eine Sache, weil die Protestanten keineswegs sagen: Kommt zu uns in die Kirche. Viel besser sind doch protestantische U-Boote in der katholischen Kirche ;-) Im Ernst: Die katholische Kirche ist genauso wahre Kirche, wie die evangelische Kirche. Eine Erkenntnis die auch schon Luther um 1530 hatte...
Diese Schuldzuweisung verfängt also nicht.

Schließlich: Das lutherische Abendmahl ist aus katholischer Sicht genauso defekt, wie das reformierte. Es wird lutherischerseits eben auch nicht die wirkliche Verwandlung in Leib und Blut angenommen, mangels autoritativem Lehramt auch nicht gelehrt.

Scipio hat gesagt…

Zwischen Zulassung und Einladung ist ein Unterschied. Die evangelische Kirche mag ein Mandat sehen, keinen auszuschließen, aber hat sie auch ein Mandat, auch ausdrücklich Mitglieder einer anderen Kirche einzuladen, die ihrerseits sagt, daß ...(das hatten wir schon)?

Die evangelische Kirche behauptet mit ihrem Abendmahl gewisse Dinge - daß es keinen gültig geweihten Priester braucht, daß einer nicht zu ihr gehören muß,um zum Abendmahl zu gehen etc. Meinst Du nicht auch, daß wer am Abendmahl teilnimmt, auch diesen Glauben entweder innerlich teil und äußerlich bezeugt - oder äußerlich so tut, als teile er ihn, obwohl er ihn nicht teilt? Beides ist aus katholischer Sicht nicht zu akzeptieren. Ich hätte kein Problem, mir vom Pastor ein Kreuz auf die Stirn zeichnen zu lassen, aber mir von ihm ein Stück Brot geben zu lassen, das er doch hoffentlich für etwas wie auch immer Heiliges hält - und dabei zu denken: Mein Lieber, das ist nur ein Keks? Kekse kaufe ich woanders. Und Eucharistiegemeinschaft kann nicht heißen: Ich lasse mir bei euch Kekse und Wein geben, und dafür geht ihr bei uns, weil ihr denkt, daß da nichts unchristliches geschieht? Das wäre eine Ökumene des allergeringsten Nenners und den Namen nicht wert.

Wie wäre es einfach mit Respekt vor dem, was die anderen glauben? Gerade weil ich anerkenne, daß für mich (und meine Kirche) das evangelische Abendmahl etwas anderes ist als für Dich, gehe ich nicht. Ich nehme Dich ernst. Deshalb ist es mir nicht genug, daß ich das gleiche wie du und nur noch ein bißchen mehr obendrauf glaube.

Ich will auch, daß Du mich ernst nimmst und meinen Glauben respektierst, daß zur Teilnahme an der katholischen Eucharistie auch der geteilte Glaube gehört und die volle Gemeinschaft mit der in der rkK subsistierenden Kirche Jesu.

Nichts anderes.

Resident hat gesagt…

"Als Protestant wäre es nicht kritisch zur katholischen Eucharistiefeier zu gehen. Dort passiert nichts unchristliches ..."

Das ist aber auch eher eine neuere Meinung. Mußte nicht Luther die Messe als bösen Götzendienst ausmzerzen lassen?

"Bekommt man mittlerweile eigentlich auch bei Katholiken den Wein?"

Wenn du damit das Blut Christi meinst, dann ja, das gibt es je nach Anlaß und Gemeinde hin und wieder.

"Der Priester müsste also vom Kirchenrecht her Brot und Kelch verweigern."

Ja, müßte er, wenn er es weiß und bisweilen kommt es auch dazu. Ich habe das nur einmal erlebt, wobei der Pfarrer aber den beiden jeweils ein Kreuzzeichen auf die Stirn gezeichnet hat. Es wurde also keiner einfach so fortgeschickt.

dilettantus in interrete hat gesagt…

Kleiner Nachtrag zur reformierten Sicht:

"Was ist das für ein Unterschied zwischen dem Abendmahl des Herrn und der päpstlichen Messe? ...und ist also die Messe im Grunde nichts anderes denn eine Verleugnung des einigen Opfers und Leidens Jesu Christi und eine vermaledeite Abgötterei."

Heidelberger Katechismus, Frage 80

Anonym hat gesagt…

@dilletantus und srt1977:

Zum Hintergrund der Frage 80 und des Götzendienstes in der Messe: Von wann ist denn der HK und wann hat Luther die Messe verteufelt? Beide sind Produkte ihrer Zeit, als es einerseits zwischen den unterschiedlichen Konfessionen generell "etwas" ruppiger zuging und andererseits auch die beteiligten Kirchen noch andere Lehrausprägungen vertraten, als dies heute geschieht.
Beim Eucharistieverständnis gab es wohl Ansichten, die im Mittelalter das Opfer Christi in der Eucharistie so sehr betonten, dass der Anschein entstehen konnte, das Opfer würde in der Messe wiederholt und diese Wiederholung sei heilsnotwendig. Diese "Vergötterung" des liturgischen Geschehens auch im beginnenden 16. Jhd. kann, meiner Ansicht nachvollziehbar, die Singularität der Heilstat Christi verdunkeln. Gleichwohl hat sich seit diesen Lehrverurteilungen viel getan. Die katholische Kirche steht eben heute auch nicht auf dem Stand der ungeteilten Westkirche von vor 500 Jahren, sondern hat z. B. gleich im Anschluss an die Reformation auf dem Konzil von Trient die eigene Lehre festgestellt und ausgerichtet. Lehrverurteilungen aus früheren Tagen sind also immer mit Vorsicht zu genießen, weil sie sowohl auf Seite der Absender und auch der Kritisierten immer sehr zeitbedingt sind.

@scipio:
Ich wollte weder respektlos oder sonstwie unfreundlich sein. Wenn doch bedaure ich dies, kann es aber gleichwohl nicht so ganz nachvollziehen.

Nochmal zum inhaltlichen: Natürlich wäre es unredlich und anmaßend zu einem fremden Abendmahl/Eucharistie zu gehen, und die Ansicht des Austeilenden nicht zu akzeptieren. Das ist völlig unbestritten.
Über folgendes besteht wohl auch Einigkeit:
- die evangelische Kirche kann für sich stringent begründen, warum Katholiken nicht vom Abendmahl ausgeschlossen sind
- einige Katholiken gehen zum evangelischen Abendmahl, weil sie es als vollwertiges, gültig gespendetes Sakrament ansehen (sie sollten allerdings wohl verstärkt darüber nachdenken, was sie glauben und vielleicht die entsprechenden Konsequenzen ziehen. Genauso wie umgekehrt die Protestanten, die das katholische Abendmahlsverständnis für sich annehmen.)
die "unredlichen" Abendmahlsteilnehmer lasse ich mal außen vor(, weil egal)

Die Unterscheidung hinsichtlich Einladung und Zulassung kann ich nicht so ganz einsehen. Natürlich kann die Einladung vorsichtig formuliert werden. Aber ein Schweigen über die Zulassung, hinter der nunmal gewichtige theologische Entscheidungen stehen? Die Erkenntnis einer Glaubenswahrheit soll verschwiegen werden? Eine eigenartige Unterscheidung für die mir eine Begründung nicht eingehen will.

Was bei Dir jetzt noch nicht so ganz deutlich hervortritt ist, dass es sich bei dem evangelischen Abendmahl doch aus Sicht der katholischen Kirche gar nicht um eine Eucharistiefeier handeln kann. Weil der Priester fehlt, ist es doch katholischerseits ein Nullum, Nichts (fast so theologisch wie Kekse kaufen;-). Das ist für Katholiken ungefähr genauso wichtig, wie für Protestanten Äußerungen der Katholiken zu den Voraussetzungen für die wahre Kirche wichtig sind. Es erschüttert keinen Protestanten, wen ihm die katholische Kirche die Gliedschaft in einem Teil der sichtbaren Kirche abspricht bzw. sollte es Keinen erschüttern (Die Aufschreie von Landesbischöfen finde ich deshalb immer etwas peinlich, sollen sie doch sagen, dass solch' Kirchenverständnis 1. falsch und 2. egal ist, oder umgekehrt.) Genauso sollte es keinen gläubigen Juden erschüttern, wenn in der katholischen Kirche für seine Erleuchtung gebetet wird, weil es für ihn auch 1. falsch und 2. egal sein kann.

Was ich damit sagen will?
Die Handlung der Protestanten muss keinen Katholiken erschüttern, weil seiner Ansicht nach dort keine Eucharistie stattfindet. Erschütternd könnten vielmehr die Katholiken sein, die einer entsprechenden Einladung mit innerer Überzeugung folgen und sich ihren (häretischen) Glauben selbst zimmern.
Entsprechend bin ich auch nicht sauer auf die rkK, dass sie die Protestanten nicht als Kirche anerkennt, sondern vielmehr auf die Protestanten, die aus Ökumenegründen meinen, sich anbiedern zu müssen. Zwischen Evangelisch und Katholisch bestehen bei aller ökumenischen Aufbruchstimmung doch immer noch Unterschiede, die nicht durch den großen Schleier des Schweigens zugedeckt werden können. Ansonsten endet es im großen Krach, wie im ÖRK zwischen Protestanten und Orthodoxen. Ich halte es für wichtig, Unterschiede genau zu benennen, zu diskutieren und mit Wahrhaftigkeit entsprechend der eigenen Lehre zu handeln.
Abgrenzungen und Entscheidungen beinhalten immer die Möglichkeit, dass es jemand anders sieht. Aber soll wegen seiner anderen Sichtweise die eigene Sichtweise versteckt werden?

Scipio hat gesagt…

Lieber Thomas,

herzlichen Dank!

Ich kann einer ganzen Menge von dem, was Du schreibst zustimmen. Abgesehen von dem, was wir sowieso gemeinsam haben (Ein Herr, eine Taufe...)