22. Oktober 2005

Innesein

"Für Christus gibt es keine Schranken; auch nicht die der Person. Er kann dem glaubenden Menschen innesein. Nicht nur so, daß der Glaubende Ihn denkt oder liebt, sondern wirklich. Wie die Seele im Leibe sein kann, weil sie Geist ist und das Leben des Leibes wirkt, so kann der lebendige Christus im glaubenden Menschen sein, in seiner Seele und seinem Leibe zugleich, weil Er nicht nur Geist, sondern heilig-geistliche, lebendig-pneumatische Wirklichkeit ist. So wirkt er das neue Leben.

Und weil der "Herr der Geist ist" (2 Kor 3,17), ist Er auch die Liebe."

(Romano Guardini, nach CiG)

[Randbemerkung: Das könnte, genau so, auch Papst Benedikt gesagt haben - mit den gleichen Worten, im gleichen, klaren, einfachen, schrittweise vorangehenden Deutsch.]

2 Kommentare:

Ralf hat gesagt…

Ebenfalls Randbemerkung: Du bist wohl schon zu lange "drinnen". Vor meiner Bekehrung hätte mir so ein Satz nur ein "Häh?" entlocken können?

Pneumatisch? War das nicht was mit Luft?

Scipio hat gesagt…

Hallo, Ralf!

Das bin ich, wenn auch vielleicht nicht "zu lange". Sagen wir mal: "schon fast immer". Aber vielleicht bin ich ja auch - ums mit Augustinus zu sagen - "draußen", ohne es zu wissen.

Aber ich glaube, es gibt keine Sätze zur christlichen Erfahrung, die allen Unbekehrten gleichermaßen richtig, attraktiv, verständlich, einsichtig, befragenswert erscheinen. Und es gibt jede Menge wahre Sätze - in schönem Deutsch -, die nur oder vor allem denen "drinnen" verstanden werden.

Auch anderswo kommen in schönem Deutsch fremde Begriffe vor, oder lassen sprachliche Spitzenerzeugnisse Menschen kalt. Mir fällt, weil ich vorgestern gelesen habe, Eichendorffs Mondnacht ein. Wenn ich meine Kinder frage: Allgemein zustimmungsfähig ist das auch nicht...