9. August 2008

Duc in altum (oder so)

Es hat schon was Überzeugendes, wenn der Pfarrer, der selbst nicht zu den Wagemutigsten gehört und entsprechend über 30 Jahre die gleiche Gemeinde verseelsorgt, in der Predigt zum Sonntagsevangelium sagt:

"Auch unsere Gemeinde muß immer wieder auf Meer hinaus, auch unsere Gemeinde muß das sichere Boot verlassen, auch wir müssen immer wieder einen abenteuerlichen Aufbruch wagen."

Ansonsten hatten wir heute wieder Katastrophenmesse.

Nun und auf immer

Nun hab ich dich,
und lasse dich nicht mehr.
Wo immer meines Lebens Straße geht,
du bist bei mir.
Nichts kann von deiner Liebe
je mich scheiden.

(Hl. Teresia Benedicta vom Kreuz)

8. August 2008

From Misery to Happyness Today

Variante I (normal): Das Sommerloch ist zu Ende. Zur leichteren Landung im Alltag empfahl sich heute morgen der Griff zu den Proclaimers.

Variante II (blogosphärisch): Von interessierter Seite wird in der Blogosphäre verbreitet, ich würde Blogprobleme durch das Einstellen von - ich zitiere - "Bluegrass-Video(s) ... mit unsäglichem Geschrammel auf Banjos, Waschbrettern, Esslöffeln und mit gottesfürchtigen Texten" lösen. Ganz so einfach ist es nicht; manchmal stelle ich nämlich auch richtig gute und konsensfähige Musik ein, heute einfach einmal die Proclaimers auf ihrem Weg aus tiefster Misere zu Glück. Ein Klassiker unter meinen persönlichen Oldies.

Variante III (autobiographisch): Es mag oberflächlichen Beobachtern dieses Blogs scheinen, daß die Kinder des Autors, in frühester Kindheit von links mit Banjos, von rechts mit Dobros beschallt, schwerste Traumata davon getragen haben müssen. Doch gab es im Haushalt von Familie Scipio nicht nur unsägliches Geschrammel amerikanischer Hinterwäldler. Schon früh hatten die drei Kleinen das Glück, My Toot Toot nicht in irgendeiner Cover-Version kennen zu lernen, sondern im Original von Rockin' Sidney (Simien) . Besondere Freude hatten die beiden Jungen und ihre Schwester an der schottischen Folkrockgruppe The Proclaimers der beiden eineiigen Zwillinge Craig und Charlie Reid.

Variante IV (theologisch): Fußnote aus: Hans Urs von Balthasar: Herrlichkeit - eine theologische Ästhetik Band II: Fächer der Stile, Teil 2: Laikale Stile.- 3. Aufl..- Freiburg: Johannes-Verlag, 1984, S. 808: "Besondere Beachtung verdient in diesem Zusammenhang das noch im Entstehen begriffene Werk der beiden schottischen Kryptokatholiken Charles und Craig Reid, die nicht nur eines ihrer Lieder ausdrücklich der "Beautiful Truth" gewidmet haben, sondern denen es im "Joyful Kilmarnock Blues" gelang, das Ineinander irdisch-weltlicher und himmlisch-mystischer Erfahrung sich schenkender Herrlichkeit im Bild der Rückfahrt eines Trampers von einem Auswärtsspiel von Hibernian F.C. überzeugend in Wort und Musik zu fassen."

Variante V (bündig): Um ein Proclaimers-Video zu posten, braucht man keinen Anlaß.




3. August 2008

Ankündigung

Von Montag bis Donnerstag findet hier mein ganz persönliches Sommerloch statt. Am Freitag geht's weiter (sGw).

Zur großen Krise (2)

Als Ergänzung zum vorigen aus der Laudatio der Rheinischen Post auf das Geburtstagskind der nächsten Woche, auf Johann Baptist Metz:

"Gott, so sagte Metz einmal im Gespräch mit unserer Zeitung, ist stets ein Menschheitsthema – oder überhaupt kein Thema. Von einer Renaissance des Glaubens vermag er nichts zu sehen, eher eine Art religionsfreundliche Gottlosigkeit. Unsere Kirchenkrise sei darum in erster Linie eine Krise mit Gott, den wir nach seinen Worten wie einen Stock oder Hut einfach verloren hätten. Grauer, alltäglicher und trivialer kann ein Atheismus kaum sein.

Man könnte schreien. Und im Sinne von Johann Baptist Metz muss man es auch. Weil 'im lautlosen Schrei des Gebets sich der Gottesraum eröffnet und sich die Nähe Gottes ereignet'."



(Danke an Martina von glaubenssache für den Hinweis.)

Zur großen Krise

Heute morgen, im Nachgang zu einem Frühstücksgesprach kam mir die Einsicht, daß die Haltung der Kirche zu all den handelsüblichen Fragen, die wir deutschen Katholiken an "Rom", an die "Amtskirche" so haben, gerade in Fragen der "Sexualmoral", aber auch sonst, daß die Halsstarrigkeit und der Wille, im Europa des 20. und 21. Jahrhunderts unverständlich zu bleiben, aus dem Glauben der Kirche folgt, daß Gott, GOtt, GOTT, wirklich, wahrhaftig existiert, daß ER Mensch war und ist, daß ER da und gegenwärtig ist, daß es ein Jenseits, ein Dahinter, ein Innerstes in allem, ein Ewig-Unvergänglich gibt und daß das die einzige, volle Realität ist, daß alles andere abgeleitete, abgeschwächte Wirklichkeit ist. Nicht die Schwäche meines und unseres Glaubens ist das Maß SEINER Wirklichkeit und misst ihm zu, welche Ansprüche ER an uns stellen darf, sondern SEINE Wirklichkeit ist der Maßstab meines Glaubens, meines und unseres Unglaubens, meiner und unserer alltäglichen Schlappheit, Schwäche, Begrenzheit, Halsstarrigkeit, Sündigkeit.

Es ist keine Kirchenkrise, die wir durchmachen, sondern eine GOTTeskrise: Gott ist ein Gespenst, ein Schemen, ein Gedanke, ein Gefühl - keine "Wirklichkeit", gegen deren Dichte und Da-Sein, gegen deren Existenz und Mir-gegenüber-stehen die Materialität des Tisches vor mir nur eine schwache ist.

2. August 2008

"Leid, so stellt sich heraus, ist ein Ort, den von uns niemand kennt, solange wir nicht dort sind." (Joan Didion: Das Jahr magischen Denkens.- München, List, 2008, S. 209)

Sommerloch

Die Chinesen verhalten sich so, wie es wohl alle außer dem IOC erwarteten. Bsirske fliegt in die Südsee und Clement aus der SPD. Obama stellt sein Klagemauergebet der Presse zum Mitbeten zur Verfügung, mag dafür aber jetzt doch in geschützten Küstengewässern nach Öl bohren lassen. al-Sawahiri ist wohl nur gerüchteweise tot.

Das nennt man eine ganz normale Woche.

Probleme? - Keine mehr!

Falls jemand in den letzten Stunden Probleme hatte, mit dem MS IE auf diese Seiten zuzugreifen: Das lag an sitemeter, dem Zugriffszähler.

Der Code von sitemeter ist jetzt deaktiviert, sodaß es problemlos möglich sein müsste. Alle, die einen anderen Browser nutzen, waren eh fein raus.

1. August 2008

„Es sind lauter gesichtslose Kinder, sie können überall sein.“

Ist halt doch alles nicht so einfach mit dem "Donum Vitae", wie man sich das im reproduktionsmedizinischen Überschwang mal vorgestellt hat: Ein Vater sucht seine 400 Kinder. (faz)

31. Juli 2008

eins nur unersetzlich
hochrein geläutert in
glut in frost sturm
tiefem meer dunkel
in ekel irrgang und
mühsamem schritt

goldschatz im herz
tagesration doch
reicht fürs ganze
leben und seinen hunger

30. Juli 2008

Kurz vor dem nächtlichen Gewitter:

... das Lied zur guten Nacht.

Sam Lightnin' Hopkins macht sich nach Louisiana auf,um sich eine Mojo Hand zu besorgen...

Das definitive Allerheiligen-Lied



(von SaintCast via Ironic Catholic)

Untertriebene Anomalien

Die Frankfurter Rundschau ist für ihre Kirchenberichterstattung nicht besonders bekannt. Aber richtig daneben langt heute Christian Schlüter in seinem Kommentar "Anomalien". Die anglikanische Kirche (oder besser: Gemeinschaft) mit 80 Millionen eine "durchaus mächtige Alternative zum übrigen Glaubensangebot"?

Wer das Drama der Anglikaner in den letzten Jahren ein bißchen mitverfolgt hat, die Konflikte, die Zerreißproben, die Streitereien, den Autoritätsverlust des Erzbischofs von Canterbury, die verschiedenen Überquerungen des Tiber - für den ist Schlüters "durchaus mächtig" ein hervorragendes Beispiel für britisches Understatement im Angesicht der Katastrophe.

Marianischer Dadaismus

Abgesehen, daß Anselm Kiefer, obwohl ihn "die Maria (...) durch die gesamte Jugend begleitet" hat, die Mariendogmen (hier und hier) heillos durcheinander wirft, hat er mit der Tollkühnheit, der Verwegenheit, dem Dadaismus nicht so ganz unrecht:

Das Dogma der jungfräulichen Geburt und der jungfräulichen Empfängnis stammt aus dem 19. Jahrhundert, als man schon wusste, woher die Kinder kommen. Ich fand es von der katholischen Kirche immer tollkühn, ein solches Dogma zu verkünden – eine derartige Herausforderung des gesunden Menschenverstandes. Es hat etwas Künstlerisches, eine Behauptung aufzustellen, die völlig unhaltbar ist. Diese Behauptung hat mich immer fasziniert. Ich würde fast sagen, das ist wie Dadaismus. Das ist verrückt, das ist wirklich verrückt. Mein Interesse ist das Künstlerische, das Verrückte in der Behauptung. Ein Künstler behauptet etwas, die Mythologie behauptet etwas, ohne es beweisen zu können. Ich beschäftige mich mit dem, was ich habe. Ich beschäftige mich mit dem, was ich bin. Ich bin ein Mensch, dem die Gottesmutter Maria erschienen ist. Sie ist mir als Nazarenerfigur erschienen. Ich glaube, ich war sechs oder sieben Jahre alt, vielleicht auch schon acht.

Seine Marienerscheinung lässt sich in der Folge des Interviews in der Welt nachlesen.

[Link nach deutlichem Hinweis eines Internet-Dilettanten nachgetragen. ;-)]

Lokales

Bei uns sei dauernd Party oder Fest, hieß es letztens in einem Kommentar. Das ist nicht ganz verkehrt.

Gestern abend "Bayerischer Abend" im besten der lokalen Gymnasien - eine Pflichtveranstaltung, solange noch einer der jungen Scipionen dort eingeschult ist.

Erstaunlich, wie viele Lederhosen und Dirndl auch an der Zungenspitze des Löwen existieren und bei Gelegenheit getragen werden, dort, wo Bayern nicht einmal mehr fränkisch ist. Oder vielleicht doch nicht bei Grenzlandbewohnern wie uns mit einer mehrfach gespaltenen Identität. Da freut mich sich über jedes Mittel, um Zugehörigkeit zum großen und ganzen Bayern auszudrücken...

In der Getränkeschlange vor mir eine garantiert Zug'roaste, woher auch immer man das sah, noch bevor sie ihren Ruhrgebietsmund aufmachte. "Hier gibt es nichts zu trinken", meinte sie zu einem Bekannten. "Ich hätte gerne ein Pils, und es hat nur Export und Weizen."

Schlecht gelaufen, dachte ich mir. Und: ein bißchen ist die Welt noch in Ordnung, solange es beim Bier noch lokale Unterschiede gibt.

Im Ausschank war übrigens das gute Schweinheimer Schwind-Bier, aus einer Brauerei, die so privat ist, daß sie es nicht einmal dazusagen muß.

28. Juli 2008

Ziemlich hart drauf, der Kapuziner



Ich habe es geschafft, den ersten Post zu Fr. Cesare Bonizzi mitsamt Kommentar des condottiere zu löschen; deshalb hier unter dem gleichen Titel noch einmal der Hinweis auf den 62jährigen Kapuziner, der seit einigen Jahren Heavy Metal singt und performt.

Kostprobe bei der BBC.

Wegwarte

Auch: Gemeine W. Korbblütler
Zungenblüten in blaßblau
von Juli bis Oktober
bevorzugt an sonnigen
Standorten Straßenrändern
Bahndämmen o. ä.
in Europa Asien und in
Afrikas Norden

Das
ist nicht einmal
die halbe
Wahrheit.

27. Juli 2008

Danke sagen

Hans Urs von Balthasar:

"Hier liegt die Fatalität des Christentums, daß man auf keine billigere Weise Dankeschön sagen kann als mit seiner ganzen Existenz."

Will you still read me, will you still feed me, when I'm sixty-four?



Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Blogs hat dieser hier schon lange überschritten, und überhaupt scheint Bloggen out zu sein. Die Blogozese als ganze dümpelt vor sich hin, wobei Ausnahmen die Regel bestätigen. Geld habe ich mit Bloggen keinen Pfennig verdient, und um Einfluß zu nehmen, bin ich nicht angetreten.

Das alles wird mich nachher aber nicht kümmern, wenn ich auf einem nahegelegenen Pfarrfest ein gutes, kühles Bier auf Euch alle hebe: die Mitblogger, die Leser, die bekannten und die unbekannt von Google et al. hierher geführten - und vor allem: auf Euch, Freunde!

Die Kennzahlen an diesem 6. Blog-Geburtstag: 3951 veröffentlichte Posts, was einen Durchschnitt von 1,8 Postings/Tag ergibt. Wie viele davon gelungen waren, darf jeder für sich beurteilen.

Sehen wir mal, wie weit der GEist noch trägt an dieser Stelle.