20. Dezember 2005

Rätselhaft

Da stimmen wir Daniel Deckers von der FAZ doch ohne weiteres zu (und werden uns die kurze Glosse aus der FAZ-Datenbank holen):

"Die Frage ist, was in unseren Kirchen vorgeht, wenn sie nicht dem Wort, das ihnen anvertraut ist, zu Glanz verhelfen, sondern in Publikationen werben, die sich sonst herzlich wenig um die christliche Botschaft scheren. Oder gilt jetzt die Missionsparole 'Man muß die Sünder dort abholen, wo sie stehen'?"
Unverständlich bleiben ihm die Motive des Papstes, des Kardinals Lehmann und des Bischofs Huber für die lächelnde Zusammenarbeit und Begegnung mit den *** von BILD. Mir auch. (Hinweis von kath.net)

Kommentare:

Ralf hat gesagt…

Mir nicht.

Und wenn das Evangelium im Bordell verkündet würde, es gibt keinen Ort, der Jesus zu schlecht war.

Ich bin nicht besser als die von "Bild" - soll ich meinen blog nicht nur umbauen, sondern gleich dichtmachen?

Scipio hat gesagt…

Die Frage ist nur, ob Jesus dem Bordellwirt ein Vorwort zur Bibel geschrieben hätte, die dieser (zugegebenermaßen bis zum Beweis des Gegenteils nur: auch zum eigenen Nutzen unter seine Kunden bringt? Vielleicht hätte er sich bei dieser oder anderer Gelegenheit auch einmal eindeutig mit den Kollegen angelegt? Vielleicht sogar öffentlich?

Anonym hat gesagt…

Ralf ist mir zuvorgekommen. Die FAZ hat die Antwort selbst gegeben: Die Kirche muss die Menschen dort abholen, wo sie stehen. Ich nehme an, die Bild hat Kardinal Lehmann und den EKD-Vorsitzenden um ein Vorwort für die Volksbibel gebeten, die beiden sind dieser Anfrage (von ernsthaft? Suchenden?; aus Verpflichtung gegenüber der Leserschaft?, die besseres verdient hat) nachgekommen.
Die Bild hat der Kirche die Möglichkeit geboten, eine speziell gestaltete Bibel, die Frohe Botschaft, in grosser gut lesbarer Schrift unter die Leute zu bringen, die FAZ offensichtlich nicht. Ich habe diese Bibel letzte Woche in einer Buchhandlung in Einsiedeln gesehen, völlig "unschuldig" stand sie dort im Gestell.
Papst JPII hat die Bild-Leute 2004 zu einer Privataudienz empfangen, wohl ohne deren Elaborate überhaupt zu kennen. Papst Benedikt XVI haben sie die Goldbibel im Rahmen einer von 25'000 Menschen besuchten Generalaudienz überreicht. Auch dieser belesene deutsche Papst wird sich nicht häufig in seinem langen Leben in eine Bild vertieft haben. Wie "ungeheuerlich" deren Inhalte immer und immer wieder sind, ist einem so überhaupt nicht mehr richtig präsent.
Zudem: Wenn man (gemäss FAZ) davon auszugehen hat, dass man einen Bildleser oder gar Bildredaktor bei der Bekehrung auf viel tieferem Niveau abzuholen hat als einen FAZ-Leser, so wäre der Grenznutzen einer erfolgreichen Bildleser-Missionierung beträchtlich höher als die eines FAZ-Lesers.

Scipio hat gesagt…

Der Begriff "Grenznutzen" gefällt mir in diesem Zusammenhang, auch wenn er kein theologischer Begriff ist...

Mit BILD (bewußt) einlassen, um den "Nutzen" zu maximieren, sollte man sich aber nur, wenn man auch über die Grenzkosten nachdenkt. Denn irgendwo gibt es ja auch für Dich, Ralf, und für "anonym" eine Grenze: Wenn ein rechtsradikales, ein linksradikales oder ein Pornoblatt eine Volksbibel rausbringt, um sich ein Feigenblatt anlegen zu können - wie weit würden wir da gehen?