10. Mai 2008
Nette Barbaren
"[D]er Schauspieler Josef Bierbichler hat in dem ihm zum sechzigsten Geburtstag gewidmeten Film von Regina Schilling erzählt, dass er eines Abends in der Gaststube in Ambach am Starnberger See eine Runde mit Leuten vom Fernsehen an einem Tisch beisammen habe sitzen sehen und reden hören, worauf er sofort nur eines still bei sich habe denken können: 'Barbaren'. Das also seien, so Bierbichler ernst in die Kamera hinein, die, die zerstören, was unsere geistige Kultur sei.
Doch kam es dann so: Es seien diese Barbaren, wie er schließlich noch in jener mit denen dort gemeinsam verbrachten Nacht habe feststellen können, im Grunde alle irgendwie auch nette Menschen gewesen." (Aus der Besprechung eines medienkritischen Essays von Bernhard Stiegler durch Eberhard Rathgeb in der FAZ)
9. Mai 2008
Mei o mei

Oder wie sonst soll man es nennen, was die Herrschaften von Call To Action, der US-amerikanischen Variante von WSK, bei der Abschlußliturgie ihrer West Coast Conference kürzlich veranstalteten?
(via Amy Welborn und Orate Fratres. Das Video ist momentan nicht mehr im Netz.)
Nachtrag: Das Video ist doch wieder da, und zwar da: http://www.youtube.com/watch?v=NSbiL3XduvY. Sehr sehenswert. - Danke, Thomas!
Originale
Zum anderen sind die ersten Seiten des Codex Sinaiticus in einer hervorragenden Qualität im Netz gelandet. (via idea) Damit lassen sich Firmgruppen bestimmt mehr beeindrucken als mit den Postkarten von Bibelpapyri, die ich vor Jahren hervorholte, beim letzten Mal, als ich eine betreute.
Quiz: Was für eine Gedichtform bist Du?
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Sicher gehen, daß noch einer da ist
My Noiseless Entourage
We were never formally introduced.
I had no idea who among them was really I?
It was like a discreet entourage.
Each one about the same height.
Variously dressed we took the subway
Stealing peeks at each other over newspapers.
In moments of danger, they made themselves scarce.
Where did they all disappear?
I asked some mugger one night
While he held a knife to my throat,
But he was spooked too,
Letting me go without a word,
Skipping over rain puddles
As if chased by his own shadow.
It was disconcerting, not to say criminal.
Flustered as I was, I reached
For the little black comb
I keep tucked in my breast pocket,
To run it through my hair once,
And make absolutely certain
At least one of us was still here.
Seine Gedichte lässt er übrigens von Wallace Stevens und Emily Dickinson gegenlesen - vgl. sein Interview in der Cortland Review.
8. Mai 2008
Die Kommunikation Christi
Das hat mich dazu gebracht - man merkt: Ich verbringe den 8 mai nicht in la patrie, sondern wohlbehalten daheim -, mal wieder in seinem Buch über die Kirche zu blättern. Der Saison entsprechend blieb ich bei diesen Sätzen hängen:
"Die Zeiten der Zukunftsverkündung liegen für uns Christen hinter uns. Wir halten heute die endgültige Wirklichkeit in den Zeichen, und solange die Weltzeit dauert, kann dieser Zustand nicht wesentlich überschritten werden. Im Maße, als wir dies verkennen, fallen wir aus der christlichen Hoffnung in die Mythologie zurück.
Seitdem Jesus verherrlicht wurde, ist uns der Geist geschenkt, und diese Geistverleihung am Pfingsttag hat die Kirche endgültig konstituiert. Das Zeitalter des Heiligen Geistes steht also keineswegs aus, es fällt genau mit dem Zeitalter Christi zusammen. Communicatio Christi, id est Spiritus sanctus. (...)
Es gibt keinen andern Heiligen Geist als diesen Geist Jesu ...
Das Wort der Jeanne d'Arc zu ihren Richtern drückt sowohl die mystische Tiefe des Glaubens wie das gesunde praktische Empfinden des Christgläubigen aus: 'Mir will scheinen, daß zwischen Jesus Christus und der Kirche alles ganz eins ist, und daß man da keine Schwierigkeiten machen sollte.' Dieser Schrei des glaubenden Herzens faßt den Glauben aller Kirchenlehrer zusammen." (Die Kirche.- Einsiedeln: Johannes, 1968, S. 185 - 190)
7. Mai 2008
Komm, o komm
fülle Herz und Angesicht,
dring bis auf der Seele Grund...
Wärme du, was kalt und hart,
löse, was in sich erstarrt,
lenke, was den Weg verfehlt.
Flughafenblogging
Abrahams Schoß ist überall, auch hier inmitten der Spätankömmlinge und Gestrandeten.
Recycling
"Faut-il liquider Mai 68 - Soll man den Mai 68 abwickeln? - so fragt Henri Weber, damals militanter Trotzkist, heute sozialistischer Europaabgeordneter, in einem neuen Buch. Neu? Eine Redensart, denn es handelt sich tatsächlich um ein Buch, das 1988 unter dem Titel Vingt ans apres, que reste-t-il de mai 68 - 20 Jahre danach - was bleibt vom Mai 1968? erschien und 1998 mit dem Untertitel Essay zur Interpretation der Ereignisse neu aufgelegt wurde. (...) Dasselbe auch beim hervorragenden Bericht von Laurent Joffrin: Mai 68 - Geschichte der Ereignisse, zum ersten Mal 1988 erschienen, anläßlich des 20. Jahrestags, und jetzt wieder aufgelegt unter dem Titel Mai 68 - Geschichte einer Bewegung. Das zur Misere der 'Verpackung' im Verlegermilieu. Ausdrückliche Erwähnungen des Ursprungs dieser Texte auf dem Umschlag wären nicht überflüssig gewesen." (Jean-Luc Pouthier in seinem Mai 68-Literaturbericht im Mai-Heft der Etvdes)
6. Mai 2008
Vor- und Nach68er in kurzem Dialog
Keine Ahnung, ob ihm die drei Sätze etwas brachten, die er die Geduld hatte anzuhören. Studentenrebellionen lagen aber offensichtlich nicht in seinem Erfahrungshorizont.
5. Mai 2008
Ein "1664" auf die Jungfrau!
"1664 - Ce n'est pas seulement une marque de bière, c'est surtout la première apparition de la Vierge Marie à Benoîte Rencurel in Laus -
1664 ist nicht nur eine Biermarke, sondern vor allem das Jahr der ersten Erscheinung der Jungfrau Maria vor Benoîte Rencurel in Laus."
In einem Land vor unserer Zeit
Heute jedenfalls, 40 Jahre danach, ist es um die Sorbonne ruhig und entspannt; die letzten Gäste sitzen um Mitternacht auf den Trottoirs, und sous les pavés, unterm Pflaster ruht die Revolution.
Im Schaufenster der Librarie Compagnie liegen hinter einer heilen Scheibe zwei schöne, saubere Pflastersteine, ein bißchen Realitätsbezug inmitten von Memoiren und Jubiläumsbänden. Ikonostasen zieren die Place de la Sorbonne, aber leider gehe ich morgen meines Berufes Geschäften nach und werde nicht beobachten können, ob sich wenigstens ein paar Touristen davor bekreuzigen. Jener Immigrant afrikanischer Abstammung mit dem Che Guevara-T-Shirt, der mir beim Weg ins Hotel begegnete, wird es vermutlich nicht tun...
4. Mai 2008
3. Mai 2008
Paradox
Die christliche ist dem gegenüber ein ungeheures Paradox: es liegt darin, daß Gott, obwohl er sich ein einzelnes Volk erwählt hat und in diesem einzelnen Volk schließlich einen Einzigen hat seinen eingeborenen Sohn sein lassen, trotzdem und gerade deshalb und darin allen Völkern und allen Menschen das Heil zugedacht hat."
(Hans Urs von Balthasar: Das betrachtende Gebet.- 4. Aufl.- Einsiedeln: Johannes, 1976, S. 159)
2. Mai 2008
Aufstehen für das Leben
Eignung
Die folgenden Sätze habe ich als Bestätigung meines Postings über den "alten Adam" und die "unanimal mankind" gelesen - der übrigens ganz und gar nicht als Beruhigung gemeint war, sondern eher als Beunruhigung: Auf Josef F. war und ist einer von uns, da helfen die ganzen wissenschaftlich verbrämten Ausreden nicht. (Randbemerkung: Wie war das gleich noch mit dem "pro multis", dem "für uns und für alle"...)
Schirrmacher: Haben Sie dafür eine Erklärung, dass der gleiche SD- oder SS-Mann, der da jetzt im Zug sich mit 250.000 ermordete Juden im Jahr 1943 brüstete, zehn Jahre später, wenn er nicht gefasst wurde, hier in Köln oder Bonn ein ganz normaler Bundesbürger ist?
von Boeselager: Deshalb behaupte ich, dass jeder dazu geeignet ist. Es gab ja SS-Leute, die am Schluss mit in den Ofen reingesprungen sind, nachdem sie zehnmal die Juden da reingesperrt und es selbst nicht mehr ertragen haben. Wir sind viel mehr dazu geeignet, als wir glauben.
Schirrmacher: Auch die Widerständler des 20. Juli?
von Boeselager: Als Menschen müssen wir verdammt aufpassen.
1. Mai 2008
Lastenträger, Wegbahner, Sammler
Plattencover und mehr

Während bei Elsa über schwierige moralische Fragen abgestimmt wird, darf man beim Ship of Fools das beste aller schlechten christlichen Plattencover wählen. (Für die Bluegrass-Liebhaber: Charles und Ira Louvin sind auch vertreten...) (via Ironic Catholic)
Zarte Gemüter sollten sich die zehn im Narrenschiff ebenfalls präsentierten Top of the Pope Gadgets lieber entgehen lassen.








