18. Juli 2011

Bernanos zum Spanischen Bürgerkrieg

Vor 85 75 Jahren erhoben sich die spanischen Generäle in Marokko gegen die Regierung der Zweiten Spanischen Republik. Georges Bernanos lebte damals auf Mallorca und war anfangs voller Sympathie für den Aufstand. Die Gräuel, die er in den ersten Monaten des Spanischen Bürgerkrieges von Seiten der von der Kirche unterstützten Aufständischen miterlebte, veränderten seine Position. In seinem Buch "Die großen Friedhöfe unter dem Mond", 1937 und 1938 geschrieben, versuchte er wachzurütteln und der ganzen Wahrheit eine Stimme zu geben, und eben nicht nur dem, was im Blick einer Partei davon übrig blieb. Die Wahrheit ist nicht rot, nicht braun und nicht schwarz, so ähnlich hat er es einmal woanders formuliert.

"Die Welt ist reif für jede Form von Grausamkeit, und sie ist reif für jede Form von Fanatismus und Aberglaube. Sie will bei allem lediglich einige ihrer Gewohnheiten respektiert sehn, etwa, dass man ihrer seltsamen Tierliebe nicht zu nahe tritt (die vielleicht eine der wenigen Errungenschaften der modernen abendländischen Empfindsamkeit darstellt). Ich glaube, darüber hinaus würden sich die Deutschen sehr rasch daran gewöhnen, ihre Juden, und die Stalinisten ihre Trotzkisten öffentlich brennen zu sehen.

Ich hab’s gesehn, mit eigenen Augen habe ich’s gesehn, ich, der ich zu euch spreche: ich habe ein kleines christliches Volk mit einer Tradition der Friedfertigkeit, mit einer außerordentlichen, fast übertriebenen Liebe zur Geselligkeit, plötzlich sich verhärten sehn, ich habe die Gesichter hart werden sehn, ja selbst die Gesichter der Kinder. Vollkommen sinnlos, sich einzureden, man könne gewisse Leidenschaften unter Kontrolle behalten, wenn sie erst einmal entfesselt sind. (...)

Monate hindurch wurden die Mordkommandos in Mallorca in eigens zu diesem Zweck beschlagnahmten Lastwagen blitzschnell von Dorf zu Dorf befördert und überall schossen sie kaltblütig, vor aller Augen, Tausende von Verdächtigen nieder, Leute, gegen die selbst das Militärgericht nicht den geringsten Rechtsvorwand hätte finden können. Seine Exzellenz der Herr Erzbischof von Palma war darüber genauso unterrichtet wie jeder andere. Nichtsdestoweniger hat er sich, so oft er konnte, an der Seite dieser Henker sehn lassen, von denen einige - man wusste es allgemein - den Mord von Hunderten von Menschen an ihren Händen kleben hatten. Wird diese Haltung morgen die Haltung der Kirche sein?"
(Die großen Friedhöfe unter dem Mond.- Zürich: Arche, 1983, S. 166 f)

(Mit Dank an die aufmerksame Leserschaft für den Hinweis auf 75 seit 1936 vergangene Jahre. Es war einfach schon zu spät...)

1 Kommentar:

Giovanni hat gesagt…

75 Jahre- wie kurz ist das im Grunde---und wie wenig ist diese Geschichte noch bearbeitet---erschütternd dieser Bericht von Bernanos