31. Dezember 2008

Allseits einen guten Rutsch ...

... und fürs nächste Jahr alles Gute und GOttes Segen!

Und mit Sheryl Crow (und der Carter Family) dran denken: "We're going where there's no depression!"

29. Dezember 2008

Gute Nachricht aus China

Die Welt über Bibeln aus und für China.

Turmlos, falsch und schief

Es mag schon sein, daß die Initiative "Kirche von unten" 1980 gegründet wurde und daß überhaupt diese "Vision" über zehntausende kleiner Kanäle ins Denken und Fühlen der ecclesia germano-catholica eingesickert ist.

Kaum einer wird jedoch wissen, daß die meines begrenzten Wissens nach erste Vision der "Kirche von unten" bei jener westfälischen Mystikerin und Clemens Brentano-Freundin Anna Katharina Emmerich auftaucht, die der Öffentlichkeit zuletzt im Zusammenhang mit Mel Gibsons "Passion" begegnete.

Brentano hat Anfang September 1803 die folgenden Worte der Seherin von Dülmen notiert:

Ich sah eine Kirche von unten aufsteigen, beinahe in der Form, in welcher mir immer die heilige allgemeine Kirche erschient, wenn ich sie nicht als ein bestimmtes Ortsgebäude, sondern als die heilige katholische Kirche überhaupt sehe, nur daß diese einen Turm über dem Eingang hat, welchen die von unten aufsteigende Kirche nicht hatte. Diese Kirche war sehr groß, aber sie war falsch. Die Engel drängten sie beiseite, und sie kam schief zu stehen. (...)

Ich sah weiter eine große Schale erscheinen, die an der einen Seite eine Nippe hatte. Sie wollte in die falsche Kirche eingehen, aber sie ward auch beiseite geschoben.


Thomas Meinecke zitiert diese Passage in seiner "Jungfrau" auf S. 310.

Zuwachs

Kurz vorm neuen Jahr noch einmal Zuwachs für die Blogozese: sgk - schlicht gesagt katholisch.

Herzlich willkommen, GOttes Segen und auf ein langes Bloggen!

Jahreshighlights

7. Folge 2008: Bücher und Musik

Seltsamerweise tue ich mir schwer, unter den Büchern, die ich in den letzten 12 Monaten gelesen habe, mehr als drei aufzulisten, die mich besonders beeindruckt haben.

1. Chaim Potok: The Chosen (Ein Roman über Freundschaft, Vater- und Sohnesliebe, jüdisches Leben)
2. Ruth Harris: Lourdes: Body and Spirit in the Secular Age (Zum Jubiläumsjahr ein hervorragendes Werk einer britischen Historikerin über Bernadette Soubirous, die Erscheinungen und ihre Folgen im Frankreich Louis Napoleons und der Dritten Republik)
3. Christopher Ricks: Dylan's Visions of Sin (Liebevolle Exegese der Poesie Bob Dylans)

Musik:
1. Robert Plant & Alison Krauss: Raising Sand (Zuerst skeptisch, inzwischen überzeugt, daß dies ein besonderes Album ist, schon allein wegen der Chemie zwischen den beiden Interpreten)
2. Bob Dylan: Tell Tale Signs: Rare and Unreleased (Jede Menge Perlen, gerade auch weil nicht restlos poliert)
3. Canned Heat & John Lee Hooker: Hooker 'n' Heat (Klassiker, den ich schon immer (?) auf Vinyl besaß, jetzt digital aber noch viel öfter höre)

28. Dezember 2008

Weihnachtslektüre

Meine Lektüre über die Weihnachtstage: Thomas Meineckes neuer Roman "Jungfrau". Der scheint unter Popliteratur zu fallen - was immer das genau ist.

Man kann ihn als längere Meditation über Frau/Mann, Mystik, Eros und Sexualität, Popkultur, Jazz und wohl auch sonst noch manches lesen. Oder als durchaus spannende Einführung in katholische Mystik. Roman ist das Buch eher nebenbei.

Unter der Rubrik "Man muß klar sehen":

Doch die Islamisten bezogen die grausamen Fernsehbilder, die jetzt nach den israelischen Luftangriffen aus Gaza um die Welt gehen, offenbar in ihr Kalkül ein. Bewusst nahmen sie das Leiden Unschuldiger und die Opfer in Kauf, als sie sich weigerten, den Waffenstillstand mit Israel zu verlängern.

Das hielt ihre Führung nicht davon ab, die Raketenangriffe zu billigen und zu unterstützen. Sie nahm in Kauf, dass beim israelischen Gegenangriff palästinensische Zivilisten zu Schaden kommen würden. Denn die Hamas-Anlagen sind absichtlich in Stadtteilen untergebracht, in denen Zivilisten wohnen.


(Der ganze Artikel von Pierre Heumann bei Spiegel Online.)

Weiterhin empfehle ich die Lektüre von Lilas Rungholt-Blog

27. Dezember 2008

Johannistag



Blind Willie Johnson: John the Revelator

26. Dezember 2008

Stephanstag

Erik Peterson: Zeuge der Wahrheit.- Leipzig: Hegner, 1937, S. 20:

"Es gibt gewisse menschenfreundliche Geister, die geneigt sind, alles, was in dieser Welt geschieht, auf bloße Mißverständnisse zurückzuführen. Wenn es nach ihnen ginge, wäre es ein bloßes Mißverständnis gewesen, weshalb Christus gekreuzigt und die Apostel getötet worden sind; diese selben Menschen sind geneigt, wenn die Stunde des Martyriums für die Kirche wieder da ist, alles auf ein bloßes Mißverständnis zurückzuführen.

Ihnen gegenüber zeigen nun die Worte Jesu, daß nicht ein menschliches Mißverständnis, sondern eine göttliche Notwendigkeit Märtyrer schaft. Das Wort Jesu: 'Mußte nicht der Menschensohn solches leiden?' steht auch über allem Leiden der Kirche. Solange das Evangelium in dieser Welt verkündet werden wird - also bis an das Ende der Zeiten -, so lange wird die Kirche auch Märtyrer haben."

24. Dezember 2008

Ja

God don't make no promises that He don't keep - Gott macht keine Verheißungen, die Er nicht erfüllt. (Bob Dylan)

Nec alia fuit Dei Filio causa nascendi quam ut cruci possit affigi - Der Grund für die Geburt des Sohnes Gottes war kein anderer als daß er ans Kreuz geheftet werden könne. (Leo der Große)

Denn der Sohn Gottes, Christus Jesus, war nicht Ja und Nein zugleich, sondern in ihm ist das Ja Wirklichkeit geworden. So viele Verheißungen Gottes es auch gibt, in ihm ist das Ja. (Paulus, 2 Kor 1, 19f)

Ein frohes Weihnachtsfest ringsum, viel Freude und Gottes reichen Segen!

Friedrich Rückert: Gottes Licht

Gekommen in die Nacht
___der Welt ist Gottes Licht;
wir sind daran erwacht
___und schlummern fürder nicht.

Wir schlummern fürder nicht
___den Weltbetäubungsschlummer,
wir blicken wach im Licht,
___aufs Nachtgrau ohne Kummer.

Wo ist der Nächte Graun?
___Es ist vom Licht bezwungen;
wir blicken mit Vertraun
___ins Licht, vom Licht durchdrungen.

Dass wir durchdrungen sind
___vom Lichte, dem wir dienen,
wir zeigen's dem Gesind
___der Nacht in unseren Mienen.

In hellen Mienen macht
___sich kund die Kraft des Herrn,
und wer nicht in der Nacht
___kann leuchten, ist kein Stern.

23. Dezember 2008

Kleine weiße Weihnachten

Um dem Schneemangel ein bißchen abzuhelfen, kann man sich bei Make-a-Flake eine Schneeflocke zurechtschneiden (via netbib):

Alle zusammen: "Wir sind schockiert!"

Die Reflexe funktionieren vor den Hochfesten immer am besten. Annette Langer (Spiegel), Aurelio Mancuso von einer italienischen Schwulenorganisation und Giles Fraser, hyperliberaler Anglikaner aus England, sind über die Rede Benedikts XVI. vor der Kurie schwer schockiert und laden alle Rechtdenkenden dringend ein mitzufühlen und sich ganz fürchterlich aufzuregen.

Wer sich diesem Anliegen nicht verweigern will, braucht die Rede natürlich nicht hier im Volltext nachzulesen. Alles wesentliche findet sich bei den üblichen Meinungsproduzenten.

[Paul Badde hat sich auch schon wieder ins Abseits gestellt, statt sich z.B. über die "fantasievollen" (Welt Online) Demos gegen die Haltung der RKK zur Homosexualität zu freuen, mit denen die Online-Redaktion der Welt seinen Artikel begleitet.]

22. Dezember 2008

Päpstliche Marine

Gut zu wissen:

"Obwohl der Vatikanstaat keinen direkten Zugang zum Meer besitzt, ist ihm gemäß der Erklärung von Barcelona aus dem Jahr 1921 die Hochseeschifffahrt mit eigenen Schiffen unter der päpstlichen Flagge gestattet. Zur Zeit übt der Vatikanstaat dieses Recht nicht aus." (Quelle)

Die kalte, klare Luft der Gegenwart

Romano Guardini war nicht gerade für seinen Alarmismus bekannt, aber dieses Konzentrat (aus dem "Ende der Neuzeit" kondensiert von Walker Percy für seinen "Last Gentleman") nimmt kein Blatt vor den Mund:

"Die Neuzeit ist im Entscheidenden zu Ende gegangen. ... Der Nicht-Glaubende muß aus dem Nebel der Säkularisationen heraus. Er muß das Nutznießertum aufgeben, welches die Offenbarung verneint, sich aber die von ihr entwickelten Werte und Kräfte angeeignet hat. ... Die Einsamkeit im Glauben wird furchtbar sein. Die Liebe wird aus der allgemeinen Welthaltung verschwinden. ... Um so kostbarer wird sie werden, wenn sie vom Einsamen zum Einsamen geht... in der kommenden Zeit wird die Luft klar werden. Voll Feindschaft und Gefahr, aber sauber und offen."

Das kritische Kirchenvolk und ich im Exil

"kritisch" - die positive Aufladung dieses populären Adjektivs ist inzwischen auch im katholischen Volk bzw. dem, was davon noch übrig ist, angekommen. Nicht daß das eine neue Erkenntnis wäre, aber es fiel mir letztens wieder einmal auf.

"Die nehmen die Kirche auch mal kritisch auf die Schippe", heißt es über "kirchliches Kabarett", "eine kritische Predigt" hat von vornherein eine hervorragende B-Note, bezahlte Laien im Gemeindedienst sehen vieles "kritisch" und "üben endlich einmal Kritik" an dem und jenem. Und selber dürfen wir ja seit einigen Jahrzehnten auch kritisch sein.

Es gibt natürlich auch Tabuzonen der Kritik, Themen und Personen, die ausgespart werden sollten - will man kritisch bleiben: Christliche Liedermacher, bezahlte Laien im Gemeindedienst, Anselm Grün, der "Volksaltar", das neue geistliche Lied, Handkommunion, Kindermetten, Kardinal Lehmann, kirchliches Kabarett, Yoga, die Ökumene an sich und in ihren jeweiligen lokalen Erscheinungsformen.

Selber fühle ich mich dann ganz plötzlich im Exil. Einer spricht das Zauberwort mit dem K aus, und schwupps! husche ich durch den geheimen Eingang ins ferne Land, wo ich mich überhaupt nicht daheim fühle, sondern als exul filius Mariae.

Nachhaltiges Weihnachtsgeschenk



40 Jahre später stehen Andersens Märchen immer noch im Regal. Zerlesen, der Rücken hängt davon, der Gilb setzt ein. Aber ansonsten intakt.

21. Dezember 2008

Frühmorgendliche Gedanken nach Guardini-Lektüre

Vielleicht geht es gar nicht anders als nach Jahrzehnten des eigenen Christseins, nach Jahrhunderten des gemeinsamen Kircheseins das Überraschende, das Umstürzende, das Fordernde Jesu Christi zu verdünnen und zu entschärfen.

Für einen Schatz im Acker würden wir natürlich alles verkaufen, für die Perle der Perlen die anderen vor Säue werfen. Aber das Reich GOttes ist nun einmal weder Schatz noch Perle. Es war einmal ganz nah. Das geben wir zu. Doch seit jenem historischen Moment vor knapp 2000 Jahren ist es im Rückzug, ein geisterhafter Schemen, doch nichts was nachzuverfolgen sich lohnt. Schlechte Abzüge davon gibt es zuweilen, und wer mag, pinnt sie sich an die Wand: Marxens' Utopie des unentfremdeten Lebens, naturnahes Wohnen und Bauen fern von Handymasten und Luftverschmutzung, 3 Wochen DomRep, Mauritius, oder wo sonst irdische Paradiese existieren.

Die Christen feiern derweilen das Kommen des Reiches und sind dabei nur halbwach, dösen vor sich hin in der adventlichen Rorate oder sonntags um 9h30. Manchmal träumen sie von einem Schatz, bilden sich ein, vor den geöffneten Augen läge er, sie bräuchten nur hinzugreifen. Und alles wäre anders.