17. August 2008

Neun von Zehn

Aus Hicks' Traktat über Dylans Sündenvisionen:

There is a story of a country squire who, leaving church after having heard tell (once more) of the Ten Commandments, took some comfort to himself: "Well, anyhow I haven't made a graven image."

[Es gibt eine Geschichte von einem Gutsherrn, der sich, nachdem er wieder einmal eine Predigt über die Zehn Gebote gehört hatte, beim Verlassen der Kirche tröstete: "Naja, wenigstens habe ich kein Götzenbild verfertigt."]

16. August 2008

Lambeth in Zahlen

Lambeth 2008 ist vor gut zwei Wochen zu Ende gegangen. Erst heute entdecke ich diese Bilanz aus der Times:

500 pairs of holy socks bought by bishops during the conference
120 litres of Communion wine drunk during 25 hours of worship
3,610 pints of lager consumed
10 years between conferences
1,320 minutes spent in 16 “indaba” groups
50 copies of In the Eye of the Storm signed by Gene Robinson, the gay Bishop of New Hampshire, sold
2 copies of The Truce of God: Peacemaking in Troubled Times by the Archbishop of Canterbury, Dr Rowan Williams, sold


Für alles andere gilt wohl: Es ist diesmal nicht sicher, ob Nach Lambeth Vor Lambeth ist.

Polka on the Banjo Make That Five-String Hot



Nun, versuchen wir also, das letzte YouTube-Video wie erwartet zu toppen. Ob es gelingt, bleibt dem Urteil der Leser und Zuschauer überlassen.

Für mich hat jedenfalls diese Runde älterer Herren um Lester Flatt (mit der Gitarre um den Hals) und Earl Scruggs (mit diesem runden Dings), die scheinbar gleichgültig und offensichtlich technisch perfekt Polka on the Banjo spielt, ihren ganz speziellen Charme.

Dylan in den Händen der Exegese

Den Literaturnobelpreis hat Bob Dylan noch nicht, aber mit Christopher Hicks auf jeden Fall bereits einen Meisterexegeten. In "Dylan's Visions of Sin" seziert Hicks minutiös ein sample von Songs, dreht und wendet jedes Wort, holt Thomas Hardy und Thomas Stearns Eliot und jede Menge anderer Literaten aus seinem Anglistenarsenal, zieht Parallelen und baut Synopsen. Die Struktur seines Buches - er folgt den 7 Hauptsünden, den 4 Kardinal- und den 3 Göttlichen Tugenden ist aufgesetzt, aber ändert nichts am Eindruck: Faszinierend.

"The song [Handy Dandy] summons the celebrities (the lavish people before whom we are slavish) about whom we yearn to learn the worst so that we will not be eaten up with envy about their having on the face of it the best, the best of all impossible worlds." (p. 81)

Klezgrass, Bluezmer...

Dank YouTube:

Margot Leverett und die Klezmer Mountain Boys spielen das, was der Bandname verspricht: Einen lebhaften Mix aus Klezmer und Bluegrass, hier am Beispiel des "Lee Highway Blues":

Tagesheiliger



Für das Foto zu seinem Gedenktag durfte er in den Vorgarten, der Hl. Rochus.

Rochus von Montpellier ist einer jener hartnäckigen Heiligen: nicht kanonisiert, nicht einmal mit ausreichenden Beweisen für sein Leben ausgestattet, ist er doch höchst lebendig und hilfsbereit. (Vgl. diese Hausarbeit)

In diesem Sinne: Saint-Roch, priez pour nous! Sancte Roche, ora pro nobis!

15. August 2008

Nicht schlecht -

- jener Autoaufkleber, den dylan von more last than star in seiner Gegend entdeckte:

Extirpate Sesquipedalianism!

Wer ohne Nachschlagen weiß, was das bedeutet, ist richtig gut!

(Wäre eine gute Jauch-Frage:
Was ist Sesquipedalianismus?
a) eine frühchristliche Häresie
b) eine unkritische Vorliebe für überlange Wörter
c) eine psychische Störung
d) ein Sehfehler, der Entfernungen um ein Anderthalbfaches zu groß einschätzt)

Gliding Again

Außer Konkurrenz spielt Jerry Douglas seine Dobro. (Vgl. MySpace und YouTube) Das tut er auf eigene Rechnung, aber genauso gut und gern mit anderen wie Alison Krauss, Paul Simon, Bill Frisell, Eric Clapton. Und selbst wenn er mit Bluegrass angefangen hat und mit einem Bein immer noch mittendrin steht: Er spielt so ziemlich in jeder Musikrichtung mit, die den metallischen, klaren, ätherischen Klang einer Dobro gebrauchen kann.

In ein paar Tagen gibt es sein neues Album "Glide".

The Best of Us - Unsere Beste

Mit leichen Anpassungen lässt sich mit dem Text des Bombast-Videos unserer Freunde von der Olympischen Bewegung aus aktuellem Anlass das Magnificat beantworten:

"You all make us proud to be human beings
regardless religion or nationality
because if you are able
to achieve such greatness
nothing is unreachable -
Go and amaze us!"

Ich will jetzt nicht untertreiben, aber im Gegensatz zu den im Video auftretenden hochgezüchteten Prachtexemplaren der Spezies homo sapiens sapiens braucht es für den Erfolg in der einzigen Liga, die wirklich zählt, nur den rechten Gebrauch der Grundausstattung (vulgo: Gewissen, Verstand, Herz) und ein indivuell unterschiedliches Maß von GOttes frei gewährter und in der Abgabemenge nicht begrenzter Gnade, um im richtigen Moment (= am richtigen Ort) sein kleines oder großes Ja zu sagen oder zu wiederholen.

14. August 2008

Kleider machen Leute, so oder so

Tiberius schreibt einen ziemlich vollendeten Brief an einen Berliner Pfarrer.

Ich weiß nicht, ob jetzt sagen soll: "Da hätte man ja viel zu tun, wenn man allen..." oder "Ziemlich idealistisch" oder nur "Danke. Gut, daß einer ab und zu nachfragt".

Au revoir, tristesse

Man hat ja so seine pessimistischen, depressiven oder einfach sonstwie schlappen Tage. Meine verabschieden sich gerade wieder.

Da lasse ich Mr. Bob gerne sein Abschiedslied zum Thema singen:



(Wie öfters der Text zum Mitsingen: Hier.)

12. August 2008

Vom Unterschied, den ein Komma macht

Unsicherheitshinweis auf einer Kerze:

"Lassen Sie Ihre Kerze niemals, unbeaufsichtigt oder nur im Beisein von Kindern brennen."

Noch geistlicher leben

Aus dem "Referat Geistliches Leben" meiner Heimatdiözese kam in dieser Woche das Programmheft 2008/2009 (hier die Webversion). Erfreulicherweise findet sich kaum oder gar nichts Esoterisches, ebenso keine (unkritische) Übernahme östlicher Meditations- oder Gebetstechniken.

Dafür gibt es etliche Exerzitienangebote, Wochenenden zum Zu-sich-(selber-)kommen, meditatives Tanzen und Körperarbeit, Atemübungen, Wandern und Pilgern. Gott entgegengehen und sich selber finden, wie Abraham aufbrechen, die Enge des Alltags in die Weite Gottes überschreiten - das sind ein paar Streiflichter aus den thematischen Schwerpunkten, dazu kommt Adventliches, Fastenzeitliches, Österliches, Hilfe beim Suchen der eigenen Berufung und Rekreatives für Mitarbeiter in Pastoral und Caritas.

Trotzdem scheint mir das eine oder andere zu fehlen. Im Geiste dieses Blogs möchte ich den einen oder anderen - nicht ganz wörtlich gemeinten - Ergänzungsvorschlag machen.

"Das Unglück der Menschen kommt davon, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer bleiben können." - Besinnungstage im Geiste Blaise Pascals.
Für alle, die genug davon haben, von Bildungshaus zu Bildungshaus zu hetzen und schon alle Körper-, Atem-, Achtsamkeits- und Heilarbeitstechniken ausprobiert haben. Wir werden uns an diesem Wochenende damit beschäftigen, falschen Ehrgeiz und falsche Hoffnungen zu demaskieren. Am Ende soll die Bereitschaft stehen, GOtt die eigenen Grenzen, Schwächen, Leiden und die eigene Lebenssituation im Geiste Christi dankbar anzubieten.

Einübung im Christentum - Ökumenische Exerzitien
Der bekannte dänische Exerzitienmeister S. Kierkegaard (Kopenhagen) wird uns in seine echt protestantische Frömmigkeit einführen. Themen der Einheiten sind: "In Furcht und Zittern - weil man das Wichtigste nicht vergessen darf", "Übles leiden in der Welt - Kennzeichen wahrer Spiritualität", "Es gibt eine Wahl - und der Gott-Mensch fordert sie" und "Zurück in die Gegenwart - Jesus heute, hier und jetzt".

"Religion braucht immer Unverheiratete - besonders in unserer Zeit"
Diese Tage wenden sich an Priester und andere Singles im pastoralen und caritativen Dienst der Kirche. Wer die Zeichenhandlungen Jesu ernst nimmt, der sieht im Unverheiratetsein des fröhlichsten und lebensbejahendsten aller Propheten den Ausdruck seiner Liebe zu seiner Braut, der Kirche. Wir stellen uns bewusst in seine Nachfolge und erkennen, daß wir gerade als zölibatäre Singles die Engen moderner Ideologie und bürgerlicher Bequemlichkeit sprengen - um im Ausgesetztsein zu Gott und den Menschen zu leben.

Benedikts Regel: Die Liebe Gottes hat einen Namen
Basierend auf dem Jesus-Buch Benedikts XVI. beschäftigen wir uns mit der Figur des Nazareners in allen seinen Dimensionen - nicht nur als Jude, Moralprediger, Heilpraktiker oder Therapeut, sondern wesentlich auch als Sohn des Vaters, als Gottes gekreuzigtes Wort. Wenn unsere Beziehung zu Jesus Christus trägt, dann stellen sich unsere Lebensfragen neu. Dann finden sich auch Antworten, die befriedigen und trösten. Und ermutigen.

De Maria semper satis? Über Maria immer zu viel?
Bloß nicht zu viel über Maria reden, bloß nicht zu ihr beten, bloß nicht hoffen, daß sie uns nahe ist: das schien lange die Devise in kirchlichen Kreisen. Wir verschaffen Ihnen in diesen fünf Abenden reichlich Gelegenheit, der Mutter des Herrn zu begegnen, die auch heute wie vor 2000 noch ihren Job erfüllt: mütterlich nahe zu sein und mit uns das Ja zu Gottes Wille einzuüben.

Jetzt und in der Stunde unseres Todes
Der Tod wird nicht mehr totgeschwiegen, aber es wünscht sich jeder, er treffe uns schnell und schmerzlos. Wer später nicht vom Sensenmann überrascht werden möchte, fängt am besten jetzt schon an sich vorzubereiten. Wir deuten das Ave Maria und den Lobgesang Simeons neu aus, zeigen Wege zur Befreiung von Schuld und Sünde und helfen, das eigene, noch unbekannte Schicksal in den Dienst anderer zu stellen.

You'll never walk alone
Mit Rock-, Folk- und Popsongs wollen wir die vielen Heiligen neu kennen lernen, die mit uns zusammen das Volk Gottes ausmachen. Wir werden sehen, daß Christsein nie abstrakt ist, sondern sich in Gemeinschaft mit anderen und mit der gesamten Kirche abspielt. In der abschließenden Eucharistiefeier werden wir einen Blick in den geöffneten Himmel werfen und spätestens beim Sanctus die Engel singen hören.

Übereinstimmung mit wem?

Via First Things, leicht geändert:

Der Kürzere Westminster Katechismus (1647):
14. Was ist Sünde?
Sünde ist jeder Mangel an Übereinstimmung mit dem Gesetz Gottes oder jede Übertretung
desselben.

Der Katechismus der Katholischen Kirche - Kompendium (2005):
392. Was ist die Sünde?
Die Sünde ist „ein Wort, eine Tat oder ein Begehren im Widerspruch zum ewigen Gesetz“ (hl. Augustinus).

Senator Barack Obama (2004):
Frage: Do you believe in sin?
Obama: Yes.
Frage: What is sin?
Obama: Being out of alignment with my values.

Keith Pavlischek kommentiert trocken: "Nicht daß da an Senator Obamas Messias-Komplex was dran wäre..."

11. August 2008

In the Midnight Hours - Shine On Me!

Nicht allen wird heute das Schauspiel der Perseiden geschenkt.

Ersatzweise der Abbot Kinney Lighthouse Choir mit "Shine On Me" und "Trouble of This World":

Der Name

Fr. Jay Toborowsky befaßt sich in seinem Blog einen kürzlich geschriebenen Brief von Kardinal Arinze an die Präsidenten der Bischofskonferenzen mit der Anweisung, fürderhin die "wörtliche hebräische Aussprache des Namens Gottes in Gebeten oder Lieder nicht mehr zu verwenden".

Für ihn und für uns Anlaß, über unseren Gebrauch des Wortes Gott nachzudenken, den allzu leichtsinnigen, den allzu vereinnahmenden - so als ob wir IHN kennten und durchschauten -, den allzu anbiedernden, vom offensichtlichen Mißbrauch schon einmal ganz abgesehen.

Sehr richtig, sehr wahr und sehr schön imho das Zitat aus Karl Barths Kirchlicher Dogmatik, das die Wikipedia im Artikel über das Tetragramm bringt:

"Ich bin der, dessen eigentlichen Namen niemand nachspricht – das ist bedeutsam genug: Der offenbarte Name selbst soll durch seinen Wortlaut an die Verborgenheit auch und gerade des offenbarten Gottes erinnern."

Der Brief der Gottesdienstkongregation im pdf-Format hier. (via NLM)

1 Könige 19, 12

... ein sanftes, leises Säuseln (Einheitsübersetzung)
... ein stilles, sanftes Sausen (Luther, rev. 1984)
... ein ganz leiser Hauch (Gute Nachricht)
... der Ton eines leisen Wehens (Elberfelder, rev.)
... ein leises, sanftes Säuseln (Herder)

(mit Dank an more last than star)

10. August 2008

Sprache und Schweigen

"Sprache wird hier nicht bloß verstanden als reine Grammatik und Syntax, als Vokabular, sondern als die ganze Art und Weise des Sprechens, der Charakter dessen, wie gesagt wird, was gesagt wird. Gestik, Ausdruck, Zitierung, Wiederholung - auch das sind Teile von Sprache. Nicht der geringste von ihnen ist das Schweigen: was nicht gesagt wird in dem, was gesagt wird; was zu sagen bleibt; was noch gesagt werden muß; was nicht gesagt werden kann; was in seinem Gesagt-werden als verhüllt gesagt wird. Wenn unter Schweigen in der Kirche der Meßkanon (oder das Wandlungsgebet) vom Priester in bloßem Flüsterton gesprochen wird - wer weiß dann noch nicht und versteht instinktiv, was gesagt wird? Ich höre diese Worte kaum je laut, und doch kenn ich ein jedes ganz genau, und es spricht zu mir ein jedes Mal, wo es gebetet wird. Es muß nicht laut gesagt werden, um verstanden zu werden." (Laurence Paul Hemming: Worship as a Revelation.- London: Burns & Oates, 2008, 141 f., eigene Übersetzung)

I never said I wouldn't mention the Olympics on this here blog...



(via FreeMarkSteyn)

Ach du lieber Himmel!

Ich bin da völlig inkompetent, und trotzdem liege ich bei google.de auf dem Bronzeplatz, wenn man (also wahrscheinlich: Mann) nach "reizmittel zum sex für frauen" sucht.

So viel zur Relevanz von Suchergebnissen.