Anerkennend und fasziniert stehe ich vor jenem Redakteur meiner lokalen Zeitung, der es fertig brachte, ein Messiaen-Konzert lobend zu rezensieren und dabei auch den Jubilar - am 10. Dezember ist der 100. Geburtstag des Komponisten - ausgiebig und wortreich zu würdigen, die mystische, biblische, apokalyptische Komponente seines Werkes zu erwähnen, sein Interesse für Vogelstimmen, Östliches, Mathematisches, Diatonisches zu streifen - und dabei konsequent jenes eine, einzige, unerläßliche, unvermeidliche Adjektiv zu umschiffen, das im Zusammenhang mit Monsieur Messiaen immer fällt, immer fallen muß. Außer eben im Aschaffenburger Main-Echo.
31. Oktober 2008
Zukünftiges Lob
Gute Ideen soll man irgendwo schriftlich fixieren, wenn man sie nicht unmittelbar verwenden kann.
Hier also der Vorschlag von Frau scipio für die Rückseite meines Sterbebildchens:
"Er war doch nicht so schlimm."
Wer hat's gesagt?
Wer gegen die Wahrheit des apostolischen Ablasses spricht, der sei verworfen und verflucht."
30. Oktober 2008
Franz Wright: Letter
I am not acquainted with anyone
there, if they spoke to me
I would not know what to do.
But so far nobody has, I know
I certainly wouldn't.
I don't participate, I'm not allowed;
I just listen, and every morning
have a moment of such happiness, I breathe
and breathe until the terror returns. About the time
when they are supposed to greet one another
two people actually look into each other's eyes
and hold hands a moment, but
the church is so big and the few who are there
are seated far apart. So this presents no real problem.
I keep my eyes fixed on the great naked corpse, the vertical
corpse
who is said to be love
and who spoke the world
into being, before coming here
to be tortured and executed by it.
I don't know what I am doing there. I do
notice the more I lose touch
with what I previously saw as my life
the more real my spot in the dark winter pew becomes—
it is infinite. What we experience
as space, the sky
that is, the sun, the stars
is intimate and rather small by comparison.
...If only I could tell someone.
The humiliation I go through
when I think of my past
can only be described as grace.
We are created by being destroyed.
Und es wird sein...
Karl Rahner sj:
Seele, vergiss nicht der Toten!
Ruf sie heute in dein Herz,
höre ihr Schweigen,
lerne von ihnen das eine Notwendige,
feiere das Fest aller deiner Heiligen.
Dann wird der Gott aller Lebendigen
auch uns Tote nicht vergessen,
und er wird einmal auch unser Leben sein.
Und es wird sein
ein einziges, ewiges Fest aller Heiligen.
(via CiG)
29. Oktober 2008

ante volat causia*
alta versus sidera
(via Father Zuhlsdorf)
* O.K., was da fliegt, ist ein pileulus, aber es heißt nun einmal causia in der Übertragung dieses bekannten Gedichts.
P. Otto Messmer - P. Victor Betancourt
Gedenken wir heute abend mit der Gesellschaft Jesu der beiden in Moskau ermordeten Patres Otto Messmer und Victor Betancourt.
Requiem aeternam dona eis, Domine,
et lux perpetua luceat eis.
Te decet hymnus, Deus, in Sion,
et tibi reddetur votum in Jerusalem.
Exaudi orationem meam,
ad te omnis caro veniet.
Requiem aeternam dona eis, Domine.
Ökumenerätsel
Welchen Begriff erklärt Bischof Wolfgang Huber folgendermaßen:
Auch wer Sch... gebaut hat, bleibt eine Person mit Menschenwürde, die ihm niemand nehmen kann. Das ist - ja was denn?
Evelyn und englische Legalisten
Gina Thomas mit einem ausführlichen Bericht zur Lage in England im Jahr 1 post Summorum Pontificum in der FAZ. Zu Wort kommen u.a. Evelyn Waugh, Sebastian Flyte und Damian Thompson.
Nichts macht deren Ablehnung der Reformen Benedikts XVI. so deutlich wie der Affront gegen den ihm nahestehenden Kurienkardinal Dario Castillón Hoyos, als dieser im Sommer als erster Kardinal seit fast vierzig Jahren in der Kathdrale von Westminster ein Pontifikalamt nach dem alten Missale hielt. Die Bischöfe blieben dem Ereignis allesamt fern, Kardinal Murphy-O'Connor eingeschlossen, der zuvor beim Vatikan gegen eine Lockerung der Unterbindung der traditionellen Messe eingetreten war. (...) Ein Kritiker bemerkte jedoch, es sei in etwa so, als wenn ein Generalstabchef als Ehrengast zum Vorbeimarsch einer Division geladen gewesen sei und weder der Divisionskommandeur noch dessen Brigadekommandeure sich hätten blicken lassen.
Bezeichnend sind auch die gewundenen legalistischen Erläuterungen, welche liberale Diözesanbischöfe zum „scheinbaren Rückschritt“ des Papstes verteilen, um der Verbreitung des alten Ritus entgenzuwirken. Einige von ihnen haben offenbar nicht begriffen, dass sich das Apostolische Schreiben Benedikts XVI. nicht zur Interpretation anbietet, sondern Gesetz ist. Während Priester bislang bei ihrem Bischof eine besondere Erlaubnis einholen mussten, um die alte Messe feiern zu dürfen, hat sie das Motu Proprio befreit. Dennoch müssen Priester, wie einer von ihnen im Gespräch verriet, immer noch Repressalien fürchten, wenn sie die außerordentliche Form des Gottesdienstes wählen.
28. Oktober 2008
Wer fragt wen an?
Die kna meldet aus Brüssel:
[Der katholische belgische Kirchenrechtler Rik] Torfs sagte, ihm fehlten im derzeitigen öffentlichen Diskurs die Stimmen von Theologen mit Format. Durch Jahrzehnte der Anpassung der Gelehrten ans kirchliche Lehramt hätten sich viele Theologen in die Irrelevanz geflüchtet. „Sie betreiben eine Theologie, die nicht mehr anstößig ist, aber die auch keinen mehr interessiert“, sagte der Kirchenrechtler. Dabei gebe es in der Gesellschaft, besonders unter Kreativen und Intellektuellen, wieder ein Interesse an Religion, das sich oft in unkonventionellen Anfragen ausdrücke.
Die Meinung sei ihm unbenommen, aber nachdem ich heute die beiden Thomas Meinecke-Bücher "Ratzinger-Funktion" und "Jungfrau" in der Buchhandlung meines Vertrauens abholen und bei intensivem Blättern ein höchst erstaunliches, wenn auch sich "in unkonventionellen Anfragen" ausdrückendes Interesse an einer katholischen Theologie bemerken konnte, die sich bewusst "ans kirchliche Lehramt" anpasst - ich sage nur: Ratzinger und Balthasar -, vermag mich dieser ach so eingängige Satz nicht zu überzeugen. Das eigentlich Interessante am Christentum sind längerfristig nicht die Dissidenten und Häretiker, sondern jenes uralte Ungetüm namens Orthodoxie.
(Zu Torfs' Zitat gelangt via glaubenssache)
Hoffnungsperle
Thomas "Thommy" Gottschalk über seine Korrespondenz mit Elke Heidenreich (via SpOn):
Unser Briefwechsel befindet sich auf hohem literarischem Niveau, ist aber privat und wird es bleiben.
Solche Sätze machen unsern Tag hell!
27. Oktober 2008
Kirchenamtlich profillos
Aus den Kommentaren hochgeholt: ein Hinweis von P. Recktenwald auf den Kommentar von Bernhard Müller (Chefredakteur des PUR-Magazin) zur Medienpolitik der deutschen Bischöfe.
Auszüge:
Einige Bischöfe wollen offenbar, dass das gesamte kirchliche und katholische Medienfeld nur noch von “Profis” beherrscht wird, die sie eingesetzt und auf ihrer Gehaltsliste haben. Von diesen “Profis” fehlt aber leider vielen die Vorliebe für das speziell Katholische, auf Marien- und Heiligenverehrung reagieren sie nicht selten allergisch, sehen im Vatikan meist nur eine mittelalterliche Macht- und Zensurbehörde und ihren missionarischen Eifer richten sie nahezu ausschließlich auf Ökumene, umwelt- und entwicklungspolitische Debatten oder Einbürgerungsfragen.
Dieser in der katholischen Medienlandschaft weit verbreitete kirchenamtliche Funktionärsjournalismus schämt sich allzu oft des katholischen Glaubens mehr als er ihn bekennt. Mancher Kirchenredakteur wirkt neidisch auf die Kollegen, die im säkularen Bereich eine Anstellung gefunden haben, die bei SPIEGEL, STERN und den Fernsehanstalten in Brot und Lohn stehen. Daher auch das ständige Bemühen nicht als katholisch, sondern als weltoffen wahrgenommen zu werden. Dass dabei jedes Profil verloren geht, die wahren Schätze der Kirche und des Glaubens vergraben statt gehoben werden, braucht nicht zu verwundern. Verwundern muss allerdings, dass die verantwortlichen Bischöfe nach weit mehr als 20 Jahren einschlägiger Erfahrung nicht sehen wollen, wohin ihre subventionierte Medienarbeit führt. Die Entfremdung der Bevölkerung zur Botschaft des Evangeliums und die Unwissenheit über den Glauben nehmen ständig zu.
Aggiornamento der Soggy Bottom Boys
Die besten Szenen und der schlechthinnige Hit aus "O Brother, Where Art Thou?", versetzt mit einem guten Schuß Gwen Stefani.
(via NPR - Monkey See)
26. Oktober 2008
Das war gar nicht fein
Ich frage mich ja schon, warum man diesen Beitrag der Jacob-Sisters zum Deutschen Schlager-Wettbewerb 1969 hierzulande nicht öfters hört, weder im Lokalfunk noch in der Fasenacht. Ist doch nichts Ehrenrühriges, wenn "auf dem Wege nach Aschaffenburg" Affen durchbrennen.
Arme Kirche
Aus einer deutschen Pfarrei mit vergleichsweise leichten Finanzproblemen:
"Bei vierzehn von 52 Kollekten im Jahren müssen wir das Geld abführen. Nur von 38 Kollekten dürfen wir das Geld für unsere Zwecke behalten."
Zu den vierzehn zählen u.a. die Sammlungen für Misereor, Adveniat, Missio, Renovabis, das Heilige Land und der Peterspfennig
Merke: Nicht überall bedeutet katholisch weltweit.
Das interessantere Angebot
Durch Kallscheuers Kolumne in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung bin ich auf den neuen Roman von Thomas Meinecke aufmerksam geworden, der sich, mit allen möglichen -ismen gewaschen, auf urkatholisches Gelände vorwagt.
Aus einem Meinecke-Interview mit der jungle-world ein paar schöne Sätze, die uns an sich nicht unbedingt überraschen, weil wir schon vorher von ihrer Richtigkeit überzeugt waren (obschon wir einige Akzente anders setzen würden als der Literat und Musiker):
Deswegen bin ich auch ein Gegner der Ökumene, weil es ein Unterschied ums Ganze ist, ob man wie die Katholiken sagt, dass die Hostie das Fleisch Christi ist, oder wie die Protestanten, dass es das nur irgendwie bedeutet.
Ich finde sein verlogenes Modell der Entsagung, das durch das System von Sünde und Beichte dem Menschen ermöglicht, in einen endlosen Kreislauf eintreten zu können, das interessantere Angebot, interessanter als das hehre Kalt-Niederduschen im Protestantismus. Der Katholizismus hat einiges anzubieten.
Der Katholizismus entlässt eben niemanden aus der Gnade, als Katholik ist man gnadenlos in der Gnade gefangen.
Wenn ich etwas am Katholizismus interessant finde, dann die Dogmen und nicht das, was man im Duftölverlag kaufen kann.
Herr S.
Wenn man nach den eigenen Vorbildern gefragt wird, nach Menschen, die einen positiv geprägt haben, dann denkt man an die big shots oder die besonderen Menschen, denen man im Leben begegnet ist.
Nicht so prominent, aber in summa nicht weniger prägend, sind die vielen Menschen, mit denen man nur hin und wieder zu tun hatte und die auf den ersten Blick nicht hervorstechen.
Nehmen wir z.B. Herrn S.: Das ganze, große Dorf kennt ihn: Aus einer einheimischen Familie stammend, 1919 geboren, im Zweiten Großen Krieg vermutlich kaum zu Hause, nach dem Krieg Heirat und Familiengründung, vier Kinder, die alle was geworden sind, Metzgermeister und Kirchenorganist. Ein bescheidener Mann, der sich nicht in den Vordergrund drängt. Einer, der seine Pflicht erfüllt - was für seine Organistentätigkeit heißt: Frühmessen, Abendmessen, wenig Sonntagmessen (weil dann die "richtigen" Organisten spielen, die mit Ambitionen oder Studium), Hochzeiten, Taufen, Begräbnismessen. Kurzfristig einspringen, auch vor Geschäftsschluß, kurzfristig verzichten, wenn ein besserer auftaucht. Über vierzig Jahre lang. Auch im Alter noch, wenn Konzentration und Gedächtnis nachlassen und man öfters daneben greift (und es selber merkt): gebraucht werden und sich brauchen lassen.
Wichtiger aber als all das ist noch seine Person: Offen, unkompliziert, verschmitzt, humorvoll, freundlich, zurückhaltend, zuvorkommend, selbstbewusst. Arbeitsam und fleißig - was auch sonst, wenn man einen eigenen Metzgerladen hat. Seinen Mann stehend unter Männern, korrekt-charmant zu Frauen (sagt die meinige). Als die Stimme im Alter nachlässt, sprechen die Augen umso mehr, freuen sich und funkeln.
Gestern am frühen Morgen ist Herr S. nach kurzer Krankheit gestorben. Zur Trauer um einen guten Menschen kommt Dankbarkeit und Freude.
25. Oktober 2008
Samstägliche Bemerkung
Einer der wenigen Nachteile, wenn man eine aktiven, gesunden, fleißigen Vater oder Schwiegervater hat, der in Ruhestand ist: Man kommt höchst selten dazu, sein Holz selber zu hacken.
Umso besser, wenn man es dann bei herrlich frischem sonnigen Herbstwetter tun kann. Und wenn die Axt taugt und der Klotz fest steht.
"Unser Recht auf Abtreibung sichern"
Komisch und erschütternd gleichzeitig, wenn eine Frau, die wohl eher zufällig, jedenfalls nicht aufgrund irgendeines Rechtsanspruches, ihre Zeit als Baby im Mutterleib überlebt hat, richtige Politik immer und zuerst daran festmacht, daß - wenn es hart auf hart kommt - andere kleine Menschlein nicht lebendig den Uterus verlassen dürfen.
Das Spiegel-Interview mit der "Feministin" Katha Pollitt zeigt, daß nicht nur Pro-Lifer wissen, was demnächst in den USofA auf dem Spiel steht.






