Wir sind hier nicht monothematisch und wollen nach einigen Exkursen in die Gegenwart nun wieder mehr zum Seelenheit unserer Leser beitragen und ihnen - wie gewohnt und in guter alter Christentradition - tüchtig Angst einjagen.
Wer will, darf es natürlich auch gern weiterhin mit dem total vorkonziliaren Fräulein Martin halten, "nicht einen Strohhalm" aufheben, "um das Fegfeuer zu meiden" und stattdessen alles tun, "um dem lieben Gott Freude zu bereiten".
9. Januar 2009
Noch ein Grund mehr
Ein Arzt ist ein Arzt ist ein Arzt.
Aber nicht immer.
Zum Beispiel: Mads Gilbert, den aktuell die ganze Welt kennt, weil er direkt aus Gaza über das dortige Leid berichtet. Als Arzt. Und damit als Respektsperson. Neutral. Hilfsbereit. Im Dienst der Menschen. Und nicht als Knecht einer Ideologie. Denkt man.
Nebenbei ist Mads freilich ein linker, um nicht zu sagen: kommunistischer Politiker. Einer, der Terror gut heißt. Einer, für den alles politisch ist, auch seine Medizin.
Die FAZ weist heute in einem kurzen Artikel darauf hin. Und in der norwegischen, schwedischen, englischen Wikipedia lässt sich auch alles nachlesen.
Mads wird weitersenden, über alle Kanäle, über die westliche nützliche Idiotenpresse. Wir werden ihm glauben. Kann ein Arzt lügen?
8. Januar 2009
Daneben
Als gewählter Politiker oder angestellter Journalist hätte Kardinal Martino mit seinem Vergleich ("Guardiamo le condizioni di Gaza: assomiglia sempre più ad un grande campo di concentramento." - auf deutsch referiert hier) Probleme. Er ist aber keines von beiden, sondern nur ein Kardinal.
So schweigen wir beschämt (ohne das Leid in Gaza zu vergessen, genauso wenig wie die Opfer auf der anderen Seite), während andere auf ihre Art den Unterschied zwischen da und dort, zwischen damals und jetzt klarmachen.
Gedicht für ein neues Zeitalter
Die FAZ berichtet, daß Barack Obama die noch nicht allzu alte Tradition des Inaugural Poet wieder aufgreift und als Poetess für seine Amtseinführung Elizabeth Alexander ausgewählt hat.
Der erste Inaugural Poet war 1961 Robert Frost, der für John F. Kennedy "Dedication" schrieb, es aber dann nicht vortrug: Die vom Schnee reflektierte Sonne blendete den 86jährigen Frost so sehr, daß er den Text nicht ablesen konnte und stattdessen auf "The Gift Outright" zurückgriff - das beherschte er auswendig.
"Dedication" endet mit den Zeilen
A golden age of poetry and power
Of which this noonday's the beginning hour.
Goldenes Zeitalter von Poesie und Macht,
An diesem Mittag seine Anfangsstunde.
Nun ja, ganz sicher nicht Frosts Meisterstück und keine goldene Stunde für die Dichtung, wie auch die NY Times meint. Bei Elizabeth Alexander muß sich die Nation (und die sicher ebenfalls in Massen zuschauende Welt) vielleicht nicht gerade auf hohen Ton, aber doch auf vorauseilenden Applaus gefasst machen. Am 20. Januar wird das niemanden stören.
Praktische Philosophie des Gewissens
Robert Spaemann über das Gewissen im allgemeinen und das der Famosen Vier in Hessen im speziellen: "Das Gewissen hat seine Gründe" (FAZ)
Was Afrika braucht
Damit Afrika nicht (endgültig) zum Opfer einer bösartigen Fusion von Nike, Hexerei, Handy und Machete wird, empfiehlt Matthew Parris in der Times - of all things - das Christentum:
"Now a confirmed atheist, I've become convinced of the enormous contribution that Christian evangelism makes in Africa: sharply distinct from the work of secular NGOs, government projects and international aid efforts. These alone will not do. Education and training alone will not do. In Africa Christianity changes people's hearts. It brings a spiritual transformation. The rebirth is real. The change is good.
I used to avoid this truth by applauding - as you can - the practical work of mission churches in Africa. It's a pity, I would say, that salvation is part of the package, but Christians black and white, working in Africa, do heal the sick, do teach people to read and write; and only the severest kind of secularist could see a mission hospital or school and say the world would be better without it. I would allow that if faith was needed to motivate missionaries to help, then, fine: but what counted was the help, not the faith.
But this doesn't fit the facts. Faith does more than support the missionary; it is also transferred to his flock. This is the effect that matters so immensely, and which I cannot help observing. (...)
Those who want Africa to walk tall amid 21st-century global competition must not kid themselves that providing the material means or even the knowhow that accompanies what we call development will make the change. A whole belief system must first be supplanted.
And I'm afraid it has to be supplanted by another. Removing Christian evangelism from the African equation may leave the continent at the mercy of a malign fusion of Nike, the witch doctor, the mobile phone and the machete."
Father Richard John Neuhaus - R.i.p.

Einer der besten draußen auf der Agora, katholischer Priester, ehemaliger lutherischer Pastor, Bürgerrechtler, Präsidenten- und Papstberater, Journalist, Theologe, Theocon, Kolumnist, Print-Blogger - und für mich seit über 10 Jahren mit seinem "Public Square", einem "Survey of Religion, Culture, and Public Life" ein monatlicher Begleiter.
Er ruhe in Gottes Frieden!
"Come. Everything is ready now. In your fears and your laughter, in your friendships and farewells, in your loves and losses, in what you haven been able to do and in what you know you will never get done, come, follow me. We are going home to the waiting Father.
Kommt. Alles ist jetzt bereit. In euren Ängsten und eurem Lachen, euren Freundschaften und Abschieden, eurer Liebe und euren Verlusten, in dem, was ihr tun konntet, und dem, was ihr - ihr wisst es - nie werdet abschließen können, kommt, folgt mir. Wir gehen heim zum wartenden Vater." (RJN: Death on a Friday Afternoon.- New York: Basic, 2001, S. 260)
7. Januar 2009
Musik für harte Zeiten - Folge 3
Mir fiel heute auf, daß ich eigentlich unbeabsichtigt eine Reihe mit Liedern begonnen habe, die zu den harten und kalten und grausamen Zeiten passen, die wir kommen fürchten. Oder teilweise auch schon erleben.
In dieser Reihe darf ein Stück nicht fehlen: James Taylor, Yo Yo Ma und Mark O'Connor mit "Hard Times", einem Klassiker von Stephen Foster.
Es gibt unzählige Interpretationen dieses Liedes, aber mir gefällt diese getragene und langsame, in hervorragender Besetzung, am besten. (Alternativ: Bob Dylans Version via RightWingBob)
Musik für harte Zeiten:
Folge 1: Mississippi John Hurt: You Got To Walk That Lonesome Valley
Folge 2: Sheryl Crow: No Depression
6. Januar 2009
Die Astrologie an ihrem Ende
Weil um die Jahreswende die Astrologen wieder Konjunktur hatten und überall zu Wort kommen durften, schlage ich eine Neuinterpretation des matthäischen Epiphanieberichts vor: Die Sterndeuter, Wahrsager und Astrologen beugen sich hier vor dem Unvorhersehbaren, dem Anders-als-Erwarteten. Vor dem, der sein Leben nicht meistert, plant, aktiv gestaltet, sondern es Tag für Tag aus der Hand seines Vaters entgegennimmt. Vor dem, der gekommen ist, den Willen Des Anderen zu tun, und nicht den eigenen. So weise, so sternenkundig, so eingeweiht in die Geheimnisse von Weltenlauf und kosmischen Kreisläufen können sie gar nicht sein, daß sie ahnen, was einem Simeon und einer Hannah klar ist: Daß dieses Messiaskind nicht im Triumphzug in die Heilige Stadt einzieht und seine tausendjähriges Gottesreicht errichtet, sondern am Kreuz, vor der Stadt verendet.
10 min Geschichtstunde ...
... in Sachen Palästina, Israel etc.:
Ich schließe mich Lilas Rat an, die Lautsprecher auszuschalten.
Und bete für Frieden.
Wieder Kreuzigungen in Palästina?
Es ist wohl nicht ganz so eindeutig, wie Mark Steyn schreibt, daß die Hamas vor WEihnachten in dem von ihr kontrollierten Gaza-Gebiet ein neues Strafrecht in Kraft gesetzt habe, das neben Strafarten wie Auspeitschen, Hand abhacken auch die Kreuzigung wieder einführt. Vgl. dazu einmal hier, daneben und dagegen aber hier. Nun ist aufgeschoben nicht aufgehoben, und was diskutiert wird, ist noch nicht vom Tisch.
5. Januar 2009
Vatikanische Einseitigkeiten
Leider Gottes muß dem letzten Posting noch ein anderes nachgeschoben werden: Auch der Vatikan selber ist nicht nur zurückhaltend, sondern einseitig und sozusagen überpünktlich, wenn es um den Nahen Osten geht.
Sandro Magister gibt eine gute Zusammenfassung: In Gaza, the Vatican Raises the White Flag.
But the general policy has remained the same. Of course, the authorities of the Catholic Church do not defend the existence of Israel – which its enemies want to annihilate, and is ultimately at stake in the conflict – with the same explicit, powerful determination with which they raise their voices in defense of the "nonnegotiable" principles concerning human life.
This has been seen in recent days. The authorities of the Church, and Benedict XVI himself, have raised their voices in condemnation of "the massive violence that has broken out in the Gaza Strip in response to other violence" only after Israel began bombing the installations of the terrorist movement Hamas in that territory. Not before. Not when Hamas was tightening its brutal grip on Gaza, massacring the Muslims faithful to president Abu Mazen, humiliating the tiny Christian communities, and launching dozens of rockets every day against the Israelis in the surrounding area.
About Hamas and its vaunted "mission" of wiping the Jewish state from the face of the earth, about Hamas as an outpost for Iran's expansionist aims in the Middle East, about Hamas as an ally of Hezbollah and Syria, the Vatican authorities have never raised the red alert. They have never shown that they see Hamas as a deadly danger to Israel and an obstacle to the birth of a Palestinian state, in addition to its being a nightmare for the Arab regimes in the area, from Egypt to Jordan to Saudi Arabia.
Pünktliche Einladung zum Friedensgebet
Eigentlich ja logisch, daß in einer Kirche, in der nicht nur Herr Breitenbach denkt: "Jesus wäre heute ein Palästinenser", die Friedensgebete für "Gaza, Palästina und Israel" erst mit dem israelischen Gegenschlag beginnen - und nicht schon im Dezember, bei der - sagen wir - 122. Rakete auf Südisrael.
4. Januar 2009
Daumenkalender 2009
Nachdem ich im vergangenen Jahr einen Leihkalender benutzt habe, klebt für 2009 ein eigener im Notizbuch - für die platzsparende und schnelle Orientierung in den nächsten 12 Monaten.
In der ersten Spalte finden sich die Monate, in der zweiten die Abkürzung des Wochentages, auf den der jeweilige Monatserste fällt, in der dritten der Tag, auf den der erste Sonntag im Monat fällt. Mit ein bißchen Kopfrechnen
Link zur pdf-Druckvorlage bei savefile.
3. Januar 2009
Innere Größe
Father Richard John Neuhaus in seiner monatlichen Kolumne in First Things (Jan 2009):
"It has been said by many, for many have discovered it to be true, that the Catholic Church is ever so much larger from the inside than from the outside. And, the longer one has been on the inside, the more one realizes that there are rooms, galleries, ballrooms, and wings leading to wings that one will never have time to explore until the whole splendid thing is transformed into the New Jerusalem and then there will be time enough."
"Viele haben es gesagt - denn viele haben entdeckt, daß es stimmt - daß die Katholische Kirche von innen um so viel größer ist als von außen. Und je länger man drinnen gewesen ist, desto mehr erkennt man, daß es Räume, Gallerien, Ballsäle, Flügel gibt, die zu wieder anderen Flügeln führen, die man nie die Zeit haben wird zu erkunden - bis die ganze glänzende Sache in das Neue Jerusalem verwandelt wird. Und dann wird Zeit genug sein."
Zum gesundheitlichen Zustand von Fr. Neuhaus hier eine Info. Es möge weiter gebetet werden.
2. Januar 2009
Ominös
Wenn einer der ersten Menschen, der am frühen Neujahrsmorgen von rechts deinen Pfad kreuzt, ein römisch-katholischer Diakon in Soutane ist, dann kann das Jahr doch wohl nur gut werden, oder?
(Man merke: Jetzt, wo die FAZ im Wirtschaftsteil der letzten Wochen die Apokalypse beschworen hat, versuche ich, die Naherwartung zu dämpfen...)
Jahresleseleistung
Ich lese im Jahr so etwa 50 Bücher, mal ein paar mehr, mal ein paar weniger. Und eigentlich, dachte ich, stehe ich im allgemeinen Vergleich ganz gut da.
Wie es scheint, wenn man Karl Rove im Wall Street Journal glaubt, entspricht das der Buchleseleistung des noch amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten. Und ab 2009 wird er wohl uneinholbar davon ziehen.
Das Triple-G-Problem für Dummies
Die Gott-Gehirn-Gen-Debatte ist mir ja - momentan - viel zu komplex; da kommt ein reduktionistischer Ansatz wie der von Prof. John Cleese gerade recht. Er scheint mir ein bißchen zu sehr auf die überholte Ein-Gen-ein-Protein-Hypothese zurückzugreifen, erfasst dafür andere Sachverhalte sehr prägnant:
(Ein Vergelt's Gott an den Curt Jester)








