10. November 2009
8. November 2009
I'm ready to meet my Savior
Wir nähern uns dem Ende des Kirchenjahres - da darf die Musikauswahl ruhig etwas eschatologisch sein. Nicht bibbernd, mind you, sondern vertrauensvoll-entschlossen. So wie die Nitty Gritty Dirt Band zusammen mit Vince Gill: I'am all prayed up.
Kirche und Welt
"I think that the Church is the only thing that is going to make the terrible world we are coming to endurable; the only thing that makes the Church endurable is that it is somehow the body of Christ and that on this we are fed."
["Ich glaube, die Kirche ist das einzige, was die schreckliche Welt, in die wir gerade gelangen, erträglich macht; das einzige, was die Kirche erträglich macht, ist, daß sie irgendwie das Leib Christi ist - und daß wir uns davon nähren."]
Das stammt von Flannery O'Connor - vermutlich als sie gerade lange über das Geheimnis des Pfaus meditiert hatte. :-)
(Quelle)
Sterben mit Handkuß
Paul Ingendaay erzählt auf faz.net von der Todesstunde, die dem spanischen Schriftsteller Francisco Ayala, man darf ruhig sagen: geschenkt wurde.
Tröstlich, daß es auch das gibt.
Deutschkatholische Peinlichkeiten
Mir kommt der Mainzer Kardinal in den Sinn, wenn ich bei Radio Vatican lese, wie die Herren Bayerlein und Glück in Sachen ZdK und Donum Vitae herumeiern: Den leitenden Donum Vitae-Mitarbeiter Glück zum Zentralkomitee-Vorsitzenden wählen, der dann den Kritikern des gleichen Vereins gegenüber "neutral" bleiben wird - das ist schon ein bißchen so, wie einen Schein ausstellen, der sagt, daß er nicht seiner einzigen Bestimmung gemäß gebraucht werden darf...
Wen verkauft das ZdK da eigentlich für dumm?
Kommentar zum Kruzifix-Urteil
Kardinal Ratzinger kommentiert 1995 im Gespräch mit Peter Seewald das damalige Karlsruher "Kruzifix-Urteil":
Link zum mp3 von Radio Vatican
Katholische Schriftsteller, nicht bei der Arbeit - Folge 3
Hier sehen wir Flannery O'Connor, schon an den Krücken, zu denen sie ihre Krankheit zwang, zusammen mit einem ihrer geliebten Pfauen. Ihre "sakramentale Imagination" ließ sie, mindestens in ihren Geschichten, aber wohl auch in ihrem Leben, in diesem "König der Vögel" mehr sehen als ein besonders auffällig befiedertes Mitgeschöpf: In ihrer Geschichte "The Displaced Person" (dt. mit dem Titel "Leute von drüben") ist der Pfau eines der zentralen Symbole für Unseren HErrn.
(Mehr zum Thema: David R. Mayer: Flannery O'Connor and the Peacock (Asian Folklore Studies 1976; 35(2): 1 - 16)
7. November 2009
Ein orthodoxer Bischof bei der Arbeit
Wir mögen ganz klar den besseren Papst haben, aber im Vergleich zu Metropolit Kallistos Ware von Diokleia sind wohl viele von unseren Bischöfen ziemlich blaß...
Aufgabenliste, nicht nur für Bischöfe
Augustinus hat sie sich am Jahrtag seiner Bischofsweihe einmal vorgelesen:
"- Corripiendi sunt inquieti
- pusillanimes consolandi
- infirmi suscipiendi
- contradicentes redarguendi
- insidiantes cavendi
- imperiti docendi
- desidiosi excitandi
- contentiosi cohibendi,
- superbientes reprimendi
- desperantes erigendi
- litigantes pacandi
- inopes adiuvandi
- oppressi liberandi
- boni approbandi
- mali tolerandi
- omnes amandi" (sermo 340, 3 - Quelle)
[ "- Ruhelose zusammenzureißen
- Kleinmütige trösten
- sich der Schwachen annehmen,
- Gegner widerlegen,
- sich vor Nachstellungen hüten,
- Unwissende belehren,
- Träge wachrütteln
- Händelsuchende zurückhalten
- Eingebildeten den rechten Platz anweisen
- Verzweifelte aufrichten
- Streitende besänftigen
- Armen helfen
- Unterdrückte befreien
- Gute ermutigen
- Böse ertragen
- alle lieben" (Quelle der Übersetzung, verbessert nach berechtigten kritischen Anmerkungen von Kunst, Kitsch und Krempel]
Sufjan: Unterwegs zwischen Brooklyn und Queens
Sufjan Stevens, wir haben es längst geahnt, hat sein 50-Staaten-Projekt aufgegeben. "The whole premise was such a joke, and I think maybe I took it too seriously. I started to feel like I was becoming a cliché of myself", sagte er jetzt dem Paste Magazine.
Wie hätte es auch weitergehen sollen, wenn schon für Staat Nr. 2 das perfekte Album schlechthin entsteht: Die Reise durch Amerika fand ihr schnelles und glückliches Ende in Illinois.
Natürlich ist Sufjan Stevens nach dem Besten Album der Dekade 2000 - 2009 nicht untätig, auch im eigenen Namen nicht. (Seine Produzentenschaft für die 2-Personen-Gospel-Folk-Gruppe Welcome Wagon habe ich hier ja schon erwähnt.)
Nur begnügt er sich jetzt mit Fahrten in die Nachbarschaft. The BQE heißt sein neuestes Werk und ist eine "cinematic suite" (whatever this may exactly be...) über den Brooklyn-Queens-Expressway.
Man muß den Vergleich mit einem Wagnerschen Gesamtkunstwerk nicht gleich glauben, um neugierig zu werden.
4. November 2009
Vor der Zeit
Bei den Lebkuchen und anderem Weihnachtsgebäck hat mir das Widerstehen bisher keine Mühe gemacht.
Schwach wurde ich allerdings, als mein Lieblings"kreppel"bäcker heute schon mit seinem kompletten Fasenachtssortiment aufwartete: Der erste Kreppel der noch gar nicht begonnenen Kampagne war fällig.
Aus dem Nachtgebet des hl. Gregor von Narek
"Im Schweigen dieser Mitternacht hebe ich
meine Hand zu Dir für das
gesegnete Zeichen Deines Kreuzes, Quelle des Sehens,
die nicht verblasst in der Dunkelheit des Unwissens,
sondern auf ewig wohnt im unnahbaren Licht.
Mit dankbarem Herzen flehe ich,
daß Du diese trauernde Seele
unter den Schutz Deines allmächtigen Flügel nimmst.
Rette mich vor dem Ansturm äußerlicher Illusion.
Statte das Auge meines Herzen aus mit reinem Licht.
Stärke mich mit Deinem Kreuz, dem Holz des Lebens, gegen die Albträume.
Segne die Grenzen meiner Zelle mit Tropfen Deines lebensspendenden Blutes.
Heilige meine Schwelle mit dem Wasser und dem Blut aus Deiner Seite.
Möge das Dach meiner Bleibe die Gestalt Deines Kreuzes tragen.
Möge das Wunder Deines Opfers für unser Heil
vor meinen erhobenen Augen erscheinen.
Möge das Werkzeug Deiner Qual auf meiner Tür befestigt sein.
Mögen mein Glaube und meine Hoffnung an Deinem gesegneten Baum hängen.
Mit Deinem Kreuz, Herr, halte auf den Töter der Seelen.
Lasse eintreten den Schutzherrn des Lichts.
Lindere die Schwere meiner Schmerzen
und erleichtere die Bürde meiner Schuld.
In der stillen Kammer, wo sich mein Geist sammelt
auf dem Kissen meines Bettes,
sich erinnert an die bitteren Früchte der Verzweiflung,
bekenne ich Dir, allwissender Gott, meine unzähligen Taten bösen Frevels in all ihren Formen."
(Quelle)
Gregor von Narek, der unübersetzte
Im Oktober 2008-Heft von "One", der Zeitschrift von CNEWA bzw. Catholica Unio, fand ich letzhin ein "Gebet aus dem Buch der Klagelieder des Hl. Gregor von Narek".
Neugierig machte ich mich auf die Suche im Web und fand wohl eine komplette englische Version dieses Gebetes wie auch des ganzen Buches, doch auf deutsch: Fehlanzeige.
Auch der Katalog der Deutschen Nationalbibliothek hat wohl einen Datensatz für die Person "Grigor Narekac'i", aber kennt keine Übersetzung des Werkes.
Falls die doch existiert, entschuldige ich mich. Falls aber nicht, ist das eine echte Marktlücke...
3. November 2009
Kommentar zu den Anmerkungen zum "Lieblingsdogma"
Familie Hradetzky hat einige wichtige Anmerkungen zu meinem "Lieblingsdogma"-Post gemacht, und da ich dort nicht kommentieren kann, will ich es hier tun.
Meine Darstellung der lutherisch-reformatorischen "Soli" war 1. nicht unbedingt nötig und 2. gewiss nicht erschöpfend. Mindestens in meinen Ohren klangen und klingen sie allerdings immer mehr exklusiv als priorisierend. Aber nicht darum soll es ja gehen.
Richtig ist freilich, daß nicht alles die Wahrheit des Einen gleichermaßen dicht, klar, direkt ausspricht oder verkörpert. Insofern ist die "Hierarchie der Wahrheiten" eben auch nicht nur papieren, sondern real.
Ich denke, daß ich an diesem Text, der mir aus verschiedenen Gründen wichtig ist, noch weiterarbeiten werde - so, wie er da steht, ist er mißverständlich, die einzelnen Ideen (Einsichten?) müssten klarer von einander abgegrenzt bzw. ineinander überführt werden und nicht - wie geschehen - einfach in eine Assoziationssuppe hineingerührt werden.
Einstweilen viele Grüße vom Randunterfränkischen ins Bayerische!
2. November 2009
Verzweiflung ist eine Sünde ...
aber den Blues dürfen wir schon haben. Bukka White lässt sich nicht lumpen:
Das Lieblingsdogma der Pfarrsekretärin
Nachdem ich meinen Glauben nicht nur von meinen Eltern oder Religionslehrern gelernt habe, sondern auch von Joseph Kentenich und seiner Schönstatt-Bewegung, ist es für mich die natürlichste Sache der katholischen Welt, daß es unterschiedliche Empfänglichkeiten für unterschiedliche Aspekte, Sätze und Wahrheiten des Glaubens gibt: Für den einen leuchtet das Geheimnis der Prädestination hell auf, für den anderen das Bündel von Wahrheiten hinter dem Allerseelentag, während die dritte - wie meine Schwiegeroma, GOtt hab sie selig - für den hl. Josef schwärmt und an seiner Hand betend vor den Thron GOttes tritt. Dem einen erleuchtet die Gottesmutter als Überwinderin aller Häresien den Pfad, während der nächste von Eucharistie zu Eucharistie lebt, bangt, betet, liebt. Der Himmel der katholischen Wahrheit ist voller Sterne, oder sagen wir besser: Monde und Planeten, die alle von der Sonne des Lebendigen Drei-Einen GOttes ihr Licht bekommen. Manche dieser Himmelskörper kreisen näher ums Zentrum des Universums, andere scheinen - oder sind tatsächlich - weiter und weit davon entfernt. In der jeweiligen Glaubensgeschichte muß diese Entfernung nicht unbedingt eine entscheidende Rolle spielen. Manchmal mag das vielleicht sogar so weit gehen, als sei zu bestimmten Zeiten in einem Leben nicht GOtt das Zentralgestirn, der Große Magnet, als habe er seine Attraktivität, seinen Charme, seine Verführungskraft an eines SEiner Geschöpfe oder an ein bestimmtes heilsgeschichtliches Ereignis übertragen.
Nennen wir diese Einsicht für jetzt einmal - in Anlehnung an Leonardo Boffs "Sakrament des Zigarrettenstummels" - das "Lieblingsdogma der Pfarrsekretärin". Wir sehen sie vor uns, wie sie zum Beispiel die Glaubenswahrheit, daß jeder Mensch einmalig, wertvoll und unersetzlich ist, wortwörtlich nimmt. Es strahlt das ungesprochene Credo von ihr aus: "Ich bin einmalig. Keiner vernachlässigt mich ungestraft. Ich bin von GOtt ins Vorzimmer gesetzt als Frau mit einer Mission. Ich oder keine."
Und feststehend in diesem Glauben, fühlt sie sich nicht als Fußabstreifer des Pfarrers, als Blitzableiter des Kirchenpflegers oder als Opfer ratschender Messbestellerinnen, sondern weiß, im Idealfall jedenfalls: "So, wie ich bin, hat mich GOtt geliebt und es gefügt, daß ich in diesem Büro sitze. Meine Talente - die einwandfreie Rechtschreibung, das Zuhören-können, das Organisationsvermögen eines "Hansdampf in allen Gassen" - sind es, die ER jetzt und hier von mir begehrt. Meine Schwächen - mein überbordendes Selbstwertgefühl, mein permanentes Mitredenwollen, mein mangelndes Glaubenswissen - dagegen werden zum Glück alle konterkariert [naja: "konterkariert" würde die durchschnittliche Pfarrsekretärin nicht sagen, aber Ihr versteht...] und ergänzt vom netten und geduldigen Pfarrer, dem Anbetungskreis und der schwerkranken Frau S., die vor Schmerzen zum HErrn schreit."
Die Pfarrsekretärin erschließt sich also im Idealfall von ihrem Lieblingsdogma aus die katholische Welt, erkennt das Geheimnis des erlösenden Leidens genauso wie den Wert der Mündigkeit des getauften Laien, empfängt das Allerheiligste als Stärkung und Tranquilizer und erwartet die neue Schöpfung am Ende der Tage als das Ende allen Telefongeklingels und den Beginn der wahren Ordnung auch der kleinen Dinge. Und irgendwann wächst in ihr vielleicht ein neues Lieblingsdogma. Nicht daß sie nicht mehr an ihre heilsgeschichtliche Sendung glauben würde, i wo! Aber sie entdeckt, sagen wir mal für jetzt, das Fräulein Therese Martin, jene "Heilige des Atomzeitalters" mit dem leicht frechen Lächeln und der entnervenden Kombination von Hartnäckigkeit und Demut. Und in dieser Schule bleibt sie - natürlich - nach wie vor unersetzlich und einmalig, aber sie weiß, fühlt, glaubt, lebt: "Nicht ich rette die Welt, die Kirche und die Pfarrei, sondern ER, der Herr Jesus Christus. Und meine Grammatikkenntnisse, mein handwerkliches Geschick, meine Einsatzbereitschaft finden ihre Vollendung nicht aus meinem Verdienst, sondern in Seiner Liebe, Seiner Hingabe am Kreuz und in Seinem liebenden, richtenden und verzeihenden Blick auf meine Schwächen, Fehler, Grenzen, Sünden."
So ähnlich also sieht sie aus, die Pädagogik des Katholischen. Alles erschließt sich von überall her. Nicht automatisch, nicht ohne Anstrengung, nicht in Isolation vom Leib Jesu Christi, der die Kirche ist. Vor allem nicht ohne die Gnade. Die Hierarchie der Wahrheiten, wie sie uns im Glauben der Kirche, in Credo, Katechismus, der Theologie begegnet, ist eine andere als die Hierarchie der Wahrheiten, wie sie im gelebten Leben des Einzelnen sich ereignet. Abgelegene Wahrheiten, die der Erwachsenenkatechismus in Kleindruck oder einer Anmerkung abhandelt, können große Geheimnisse erschließen.
Recht hat, wer mit seinem Blick, seinem theologischen Verstehen, seiner Liebe die Fülle umfasst, nein: zu umfassen sucht, sich von ihr bestimmen lässt statt von fixen Ideen. Es gilt also: auf die Stimme des Herzens zu hören, die eigenen Vorlieben zu erkennen und zu bejahen und von da aus dann vorzudringen in den ganzen unabsehbaren Rest des Glaubens und des vom Glauben getragenen und geformten Lebens. Genauso falsch wie das Lieblingsdogma absolut zu setzen - eine läßliche Sünde von Pfarrsekretärinnen angesichts ihrer zentralen Rolle in der alltäglichen Kirchenhierarchie - ist es, die eigene Liebe in eine Schema zu pressen. Damit nehmen wir ihr die Dynamik, das Herzblut. Wenn einer pressen darf, dann ER.
Wer also theologisch wie spirituell-lebensmäßig mit einem "sola", wer nur mit dem "nur", wer allein mit dem "allein", wer mit mit nichts als dem "nichts als" operiert, den überantworten wir der Barmherzigkeit GOttes statt ihn zum geistlichen Lehrer zu nehmen (oder gar zum Reformator der Una Sancta).
[Dieser Eintrag ist bis auf Weiteres ein posting in progress; es wird also noch weitergeschrieben und - hoffentlich! - verbessert. --- 14. November: Eintrag abgeschlossen. Möge er so stehen bleiben.]
1. November 2009
31. Oktober 2009
Schnellkurs "Bekannte und unbekannte Heilige"
... mit einem kleinen Exkurs nach Halloween, mit P. Jim Martin sj (in einem schönen amerikanischen Englisch und sympathischem Lächeln):
Friedensnobelpreisträger bei der Arbeit
An eine revolutionäre Initiative wagt sich derzeit Präsident Obama.
Näheres bei ONN:
Obama To Enter Diplomatic Talks With Raging Wildfire
Warum auch nicht mit einer Urgeißel der Menschheit in einen produktiven, konstruktiven, positiven Dialog eintreten? Einen Versuch ist es wohl wert.








