21. Oktober 2004

Clash of Cultures

Da hört doch die Ökumene auf! Fassungslos berichtet Carole Soland im Alt-Katholiken-Blatt Christen heute über eine ökumenische Frauenkonferenz in Volkos (Griechenland).

"Ausgehend von dem, was die drei orthodoxen Frauen über ihre Heiligen erzählten, entwickelten sich angeregte Diskussionen. Vor allem eine Frage interessierte die Teilnehmerinnen: wie weit das Bild der heutigen Frau in den orthodoxen Ländern vom religiösen Heiligenbild ihrer Kirchen abweicht oder eben übereinstimmt. Die dadurch gewonnenen Einblicke waren sehr aufschlussreich und ließen - gerade aus der Perspektive nicht-orthodoxer, westeuropäischer Frauen - tief blicken. Sämtliche orthodoxen Referentinnen brachten klar zum Ausdruck, dass die Aufgabe der Frau das Muttersein, das Helfen und Dienen und Bedienen (vor allem des Ehemannes) sei. Als oberstes Vorbild steht für sie ganz klar Maria, die Mutter Gottes. Fällt eine Frau von diesem Ideal ab, ist der Schritt zur 'Hure', zur Sünderin, nicht weit.

Einzig die georgische Rednerin zeigte ein aus westlicher Sicht etwas progressiveres Bild auf, welches einer Frau durchaus auch ein eigenes Berufsleben attestiert, ohne sie gleich in den Topf der schlechten Frauen zu werfen, die nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind, statt sich um die Familie zu kümmern - Kunststück, die Georgierin ist selber berufstätig.

Ob solcher zum Teil recht konservativer Ansichten fielen die Reaktionen der übrigen Teilnehmerinnen ziemlich unterschiedlich aus: Sie reichten von Zustimmung über leichte Verwunderung bis hin zu absoluter Fassungslosigkeit."
Liebe Frau Soland, Fortschritt ist nur gleichzeitig, nie gleichmäßig. Danken Sie Ihrem/r Gott/Göttin dafür, daß Er/Sie Sie bereits mit Einsichten beschenkt hat, die anderen noch bevorstehen. Die Aufgabe eines Dialogs, wie Sie und Ihre Kolleginnen ihn dankenswerterweise immer wieder mit den zurückgebliebenen Frauen der Orthodoxie führen, besteht doch gerade nicht darin, die Anderen zu verstehen, sondern sie geduldig in die Ihnen und uns allen schon geschenkte Helle zu führen. Sie kennen das Ziel, nun bitte ich Sie um etwas maternalistische Geduld!

20. Oktober 2004

Via Media

Die Lambeth Commission on Communion sollte den "Impact" der Bischofsweihe von Gene Robinson auf die Anglikanische Gemeinschaft untersuchen und hat nun ihren Report vorgelegt.

Eine bebilderte Kurzfassung präsentiert die wibsite.

Der Weblog von Christianity Today bringt den Report auf diese Punkte:
  • "Acting against Scripture, tradition, and church teaching isn't as bad as saying these things make you un-Anglican.
  • A church going off on its own isn't as bad as saying a church is off on its own.
  • Being apostate isn't as bad as calling someone apostate.
  • Actions aren't so bad. Words matter more."
Ausgiebige Diskussionen auch bei den Thinking Anglicans mit jeder Menge Links.

Deutsche Reaktionen kenne ich aktuell keine - nicht mal in der FAZ.

19. Oktober 2004

Mountain Stream

Außer 730 Schriftarten für 85+ Sprachen bietet Howard M. Berlin ein vermutlich ziemlich umfassendes Verzeichnis mit Bluegrass und Old Timey Audio Streams.
Identität

Fazit des Vortrages von Vinzenz Pfnür (Münster): Kirchengeschichte als Anwalt christlicher Identität
"Insgesamt gesehen, auch im Blick auf die Kirchen- und Theologiegeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts mit ihren starken Ausschlägen von der liberalen Theologie zur dialektischen, oder vom Existenzialismus zur politischen Theologie, liegt die Kontinuität und durchgehende Identität mehr bei den christlichen Gemeinden, die Gottesdienst feierten und sich der Hilfebedürftigen annahmen. Ich persönlich gestehe auch, daß meine Sympathie mehr auf Seiten der einfachen Bauern ist, die die Wieskirche (jetzt Weltkulturerbe) vor dem Abriß bewahrten, als auf Seiten der aufgeklärten Säkularisierer, die das Kirchengebäude und das Inventar nur unter dem Aspekt der Verwertung und des Nutzens sahen und die den Kirchenglocken nur unter dem Gesichtspunkt Bedeutung zumaßen, daß man daraus Kanonen machen konnte."

Fastenzeit

Bischöfe greifen zum Rotstift (Tagespost)

18. Oktober 2004

Pavel Florenskij: Ikonostase

"Wie durch ein Fenster sehe ich die Gottesmutter, die Gottesmutter Selbst, zu ihr selbst bete ich, von Angesicht zu Angesicht, und keineswegs zu ihrer Abbildung ... Es gibt ein Brett mit Farben und es gibt die Mutter des Herrn Selbst. Ein Fenster ist ein Fenster, und das Brett der Ikone ist Brett, Farben, Firnis. Aber jenseits des Fensters ist die Gottesmutter Selbst zu schauen; jenseits des Fensters - die Vision der Reinsten Jungfrau."

"Die Ikonostase ist eine Vision. Die Ikonostase ist eine Erscheinung der Heiligen und der Engel, eine Angelophanie, eine Erscheinung der himmlischen Zeugen, und vor allem der Muttergottes und Christi Selbst im Fleisch - der Zeugen, die verkünden, was jenseits des Fleisches ist." (Quelle)
Ikonostase

MadonnaShots

16. Oktober 2004

Zur Abwechslung: Ein Film



Ever wondered what the most important thing in life is?

Papal Cab shows you. A 10 minute cab ride full of divine wisdom! Go - watch!

"It's the perfect ride for Catholics on the go who need to combine cab time with confessionals. It's Papal Cab! An overly-busy executive takes a spin in the Papal Cab and learns a valuable lesson about sacrifice and what's really important in life."
(via Shrine of the Holy Whapping)
Ich geh meilenweit für eine katholische Messe

"Erst wenn die Eucharistie für die Gläubigen wieder das Herzstück des Sonntags wird, und sie sich für den Besuch des Messopfers dieselbe Mobilität abverlangen, die sie für Ausflüge selbstverständlich aufbringen, wird das törichte Gejammer um die geringere 'Gottesdienstdichte' verstummen. Die Vorstellung, der Messbesuch habe etwas mit der Nähe zur eigenen Haustür zu tun, mag Anhängern des zu Tode gerittenen Pfarrprinzips entgegenkommen, der mündige Laie kann sie getrost beiseite schieben.

Für die gebührende Wertschätzung der Eucharistie ist nicht ausschlaggebend, ob die Ortskirche Konzessionen an die Bequemlichkeit der Gläubigen macht oder gar versucht, Pastoral über einen mittelalterlich anmutenden Pfarrzwang zu reglementieren. Viel entscheidender ist, dass die heilige Messe, wie der Papst schreibt, 'gut gefeiert wird'." (Regina Einig: Wofür es sich aufzustehen lohnt / Die Tagespost)
Zustimmungspflichtig - mit der Klarstellung, daß ich (vermutlich so wenig wie Regina Einig) "Mündigkeit" nicht für das/ein Top-Entwicklungsziel eines Christen/einer Christin halte... Die richtige Mündigkeit stellt sich höchstens indirekt ein; wer sie direkt erstrebt, wird sehr leicht zum Wichtigtuer, Rechthaber, Dauerquatscher, Großmaul - oder schlimmer zum Gebets- oder Gehorsamsverächter.

15. Oktober 2004

Maximal minimal

Wenn der Minimal-Architekt John Pawson im 21. Jahrhundert und in einer postkommunistischen Gegend ein neues Zisterzienserkloster baut, sieht das z.B. so aus:



Mehr Infos: Kloster Novy Dvur, BauNetz für Architekten und bei Godspy.

"Pawson has translated them into Novy Dvur, the first monastery to be built in the Czech Republic for more than half a century. 'In those places where the monks stay for a long time on their knees, make sure that the floor is not in stone,' the abbot's brief asked. If there were any stained glass windows, 'there should be no colour, according to our tradition'. In the library, the brief asked for 'doors that don't slam, and a floor that mustn't creak'.

In the dormitory, there should be 'a cubicle for each monk, closed by a curtain, with a special snorers' section 'for about a quarter of the total'. They take the form of white cubes."
Rot, nicht weiß

Erfolg ist keiner der Namen Gottes - aber Ferrari bedankt sich trotzdem bei Seinem Vikar.

14. Oktober 2004

Die drei Berger

Wer einen Fachkollegen als "einen Theologen sonnigsten Gemüts ohne Feinde" bezeichnet, muß sich nicht wundern, wenn er bei der nächsten Gelegenheit ebenfalls zweideutige Komplimente zurückbekommt.

Thomas Söding hat das "Jesus"-Buch von Klaus Berger für den "Christ in der Gegenwart" rezensiert. Fazit:
"Der 'Jesus' von Klaus Berger ist kein wissenschaftliches Buch. Es ist nicht für Universität und Schule geschrieben. Es ist ein Bekenntnis- und Meditationsbuch. Man kann es (ein Kompliment) wie einen neuen Jesusroman lesen, der, Umberto Eco hat es vorgemacht, weniger die Story seines Helden erzählt als die Impressionen seines Autors und die Geschichten seiner Leser. Die Teile sind mehr als das Ganze. Die Prozesse, die das Buch auslöst, sind wichtiger als die Aussagen, die es trifft. Die Provokation ist Teil der Inszenierung. Und auch, daß dies durchschaut wird, ist einkalkuliert.
'Ich möchte Menschen antworten, die fragen, ob Jesus heute noch irgendeine Bedeutung hat.' Das ganze Buch mit seinem raffinierten Arrangement dient diesem schlichten Ziel. Wie stark auch immer sich viele über die vollkommen einseitige Kritik der Ökumene ärgern werden und wie wenig man dem Lamento über die katastrophale Lage des Glaubens und der exegetischen Wissenschaft zustimmen mag - am Ende ist doch nur eines wichtig: daß viele ihre Antwort finden, indem sie einen der vielen Impulse des Buches aufgreifen und anderes einfach beiseite lassen."
Unterm Strich nicht gerade viel Lob. Impulse zum Nachdenken geben - das kann fast jeder.

Ich selber habe mich bei Berger inzwischen bis S. 200 vorgelesen - weit genug für einen ersten Eindruck. Nicht die Personen Berger I (der Fachexeget) und Berger II (der bissige Kritiker, der das Außenseitertum nicht fürchtet) haben dieses Buch geschrieben, sondern vor allem Berger III: derjenige Klaus Berger, der andere zu Jesus bringen will und der dafür sein ganzes Wissen und seinen ganzen Biss, aber auch sein Herz und sein Leben einsetzt. Ein Berger, der ganz das Zeug hätte zum volkstümlichen christlichen Autor - wenn er denn Rücksicht nähme auf das übliche Aufnahmevermögen der Zeitgenossen.

700 Seiten sind eine Menge Holz für ein religiöses Buch - umso mehr als Berger III Berger I in seine Dienste nimmt: Er gestattet ihm zwar keinen wissenschaftlichen Apparat, dafür aber ein beständiges Aufblitzen-lassen exegetischer Einsichten. Ich bin fasziniert und möchte immer weiterlesen - ermüde aber doch nach 20 Seiten: zu vieles steht da, was bedacht sein will, was sich setzen muß.

Berger II wird ebenfalls eingespannt: Er sorgt für die Leichtigkeit des Stils, die flotte Schreibe, die "flapsigen Formulierungen"(Söding) - und darf seine Lieblingsthemen einfließen lassen: den erlösungswürdigen Zustand von Kirche, Theologie und Christen; die Vorurteile der Zeitgenossen und der Exegeten als ihrer Untergruppe; harmoniesüchtige Jesus-Liberalisierer und trostsuchende Christen, die sich allzu gern mit einem weichen Double des Jesus von Nazareth begnügen.

Und was macht Berger III? Er versucht schlicht und einfach zu sehen, was ist - in einer Umschreibung Edith Steins:
"Die Sache müsse sich vielmehr selbst zeigen, wie sie in sich selbst ist. Und wenn man fragt, wer ist Gott, dann muß man so lange auf sein Wort hören, bis er selbst zu sprechen beginnt. (...) Mit der Bibel ist es fast wie mit der Eucharistie, dem Abendmahl. Unter den Gestalten von Brot und Wein ist Jesus real gegenwärtig. Ähnlich, auch ein wenig anders ist es mit der Schrift. (...) Die Bibel ist kein Konsumartikel. Sie ist nicht mühelos zu vernaschen. Sie ist, so leid es mir tut, nicht zum Nulltarif zu haben. Man muss sie leben, ihre Fremdheit aushalten und geduldig, parallel zu ihrem Gewebe, selbst ein Gewebe des Verstehens erstellen. (...) Zuletzt möchte ich sagen: Die Bibel ist schön, wie uralte Menschen sehr schön sein können."(S.29 - 32)
So seziert er nicht einen "wahren Jesus" aus Legenden, Formen, Überlieferungen, sondern stellt sich der Schrift - im Wissen um die Gegenwart Jesu hier und jetzt.

In diesem Buch gibt es keinen garstigen Graben mehr zwischen damals und jetzt, zwischen Bericht und Glauben, zwischen historischem Jesus und geglaubtem Christus, zwischen vor- und nachösterlich. Berger III beruft sich auf Berger I und seine Erkenntnisse, zur Evangeliendatierung z.B. oder zum Realitätsgehalt der Bibel. In einer Zeit, in der die kleinen Katholiken in der 7. Schulklasse schon mit einem abgestandenen Sud aus Formkritik getauft und gegen Zumutungen imprägniert werden, tut es gut, wenn ein Bibelwissenschaftler mit dieser "reflektierter Unbefangenheit" vorgeht. Und nicht schon vorab weiß, was er uns zu glauben übrig lässt.

Söding hat sich gewehrt - und andere Exegeten werden es ihm nachtun -, daß Berger einen Exegese-Popanz aufbaut, der dem aktuellen Stand des Fachs - "wir schreiben das Jahr 2004" - nicht gerecht wird. Solange aber in der kirchlichen und säkularen Öffentlichkeit mit Steinen der liberalen Theologie geworfen wird und man uns und unseren Kindern diese Steine als Brot verkauft - solange freue ich mich über den Lehm, den Berger schmeisst.

Klaus Berger hat sich in den letzten Jahren im Lager der "konservativen" Katholiken wiedergefunden - andere würden sagen: sich dorthin begeben. Welche Wirkung wird der "Jesus" dort haben? Eine befreiende - meine ich. Berger vertritt in den meisten Punkten, soweit ich es bisher sehen kann, eine orthodox-katholische Position oder schließt sie wenigstens nicht aus. Wir sehen also plötzlich: Es ist möglich, wissenschaftliche Exegese zu betreiben (und zu lesen) und nicht vom Glauben abzufallen! Und diese Exegese bereichert unseren Glauben und unser Leben. Sie ermöglicht einen Zugang zum LEbendigen, zum MEnschgewordenen, GEkreuzigten und AUferstandenen, indem sie uns durch die Zeiten zurückführt ins Dokument des Ursprungs und wir dort die schlichte Realität erkennen, die wir Christen allzu oft verkompliziert haben. Dabei stellen wir fest, daß der Jesus der Bibel und der Jesus unseres Glaubens ein und der selbe sind.

Wir stellen fest, daß wir nicht ängstlich an unseren Katechismussätzen festhalten müssen, sondern es dürfen - im Wissen, daß die Wahrheit darin noch viel größer, schöner, umgreifender ist. Eine Wahrheit, die den Reichtum biblischer Bilder, Geschichten, Briefe, Evangelien braucht, um sich auszudrücken und für uns und unsere Zeitgenossen attraktiv zu sein.

So viel für jetzt - die MiPau ist um.

12. Oktober 2004

Zu schnell zu schnell



Ist von den Holy Whappings, und die sind sehrsehr orthodox. Dann darf ich das hier auch bringen.
The Killing Fields of Germany

Ein Lagebericht von Claudia Kaminski über Spätabtreibungen, deutsche Barbarei, nicht vorhandene Zivilcourage, den biopolitischen Herbst, feige CDU-Abgeordnete, bischöfliche Agenden und die Verdunkelungsmaßnahme namens Donum Vitae. (Die Tagespost: Töten, ein tägliches Geschäft)

"… und was war Ihr größtes Erfolgserlebnis?

Das war ein eher persönliches Erlebnis. Nach einem Lebensrechts-Vortrag kam eine Mutter mit ihrem Kind auf dem Arm am Ende zu mir und sagte: 'Dieses Kind verdankt Ihnen sein Leben. Als Sie vor drei Jahren schon einmal hier waren, war ich schwanger und wollte eigentlich abtreiben. Aber nach Ihrem Vortrag war mir das nicht mehr möglich. Heute bin ich dafür total dankbar!' So etwas wiegt einfach alles auf."
Bei der Gewissensprüfung durchgefallen

Buttiglione als EU-Kommissar abgelehnt - "zu katholisch".

11. Oktober 2004

"Räume heilender Begegnung"

Guido Horst kann mit dem "Sensibilisieren" und dem "Zulehnern" nichts anfangen. Wetten, daß er sich auch in den "Räumen heilender Begegnung" nicht wohl fühlt, die zu schaffen an uns liegt - jedenfalls wenn es nach dem Prediger meiner vergangenen Sonntagsmesse geht.

Manchmal kann ich auch jene Männer früherer Jahrzehnte verstehen, die sich vorkonziliar während der Predigt zu einer Zigarre vor der Kirchentür versammelten, um rechtzeitig zum Sanctus wieder zurückzukommen....

10. Oktober 2004

Aus dem pilgernden Gottesvolk

"Der Pfarrer N.N. [der aushilfsweise zum Messfeiern vorbeikam] ist cool! Bis zwei Minuten vorm Zusammenläuten hat er Witze erzählt, und dann hat er sich erst angezogen." (Ministrant nach der Vorabendmesse)

"Mittwoch, 16. März 2005: Frauenbund und Seniorengemeinschaft: Kreuzwegandacht in der Kirche, anschließend gemütliches Beisammensein im Pfarrheim" (aktuelle Terminplanung)

4. Oktober 2004

Literaturgeschichte - Fortsetzung

Böll wollten noch ein paar andere - also ist die liebste aller Töchter doch bei der Konkreten Poesie gelandet. Da wird sie zeigen müssen, ob sie jandln kann.
Blogschweigen

Ich muß die restlichen Tage dieser Woche in einem Luxushotel in den Schweizer Bergen verbringen und werde daher auf dieser Seite eher still sein.

3. Oktober 2004

Wer hätte das gedacht?

Dafür haben Steven Stack und Jim Gundlach den Ig Nobel Prize bekommen:

The Effect of Country Music on Suicide
Social Forces 1992; 71 (1): 211-218

This article assesses the link between country music and metropolitan suicide rates. Country music is hypothesized to nurture a suicidal mood through its concerns with problems common in the suicidal population, such as marital discord, alcohol abuse, and alienation from work. The results of a multiple regression analysis of 49 metropolitan areas show that the greater the airtime devoted to country music, the greater the white suicide rate. The effect is independent of divorce, southernness, poverty, and gun availability. The existence of a country music subculture is thought to reinforce the link between country music and suicide. Our model explains 51% of the variance in urban white suicide rates.
Literaturgeschichte

Selten genug sitzen Vater und Tochter allein beim Abendessen. Unerhört, daß sie dabei über deutsche Literatur sich unterhalten. Die Tochter hatte eine Liste mit Referatethemen für den Deutschunterricht: Barock, Goethe, Schiller, dann die neueren: Brecht, Borchert, Frisch, Böll, Lenz, Grass, Dürrenmatt , Walser, konkrete Poesie, und als Krönung die DDR-Literatur vor und nach 1970. Absolut kein "Burner" darunter, meinte die Tochter. Der Vater versuchte halbherzig dagegen zu halten; der Blick in den Glaser machte allerdings für die Tochter den ursprünglichen Favoriten Lenz obsolet. Das Argument, daß Bölls Bücher einen eher begrenzten Umfang hätten, gab letztlich den Ausschlag.

Zum Schluß ließ die Tochter zu, daß der Vater wie schon gelegentlich versuchte, ihr Lyrik schmackhaft zu machen. Über vorgetragene Beispiele konkreter Lyrik konnte sie jedoch nur den Kopf schütteln. Erst Robert Gernhards "Materialien zu einer Kritik der bekanntesten Gedichtform italienischen Ursprungs" entlockten ihr ein herzhaftes Lachen.

Als die Mutter heimkam, erzählte sie ihr davon. Und fügte an: "Aber nicht daß du denkst, daß ich jetzt Gedichte mag."
Die Sonntags-Bischofsmessen-Verhinderer

Erinnert sich noch jemand an den Disput der Kardinäle Ratzinger und Kasper zum Verhältnis von Universal- und Orts-/Teilkirche?

Der fiel mir ein, als ich in einem Gemeinde-Newsletter las:

"Am 10. Oktober erwartet die Region Schweinfurt den neuen Würzburger Bischof Dr. Friedhelm Hofmann.

Sozusagen in letzter Minute konnten wir verhindern, dass seine Vorstellung in der kleinsten Kirche Schweinfurts und noch dazu zu einer unmöglichen Zeit – Sonntagmorgen, 10.30 Uhr, stattfindet, dann wenn alle katholischen Gemeinden ihren Pfarrgottesdienst feiern.

Jetzt können wir Bischof Friedhelm am Nachmittag, 14.30 Uhr, in St. Kilian willkommen heißen; auf der Straße und im angrenzenden Kolping-Bildungszentrum findet dann der Empfang bei Frankenwein und Frischgebackenem statt."
Was für eine Anmaßung dieses "reingeplackten" neuen Bischofs, mit seinen Diözesanen sonntags morgens die Eucharistie feiern zu wollen! Zu einer Zeit, wo sich die katholischen Gemeinden nicht um ihren Bischof versammeln, sondern um ihren Pfarrer (und um sich selbst?) kreisen!

"Ne disturbaveris circulos meos - störe meine Kreise nicht." Und komme mir schon gar nicht mit der ontologischen Vorgängigkeit der Universal- oder um ihren Bischof versammelten Teilkirche! Wir wollen unseren Weg aus der katholischen Kirche unbeirrt weitergehen. Wehe, du hältst uns dabei auf.

1. Oktober 2004

Benimm Dich!

Ausnahmsweise ganz ohne kirchenkulturkritische Anmerkungen ein schlichter Hinweis auf den Kirchenknigge. Gutes Benehmen schadet keinem nirgends und nie. (Hinweis von Felix Neumann*, den ich wegen Catholicism.wow's * Ferienlager-Erlebnis mal wieder besucht habe.)

* Wenn die beiden endlich mit irgendeiner Blogger-Software arbeiten würden, fiele das Verlinken leichter.
Tagespremiere

Um 6.56 Uhr auf der A3. Ich zusammen mit heavenly Alison Krauss, Doc Watson und "Banks of the Ohio". Karaoke-Background provided by The Three Pickers.

30. September 2004

Patronin?

Jede Zeit hat ihre Heiligen, heißt es. Wird die neue Selige Anna Katharina Emmerick zur Heiligen der deutschen Kirchenfinanzkrise? Zur Heiligen der Pfarrschließungen?

Der Rheinische Merkur schreibt nämlich: "Die Seligsprechung hat bereits die ersten handfesten Auswirkungen. Vier Coesfelder Pfarreien fusionieren zum 1. Januar 2005 zur 'Anna-Katharina-Gemeinde', zu der fast 11 000 Katholiken gehören werden."

Spaß beiseite.

Mensch, was haben wir für einen vollen Himmel. Ich find's immer wieder gut. "You'll never walk alone."
Es lebe der Generalvikar!



Meiner: Karl Hillenbrand, der von Herbipolis.

An seinem Geburtstag zu singen: I am the Very Model of a Modern Vicar-General - Original bei den Holy Whappings.

"I can tell undoubted Augustines from Bossuets and Zwinglians,
I know a Sarum Epiklesis and excommunicate the Arians,
Then I can hum the Sanctus if I've heard the mode ex nihilo,
And sing in tono recto Pax Domini cum spiritu tuo!

Then I can write encyclicals in a monastical scriptorium,
And pontificate the meaning of St. Paddy's grand loriculum,
In short in matters liturgical, ecclesial and clerical
I am the very model of a modern vicar-general!

Chorus of Seminarians:
In short in matters liturgical, ecclesial and clerical,
He is the very model of a modern vicar-general!
In short in matters liturgical, ecclesial and clerical
He is the very model of a modern vicar-general!"
Unwichtiges

Wer hätte das gedacht: Das Wort "conquistador" kommt im Englischen nur ein bißchen seltener vor als das Wort "workless"!

Zum Selberblättern: WordCount - Tracking the Way We Use Language (von Anke Groener)
Präsident

Wen wählen die Snake Handlers im November: GWB oder JFK? Wir wissen, was der durchschnittliche Europäer antworten würde.

Terry Mattingly: Checking out the snake-handler vote? Naples Daily News
Cowboy-Chroniken

Jordan Mejias in der FAZ zur Dylanschen Autobiographie. Wir dürfen weiterrätseln, scheint's: "Der Unterschied zwischen mir jetzt und mir damals ist, daß ich damals Visionen hatte. Jetzt kann ich nur Träume träumen."
Kardinalhase und Exegetenigel

Er schreibt schneller, als man rezensieren (und lesen) kann: Heute in der Tagespost die Rezension zum aktuell vorletzten Buch von Klaus Berger: "Ist Gott Person?"

Macht sich Kardinal Scheffczyk jetzt gleich an die Lektüre des neuesten Berger? Und was macht Professor Berger in dieser Zeit?
Co-Biose

"Dieselben Menschen, die einer Internet-Community angehören und sich einer Laseroperation unterziehen, können gleichwohl das Fest des Erzengels Michael feiern." (Klaus Berger: Jesus)

Kann ich nach dem gestrigen Michaelstag nur bestätigen. Statt der Laseroperation unterzog ich mich allerdings diversen anderen Ritualen, die das naturwissenschaftliche Weltbild der Moderne voraussetzen und daher nach Bultmann eigentlich mit dem, was ich so glaube, nicht zusammenpassen. Tun sie aber doch.

29. September 2004

Friedensblumen

Wenn die Leute schon nicht auf ihrem Zimmer bleiben, wie es Blaise Pascal vorschlug, sollten sie sich am besten in der Kirche oder im Gewächshaus aufhalten:

"Zerstörung, Terror und Leid. Wir leben im 21. Jahrhundert und können nicht begreifen, dass es so sein muss. [...] Kann ich mich da raushalten und im Zuschendorfer Landschloss zur Kamelienausstellung gehen? Wäre da nicht manches anders gelaufen in diesem Land, ja sogar in der Weltgeschichte, wenn wir alle uns nicht immer so raushalten würden. Rein oder raus, das ist immer die Frage. Kamelien rein in oder raus aus der Kirche? Menschen rein in oder raus aus dem Gewächshaus? Oder Kamelien ins Gewächshaus und Menschen in die Kirche?"

Laut Parka Lewis vom Gesprächsfetzen-Blog stammt diese geschichtsphilosophische Spekulation von Pfarrer Odrich aus Zuschendorf und findet sich in Camellia, der Zeitschrift der Deutschen Kameliengesellschaft e.V. (Heft 2/2004).

Nun, wer weiß? Vielleicht sind die Kamelienzüchter und -liebhaber wirklich liebenswertere und friedlichere Menschen als wir anderen?
Udo Ziesel und die IKvU

Schon wieder nichts Positives.

Udo Ziesel, der vor ein paar Wochen als falscher Benediktiner im SWR auftrat, war Mitglied im Leitungsteam der Iniative "Kirche von unten", wie uns dieser Link in den Google-Cache beweist. Aktualisierungsdatum der Seite: 13. Mai 2004.

Am 30. August 2004 wurde er - heimlich, still und leise - aus dem Leitungsteam "entfernt" - zeitnah zu seinem Fernsehauftritt - vgl. den aktuellen Link zum IKvU-Leitungsteam. Insofern ist die Feststellung der IKvU, daß das Leitungsteam in der derzeitigen Zusammensetzung seit April 2004 - also ohne Ziesel - existiert, falsch, wenn nicht gelogen, wahrscheinlich aber nur ein Versehen.

Der Schelm hat da das Denken längst aufgegeben. Möge kein Schatten auf die politisch-korrekten Schwestern und Brüder fallen.
Kein Fortschritt. Nirgends.

Wetten, daß Uwe Birnstein (mehr s.u.) auf dem nächsten Ökumenischen Konzil stören würde? Hoffentlich lädt den keiner ein.

Sein im August 2003-Heft von publik-forum veröffentlichter Text lässt Schlimmes befürchten:In diese Fallen wollen die Katholiken tappen? Die merkwürdigen Fortschrittsideale katholischer Reformeiferer. Ketzerische Anmerkungen eines evangelischen Querdenkers. Ein wahrer Dolchstoß von unvermuteter Seite für "Wir sind Kirchler" et ceteri/ae.

"Die Evangelischen haben den Subjektivismus zum Programm gemacht und fast jede Spur des Mysteriums vernichtet. Ein wirksames Waffenarsenal haben sie aufgefahren, um das Geheimnisvolle zu zerstören: Worte vertreiben das Geheimnis des Glaubens, Erklärungen treiben den Gottesdienstbesuchern ihre Fantasie aus. Das Abendmahl ein Frühschoppen-ähnliches Symbol des Zusammenseins. Doch nicht mal das funktioniert: Heilige Schauer erwartend stehen die Gläubigen vorm Altar. Die angekündigte Gemeinschaft bleibt angesichts der uneingelösten verheißenen Gemeinschaft irritiert aus. (...)

Zum anderen raubt das an der real existierenden Kirchlichkeit scheiternde 'Priestertum aller Gläubigen' den Kultbeamten, den Pastorinnen und Pastoren, ihren heiligen Status. Mit bisweilen skurrilen Folgen: Die Bremische Evangelische Kirche etwa hat keinen Bischof, sondern einen 'Schriftführer des Kirchenausschusses'. Die Reformierte Kirche nennt ihren führenden Geistlichen 'Landessuperintendent', was eher an Scotland Yard als an ein Pastorenamt erinnert.(...)

Die Ortsgemeinden sollen gestärkt, die Gläubigen an Bischofswahlen beteiligt und für die katholische Kirche eine synodale Struktur eingeführt werden? Die Folgen wären fatal und Energie raubend. Tausende ehrenamtliche Evangelische verschleißen sich in stunden-, ja tagelangen Synoden-, Ausschuss- und Gremiensitzungen ihren Mut und ihre Kraft. Wohl wissend, dass die Beschlüsse meist windelweiche Kompromisstexte ohne jeden prophetischen Charakter sind. (...) Während die Entscheidungswege im Konklave aus gutem Grund geheim bleiben, nimmt die Öffentlichkeit auch noch teil an den teilweise mühsamen bis hochnotpeinlichen Diskussionen evangelischer Kirchenparlamente. Der Preis für demokratische Bischofswahlen ist hoch. Und die Gewählten sind nicht immer die Besten. Geschweige denn die Weisesten.

Und in den Gemeinden? Pfarrerinnen und Pfarrer klagen über Kirchenvorstände, denen selbst elementarste Kenntnisse der Bibel fehlen. Die Geistlichen müssen sich von Prestige-orientierten Dorf- oder Stadtteil-Honoratioren Ziele für ihre Arbeit vorschreiben lassen. In zermürbenden Kirchenvorstandssitzungen herrschen Spießertum und Kleinglaube statt Freiheit des Geistes und christlicher Umgangston."
Ja, nicht einmal die "Seelenpein" von zölibatären oder nicht-so-zölibatären Priestern scheint ihm größer als "die von zwischen familiären und beruflichen Fronten zerriebener evangelischer Pfarrern".

NB: Positiv soll hier allen Ernstes festgestellt werden, daß ein Beitrag mit umgekehrter Stoßrichtung in einem orthodox-katholischen Presseorgan wahrscheinlich keinen Platz hätte...
Wo bleibt das Positive?

Da.

Coming soon.
Ein etwas anderes Konzil und Vatikanum III

Wenn ein Online-Magazin im Editorial folgendes in den Mittelpunkt stellt: "Zeit zu gewinnen für sich selbst und für andere ... Einander zu begegnen ... mehr als Kontakte ... Begegnungen mit Tiefgang ... Streifzüge in andere Sphären, besondere seelische oder religiöse Erfahrungen" und die Suche nach all dem "emotional und zeitlich" auch etwas kosten darf - dann kann ein solches Magazin ja nur konzil heißen.

Und wer, wenn nicht konzil sollte sinnvollerweise eine Umfrage veranstalten und das Kirchenvolk mitreden statt einsam die Chefs entscheiden zu lassen?
"Was muss sich ändern, damit die Religionen wieder attraktiver werden? Gerade die katholische Kirche hat einen immensen Reformstau. Da fragt sich doch: Was bringt uns wirklich weiter? Im Internet kommt zu Wort, was Kirchenleitungen und Synoden nicht hören wollen. Je persönlicher eure Anmerkungen und je konkreter eure Ideen, desto mehr Interesse werden sie finden. Also mitgemacht!"

Da aber nicht alle Laien so mündig sind wie sie könnten und sollten, bietet konzil im Konzilsfragebogen eine hilfreiche Drop-Down-Box an, wo alle wahrhaft wichtigen Themen für das nächste Konzil schon mal aufgelistet sind:

"Ich möchte ein Konzil über:
  • die Rolle des Papstes
  • den Einfluß der Frauen
  • die Zukunft der Ökumene
  • den Religionsunterricht von morgen
  • den Umgang mit Muslimen
  • den Dialog von Juden und Christen
  • das Geld der Kirchen
  • die Rechte der 'Laien'
  • den Nutzen von Ablässen
  • die Ehelosigkeit von Priestern"

Nur noch anklicken und mündig werden. Die ganz Mündigen können mit einem entsprechenden Button eine eigene Idee einbringen. Aber welche sollte das sinnvollerweise sein? Die Liste ist doch schon ziemlich komplett, nicht wahr?

Leider Gottes ist auf der Site von konzil nicht viel los - seit drei Jahren kein Update, wie es scheint. Da sind wohl die Ideen ausgegangen. Oder waren die emotionalen und zeitlichen Kosten zu hoch?

28. September 2004

Lesenswert? Frischwindig?

"Unsere eigene katholische Publizistik hat immer noch etwas Ängstliches und schlecht Gelüftetes an sich."

Sach ich ma nix zu.

Lesen: Adolf Theobald über die deutschen katholischen Bistumsblättchen in der FAZ (aus dem Katholischen Notizbuch)
Nicht-so-anonymer Katholik

"'The question of Tony's faith is dormant by decision,' says a prominent Catholic who knows the Blairs well. 'They have decided not to let news of his Catholicism break while Tony is prime minister.'

But why does the prime minister hide his Catholicism?

The political commentator Anthony Howard, who knows Blair and is writing a biography of Cardinal Hume, says: 'I think he feels he cannot announce his conversion because of the situation in Northern Ireland. I believe he will formally join the Catholic church when he ceases to be prime minister.'" (Regular at mass, communion from Pope - The Guardian)
"From Jerusalem to Calgary"

Zur Ergötzung für solche, die englisch lesen mögen: nette liturgische Mißgeschicke im LAMLand.
Hinweis für Berger-Fans

Vor ein paar Tagen erschien das neue Buch von Klaus Berger: Jesus. 700+ Seiten, ohne wissenschaftlichen Apparat, mit persönlichen Exkursen, lebendig geschrieben und mit dem erklärten Ziel, in die Begegnung mit IHm zu führen. (Redet er nicht gar von "Liebe"?) Buch und Begegnung dürften sich beide lohnen.

Liegt ganz oben auf dem "To read"-Stapel.

[Mehr am 14.10. hier.]

27. September 2004

Her mit dem Mastkalb!

Juliane Werding (ja, die - die Freundin von Conny Kramer!) ist von langer Irrfahrt durch modisch-allzu-modisch Religiös-Spirituell-Esoterisches wieder in den Schoß der Una Sancta Catholica zurückgekehrt. Katholische Sozialisation mit Langzeitwirkung wird zum Auslöser für die zweite Bekehrung, die wir Kindergetauften alle nötig haben.

In Publik-Forum streitet sie sich mit ihrem evangelischen Partner-Gatten Uwe Birnstein und bricht nebenbei eine Lanze für Latein als Lingua Liturgica:

"Publik-Forum: Frau Werding, in einem Ihrer Lieder zitieren Sie das Vaterunser – auf lateinisch.Weshalb?

Werding: Ich liebe lateinische Gebete und die lateinische Liturgie. Ich glaube, es ist ein Fehler der katholischen Kirche gewesen, die Liturgie ins Deutsche zu übersetzen. Dadurch ist viel vom Geheimnis des Glaubens verloren gegangen.

Birnstein: Du meinst nicht wirklich, dass wieder die Messe in lateinischer Sprache gefeiert werden sollte?

Werding: Doch. Die Menschen sind doch auf der Suche nach etwas Geheimnisvollem! Wenn ihnen die Kirche das vorenthält, braucht sie sich nicht zu wundern, wenn die Menschen nicht mehr kommen."
Wenn sie dann noch die Dienste der himmlischen Fürsprecherin in Anspruch nimmt, verzeihen wir doch glatt die Vorbehalte gegen die bayerische Variante katholischer Volksfrömmigkeit.
per se

Gloria von Thurn und Taxis in einem Zwischendurch-Interview mit dem Malteser magazin (Oktober 2004):

"Katholisch sein hat schon immer geheißen, gegen den Strom zu schwimmen, nicht angepaßt zu sein. (...) Als Katholiken seid ihr per se in der Opposition. Aber ihr könnt am Aufbau des Himmelreiches mitwirken."

Immer? Nein, nicht immer. Aber immer öfter.

Mitwirken? Da gefällt mir das Bild besser, das Hans Urs von Balthasar von P. Teilhard borgte: Den Stoß Feuerholz aufschichten, in den Gottes verwandelndes Feuer fährt, um ihn zu entzünden und zu verwandeln. Oder so ähnlich. Auf jeden Fall bin ich sehr sehr skeptisch, wenn irgendjemand von sich und den Seinen behauptet, er/sie würde/n beim Aufbau des Himmelreiches mitwirken. Denn schwuppdiwupp - ist es doch wieder ein sehr menschliches Konstrukt, das den jüngsten Tag weder er- noch überlebt.

Aber ansonsten hat sie Recht.
Come on in, Sweety!

Ob die Linzer Bananen was geholfen haben? Die Church of England versucht es jetzt mit Schokoriegeln - schreibt jedenfalls der Daily Telegraph von heute. So kommen wenigstens die Bounty und Lion Hunters auf ihre Kosten.

"Meanwhile about 160 churches in northern England's Manchester area gave out free chocolate bars and other freebies to service-goers Sunday in a bid to combat dwindling congregations."

Nachtrag: Wie bei web.de ersichtlich, sind die Schokostückchen fromm eingepackt. Geht mitsamt grünem Punkt ins Recycling.
There will be a light!



Ben Harper und die Blind Boys of Alabama nicht mehr nur mal so nebenbei für einen Song gemeinsam, sondern auf einem ganzen Album voller Holy Songs. Wenn das kein ideales Weihnachtsgeschenk ist...

Positive Bewertungen in der Hamburger Morgenpost, der Gaesteliste und beim Weblog-Kollegen von MoreThanMeetsTheEar.
Aus dem Kernschatten der Gottesfinsternis

"In den neuen Bundesländern hat sich Gott sehr gut versteckt, und die meisten haben inzwischen vergessen, dass sie Gott vergessen haben." (Eberhard Tiefensee - Rheinischer Merkur)

24. September 2004

Sankt William Jefferson, bitte für uns!



Scott Ritcher, der verantwortliche Künstler dieses zeitgemäßen Jesus-/Bill-Portraits, 34, katholisch erzogen, Vegetarier, möchte zum Nachdenken anregen (wie es im Zeitungsjargon so schön heißt) und bittet daher: "Judge not, lest ye be judged."

WorldNetDaily: 'Saint Bill Clinton' ignites religious rage
Vorgeschmack der Freiheit

Wer Peter Bieris "Handwerk der Freiheit" noch nicht gelesen hat, bekommt im Tagesspiegel heute eine Kurzfassung im Interviewformat - als Appetizer.
Falsches Geschäftsmodell

Nicht einmal der Gotteslohn ist einem katholischen Blogger, der ohne gutreformatorische Heilsgewissheit auskommen muß, sicher. Meinen monatlichen Mammon verdiene ich immer noch mit anderen Tätigkeiten.

Bei den US-Kollegen - den richtig guten und bekannten jedenfalls - rollen nicht nur die ersten Cents. Da flattern sogar die Greenbacks im Tausenderbündel.

(Klein-)Geld in Sicht - Weblogs experimentieren mit Geschäftsmodellen (NZZ Online, 24. 9. 2004)
Die Tiere und der liebe Gott

"Wenn Kühe oder Löwen Hände hätten und damit malen und Werke wie die Menschen schaffen könnten, dann würden die Pferde pferde-, die Kühe kuhähnliche Götterbilder malen und solche Gestalten schaffen, wie sie selber haben", schrieb oder sagte Xenophanes vor zweieinhalbtausend Jahren.

Wenn Tiere in Menschengottesdienste mitgeschleift werden, äußern sie sich in der Regel nicht unzufrieden über das Gottesbild, das ihnen dort vermittelt wird. Sie sind tolerant und lassen sich geduldig für Selbstdarstellung christlicher Gutmenschen mißbrauchen. Mindestens wenn wir dem Bericht der Zeit über die große Tiersegnung in Saint John The Divine, New York, NY, USA folgen.

23. September 2004

Wie sah Jesus aus?

Die Frage ist uralt - und die Antwort nicht überlebenswichtig.

Das wahre Gesicht Jesu - Artikel von Paul Badde in der Welt.

20. September 2004

Alle Meinung geht vom Volke aus

Demonstrieren lassen. Für 49 cent/SMS.
Deutsch

Hugo Hamilton im Guardian über The loneliness of being German.

"On a visit to Dublin some time ago, Bernhard Schlink was asked if he could explain what was so special about the German concept of Heimat, or home, to which he answered simply that he was born in Hamburg and went to school there. Maybe it is not a priority for German writers, and his extraordinary book The Reader demonstrates this contemporary German view best of all, a book in which the main character's parents are unseen.

Could it be that the Germans are way ahead of other pre-modern societies where nationalism and homeland are still seen as virtues? Could the use of dreaming simply be obsolete in Germany? Artists such as Joseph Beuys famously mocked the German sense of home and home furnishings. But the intensity of German longing for Ireland also suggests that they still possess the same homing instinct as anyone else, only that they have trained themselves to suppress any potential patriotic links to their own origins. It's a rear-view blind spot which has erased their country from the emotional map.

Maybe that's a progression. Maybe German humility and remorse have become the new German virtues to replace love of your country and your people. Maybe this is what it means to be German, to have a clear, patriotism-free conscience. In Berlin's Potsdamer Platz, the ambitious new architectural plans were scaled down deliberately for fear of appearing too arrogant and mighty. With time, this quiet code of humility may have become the emotional core of the new German being. A sense of place no longer applies to the ground where you have your feet, but to a collection of books you've read, films you go to, people you meet, and what you remember."

17. September 2004

Anticatholica

Aus dem Photoalbum des Antichrist by courtesy of iconbusters.
"Absolut papsttreu"



Hey, er gehört in seinem Bistum zur gleichen Randgruppe wie ich: mein neuer Bischof Friedhelm Hofmann.

Ich hör' die Mainströmer schon quietschen. Nach dem Sonntag ist die Jagd frei gegeben - bis dahin üben die Jäger nur mit Platzpatronen das Bedenkentragen.

Aktuelle Interviews:
Hingehen zu den Menschen (Mainpost / Sonntags-Merkur)
"Ich setze Entscheidungen durch" (Boulevard)

16. September 2004

Aphorisms

"Rock & roll is a metaphorical arena, that's why you can find the abyss in a harmless old pop tune..." (Greil Marcus)

"To be a poet is not to make a poem, but to find a new way to live." (Paul La Cour)

15. September 2004

Sloganizer
Hitler sehen?

Was mich vom "Untergang" fernhält? - Daß ich mit Adolf Hitler Mitleid haben könnte.

Die letzten Tage Hitlers in der "Tagespost"

Das Ende des Schwarzweiß-Phantoms in der "Welt"

Die zweite Erfindung des Adolf Hitler in der "FAZ"
Das kleinere Übel?

"One clergyman asserts that most bishops would 'rather have a child molester in their diocese than a weeping statue of the Virgin Mary.' It's less work. " (Washington Times via Otto-da-Fe)

So viel ist wohl richtig dran: Eine weinende Statue macht keinen Bischof glücklich.
Schwarze Kirchenlieder des 21. Jahrhunderts

Die Alternativen: Reich werden, fluchen, sterben - oder beten. Gospel-Rap im Online-Spiegel bzw. vorher in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Wenn

"Alle haben aufgegeben.

Alle denken, es gäbe nur zweierlei: den Krieg, der eine Art Leben im Tod ist, und den Frieden, der eine Art Tod im Leben ist.

Wenn es nun aber noch ein Drittes gäbe, das Leben?" (Walker Percy: Die Wiederkehr)

14. September 2004

Alles beim Alten

"Hier ist zum Glück alles noch treu und brav beim Alten." - So resümierte der 70jährige Pfarrer sein Wirken in der Lokalzeitung.

Abgesehen davon, daß das (glücklicherweise) nicht stimmt, reizt ein solcher Satz geradezu zur Gemeinplatz-Exegese a la Léon Bloy.

"Zum Glück" - das deutet auf eine Einschätzung der Vergangenheit als eines goldenen Zeitalters, einer harmonischen Ära vor dem Fall - eine Vergangenheit, die des guten Pfarrers Einschätzung nach in den Mauern seiner Gemeinde noch existiert, ja der er mit seinem seelsorglichen Wirken überleben half. Ein Stück Paradies auf Erden, mag man auch überm Tor manchmal die Spitze des Engelsschwertes aufblitzen sehen.

Aber da meldet sich der kleine Zweifler, der ein bißchen was von Kant weiß: Wo sich nichts ändert - lebt da überhaupt noch etwas? Gibt es die ewige Ruhe, den dauerhaften Frieden nicht doch nur - auf dem Friedhof? Bleibt nicht erst 10 cm unter dem Grabschmuck alles beim Alten?

Nein, würde der gute alte Léon jetzt hineinpoltern: Der Satz ist vom Teufel. Denn nur in seinem Reich, tief unten, wo die letzte Glut längst verglüht ist und nur noch Verzweiflung, Langeweile, Ödnis herrscht - dort bleibt auf immer und ewig alles beim Alten. Wer dort landet, der ist wirklich und wahrhaftig beim Alten - dem Ältesten der Engel, dem Ausgebrannten, Hohlen, dem Erwartungslosen, dem ohne Zukunft. Dem ohne Hoffnung.

So tief wollte der Geistliche freilich nicht schürfen. Um Gottes Willen - schütteln würde es ihn beim Gedanken ans teuflische, ewig-alte Loch. Nicht in die Tiefe zog ihn sein Satz - auf der Höhe der Zeit ist er stets geblieben. Denn er gehört nicht zu den Konzilsverweigerern und zeigt im vertrauten Kreis seine Sympathie für die unvermeidliche Zukunft: Priesterweihe für Frauen - warum nicht? Kommunion für Zweitverheiratete - klar! Redemptionis Sacramentum - Teufelswerk sturer Römer.

Wollte er nicht immer nur das eine: Ruhe - Frieden - Harmonie? Leiste dem Zeitgeist keinen Widerstand - und du wirst die ewige Ruhe finden. Nicht jeder ist zum Paulus geboren. Es muß auch die leisen Verkünder der Botschaft geben, die ihre Lippen fast nicht bewegen. Einverstanden sein mit dem, was geschieht - und siehe, es wird alles beim Alten bleiben: im Garten deiner Seele und im Garten der Kirche, der dir anvertraut ist.

Bloß kommt irgendwann der Moment, wo nichts mehr geht. Wo der göttliche Croupier sein letztes "Rien ne vas plus" spricht. Wohl dem unnützen Knecht, der seine Talente dann gesetzt hat.
Landung

Aus dem Urlaub zurück, übe ich mich in der Kunst des "hit the ground running" - wie kann man nach 14 Tagen Abwesenheit vom Job so wieder am Schreibtisch ankommen, daß es beim Aufprall auf dem Boden der Tatsachen keinen allzu großen Knall gibt?

13. September 2004

"Kicking and screaming"

Eltern, die ihre schwangeren Töchter zu einer Abtreibung drängen - gibt's wirklich. Z. B. die Schauspielerin Ellen Barkin. Liberal. Legal. Egal.

12. September 2004

Lieder des deutschen Verbandskatholizismus, Folge 1

Heute frisch aus "Impuls", dem offiziellen Mitgliedermagazin der KAB Deutschlands, Auszüge aus dem ZASS-Song "Ganz nah dran" von Dirk Schulte:

"Unsre Kräfte sind geballt:
Frauen, Männer, Jung und Alt
Chancengleich in eine neue Zeit
Umverteilen, reformier'n
Aber ohne zu verlier'n
Wir wissen, dass es geht, wir sind so weit

Ist der Mut auch klein
Lasst uns gemeinsam streiten
Niemand bleibt allein
Wir werden uns befrei'n!

Gemeinsam haben wir die Kraft
Aufzubau'n, was Hoffnung schafft
Zur Erneuerung ist es nie zu spät
Wir geben unsrer Zukunft Raum
Wir leben heut' schon unsern Traum
Von kämpferischer Solidarität

Das Morgen fest im Blick
Lasst uns gemeinsam streiten
Wir schauen nicht zurück
Denn vor uns liegt das Glück!"

Klingt das nach a) Volksfront, b) klassenlosem Paradies auf Erden, c)aktualisierter katholischer Soziallehre oder d) eschatologischem Vorbehalt (Erik Peterson)?

3. September 2004

No Non-Stop

24-7-365 (auf deutsch: Non-Stop rundum-die-Uhr-und-die-Woche-und-das-Jahr) ist unmenschlich und daher unchristlich. Meint die Welt.

Ich auch. Daher ist hier bis zum 13. September Blogpause. Der Berg ruft. Adieu!

1. September 2004

Passion - die zweite

2,4 Millionen DVDs nach einem halben Tag laut BBC.
Empörende Torheit



Die Linzer Kirchenbananen sind ja völlig an mir vorbei gegangen. Den Juden ein Ärgernis, den Heiden eine Torheit, beiden aber statt Gottes Kraft und Weisheit lieber eine Banane... Hauptsache, wir kommen mal wieder ins Gespräch. (via Catholic Church Conservation; mehr mittels Google)
Blutzeugen

Christian Martyrs of the 21st Century: The Reckoning Continues von Sandro Magister auf www.chiesa.
Aus dem unbekannten Leben des Medienpapstes

Arturo Mari, der als Fotograf den Papst schon lange begleitet hat, erzählt im aktuellen Cicero ein bißchen aus den letzten 26 Jahren.

"Er lebt wie ein einfacher Landpfarrer. Ich glaube, die Menschen wissen nicht, wie demütig dieser Papst ist. Er besitzt eine Demut, die nur Gott kennt. Für ihn existiert nur das Gebet, seine Arbeit und leider auch das körperliche Leiden."

(Gelobt sei an dieser Stelle, daß für cicero Religion nicht nur Skandal- oder Bedrohungsfaktor ist, sondern ganz offensichtlich ein wichtiger und unersetzlicher Bestandteil der "politischen Kultur". Wenn ich es richtig sehe, gab es in jedem der mittlerweile 5 Ausgaben einen Beitrag zum Thema.

Wie schrieb Chefredakteur Wolfram Weimer im August-Heft: "Womöglich kann eine Gesellschaft, die an nichts glaubt, weder an ihre Zukunft noch an sich selber glauben. Insofern würde uns ein bisschen mehr Religion im Leben gar nicht schaden. Mal abgesehen davon, dass es dem lieben Gott gefallen könnte.")

29. August 2004

Unersättliche Sättigung

Als ich den vorigen Eintrag schrieb, hatte ich noch nicht gemerkt, daß gestern das Fest des hl. Augustinus war. Ansonsten hätte ich ihn gleich zum Thema "Hunger und Durst" zu Wort kommen lassen. So etwa:

"Darum werden wir, wenn wir einst Antlitz zu Antlitz schauen, was wir jetzt durch Spiegel und Rätsel sehen, mit unendlich, ja mit unsäglich anderer Liebesregung 'wahr ist es" rufen, und wenn wir Amen sagen, es sagen in unersättlicher Sättigung. Sättigung wird es sein, weil nichts mehr uns fehlen wird; weil aber das, was uns nicht fehlt, uns ewig entzücken wird, darum wird es, wenn man so sagen darf, eine Art unersättlicher Sättigung sein. So unersättlich dich also die Wahrheit sättigen wird, mit so unersättlicher Wahrheit wirst du rufen: Amen!" (Das Antlitz der Kirche, S. 357)

28. August 2004

Immer hungrig und durstig

"Das Leben ist Hunger und Durst, leidenschaftliches Verlangen nach einem Letzten, das sich auf einen Lebenshorizont bezieht, sich jedoch stets außerhalb dieses Horizontes findet. Und dies ist es, was einmal erkannt, den Menschen zum unersättlichen Sucher macht."
So schreibt Luigi Giussani, der Gründer von Communione e Liberazione, in seinem Buch "Der religiöse Sinn".

Erstaunlicherweise kommt diese Dynamik für den Christen, der ja denkt, er habe die Wahrheit, die volle Wahrheit gefunden, nicht an ein Ende. Nicht weil er an der Wahrheit zweifelt, die für ihn einen Namen hat und ein Gesicht. Nicht weil er unzufrieden mit dem gefundenen weiterzieht. Nicht weil es doch nicht die einzige Perle, der Schatz war, für den er alles aufgab, dem er sich hingab.

Sondern weil dieser GOtt und SEin Wort größer, immer größer als unser Reden, unser Erkennen, unser Lieben ist. Weil ER uns immer neu, anders, überraschend SIch zeigt. Weil SEine Liebe unseren Hunger stillt, indem sie ihn weckt. Unseren Durst löscht und ihn weiterbrennen lässt. Paradox? Ja. Aber wie sonst beschreiben?

Wer den Himmel für langweilig hält, zeigt nur auf die dümmstvorstellbare Weise, daß er SEine Berührung nicht gespürt oder möglichst schnell aus seinem Bewußtsein getilgt hat.
Kritischer müssten sie mir sein...

"Er habe dieser Aussage Ziesels Glauben geschenkt und deshalb auch keinen Grund gesehen, weiter zu recherchieren, so der SWR-Journalist." Thomas Leif heißt der gute.

Schade - P. Udo Ziesel hatte doch so gut in die Dokumentation gepasst. (Falscher Benediktiner als Kronzeuge in der Tagespost - danke, Jochen)

27. August 2004

Wochenendlektüre

Janine Langan: On the Lay Vocation

"Everyone agrees: We need more priests. I, however, think that, more importantly, we need more lay people."
Alle Muslime sind gleich...

aber manche sind weniger gleich als die anderen. Kolumnist Salim Mansur zum Schweigen der arabischen Muslime vor dem Völkermord im Westsudan:

"The one constant in the history of Arab states over the past five decades is the abuse of people by power-holders in a part of the world -- between the Atlantic Ocean and the Persian Gulf -- where regimes rule without popular legitimacy.

It is understandable, though inexcusable, that there are no demonstrations in the streets of Cairo, Damascus, Beirut, Tunis, Algiers or elsewhere in the wider Arab-Muslim world, denouncing the Khartoum regime for its crimes in Darfur.

Freedom and democracy are sorely lacking among the Arab League members, and popular condemnation of an Arab regime would not be tolerated.

Arabs and Muslims, however, now live in growing numbers in cosmopolitan centres of the West, and enjoy freedoms denied their people elsewhere.

Here they came out in unprecedented numbers, protesting American-led wars to liberate Afghans and Iraqis from despots. But in their unconscionable silence over Darfur, they disclose how selective is their outrage.

This silence is also revealing of culturally entrenched bigotry among Arabs, and Muslims from adjoining areas of the Middle East.

Blacks are viewed by Arabs as racially inferior, and Arab violence against blacks has a long, turbulent record. The Arabic word for blacks ('abed) is a derivative of the word slave ('abd), and the role of Arabs in the history of slavery is a subject rarely discussed publicly.

Here, the contrast between the Arab treatment of blacks, irrespective of whether they are Muslims or not, and the Israeli assimilation of black Jews of Ethiopia, known as Falashas, cannot go unnoticed.

The tragedy of Darfurians ironically has exposed to the world the racial dimension of Arab-Muslim culture and the hollowness of rhetoric proclaiming the brotherhood of Muslims." (London Free Press)
Frau bloggt beim Zwirnen

Invasion der Wollblogs: Stricksentine, was strickst du?, texturen, Das kleine Nadelspiel, Stricksucht, Spinnen, Stricken, Sticken undsoweiterundsofort.

Fast beängstigend, wenn man drüber nachdenkt:

"Am früheren Abend habe ich das zweite Drittel schwarzes Alpaka gezwirnt. Es färbt beim Spinnen dermaßen ab, dass ich mich frage, ob das Alpaka nicht mit Poly-Diadem oder ähnlichem... Auch beim Waschen kommt geballte Farbe raus. Und zwar nicht Kacke, also Braun, sondern so ein rötlich-violetter Ton, sehr verdächtig. Wenn alles fertig gesponnen ist, werde ich es erst mal waschen, bis nix mehr raus kommt und dann sehen, was für eine Farbe das naturschwarze Alpaka eigentlich hat. Schwarz färben kann ich es dann immer noch.

Während des Zwirnens zähle ich ja. Im Augenblick immer bis 6. Das verselbständigt sich schnell – wie eine Art Doppel-Walzer. Im Laufe der Monate habe ich festgestellt, dass ich währenddessen einem Gespräch folgen – ja sogar lesen – kann [man liest aber nicht beim Zwirnen ]." (von Angela)

Topfit

Den Literaturtest des Focus erfolgreich bewältigt. Schon seltsam, daß solche Spielereien einen Tag auf andere Gleise setzen können. So wirksam wie falsche Komplimente.
Tiefer gespalten als jemals zuvor

Ralf hat in pax et bonum auf eine wirklich bemerkenswerte Stellungnahme des (übrigens erst 38 Jahre alten) russisch-orthodoxen Bischofs Hilarion von Wien und Österreich verlinkt, der ganz ungeschminkt auf die eigentlichen Probleme der Ökumene eingeht:

Die Rede von einer "realen, aber unvollkommenen Kirchengemeinschaft", wie sie in ökumenischen Erklärungen verbreitet ist, hält er für "fraglich, irreführend und (be)trügerisch [deceitful]". Es gibt keine Communio zwischen den Kirchen, solange die Kommunion, die Eucharistiegemeinschaft nicht erreicht ist.

"Our inability to share the Eucharist, in turn, reflects the most profound division in dogma, spirituality, ethics, in the very experience of faith that exist among various bodies calling themselves ‘Christian churches’."

Die fortschreitende Liberalisierung in den "westlichen Kirchen der Reformation" ist es, die die Kirchenspaltung mehr als je zuvor vertieft hat:

"Our inability to share the Eucharist, in turn, reflects the most profound division in dogma, spirituality, ethics, in the very experience of faith that exist among various bodies calling themselves ‘Christian churches’. Metropolitan Gennadios of Sassima in his response to the paper in question has rightly pointed out that ‘there is little ontological unity and little agreement among those… who confess Christ as God and Saviour’. And let us be honest to one another and not pretend that the question is about a ‘unity in diversity’: we are deeply disunited, in spite of almost a century of the ecumenical movement.

The tragedy of contemporary Christianity, I believe, consists in the fact that, while we are all engaged in a laudable struggle for unity, processes are underway within some Christian communities which alienate us from one another ever more profoundly. And I think it is no longer the divisions between the Catholics and the Protestants, or the Orthodox and the Reformed, or one confessional family and another that should be an object of our primary attention. We must address very seriously the fundamental discrepancy between the traditional and the liberal versions of Christianity.

I believe that the recent liberalization of ‘faith and order’, of dogma and morality within a number of Western churches of the Reformation has alienated them from the traditional churches – notably from the Roman Catholic and Orthodox Churches – more than several preceding centuries of Protestant history. As a result of this liberalization and in spite of many decades of ecumenical quest for unity, we are now more profoundly divided among ourselves than ever before."(Europaica Bulletin Nr. 46 vom 16. August 2004))

26. August 2004

Schweizerische Dávila-Rezept/nsion

Schiffbruch mit Würde: Der philosophische Aphoristiker Nicolás Gómez Dávila - von Stojan Gjaurov in der NZZ vom 10.7.04

25. August 2004

Nord-Süd-Konflikt auf anglikanisch - Fortsetzung

Die Church of Uganda bricht alle Verbindungen mit der Episcopal Church of America (ECUSA) ab, die kürzlich den schwul lebenden Gene Robinson zum Bischof weihte. Davon betroffen sind auch die anderen Kirchen, die mit der ECUSA in Gemeinschaft stehen.

So ernst ist es der Church of Uganda, daß sie auch keine finanzielle Unterstützung mehr annimmt. Das nenne ich Konsequenz! Erzbischof Henry Luke Orombi:

"The decision has meant that we are no longer receiving funds as a means of making it clear to the Episcopal Church of the US that such a deliberate action on their part affects the whole of Anglican Communion.

It also serves as a wake-up call on our part to find ways to sustain ourselves honourably. We call upon those advocating for this ungodly behaviour to repent and allow Christ to take charge of his Church." (allAfrica.com)
Beim Frühstück gelesen

be unto love as rain is unto colour;create
me gradually(or as these emerging now
hills invent the air)
breathe simply my each how
my trembling where my still uninvisible when. wait

if i am not heart,because at least i beat
--always think i am gone like a sun which must go
sometimes,to make an earth gladly seem firm for you:
remember(as those pearls more than surround this throat)

i wear your dearest fears beyond their ceaselessness

(nor has a syllable of the heart's eager dim
enormous language loss or gain from blame or praise)
but many a thought shall die which was not born of dream
while wings welcome the year and trees dance(and i guess

though wish and world go down,one poem yet shall swim)
(E.E. Cummings)
Zwischentest

Wir Abstandhalter

"Wer von uns hält es aus neben dem verzehrenden Feuer, / wer von uns hält es aus neben der ewigen Glut?" (Jes 33, 14)

Vielleicht nur die Abenteurer, die Mystiker und die, die lieben. Uns anderen wird es schnell zu warm. Es könnte ja sein, daß die Hitze unser Herz erreicht und uns hinschmelzen läßt - unwiderruflich.
Banana Split-Jubiläum

Außer dem Hamburger feiert dieses Jahr der Banana Split seinen hundertsten Geburtstag. David "Doc" Strickler, ein Apotheker und Optometriker aus Latrobe, PA hat ihn 1904 zum ersten Mal verkauft - für 10 cents. Das hält jedenfalls Jackson Arnold und mit ihm die Post-Gazette aus Pittsburgh für den wahrscheinlichsten Geburtstag und -ort.

Den richtigen, korrekten Banana Split beschreibt die Post-Gazette so:

According to several sources, this is what has become the traditional banana split: An oblong glass dish holds a banana sliced lengthwise (that's where split comes in). The banana cradles a generous scoop of chocolate ice cream, a scoop of strawberry and a scoop of vanilla. Chocolate syrup (or, better yet, fudge topping) is poured over the chocolate ice cream, strawberries over the strawberry ice cream and crushed pineapple over the vanilla.

Then comes the whipped cream. Not ersatz whipped topping with an ingredient list longer than the Bill of Rights, but cow's cream that has been whipped and sweetened with a little sugar. Next, a bright red maraschino cherry is dropped on each scoop. (The old cherries would have had now-banned Red Dye No. 4, but some things do have to change.) Chopped nuts are optional, but the best ones would have pecans.

Ob der Banana Split, den ich vor Jahren bei Bischoff's in Teaneck, NJ aß, diesem Rezept in allen Details folgte oder nicht doch die Ananas auf dem Schoko-Eis plaziert war - ich weiß es nicht mehr. Aber er war absolutely gorgeous!
Ein Mann des Glaubens

Nachdem der Atlantic Monthly kürzlich seine web policy geändert hat, ist der Artikel von Paul Elie: In Search of a Pope nicht frei zugänglich. Schade.

Denn Elie benennt ein Schlüsselkriterium der nächsten Papstwahl, das jenseits kirchenpolitischer Spekulationen liegt:

"Wie er [JPII], sind sie [die Kardinäle] Glaubende; und trotz all ihrer menschlichen Schwächen scheint es vernünftig anzunehmen, daß sie, wenn die Zeit da ist, einen neuen Papst zu wählen, sich mühen werden, die wichtigsten Dinge obenan stellen. Wenn sie den Nachfolger von Johannes Paul wählen, werden sie gewiß niemanden wählen, der nicht ebenso ein Mann des Glaubens ist wie er. Alter, Nationalität, Sprachkenntnisse, bisherige Leistungen, die demographischen Aussichten der Kirche im neuen Jahrhundert: all das sind wichtige Gesichtspunkte, und die Medien werden sich darauf stürzen. (...)

Aber die Kardinäle und Papstwähler - mit dem nächsten Papst in ihrer Mitte und unter dem Vorsitz, wie sie glauben, des grande elettore [des Hl. Geistes] - werden vor allem anderen fragen, wie authentisch der Glauben des Mannes des Glaubens ist: wie groß seine Hoffnung und wie tief seine Tiefe. Sie werden seine Persönlichkeit wägen, bedenkend, daß die Persönlichkeit von Johannes Paul die Kirche weltweit für ein Vierteljahrhundert geformt hat. Sie werden fragen: Wie ist sein Glaube? Und ein wenig später wird das unsere Frage sein."

24. August 2004

The University of Blogging

Presents to
Scipio

An Honorary
Bachelor of
Color Bars

Majoring in
Quiz Addiction
Signed
Dr. GoQuiz.com
®

Username:


Blogging Degree
From Go-Quiz.com
Unser Buch

Wäre ich mit Christian Geyer auf der gleichen Insel, würden wir uns wohl um unser einziges Exemplar dieses Buches streiten: Die Wiederkehr von Walker Percy.

Oder auch nicht: Er kennt es in- und auswendig, und mir geht es auch nicht viel anders.
Der Zu-christlichen-Links-Verlinker empfiehlt:

Die lagen im Kreuzgang rum: christliche Weicheibegriffe.
Canya b'lieve it -

es gibt Löwen in Kenia. Und Tiger. Kann man hier sehen.

(Vielleicht gibt es demnächst auch mal wieder etwas ernstere Betrachtungen... Momentan ist mir nicht danach.)

23. August 2004

"Denken ist schädlich und unsozial"

Hannes Stein: Eine ganz schlechte Angewohnheit (Welt vom 31.7.2004)

Der Artikel stammt aus der Einleitung von "Endlich Nichtdenker!", einem Handbuch zum Glücksein. Wer nicht mehr denkt, hat mehr vom Leben, oder?

20. August 2004

"Da war unser Mund voll Lachen" (Ps 126,2)

LarkNews.com, The Onion Dome und mehr christlichen Online-Humor stellt Sean A. Taylor in der kanadischen Christian Week vor.
Die Bratwurst ist eine evangelische Fränkin

Wir mögen die bessere Liturgie, die längere Vergangenheit und die sicherere Zukunft haben, aber sie haben anscheinend die schmackhafteren Bratwürste.

Wenn's sonst nichts ist.

Für alle Corporate Cant-Geschädigten:

The Adventures of Action Item!

Go, meet the challenge.
"I'm Strindberg, August Strindberg."

Seine und unsere Düsternis wird von Helium erhellt. Selber sehen: Strindberg + Helium.
Heimat für Kuschelkatholiken

United Reformed Catholic Church.

Reinschauen und wohlfühlen.

Katholisch sein ohne Ecken und Kanten.

Way cool. (via Saintly Salmagundi)
Protestantische Neidgefühle

"Sonntagsblatt: Worum beneiden Sie als evangelische Christin die katholische Kirche?

Vollmer: Mich beeindruckt,daß nicht alles so auf den Pastor konzentriert ist.

Sonntagsblatt: Bitte? Die katholische Kirche ist doch nun wirklich durch und durch hierarchisch strukturiert?

Vollmer: Der Priester spielt in der Messe zwar eine tragende Rolle. Letztlich ist alles aber eine Zeremonie der Gemeinde. Wenn ein Protestant dagegen eine schlechte Predigt hört, dann ist der ganze Gottesdienst für ihn mißlungen. Der evangelische Gottesdienst ist kopflastig und abhängig von der Tagesform des Pfarrers. Das zweite, um das ich die Katholiken beneide, ist ihre Gewißheit, daß es sie nicht nur vor tausend Jahren schon gegeben hat, sondern daß es sie auch noch in tausend Jahren geben wird. Wir Evangelischen können nicht sicher sein, ob nicht die eine Hälfte von uns in hundert Jahren aus der Kirche ausgetreten und die andere Hälfte beim Buddhismus gelandet ist." ("Die Kirche ist in schlechter Form" - Interview des Sonntagsblatts mit Antje Vollmer, 5. Dezember 1997)

19. August 2004

Zu Besuch

Katholische Weblogs im Blogger Salon der Zeit. Herrn/Frau Husmann haben seine Besuche wenigstens ein paar kleine Überraschungen beschert.

17. August 2004

Poet, Philosopher, Prophet

The role of the Christian artist in the secular world (next wave)
"His faith seemed to grow stronger as his body grew weaker"

Ein Buch über Johnny Cashs letzte Tage.
"Neuester Trend aus den USA"

Diesseits des Sexes - die Süddeutsche nimmt transatlantische God Pop Culture und Cruci-Fiction wahr und macht sich's dann wieder einfach, indem sie sich auf LaHaye/Jenkins und "Left Behind" fixiert.

Interessanter wäre z.B. zu fragen, warum das dortige Christentum literarisch weniger kastriert ist als das hiesige. Stattdessen reibt man sich an den Extremstars wund und hakt mit dem Teil das Ganze ab.

Außerdem wird ein Trend nicht zum "neuesten", nur weil man ihn gerade bemerkt hat... (via Fono)
Ein Mann für Männer


(bei Tony's Catholic Life)