19. Februar 2007

"Eine Überdosis Leben"

Wo ich an einer Bushaltestelle gerade die Schlagzeile sah, mit der sich der "Stern" von Anna Nicole Smith verabschiedet, kann ich einmal wieder e.e.cummings anbringen, mit seiner großen Zeile:
unbeingdead isn't beingalive
RIP, wenn sie schon nicht in Ruhe leben konnte.

18. Februar 2007

Und bei der Heimkehr ...

... war da der gute Bekannte und Freund aus Jugendtagen, der sich nach 25 Jahren vom Priesteramt suspendieren ließ, weil ihn "die derzeitigen Bedingungen des Priesterberufs ... immer stärker" belasteten, zu denen er "die einseitige Konzentration auf liturgische Aufgaben" zählt.

... fielen die neuen Programmschriften der lokalen diözesanen Bildungshäuser in meine Hände, in der einen unter dem Titel "Durch das Dunkel hindurch" eine gemeinsame Feier der Kar- und Ostertage mit dem Leittext
"Das Licht setzt sich gegen das Dunkel durch, das Leben ist stärker als der Tod, die Liebe überwindet den Streit. Aus dieser Überzeugung feiern Christinnen und Christen Ostern, jedes Jahr aufs Neue."
... fand ich in der Welt am Sonntag den Satz:
"In Goethes 'Faust' galt die Gretchenfrage noch der Religion, heute lautet sie: Wer bin ich?"
... las ich meinen Bernanos weiter, mit seiner Kurzfassung des "Tagebuchs eines Landpfarrers":
"Ich will das Tagebuch eines jungen Priesters schreiben, beim Eintritt in seine Pfarrei. Er denkt sich die unmöglichsten Dinge aus, reißt sich die Beine aus für vier, spinnt unwahrscheinliche Pläne, die natürlich zusammenbrechen, lässt sich mehr oder minder von Trotteln, verdorbenen Weibern oder Schweinehunden übers Ohr hauen, und wenn er dann alles verloren wähnt, wird er dem lieben Gott in eben dem Maß gut gedient haben, in dem er ihm schlechte Dienste erwiesen zu haben glaubt. Seine Naivität wird mit allen Dingen fertig werden und er wird seelenruhig an einem Krebs sterben."
Wie war das mit den Zeichen der Zeit, die wir zu deuten haben?

17. Februar 2007

Merci

Für den Fall, daß ich es vergessen hätte, hatte ER im RER-Wagon, der mich gestern zum Flughafen brachte, den Satz "On dit merci à l'DIEU de l'univers" anbringen lassen.

War aber schon dabei.
Letters from Israel

Lila wird nicht müde, anzuschreiben gegen westliche Bequemlichkeit und deutsches Nichtwissenwollen. Es muß Liebe sein, daß sie noch nicht verzweifelt ist.

16. Februar 2007

Semper fi - semper solemn

Man sollte diesen Artikel aus Touchstone ins Deutsche übersetzen, der eine "normale" Begräbnisliturgie (episkopaler Heimat) dem Begräbnisritual des US Marine Corps gegenüberstellt und dabei klar macht, daß und wie wir im Ritus uns und um uns spielen.

Wenn ich Zeit habe...

14. Februar 2007

Aber hallo!

"Wir wollen Gott für das Große danken, das er durch gläubige Frauen in der Kirche gewirkt hat und wirkt, besonders für die Weitergabe des Glaubens. Ich danke allen Frauen, die heute durch ihr Gebet und ihr christliches Zeugnis und Engagement einen unersetzlichen Beitrag zum Leben der Kirche leisten." (Q)
Mit Blick auf meine persönliche Vergangenheit und Gegenwart kann ich mich dem Papst nur anschließen.
Franglais and anderes

Mot de jour: "Sandwicherie".

Glücksmoment: Nachts um 10, als ich auf dem Boulevard St. Michel die Bluegrass-Sammlung mit drei Uralt-CDs von Seldom Scene vervollkommnen konnte. Zu sensationellen Preisen.

Nochmal rue de la Montagne St. Genevieve, diesmal No. 9: Einige Preis- und Leistungsklassen höher, aber dafür viel netter noch das "Louis Vins". In dieser Stadt wird man fast unausweichlich zum Bon Vivant. Jedenfalls bis Freitag, und in einer Woche steht sowieso Fasten auf der Speisekarte.
Raucherhasserjesus

Ich kenne ja Katholiken, die halten Rauchen für eine Todsünde und für einen Grund zum Kirchenausschluß... Die würden glatt so einen Aschenbecher verschenken (via The Ironic Catholic):



Der gleiche Laden bietet übrigens auch eine gotteslästerliche Fundamentalistentasse an...
Anstelle der Selbstinventur

Bernanos variert 5 Jahre nach dem letzthin zitierten Brief zum gleichen Thema:
"Ich nehme Ihr Vertrauen entgegen, wie ich immer alles entgegennahm, was mir Kostbares gereicht wurde, mit einer etwas schmerzlichen Überraschung und einem vagen Gefühl, daß ich nicht der rechtmäßige Empfänger sei, daß ein Irrtum in der Adresse vorliege. Ob ich dieses Vertrauens würdig bin oder nicht: Ich weiß es nicht und bescheide mich, es nicht zu wissen, denn ich habe schon lange darauf verzichtet, mich selbst zu erkennen, wenigstens im Sinne der Weisen dieser Welt.

Es genügt ja schließlich, daß die andern das in mir finden, was der liebe Gott ihnen dort zu suchen eingibt und was er übrigens selbst hineinlegt, wärs auch nur für einen Augenblick. Wie sollte man die Bestandesaufnahme eines Magazins durchführen, zu dem man die Schlüssel nicht hat und in welchem die Vorsehung zeitweise abstellt, was ihr gut scheint? (...)

'Ich bin nicht dies, ... ich bin nicht jenes'. Wozu denn wissen wollen, was Sie nicht sind? Ich wiederhole, daß die allein auf Erden, die unser bedürfen, sagen könnten, was wir sind, weil sie wissen, was ihnen fehlt und was sie bei uns finden. Wozu sich erklären, wenn man sich geben kann? Und wir geben uns so oft, ohne es zu wissen!" (Georges Bernanos: Das sanfte Erbarmen/Die Geduld der Armen.- Freiburg: Johannes, 2006, 83f)

12. Februar 2007

Pariserisches

Besonders aufpassen, wenn man bei Grün über die Ampel geht. Mich hätte vorhin beinahe eine forsche Fahrerin von hinten links erwischt. Dabei hatte ich doch gerade "Der Kinder wegen" gewartet, bis die Ampel auf Grün sprang, bevor ich loslief.

Das indisch-bangladeshi Restaurant "Shanta" (34 , rue de la Montagne st. Genevieve) ist ganz nett und ganz preiswert für ein schnelles, unkompliziertes Abendessen.

Pariser Hotels sind bekanntermaßen ein Kapitel für sich. Meines besitzt einen Aufzug, in den original eine Person mit einigermaßen schlanker Figur und ein Koffer passen, bzw. alternativ eine Treppe, die man so eigentlich eher im Glockenturm einer alten Dorfkirche vermuten würde - so eng spindelt sie sich um ihre zentrale Achse. Bei einem Brand bliebe mir nur der Sprung aufs Plexiglasdach des Innenhofes...
Weiß ich denn, wer ich bin?

Manchmal gelingt es mir, aus meinem Stapel noch zu lesender Bücher eine passende Reiselektüre einzupacken, bei einer meiner ersten Berlinreisen z.B. "Vaterland" und im April 2001 in Brooklyn Paul Auster. Diesmal in Paris habe ich die Briefe des gebürtigen Parisers (rue Joubert 26 im 9. Arondissement) Georges Bernanos dabei.

Die folgenden beiden Absätze stammen aus einem Brief, den er 1933 an die Tochter eines Freundes schrieb:
"Auf Grund welchen Rechtes dringen Sie übrigens sosehr darauf, zu wissen, wer Sie sind? Das hat nicht die geringste Bedeutung. Weiß ich denn, wer ich bin? Es gibt Pflichten, die man erfüllen, Mühen, denen man sich unterziehen, Ungerechtigkeiten, die man erdulden muß. Es gibt vor allem Einbildungen, die man verlieren muß, und jene gewissen Amputationen, die nie ohne Gefahr eines Brandes abgehen. Schneiden wir also mutig und kühn. Lieber verstümmelt als verfault in den Tod.

Hören Sie auf Ihren alten Kumpan. Die Selbsterkenntnis, das schwöre ich Ihnen, ist die juckende Haut der Idioten. Ihr sanftes Genie ist, zu sein, was Sie sind, ohne es zu wissen oder daran zu denken, mit der köstlichen Naturfarbe, die ich so liebe, die eine Gnade Gottes ist. Ja, die sanfte Erbarmung Gottes ist in ihnen. Fordern Sie nicht von ihr, sich auszusprechen, zu rechtfertigen. Plagen Sie sie nicht mit Geschwätz und Diskussionen. Fenster zu, Türe zu, niemand hereinlassen, sie lächeln und beten lassen. Wenn sie weint, sagen Sie's niemand." (Georges Bernanos: Das sanfte Erbarmen/Die Geduld der Armen.- Freiburg: Johannes, 2006, S. 55)
Dienstreise

Langsam, nach 12 Stunden intensiver, aber angenehmer Gespräche und Sitzungen mit lieben Kollegen beginnt der Feierabend. So wie es durch die Fensterritzen des zugigen Behelfsbüros zieht, scheint es draußen richtig zu stürmen. Wenn ich Glück habe, muß ich nicht zu lange auf die RER warten, die Schnellbahn, die mich zurück ins Herz von Paris bringt. Kurz frisch machen und dann wieder auf die Straße, etwas essen gehen im Quartier Latin.

11. Februar 2007

Bis Freitag bin ich unterwegs, ...

... aber wenn ich mich ins Netz einwählen kann, wird es ein paar Posts aus dem Herzen von Paris geben. Falls nicht: ringsum "bonne semaine"!
Nicht-coole Religion nun im Web

Der Kontext zu Kardinal Kaspers Satz "Religion ist nie cool" lässt sich nun nicht nur in der gedruckten, sondern auch in der digitalen Zeit nachlesen.
„Gedenke Mensch, aus Sternenstaub bist du geworden, zu Sternenstaub kehren wir zurück"

Wo unsereins sich noch völlig reaktionär mit der Wiederzulassung eines längst vergangenen und vergessenen Messritus befasst, denken andere - im Geiste Nagelscher "Aufbruchstimmung" längst weiter:

Es gilt nämlich, endlich auch in der Liturgie die Naturwissenschaften als Leitwissenschaft anzuerkennen und "spirituell [zu] verinnerlichen". Der von Hans Leu im "Christ in der Gegenwart" eingebrachte Vorschlag einer neuen und verbesserten Formel zur Spendung des Aschekreuzes kann da nur der Anfang sein. Liturgiker aller Kirchen und Völker: vereinigt euch, brecht auf "in kosmologischer Horizonterweiterung und entsprechender existentieller Erschütterung unseres Glaubens" und überarbeitet, was ihr nur könnt.
"Wie sich der Erdenstaub zum Sternenstaub verhält, so auch die alte Aschermittwochs-Formel zur neuen. Das „Gedenke" bezieht sich darauf, daß der Mensch im Verlauf der Evolution zu einem Wesen geworden ist, das sich seine Welt schafft und im Denken sich seiner selbst vergewissert. Die neue Formel erhebt das Menschsein in eine kosmische Verbundenheit - vor Gott, dem Schöpfer und Erlöser. Der Mensch ist mit Atomen und Wasser, mit Sternen und Galaxien und damit mit dem Kosmos wesenhaft verbunden, er ist Teil des Alls. Zugleich klingt darin an, daß Menschsein ein ständiges Werden einschließt. Jeder und jede kommt von einem angebbaren Woher und hat ein mehr und mehr langsam sich offenbarendes unbekanntes Wohin. Er befindet sich in einer Schicksalsgemeinschaft, geht den Weg vom unpersönlichen „Es" (Sternenstaub) zum „Ich" und „Du" und weiter zum „Wir" in all seinen Ausprägungen, bis hin zum hoffentlich in der Auferstehung erfahrbaren „Du" Gottes."
Zeigt uns endlich nebenbei, daß auch der Mensch, nicht nur das Schnabeltier jenen entscheidenden Schritt getan hat:
Robert Gernhardt
Das Schnabeltier

Das Schnabeltier, das Schnabeltier
vollzieht den Schritt vom Ich zum Wir.
Es spricht nicht mehr nur noch von sich,
es sagt nicht mehr:"Dies Bier will ich!"
Es sagt:"Dies Bier,
das wollen Wir!"
Wir wollen es, das Schnabeltier!
Auf geht's, Freunde!

9. Februar 2007

2 Minuten mit Eduard Nagel

Martin linkt zu Eduard Nagels Liturgiekolumne in "Gottesdienst 2/2007, die ich schnell kommentieren will - im Nagelstil:
"Eine Zeitung berichtet über eine Auftaktveranstaltung zu einer umfassenden Kirchenrenovierung. Das Foto zeigt den Zustand der Kirche in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Vor dem alten Hochaltar (der seit den 70er Jahren im Seitenschiff steht) ist ein Volksaltar einmontiert, der sich vor dem künftigen Hintergrund freilich ausgesprochen mickerig ausnimmt. Aus Wien kommen Berichte über die endgültige Entfernung des Volksaltars aus einer Kirche – triumphierend wird da verkündet: Versus populum ist out!"
“triumphierend wird da verkündet” - und unten spricht er von "Klagen und Mißmut". Wat denn nu? Meckerer auf der Siegesstraße? Klageweiber im Triumphzug? Ich bin nicht alt genug, um mich an ganz andere Triumphzüge und Jubellieder zu erinnern, die es vor einigen Jahrzehnten nach der Schleifung so manchen Hochaltars gegeben haben soll. Aber die Berichte darüber klingen nicht ganz unglaubwürdig.
"In Rom laufen gewisse Kreise, unterstützt durch bestimmte Medien,..."
“gewisse Kreise", “bestimmte Medien": Merke: Das sind immer nur die anderen. Wetten, daß die “Liturgiereformer” und ihre Publikationsplattformen nie “gewisse” und “bestimmte” waren?
"... massiv Sturm für die generelle Wiederzulassung des Ritus von 1962 und erzeugen den Eindruck, es gebe in der heutigen Kirche nichts wichtigeres als diesen Schritt."
Darf man dann auch Eduard Nagel vorhalten, daß er denke, es gäbe nichts wichtigeres in der heutigen Kirche als die Liturgie - nur weil er dauernd drüber schreibt? Oder kommt das nun mal mit dem Job bzw. dem Interesse?
"Als Begleitmusik in den betreffenden Medien ist dazu zu hören: Die Liturgiereform ist gescheitert. Gegen all diese Machenschaften noch einmal aufzustehen ist heute die „Generation Konzil“ gefordert, die aus biologischen Gründen allmählich abtritt."
"Machenschaften" - das klingt mir ganz nach Defamation und Kriminalisierung und spricht daher für sich selbst. Auch hier gilt wohl: "Machenschaften" machen immer nur die anderen.
"Sie soll und darf bekennen, dass so Manches noch nicht erreicht ist, was die Väter des Konzils zusammen mit Gottes ganzem heiligem Volk damals von dieser Reform erhofften."
Die Hoffnung ersetzt hier den “Geist des Konzils", der u.a. von Papst Benedikt den “Hermeneutikern der Diskontinuität” erfolgreich streitig gemacht wurde. (Wobei BXVI. ihnen eine “Hermeneutik der Reform” gegenüberstellt, die er selbst mit seinem erwarteten Motu Proprio zu praktizieren hofft.)
"Sie soll sich auch an der eigenen Nase fassen, wo sie bis heute Fehler macht und damit den Gegnern der Reform unnötige Angriffsflächen und Munition bietet. Sie soll sich noch einmal anstrengen, damit deutlich wird, welche theologische und spirituelle Kraft in der erneuerten Liturgie steckt."
Eduard Nagel hat genau darum schon öfters gebeten, erst kürzlich wieder. Und ich habe es in diesem Blog dankbar vermerkt. Wenn aber die Nase weiterhin unangefasst und die Anstrengung aus-bleibt - woran liegt das dann? An den "biologischen Gründen"? Oder nicht doch auch daran, daß sich ein Teil dieser Generation auch als Liturgiemacher und Liturgieverantwortliche versteht, die die "möglichen Angriffsflächen" als unvermeidliche Opfer auf dem Weg zu einer "zeitgemäßen Liturgie" in Kauf nehmen?
"Ältere Priester sollen bekennen, welche Befreiung es für sie war, dass sie Gottes Wort jetzt in der Muttersprache den Gläubigen selbst verkünden und das Gebet in ihrem Namen laut und verständlich sprechen dürfen und keinen Dolmetscher dafür brauchen."
Ja, das sollen sie sagen und vielleicht auch dazu sagen, daß es schwer ist und war, gleichzeitig dem Wunsch von Papst Johannes XXIII. und des Konzils nach einer tatsächlichen, praktizierten Wertschätzung des Latein zu entsprechen. Und vielleicht auch, daß mitsamt der Übersetzung ins Deutsche - egal wie geglückt - auch Inhalte verändert, angepasst wurden, ohne Not, aber mit viel Reformeifer.
"Sie sollen sagen, wie buchstäblich verkehrt es ist, Menschen, die man anspricht, den Rücken zuzuwenden."
Sie sollen vielleicht auch sagen, wie buchstäblich verkehrt es ist, dem GOtt, den man anspricht, den Rücken zuzuwenden und stattdessen auf den Blickkontakt zu den Zuhörern und -schauern, die eigentlich die Mitbeter sind, zu setzen. Zum Beispiel. Andere Beispiele liefere ich auf Anfrage gerne nach.
"Wer an einer der mit bischöflicher Erlaubnis stattfindenden Messe im Ritus von 1962 teilnimmt, wird feststellen: Es ist eine eher traurige Gruppe, die sich hier zusammenfindet und ihre Andacht verrichtet, während vorn ein Priester die Messe liest."
Für dieses Mitleid werden sich die Betreffenden (zu denen ich mangels Gelegenheit nicht recht gehöre) bedanken.
"Freude und Aufbruchstimmung kam in den letzten 100 Jahren von der Jugend- und der Liturgischen Bewegung in die Kirche, Traditionalisten verbreiten vor allem Klagen und Missmut, erfährt Ihr Eduard Nagel."
“Freude und Aufbruchstimmung" - danach liest sich Eduard Nagel ganz und gar nicht. Freude und Aufbruch kommen 50 - 100 Jahre nach Jugend- und Liturgiebewegung von ganz wo anders. Nicht unbedingt von denen, die die "alte Messe" begrüßen, obwohl es - mindestens im Web - auch dort “Gaudium et Spes” zu erfahren gibt. Ihnen würde "Freude und Aufbruchstimmung" ganz schnell als Triumphalismus ausgelegt. Ach so: aus dem Liturgischen Institut und entsprechenden Ordinariatsdezernaten weht der Wind der "Freude" und der "Aufbruchstimmung" auch nicht gerade - und von den Liturgielehrstühlen schon gar nicht.

[10.2.2007: Kleinere Korrekturen und Verdeutlichungen vorgenommen]

8. Februar 2007

3000+

Jetzt habe ich's doch verpasst: Posting Nr. 3.000 nach genau 1.656 Tagen.

Nix war's mit "großer Fete". Stattdessen ein Link zum Blogito-T-Shirt, mit Dank an Max.

Statt "Blogito ergo sum" müsste es heißen: "Legor ergo blogo - man liest mich, also blogge ich".
Wo der Cheddar reift

www.cheddarvision.tv

Und um auf Tom Calvers Frage ("How many other cheeses do you know of on the internet that have their own webcam and a live feed to the internet?") zu antworten: Ich kenn' keinen.
Heruntergekühlte Reaktoren

"Religion ist nie cool", sagt Walter Kasper (und den Kontext muss man, scheint's, in der gedruckten Zeit nachlesen).

Aber mindestens ist dieser Satz viel cooler als der von Peter Sloterdijk, den der Perlentaucher ebenfalls aus der Zeit zitiert:
"Es ist ja die große Leistung des institutionalisierten Christentums, dass, um im Bild zu bleiben, in ihm eine hoch entwickelte Reaktortechnologie entstanden ist. Was bei naiven Gemütern leicht eine durchbrennende Manie ergäbe, kann hier durch eine sehr elaborierte Psychotechnik, durch asketische und meditative Übungen und durch erlernbare Formen der spirituellen Prüfung auf ein lebbares Format zurückgebracht werden."

7. Februar 2007

Jesusbilder

Jemand da draußen wartet noch auf eine Antwort auf die Frage, ob wir uns denn tatsächlich von unseren Gottesbildern frei machen sollen, wie ein Prediger kürzlich meinte.

Ich würde sagen: Geht gar nicht. Aber das Mail soll natürlich länger als diese drei Worte werden, und dafür ist es heute schon zu spät.

Für die Wartezeit: Jede Woche ein neues Jesusbild bei "Jesus of the Week"
Und es tut sich noch mehr

Magnificat anima mea Dominum

Am Anfang war das Wort
"Gerade Blogs oder Podcasts..."

"Die Kirche hat nach den Worten des Würzburger Bischofs Friedhelm Hofmann durch ihr Internetangebot die Chance, verstärkt in Kontakt mit jungen Menschen zu kommen. Gerade Blogs oder Podcasts könnten diese Zielgruppe anziehen, sagte Hofmann am Freitag bei der Feier zum zehnjährigen Bestehen des Internetangebots seines Bistums in Würzburg. Dafür müssten die Verantwortlichen jedoch Mut, aber auch Verantwortung aufbringen, neue Kommunikationswege zu beschreiten. Zudem hob Hofmann die steigenden Nutzerzahlen kirchlicher Internetangebote hervor. 'Wachstum ist für die Kirche hierzulande und heutzutage nicht selbstverständlich.' Die Internetseelsorge habe sich als bewährte Anlaufstation bewährt. Der Würzburger Generalvikar Karl Hillenbrand rief dazu auf, das Internet verstärkt zur Kommunikation über den Glauben zu nutzen. Er warnte aber vor Oberflächlichkeit. Die Schnelligkeit dürfe nicht einer differenzierten Vermittlung im Wege stehen." (Tagespost vom 27. Januar 2007)
Die Tools sind schon lange da, billiger als kostenlos geht es nicht und Zeit haben wir alle keine. In der Kirche gibt es viele wortgewaltige Sprecher und Schreiber, alle mit Theologiestudium, Lebenserfahrung und interessantem Alltag. Dann also mal los!

Ein gewisses Risiko ist immer dabei, denn mindestens Blogger exponieren sich mehr als andere Internetautoren - aber immerhin sind wegen christlicher Blogs bestimmt noch nicht so viele Leute vom Glauben abgefallen wie wegen der Bistumspresse und ihrem "Qualitätsjournalismus".

6. Februar 2007

Am 6. Februar ist...

Ich bin ja kein Nutella-Mann. Ich stehe auf die Marmeladen meiner Gattin, meiner Schwägerin, meiner Mutter und meiner Schwiegermutter.

Aber vielleicht gibt es da draußen ein paar Nutella-Personen. Ihnen sei gesagt, daß heute der Welt-Nutella-Tag ist.

ACBOC und AKK

Wenn "Kirchen" Copyright-Probleme haben, klingt das so:
"As of March 12, 2003, the 'Anglican Catholic Byzantine Orthodox Church' also known as 'ACBOC' for short was dissolved due to proposed legal action from the 'Anglican Catholic Church' (the ACC) over copyright violation, and trademark/servicemark infringement for our use of "Anglican Catholic" in our name." (Quelle)
Die "Arianisch-katholische Kirche" dagegen scheint von derartigen Problemen noch frei zu sein. (via Occidentalis)

5. Februar 2007

Von einem Bischof und seinen Mitarbeitern

Ein Bischof, der solche Mitarbeiter hat, braucht keine Feinde:

Der Bischof heißt Friedhelm Hofmann. Seine Priester sind ihm wichtig (was man anscheinend nicht von jedem seiner Vorgänger sagen konnte). Er wünscht, hofft und betet, daß es auch morgen und übermorgen in seinem Bistum genug oder wenigstens ausreichend Priester geben möge - und dazu auch viele andere, die sich ganz, ungeteilt und permanent in den Dienst Jesu Christi und seiner Kirche stellen. Um dieses Anliegen in sein Bistum hineinzutragen, hat er eine "Berufungsinitiative" gestartet: "Mensch - Christ - Mut zu mehr" heißt sie.

Die Mitarbeiter sollen an dieser Stelle namenlos bleiben, aber ihre Antwort haben sie dem Bischof öffentlich und indirekt ins Gesicht geschrieben:

Der eine ist Priester und Geistlicher Leiter eines diözesanen Bildungshauses. Er schreibt gelegentlich in der besinnlichen Ecke der lokalen Samstagszeitung. Und wenn er dort das Anliegen seines Bischofs aufgreift, dann natürlich nur als Aufhänger: Wichtig sei nämlich, daß jeder von uns berufen sei. Jeder an seinem Platz. Auf besondere Berufungen solle man dabei nicht schielen oder sie gar in den Vordergrund rücken.

Die andere ist City-Seelsorgerin und darf ebenfalls im Lokalblatt Besinnliches von sich geben. Sie geht eher assoziativ vor, berichtet, was ihr in den Sinn kam, als sie das Wort vom "Mut zu mehr" las. Pech für den Bischof, Pech für den Priesternachwuchs, daß sie es mit Wortspielen hat: "Mut zu mehr" mag gut und schön sein, aber käme es nicht darauf an, den "Mut zum weniger" zu fördern. Den Mut zum kleineren Auto, zum kleineren Steak, dem einfacheren Leben, zu den einfachen Dingen. Wir kennen die Litanei.

Als Laie weiß ich schon lange, daß ich berufen bin zu etwas ganz Besonderem; als Christ weiß ich, daß weniger durchaus mehr sein kann. Als deutscher Katholik und Kirchensteuerzahler stehe ich verblüfft vor so viel Chuzpe.

Ja, ich habe mir nach dreißig Jahren Kirchenkampf immer noch ein wenig Naivität bewahrt - und müsste es doch besser wissen. Mit den Kopierern des Systems das System niederschreiben und stürzen - in Deutschland geht es immer noch.

4. Februar 2007

Da tut sich was

Meneteqel Weblog.

Commentarii von Orietur Occidens - fast schon ein Weblog.
Klimareligion

Die Welt über Dogmatiker und Häretiker, übers unfehlbare Lehramt und den sensus fidelium, eine Liste von verbotener Denker und einige Anathemata.
Mr. Jesus Christ and the gentleman

Das Große Glaubensbekenntnis, aus dem Deutschen per Google ins Englische übersetzt (via dotCommonweal):
"We believe in God, which father, who allpowerful, who creates everything has, skies and earth, the visible and the invisible world. And to the one Mr. Jesus Christ, God native son, from the father born before all time: God of God, light of the light, true God of the true God, witnessed, not production, a nature with the father; by it everything is created. For us humans and to our welfare he came from the sky, has meat by the holy spirit of the virgin Maria and humans became accepted. He suffered for us gekreuzigt from Pontius Pilatus, and was buried, is up-arisen driven after the writing and on the third day into the sky. It sits to rights of the father and will come back in glory to arrange the living persons and the dead ones; its rule no end will be. We believe the holy one in spirit, which is gentleman and makes alive, who follows from the father, who becomes with the father and the son angebetet and gentleman light, spoke by the prophets, and the one, holy, catholic and apostolische church. We admit the one baptism to assigning of the sins. We expect the Auferstehung of the dead ones and the life of the coming world."
Hm. Verherrlicht = gentleman light. Hat was für sich.

3. Februar 2007

Jetzt schon an den Vatertag denken!



(via Spiegel Online - danke, Herr F.)
Schwebende Hostie



Ob das mal ein Wunder ist, wie auch A Catholic In Steinbach zu Recht fragt...

(Und nein, Eve wohnt nicht in Steinbach, Steinbach oder Steinbach, sondern in Steinbach, CA und ist somit kein neues Mitglied der Blogozese.)

2. Februar 2007

Was ein Protestant so sieht

Aktuell lese ich das Buch "Zurück zur Religion", eins aus einer ganzen Gruppe von Neuerscheinungen, die sich mit der Renaissance der Religion in Deutschland befassen. Geschrieben hat es Johann Hinrich Claussen, evangelischer Propst in Hamburg und "künftiger Hauptpastor an St. Nicolai" (was etwas besonderes zu sein scheint, wo es überall steht).

Auch wenn man alles schon einmal gehört hat - vielleicht mit weniger protestantischer Skepsis und Zurückhaltung: Er ist ein guter Beobachter und kann spannend schreiben. Ziemlich sicher werde ich seine Art von Protestantismus anschließend nicht für die zukuftsträchtigste Ausprägung des Christentums halten, aber bis dahin ist es schon interessant, mit Pastorenaugen auf die eigene Kirche und auf ihr Umfeld zu schauen:
"Die katholische Kirche lebt nicht vom Wort allein, sondern vor allem auch vom Bild, das dieses Wort anschaulich werden läßt. Sie äußert sich nicht zuerst in individuellen Sprechakten, sondern in der gemeinschaftlichen Betrachtung des religiösen Kerns. Dies ist der öffentliche Gottesdienst. Er entfaltet bewußt visuelle Opulenz: in strahlenden Kirchenräumen, mit edlem Meßgeschirr und ausgesucht farbigen Gewändern. Priester vollziehen den Gottesdienst. Die Gemeinde genießt ihn betrachtend. Diese Teilnahme durch Zuschauen ist nicht, wie manche Protestanten meinen, gleichbedeutend mit Passivität. Das Zuschauen kann ebenso wie das Zuhören eine höchst konzentrierte seelische Aktivität sein. Auch durch das Auge können geistige Inhalte tief eindringen. Nicht selten wird das Zuschauen intensiver erlebt. Es ist weniger durch den Verstand eingeengt. Das Gefühl wird angesprochen, der Schönheitssinn geweckt, und eine Ahnung vom Geheimnis Gottes stellt sich ein, die sich nicht in Worte fassen läßt.

Die katholische Kirche ist grundsätzlich auf Sichtbarkeit angelegt. Doch wer kommt noch, um sich ihre Gottesdienste anzuschauen?" (S. 60f)

30. Januar 2007

Join us, come, join us

Der Vollständigkeit halber: Nach den Italienern, Amerikanern, Franzosen, Polen und Deutschen nun die Briten. U.a. mit Catherine Pickstock (die es wissen muß), Dom Alcuin Reid, Lawrence Paul Hemming und Piers Paul Read.

British declaration in support of the liberalization of the 1962 Missale Romanum.
Symbolfiguren

Wolfgang Huber.

Georg Gänswein.

Zitat des Tages: "Die weiße Steppjacke und die Baseballmütze, die nehme ich auf meine Kappe."
2 min 38 Gospel im Bluegrass-Stil



"Jesus is the boat, you better get in!" - Jeanette Williams und Band sitzen schon drin.

29. Januar 2007

Chesterton pod-gecastet



Maria Lectrix hat begonnen, uns Chestertons "Everlasting Man" vorzulesen. (via In Illo Tempore)

Hier ist das mp3-Archiv.
Schönheit, Zufriedenheit und die Religionen

Martin Mosebach in der Tagespost über mehr als nur (s)ein Thema:

"Tagespost: Goethe schreibt Muslimen ein unverklemmtes Verhältnis zur Tradition zu und lässt Hafis sagen: „Weil in glücklichem Gedächtnis/ Des Korans geweiht Vermächtnis/ Unverändert ich bewahre.“ Sind traditionsbewusste Gläubige zufriedener mit ihrer Religion?

Mosebach: Zufriedenheit ist, glaube ich, kein typischer Gemütszustand des traditionsbewussten Gläubigen. Beunruhigung und Unglück über die eigene Unvollkommenheit, Sehnsucht nach der Erlösung aus den irdischen Fesseln, Leiden an Gottes Ferne und Glück über Gottes Nähe – das sind die Elemente, aus denen sich die Gemütszustände traditioneller Frömmigkeit mischen.

(...)

Tagespost: In Ihrem indischen Reisetagebuch vom 18. 9.2006 schreiben Sie: 'Die inzwischen der ganzen Welt bekannte Frage des Kaisers Manuel Paläologos, was Mohammed der Welt denn Neues gebracht habe, könnte beim Anblick von Qutb Minar die Antwort erhalten: ,Auf jeden Fall große Architektur.‘ Ist Schönheit nicht auch ein wichtiges religiöses Argument?' Und die anderen Argumente?

Mosebach: Man tue nicht so, als ob die Schönheit ganz selbstverständlich ein religiöses Argument wäre – im Westen, zumal im protestantisch geprägten Deutschland jedenfalls nicht. Schönheit wird in den religiösen Milieus Deutschlands mit stumpfem Widerwillen betrachtet oder hämisch denunziert. Wenn die religiöse Wahrheit, dass Schönheit eine Eigenschaft und Wirkungsform Gottes ist, in unserer Sphäre wirklich begriffen worden wäre, hätten die Verwüstung der Liturgie, die Schändung unzähliger Kirchen bis jüngst die des Freiburger Münsters und die Katastrophe der neuen religiösen Musik niemals stattfinden können. Ich vermag die makellose Schönheit der roten Moschee oder des Grabes von Humayun in Dehli nur als Zeugnisse göttlicher Inspiration zu begreifen. Welche Konsequenz ergibt sich daraus theologisch? Die Antwort auf diese Frage interessiert mich offen gestanden nicht besonders. Dazu ist mein Eindruck von dieser evident gottgewirkten Schönheit zu stark."

28. Januar 2007

What happened the day the music died?

Autopsy of 'Big Bopper' to Address Rumors About 1959 Plane Crash (Washington Post)
Irische Käferchen und leichte Lieder



Von kindgerechten Holzkreuzen hatten wir es an dieser Stelle schon öfters. Der Weltbildversand bietet allen, die ihren Kindern den Sinn für Schönheit und ernsthaft-frohe Religion austreiben möchten, ein "Holzkreuz »Glück«" an, ein "dekoratives Symbol für Gottvertrauen, Glück und Freude an der Schöpfung Gottes".

Das obligatorische "irische Segenswort" darf nicht fehlen; es lautet:
"Jeder Tag möge glücklich für dich werden.
Deine Gedanken sollen fröhlich sein wie die irischen Marienkäfer;
dein Herz so leicht wie ein kleines Lied."
Paulus' dritter Brief an die Korinther:
Bemalt mir Kreuze für die Kinder.

Im ersten klang er noch anders.
Kommentar eines Wochenkommentars

"Vermutlich wird Papst Benedikt bald die Erlaubnis geben, die Eucharistie wieder häufiger im überlieferten oder klassischen oder tridentinischen Ritus zu feiern. Es wäre aber völlig falsch, wenn sich die Katholiken darüber in die Haare kämen, die einen voll Freude über diese Rückkehr, die anderen voll Ärger."
- D'accord. Wobei dann nicht die im Unrecht sind, die sich darüber freuen, wohl aber die, die "voll Ärger" polemisieren und protestieren und überhaupt den nächsten rollback befürchten. Im Unrecht und völlig falsch sind weiterhin auch jene, die diesen Schritt als Sieg des alten über den neuen, des ewig-gültigen über den postkonziliar-vergänglichen Ritus ansehen und feiern.
"Der Papst will die alte Liturgie keineswegs allgemein einführen oder dazu verpflichten. Er ist nur der Überzeugung, dass das Verbot dieses klassischen Ritus nach dem Konzil der kirchlichen Tradition widerspricht, denn Riten werden seiner Überzeugung nach zwar fortentwickelt, aber nicht einfach abgeschafft."
Das stimmt wohl, aber von den Schriften des Kardinal Joseph Ratzinger her hat BXVI noch andere Intentionen, nämlich die einer heilsamen Rückwirkung des überlieferten auf den neuen Ritus, wie ich es hier einmal anzudeuten versuchte. Mag sein, daß dieser Gedanke den Kontinentalkatholiken aufgrund alter Frontstellungen fern liegt - er findet sich aber in Schriften z.B. englischer Theologen wie Aidan Nichols OP oder Jonathan Robinson.
"Es dreht sich bei dem Ganzen vor allem nicht ums Latein und um die Zelebration mit Rücken zum Volk. Denn beides kann auch im neuen Ritus geschehen."
- Kann wohl, passiert aber fast nie. Im Gegenteil, Latein und Zelebration zum (liturgischen) Osten hält die Mehrheit in ihrer Unwissenheit für unvereinbar mit dem neuen Ritus. Ja: zum Osten, ad orientem, nicht "mit Rücken zum Volk", lieber Pater.
"Die genauen Unterschiede zwischen dem alten und dem neuen Ritus sind minimal und fast überhaupt nicht zu erkennen, wenn der neue Ritus – wie erlaubt und gewünscht - auf Latein gefeiert wird und sogar mit dem Rücken zum Volk."
- Diesem Satz würden außer den Traditionalisten vor allem nicht die Messreformer aus den 60ern, den 70ern und allen anderen nachkonziliaren Jahrzehnten zustimmen.
"Unser eigentliches Problem jedenfalls in Europa ist meines Erachtens, dass Gläubige heutige Messfeiern manchmal zu banal finden, zu wenig vom Mysterium geprägt – manchmal auch in den Riten zu beliebig."
- Manchmal? Manchmal oft! Auf jeden Fall zu oft. Aber wie war das noch eben mit den marginalen Unterschieden zwischen beiden Riten? Woher dann diese Beliebigkeit, trotz aller päpstlichen Ermahnungen, trotz Redemptionis Sacramentum, trotz der Worte der Deutschen Bischofskonferenz zur rechten Feier der Gottesdienste?
"Daher wünschen sich vor allem Christen mit Stilgefühl wieder mehr klassische Verbindlichkeit und das Mysterium. Dahinter steht vermutlich auch eine Sehnsucht nach dem verbindlich hochstehend Europäischem."
- Hier klingt es wieder an: das Killerargument: Nur eine aussterbende, überkultivierte Oberschicht mit "Stilgefühl". Aber vielleicht sind es ja wirklich nur noch wenige, die wissen, daß das katholische Christentum und katholische Liturgie Architekten und Baumeister, Komponisten und Dichter, Schriftsteller und bildende Künstler zu Meisterwerken getrieben und beflügelt hat? Vielleicht sind es - und wenn es stimmt, ist es wahrhaft schrecklich - wirklich ein paar kulturelle Eliten, die sich nach Schönheit sehnen? Schönheit, auch liturgische Schönheit als Geburtsrecht eines Katholiken, einer Katholikin?
"Damals wusste man: eine katholische Messe wird von Lissabon bis St. Petersburg überall gleich gefeiert. Man war vor Überraschungen sicher."
- Überraschungen, die auf das Konto der aktuellen Laune, der Individualtheologie des Zelebranten, des Lektors, der lokalen Liturgiekreise gehen. Überrschungen, die uns das Konzil ersparen wollte.
"Aber geben wir es zu: Millionen haben damals nur brav und auch gläubig teilgenommen, aber fast nichts verstanden und daher Rosenkranz gebetet. Nur deutsche Intellektuelle hatten den Schott, den es in anderen Ländern nicht gab."
- Ich besuche nachher meinen Vater, 1934 geboren, Hauptschulabschluß, Papiermacherlehre, Pfadfinder, musikalisch interessiert, dichterisch begabt, aber leider nicht in einer begüterten oder gebildeten bürgerlichen Familie groß geworden, sondern als Sohn eines Industriearbeiters, eines Invaliden aus dem Ersten Weltkrieg. Ich werde ihm sagen, daß er ein "deutscher Intellektueller" war, denn einen Schott hatte er!!!!!
"Der Wunsch, die Messe aktiv und verstehend mitzufeiern, ist gut und wichtig. Daher kommt es meines Erachtens heute nur darauf an, dass wir Priester wieder lernen, das Mysterium richtig zu feiern, sodass Glaube, Herz und Verstand gleichzeitig angesprochen werden."
- D'accord. [Nachtrag am 29.1.: Nicht d'accord, denn ich hatte das "nur" überlesen. Inzwischen sind so viele falsche Erwartungen geweckt worden, so viele (imho) schlechte Gewohnheiten eingerissen, daß die "Reform der Reform" oder wie P. von Gemmingen wahrscheinlich sagen würde: "die rechte Implementierung der Reform" von den Priestern allein nicht geschultert werden kann. Und schon gar nicht in überschaubarer Zeit.]
"Wenn wir dann freilich einen Blick in die wachsenden Kirchen Afrikas und Asiens werfen, dann ist die Frage nach der richtigen Messfeier in Europa nur ein Nachhutgefecht. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass in den jungen Kirchen sich jemand nach dem alten Ritus sehnt."
- Kann ich nicht beurteilen, der Pater vom Radio Vatikan wird's schon wissen. Aber mit Philip Jenkins bin ich für Überraschungen offen, besonders für solche, die auch P. von Gemmingen SJ überraschen...

Naja, liebe Leute, mit der Liturgie jedenfalls haben sie's nicht so, die Jesuiten.

27. Januar 2007

Hut auf den Schultern

"Ja, ist er noch so fröhlich? Der Papst mag ihm einen Hut senden, wenn er mag, aber ich werde dafür sorgen, daß, wann auch immer er kommet, er ihn auf seinen Schultern tragen soll, denn einen Kopf soll er nimmer haben, ihn darauf zu setzen."
So sprach Heinrich VIII. und ermöglichte es John Fisher, zum ersten und einzigen Kardinal-Märtyrer der römischen Kirche zu werden. (via Hermeneutic of Continuity)

Zur Ehre der anderen Kardinäle sei gesagt, daß andere kurz davor waren, sich ihm beizugesellen.
Blogger-Probleme

Jetzt, nach 2.979 Postings, bietet Blogger endlich die Möglichkeit, Postings zu "taggen" bzw. zu "labeln".

Da werde ich mal ganz vorsichtig damit anfangen. Und wieder, wie vor viereinhalb Jahren, fallen mir nur lateinische Tags ein...

26. Januar 2007

Immer diese Deutschen. Nicht mal das kriegen sie hin.

Denn jetzt haben wir die Messe-Wirrnis.
245 und immer noch zu wenig

Ralf hat sich für sich und uns die Mühe gemacht, aus dem "Ott" 245 Glaubenssätze mit sozusagen höchster Verbindlichkeit zusammenzustellen. Es sind quasi konzentrierte Extrakte, katholisches Christentum in hochkonzentrierter Essenz bzw. als hochkonzentriertes Trockenpulver, die Stahlträger der Dorfkirche, die Säulen des Petersdoms.

So, wie sie dastehen - und das soll jetzt keine Kritik an Ralf sein -, leiden sie natürlich an der Krankheit des "Asyndetons", einer unverbundenen Aneinanderreihung, wie sie Catherine Pickstock als Krankheit modernisierter Liturgien ausgemacht hat:
"In a 1994 essay, Catherine Pickstock examines two translations of the Nicene Creed - one published in 1549 and one in 1980 - and demonstrates how the contemporary version's tendency toward asyndeton defeats its own doctrinal purpose. Do the separate, independent clauses of this version imply separate and independent articles of faith, any one of which may be omitted at will? By making the sentence structure simpler and clearer, the translators sought to assist the worshiper in apprehension of the text. But there is no evidence to support the notion that the simple structures of asyndeton are more readily apprehensible. Since meaning resides not only in things themselves but also in the connections between them (in this case, conjunctions), asyndeton can be seen, not as the syntax of simplicity and clarity, but, rather, that of opacity and disorientation."(Quelle)

[Catherine Pickstock untersucht zwei Übersetzungen des Nizänischen Glaubensbekenntnisses - die eine 1549 veröffentlicht, die andere 1980 - und zeigt, wie die Tendenz der zeitgenössischen Version zum Asyndeton ihre lehrhafte Absicht vereitelt. Schließen die getrennten, unabhängigen Abschnitte getrennte und unabhängige Glaubensartikel in sich, von denen jeder nach Belieben weggelassen werden kann? Indem sie die Satzstruktur einfacher und klarer machten, suchten die Übersetzer dem Beter beim Verständnis des Textes zu helfen. Aber es gibt keine Evidenz, die die Auffassung unterstützt, daß die einfachen Strukturen des Asyndetons leichter verständlich sind. Da die Bedeutung nicht nur in den Dingen selbst, sondern auch in ihren Beziehungen wohnt (in diesem Fall ihren Verknüpfungen), kann man das Asyndeton nicht als die Syntax der Einfachheit und Klarheit sehen, sondern eher als die der Undurchsichtigkeit und Desorientierung.]
Glaubt, wer jeden einzelnen Satz als einzelnen glaubt, nicht zu wenig? Wenn wir unserem Papst zuhören, der ein Meister der "Einfaltung" (Hans Urs von Balthasar) ist und gleichzeitig für die Gültigkeit der 245 einsteht, dann merken wir, daß es mindestens für uns Normalkatholiken nicht auf die Vollständigkeit und aufs Auswendiglernen ankommt, sondern auf die Begegnung, die Freundschaft, die Hingabe an den, den diese Sätze eigentlich meinen: Jesus von Nazareth, den Messias, den Sohn Gottes und Erlöser der Welt, und den drei-einen GOtt, das Alpha und das Omega für uns und für die Welt.
13 von 50

Über den Daily Eudemon zur "Liste der 50 Biere, die man vor seinem Tod getrunken haben sollte" gekommen. Sie hat zwar eine Schlagseite über den Atlantik hinweg und ist aus "fun" aufgestellt worden, aber ganz so schlecht bin ich nicht dabei:

1, 7, 9, 10, 16, 26, 31, 33 (eine wieder im Keller), 34, 35 (gerade vorletzte Woche), 36, 41 und natürlich die 50. Die 38 wäre grundsätzlich machbar, besonders wo seit einiger Zeit mein Lieblingsneffe mit seinen Eltern in Munich wohnt...
Und dann war da noch ...

die Frage nach der "Qualität von Amtshandlungen", die umso wichtiger wird, je mehr der Klerus (auch wenn er unklerikal und ohne eigenes Sakrament daherkommt) in den Mittelpunkt rückt.
Schweigegebote

"Zuweilen hat man den Eindruck, wir könnten leichter über Sexualität reden als über die letzte Predigt." (Welt)

Bei evangelischen Pfarrern mag das so sein, bei katholischen Laien ist es umgekehrt.

25. Januar 2007

Noch einmal das Manifest zur Wiederzulassung der überlieferten lateinischen Messe

Diesmal nicht nur im Wortlaut, sondern auch mit einer Auswahlliste von Unterzeichnern und einem Formular zum Selberunterschreiben und Einschicken.

Leider komme ich diese Tag nicht groß zum Bloggen, obwohl es einiges zu schreiben gäbe. Habt Geduld.

24. Januar 2007

In den Worten von Oma Weh

"Man muss denen helfen, die sich nicht selbst helfen können. Und manchmal muss man für die sprechen, die keine Stimme haben." (Terry Pratchett: Kleine freie Männer, S. 194)

Abbé Pierre - ruhe in Frieden!

21. Januar 2007

Effiziente Kirche Deutschlands

Die FAZ: "Die evangelische Kirche möchte so reden, wie alle reden, denen vor allem daran gelegen ist, sich selbst und ihre Geschäfte zu 'optimieren'."
"Besser als Katholisch geht's nicht"

Alipius berichtet von seiner heutigen Sonntagsmesse in Rom, genauer aus St. Agnes vor den Mauern und lässt sich zum obigen Glaubensbekenntnis hinreißen.

Ich habe meinen Sonntagsgottesdienst noch vor mir und freue mich im gleichen Wissen wie er auch schon drauf. Mehr Jesus Christus gibt es nirgends, Ritus hin oder.

20. Januar 2007

20. Januar

Heute ist nicht nur der Festtag der Heiligen Märtyrer Fabian und Sebastian, der in unserer Familie mit einer gewissen Festlichkeit begangen wird. Vor 65 Jahren, am 20. Januar 1942 entschied sich P. Joseph Kentenich nach Wochen der Einzel- und Dunkelhaft im Gestapo-Gefängnis von Koblenz, nach langem inneren Ringen und Beten, und "aus dem Glauben an die Realität der Übernatur", auf eine weitere Untersuchung auf "Lagerfähigkeit" zu verzichten - ein Arzt hatte ihm einige Tage vorher die Tauglichkeit fürs Konzentrationslager bescheinigt. Er legte damit sein Leben, aber auch das Schicksal seiner Gründung, der Apostolischen Bewegung von Schönstatt und ihrer Gemeinschaften, in die Hand Gottes.

Realität der Übernatur. Ja. Das ist es.
Champions of the Church

Clericus-Cup
Fehler des Tages:

Ohne Buch an einem ausgedehnten Einkaufsbummel teilnehmen.

Immerhin habe ich es aber geschafft, so entspannt in der Regungslosigkeit zu verharren, daß man mich für eine Modellpuppe hielt.

19. Januar 2007

What's your Starbucks name?

Ganz klar: Scipio. Muß ich das nächste Mal wirklich sagen. Meinen richtigen kann auch keiner richtig schreiben.
Nur "vermeindlich"* kompetent

Martin hat ihn schon verlinkt, aber der Kommentar der TAZ zu den schon unheimlichen, derzeitigen wie künftigen Kompetenzen der EKD ist zu schade, um an dieser Stelle verschwiegen zu werden.

Luther würde heutzutage auf der Wartburg Selbstmord begehen, weil jetzt nicht nur seine Theologie, sondern auch noch seine Sprache völlig für die Katz war. Oder würde er doch, hoffend wider alle Hoffnung, "eine Diskussion zur Qualität kirchlichen Handelns zunächst im Blick auf die" (EKD-Papier, S. 102) kirchliche Amtssprache "anstoßen"? Oder wo würde er denen helfen, die ihn wie Philippus fragen: " Herr / wir wolten Jhesum gerne sehen."

* EKD-Papier "Kirche der Freiheit, Vorwort, S. 7
Tradition und Wahrheit

"Eine Tradition, die völlig transparent ist, ist eine Tradition, die völlig am Ende ist." (Leon Wieseltier: Kaddisch, S. 100)

"Die Wahrheit wird nicht verletzt durch Falschheit. Sie wird verletzt durch Lässigkeit." (ebd., S. 325)

18. Januar 2007

Von Adoptianismus bis Valentinianismus

Eine kurze Liste der "gewaltigen Hindernisse" bei Ignatius Insight, die beim frühkirchlichen Wagenrennen rechts und links liegen blieben.

17. Januar 2007

How long, baby, how long

Elsa ist in Endzeitstimmung und ich wollte, um sie zu beruhigen, mal kurz auf den Rapture Index schauen, der aber auch bei beunruhigenden 160 Punkten liegt.

Zum Glück sagt uns der Herrn unten via YouTube, daß wir noch fünf Jahre Zeit haben. Genug, um ein Bäumchen zu pflanzen und ein paar andere Dinge zu erledigen, die man immer schon mal tun wollte.

Nun auch im deutschen Sprachraum:

Manifest zur Wiederzulassung der überlieferten lateinischen Messe

Die Welt bringt den ganzen Text, der aber im Gegensatz z.B. zu seinem französischen Bruder nicht innerkatholisch, mit Bezug aufs Konzil, auf die Einheit der Kirche, auf die Bedeutung der "alten" Messe für so viele Heilige, argumentiert, sondern im vorkirchlichen Raum bleibt: Die traditionelle katholische Messe als "überragendes Werk der Weltkultur", als Mutterboden für den Gregorianischen Choral, als Inspiration für große Musik, als "Anstoß für eine breitere Beschäftigung mit den kulturellen Wurzeln des Abendlandes" und - mit Bezug auf ein Schreiben Johannes' XXIII. - als förderlich für "die Kultur der Menschlichkeit".

Da hat Paul Badde wohl recht, wenn er in seinem Kommentar als Adressaten des Textes eher "deutsche Intellektuelle und Prominente" sieht als den Papst, die Kurie - und schon mal gar nicht den deutschen Episkopat und Kirchenapparat, der diesem Anliegen auch nicht unbedingt offen gegenübersteht und wohl auch dieses Manifest "nicht so ohne weiteres [für den] Wille[n] des Volkes Gottes" halten wird, sondern für eine weitere Verlautbarung "ganz wenige[r] Leute", für die "die Ästhetik der Liturgie eine Rolle spielt" (Zitate von Kardinal Lehmann).

Aber ist es nicht auch wieder typisch für den traurigen Niedergang des katholischen Sinnes für eine GOtteswürdige Schönheit der Liturgie, wenn Intellektuelle wie Botho Strauß und Ulla Hahn retten müssen, was die Kinder von Mutter Kirche schon gar nicht mehr kennen und kaum vermissen? Und was ihnen ihre Priester und Liturgiebeauftragten aus dem "neuen" Ritus oft genug gründlich ausgetrieben haben?
Nicht nur nächste Woche,

..., aber da ganz besonders: Die Gebetswoche für die Einheit der Christen vom 18. - 25. Januar:
"Herr Jesus Christus, du Sieger über Sünde und Tod,
schau nicht auf unsere Sünden,
sondern auf den Glauben deiner Kirche
und schenke ihr nach deinem Willen Einheit und Frieden."
2mal Bernanos

Georg Alois Oblinger stellt Bernanos in der Tagespost gleich zweimal vor: Einmal in der Reihe der "50 besten Romane" mit seinem "Tagebuch eines Landpfarrers" und dann am gleichen Tag noch einmal mit einer Rezension der im Johannes-Verlag neu herausgegebenen Briefsammlung "Das sanfte Erbarmen/Die Geduld der Armen".
Even if

Hatten wir diesen Satz schon mal?

"If Christianity is untrue, no honest man will want to believe it, however helpful it might be; if it is true, every honest man will want to believe it, even if it gives him no help at all." (C. S. Lewis)

16. Januar 2007

Die wahre Blogozesen-Reform...

... ist natürlich immer die der Herzen, besonders die des eigenen (und meine damit meines, nicht das anderer Brüder und Schwestern). Und so lese ich mit Freude die Einladung und den lieben Gruß von Zuzanna und ihrem Kompendium.

Siebenundsiebzigmal. Und dann vergessen. Und nicht nachtragen.
"Eingeweide, Chef!"

Wird's Frühling oder muß man jetzt schon zu den Waffen des Dichterinnenwortes greifen, um im Lebenskampf zu bestehen? So oder so, heute jedenfalls Woche der Poesie bei Strizz.
Dummies für BXVI und alle anderen auch



Bei kath.net stand dieses Buch vor Weihnachten in den TopTen, der Verlag ist einer der größten Wissenschaftsverlage der Welt - und nun hat es auch noch den Sixteenischen Segen. Dann müsste ich es doch auch weiterempfehlen können, obwohl ich es (noch?) nicht kenne:

Emoticon


Mißverständnisse.

Gibt es ein Emoticon für "Ganz fest die Lippen zusammenpressen und keinen Ton sagen, weil man es sich so vorgenommen hat"?

15. Januar 2007

Die wilde Wahrheit über die Dogmengeschichte

So sieht Chesterton die "Relikte aus der Zeit, in der es noch feste Gewißheiten gab" - ich nehme den Text so, wie ihn Hans Urs von Balthasar in "Katholisch: Aspekte des Mysterium" zitiert:
"Ich meine die ungeheuerlichen Kriege im Zusammenhang mit kleinen Fragen der Theologie, die Erdbeben der Erregung wegen einer Gebärde oder eines Wortes. Es handelt sich nur um Fingerbreite, aber die Breite eines Fingers ist alles, wenn das Ganze in der Waagschale liegt. Wenn man eine Idee abschwächt, wird gleich die andere machtvoll. Es war ja nicht ein Trüpplein Schafe, die der christliche Hirte zu lenken hatte, sondern eine Herde von Stieren und Tigern, von schrecklichen Idealen und gefährlichen Lehren – jede einzelne von ihnen stark genug, in eine falsche Religion umzuschlagen und die Welt zu verwüsten. Man erinnert sich, dass die Kirche besonders für gefährliche Ideen eintrat; sie war ein Löwenbändiger. Die Ideen von der Empfängnis durch den Heiligen Geist, vom Tod eines göttlichen Wesens, von der Sündenvergebung, der Erfüllung von Prophetien sind Ideen, die, wie leicht ersichtlich, im Nu in etwas Blasphemisches oder Verrücktes ausarten können. Ein Fehlgriff in der Definition und der Reigen wäre abgebrochen, alle Christbäume wären verdorrt, alle Ostereier zerschlagen...
In den ersten Zeiten warf sich die Kirche wild und feurig wie ein Schlachtroß in jeden Kampf; doch es ist äußerst unhistorisch, zu behaupten, sie sei wegen jeder Idee aus dem Häuschen geraten wie ein gewöhnlicher Fanatiker. Sie bog nach rechts und nach links, um gewaltige Hindernisse knapp zu umgehen. Sie ließ auf der einen Seite den mächtigen Klotz des Arianismus liegen, der unterstützt war von allen weltlichen Mächten, die das Christentum zu weltlich machen wollten. Im nächsten Augenblick schwenkte sie ab, um einen Orientalismus zu vermeiden, der es zu weltfern machen wollte. Es ist leicht, verrückt zu sein; leicht, ein Häretiker zu sein. Es ist immer leicht, die Welt überhandnehmen zu lassen; schwierig ist, selbst die Vorhand zu behalten. Es ist immer leicht, Modernist zu sein, wie es leicht ist, ein Snob zu sein. In irgendeine dieser offenen Fallen des Irrtums und der Übertretung zu geraten, die eine Modeströmung nach der andern dem Christentum auf seinen geschichtlichen Weg gelegt hatten – das wäre in der Tat leicht gewesen. Auf irgendeine Liebhaberei vom Gnostizismus bis zur Christian Science hereinzufallen, wäre nahe liegend und zahm gewesen.

Sie alle vermieden zu haben, ist ein wirbelndes Abenteuer; und in meiner Vision fliegt der himmlische Wagen donnernd durch die Jahrhunderte – die langweiligen Häresien straucheln und fallen der Länge nach zu Boden, die wilde Wahrheit aber hält sich schwankend aufrecht."

13. Januar 2007

Relikte und das, was zählt

Schön, daß Burkhard Jürgens von der/für die KNA so einladend von der "wohl spektakulärste Neugründung einer klösterlichen Gemeinschaft in Italien" berichtet. Schön auch, daß Vize-Prior Guido den Lesern des Würzburger Katholischen Sonntagsblattes berichten kann, was heute zählt:
"Dogmen sind für ihn ein Relikt aus der Zeit, als es noch feste Gewissheiten gab; was heute zähle, sei der Kern der christlichen Botschaft, sei die Rückkehr zu den Wurzeln der ungeteilten Kirche."
Ich könnte mir gut vorstellen, daß der Herr Papst, der offensichtlich gaaaaanz weit weg von Bose wohnt und thront, darauf entgegnen würde, daß es den Kern und die Wurzeln "heute" nur noch gibt, weil im Laufe der Kirchengeschichte sich die Dogmen wie eine schützende Hülle darum gelegt haben.

Ich glaube, es wird einmal wieder Zeit, Chestertons Vision der Dogmengeschichte zu bloggen.

12. Januar 2007

Aus der amerikanischen Blödelzese

Der Ironic Catholic hat den wahren Grund entdeckt, warum die Konversionen in den USA zunehmen: Die Katholysatoren-Verschwörung.
Das Heilige den Heiligen - und den Neugierigen auch

Abgesehen davon, der der Journalist wohl auch sehr selten in die katholische Kirche geht - sonst würde er nicht von "religiösem Symbol" oder "geweihter Hostie" sprechen, aber interessant ist sein Bericht allemal:
Gerangel um eine verschwundene Hostie - Handgreiflichkeiten in der katholischen Kirche St. Bonifatius / Die Staatsanwaltschaft ermittelt
Kein Stollen mehr

Für die einen endete die Weihnachtszeit am letzten Sonntag, dem Fest der Taufe des Herrn, für die andern dauert sie noch bis Mariä Lichtmeß.

Gemäß dem scipionischen Kalender endet sie mit dem Verzehr des letzten Stücks Christstollen. Das war heute morgen der Fall. Nun heißt es warten und noch 348mal schlafen (wenn ich mich nicht verzählt habe), bis es wieder Weihnachten wird und die Allerliebste wieder den besten Christstollen der Welt kredenzt.

11. Januar 2007

Gute-Nacht-Lektüre für St. Leibowitz-Jünger

Thomas Hibbs: Apocalypse Now: The enduring significance of A Canticle for Leibowitz (National Review)
Päpstliche Sportkleidung



Im Gegensatz zum Curt Jester tippe ich auf klerikales Schwarz als vatikanische Fußballtrikotfarbe. Benedetto ist Ersatztorwart und hält notfalls den Kasten sauber, sozusagen als Levadas Kahn. Weltmeister der Herzen ist er ja schon.
Vorschläge für eine Blogozesenreform

Durch eine Gruppe katholischer Internet-Nutzer, die sich selbst in überheblicher Weise „Blogozese“, „Blogözese“ o.ä. nennt, kommt es immer wieder zu Irritationen und Auseinandersetzungen, die der Außendarstellung und dem Selbstverständnis der katholischen Kirche in keiner, ja, keinster Weise angemessen sind. Im folgenden daher einige Vorschläge für eine weitreichende Blogozesenreform:

1. „Die Nutzung zeitgemäßer Medien zur Mission, etwa das Internet, erfordert besondere Obacht.” (Q)
2. Gerade das sogenannte Bloggen (aka Weblog schreiben) birgt Risiken, umso mehr als bei entsprechender Verlinkung mit anderen Weblogs ein sehr gutes Ranking bei Suchmaschinen wie Google erreicht wird, das dem unbedarften Internet-Nutzer den angemessenen Zugang zu fundierter Glaubensinformation de facto erschwert.
3. Bestehende Weblogs der sogenannten „Blogozese“ sollten deshalb zu einem zu bestimmenden Zeitpunkt eingestellt und gelöscht werden. Die Autoren sollten veranlassen, dass allgemein zugängliche Archiv-Versionen (z.B. im Google-Cache) ebenfalls gelöscht werden.
4. Es wird eine Römisch-katholische Weblog-Lizenz (RKWL) eingeführt.
5. Die RKWL wird grundsätzlich durch den zuständigen Ortsbischof bzw. durch von ihm Beauftragte erteilt.
6. Es wird empfohlen, für den deutschen Sprachraum eine zentrale RKWL-Agentur zu gründen und diese mit erfahrenen und spirituell wie theologisch zuverlässigen Mitarbeitern zu besetzen. Selbstverständlich steht die Agentur unter priesterlicher Leitung.
7. Katholiken, die bloggen bzw. (im Fall früherer Blogozesen-Blogger) weiterbloggen möchten, bewerben sich formlos bei der RKWL-Agentur um eine Lizenz.
8. Der Erteilung der RKWL, die zum Bloggen im allgemein zugänglichen Internet berechtigt, geht eine Probephase von sechs Monaten voraus. In dieser Zeit darf der Bewerber in einem sogenannten Blogspot-Privatblog bloggen. Dieser Privatblog darf nur ihm und einem Mitarbeiter der RKWL-Agentur zugänglich sein.
9. Die RKWL wird für einen begrenzten Zeitraum – anfänglich auf ein halbes, später auf jeweils ein Jahr – erteilt und bei Bedarf verlängert.
10. Die RKWL-Agentur hat das Recht, dem Blogger die Lizenz jederzeit zu entziehen.
11. Der Blogger hat den Stellungnahmen bzw. der Verkündigung seines Ortsbischofs, des Apostolischen Stuhls und anderer offizieller kirchlicher Stellen einen angemessenen Raum in seinem Weblog zu gewähren. Dies geschieht am besten durch ausführliche Übernahme der betreffenden Texte von der offiziellen Webpräsenz der jeweiligen kirchlichen Stelle.
12. Der Blogger hat das Recht, zu den Laien vorbehaltenen Themenbereichen, für die er aufgrund seiner beruflichen Bildung und Tätigkeit sowie seiner persönlichen Interessen qualifiziert ist, frei zu bloggen. Solche Themenbereiche können z.B. sein: der Außenhandel Paraguays zwischen 1920 und 1930; die Entwicklung der Bluegrassmusik von Bill Monroe bis zum New Grass; deutsche abstrakte Malerei in der Weimarer Republik.
13. Stellungnahmen zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Fragen sollten nach Möglichkeit unterbleiben.
14. Stellungnahmen zu strittigen innerkirchlichen oder theologischen Fragen fallen nicht in die Kompetenz katholischer Laien und haben daher grundsätzlich zu unterbleiben.
15. Auf jeder Seite des Weblogs ist deutlich Name und Anschrift des Bloggers anzugeben. Ein Link zu einer Impressum-Seite genügt nicht.
16. Auf jeder Seite des Weblogs ist deutlich anzugeben, dass es sich hier um eine persönliche Meinungsäußerung des jeweiligen Bloggers handelt und der Weblog nicht notwendigerweise mit der offiziellen Linie der katholischen Kirche übereinstimmt.
17. Satire, Ironie und ähnliches stellen generell keine zulässigen Stilmittel dar. Um jedoch katholische Weblogs für Außenstehende nicht als humorlos erscheinen zu lassen, wird jeweils ein Blogger beauftragt, einen gewissen Anteil an aufbauendem Humor in seinen Weblog einzubauen.
18. Der sogenannte „Traffic“ (die Nutzung der Weblogs durch Internet-Nutzer) soll in angemessener Weise überwacht werden. Zieht ein Weblog zu viel Traffic auf sich bzw. gar Traffic von der offiziellen Webpräsenz der katholischen Kirche ab, soll der Blogger die Posting-Frequenz auf ca. 50 % verringern.
19. Es wird angeregt, dass die RKWL-Agentur einen eigenen Blog betreibt bzw. ein eigenes Internet-Angebot aufbaut.

10. Januar 2007

Schönes Fundstück

Zufällig ergoogelt:
"Wie soll man das eucharistische Staunen, den Sinn für das Wunderbare vor dem Geheimnis der Eucharistie wieder erwecken, wenn es nicht gelingt, ihre Schönheit wieder zu entdecken? In der postmodernen Kultur, die geprägt ist von der Relativität bezüglich der Wahrheit und des Guten, die aber noch immer fasziniert ist von der Ästhetik, der Schönheit, gibt es wirklich einen Weg oder eine Tür, um die Eucharistie als Geheimnis der Schönheit zu entdecken. Die Eucharistie ist in der Tat die höchste Ikone der Schönheit Gottes, die in Christus offenbar geworden ist, weil sie die Realpräsenz des “Schönste[n] von allen Menschen” (Ps 45, 3) in der Totalität seiner Präsenz als Auferstandenem und in der Gänze seines Geheimnisses ist: die Schönheit der Liebe, die sich gibt, uns erlöst und verklärt, uns den Blick des Vaters offenbart, der uns in permanenter Weise schafft und uns gut und schön macht." (Bischof Antonio Augusto Dos Santos Marto von Viseu(Portugal) - Quelle)
Tröstlich

Immerhin hat die Menschheit kurz nach dem Automobil und den verstopften Autobahnen auch mobile Musikabspielgeräte erfunden. "On the Road to Escondido" lässt den "Highway to Aschaffenburgh" erträglich werden.
Bernanos mal wieder

Vielleicht übertreibt er ein bißchen, der alte Hitzkopf, aber irgendwie ... hat er doch recht. Denk' ich.
"Lieber sehe ich einen im Aufruhr als enttäuscht, denn die Auflehnung ist zumeist nur ein Durchgang, während die Enttäuschung schon nicht mehr zu dieser Welt gehört; sie ist voll und dich wie die Hölle."

9. Januar 2007

Aufwachen mit Wilde

"Wir wollen in gewissen katholischen Kreisen ein Aufwachen stimulieren. Das Christentum war als Radikalkur gedacht, nicht als Hausmittel für gewöhnliche Erkältungen. Unsere Rolle ist es, ein Dorn im Fleische zu sein."

Das Buch, in dessen Vorwort dieser Satz steht, heißt "Provokationen: Aphorismen für ein anti-konformistisches Christentum" und ist laut Welt von P. Leonardo Sapienza (Vatikan) herausgegeben wurden. Ob dort jetzt eine offiziöse Rehabilitation von Oscar Wilde vorgenommen wird, wie Thomas Kielinger meint, bleibe hier einmal dahin gestellt.

PS: Das Wilde-Buch von Joseph Pearce soll im April 2007 bei nova et vetera
erscheinen.)

8. Januar 2007

Crossing the Tiber

Den Tiber überquert haben in den letzten Jahren einige der profiliertesten protestantischen US-Theologen - und zwar vor jedem Benedetto-Effekt.

In Christian Century, dem - wie es so schön heißt - publizistischen Flaggschiff der Mainline-Protestanten, gibt es nun eine Übersicht über sechs Tiberüberquerungen, den die Tagespost für deutschsprachige Leser aufgreift. ("Anfällig" sind offensichtlich nicht nur Episkopale und Lutheraner, sondern auch: Mennoniten.)

"Man spricht bereits von einem „brain drain“, von einer intellektuellen Abwanderung bei den lutherischen Glaubensgemeinschaften. Sicherlich ist auch die katholische Kirche in den Vereinigten Staaten mancherorts in Ruinen – nicht wegen Kindesmissbrauchs allein, sondern auch wegen Unterschlagung, Unwahrhaftigkeit und Verwässerung der Glaubensinhalte. Dennoch: Es sind die Ruinen einer Kathedrale, in der der Herr auf eine unvergleichliche Weise gegenwärtig ist und die deswegen auch immer wieder neu aus ihren Ruinen wächst, blüht und gedeiht – auch das sieht man in den Vereinigten Staaten an allen Ecken und Enden. Die Heimkehr dieser sechs Theologen in den „Schoß“ der Mutter Kirche ist ein hoffnungsvolles Zeichen."
Voll ins Gesicht

"Ratlos" "fragt" Eduard Nagel, Chefredakteur von 'Gottesdienst', der Zeitschrift des Deutschen Liturgischen Instituts, warum der Altar zur Ablage von diversen Gottesdienstmaterialien mutiert und warum es "die wenigsten Zelebranten, die hinter dem Altar stehen, nicht spätestens zur Schlussformel [schaffen, das Tagesgebet] den Leuten ins Gesicht zu beten". (Quelle)

Tja. Da ist einiges im Argen, und immerhin hat man das auch in Trier gemerkt. Wobei man auch vom Ambo aus den Gläubigen alles ins Gesicht beten kann...

7. Januar 2007

"... our enthusiastic support for any papal initiative to the same end"

Nach den Italienern, Franzosen und Polen nun die öffentliche Vorabunterstützung für das erwartete Motu Proprio zugunsten einer erleichterten Zelebration der "Alten" Messe durch die Native English Speakers, unter ihnen bekannte Theologen (Aidan Nichols, Laurence Paul Hemming), Schriftsteller und Publizisten(Alice von Hildebrand, Joseph Pearce) und Blog's-Parish-Blogger (Amy Welborn, Shawn Tribe, Tim Finigan).

Hier geht es zum Text der Epiphany Declaration.

6. Januar 2007

Das Biogemüse schlägt zurück
(via Shrine of Holy Whapping)
Bonjour, c'est moi, Benoit

Der Papst hat einige erfolgreiche Ferngespräche in Sachen "alter" Messe geführt, heißt es.
Epiphanisches

"Die Frage ist nicht, was man betrachtet, sondern was man sieht." (Henri David Thoreau via Quint Buchholz)

"Ich bin undurchsichtig, das ist das Arge. Manchmal spiegele ich ein wenig Klarheit wider, knauserig, armselig. Verlangt Gott nicht mehr? Man müßte nichts anderes sein als ein Kristall, ein klares Wasser. Man müßte Gott durch uns hindurch sehen können." (Georges Bernanos)
Alter Blogger-Adel?

My Peculiar Aristocratic Title is:
His Most Serene Highness Lord Scipio the Gnomic of Old Tonbridge Wafers
Get your Peculiar Aristocratic Title
(via Catholic Ragemonkey)
Das Staunen der Sterndeuter

"Wir können uns das Staunen der Sterndeuter vor dem Kind in Windeln vorstellen! Nur der Glaube ermöglichte ihnen, in der Gestalt dieses Kindes den König zu erkennen, den sie suchten, den Gott, zu dem sie der Stern geführt hatte. In ihm ist der Ewige in die Zeit eingetreten, indem er den Abgrund überbrückte, der zwischen dem Endlichen und dem Unendlichen, zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren besteht; in ihm hat sich das Geheimnis zu erkennen gegeben, indem es sich in den zarten Gliedern eines kleinen Kindes an uns auslieferte. 'Voller Staunen stehen die Sterndeuter vor dem, was sie sehen: den Himmel auf Erden und die Erde im Himmel; den Menschen in Gott und Gott im Menschen. In einem winzigen Leib sehen sie den eingeschlossen, den die ganze Welt nicht enthalten kann' (Petrus Chrysologus, Sermo 160, 2)."
(Benedikt XVI. am 18. August 2005 in Köln)

5. Januar 2007

"Was ist denn nun protestantisch?"

Hat irgendjemand aus der Blogozese schon auf dieses Interview mit Friedrich Wilhelm Graf verlinkt, das in der Weihnachts-ZEIT erschien?
ZEIT: Sola scriptura, dass also allein die heilige Schrift der Wegweiser sei?

Graf: Es gibt mit der Schrift eine Instanz, die sich dem Herrschaftswissen der gelehrten Theologen widersetzt, das als änderungsresistent gelten soll. Sola scriptura heißt, die Tradition der Kirche zu delegitimieren und selbst zu lesen.
Und warum wundert sich der Herr Professor dann, wenn die Leute selber lesen und der "anspruchsvolle Gott ... einem kirchentäglichen Kuschelgott" weicht oder ihr Evangelium "übertrieben" politisieren? Erst die Tradition abzusägen, das Christentum radikal zu pluralisieren und zu individualisieren - und dann doch wieder ein Lehramt einzuführen, das wahrscheinlich das der beamteten Theologieprofessoren ist, und bewerten und steuern, was die in die Freiheit entlassenen Christenmenschen so glauben, denken und tun - ich bin wahrscheinlich zu sehr in der Wolle katholisch, um diese Logik zu verstehen.
Alles beim Alten

Der Independent stellt es als halbe Sensation hin: Vatican plans punk version of Divine Comedy. Aber dann lesen wir, daß Metal, Punk und Jazz zur akustischen Darstellung der Hölle dienen, und sich die Fegfeuerbevölkerung und die Seligen wie erwartet zu den Klängen der Gregorianik und klassisch-symphonischer Musik bewegen.

Ich _will_ aber die Blind Boys und Bill Monroe und Ralph Stanley und Alison Krauss ...

4. Januar 2007

Eintreten in die Pilgerschaft

"Natürlich bin ich mir darüber im Klaren, und wir wissen es alle, dass viele nicht sofort in der Lage sind, sich mit der ganzen Lehre der Kirche zu identifizieren, sie zu verstehen, sie in sich aufzunehmen.

Es scheint mir wichtig, zunächst die Absicht, mit der Kirche zu glauben, wiederzuerwecken, auch wenn jemand persönlich noch nicht viele Details in sich aufgenommen haben mag. Es ist notwendig, den Willen zu haben, mit der Kirche zu glauben und Vertrauen zu haben, dass die Kirche – nicht nur die Gemeinschaft der zweitausendjährigen Pilgerschaft des Volkes Gottes, sondern die Gemeinschaft, die Himmel und Erde umfängt, die Gemeinschaft, in der also auch alle Gerechten aller Zeiten gegenwärtig sind – dass diese vom Heiligen Geist lebendiggemachte Kirche wirklich die Leitung des Geistes in sich trägt und daher das wahre Subjekt des Glaubens ist. Der Einzelne fügt sich in dieses Subjekt ein, hängt ihm an. Und auch wenn er noch nicht ganz davon durchdrungen ist, hat er doch Vertrauen und nimmt am Glauben der Kirche teil, will mit der Kirche glauben.

Dies scheint mir die ununterbrochene Pilgerschaft unseres Lebens zu sein: mit unserem Denken und Empfinden, mit unserem ganzen Leben zur Gemeinschaft des Glaubens zu gelangen. Dies können wir allen anbieten, damit sie sich nach und nach mit dem Glauben der Kirche identifizieren und vor allem immer wieder von Neuem den grundlegenden Schritt tun, sich dem Glauben anzuvertrauen, sich in diese Pilgerschaft des Glaubens einzufügen, um so das Licht des Glaubens zu erlangen."
(Benedikt XVI. am 13. Mai 2005 an die römischen Priester und Diakone)
Aufenthaltsort



"In das Häuschen von Nazareth, zu dem Herzen der Jungfrau hat jedermann Zutritt, auch Leute mit schmutzigen Schuhen und zerlumpten Kleidern, die keineswegs nach Lilien duften." (Hans Urs von Balthasar)

3. Januar 2007

Schlaflos im Hier und Jetzt

Wo es gerade auf die Mitternacht zugeht und so mancher noch nicht schlafen kann, kann ich den Text, den ich gerade für jemanden lieben abgeschrieben habe, passenderweise auch für alle Blogleser hier posten. Er stammt aus Botho Strauß' Nachwort zu George Steiners "Von realer Gegenwart" und liefert einen guten Grund für Schlaflosigkeit:
"In der Feier der Eucharistie wird die Begrenzung, das Ende des Zeichens (und seines Bedeutens) genau festgelegt: der geweihte Priester wandelt Weizenbrot und Rebenwein in die Substanz des Leibs und des Bluts Christi. Damit hört die Substanz der beiden Nahrungselemente auf, und nur ihre äußeren Formen bleiben. Im Gegensatz zur rationalen Sprachtheorie ersetzt das eine (das Zeichen, das Brot) nicht das fehlende andere (den realen Leib), sondern übernimmt seine Andersheit. Dementsprechend müsste es in einer sakralen Poetik heißen: Das Wort Baum ist der Baum, da jedes Wort wesensmäßig Gottes Wort ist und es mithin keinen pneumatischen Unterschied zwischen dem Schöpfer des Worts und dem Schöpfer des Dings geben kann.

Gegenwärtig beim Abendmahl ist der reale Leib des Christus passus (d.i. im Zustand seines Todesopfers) unter der Gestalt des Brots. Das Gedenken im Sinne des Stiftungsbefehlts ("Solches tuet aber zu meinem Gedächtnis") wird dann zur Feier der Gleichzeitigkeit, es ist nicht gemeint ein Sich-Erinnern-an-Etwas.

Pascal wunderte sich, daß jemand nachts schlafen könne, wenn ihm einfiele, daß Christus für ihn am Kreuz gestorben sei. Für Kierkegaard war Christus so gegenwärtig, daß die 2000 Jahre seit seinem Tod wie ungültig daneben schienen. In der hebräischen Tradition führt der rituelle Nachvollzug eines einmaligen historischen Geschehens (die "Wachenacht") den Gläubigen in die Zeitraumvergessenheit: "In jedem Zeitalter ist jeder verpflichtet, sich so anzusehen, als sei er selbst aus Ägypten ausgezogen."
Eia ergo, advocata nostra,
illos tuos misericordes oculos ad nos converte


Paul Badde wieder auf Entdeckungsreise - diesmal zum Bild der Advocata nostra: Der Schatz von Monte Mario.
Ade, Marvin & Co.

Biblische Vornamen liegen im Trend (Die Welt)

Dann muß die Hoffnung doch noch nicht sterben.
ohne sorge sei ohne sorge

In der Welt spricht Kardinal Lehmann als Stimme der deutsch-katholischen Vernunft zu:
  • multireligiösen Feiern: "keinen „religiösen Mischmasch“ fördern", die Leitlinien überarbeiten, "einige Dinge ... vielleicht" korrigieren. Den Namen Meisner nimmt er nicht in den Mund
  • der Freigabe der 'alten' Messe: " Ich weiß kaum etwas, was über die Vermutungen in den Medien hinausreicht." "... ich entdecke nicht selten hinter dem Ruf zur Messe von 1962 dogmatische Abwertungen unserer nach dem Konzil erneuerten Eucharistiefeier, die ich keinesfalls teilen kann."
  • der Aufgabe von Kirchengebäuden: "Im Einzelfall kann es besser sein, eine Kirche abzureißen, anstatt sie fragwürdigen Zwecken auszuliefern. (...) Man muss jedoch jedem Bistum in seiner Situation gerecht werden. Es ist kein Thema für kulturkritische Lamentos in Feuilletons."

2. Januar 2007

More is better, Standby, Multitasking oder was?
Ein sehr laienhafter Versuch über die "tätige Teilnahme"


Martin hat das Thema der "actuosa participatio", der "tätigen Teilnahme" oder in der Vollform von Art. 14 der Liturgiekonstitution: der "vollen, bewußten und tätigen Teilnahme" "aller Gläubigen" "an den liturgischen Feiern, wie sie das Wesen der Liturgie selbst verlangt und zu der das christliche Volk (...) kraft der Taufe berechtigt und verpflichtet ist", vor ein paar Wochen wieder aufgegriffen und jeder von uns Gottesdienstbesuchern hat mindestens allsonntäglich immer neu damit zu tun.

Wir wissen, daß die tätige Teilnahme beileibe keine Erfindung des Konzils ist und wohl auch keine der Liturgischen Bewegung. Erstmalig wurde der Begriff vom hl. Papst Pius X. gebraucht in einem offiziellen Dokument gebraucht, und Romano Guardini hat sie schon 1929 in einem - wohl liturgisch noch nicht runderneuerten - Ostergottesdienst in Monreale live erlebt.

Aber wie kann diese Teilnahme denn nun ganz praktisch aussehen?

Zu kurz springt imho das landläufige und auch in mittleren kirchlichen Beamtenkreisen verbreitete Denken des "The more, the better", und zwar in den Varianten "Je mehr Leute etwas tun, desto aktiver nimmt die Gottesdienstgemeinde teil" und "Je mehr verschiedene Dinge der Einzelne tut, desto aktiver nimmt er teil": Wenn fünf Leute je eine Fürbitte vorlesen, wäre das sozusagen fünfmal mehr tätige Teilnahme als wenn einer allein das tut. Die Gegenrechnung besteht ganz schlicht darin, daß sich die Aufmerksamkeit der anderen - sagen wir: 100-200 - Gottesdienstbesucher nicht nur einmal wieder von der Rocklänge, der neuen Brille oder dem Sprachfehler des Vorbeters auf die Bitte an sich wenden muß, sondern das nun genau fünfmal tun muß und bestimmt einige Male kläglich scheitert. Hier geht also innere Aufmerksamkeit verloren auf Kosten äußerer Aktivität (die auch nicht automatisch mit innerer Aufmerksamkeit des Lektors oder Vorbeters einhergeht).

Ein anderes Beispiel: Das Dritte Kinderhochgebet enthält dreifach die Akklamation "V: Gott, du bist gut. - A: Wir loben dich, wir danken dir." (Beiseite lassen wir die Frage, wer hier V: ist und auch die interessante Frage, ob eine simple, banale Sprache kindgemäß ist...) Nehmen die antwortenden "Alle" aktiver teil als bei den Kinderhochgebeten 1 und 2, oder gar den anderen Hochgebeten? Ermöglichen Priester, die die vorgegebenen Hochgebeten unerlaubterweise mit Akklamationen versehen, ihrer Gemeinde eine aktivere Teilnahme am Gottesdienst - im Sinne des Konzils?

"Aktive Teilnahme" kann aber unmöglich auch darin bestehen, durchgehend vom Eingangslied bis zum Schlußakkord aufmerksam dem Wort der Liturgie incl. der Gemeindegesänge zu folgen. Das haben vor 30 Jahren schon die kleinen Ministranten erkannt, als sie mich als ihren Gruppenführer fragten, ob es denn schlimm sei, wenn sie während des Hochgebetes „nebenraus“ dächten und nicht aufmerksam bei der Sache seien. Die Einführung der Volkssprache in die Liturgie – zum Zwecke der besseren Verständlichkeit und besseren Aneignung der Inhalte – fordert als ihr Gegenstück von den Teilnehmern doch auch ein erhöhtes Maß an Aufmerksamkeit. Oder nicht? Da, wo sich der einzelne Beter in der „alten“ Messe auf mangelnde Lateinkenntnisse zurückziehen konnte, bleibt ihm diese Ausrede nun nicht mehr. Doch eine gute Stunde verschiedenen Gebeten (incl des durchaus langen Hochgebets), bis zu drei Lesungen, einer Predigt und 15 Liedstrophen zu folgen – nicht nur mit der Zunge, sondern mit dem Herzen – das kann keiner.

Was also bleibt uns? Ich vermute, dass manche in einen liturgischen Standby-Modus gehen: Der Priester zelebriert weiter, die liturgischen Helfer erfüllen ihre Dienste, die sangesfreudigen Gemeindemitglieder singen laut weiter, doch selber geht man in eine Art Ruhezustand, an dem die äußeren Aktivitäten abperlen und aus dem man rechtzeitig zum Schlußlied wieder hochfährt. Evtl. sind aktive Phasen auch zur Wandlung und/oder zur Kommunion möglich. Erfahrene Gottesdienstbesucher schaffen es sicher, das Vaterunser mechanisch mitzubeten, ohne den Standby-Modus zu unterbrechen. Im Sinn des Konzils und der Liturgie ist das natürlich nicht.

Ein anderer Modus ist seit der Meßreform aus der Übung gekommen, von dem uns jedoch zu Abschreckungszwecken immer noch erzählt wird: das liturgische Multitasking. Hierbei laufen parallel verschiedene Aktivitäten ab, einmal beim Priester mitsamt liturgischen Helfern, der die Messe feiert, und dann beim Volk, das sich eigenen Gebeten hingibt, vor allem, so heißt es, dem Rosenkranzgebet. Diese Aktivitäten kommen einander nicht in die Quere, da sie auf verschiedene Resourcen zugreifen. Man nimmt es eher selten wahr heutzutage – schon für die diesbezügliche Ermahnung von Paul VI. in „Marialis Cultus“ (1974) konnte ich damals in meiner Umgebung keinen Sitz im Leben mehr wahrnehmen.

Grundlegend für eine „tätige Teilnahme“ ist imho, dass eines klar ist: Nicht ich mache hier Liturgie, nicht die Gemeinde, auch nicht der Priester; sondern wir alle, jeder in seiner Funktion, nehmen teil an einem Geschehen, das uns vorausgeht und uns übersteigt. Es ist die himmlische, ewige Liturgie, wie sie uns in der Geheimen Offenbarung des Johannes mehrfach beschrieben wird und auf die sich die Gebete der Messe durchaus explizit immer wieder beziehen, und wie sie sich in den Ereignissen der Drei Heiligen Tage von Jesu Leiden und Auferstehung irdisch realisiert hat. (Zum Wiederlesen für mich selbst an dieser Stelle: Scott Hahns "The Lamb's Supper" / "Das Mahl des Lammes")

Dann aber ist die eigentliche Aufgabe, diesem Geschehen „gleichzeitig“ zu werden. Das Geschehen wird hörbar in den Lesungen, in der Präfation, im Sanctus, im Hochgebet – und sichtbar in Leib und Blut Christi und den verschiedenen Symbolen und Handlungen. Wir können es riechen im Weihrauch, wir können es betasten in der eucharistischen Materie, aber auch in den Händen des Nachbarn beim Friedensgruß.

Für mich ist dieses „Gleichzeitigwerden“ eher ein Assoziieren der liturgischen Worte und Taten, ein Horchen auf das, was in mir wach wird, wenn ich sehe, höre, berühre, rieche, schmecke, schaue, ein inneres Nachgehen, ein allmählich vorwärts schreitendes Bedenken, das immer wieder bewußt „auftaucht“ in die aktuell vor mir sich vollziehende liturgische Handlung, dort mitgeht – und sich dann auch wieder Zeit nimmt zum eigenen,persönlichen Eindringen, das dann dem momentanen Geschehen nicht mehr bewußt folgt. Ich interagiere mit dem liturgischen Geschehen – und das liturgische Geschehen interagiert mit mir. Ich bin Teil des ganzen, gehe den Weg vom ersten Kreuzzeichen zum letzten Amen - ohne voll zu verschmelzen, sondern indem ich mich ein- und aus- und ein- und aus- und ein-schalte.

Ich finde kein Bild, um das einigermaßen passend zu beschreiben; dafür ist es zu spät heute. Nennen wir es einmal und nur für jetzt: liturgisches Grid-Computing: Ich stelle mich, meine Sinne, meine Vorstellungskraft, meine Aufmerksamkeit der Liturgie zur Verfügung und lasse mir von ihr die Themen vorgeben, die ich in Gebet, Gesten, Singen, Schauen, Essen … abarbeite. Und bin damit einer von vielen, die gleichzeitig in diesem Grid aktiv sind und zur umfassenden Liturgie beitragen, zum Geschehen, von dem uns das Evangelium in den Passions- und Ostergeschichten berichtet und von dem wir mit dem Seher Johannes etwas ahnen dürfen.

(Und damit sei für heute Schluß!)

1. Januar 2007

Anliegen

Petra hat sich und uns einige Gebetsanliegen aufgeschrieben (und wir fügen unsererseits die Bitte um einen Abschluß ihrer Dissertation mit allerhöchstem Lob an).

Eines davon - "dass der Herr uns alle dazu bringe, von diversen unproduktiven Nebenschauplätzen (liturgisches und ökumenisches Geplänkel usw.) wegzukommen und uns ganz auf Jesus Christus konzentrieren" - werde ich meinerseits ein bißchen qualifizieren. Denn sowohl in der Liturgie wie in der Ökumene geht es nicht zuletzt um Fragen, die Jesus Christus persönlich betreffen.

Die Liturgie ist schließlich nicht nur eine (Korrektur der früheren Version "keine" - danke, Martin!) Angelegenheit von Liturgiekommissionen und -kongregationen, sondern einer der zentralen Orte, an denen wir realiter ins Heilgeschehen, ins Ereignis von Tod und Auferstehung Jesu mithineingezogen werden, und genau deshalb ist es z.B. nicht ganz gleichgültig, wie das "pro multis" bzw. "hyper pollon" der Bibel und der lateinischen Liturgie ins Deutsche übersetzt wird (um einen möglichen, inzwischen aber entschiedenen Anlaß für Geplänkel zu nennen).

Ebenso geht es in der Ökumene immer um den HErrn selber: ob er denn Eine Kirche wollte oder viele Kirchen in versöhnter Verschiedenheit (manchmal zu übersetzen mit: Unterschieden, die nichts ausmachen oder bedeuten), ob er das "Gehaltensein der Kirche in der Wahrheit" (H. Küng, wenn ich nicht irre) an eine apostolische Vollmacht band oder das eher so als Aufforderung zu universitär organisierter, historisch-kritischer Bibelexegese oder gar - wie von Elsa aktuell geübt - zu Bibelstechen.

Also beten wir - und da bin ich gewiß mit Petra einig - darum, daß wir vom rechten Glauben an Jesus Christus her auch Orientierung in liturgischen und ökumenischen Detailfragen bekommen.
Nun denn und mit GOttes Segen:
Auf ein Neues!