8. Januar 2010

"Swing low chariot, come down easy"

Der Freund und Kollege von St. Leibowitz erinnert mich daran, daß Elvis heute seinen 75. Geburtstags feierte. Entsprechend schicken wir den "King" mit einem Lied von Chuck Berry auf eine Reise von Norfolk, VA nach Kalifornien und machen alle 80er-Synth-Pop-Duos für zwei Minuten vierundfünfzig überflüssig:


Bloggerexegese im Domradio

Wenn ein bloggender Dilettant im Kirchenradio das Tagesevangelium kommentieren und auslegen darf, dann ist das mehr als ein Reinhören wert:

Thomas Baumann alias dilettantus in interrete alias Thomas vom Abendland auf oder im oder beim Domradio.

7. Januar 2010

Beten als Moderner Mensch im Kämmerlein

Zu spät entdeckt, aber vielleicht hat ja schon jemand Freunde mit dieser Wii-Variante beglückt? Sonntag-morgen-Langschläfer etwa oder auch gehetzte Freizeitsportler, die es beim besten Willen nicht mehr in die Kirche schaffen?


Gebetseinladung II

Wer für Schillebeeckx und Daly betet, der betet natürlich auch für jene koptischen Christen, die in Nag Hammadi (Ägypten) nach der Weihnachtsmesse erschossen wurden. Was auch immer genau dahinter stecken mag.(Mehr bei Radio Vatican und der taz.)

Hier steht vor deinem Angesichte... Oder auch nicht.

Immer noch am Nachdenken bin ich, woran es lag, daß ich in der an sich normalen und vergleichsweise würdigen und feierlichen Abendmesse am Sonntag erst zum Tagesgebet mit den Gedanken und der Aufmerksamkeit bei IHm und vor IHm und IHm gegenüber landete. Ein Eröffnungslied - "Tochter Sion"? -, eine Einführung, die sich an uns Messteilnehmer richtete, ein pädagogisch getextetes Kyrie, in dem das dreimalige gesprochene Eleison reichte, um uns von den läßlichen Sünden zu befreien, wie der abschließende Satz mit anderen Worten feststellte, zwei Strophen von "Herbei, o ihr Christen" (oder wie das Adeste fideles auf deutsch beginnt) als Gloria - und dann endlich durften wir zum ersten Mal beten.

Irgendwas stimmt da nicht. Und ich glaube, es hängt auch mit dem Novus Ordo zusammen. Nicht nur mit Schlamperei oder Nachlässigkeit oder dem allzu-menschlichen-und-katholischem Laissez-faire. Sondern auch mit dem, was da erlaubt möglich ist und sich infolgedessen de facto eingenistet hat - an zu vielen Orten, bei zu vielen Gelegenheiten. So sehr, daß ich mich inzwischen auch mit Romano Guardini frage, ob der "moderne Mensch" (lies: moderne Katholik) noch liturgiefähig sei.

Nichts Neues? - Nun gut. An manchen Tagen fällt es einem leider mehr auf als an anderen.

Walker Percy für Kinogeher

Aus den USA erfahren wir via The Anchoress, daß dort ein "documentary" über Walker Percy im Entstehen ist bzw. demnächst in die Spartensender und Filmfestivals gelangt.

Vielleicht wird der Film auch für uns überseeische Walker Percy-Fans greifbar... Bis dahin erfreuen wir uns an diesem Trailer, in dem neben dem Schriftsteller Richard Ford auch Jay Tolson, Autor der ersten und besten Percy-Biographie, und Robert Coles, Psychiater und ein Freund Percys, zu Wort kommen, und in dem wir neben dem Arbeitsort Percys - er schrieb in den letzten Jahren seines Leben im Bett sitzend - den katholischen Schriftsteller wieder einmal nicht bei der Arbeit sehen, sondern mit seinen Töchtern am Strand.


"Mami, ich weiß nicht, was ich machen soll?"

Langeweile, Jungs?

Bei "The Art of Manliness" gibt es eine schöne Liste von Hobbies für Männer. Wer bloggt, praktiziert schon eines der 45 aufgelisteten.

Gebetseinladung

Nachdem der Große Gleichmacher am Tag vor Heiligabend bei Edward Schillebeeckx OP anklopfte, um ihn vor seinen und unseren Richter zu führen, hatte er am vergangenen Sonntag ein Stelldichein mit Mary Daly, einer der - "großen" mag ich nicht sagen, also: führenden ex-katholischen und ex-christlichen Radikalfeministinnen, die alles verabscheute, was etwas Männliches an sich hatte. GOtt also inclusive. Sie ist vermutlich in den paar Tagen seither schlauer geworden als in all ihren 81 Jahren zuvor und würde sich jetzt über ein paar Gebete sicherlich freuen.

Wenn es geht, auch den belgischen Dominikaner nicht vergessen.

Denkt dran: Auch wir werden einst abgeholt und hoffen dann auf das gleiche Erbarmen wie Bruder Edward und Schwester Mary, das wir jetzt für diese beiden erbitten.

Zur Lage der deutschen Metzgerwurst - eine Bestandsaufnahme

Wie schlimm muß es eigentlich um unsere deutsche Wurst- und Metzgereikultur stehen, wenn sogar das Smithsonian auf seinen Seiten einen ausführlichen Artikel zum Thema hat:

For German Butchers, a Wurst-Case Scenario?

Zusätzlich gewährt uns der Artikel eine interessante interkulturelle Erfahrung: Wir sehen uns selbst mit den Augen eines anderen, der uns für seine Landsleute - hier: primarily Americans - beschreibt.

(Hat tip to a good old friend in Toms River, NJ.)

6. Januar 2010

Hinschauen, wenn Er aufscheint

Wer als Bayer im befreundeten Ausland seine Brötchen verdient, soll sich nicht beklagen, wenn er das auch an Hochfesten zu tun hat. Und sei es auch das Patronats-Herrenfest des eigenen Blogs.

Trotzdem kann man sich ja von 1 Joh 1, 1-2 begleiten lassen:

"Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir: das Wort des Lebens. Denn das Leben wurde offenbart; wir haben gesehen und bezeugen und verkünden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns offenbart wurde."

Oder von Paul Claudel (Chant de l'Épiphanie):

"Il n'y a plus qu'à ouvrir les yeux et à regarder - Es bleibt nur, die Augen zu öffnen und hinzuschauen."

5. Januar 2010

2 Sorten Musik

Townes van Zandt:

"There are two kinds of music: the blues and zippity doo dah..."

Und die der Engel natürlich noch. Drei also.

3. Januar 2010

Elegische Gedanken beim Prospektblättern



O, aber die Sehnsucht nach der katholischen Hausfrau!
Scheuermilch und Staubsauger, Schrubber und Stoßgebet.
Wie sie einst scheuchte Mann und Kind von Zimmer zu Zimmer,
auf daß sie ungestört wirke,
das Heim richte für den kommenden Frühling.
Nichts, was man mit Gottvertrauen,
offenen Fenstern und common sense
nicht vertreiben könnte aus den dunkeln Winkeln!

Stattdessen nun Räucherkegel und Zimbel,
Steinsalz und Pinselquast, Tools für das
Auramanagement
, Drei-neunzig der Pack.

Die Oma dreht sich im Grab und freut sich,
daß sie nicht sehen muß die überschlaue
emanzipierte Enkelin in der Schlange
bei Thalia.

Und durch offene Fenster
zieht ein siebenfaches Ungemach,
der Baal mit seinen Buhlen.

Die Herrin des mündigen Kirchenvolkes

Ach, unser aller EKD-Ratsvorsitzende. Kaum im Amt und schon Hans-, Verzeihung: Hanna-Dampf in allen Gassen, Kanälen und Medien. Da kann man einfach nicht immer auf verräterische Kleinigkeiten achten. Da spricht frau halt auch mal eine Grammatik, die so transparent ist, daß Unerwünschtes vorscheint.

Frau Bischöfin freut sich in einem epd-Gespräch auf München 2010, genauer auf den 2. Ökumenischen Kirchentag, und weiß auch genau, was sie will:

"Das Kirchenvolk soll mündig gemacht werden."

Meine Grammatikkenntnisse sagen mir: Das ist ein lupenreiner Passiv.

Hier spricht eine, die ganz genau weiß, was andere sollen. Die weiß: Sie sind noch nicht so, wie ich will, daß sie seien. Eine auch, die machen wird, ob diese anderen wollen oder nicht. Eine Aktive, die den Passiv beherrscht. Den Behördenpassiv, der fordert und den Fordernden im Dunkeln lässt. Vielleicht sogar, denke ich mir, den Demagogenpassiv, der für das demos, das Volk spricht und der weiß, bestimmt und festlegt, was das Volk zu sein, zu fühlen, zu tun, zu denken hat.

2. Januar 2010

Schönheit und ihr Erschaffer

Es scheint, als habe Ludwig Fels, laut Wikipedia "Arbeiterschriftsteller" und Meister einer "aggressiven und sprachgewaltigen Prosa und Lyrik" eine Buch der Gottesbeweise geschrieben:

"Ihr perfekt proportionierter Kopf mit dem geringelten Haaransatz an den Schläfen ist von einer Ästhetik, die mich glauben lässt, dass ein paar Menschen direkt von Gott erschaffen sind. Der Rest sind Auftragsarbeiten, die an irgendwelche müden Engel oder gelangweilte Teufel vergeben wurden."

Die interessante Rezension von "Die Parks von Palilula" bei der FAZ.

Gemischtes Publikum

Variation eines gut 2.000 Jahre alten Themas, diesmal von Rumer Godden aus ihrem Roman "In this House of Brede":

"One of the good things about a Catholic church is that it isn’t respectable; you can find anyone in it, from duchesses to whores, from tramps to kings."

[Eines der guten Dinge bei einer katholischen Kirche ist: Sie ist nicht respektabel. Man kann jeden darin finden, von Herzoginnen zu Huren, von Pennern zu Königen.


Stimmt natürlich nicht immer. Der Blick in unsere Kirchen mit der Milieutheorie-Brille zeigt uns ein eher homogenes Publikum, das sich ganz und gar nicht immer freut, wenn plötzlich gesellschaftliche Extrempersonen auftauchen.

(Zitat via The Anchoress)

Schwestern im Schnee

Quasi als Fortsetzung des "Solche wie wir"-Posts ein Video aus dem Garten der Dominikanerinnen von Summit, NJ, verbunden mit einem Hinweis auf das Blog dieser offensichtlich quicklebendigen Gemeinschaft: Moniales OP. (via The Anchoress)



Girard im Gespräch

Einen Hinweis wert ist auf jeden Fall das fünfteilige Interview mit René Girard, das Peter Robinson für National Review Online führte. Gewisse Vorkenntnisse des Englischen ;-) und des Girardschen Denkens sind von Vorteil... (via Gil Bailies Blog)

Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5

1. Januar 2010

Jimmie Lauderdale

Hurrah, ich gehöre zu "ein paar Eingeweihten" - zu denen nämlich, die Jimmie Lauderdale kennen.

Dem Rest der Welt empfiehlt Jonathan Fischer im faz.net die Musik des "Predigersohns", Country-Sängers, Liederschreibers, Musikers aus North Carolina.

"Allzu sonnig-jovial mag es der Zweiundfünfzigjährige nicht: Deswegen ist er für den „Rolling Stone“ ein 'Nick Cave, begleitet von Bill Monroes Bluegrass Boys'. Aber liegt diese Nähe zu Tod, Krankheit und Außenseitertum nicht aller wahren Volksmusik zu Grunde? Lauderdales Verdienst ist es, die Countrymusik wieder zu sich selbst zu bringen und Nashville zu zeigen, wie zeitgemäß die raue Tradition der Appalachen klingen kann – wenn man sich nur traut."

Gelegentlich scherzen aber auch Appalachensöhne, zum Beispiel in diesem Video, in dem sich Jimmie Lauderdale, Ralph Stanley und die Clinch Mountain Boys unter dem Blick von Alison Moorer aalen möchten:

Und eines für die melancholischen Stunden am Jahresanfang:




Ola Belle Reed hält inne und schaut um sich:

High on the mountain, wind blowing free
wondering about the days that used to be.
High on the mountain, standing all alone,
wondering where the years of my life had gone.

As I looked at the valleys down below
they were green just as far as I could see.
As my memory turned: Oh, how my heart did yearn
for you and the days that used to be.

Oh, I wonder if you ever think of me,
or has time spotted out your memories?
As I listen to that breeze
whisper gently through the trees
I'll always cherish what you meant to me.

High on the mountain a wind blowing free
thinking about the days that used to be.
High on the mountain, standing all alone,
wondering where the years of my life had gone

Das Video zum Oktavtag