9. Mai 2007

Luctus et angor*

Grund zum intensiven, drangvollen Beten gibt es genug, z.B. anläßlich der heutigen Bundestagsanhörung zur Stammzellenforschung (Danke, Petra, für den Hinweis!), für einen guten Freund, der sich auf ein wichtiges Gespräch am kommenden Freitag vorbereitet, für ein Mädchen, das am letzten Sonntag morgen tödlich verunglückt ist, für einen Computer-Crash mit potentiell lebensverändernden Konsequenzen, für die vielen eigenen Anliegen und die von Freunden und Familie.

Doch wie Gil Bailie ist auch uns die Prise Gaudium gestattet, die der gute HErr jetzt schon über das Brot der Tränen streut. Mit diesem Bild von zwei ganz Großen des 20. Jahrhunderts z.B.:



* auf deutsch: Trauer und Angst, Quelle: hier bzw. hier.

8. Mai 2007

Dienstkleidung

Dies oder das. (Via Video meliora... )

Überraschung

Eigentlich war ich nur wegen Tom Wolfes "Charlotte Simmons" in der Buchhandlung und hatte doch beim Gehen noch einen Schatz in der Tüte: Die Appetizer-Hörlyrik-CD einer neuen Hanser-Lyrikreihe mit vielen Gedichten von Ranjit Hoskote, Christoph Meckel und Charles Simic. Die Dichter lasen mir selbst vor zwischen Frankfurt und A'burg.

Polt und andere Leser

Zum 65. Geburtstag kann er es ja nicht bekommen haben, das Jesus-Buch des Papstes - sonst wäre er nicht schon auf Seite 200. Tja, es gibt eine Menge untypischer Theologie- und Ratzingerleser dieser Tage - per se eine gute Sache.

Auch in meiner hiesigen Stammbuchhandlung lag "Jesus - Teil 1" auf dem Thekentisch - da, wo der sonst esoterisch angehauchte Buchhändler mal schnell zwischen zwei Kunden auf ein paar Sätze reinschauen kann.

5. Mai 2007

Bald geht's nach Brasilien

Für BXVI sind es nur noch ein paar Tage bis zur Reise nach Brasilien.

Der genaue Ablauf steht.

Mehr Info in John Allens Kolumne "A look ahead to Benedict in Brazil".

Und weiter noch im Rheinischen Merkur ein Interview mit P. Joaquín Alliende über Befreiungstheologie und Evangelisation in L-Amerika.

Philosophie des Futur Exakt

Zum 80. Geburtstag des Philosophen Robert Spaemann: eine Rezension seines neuen Buches "Das unsterbliche Gerücht", einer Sammlung von Essays, Aufsätzen und Vorträgen aus den letzten Jahren, in der NZZ, aus der Tastatur von Uwe Justus Wenzel.

Sein Futur Exakt hatten wir in diesem Blog schon früher erwähnt.

Hoffen auf die Dichter

Die "Welt" bringt die Statements von vier Schriftstellern bei einer Veranstaltung der Mainzer Akademie der Wissenschaften zur Frage, ob es wieder eine religiöse Literatur geben könne.

- Karl-Heinz Ott: Tausend Möglichkeiten
- Barbara Honigmann: Dichter ringen mit Gott
- Silke Scheuermann: Reiz der Aussparungen
- Dirk von Petersdorff: Der eigene Glauben ist origineller.

Von letztem sei ein frommer Wunsch incl. Hintergrund zitiert:
In dem Film „American Beauty“ gibt es eine Szene, in der eine Tüte gezeigt wird, die vom Wind auf und ab getrieben wird, und diese Tüte steht für die Schönheit und die Geheimnisse des Lebens. Die Tüte ist eine Offenbarung, und so ist es mit der religiösen Dichtung der Moderne: Sie wird immer origineller, immer eigenwilliger, immer seltsamer. Ich muss zugeben, dass mich hier eine gewisse Müdigkeit befällt, ein gewisses „Ach ja“, eine Sehnsucht nach Objektivität: eben nach Liedern, die man auch singen kann.

Aber solche Lieder gibt es nicht. Die Gattung des Kirchenliedes hat in den letzten Jahrzehnten, um es vorsichtig zu sagen, keine Blüte erlebt. Um es unvorsichtig zu sagen: Jeder denkende Mensch muss in den Boden versinken, wenn er im Gottesdienst Verse singen muss wie: „Vertraut den neuen Wegen, / auf die der Herr uns weist, / weil Leben heißt: sich regen, / weil Leben wandern heißt.“ Das ist nicht nur grammatisch höchst bedenklich, das ist auch inhaltlich einigermaßen unspezifisch, denn dass Leben sich regen heißt, könnte auch im Songbook der Evolutionsbiologen stehen.

Wie gut wäre es gewesen, wenn die katholische und evangelische Kirche vor einigen Jahren Hans Magnus Enzensberger, Peter Rühmkorf und Robert Gernhardt zu einem einjährigen Konklave überredet hätte, meinetwegen auch mit sanftem Zwang. In dieser Zeit hätten sie in einem Kloster zwölf Kirchenlieder schreiben müssen, theologisch korrekt, mit den Wassern der Tradition gewaschen und lyrisch auf der Höhe der Zeit. Dann hätten wir jetzt etwas, was uns fehlt, sangbare, direkte, Klarheit und Einfachheit nicht scheuende Gedichte, die von Wahrheit sprechen. Vielleicht entstehen solche Gedichte im kommenden Jahrhundert. Das wäre mein frommer Wunsch.

Noch einer auf dem Heimweg nach Rom

Francis J. Beckwith, christlicher Philosoph und amtierender Präsident der Evangelical Theological Society, ist zur katholischen Kirche zurückgekehrt, die er als junger Mann verlassen hatte.

St. Blog's Parish-Blogger Jimmy Akin war daran nicht so ganz unbeteiligt und hat die ganze Geschichte.

Ergänzung: Inzwischen gibt es eine Erklärung von Francis Beckwith auf dem "Right Reason"-Blog.

4. Mai 2007

Non volumus

"On ne veut pas du Motu Proprio" - "Wir wollen kein Motu Proprio" - das sollen die deutschen Bischöfe "einmütig" an den Papst geschrieben haben.

Sagt jedenfalls Mgr. Fellay von den Piusbrüdern.

Hm. Ja, das klingt nicht ganz unwahrscheinlich. (via Rorate Caeli)

Arbeitsplatz

Noch ein 80jähriger Jubilar

Robert Spaemann wird morgen 80 Jahre alt. Die Zeit mit Jan Roß hat ihn gestern gewürdigt; andere werden morgen folgen. Ich schließe ihn heute schon mal - dankbar - in mein Gebet ein.

"Der Sonnenaufgang am Morgen - der Astronom erklärt uns, dass das gar nichts Besonderes ist, wir wissen, wie das funktioniert, das ist, wie es immer war. Aber der gläubige Mensch steht auf, sieht die Sonne und es ist etwas vollkommen Einmaliges. Und die heutige Begegnung mit einem Menschen ist unwiederholbar, sie wird nie wiederkommen, und sie ist ein Gegenstand des Dankes für das strahlende Licht. Und das sind zwei vollkommen verschiedene Einstellungen, die beide ihre Wahrheit haben." (Im Interview mit dem Deutschlandfunk - 30.4.2007)

Rattus Viator

Wenn die Ratten wandern, kann das viele Gründe haben: Hunger, Sehnsucht nach Räuberei oder die Lektüre von "Ich bin dann mal weg" und ähnlichen Druckerzeugnissen.

Volker Reiche erforscht im Strizz von heute den Frankfurter Underground und die Feinheiten der Beziehung von Lilo und Bernd unter besonderer Berücksichtigung einer eventuellen transzendenten (oder transzendentalen? P. Karl, wie heißt das noch richtig?) Motivation für Frühjahrswanderungen.

Magnalia DEi in America

Von vier auf 69 in 10 Jahren mit einem Durchschnittsalter von 28 Jahren. Und im Herbst kommen 20 neue dazu: Die Dominican Sisters of Mary, Mother of the Eucharist.

Hier geht es zu einer Reportage des kanadischen Senders CBC. Worth watching.

Deo gratias.

3. Mai 2007

Berufungsmoos

Wenn es in der Gottesdienstordnung einer Pfarrgemeinde heißt: "Kollekte um Geistliche Berufe", hat sich da die Sorge ums liebe Geld sogar in die Gebetsanliegen geschlichen? Oder soll die Kollekte damit eine spirituellen Überbau bekommen? Oder hatte lediglich die Pfarrsekretärin einen schlechten Tag?

Meiner, deiner, unserer...

"Wir hoffen sehr, dass unser Papst - ich bin zwar evangelisch, sage aber trotzdem "mein Papst" -, sich diese Gelegenheit nicht entgehen lässt."
Der so spricht, ist Christian Kabitz, Leiter des Frankfurter Cäcilien-Chores, der am kommenden Samstag die "Kirchenoper" "Augustinus" zur Aufführung bringen wird. (Quelle: Frankfurter Rundschau)

Die bewohnte Onlinewelt, neu kartographiert



Via netbib weblog from xkcd - A webcomic of romance, sarcasm, math, and language

2. Mai 2007

Das Sakrament der Liebe aus asiatischer Sicht

Nachdem Kardinal Arinze vor ein paar Jahren schon feststellte: "Wir Afrikaner tanzen doch nicht immer", bringt nun sein Sekretär, Erzbischof Malcolm Ranjith asiatische Erfahrungen in die Liturgiediskussion ein:
"Frage: Welche Aspekte des Dokumentes [Sacramentum Caritatis] sind die wichtigstens für die Bischöfe, Priester und Katholiken Asiens?

Ranjith: Allgemein gesehen ist der Ruf, die Heilige Eucharistie als Einladung, Christus selber zu werden, in ihn hingezogen und absorbiert zu werden in einer tiefen Gemeinschaft der Liebe und so seinen eigenen herrlichen Glanz in uns ausstrahlen zu lassen, im Einklang mit der Suche nach einer spirituellen Mystik auf dem asiatischen Kontinent.

Wie schon erwähnt, ist Asien tief mystisch und sich des Wertes des Heiligen im menschlichen Leben bewußt, das einen Menschen bewegt, nach den tieferen Geheimnissen von Religion und Spiritualität zu suchen. Die Tendenz, die Feier der Eucharistie durch eine einigermaßen horizontale Orientierung zu banalisieren, wie es in der modernen Zeit häufig sichtbar ist, stimmt mit dieser Suche nicht überein. Daher ist die allgemeine Richtung des Dokuments gut für Asien. (...)

Rubriken werden in den anderen religiösen Traditionen Asiens streng befolgt. Daneben spiegeln ihre Rubriken in tiefgründiger Weise die besondere Rolle des Heiligen wieder. So ist die Ernsthaftigkeit, die der Papst empfiehlt, in sehr großer Übereinstimmung mit asiatischen Formen der Gottesverehrung."

"Ich hörte einmal in Sri Lanka eine Radioansprache eines buddhistischen Mönches, der sich über Christen lustig machte, die einheimisches Trommelspiel in ihren Kirchen zuließen, ohne zu wissen, daß dieses Trommeln tatsächlich Lieder zu Ehren Buddhas waren. Das könnte ein Beispiel sein für eine unbeachtete Absorption lokaler Traditionen, die per se nicht kompatibel sind mit dem, was wir feiern."

"Nehmen Sie, zum Beispiel, die weitgehende Aufgabe der Soutane oder der Priestertracht durch viele Priester und Ordensleute in Asien, sogar durch Missionare. Sie verstehen kaum, daß in der asiatischen Kultur Personen, die sich Gott oder der Religion geweiht haben, immer durch ihre Kleidung erkennbar sind, wie der buddhistische Mönch oder der hinduistische Sannyasi. Das zeigt, daß wir nicht verstehen, was Inkulturation wirklich bedeutet. (...) In Geist und Herz folgen wir jedoch säkularen Wegen und Werten. Wenn wir wirklich asiatisch sind, sollten wir unsere Aufmerksamkeit auf die Mystik Jesu richten, auf seine Heilsbotschaft, den hohen Wert von Gebet, Kontemplation, Loslösung, Einfachheit des Lebens, von Frömmigkeit und Nachdenken, und auf den Wert des Schweigens und der Formen liturgischen Feierns, die die große Aufmerksamkeit auf das Heilige und Transzendente richten. Wir Asiaten können keine Säkularisten sein, die jenseits des Sichtbaren und Berührbaren nichts sehen."
Mehr bei Father Z.

Demontage eines Demonteurs

Nina Rehfeld in der FAZ über Michael Moore und seine Wahrheitsliebe.

Keine Angst, Deutschland: Helden bleiben Helden.

Full Service 1.12 - Open for Lease

Ein Kunstdruck des Titelfotos von Sam Fentress' Buch "Bible Road - Signs of Faith in the American Landscape" hängt zuhause über meinem PC, und deshalb ist es mir Vergnügen und Pflicht, auf diese Dokumentation dieser sehr amerikanischen Art der Verkündigung an "Hecken und Zäunen" hinzuweisen. Nun gut, wenn sie dort immer mit dem Auto durch die landscape düsen, muß das wayside gospel in größeren Lettern geschrieben sein als hierzulande ;-)

Mehr Bilder aus dem Buch hier (pdf).
Eine kurze Rezension aus Newsweek hier.

1. Mai 2007

Sehen, was Noah sah

Vom netbib weblog stammt der Hinweis auf "The World before the Deluge" (Die Welt vor der Sintflut), das, 1872 mit vielen schönen Stichen gedruckt, nun digital anzusehen ist.