Doch wie Gil Bailie ist auch uns die Prise Gaudium gestattet, die der gute HErr jetzt schon über das Brot der Tränen streut. Mit diesem Bild von zwei ganz Großen des 20. Jahrhunderts z.B.:

* auf deutsch: Trauer und Angst, Quelle: hier bzw. hier.
"Du hast dich der Freude verschrieben, nicht dem Kontext der Misere, die Liebe ist dein Zeichen über dir." (Ralf Rothmann)
"... die Narrheit des Wahren heiteren Herzens ohne Abstriche zu wagen, scheint mir die Aufgabe für heute und morgen." (Joseph Ratzinger)

In dem Film „American Beauty“ gibt es eine Szene, in der eine Tüte gezeigt wird, die vom Wind auf und ab getrieben wird, und diese Tüte steht für die Schönheit und die Geheimnisse des Lebens. Die Tüte ist eine Offenbarung, und so ist es mit der religiösen Dichtung der Moderne: Sie wird immer origineller, immer eigenwilliger, immer seltsamer. Ich muss zugeben, dass mich hier eine gewisse Müdigkeit befällt, ein gewisses „Ach ja“, eine Sehnsucht nach Objektivität: eben nach Liedern, die man auch singen kann.
Aber solche Lieder gibt es nicht. Die Gattung des Kirchenliedes hat in den letzten Jahrzehnten, um es vorsichtig zu sagen, keine Blüte erlebt. Um es unvorsichtig zu sagen: Jeder denkende Mensch muss in den Boden versinken, wenn er im Gottesdienst Verse singen muss wie: „Vertraut den neuen Wegen, / auf die der Herr uns weist, / weil Leben heißt: sich regen, / weil Leben wandern heißt.“ Das ist nicht nur grammatisch höchst bedenklich, das ist auch inhaltlich einigermaßen unspezifisch, denn dass Leben sich regen heißt, könnte auch im Songbook der Evolutionsbiologen stehen.
Wie gut wäre es gewesen, wenn die katholische und evangelische Kirche vor einigen Jahren Hans Magnus Enzensberger, Peter Rühmkorf und Robert Gernhardt zu einem einjährigen Konklave überredet hätte, meinetwegen auch mit sanftem Zwang. In dieser Zeit hätten sie in einem Kloster zwölf Kirchenlieder schreiben müssen, theologisch korrekt, mit den Wassern der Tradition gewaschen und lyrisch auf der Höhe der Zeit. Dann hätten wir jetzt etwas, was uns fehlt, sangbare, direkte, Klarheit und Einfachheit nicht scheuende Gedichte, die von Wahrheit sprechen. Vielleicht entstehen solche Gedichte im kommenden Jahrhundert. Das wäre mein frommer Wunsch.
"Der Sonnenaufgang am Morgen - der Astronom erklärt uns, dass das gar nichts Besonderes ist, wir wissen, wie das funktioniert, das ist, wie es immer war. Aber der gläubige Mensch steht auf, sieht die Sonne und es ist etwas vollkommen Einmaliges. Und die heutige Begegnung mit einem Menschen ist unwiederholbar, sie wird nie wiederkommen, und sie ist ein Gegenstand des Dankes für das strahlende Licht. Und das sind zwei vollkommen verschiedene Einstellungen, die beide ihre Wahrheit haben." (Im Interview mit dem Deutschlandfunk - 30.4.2007)
"Wir hoffen sehr, dass unser Papst - ich bin zwar evangelisch, sage aber trotzdem "mein Papst" -, sich diese Gelegenheit nicht entgehen lässt."Der so spricht, ist Christian Kabitz, Leiter des Frankfurter Cäcilien-Chores, der am kommenden Samstag die "Kirchenoper" "Augustinus" zur Aufführung bringen wird. (Quelle: Frankfurter Rundschau)
"Frage: Welche Aspekte des Dokumentes [Sacramentum Caritatis] sind die wichtigstens für die Bischöfe, Priester und Katholiken Asiens?Mehr bei Father Z.
Ranjith: Allgemein gesehen ist der Ruf, die Heilige Eucharistie als Einladung, Christus selber zu werden, in ihn hingezogen und absorbiert zu werden in einer tiefen Gemeinschaft der Liebe und so seinen eigenen herrlichen Glanz in uns ausstrahlen zu lassen, im Einklang mit der Suche nach einer spirituellen Mystik auf dem asiatischen Kontinent.
Wie schon erwähnt, ist Asien tief mystisch und sich des Wertes des Heiligen im menschlichen Leben bewußt, das einen Menschen bewegt, nach den tieferen Geheimnissen von Religion und Spiritualität zu suchen. Die Tendenz, die Feier der Eucharistie durch eine einigermaßen horizontale Orientierung zu banalisieren, wie es in der modernen Zeit häufig sichtbar ist, stimmt mit dieser Suche nicht überein. Daher ist die allgemeine Richtung des Dokuments gut für Asien. (...)
Rubriken werden in den anderen religiösen Traditionen Asiens streng befolgt. Daneben spiegeln ihre Rubriken in tiefgründiger Weise die besondere Rolle des Heiligen wieder. So ist die Ernsthaftigkeit, die der Papst empfiehlt, in sehr großer Übereinstimmung mit asiatischen Formen der Gottesverehrung."
"Ich hörte einmal in Sri Lanka eine Radioansprache eines buddhistischen Mönches, der sich über Christen lustig machte, die einheimisches Trommelspiel in ihren Kirchen zuließen, ohne zu wissen, daß dieses Trommeln tatsächlich Lieder zu Ehren Buddhas waren. Das könnte ein Beispiel sein für eine unbeachtete Absorption lokaler Traditionen, die per se nicht kompatibel sind mit dem, was wir feiern."
"Nehmen Sie, zum Beispiel, die weitgehende Aufgabe der Soutane oder der Priestertracht durch viele Priester und Ordensleute in Asien, sogar durch Missionare. Sie verstehen kaum, daß in der asiatischen Kultur Personen, die sich Gott oder der Religion geweiht haben, immer durch ihre Kleidung erkennbar sind, wie der buddhistische Mönch oder der hinduistische Sannyasi. Das zeigt, daß wir nicht verstehen, was Inkulturation wirklich bedeutet. (...) In Geist und Herz folgen wir jedoch säkularen Wegen und Werten. Wenn wir wirklich asiatisch sind, sollten wir unsere Aufmerksamkeit auf die Mystik Jesu richten, auf seine Heilsbotschaft, den hohen Wert von Gebet, Kontemplation, Loslösung, Einfachheit des Lebens, von Frömmigkeit und Nachdenken, und auf den Wert des Schweigens und der Formen liturgischen Feierns, die die große Aufmerksamkeit auf das Heilige und Transzendente richten. Wir Asiaten können keine Säkularisten sein, die jenseits des Sichtbaren und Berührbaren nichts sehen."