5. November 2003

Dana Gioia: Litanei

This is a litany of lost things,
a canon of possessions dispossessed,
a photograph, an old address, a key.
It is a list of words to memorize
or to forget – of amo, amas, amat,
the conjugations of a dead tongue
in which the final sentence has been spoken.

(...)

This is a litany to earth and ashes,
to the dust of roads and vacant rooms,
to the fine silt circling in a shaft of sun,
settling indifferently on books and beds.
This is a prayer to praise what we become,
"Dust thou art, to dust thou shalt return."
Savor its taste - the bitterness of earth and ashes.

(...)

[Zwei wichtige Essays von Dana Gioia, "Why Poetry Matters" (Atlantic Monthly, 1991) und "Disappearing Ink: Poetry at the End of Print Culture" (Hudson Review, 2003) gibt es online.]
Hey Chel, we was wild then

Überrascht war ich schon, als ich auf der Website von Image: A Journal of the Arts and Religion las, daß Michelle Shocked im Rahmen der Image-Konferenz "A Narratable World" (Seattle, Nov 6-9) auftritt.

Mit ihrer bunten Biographie schien sie mir nicht ganz in den christlich-literarischen Rahmen zu passen: in einer streng mormonischen Familie aufgewachsen, mit 16 raus von daheim, als Friedens-, Umwelt-, Politaktivistin weltweit unterwegs, Arrest- und Mental Institution-erfahren, in Townes' Nachfolge wandernde Sängerin, zufällig mit ihren Texas Campfire Takes entdeckt, anschließend im Dauerclinch mit ihren Plattenfirmen...

Captain Swing ist das letzte Album, das ich von ihr kenne - aber danach hat "Sister Shocked" wohl u.a. ihre christlichen-gospeligen-spirituellen Roots entdeckt. Nachzulesen sind sie in den Lyrics ihres neuesten Albums "Deep Natural" (mit einigen Soundbites) und in einem eigenen Message Board "Michelle's Spirituality".

[Randbemerkung: Erstaunlich, daß in der musikalischen Landkarte von Texarkana/East Texas unter all den anderen Landessöhnen wie Lightnin' Hopkins, Leadbelly, Lefty Frizzell, Willie Nelson, Blind Willie Johnson etc. Townes van Zandt fehlt. Muß ein Versehen sein.]

4. November 2003

Die Eine Starke Stimme

Wo das Geld fehlt, hört die "Vielheit in der Einheit" ganz schnell auf. Wie man hört, rechnet die EKD mit 10 Prozent weniger Kirchensteuer für das kommende Jahr. "Wer Schwierigkeiten hat, die Seelsorge aufrecht zu erhalten, kann sich keine Doppelverwaltung leisten." Also sollen die historischen Zweige im deutschen Protestantismus verschwinden.

Übrig bleibt dann von Lutheranern, Reformierten und Unierten "nur noch ein Gremium der 24 Landeskirchen: die EKD", die "als die eine starke Stimme des Protestantismus in Deutschland Lutherischen, Reformierten und Unierten nützt." (Schluss mit der Kleinstaaterei - SZ vom 4.11.2003)

Nur Schelme sehen darin ein ökumenisches Modell.

3. November 2003

Balthasar und Metz zum Leiden Jesu

Ralf fragte in seinem Kommentar zum Post Aktuelle Communio, wie Hans Urs von Balthasar (HUvB) und Johann Baptist Metz (JBM) zum Glaubenssatz stehen, daß die "göttliche Natur Jesu am Kreuz nicht gelitten habe".

Ich weiß nicht, ob HUvB irgendwo direkt sagt, daß die göttliche Natur Jesu am Kreuz gelitten oder nicht gelitten habe. In der "Theologie der drei Tage"(TddT) und in der "Theodramatik"(TD) finde ich jedenfalls keine entsprechenden Sätze. Er geht vielmehr den Ereignissen der Heiligen Drei Tage nach und sieht in ihnen das Ereignis und die endgültige Offenbarung der Liebe Gottes und ebenso den Ort, wo Jesus Christus an unserer Stelle Leiden und Tod auf sich nimmt, die Weltschuld und unsere Sünde sühnt und damit Erlösung und Versöhnung bewirkt.

Aus seiner Sicht von Passion und Kreuz folgt für ihn: "mit den Verlorenen solidarisch werden heißt mehr als nur äußerlich-stellvertretend für sie sterben, ... mehr auch als nur ihr gemeinsames unvermeidliches Todesschicksal auf sich nehmen, mehr auch als bloß den allem Sünderleben seit Adam je schon konstitutiv-immanenten Tod bewußt auf sich laden und ihn personal zu einem Akt des Gehorsams und der Hingabe an Gott verantwortlich gestalten ... Es geht über all dies ... hinaus um ein völlig einmaliges Tragen der Gesamtschuld der Welt durch den völlig einmaligen Sohn des Vaters ..."(TddT, 133f). Nicht nur ein vorbildlicher Gehorsam, sondern ein Gehorsam, der in den Schmerz, den Tod, die Gottverlassenheit geht. Nicht nur Hingabe an Gottes Willen, sondern eine Hingabe, die sich von menschlicher Empörung, menschlichem Unverständnis, menschlicher Sünde töten und quälen läßt. Ohne Rückbehalt. Aber so, daß in seinem Leiden alles menschliche Leiden, in seinem Tod aller menschliche Tod "einbehalten" sind.

Dabei schließt er sich Ferdinand Ulrich an: "Nur weil Schmerz und Tod Gott selbst innerlich sind, und zwar als flüssige Form der Liebe, kann er Tod und Schmerz durch seinen Tod und seine Auferstehung besiegen ... Schmerz und Tod sind nicht kraft einer ewigen Gleich-Gültigkeit seines Wesens überholt, sondern deshalb, weil sie von Gott her, kraft seiner absoluten Freiwilligkeit, ewig Sprache (bis zum Todesschrei, Verstummen, Totsein) seiner Herrlichkeit sind." (TD IV, 221f)

HUVB prüft sehr genau die verschiedenen theologischen Entwürfe der Kirchenväter und der Neuzeit, und versucht, den heilsökonomischen Schmerz Gottes trinitätsimmanent grundzulegen: im vollen Bewußtsein der Analogie menschlichen Sprechens ("Ähnlichkeit bei immer größerer Unähnlichkeit"); festhaltend an der Unveränderlichkeit Gottes, die er allerdings mit den Vätern als unveränderliche Liebe versteht, eine Liebe, die so unveränderlich ist, daß sie sich nicht zurückzieht vor dem Leiden. (Origenes: "Also ist der Vater selbst nicht leidensunfähig. Wenn man ihn bittet, erbarmt er sich und leidet mit. Er leidet an der Liebe und begibt sich in Empfindungen, welche er gemäß der Größe seiner Natur an sich nicht haben kann, und erträgt wegen uns menschliche Affekte."(Hom. in Ez., 6, 6))

"Fragt man aber, ob Leiden in Gott sei, so lautet die Antwort: in Gott ist der Ansatzpunkt für das, was Leiden werden kann, wenn die Vorsichtslosigkeit, mit der der Vater sich (und alles Seinige) weggibt - was zur wesenhaft göttlichen Vorsichtlosigkeit der totalen Selbstverdankung und des Sich-verschwenden-lassens des Sohnes und zu der des ihm mitgegebenen Geistes führt - auf eine Freiheit stößßt, die diese Vorsichtslosigkeit nicht beantwortet, sondern in die Vorsicht des Bei-sich-selber-beginnen-Wollens verwandelt."(TD III, 305)

JBM kenne ich zu wenig, um wirklich seine Meinung darstellen zu können. Aber die Bemerkungen und Zitate im Communio-Heft und das, was ich kenne, geben mir folgendes Bild:

Erstens scheut er als Rahner-Schüler, der er ist, vor jeder Spekulation über das Innenleben Gottes zurück. Zweitens befragt er die theologische Rede vom leidenden Gott auf ihre Beruhigungs-, Alibi-, Verharmlosungsfunktion hin (z.B. im Plädoyer für mehr Theodizee-Empfindlichkeit in der Theologie. In: W. Oelmüller (Hrsg.): Worüber man nicht schweigen kann).

Und dann erst kommt der dritte Schritt: "Wie aber kann ohne Rede vom leidenden Gott die Theologie vom Schöpfegott angesichts der himmelschreienden Zustände seiner Schöpfung den Apathieverdacht fernhalten? Steht nicht bei Johannes lapidar: 'Gott ist Liebe'? Wie wäre diesem biblischen Satz anders Rechnung zu tragen als mit der Rede von einem leidenden, von einem mit seiner vom Leid durchkreuzten Schöpfung leidenden Gott?"(ebd., 136)

Das sind keine rhetorischen Fragen, denn er antwortet mit einem Aufschub, mit dem Hinweis auf den Verheißungsvermerk, den "alle Gottesprädikate in den biblischen Traditionen ... tragen ... Videbimus." (ebd., 136f.)
Ein Zellhaufen namens Brigitte

Kein Bild soll es hier von jenem "Zellhaufen" geben, der damals zufällig eine "austragungsbereite Frau" fand, jetzt das Gehalt einer Bundesjustizministerin bezieht und laut der aktuellen "kulturellen Festlegung über den in der betreffenden Kultur vorherrschend gültigen Sprachgebrauch" (Hubert Markl) Brigitte Zypries heißt.

Außer bei 5 % der Bundesbürger hat sie sich jetzt auch bei ihrem Chef Gerhard S. wieder in Erinnerung gebracht.

Was bin ich froh, daß ich geboren bin und keiner mehr an meiner Menschenwürde zweifelt.
Nicole und die Kanaaniter

Nicole Then

Die deutsche Weinkönigin heißt dieses Jahr Nicole Then , ist "jung, hübsch, charmant, intelligent", "kompetent und attraktiv" und qualifiziert sich durch ihre Herkunft - Sommerach am Main - und ihre Religion - katholisch - ganz klar für ein Portrait im zuständigen Bistumsblatt und für eine Erwähnung in diesem Weblog.

Im wirklichen Leben war sie Ministrantin und "Dreikönig" (wie es bei uns heißt) und betätigt sich immer noch als Lektorin in ihrer Heimatpfarrei St. Eucherius. Als solche trägt sie ja nicht das Evangelium vor, weshalb ihr - nicht aber der zuständigen Redakteurin - der Standardlapsus zum 1. Wunder Jesu verziehen sei: "Die Hochzeit zu Kanaan ist wohl das berühmteste Beispiel für Wein in der Bibel, abgesehen vom Abendmahl." Ja, ja, die Kanaaniter.
Allerheiligen, auf dem Friedhof

Hoher grauer Himmel, ein Flecken schwächelndes Blau. Zwei schwarze Punkte weit hinten - Bussarde spähen nach Beute.

Das Grab der Großeltern ordentlich. Frag mich nicht nach den Blumen. Erika jedenfalls, weiß und rot. Die freie Erde in lockeren Krümeln. Die Marmorplatte unterm Licht eingesunken in den Boden.

Was denkt der Vater neben mir? Großvater war 77, als er starb.

Das Schlußstück der Blasmusiker plagiiert "Ihr Kinderlein kommet". Als das Publikum aufmerkt, versinkt es in passendere Töne.

Die Cousine am Onkelgrab, schon immer blond. Doch jetzt mit einem aschgrauen Schimmer.

Rings halblaute Gespräche. Man strömt zurück ins Land der Lebenden. Ein Satz aus ungezählten Beerdigungen hallt in mir: "Lasst uns beten für denjenigen aus unserer Mitte, der als nächstes ..." Das Mal an der Stirn. Finale Gerechtigkeit.

Alle tragen Blässe heute. Die Mittelnaht des Jacketts wird aufgetrennt, damit es sich besser anziehen lässt. Der teure Mantel hängt im Schrank. Flügelhemden sind angesagt.

Wird er mich erschrecken, der Tod? Werde ich hinsinken? Oder liegen bleiben? Kein eigner Tod, sondern einer von der Stange. Sie kennen ja meine Größe, Herr T.
"Und schuf Martin Luther nach seinem Bild..."

- das meint jedenfalls Gerhard Besier in der Welt (Er war ein Fundamentalist, kein Befreier):

"Seine unerbittliche Abgrenzung gegenüber dem radikalen Flügel der Reformation und die scharfe Verurteilung ehemaliger Mitkämpfer konterkarieren förmlich, was im Abspann behauptet wird - nämlich Luther sei ein Vorkämpfer für die Religionsfreiheit gewesen. Nicht um ein modernes Freiheitsrecht ging es dem Reformator, sondern um ein vormodernes Verständnis der christlichen Wahrheit. Diese hat er in Erwartung des unmittelbar bevorstehenden Jüngsten Tages so intransigent vertreten, dass man ihn heute wohl den 'Fundamentalisten' zurechnen würde. Martin Luther rannte nicht in neuprotestantischer Manier gegen Dogmen schlechthin an, sondern nur gegen solche, die nach seiner Überzeugung nicht der evangelischen Wahrheit entsprachen.

Immerhin ist Eric Tillers Film unterhaltsam. Er wird für einige Zeit ein Lutherbild fixieren, das zwar der historischen Überprüfung nicht standhält, aber den Bedürfnissen einer an Vorbildern so armen Welt entspricht."

2. November 2003

Bernanos über die Heiligen

[Wer unökumenische Töne heraushört, liest am besten darüber weg. Darauf kommt es GB und mir nicht an.]

"Die Stunde der Heiligen ist immer am Kommen. Unsere Kirche ist die Kirche der Heiligen.

Wer ihr mit Mißtrauen naht, glaubt geschlossene Türen, Schranken und Schalter zu finden, eine Art geistlicher Polizei. Aber unsere Kirche ist die Kirche der Heiligen.

Welcher Bischof gäbe nicht seinen Ring, seine Mitra, seinen Stab, welcher Kardinal nicht seinen Purpur, welcher Papst nicht seinen weißen Rock, seine Camerieri, seine Schweizer und all sein Zeitliches dahin, um ein Heiliger zu sein? Wer möchte nicht die Kraft haben, dies wunderbare Abenteuer zu bestehen?

Denn die Heiligkeit ist ein Abenteuer, sogar das einzige, das es gibt. Wer das einmal verstanden hat, ist ins Herz des katholischen Glaubens eingetreten, hat in seinem sterblichen Fleisch einen anderen Schreck verspürt als den des Todes: eine übermenschliche Hoffnung. Unsere Kirche ist die Kirche der Heiligen. Aber wer kümmert sich um die Heiligen? Man sähe sie gern als Greise voll Erfahrung und Politik, aber die meisten von ihnen sind Kinder, und die Kindheit steht immer allein gegen alle. Die Schlauen zucken die Achseln, lächeln: welcher Heilige hat den Leuten der Kirche viel zu danken gehabt? He, was gehen uns hier die Leute der Kirche an? (...)

Gott hat die Kirche nicht gemacht für den Wohlstand der Heiligen, sondern daß die Kirche ihr Andenken lebendig erhalte, damit nicht, mit dem göttlichen Wunder zusammen, ein Strom von Ehre und Poesie zerrinne. Es soll eine andere Kirche ihre Heiligen vorweisen! Die unsere ist die Kirche der Heiligen. Wem wolltet ihr diese Here von Engeln zu weiden geben? Schon die bloße Geschichte mit ihrem summarischen Verfahren, ihrem sturen und harten Realismus hätte sie zerbrochen.

Unsere katholische Tradition trägt sie davon, ohne sie zu verletzen, in ihrem umfassenden Rhythmus. Benedikt mit seinem Raben, Franz mit seiner Laute und seine provenzalischen Versen, Jeanne mit ihrem Schwert, Vinzenz mit seiner verschlissenen Soutane, und die Letztgekommene, die Fremde, Geheime, von den Geschäftemachern und Bestechlichen auf die Folter gespannt, mit ihrem unbegreiflichen Lächeln - Therese vom Kinde Jesu. (...) Wir respektieren die Dienste der Verwaltungsbehörden, der Profossen, des Generalstabs und der Kartographen, aber unser Herz ist mit den Männern der Front, unser Herz ist mit denen, die sich umbringen lassen." (zit. nach Hans Urs von Balthasar: Gelebte Kirche - Georges Bernanos.- 3. Aufl.- Einsiedeln: Johannes, 1988, S. 234f.)

31. Oktober 2003

Reformationstag 2003

Matthias Drobinski wirft in der SZ einen schonungslosen Blick auf die protestantischen Kirchen Deutschland:

"Den Preis für diesen Erfolg zahlt die evangelische Kirche spätestens, seit zum Traum der Individualität der Horror der Vereinzelung gekommen ist und zur Aufklärung die Allmachtsphantasien. Sie gilt als profillos und beliebig, seit die Ideen der Reformation zum Allgemeingut geworden sind, die Freiheit des Christenmenschen selbstverständlich zu sein scheint. Dass sie keinen Papst hat, den man je nach Façon bewundern oder beschimpfen kann, gilt mittlerweile als Nachteil für den öffentlichen Auftritt. Und die Landeskirchen haben selber einiges dafür getan, dass sie vielen als harmlos wie vernachlässigenswert gelten."

Aber ob das, was er als "evangelische Emotionalität" bezeichnet, ein Hoffnungszeichen ist? Einiges von dem, was er da aufführt - Pfarrer als Seelsorger, Bischöfe als Identifikationsfiguren, die Entdeckung des gemeinsamen Zeugnisses anstelle von EKD-Stimmengewirre - ist eher "katholisierend" als "emotional".

Und der "tiefe Zweifel und glühende Glauben" des D. M. Luther ist ziemlich weit von dem entfernt, was sich als Sentimentalfundamentalismus und Seelenpflegereligion im deutschen Christentum - gleich welcher Konfession - einrichtet.

29. Oktober 2003

Glaube als Erkenntnis

Auch noch in der aktuellen IKZ Communio: Ein Ratzinger-Vortrag zum Thema "Lehramt und Exegese".

Zitat: "Der Glaube ist selbst eine Weise des Erkennens; ihn ausschalten zu wollen, produziert nicht die reine Sachlichkeit, sondern ist die Setzung eines Erkenntnisstandortes, der eine bestimmte Perspektive ausblendet und die zufälligen Bedingungen der gewählten Sicht nicht mehr wahrhaben will. Wenn man dagegen wahrnimmt, daß die Heiligen Schriften von einem Subjekt stammen, das auch heute lebt - vom wandernden Gottesvolk -, dann ist auch rational klar, daß dieses Subjekt beim Verstehen des Buches [i.d. der Bibel] etwas zu sagen hat." (S. 528)
2 Pfarrer bei Pilawa

Jetzt gleich bei Pilawa im Ersten: Dr. Jürgen Vorndran, Stiftspfarrer aus Aschaffenburg und der evangelische Dekan Michael Martin. Life ist da nichts, aber ich bin dennoch gespannt, wie sich die einheimische Geistlichkeit bei der Aufzeichnung geschlagen hat.

Hintergrund: "Raten für den guten Zweck"

28. Oktober 2003

Meines Herzens Tür

Let me in

Mehr als Kitsch, würde ich sagen. (via Jesuspix)

Opus Operatum

Angesichts der Menge geweihter Idioten bin ich immer wieder und immer mehr froh über das opus operatum, über den Automatismus, mit dem GOtt in den Sakramenten die Indisposition seiner menschlichen Instrumente überspielt. (Und damit keiner sagt, ich wäre einseitig blind: Über die Indisponiertheit der Empfänger habe ich mich zuletzt zusammenfassend hier geäußert.)
Aktuelle Communio

Freudig überrascht war ich vom aktuellen Heft der Internationalen Katholischen Zeitschrift Communio: Das Thema "Kann Gott leiden?" beleuchten nicht nur alte Stammautoren wie Michael Figura und Peter Henrici, sondern eine Gruppe junger und jüngerer deutscher Theologen: Christoph Dohmen, Markus Enders, Jan-Heiner Tück, Matthias Remenyi und Holger Zaborowski. Ziemlich entschlossen bringen sie alte Antipoden wie J. B. Metz und H. U. von Balthasar miteinander ins Gespräch, fragen, ob eine trinitarische Kreuzestheologie wie die Balthasars die aus der menschlichen Leidensgeschichte kommenden Fragen beruhigt oder ernst nimmt, ob wir auf eine umfassende Versöhnung hoffen dürfen und ob sie für uns ohne Gericht denkbar ist - und wehren einem GOttesverständnis, das GOtt dunkel, im Werden oder schwach sieht. Daß Gott leidet, zeigt für sie die ganze Ernsthaftigkeit Seiner Liebe, die bis ans Ende - bis an unser Ende - geht und mitgeht.
Fest und Hoffnung

"Ohne die Dimension des Feierns würde die Hoffnung kein Haus mehr finden, um darin zu wohnen." (Ecclesia in Europa, Nr. 82)
Predigtlücke

Warum habe ich eigentlich über diesen interessanten Bibelvers noch nie eine Predigt gehört?

"Der Blutegel hat zwei Töchter:
"Gib her! Gib her!"
Drei gibt es, die nicht satt werden,
und vier sagen niemals "Genug!"
(Sprüche 30, 15)

24. Oktober 2003

Wenn Dich der Kummer packt:

Worries
(via digitalfog

23. Oktober 2003

Deutschlands Top Fifty

Mama vor Mutter und Jesus vor Jauch.
Vorbereitung auf eine Überraschung?


Konklave-Spekulationen bei der Süddeutschen Zeitung.
Überraschung!

Das hätte ich jetzt wieder nicht gedacht: Fast alle Walrosse sind Rechtshänder.
Defender of the Faith

Philip Jenkins portraitiert einen der Hauptkombattanten der aktuellen Anglikanischen Krise: Peter Jasper Akinola, Erzbischof von Abuja, Primas von Nigeria.

Eine Instruktion über die tatsächlichen Unterschiede zwischen den Kirchen der 1. und der 3. Welt.

21. Oktober 2003

Woher wir wissen, was wir über die U. S. of A. wissen

Susanne Klingensteinüber den Augenblick der Wahrheit und die Meinungsmaler.
Breitenbachscher Fehlalarm
oder:
Und wieder hört einer nur, was er hören will.

Unser aller Roland schrieb in seinem Newsletter vom 17. Oktober:

"Wenn der Papst gestern [i.e. 16. Oktober 2003] in seiner Jubiläumsansprache von uns 'Treue zum Evangelium' erwartet oder zu Nachfolge Jesus [sic] aufgerufen hätte, wir könnten aus vollem Herzen zustimmen. So aber forderte er 'Gehorsam gegenüber Rom'? Das bedeutet letzten Endes auch, dass bis in die kleinsten Gemeinden vatikanischer Zentralismus und römische Engstirnigkeit vollzogen werden müsste."

Diesen O-Ton von JPII wollte ich selber zur Kenntnis nehmen und siehe da: Ich fand für den 16. Oktober nur die Promulgationsansprache für das Nachsynodale Schreiben "Pastores Gregis", die ich mir von Google übersetzen ließ. Roland Breitenbach muß wohl diese "Jubiläumsansprache" gemeint haben. Aber das lasse ich mich gerne aufklären.

Das Ergebnis der Google'schen Übersetzung ist natürlich italienglisch vom Feinsten, aber immerhin läßt sich klar erkennen, daß JPII darin jedenfalls keinen "Gehorsam gegenüber Rom" fordert, sehr wohl aber, daß "they [die Synodenväter] have emphasized like the functions to teach, to santificare and to govern must be practised in the hierarchical communion and fraterna the unit with the Head and the other members of the episcopal College".

Und was die von Roland Breitenbach vermisste "Treue zum Evangelium" oder den fehlenden Ruf in die Nachfolge Jesu angeht, so kann man ihm nur empfehlen, gemeinsam mit dem Weltepiskopat die folgenden Sätze ins Herz dringen zu lassen:

"The evangelica figure of the Good Shepherdesses has been l?icona to which the sinodali jobs have made constant reference. Sinodale L?Assemblea has indicated in concrete way which it must be the spirit with which the Bishop it is called to carry out in the Church its service: acquaintance of the flock, love for all and attention to every person, misericordia and searches of the smarrita little sheep. Here some characteristics that contraddistinguono the ministry of the Bishop. It is called to being father, master, friend and brother of every man sull?esempio of Christ. Covering faithfully this way, he will be able to reach the holiness, a holiness that will have to grow not beside the ministry, but through the same ministry."

"sull’esempio di Cristo" - nach dem Beispiel Christi. Und der Schweinfurter Pfarrer kennt seine Bibel gut genug, um zu wissen, daß das Hirtesein des Bischofs gut paulinisch und gut katholisch-analogisch (= ähnlich bei immer größerer Unähnlichkeit) das Hirtesein Jesu Christi nachahmt.

Nun könnte "rb" zu Recht sagen: Alles Kleinigkeiten und Korinthenkackerei - lesen wir doch mal Pastores Gregis selbst. Dort steht Nr. 19 immerhin unter dem Titel "Die Tugend des Gehorsams" und sagt uns bzw. den Bischöfen:

"Durch die Aneignung dieser sehr menschlichen Züge Jesu wird der Bischof auch zum Vorbild und Förderer einer Spiritualität der Gemeinschaft. Diese ist darauf angelegt, mit Wachsamkeit und Sorgfalt die Kirche so aufzubauen, daß alles, Worte und Werke, im Zeichen kindlicher, in Christus und im Heiligen Geist vollzogener Fügsamkeit unter dem liebevollen Plan des Vaters geschehe. Als Lehrer der Heiligkeit und als Diener der Heiligung seines Volkes ist der Bischof in der Tat gerufen, den Willen des Vaters treu zu erfüllen. Der Gehorsam des Bischofs muß so gelebt werden, daß er als Vorbild – anders könnte es ja gar nicht sein – den Gehorsam Christi selbst hat, der mehrmals bekräftigt hat, vom Himmel herabgekommen zu sein, nicht um seinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der ihn gesandt hat (vgl. Joh 6, 38; 8, 29; Phil 2, 7-8).

Unterwegs auf den Spuren Christi gehorcht der Bischof dem Evangelium und der Tradition der Kirche; er versteht, die Zeichen der Zeit zu deuten und die Stimme des Heiligen Geistes im petrinischen Amt und in der Kollegialität der Bischöfe zu erkennen. Im Apostolischen Schreiben Pastores dabo vobis habe ich den apostolischen, gemeinschaftlichen und pastoralen Charakter des priesterlichen Gehorsams beleuchtet. Diese Eigenschaften finden sich ganz offensichtlich in noch markanterer Weise im Gehorsam des Bischofs. Die Fülle des Weihesakraments, die er empfangen hat, stellt ihn in der Tat in eine besondere Beziehung zum Nachfolger Petri, zu den Mitgliedern des Bischofskollegiums und zu seiner Teilkirche selbst. Er muß sich in die Pflicht genommen fühlen, diese Beziehungen zum Papst und zu den Mitbrüdern im Bischofsamt in einem engen Band der Einheit und Zusammenarbeit intensiv zu leben. Auf diese Weise antwortet er auf den göttlichen Plan, der die Apostel um Petrus untrennbar vereinen wollte. Diese hierarchische Gemeinschaft des Bischofs mit dem Papst bestärkt seine Fähigkeit, kraft des empfangenen Weiheamtes Jesus Christus, das unsichtbare Haupt der ganzen Kirche, zu vergegenwärtigen.

Dem apostolischen Aspekt des Gehorsams kann sich jener gemeinschaftliche nur anschließen, insofern das Bischofsamt von seiner Natur her »eins und ungeteilt« ist. Aufgrund dieser Gemeinschaftlichkeit ist der Bischof berufen, seinen Gehorsam unter Überwindung jeder individualistischen Versuchung und unter Annahme der Bürde der Sorge um das Wohl der ganzen Kirche innerhalb der Sendung des Bischofskollegiums zu leben.

Als Vorbild im Hören soll der Bischof gleichfalls aufmerksam sein, durch Gebet und Unterscheidung den Willen Gottes in dem, was der Geist der Kirche sagt, zu erfassen. In Ausübung seiner Autorität im Sinne des Evangeliums muß er mit seinen Mitarbeitern und den Gläubigen in Dialog zu treten wissen, um das gegenseitige Einvernehmen wirksam wachsen zu lassen. Dies wird ihm erlauben, auf seelsorgliche Weise die Würde und Verantwortung jedes einzelnen Gliedes des Volkes Gottes zu schätzen, indem er mit Ausgeglichenheit und Gelassenheit den Unternehmungsgeist eines jeden fördert. Denn die Gläubigen müssen unterstützt werden im Wachstum eines verantwortlichen Gehorsams, der sie auf pastoraler Ebene aktiv werden läßt. In diese Hinsicht hat die Aufforderung des heiligen Ignatius von Antiochien an Polykarp bleibende Gültigkeit: »Nichts geschehe ohne deine Zustimmung, du aber unternimm nichts ohne Gott«."

Nicht ein abstrakter "Gehorsam gegenüber Rom" ist hier also gefordert, sondern Gehorsam gegenüber Gott, gegenüber dem Evangelium und gegenüber dem Geist, wie er in den Zeichen der Zeit, dem petrinischen Amt, dem Bischofskollegium und wohl auch seiner Teilkirche weht. Sogar das Zauberwort "Dialog" fehlt nicht. Alles schön abgestuft, ins Ganze eingebettet, auf einer von 192 Seiten.

Tja, "rb" - genauer müsstest Du mir sein in Deinem Zorn, damit ich ihn als einen heiligen ansehen kann. Bis dahin scheint er mir nur eilig-unheilig zu sein. Wieder mal: Schade.
4695

So viele Bischöfe hat die katholische Kirche. Pluralismus, Verschiedenheit, Meinungsverschiedenheiten und Streit sind da wohl eher die Regel als die Ausnahme; das Problem liegt darin, sie alle zusammenzuhalten im gemeinsamen Glauben und nicht nur bei den "Brüderküsse(n) am Altar".

(Guido Horst: Die Welt erwartet das Zeugnis eurer Einheit; Tagespost)
Micron +

Nach 22 Jahren enger, täglicher Zusammenarbeit verließ mich am Sonntag mein Braun Micron der ersten Generation. Ein Musterbeispiel von Nachhaltigkeit, noch bevor sie erfunden war.

Dem Neuen traue ich das so ohne weiteres nicht zu. Aber er soll seine Chance haben.

20. Oktober 2003

Johnny comes around

Daß Johnny Cash zu seinem und unserem Gott unterwegs war, wissen wir. Nicht zuletzt durch seine Lieder.

Viele interessante Fakten - u.a. über den Tod seines Bruders, seine Pillensucht mit ihren fast-suizidalen Folgen, die Lebenshilfe durch die Carter-Family - bringt das Cash-Kapitel aus dem Buch "Spiritual Journeys: How Faith Has Influenced Twelve Music Icons", das als Sample kostenlos herunterzuladen ist.

17. Oktober 2003

Mother Act

Mother T

Jetzt läßt sich natürlich argumentieren, daß, wer schnell selig gesprochen wird, sich über seine Beliebtheit nicht beklagen soll. (Via Fr. Sibley)
Pastores Gregis

Das bleibt politisch-korrekt übrig von 192 Seiten: "In einer 192-seitigen Erklärung, die der Papst er unter dem Titel 'Hirten der Herde' (Pastores gregis) veröffentlichte, klagte er die reichen Nationen dieser Welt an und warnte vor einem Krieg der Mächtigen gegen die Schwachen. 'In vielen Bereichen gleicht die Welt einem Pulverfass, das kurz davor steht zu explodieren'.

Die Kirche müsse die Rechte der Armen und Ausgestossenen verteidigen. In seinem neuen Dokument bekräftigte er ohne Wenn und Aber den Führungsanspruch Roms in der Kirche und das Festhalten am Primat des Papstes.

Mehr Mitsprache der Geistlichen lehnte er ab. Zugleich betonte der Papst das Festhalten der römisch-katholischen Kirche an der verpflichtenden Ehelosigkeit der Priester." (SF DRS NEWS)

Wer mehr wissen will, lese besser die Zenit-Meldung oder natürlich das Original.

(Viel wäre schon gewonnen, wenn in den Redaktionen und Agenturen genauso gute Journalisten säßen, wie wir in der Regel Bischöfe haben.)
Scipio semper reformandus

"What's wrong with the Church? - I am." (G.K.Chesterton)
Hans Küng - phantasieloser Erlöser

Die Sicht des Pensionärs aus Sursee: "Unter Johannes Paul ist das Schiff der Kirche zu einer mittelalterlichen Galeere für Unmündige geworden." (Bieler Tagblatt Ausland)

Was er sich gar nicht vorstellen kann, ist, daß es relativ viele Passagiere gibt, die freiwillig, gerne und mit vollem Bewußtsein dabei sind, mitrudern, die Fahrt genießen und sogar ihren Spaß haben. Und die nicht zu den Einpeitschern gehören, sondern zu denen in der Economy Class. Ich zum Beispiel.

(Schlimm ist dabei, daß er mit seiner Sichtweise dialogunfähig geworden ist: Mit Unmündigen redet man nicht von gleich zu gleich, sondern man klärt sie auf - und vor allem weiß nur der Mündige, wann sie aus ihrer Unmündigkeit erlöst sind. Hans Küng - Redemptor Hominis.)

14. Oktober 2003

Freiheit

"Das Handwerk der Freiheit" von Peter Bieri ist meine Oktoberlektüre. Obwohl ein Handwerk natürlich durch Ausüben erlernt wird, ist ein guter Lehrmeister Gold wert. Bieri schreibt spannend, lebendig und deutsch, richtig gutes Deutsch, und ich möchte weiter und immer weiter lesen. Philosophie als Roman. Einmalig.

"Wachsende Erkenntnis bedeutet wachsende Freiheit." (S. 397) Freiheit verwirklicht sich für Bieri nicht in einer unbedingt-"freien" Wahl zwischen möglichst vielen verschiedenen Optionen, sondern in der Entscheidung für die im Überlegen gewonnene Einsicht in die Welt, in die Umstände meiner Situation und in meine Wünsche, in das also, was ich wirklich wollen soll. Und dann natürlich im willentlichen Handeln aus dieser einsichtsbedingten Entscheidung heraus. Das klingt nach "Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit", aber die Modifikation, die Bieri vornimmt, ist entscheidend: Freiheit ist die Aneignung der gewonnenen Einsicht. Und Einsicht ist immer Wahrnehmung: meiner Situation, meiner Werte, meiner Optionen, meiner möglichen Zukunft, und der Konsequenzen meiner Entscheidung und meines Handelns.
25 Years of Anti-Papal Affects

Ich geb's zu: Mein Amüsemang ist infantil und beichtenswert. Aber auf die Idee muß ja auch erstmal einer kommen: der offene Brief zu Christian Weisners mißlungenster Presseerklärung.

(Nur die Typing Errors müssen noch raus...)
Search-Tseitgeist

Der Zeitgeist war ja auch schon mal interessanter. Im deutschen Google inkarnierte er sich im August in den Worten: Klimageräte, antivir, preisvergleich, terminator 3, spiele, fernsehprogramm, wörterbuch, ferrari, feuerwehr und rasmus. Dabei möchte ich wetten, daß diese Liste um einige andere, genauso wenig überraschende Begriffe zensiert ist. Versteckt-ehrlich sind das auch nur "Haufige" [sic] und nicht "Die häufigsten" Suchbegriffe...

An die internationalen Seiten kommt man so einfach nicht ran - Google halt. (Via A Saintly Salmagundi)

13. Oktober 2003

Misanthropie-Antidot

Auf der Buchmesse habe ich am Tag nach dem Bohlen-Auftritt die Kontrastveranstaltung erlebt: Nein, nicht Verona oder Naddel, sondern Filippa bzw. ihre Eltern.

Das Fürstenpaar stellte höflich und zurückhaltend, ohne überflüssige Worte und falsche Sentimentalitäten "Filippas Engel" vor, empfahl es vorsichtig, war dankbar für die verstorbene Tochter und lächelte mit einer gewissen Routine in die wenigen Kameras. Contenance war das richtige Wort. Und "Tolle, lege" war die Botschaft.

Bohlen: "'Diese Promis, die ihr jeden Tag im Fernsehen seht, sind ganz normale Menschen. Sie lügen vielleicht ein bisschen mehr.' Auch er selbst sei ganz normal"; als Promi lügt er vielleicht ein bißchen mehr. Und kann einen zum Misanthropen machen.

Vielleicht ist "Filippas Engel" das geeignete Gegengift? (Mehr dazu weiter unten.)
Kleine katholische Tour

Fast wie eine Illustration zum Gomez Davila-Satz über die unkatholische Sorge um die Kirche wirkt die Tour d'Eglise, die Martin Mosebach in der Süddeutschen Zeitung zum päpstlichen Amtsjubiläum präsentiert.

12. Oktober 2003

Wieder mal: Liturgie

"Looking at the Liturgy - A Critical View of its Contemporary Form" heißt ein kleines Buch des englischen Dominikaners Aidan Nichols, das 1996 erschien. Es resümiert kritisch die Liturgische Bewegung und nimmt ihr Ergebnis und dessen tagtägliche Umsetzung, aus anthropologischer und "kulturkritischer" Sicht unter die Lupe.

In deutscher Sprache ist "Looking at the Liturgy" nicht zugänglich; aber immerhin gibt es eine ausführliche Würdigung in einer 200er Ausgabe der UnaVoce-Korrespondenz.

11. Oktober 2003

!

"Der Katholik, den das Los der Kirche mit Besorgnis erfüllt, hat aufgehört, Katholik zu sein." (Nicolas Gomez Davila: Einsamkeiten.- Wien: Karolinger, 1987, S. 104)
Friedensnobelpreis 2003

Warum nicht der Papst? - Weil der Preis vielleicht doch zu klein ist für ihn, weil er sich nicht restlos als Friedensengel vereinnahmen lässt.

Bei Johannes Paul läßt sich der politische Einsatz nicht isolieren von seinem Amt und von seiner Botschaft; wer wie er unzweideutig dafür steht, daß erst im Geheimnis Jesu Christi das Geheimnis des Menschen ans Licht kommt, daß nur im bekehrten Herzen der Frieden dauerhaft wohnen kann - der stört immer auch die innerweltliche Harmonie. Und würde auf der Preisverleihung vielleicht auch kein Blatt vor den Mund nehmen. Eine Mutter Teresa reicht, die unhöflich genug war, den feinen Damen und Herren in den Sekt zu spucken.

(Zur Erinnerung aus ihrer Rede vom 10.12.1979: "Ich habe eine Überzeugung, die ich Ihnen allen mitteilen möchte: Der größte Zerstörer des Friedens ist heute der Schrei des unschuldigen, ungeborenen Kindes. Wenn eine Mutter ihr eigenes Kind in ihrem eigenen Schoß ermorden kann, was für ein schlimmeres Verbrechen gibt es dann noch, als wenn wir uns gegenseitig umbringen? Sogar in der Heiligen Schrift steht: 'Selbst wenn die Mutter ihr Kind vergessen könnte, ich vergesse es nicht.' Aber heute werden Millionen ungeborener Kinder getötet, und wir sagen nichts. In den Zeitungen lesen wir dieses und jenes, aber niemand spricht von den Millionen von Kleinen, die empfangen wurden mit der gleichen Liebe wie Sie und ich, mit dem Leben Gottes. Und wir sagen nichts, wir sind stumm.

Für mich sind die Nationen, die Abtreibung legalisiert haben, die ärmsten Länder. Sie fürchten die Kleinen, sie fürchten das ungeborene Kind. Und das Kind muss sterben, weil sie dies eine Kind nicht mehr haben wollen - nicht ein Kind mehr - und das Kind muss sterben.

Und ich bitte Sie hier im Namen der Kleinen: Rettet das ungeborene Kind, erkennt die Gegenwart Jesu in ihm!")

10. Oktober 2003

9. Oktober 2003

Das Gute im Menschen ist flüchtig

Oder wie es bei Josef Pieper heißt: Arche andra deixei - Die Herrschaft zeigt, was im Menschen ist.

Der Armenpriester bittet zur Kasse. In der SZ.
Auch eine Barbie

Sie fördert die muslimische Identität und dient als Vorbild für islamisches Verhalten. Es gibt sie blond, braun- und dunkelhaarig, mit heller, bräunlicher und schwarzer Hautfarbe. Und sie trägt einen Schleier - erst wenn sie zuhause ist, nimmt sie ihn ab.

Es ist Razanne, the Muslim Doll.

Razanne Teacher Doll - White Caucasian Heritage

Und - hey! - es gibt sie sogar als Lehrerin: "Many girls study to become educators. Two-piece suits with jacket and skirt are popular styles for Muslim women who work outside the home as teachers or other professionals."

Darf man diese Barbie jetzt in die Schule mitnehmen oder nicht? (Via A Saintly Salmagundi)

8. Oktober 2003

Für die Simplen

Keine Spekulationen über den Gesundheitszustand des Papstes und über die mutmaßlichen Nachfolgekandidaten an dieser Stelle. Und ob JPIIs Fahrt nach Pompeji wirklich ein "Abschied" (P. Badde) war, weiß ich nicht. Ich überlasse das (mit dem Papst - da bin ich mir ziemlich sicher) lieber den zuständigen höheren Stellen.

Immerhin aber zeigt Baddes Artikel in der Welt eine Wertschätzung des Rosenkranzgebetes, die ungewöhnlich und erfrischend ist:

"Doch was ist der Rosenkranz? Im Kern besteht das Gebet aus dem zärtlich wiederholten Gruß des Engels Gabriel an Maria in Nazareth, dazu aus dem Gruß der schwangeren Elisabeth an ihre schwangere Cousine Maria in Ein Karem (gerade unterhalb des heutigen Mahnmals von Yad Vaschem). Es sei ein Gebet für die Simplen, die zu ungebildet und oft auch Analphabeten waren, um wie christliche Mönche regelmäßig die 150 herrlichen Psalmen der hebräischen Bibel zu singen, sagen viele. Es sei eine geniale Weise, 'Jesus Christus mit den Augen seiner Mutter zu betrachten' sagte Johannes Paul II. im letzten Oktober."

Und wer steht letztlich nicht ungebildet, unwürdig, stotternd, überfordert, als Simpel, vor GOtt?
Kaufen!

So gut wie Cash-Biograph Franz Dobler in der Süddeutschen Zeitung könnte ich es nie sagen:

"Die Musik ist so schön klar wie ein Gebirgsbach 1492, und wenn man doch mal an das Gemälde 'Blumenwiese vor Alpenglühen' denkt, wird es gleich verjagt von einer bizarren Lee Marvin-Anekdote und von ihrem Gesang sowieso: weil er nicht nur gut, sondern alt und rau ist, nach viel Leben klingt, nicht immer mit totaler Präzision einsetzt oder jeden Ton trifft, man die Anstrengung spürt, wenn das Tempo anzieht. Weil der Chor nicht nur schön Gospel singt, sondern auch wie eine Bande von Strolchen, die feiern."

Wildwood Flowers

Die Rede ist von June Carter Cash und ihrem letztem Album "Wildwood Flowers". Für mich definitiv in der Jahresbestenliste.

7. Oktober 2003

So kann's gehen

BBC: "I keep asking: Why me? Maybe God was telling me something? I certainly went to church on Sunday and I will never mock Him as I did in my foolish youth."

6. Oktober 2003

Leerstelle für GOtt

5 vor 12 wachen alle auf und gestehen dem "höheren Wesen, das wir verehren" a.k.a. Gott doch die Aufnahme in die Europäische Verfassung zu. Sogar "Gerhard Schröder hätte nichts gegen einen Gottesbezug."

Vielleicht findet sich ja noch ein nettes Eckchen - beim gemeinsamen kulturellen und spirituellen Erbe wäre ER doch ganz gut aufgehoben und neutralisiert. Und Europa könnte zeigen, "dass [es] ein Gedächtnis hat". Verunsichern lassen müssen sich davon weder die "Mächtigen und Macher" (incl. der Meister des Zeitungswortes!) noch die Untertanen.

(Matthias Drobinskis Kommentar in der SZ: Das gefährliche Wort)

3. Oktober 2003

New Blog on the Block

Von Berufswegen für mich interessant, aber vielleicht auch für den einen oder andern:

Der/das Researchblog - all things information, in Deutsch und hoffentlich langlebig.
Für die regelmäßigen Leser:

Ich bin bis Mittwoch wieder mal auf Reisen und schätze, daß ich nicht zum Schreiben kommen werde.
Das Wo und Wie des Glücks, Teil II

P. Henri de Lubac

"Der Christ verlangt nicht nach Glück. Jesus lehrt ihn die Bitte, daß der Name des Vaters geheiligt werde, daß sein Reich komme, daß sein Wille geschehe.

Der Christ erwartet nicht Glück. Er erwartet den neuen Himmel und die neue Erde, 'wo die Gerechtigkeit wohnt'.

Der Christ begehrt nicht das Glück. Er hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit. Sein Durst wird gestillt vom ewigen Leben.

Der Christ erhofft nicht das Glück. Er hofft, Gott zu sehen. 'Ich werde gesättigt sein, wenn deine Glorie erscheint.'

... Und alles das, und vielleicht nur das, ist das Glück." (Henri de Lubac: Glaubensparadoxe, S. 93)
Ein starker, hohler Stamm

Als Ergänzung zu einem bemerkenswerten Post von Erich den passenden Aphorismus von P. Henri de Lubac SJ:

"Ein Glaube kann dem Nullpunkt zustreben, ohne daß ein Zweifel ihn anflöge. Sich höhlend, sich veräußerlichend, allmählich vom Leben zum Formalismus übergehend, kann er sich auch härten und den Anschein prächtiger Stärke gewinnen. Die Rinde ist erstarrt, der Stamm innen faul." (Glaubensparadoxe, S. 13)
Das Wo und Wie des Glücks

Die BBC referiert eine Studie aus dem New Scientist und listet Meilensteine auf dem Weg zum Glück:
  • Genetic propensity to happiness
  • Marriage
  • Make friends and value them
  • Desire less
  • Do someone a good turn
  • Have faith (religious or not)
  • Stop comparing your looks with others
  • Earn more money
  • Grow old gracefully
  • Don't worry if you're not a genius
Recht hat er.

Bischof Reinhard Marx (Trier) am 25. September in Fulda:

"... die Kirche ist auch nicht nur ein Untersuchungsobjekt der Geschichtswissenschaft und der Soziologie. Sie ist das Volk Gottes, das immer wieder den eigenen Weg im Licht des Evangeliums betrachtet und so bereit wird zur ständigen Erneuerung. Für uns als Kirche gilt es, in jeder Zeit neu die Herausforderung anzunehmen, mitten in der Welt das Evangelium vom auferstandenen Herrn Jesus Christus zu bezeugen. Und deshalb verbietet sich ein nostalgisches Zurückschauen in vergangene, scheinbar bessere Zeiten, genauso aber auch der Traum von einer Zukunftskirche, die mehr eine Flucht aus den gegenwärtigen Problemen ist als eine Hilfe zur Veränderung und Erneuerung. Wir sind hineingestellt in diese Zeitstunde und sollten das mit ganzem Herzen annehmen und bejahen. Das ist der notwendige Ausgangspunkt aller Neuorientierung. Vor allem hilft es nichts, die Gegenwart zu verteufeln, die moderne Welt als einen Irrweg hinzustellen und damit letztlich auch den universalen Anspruch des Evangeliums aufzugeben, der ganzen Schöpfung und allen Menschen das Wort Gottes zu verkünden.

Das bedeutet nicht, die Augen zu verschließen vor einer größer werdenden Differenz von Kirche und Gesellschaft. Das zeigen alle Untersuchungen, auch der jüngste Trendmonitor des Allensbacher Instituts für Demoskopie bestätigt diese Entwicklung der "beschleunigten Moderne" und es kann ja auch gar nicht anders sein. In einer Welt, in der die Freiheit des Einzelnen sich immer mehr erweitert und damit die Gesellschaft individualistischer wird und kaum noch ein gemeinsamer Wertehorizont gefunden werden kann, ist es für die Kirche immer schwieriger, deutlich zu machen, dass Glauben auch heißt, einer konkreten Gemeinschaft verlässlich und für immer anzugehören. Genauso schwer ist es, zu akzeptieren, dass der Glaube nicht nur persönliche Meinung ist, sondern einen Wahrheitsanspruch hat, der über mein eigenes Verstehen hinausgeht. Und: Im Glauben bekenne ich mich zu einer neuen Lebensweise, die sich oft genug unterscheiden muss von dem, was vordergründig für das Glück gehalten wird. Für mich ist die Kernfrage deshalb: Können wir auf der einen Seite profiliert und froh katholisch sein und gleichzeitig auf der anderen Seite mit Zuversicht in dieser Gesellschaft als moderne Menschen leben?

Wie aber kann die größer werdende Spannung ausgehalten werden? Wie können wir die Kraft des Glaubens neu erschließen? Ich bin überzeugt: Eine geistliche Erneuerung und ein Neuaufbruch in der Evangelisierung kann nur gelingen, wenn wir deutlich machen: Der Glaube an den dreifaltigen Gott, gelebt und gefeiert in dieser sichtbaren Kirche, ist die stärkste Alternative, das größte Abenteuer für Geist und Herz des Menschen. Nicht indem wir die Welt anklagen, sondern indem wir ihr zeigen, was stärker ist, können wir unseren Weg in die Zukunft gehen. Im Grunde ist das auch der viel beschworene Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils: Das Konzil wollte nichts abschaffen, wollte keine Relativierung der Glaubenswahrheiten und der katholischen Grundüberzeugung, aber es wollte – so hat es Papst Johannes XXIII. in seiner beeindruckenden Eröffnungspredigt gesagt – in besserer und überzeugenderer Weise den Schatz des Glaubens allen Menschen zugänglich machen.

Wenn wir doch in unserer Liturgie, in unserem gemeinsamen Zeugnis der Liebe, in unserer Freude am Gebet erfahrbar machen könnten, dass der christliche Glaube wirklich der große Schatz ist, für den es sich lohnt, alles zu verkaufen, die wertvolle Perle, die den ganzen Einsatz lohnt – wie es im Text aus dem Matthäusevangelium Jesus gesagt hat – dann wäre das möglich, was ich im Bistum Trier oft die "mentale Wende" nenne: Der Umbruch in unseren Köpfen und unseren Herzen, die neue Erkenntnis, wie reich wir beschenkt sind, wie wunderbar es ist, Christ zu sein!"

(Via Deutsche Bischofskonferenz (DBK))

2. Oktober 2003

Guess who?

Solche Leute brauchen wir: "Als meine gute Eigenschaften kann ich nennen: Ich kann begeistern, ich will liebevoll und sanft mit den Menschen umgehen. Ich werde absolut meine Menschlichkeit bewahren, und ich kann sehr gut versöhnen. "

Nein, nicht Mutter Teresa, sondern Barbara Rütting, grüne Alterspräsidentin des Bayerischen Landtags. (Im
Interview der Süddeutschen Zeitung) Da atmen wohl nicht nur "Millionen Tiere" auf, sondern ganz Bayern. Oder?
Frings-Frage zu Afri Cola-Nonnen

Aus einem Welt-Interview mit dem früheren Afri Cola-Werber Charles Wilp:

"Wilp: (...) Das war unsere Meßlatte: Wenn ich für ein Anzeigenmotiv oder einen Spot keine Resonanz in Form einer Anzeige oder einstweiliger Verfügung bekam, war das nichts wert.

DIE WELT: Wie beim Skandal-Motiv mit den geschminkten Nonnen.

Wilp: Genau, so etwas war damals absolut tabu. Wir hatten alle gegen uns, die etablierte Werbewirtschaft, einen Teil der Rundfunkanstalten, die Katholische Kirche. Die hat auch prompt eine einstweilige Verfügung beantragt. Flach hatte dann den Kölner Kardinal Frings zum Essen eingeladen, er war ja sehr gläubig. Und nach ein paar Kölsch gab Frings klein bei und sagte: Warum sollen unsere Nonnen keine geschminkten Lippen haben und Afri Cola trinken?"

Klar: Weil Lippenstift an Gläsern und Flaschen eklig aussieht. Es gibt Dinge, die nicht einmal eine moderne Nonne tun sollte. Aber wahrscheinlich denken Nonnen, die sich schminken, eh öko-, antiamerikanisch-friedens- und gesundheitsbewußt und verschmähen daher grundsätzlich Koffeinlimonaden? (Ausnahmen bitte melden.)

[Die richtige Antwort wäre natürlich: Erstens ist es nicht schlecht, wenn in unserer Gesellschaft - als eine Art "prophetisches Zeichen" - wenigstens die Nonnen vor allem "dem Herrn gefallen" (Paulus in einem Brief) wollen, und zweitens macht laut Jesus Christus nicht das den Menschen unrein, was er zu sich nimmt, sondern das, was er von sich gibt.]

1. Oktober 2003

"Sehen, was ist, ist eine Gnade"

Ein Kurzportrait Romano Guardinis von seiner Biographin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz in der Tagespost. Für mich ist RG einer von denen, zu denen ich immer wieder zurückkehre. Unzeitgemäß zeitlos.
"Helfen war wichtiger."

Klaus Harpprecht würdigt in der Zeit Harald Poelchau, Gefängnispfarrer in Tegel, Kreisauer Widerständler und Sterbebegleiter für Hunderte von NS-Opfern.
Monster - solche und solche

"Wollen Sie wissen, was sie innen für ein Monster ist?" - "Nein, geh wieder rein! Außerdem kenne ich Mrs. Buncombe und sie ist kein Monster. Sie ist eine gute Frau." - "Ich sag ja nicht, dass sie ein böses Monster ist!"

Die Basil Chapters bei CatholicismWow. Good fun und gar nicht so unweise. Danke!

30. September 2003

Kommentare wieder o.k.

Schneller als gedacht. So soll's sein.
Kommentare verseucht

Die Kommentarfunktion der letzten vier Postings ist mit einem eindeutig-zweideutigen Redirect-Link verseucht - besser gar nicht erst aufrufen. Sobald ich dazukomme - heute abend? -, werde ich diese Kommentare löschen.

29. September 2003

Died before she got old

"Hope I die before I get old" - so The Who recht naiv vor langen Jahren. (Ich wüsste gerne, was Keith Moon heute dazu Pete, John und Roger sagen würde, wenn er dürfte.)

Unbeschwert naiv, unbekümmert geborgen, kindlich ernst - so klingen die Sätze, die die Welt aus dem Tagebuch der mit 21 Jahren tödlich verunglückten Prinzessin Filippa zu Sayn-Wittgenstein zitiert:

"'Fipsi' reflektiert wieder über das eigene 'Nach-Hause-Gehen': 'Ja, ich gehe, ich kam als leere Schüssel, gehe als volle, hoffe ich. Nicht erwarten, gefüllt zu werden, einfach, warten, leiten lassen zu den Füllstellen, wird schon gehen . . .' (23. März 1998)"

"Am 2. Juni 1998 trägt sie in ihre Kladde ein: 'Heute gesprochen über Grab, falls ich früher sterbe, als ich hoffe. Auf der Burg, im Gärtchen. Neben mein Grab eine Akazie und/oder eine Eiche/einen Kirschbaum, so dass man mich jedes Jahr essen kann . . . Man soll feiern, ganz rein feiern, nicht zu besoffen oder versaut daherkommen . . . Ich habe euch alle so geliebt. Bleibt einig. Dienet Gott.'"

"Ihr Sayn am Westerwald vor der weiten Rheinebene empfindet die Prinzessin als den schönsten Platz der Erde. 'Ja, soll es sayn, dann Sayn. Aber lieber noch nicht. Ich freue mich nämlich sooo viel, dass es für zwei oder noch mehr reicht. Aber will tun, was Gott mit mir vorhat, und immer dankbar sein für das, was ich hatte/habe.'"

(Info zum Buch "Filippas Engel" beim Don Bosco-Verlag.)
"Ignaz - Der Film"

Seit 20 Jahren soll John Kennedy Tooles Roman "Ignaz oder Die Verschwörung der Idioten" ("Confederacy of Dunces") schon verfilmt werden. Jetzt gibt es wieder einen neuen Anlauf. Ob das was wird? (via A Saintly Salmagundi)
Vorabdissens im Hühnerhof

Weil demnächst mal wieder ausgemistet wird, gackert der Hühnerhof in voller Aufregung! Ängstlich die einen, aufgeregt die andern. Und manisch-aggressiv einige der bekannten deutschen Hähnchen.

Es kursieren im deutschen Internet verschiedene Listen von zu korrigierenden liturgischen "Verirrungen", die im Entwurf eines neuen vatikanischen Liturgieschreibens aufgeführt seien (z.B. kath.net, "Wir sind Kirche"). Nicht alle Punkte werden es - überhaupt oder unverändert - in die Endversion schaffen. Und wie John Allen im Word from Rome schreibt: Sie werden wohl nur geltende Regelungen - des Kirchenrechts, des Ordo Missae etc. - bekräftigen.

Aber darum geht es nicht mehr auf der katholischen Animal Farm, wo auf dem Misthaufen die Blumen des Bösen wuchern: Mißtrauen, Argwohn, Gezetere, Willkür, Rechthaberei, Verleumdung. Auch die Liberal-Progressiven haben ihre "Akt(e) der religiösen Selbstbefriedigung" (Roland Breitenbach).

(Gelobt sei da die sobrietas inebria, die nüchterne Trunkenheit, die Kardinal Ratzingers "Geist der Liturgie" ausstrahlt - und er ist damit nicht der einzige.)

26. September 2003

Koinzidenz

"This royal throne of kings, this sceptred isle,
This earth of majesty, this seat of Mars..."
(Shakespeare: Richard II.)

Und draußen steht der Planet am Himmel über Oxfordshire.
Warum nicht einfach "Sünde"?

Die Süddeutsche zum entstehenden Sozialpapier der deutschen Bischöfe:

"Man kann auch sagen: Dem Text fehlt die Frömmigkeit. Warum schreiben die Bischöfe nicht: Massenarbeitslosigkeit ist Sünde! Oder: Kinderarmut ist Sünde! Oder auch: Egozentrisches Anspruchsdenken ist sündig! Das würde zwar nicht klären, ob und wie ein demografischer Faktor in die Rentenversicherung gehört. Wohl aber, wovor sich eine Gesellschaft hüten sollte wie der Teufel vorm Weihwasser."

Mag ja stimmen, aber hat sich "die Gesellschaft" je darum gekümmert, was die Kirche für "Sünde" hält? Inzwischen schämen wir uns, irgendetwas geradeheraus im Katechismustonfall als "Sünde" einzustufen - und jetzt will die Öffentlichkeit gerade das von uns hören? Ihr könnt nicht alles haben.

25. September 2003

Angst vor den Kopftüchern

Höchste Zeit für ein Toleranzedikt ist es für Heribert Prantl und ich stimme ihm zu.

Für mich vermischen sich hier Ängste aus ganz verschiedenen Ecken und verbünden sich zu Intoleranz: Zum einen ist es die Angst vor einer Religion, die sich öffentlich macht, die in öffentlichen Räumen nicht einfach unsichtbar wird - wenn man will: Angst vor einer Religion, die außer der Innerlichkeit auch noch eine Äußerlichkeit kennt.

Dann höre ich bei konservativen Christen oft genug die Angst vor dem expansiven, aggressiven Islam heraus, der uns moslemisieren will und damit den Heilsplan Gottes, das christliche Abendland oder als Antichrist die Apokalypse stört.

Bei unseren christlichen Politikern (nicht nur aus den C-Parteien, aus den anderen genauso) und liberal orientierten Christen hat die Angst andere Motive: Hier hat man eher Angst, dass die Toleranz der Gesellschaft gegenüber einer neutralisierten, unter Vorbehalt gestellten Religion verloren gehen könnte, daß aus einem mühsam erreichten Gleichgewicht wieder eine chaotische Schaukelpartie mit ungewissem Ausgang werden könnte. Lieber lassen wir uns weiterhin zähmen und holen andere auch in die Koppel.
Hotelspruch

"In the interests of ecology we will change the towels every other day." So steht es über dem Hotelwaschbecken.

Daß die Ökologie daran Interesse hat!

23. September 2003

Unser Lieblingsamerikaner 2004

Den bundesdeutschen Lieblingsamerikaner 2004 stellt uns die Tagespost vor: Samuel Gregg nimmt sich dort die zehn Demokratischen Präsidentschaftskandidaten vor. Wer auch immer in den Primaries das Rennen macht: Unsere Journalisten werden ihn bejubeln, unsere Politiker ihn vorsichtig willkommen heißen und wir alle würden ihn wählen. Und alle werden wir ignorieren, daß "der Ami" vielleicht ganz gute Gründe hat, nicht Demokratisch zu wählen:

"Wohl wahr: Je genauer man die Demokratische Partei dieser Tage unter die Lupe nimmt, desto klarer zeigt sich: Sie wird immer stärker zu einem Sammelsurium von Fraktionen, die kaum mehr Gemeinsamkeiten haben als die Hoffnung auf Unterstützung für ihre jeweils eigenen, völlig unterschiedlichen Interessen.

Das einzige andere, tatsächliche Bindeglied ist die Befürwortung der Abtreibung. Allein darin sieht sich die kunterbunte Basis vereint. Dem hat sich jeder Kandidatur-Kandidat zu beugen, und ein jeder tut es denn auch. Manche sammeln sogar Geld für Abtreibungs-Aktivisten. Anwälte für das Leben, 'Pro life' also, sind in der US-Spezies namens Democrats ausgestorben.

Damit liegt auf der Hand, dass die Partei auch langfristig Schwierigkeiten zu erwarten hat. Das zeichnet sich nicht nur durch die Tatsache ab, dass immer mehr amerikanische Katholiken der Abtreibungsfrage wegen vom demokratischen ins republikanische Lager wechsel(te)n. Ganz generell ist inzwischen ein deutlicher „Pro life“-Umschwung in der Volksmeinung zu erkennen. Den jüngsten Umfragen zufolge sind 52 Prozent aller Frauen in den Vereingten Staaten grundsätzlich gegen einen Schwangerschaftsabbruch.

Das hat die Abtreibungs-Lobby zutiefst geschockt, und das bringt die Demokratische Partei in immer flacheres Wasser. Je länger sie ihren Exponenten einen extremen 'Pro Abtreibung'-Kurs vorschreibt, desto mehr verringert sich angesichts der „Pro life“-Mehrheitsmeinung der Bürger die Chance, das höchste Staatsamt zurückzuerobern.

Welchen Einfluss der Komplex auf die Präsidentschaftswahl 2004 haben wird, muss natürlich Mutmaßung bleiben. Fest steht so viel: Mit dem Beharren auf ihrem Pro-Abtreibungs-Kurs, den immer mehr Wähler(innen) für moralisch verwerflich halten, riskieren die Demokraten ein verheerendes Eigentor."

21. September 2003

Immer noch die alten Lieder

In der Tagespost kritisiert Michael Karger die Kritik von Norbert Scholl am Gotteslob.

"Hinzu kommt noch die Verurteilung derjenigen Lieder, die 'mangelnden Realitätssinn' und 'unverhohlenen Triumphalismus' zeigen, wie 'Das All durchtönt ein mächtger Ruf: `Christ A und O der Welten!´.' Bezeichnenderweise hat auch dieser Text einen neutestamentlichen Hintergrund ('Er, der auf dem Thron saß, sprach: ... Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende' Offb 21, 5f), was Scholl aber nicht hindert seinen Ton noch zu verschärfen: 'Wer kann eigentlich derart bombastische und imperiale Wunschvorstellungen noch Ernst nehmen? Dazu muss man sich noch das Ambiente vorstellen, in dem diese Fanfarenstöße erklingen: ein Paar alte Männer und Frauen in einer halbleeren Kirche.'"

Genau das ist es, was ich an meiner Kirche liebe: Die Kirche ist meist mehr als halbleer, das Durchschnittsalter liegt bei 55 und von den unter 40-jährigen Getauften sind gerade mal 4 % anwesend. Der Pfarrer wählt die alten Lieder gewohnheitsmäßig aus, und alle quälen sich durch die Strophen. Nach einer Stunde ist das "heilige Geheimnis" vorbei. Amen.

Mir scheint aber gerade das die angemessene Gestalt zu sein, wie sich in Deutschland 2003 die Hoffnung wider alle Hoffnung verwirklicht - authentischer, scheint mir, als auf Katholikentagen, in pastoraltheologischen Hauptseminaren oder durch Bischofskonferenzen. Daß die Macher, die dominanten Intellektuellen, die wirbelnden Hauptamtlichen, die Kleriker hoffen, überzeugt mich nicht: Das ist ihr Job, entspricht ihrem Psycho-Typus, war zu erwarten. Aber daß die Alten, die Einfachen, die nicht-organisierten und nicht-mitredenden "Randständigen" hoffen, daß sie völlig bizarr die Triumphsongs singen, zeigt mir, daß die Hoffnung, das "Gottvertrauen" hartnäckiger ist als gedacht. Und daß nicht unsere Power oder positive Energie gefragt ist, sondern die freie Gnade und die "gekreuzigte Liebe" (ein Wort, das ich nicht leichtfertig hinschreibe, gewiß nicht).

Lassen wir Norbert Scholl weiterschreiben, wenn's ihm Spaß macht. Seine unvermeidliche Neubearbeitung der Bibel müssen wir uns ja nicht antun, wenn sie in ein paar Jahren erscheint. Wir wissen jetzt schon, was drin steht. Es ist die alte Bibel, die wir nicht gut genug kennen und die uns zu wenig interessiert. Dann würden wir auch verstehen, wie jemand "Wunderschön prächtige" dichten und singen kann - auch wenn es nicht unser Lieblingslied ist.

19. September 2003

Sparkurs

Das Geld wird auch in den bayerischen Diözesen knapper und so haben sich die Bischöfe bereits Gedanken gemacht, wie sie darauf reagieren können: gemeinsame Bistumszeitungen, geringere Zuschüsse an Verbände und Bildungshäuser - und gegebenenfalls Schließungen von Kirchen. (Süddeutsche Zeitung, 19.9.2003)

Wieso dieser Sparkurs dann aber schon wieder zu einem Akt der "Solidarität mit den Menschen" (Kardinal Wetter) verklärt werden muß, frage ich mich. Geht's nicht eine Spur flacher: Wir tun einfach, was getan werden muß?

18. September 2003

Wir geben auf. SPD

Und nochmal zur Landtagswahl in Bayern: Jetzt muß auch noch die Titanic der armen Bayern-SPD eine bösen Streich spielen - in Aschaffenburg, vor Scipios Haustür.

Ganz und gar nicht zum Lachen...

16. September 2003

Madeleine Delbrel: Das Gebet eines Lebens in der Welt

"Das Gebet eines Lebens in der Welt ist eine halbamtlich versehene öffentliche Funktion.

In so vielen Schichten gibt es keine Gläubigen mehr, und noch weniger Anbeter. Selbst wenn man weiß: christliches Gebet ist für jedermann da, belasten es doch jene, mit denen man umgeht und die einem vor Augen sind, mit besonderem Gewicht.

Heute ist Beten die größte Wohltat, die man der Welt erweisen kann."

(Gebet in einem weltlichen Leben.- 3. Aufl.- Einsiedeln: Johannes, 1979, 56)
Auch ein Grund fürs Weblogging

Auf dem angenehmen Seminar, das ich derzeit besuche, haben die Teilnehmer heute den DISG-Persönlichkeitstest gemacht. Ich werde die Leserschaft nicht mit meinem Psychogramm beschäftigen, keine Angst.

Der "dominante" Typ scheine ich jedenfalls nicht zu sein, frage mich aber, ob ich meine paar dominant-konfrontativen Anteile nicht hier gelegentlich in meinem Weblog (an abwesenden Gegnern) ausprobiere. Eine der Antworten, warum ich oder andere ein Weblog schreibe, ist dann wohl: "Damit ich auch mal richtig böse sein kann."

15. September 2003

Erkenntnis

Gerade mit Freunden heftig und intensiv über den Zustand der Welt diskutiert. Am Ende stand die Erkenntnis, daß nichts bleiben wird, wie es ist. (Wie es werden wird, wussten wir so wenig wie zuvor.)

Hoffen wir, daß die Vorsehung uns noch den Wein und die Freundschaft erhalten möge, die wir beide brauchen, wenn wir in der Zukunft sinnvoll über die wahr gewordene Gegenwart philosophieren.

14. September 2003

JP II, der Große


Andreas Englisch berichtet in der Welt am Sonntag über die Papstreise in die Slowakei.

"'Das Kreuz ist unsere einzige Hoffnung. Am Kreuz begegnen sich das Leiden der Menschen und das Erbarmen Gottes', wird der Papst sagen und die Frage stellen: 'Was sehen wir also, wenn wir zum Kreuz schauen, an das Christus geschlagen wurde?' Und er wird die Frage aller christlichen Fragen so beantworten: 'Wir erfahren die unendliche Liebe Gottes zum Menschen.'"

Ein greiser, kranker, leidender, verstummter Papst scheint diese Liebe noch deutlicher zu machen als der jugendliche, robuste, lachende Karol Wojtyla der 80er Jahre. Weil er sie der Welt nicht nur weitersagt, sondern weil er selbst ganz auf sie angewiesen ist. Genau wie wir, nur noch offensichtlicher.
Vielleicht ist es ja doch - wahr?



Das Hamburger Abendblatt bringt einen Ausschnitt aus der neuen JP II-Biographie von Andreas Englisch, seine Erinnerung an einige erstaunliche Minuten vom 13. Juni 1999:

"Ich war in diesem Augenblick plötzlich sauer auf den Papst. Als er da vor mir stand, einen Augenblick lang nur, herrschte ich ihn innerlich an: 'Was willst du denn noch, Karol Wojtyla? Warum gibst du nicht endlich Ruhe? Warum schleppst du dich weiter um die Welt, warum hetzt du dich, verdammt noch mal, selbst zu Tode? Du hast doch gewonnen! Du hast dazu beigetragen, dass sich dein Land von den Sowjets befreien konnte. Was willst du jetzt noch hier? Diese Reise ist Wahnsinn, so wie die anderen Reisen in andere Länder auch: 21 polnische Städte in 12 Tagen: Das ist Wahnsinn. Du musst um fünf Uhr aufstehen, und du kommst nicht vor Mitternacht ins Bett, seit elf Jahren hattest du nicht einen Ruhetag. Du kannst doch nicht mehr: Ich sehe das ja.'

Ich sah ihm nach, wie er unendlich langsam zu dem Hubschrauber schritt, und ich fragte mich zum ersten Mal: Was ist, wenn dieser Mann eben doch ein Werkzeug Gottes ist? Hat alles das, was ich erlebt habe, eine ganz andere Bedeutung, als ich glaubte? (...)

Der Mann, den ich vor mir auf dem Friedhof hatte weinen sehen, war nicht einer, der sich feiern lassen wollte. Es war ein Mann, der meinte, nur ein Werkzeug Gottes zu sein. 'Und wenn es wahr ist?', dachte ich zum ersten Mal. 'Wenn er das alles nur deshalb durchsteht, weil ihm Gott die Kraft gibt?'"

12. September 2003

In Memoriam Johnny Cash

Angel Band (Hascall / Bradbury)

My latest sun is sinking fast
My race is nearly run
My longest trials now are past
My triumph has begun

Chorus
Oh come angel band
Come and around me stand
Bear me away on your snow white wings
To my immortal home
Bear me away on you snow white wings
To my immortal home

Oh bear my longing soul to him
Who bled and died for me
Whose blood now cleanses from all sins
And brings me victory

I've almost gained my heavenly home
My spirit loudly sings
The holy ones, behold they come
I hear the noise of wings

11. September 2003

"Blogger wird komplett kostenlos"

... schreibt Golem. (Via Handakte)

There's nothing like a free lunch.
Schlappen

Robert Gernhardt in der Welt über Theodor Wiesengrund Adorno: "In den 'Minima Moralia' ist Adorno nicht wirklich dogmatisch. Er ist zwar der Meinung, dass man sich nicht mehr 'richtig' einrichten oder 'richtig' kleiden kann. Gefällt ihm aber irgendein Kleidungsstück, ist er zu den aberwitzigsten intellektuellen Volten bereit, um es philosophisch zu rechtfertigen. So rehabilitiert er beispielsweise den Pantoffel - 'Schlappe, slippers' - als emanzipatorisches Kleidungsstück. Der Pantoffel, schreibt er, sei ein Denkmal des Hasses gegen das Sichbücken. Man kann nämlich in ihn hineinschlüpfen, ohne den aufrechten Gang aufzugeben."

Hatte Adorno Kinder? Die schlüpfen nämlich in jeden Schuh, ohne sich zu bücken. Und wer den Knoten nicht aufzieht, muß sich auch zum Binden nicht bücken.
Rechtshaarer

Isabel Hartmann in der SZ: Linkshänder wirbeln anders:
Ein Forscher glaubt, dass die Richtung von Haarwirbeln und die Händigkeit am selben Gen hängen
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Katholische Bürgermeister

Die Tagespost interviewt Kardinal Leo Scheffczyk zu diversen kirchlichen Fragen:

"Tagespost: Zeigt die jüngste Auseinandersetzung der Kardinäle Ratzinger, Meisner und Lehmann um die Bewertung des ökumenischen Kirchentages aus Ihrer Sicht ein grundlegend verschiedenes Verständnis von Kirche? Welches Maß an Klarheit schuldet der Bischof den Gläubigen?

Scheffczyk: Man möchte nicht gerne so weit gehen, hier auf ein wesentlich verändertes und gänzlich verschiedenes Kirchenverständnis zu schließen; andererseits ist nicht zu verkennen, dass sich langsam eine Differenzierung herausbildet, die man als Unterschied zwischen einer „Bekenntniskirche“ und einer „gesellschaftsintegrierenden Kirche“ kennzeichnen könnte. Letztere möchte die Gesellschaft auch in der Kirche abgebildet sehen, um so verstärkt auf sie einwirken zu können.

Allerdings müssten allein schon die bislang gemachten Erfahrungen vom mangelnden Realismus dieser Auffassung überzeugen. Was das gesellschaftspolitische Engagement angeht, so erinnert uns der evangelische Theologe Karl Barth in seiner launigen Art daran, dass wir als Dorfälteste und als Bürgermeister von der Welt eigentlich nicht gebraucht würden. Gerade dieser Tage belegt eine repräsentative Umfrage, dass zwei Drittel der Befragten das politische Engagement der Kirche ablehnen und den Gottesdienst als die vorrangige Aufgabe betrachten. Dazu kommen die Unterschiede, die durch die undifferenzierte Propagierung einer 'Laienkirche' gesetzt wurden, aber auch durch die ideologische Überfrachtung der 'kooperativen Pastoral' mit der zuweilen unverhohlenen Intention, alle Gläubigen zu Seelsorgern zu machen. In der Diskussion ist gelegentlich auch schon die Auffassung zu hören, dass man (des Laiendienstes wegen) die Weihe- von der Hirtengewalt trennen sollte, was faktisch die Auflösung des kirchlichen Amtes erbrächte. Die Bischöfe sind berufen, über diese Divergenzen im Kirchenbild zu urteilen und Glauben von Ideologie zu scheiden. Sonst wird die Entwicklung zur 'Sektorenkirche' nicht abzuwenden sein."

9. September 2003

Geschwätz

"1949 schrieb Adorno: 'Noch das äußerste Bewußtsein vom Verhängnis droht zum Geschwätz zu entarten.'"

Ja.

(Zitat aus: Claudia Wolff: Entarten: Adornos Sätze.- FR, 9.9.03)

8. September 2003

Der Katholikentagslutscher



Benedikt hat uns ja schon vor ein paar Tagen das unheimlich eindrucksvolle Logo des Katholikentags 2004 präsentiert. In meinem zynischen Kommentar dazu hatte ich gemutmaßt: "Sind nicht der kreisrunde, rote Lutscher, das Windrad und der turbulente Luftwirbel uralte christliche Symbole, die sich schon bei Tertullian, Cyrill und Chrysostomus finden?"

Das belegt Dr. Oliver Schütz , Bereichsleiter Programm in der Geschäftsstelle des Katholikentages, in seinen "Theologischen Impulsen" zwar nicht, aber immerhin läßt sich dort lernen, daß die Spirale "ein uraltes Symbol für Dynamik" und "ein Symbol der Sonne" ist, daß sie "auf den Himmel" verweist und - wow - an die Schnecke erinnert, die ihrerseits wiederum wegen "ihre(s) spiralförmigen Haus(es), in das sie sich für die Zeit von Kälte oder Trockenheit zurückzieht und danach wieder erscheint, ... in der christlichen Ikonographie zu einem Symbolwesen für die Auferstehung Jesu Christi" wurde.

Bibeltexte findet Schütz allerdings nur für den Keimling, der auch in der Spirale enthalten sein soll und den ich trotz aller guten Worte nicht erkennen kann. (Liegt an mir, keine Angst. Verstocktes Herz, verblendete Augen, kaum Fantasie, ...)

Den guten Willen erkenne ich an und auch den Einfallsreichtum, mit dem aus einem 08/15-Logo etwas Hochsignifikantes gezaubert wird. Aber mich davon inspirieren oder gar motivieren oder begeistern zu lassen - nee. Ich nehme es schlicht und einfach als Symbol für den Zustand des deutschen Katholizismus: Langweilig, modernistisch-bieder, verwechselbar.

(Mehr Infos zum Katholikentag 2004 in Ulm gibt es hier.)
"Was Sie tun, ist auch für unseren Glauben gut."

Das Interview von Kardinal Ratzinger mit dem US-TV-Sender EWTN im deutschen Wortlaut.

Ausschnitte:

"EWTN: Was würden Sie den Gläubigen sagen, die in den USA zur Zeit sehr verunsichert sind und nicht wissen, an wen sie sich halten sollen? Was würden Sie Ihnen sagen?

Ratzinger: Vor allem, daß sie sich an den Herrn wenden sollen. Er ist immer für uns da und in unserer Nähe. Sie sollen auch auf die Heiligen schauen, ganz gleich wann sie gelebt haben. Man findet auch in unserer Zeit Heilige. Es gibt unter uns demütige und gläubige Menschen, vielleicht nicht so sichtbar, weil sie nicht im Fernsehen erscheinen. Aber es gibt auch heute demütige, betende Menschen. Sie sind die Zuversicht der Kirche und aller Menschen. Sucht diese Menschen auf! Trotz aller heutigen Probleme ist die Kirche nicht von der Bildfläche verschwunden, sondern lebt fort, gerade in den Personen, die nicht so sehr in Erscheinung treten. Also, ich denke, das ist wesentlich: den Herrn aufsuchen, die Heiligen gleich welcher Zeit wiederentdecken, aber auch die einfachen Menschen ausfindig machen, die nicht heilig gesprochen sind, aber wirklich im Herzen der Kirche leben.

(...)

EWTN: Nun, wir sind froh, wenn Sie weitermachen. Meine letzte Frage lautet: Was betrachten Sie, Eminenz, als größte Gefahr und was als größte Hoffnung in der Kirche von heute?

Ratzinger: Ich sehe die große Gefahr, daß wir nur noch ein Sozialverband und nicht im Glauben an den Herrn festgemacht sind. Im ersten Moment scheint nur zu zählen, was wir tun, während der Glaube nicht so wichtig erscheint. Aber wenn der Glaube verdunstet, zerfallen auch die anderen Dinge, wie wir gesehen haben. Also, ich denke, es gibt zur Zeit mit all den Aktivitäten und äußerlichen Visionen die Gefahr, die Bedeutung des Glaubens zu unterschätzen und den Glauben zu verlieren. Das gilt auch für eine Kirche, in der der Glaube nicht mehr so wesentlich ist.

EWTN: Ja.

Ratzinger: Die große Hoffnung ist, daß wir eine neue Gegenwart des Herrn erleben. Wir können erfahren, daß die sakramentale Gegenwart des Herrn in der Eucharistie ein wesentliches Geschenk für uns ist, das uns die Möglichkeit gibt, die anderen zu lieben und für sie zu arbeiten. Ich glaube, daß die neue Präsenz des eucharistischen Christus eine neue Liebe für Christus entfacht. Der in der Eucharistie gegenwärtige Christus ist das ermutigendste Zeichen unserer Zeit."
Das Lied fürs einfache Leben

Glücklicher leben wollen wir - nach Aristoteles - wohl alle und hoffen heutzutage meist, das durch ein einfacheres Leben zu erreichen: "Simplify your life"! "Lebe einfach, werde glücklich"!

Zu meiner persönlichen Komplexitätsreduktionsstrategie ( :-) ) gehört eine ausreichende Dosis Bluegrass-Music, die ja selbst glückliche Einfachheit zu verkörpern scheint (scheint!): Rednecks und Hillbillies spielen auf der weiten, bläulich schimmernden Prärie oder in grünen Appalachentälern fröhlich mit Fiddle und Banjo auf; nach vier Minuten ist der Song vorbei, und jeder nimmt einen tiefen Schluck Moonshine.

Ricky Skaggs hat auf seinem neuen Album "Live at the Charleston Music Hall" einen richtig schönen Einfach-Leben-Song. der denn auch gleich von der IBMA als möglicher Song of the Year 2003 nominiert wurde. Hier sind die Lyrics - jedenfalls soweit ich sie heraushören konnte:

A Simple Life (Words: Harley Allen)

I live a simple life:
I work all day and I sleep all night,
A couple of kids who need me there,
A big dog and a little cat,
A wife that barks but rarely bites.
So I live a simple life.

I live a simple life:
A big coat when the cold winds bite,
Leather boots for my bare feet,
Now and then a steak to eat.
I pick with the boys on Friday night.
So I live a simple life.

Refr:
My favorite book was wrote about a man
Who died to save my soul.
My favorite thing to hear is
Daddy, I'm so glad you're home.
My favorite woman is five three
With long black hair and green eyes.
Still I live a simple life.

I live a simple life:
A couple of friends I really like,
A little house outside a town,
An old car that gets me around.
Complications may arise
But I live a simple life.

I live a simple life:
Cell phone when my old car dies,
The internet to show me where,
GPS to get me there,
Everywhere there's satellites:
I live a simple life.

Refr.
Wertvoller als ein kleines Steak



Also, mich erinnert der Celebration Cup ("this patented, all-in-one presentation of communion host and grape juice is our fastest moving product") eher an einen Fruchtzwerg. Ist natürlich billiger (< 13 US Cent) und länger haltbar (mindestens 6 Monate), und hat weniger Alkohol als Meßwein. (Wieder einmal via A Saintly Salmagundi alias Fr. Bryce Sibley)

7. September 2003

Walker Percy: Über die Schüchternheit

"Frage: Wenn Sie schüchtern sind, ist es dann besser, Sie akzeptieren Ihre Schüchternheit, oder ist es besser, Sie suchen Hilfe bei einem Psychotherapeuten, damit Sie ein selbstbewußter, unverklemmter Mensch werden, oder vielleicht, Sie lesen ein Buch darüber, wie man seine Schüchternheit überwindet?

(a) Es ist besser, Sie suchen Hilfe bei einem Psychotherapeuten, weil es besser ist, nicht zu leiden, als zu leiden. Psychiater und Psychologen behandeln Störungen. Schüchternheit ist ein Symptom einer solchen Störung. Daher ist es vernünftig, entsprechende Hilfe zu suchen.

(b) Es ist besser, Sie lesen ein Buch, wie man darüber hinwegkommt, schüchtern, ängstlich, unsicher usw. zu sein, als Sie lesen ein solches Buch nicht, denn Sie könnten den einen oder anderen hilfreichen Hinweis bekommen, selbst aus einem Buch.

(c) Es ist besser, Sie lesen ein solches Buch nicht, weil die Wirkung solcher Bücher nur während der Lektüre und vielleicht noch fünfzehn Minuten danach anhält und daher Ihre Verzweiflung nur noch gesteigert würde.

(d) Es ist besser, Sie hören Leo Buscaglia zu, weil er über solche Sachen spricht wie Liebe, Zärtlichkeit und Offenheit für seine Mitmenschen.

(e) Es ist besser, Sie hören Leo Buscaglia nicht zu, weil Leo zwar durchaus unterhaltsam ist, aber sowohl Sie als auch Leo sich danach schlechter fühlen würden.

(f) Es ist besser, Sie lesen das Buch, das sie im Augenblick lesen, denn es ist zwar auch nicht viel besser, aber immerhin erzählt es Ihnen nichts darüber, wie Sie über Ihre Schüchternheit, Angst usw. hinwegkommen, sondern wirft diese Dinge nur als Fragen zwischen Schriftsteller und Leser auf und macht das Undarstellbare darstellbar, für eine Weile vielleicht sogar erträglich.

(g) Es ist besser, Sie suchen nicht bei einem Psychotherapeuten Hilfe, sondern azeptieren Ihre Schüchternheit, wenn sie auch noch so schmerzhaft ist, weil es besser für Sie ist, Ihr schüchternes Selbst zu sein als die Person, die der Psychotherapeut aus Ihnen machen will, nämlich eine wie er selbst.

(h) Es ist besser, Sie suchen Hilfe bei einem Psychotherapeuten, sofern der Psychotherapeut weiß, was nicht viele Psychotherapeuten wissen, nämlich daß der Schüchterne etwas wissen könnte, was der Nichtschüchterne nicht weiß: daß Ihr Selbst für Sie in der Tat undarstellbar ist, daß Sie ein Recht auf Ihre Schüchternheit haben, daß es Schwachsinn höheren Grades erfordert, nicht schüchtern zu sein, daß gerade die Undarstellbarkeit Ihres Selbst der einzige Anhaltspunkt ist, den Sie für Ihre Einmaligkeit haben, daß man ansonsten nur ein weiterer Ralph unter tausend Ralphen wird oder, schlimmer noch, eine Kopie des Psychotherapeuten." (Das furchtsame Selbst III, aus: Walker Percy: Loch im Kosmos.- Basel: Sphinx, 1991, S. 42f.)
Ungerechte Gnade

Erstaunlich, wie unterschiedlich der liebe Gott seine Gaben verteilt: Wo ein Augustinus mit 42 Jahren noch inständig flehte: "Ich beschwöre Dich, mein Gott, enthülle mir auch mich selbst." (Confessiones, 10, 37), sind heutzutage schon jede Menge Teenies mit jeder Menge Selbsterkenntnis gesegnet.

Oder was sonst soll es sein, was einem in der "Starsearch" entgegenschallt: "Ich weiß, daß ich die Power habe", "Ich bin voller Energy", "Ich habe das Zeug zum Superstar", usw. usf. ?

4. September 2003

Mammons-Altar

Da kommt die digitale Ersatzkollekte auf uns zu! (via Saintly Salmagundi)

Jochen Hörisch fühlt sich sicher bestätigt: "Abendmahl, Geld und elektronische Medien sind die aufeinander folgenden und einander überformenden, mittlerweile vergleichsweise friedlich koexistierenden Leitmedien unserer (und im Hinblick auf Geld und elektronische Medien offenbar auch der Welt-) Kultur."
Reaktion auf Böckenförde

Konrad Adam kommentiert in der Welt Böckenfördes Kritik (s.u.) und nennt sie überzogen. Optimistischer ist er auch nicht:

"Nachdem es die Menschen gewagt haben, an den Grenzen des Lebens herumzuspielen, werden sie sich den Konsequenzen stellen und sagen müssen, wo diese Grenzen liegen sollen. Verlangt ist eine Entscheidung, die man nicht dadurch vermeidet, dass man von einem Naturrecht raunt, das es in dieser Form nicht mehr gibt; leider nicht.

Böckenfördes Versuch, den 'naturrechtlichen Anker', als welchen er die Unantastbarkeit der Menschenwürde ansieht, mit allen Mitteln zu retten, wird man mit Sympathie begleiten, mit Melancholie aber auch. Denn das 'Naturrecht' wird heute eben anders definiert und anders verstanden als vor 50 Jahren. Wer das nicht wahrhaben will, läuft Gefahr, ein Naturrecht ohne Natur zu verteidigen. Und das kann, um Böckenförde zu zitieren, schwerlich aufgehen."
Die kontextabhängig antastbare Menschenwürde

Kennt Ihr das? Ein Ereignis, eine Begegnung scheint einem klarzumachen, wie es ums Ganze bestellt ist? Eine Kleinigkeit wird zum Leitsymptom?

Mir ging es so vor dem letzten Klitschko-Kampf: Die alltägliche, 5-minütige Meldung über die Kampfvorbereitungen und Pressekonferenen in den 19.00 Uhr-Nachrichten enthüllte mir schlagartig den Zustand des öffentlich-rechtlichen Senders ZDF. Mag noch so viel in der Welt passieren, so viel Zeit muß in "Heute" sein, daß das ZDF dort Product Placement in eigener Sache betreibt! Auch Du, Lerchenberg!

Ernst-Wolfgang Böckenförde, Staatsrechtler und ehemaliger Verfassungsrichter, schilderte gestern in der FAZ (3.9.2003, 33 + 35) einen viel ernsteren Eye Opener: Im Maunz/Dürig, dem maßgeblichen Grundgesetz-Kommentar, erschien eine Neu-Bearbeitung der Kommentierung von Artikel 1 Absatz 1 GG. Wo die bisherige Kommentierung von Günter Dürig (aus dem Jahr 1958) in der Menschenwürdegarantie eine "Übernahme eines grundlegenden, in der europäischen Geistesgeschichte hervorgetretenen 'sittlichen Werts' in das positive Verfassungsrecht" sah, "das sich sich dadurch selbst auf ein vorpositives Fundament, eine Art naturrechtlicher Anker, wenn man so will bezieht", heißt für Böckenförde der "Schlüsselsatz" des neuen Kommentars von Matthias Herdegen:

"Trotz des kategorialen Würdeanspruchs aller Menschen sind Art und Maß des Würdeschutzes für Differenzierungen durchaus offen, die den konkreten Umständen Rechnung tragen." Wo das Maß des Würdeschutzes differenziert werden kann (und weil ein Kommentar auch normativ wirkt:) und werden soll, stellt Herdegen auch gleich fest: "Wenn sich der Würdeanspruch seinem Umfang nach überhaupt nach den konkreten Umstanden richten darf, muß dies in besonderer Weise für die Entwicklungsstufen menschlichen Lebens gelten."

Für Böckenförde heißt das: "Letztlich geht es um den Freiraum für die Gewährung und den Abbau von Würdeschutz nach Angemessenheit des Interpreten ... Auch bei den Ausprägungen der Menschenwürdegarantie, die näher behandelt werden zeigt sich eine gleitende Skala und die fehlende Erkennbarkeit eines festen Bodens."

Auch Böckenförde steht ratlos vor der Frage, wie die geschichtlich hervorgerufene tiefere Erkenntnis der Unantastbarkeit der Menschenwürde "Generationen binden" kann, "die diese Erfahrung [des massiven Unrechts und der kaum übersteigbaren Verachtung der Menschenwürde im 3. Reich; Scipio] nicht mehr haben, für die das 'Dritte Reich' schon und nur Geschichte ist, für die die Notwendigkeit eines bleibenden, unabdingbaren Halte- und Orientierungspunktes für die Ordnung des Zusammenlebens der Menschen keine Evidenz mehr hat?" Schlechte Aussichten für weniger Menschenwürdige.
Felix Bavaria, wähle!

Parteipolitischer Kommentare enthalte ich mich an dieser Stelle üblicherweise. Wenn aber ein Wahlkampf so abläuft wie der zur Landtagswahl in Bayern, durchbreche ich mein Prinzip:

Als Hauptargument der Bayern-Opposion, ihr die Stimme zu geben, hört der Normalbayer momentan: "Damit die Regierungspartei nicht zu viele bekommt." Wenn das alles ist, hat sie's nicht anders verdient ...

2. September 2003

Die besseren Systemverwalter

Neal Stephenson hat in seinem Roman Cryptonomicon eine ganz überraschende Würdigung der Christen und speziell ihres Umgangs mit "Sündern" untergebracht:

"Randy und Amy hatten letzte Nacht eine geschlagene Stunde im Gespräch mit Scott und Laura verbracht; sie waren die Einzigen, die sich bemühten, Amy den Eindruck zu vermitteln, dass sie willkommen war. Randy hatte nicht die leiseste Ahnung, was diese Leute über ihn und das, was er getan hatte, dachten, aber er spürte sofort, dass das letztlich gar nicht der Punkt war, denn selbst wenn sie dachten, er hätte etwas Schlimmes getan, verfügten sie wenigstens über einen Rahmen, eine Art Verfahrenshandbuch, um mit Missetaten umzugehen.

Um es in die Begriffe der UNIX-Systemverwaltung (Randys grundlegende Metapher für fast alles) zu übersetzen: Die postmodernen, politisch korrekten Atheisten glichen Leuten, die ohne jegliche Dokumentation oder Anweisung plötzlich für ein großes, wahnsinnig komplexes Computersystem (nämlich die Gesellschaft) verantwortlich waren und deren einzige Möglichkeit, das Ding am Laufen zu halten, darin bestand, mit einer Art neo-puritanischer Strenge gewisse Regeln zu erfinden und durchzusetzen, denn mit jeglicher Abweichung von dem, was sie als Norm betrachteten, hatten sie große Schwierigkeiten.

Dagegen glichen Leute, die in eine Kirche eingebunden waren, UNIX-Systemverwaltern, die zwar vielleicht nicht alles verstanden, aber doch über eine Dokumentation, ein paar FAQs und Hilfe-Programme und README-Dateien verfügten, die ihnen, wenn die Dinge aus dem Ruder liefen, eine gewisse Anleitung boten. Mit anderen Worten, sie waren in der Lage, Flexibilität zu zeigen." (S. 761)
Kommentare jetzt mit BlogSpeak

Enetation funktioniert wieder einmal nicht, so daß ich kurzfristig auf die Kommentarfunktion von BlogSpeak umgestiegen bin.

1. September 2003

Schluß mit hyggelig

Zwei Wochen in Blavand waren eine Zeit richtiger, gründlicher Erholung. Morgen geht es wieder ans Brötchenverdienen.

Das hyggelige Dänemark ist für einen Urlaub immer wieder ideal. Aber so ganz wundert es mich - mit Verlaub - doch nicht, daß es der große und existentiell ernste Sören Kierkegaard inmitten seiner dänischen Mitbürger nicht aushielt.